In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik LXI: Eine Wäh­rung, alle Prei­se

Und wie­der ein­mal beschleicht mich das Gefühl, die „Braun­schwei­ger Zei­tung“ sei die F.D.P. unter den Tages­zei­tun­gen, das neo­li­be­ra­le Kampf­blatt, das sei­ne eige­ne Bedeu­tungs­lo­sig­keit nicht zu akzep­tie­ren bereit ist. Heu­te fand ich in die­sem furcht­ba­ren Druckerzeug­nis fol­gen­den gleich­falls furcht­ba­ren „Arti­kel“:

Als Zah­lungs­mit­tel ist der Euro für Wol­fen­büt­tels mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men eine gro­ße Hil­fe.

Ja, als was denn sonst – als Klo­pa­pier? Die Begrün­dung für die­se Behaup­tung fin­de ich aber noch famo­ser als ihre For­mu­lie­rung:

„Wech­sel­kur­se sind Bar­rie­ren“, sagt [MKN-Geschäfts­füh­rer Georg] Weber. (…) Man sei nicht den Gefah­ren von Wäh­rungs­schwan­kun­gen aus­ge­setzt.

Dass der Umstand, dass man „sogar mit den USA“ Geschäf­te in Euro abschlie­ßen kann, hat natür­lich aber auf das Bestehen von Wech­sel­kur­sen mal so über­haupt kei­nen Ein­fluss, wie ein Blick ins näch­ste Zeit­schrif­ten­re­gal bereits ganz ein­fach demon­strie­ren wür­de:

Dass sol­che All­täg­lich­kei­ten den Schrei­ber­lin­gen der „Braun­schwei­ger Zei­tung“ nicht wei­ter auf­fal­len, lässt sich nur damit erklä­ren, dass sie ein­fach kei­ne Zeit­schrif­ten lesen; aber das ist ja auch kei­ne Vor­aus­set­zung, um dort zu arbei­ten. Und so zeu­gen auch die letz­ten Sät­ze davon, dass man im Gespräch mit der Wirt­schaft kei­ne Zwi­schen­ru­fe aus dem blö­den Volk wünscht:

Dass der Euro am Ende sei, befürch­tet man in kei­nem der Unter­neh­men. „Kei­ner hat ein Inter­es­se dar­an“, meint [Sur­fac­tor-Geschäfts­füh­rer Gun­ther] Mar­tin. (…) Wenn man zur D‑Mark zurück­keh­re, bekom­me man Schwei­zer Ver­hält­nis­se. „Aber das ist schlech­ter als der Euro.“

Hier hat man min­de­stens eine Fuß­no­te ver­ges­sen. „Kei­ner“ ist hier selbst­ver­ständ­lich nicht iden­tisch mit „nie­man­dem“, son­dern bezieht sich nur auf die Mehr­heit der Gewer­be­trei­ben­den und Neu­rei­chen, die vom Euro kei­ne nen­nens­wer­ten Nach­tei­le haben. Der Bür­ger sieht das anders – aber lasst den Pöbel mal quat­schen. Wenn er kein Brot mehr hat, soll er eben Kuchen essen, so lan­ge er ihn bei uns kauft, nicht wahr?

Und das mit den Schwei­zer Ver­hält­nis­sen war viel­leicht nur ein Faux­pas und gar nicht so gemeint, in der Schweiz läuft’s näm­lich bestens:

Trotz schwie­ri­ger Wirt­schafts­la­ge bekom­men vie­le Ange­stell­te in der Schweiz für 2012 eine Lohn­er­hö­hung. Die Band­brei­te der bis­her bekann­ten Lohn­ab­schlüs­se reicht von 0 bis über 2%. (…) Laut Öko­no­men­pro­gno­sen dürf­te die Beschäf­ti­gung näch­stes Jahr sin­ken und die gesamt­wirt­schaft­li­che Lohn­sum­me um etwas unter 2% zule­gen.

Dass kei­ner der befrag­ten Unter­neh­mer die Aus­sieht auf Lohn­er­hö­hung zu schät­zen weiß, über­rascht mich nun nicht. Lohn­er­hö­hun­gen sind schlech­ter als der Euro?

Wäh­rend der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on hat­ten die Arbei­ter noch eine hand­fe­ste Ant­wort auf so einen Blöd­sinn. Dum­mer­wei­se ist die Ent­haup­tung von Empor­kömm­lin­gen nach aktu­el­ler Recht­spre­chung auch aus poli­ti­schen Grün­den nicht gestat­tet. Ande­rer­seits: Die Fol­gen (Napo­le­on, Sar­ko­zy) blei­ben nega­tiv in Erin­ne­rung.

Montagsmusik
Jaga Jaz­zist – 220 V

Huch, schon wie­der Mon­tag?

Da hilft nur Jazz.

Jaga Jaz­zist – 220 V / Spek­tral Live At Bylarm

Um es mit einem der Kom­men­tiert­ha­ben­den zu sagen:

Ama­zing Fuck­ing Epic Awe­so­me Music.


Das mit dem „fuck­ing“ ist im Eng­li­schen ja auch so eine Sache. Pudd­le of Mudd hat­ten einst einen veri­ta­blen hit mit dem Lied „She hates me“, im Refrain „She fuck­ing hates me“, also „sie mag mich wirk­lich nicht son­der­lich“. Eine ein­fa­che Umstel­lung des Flu­ches kann dem Lied eine ganz ande­re Wen­dung geben:

„Fuck­ing she hates me“ = „Die ver­damm­te Oide mag mich nicht son­der­lich.“
„She fuck­ing hates me“ = „Sie mag mich wirk­lich nicht son­der­lich.“
„She hates fuck­ing me“ = „Sie mag den Bei­schlaf mit mir nicht son­der­lich.“
„She hates me fuck­ing“ = „Sie mag es nicht son­der­lich, wie ich bei­schla­fe.“

Ich bin oft sehr stolz auf die Viel­falt des deut­schen Wort­schat­zes.

Internes
Win­ter­putz, Anfang 2012.

(Noch ein­mal ein wenig Tech­nik für regel­mä­ßi­ge Leser; ich bit­te ihre unre­gel­mä­ßi­gen Zeit­ge­nos­sen um geneig­tes Igno­rie­ren.)

Hin­ter den Kulis­sen geht hier gera­de eini­ges ab.

Fast genau ein Jahr nach Ste­fan Domans­kes sel­bi­gem Tun bin ich dabei, hier ein biss­chen Kahl­schlag zu betrei­ben. („Ein biss­chen“ Kahl­schlag, das klingt ein biss­chen nach „ein biss­chen“ Krieg, oder?)

Min­de­stens einer mei­ner Leser weiß, dass ich auch in Bezug auf Word­Press ein olles Spiel­kind bin und blei­be. Hirn­fick 2.0 hat­te bereits, als es noch knall­grün war, Tux­Blog hieß und ein Blog zu sein ver­such­te, man­che Spie­le­rei, die eigent­lich gar nicht nötig war, von mir ange­tra­gen bekom­men, im Lau­fe des letz­ten Jah­res waren hier teil­wei­se knapp 50 Plug­ins aktiv, die natür­lich die Lade­zeit nicht son­der­lich posi­tiv beein­flusst haben.

Dem Kahl­schlag zum Opfer fie­len also im Lau­fe der ver­gan­ge­nen Nacht diver­se – zum Teil seit lan­gem inak­ti­ve – Erwei­te­run­gen für den Admi­ni­stra­ti­ons­be­reich, aber auch das, was ihr, die Besu­cher, zu sehen bekommt, wur­de – und wird noch – behut­sam auf­ge­räumt. Die Kate­go­rien erfah­ren gera­de eine Ent­schlackungs­kur: Arti­kel, die in drei oder mehr Kate­go­rien stecken, miss­fal­len mir, da dies nicht zur Über­sicht bei­trägt. Mit der ver­gleichs­wei­se neu­en Unsit­te, Arti­kel zu ver­schlag­wor­ten („tag­gen“), kann ich bis heu­te nichts anfan­gen – geeig­ne­te tags zu fin­den, die den Kern kom­ple­xer Gedan­ken­gän­ge in weni­gen Buch­sta­ben zu erfas­sen ver­mö­gen, erscheint mir oft schwie­ri­ger als das Aus­den­ken einer guten Über­schrift; aber dies gelingt mir zumeist.

Vor allem aber habe ich einen von Ste­fans Gedan­ken­gän­gen adap­tiert:

Kei­ne Pseu­do-Funk­tio­nen mehr. RSS-Feeds abon­nie­re ich nicht über einen But­ton auf der Sei­te, eben­so wenig schie­be ich Links in mei­ne sozia­len Net­ze über Knöp­fe auf der Web­sei­te. Das mache ich mit Book­mar­klets oder über die Funk­tio­nen mei­nes Brow­sers. Da muss ich näm­lich nicht suchen und weiß, wie sie funk­tio­nie­ren.

Der RSS-Ver­weis bleibt vor­erst, wo er ist, da es inzwi­schen Usus zu sein scheint, die RSS-Auto­ma­tis­men zum Bei­spiel von Fire­fox nur mehr per optio­na­ler Erwei­te­rung nutz­bar zu machen – die Ver­wei­se zu den „sozia­len Netz­wer­ken“ unter jedem Arti­kel aber, die es ermög­lich­ten, per Klick mei­nen Senf per zum Bei­spiel Digg zu bewer­ben, sind gestri­chen. Das hat drei Grün­de:

  1. Die zur Ver­fü­gung ste­hen­den Word­Press-Plug­ins besit­zen eine über­schau­ba­re Funk­tio­na­li­tät: Ent­we­der basie­ren sie auf exter­nen, ziem­lich gro­ßen Java­Script-Biblio­the­ken (etwa das Twit­ter-mit-Zäh­ler-wid­get) oder sie ver­zich­ten auf die Inte­gra­ti­on der Netz­wer­ke, die mir wich­tig sind.
  2. Die neben Twit­ter – das viel­mehr ein Mikro­blog als ein wirk­li­ches sozia­les Netz­werk ist – ein­zi­ge Platt­form die­ser Art, die ich selbst aktiv nut­ze, ist Gera­spo­ra, und für sie exi­stiert noch kei­ne Umset­zung eines sol­chen wid­gets.
  3. Ich hal­te mei­ne Leser für aus­rei­chend kom­pe­tent, im Fal­le einer Nut­zung eines sozia­len Netz­werks selbst in der Lage zu sein, Ver­wei­se hier­her in ihrer Zeit­lei­ste unter­zu­brin­gen. (Tat­säch­lich erhielt ich unlängst eine Viel­zahl an Auf­ru­fen per Face­book, obwohl es hier eigent­lich nie­mals eine Face­book-Anbin­dung gab; anders­her­um blie­ben Besu­che von Tech­no­ra­ti, Digg und Co. bis­lang weit­ge­hend aus.)

Diver­se Arti­kel wer­den im Lau­fe des Tages noch ihre Kate­go­ri­sie­rung wech­seln, viel­leicht wer­den noch ein paar Kate­go­rien ver­schwin­den oder es ent­ste­hen neue. Klei­ne­re Ände­run­gen (und viel­leicht eine grö­ße­re, ziem­lich bun­te, sofern alles klappt) am the­me wer­den fol­gen. Wenn ihr Ideen habt, die ich schon immer mal hät­te umset­zen sol­len, dann ist jetzt der rich­ti­ge Zeit­punkt gekom­men, sie mir mit­zu­tei­len.

Dan­ke für die Auf­merk­sam­keit.


Nach­trag vom 9. Janu­ar: Die ziem­lich bun­te Ände­rung wur­de vor­ge­nom­men.

Politik
Hit­ler­jahr 2011

2011 war ja auch mal wie­der ein Jahr des Hit­lers. Hit­ler ist nicht mehr nur ein Tabu und eine Wer­be­i­ko­ne, er ist inzwi­schen auch eine Maß­ein­heit:

Wie viel Hit­ler steck­te etwa in Kim Jong-il, dem nord­ko­rea­ni­schen Des­po­ten? Wie war das mit Geor­ge W. Bush? Und was ist mit Barack Oba­ma? Ist er viel­leicht auch ein biss­chen Hit­ler? Und sei’s nur ein klit­ze­klei­nes biss­chen? (…) Und so haben Oba­mas radi­ka­le Geg­ner im eige­nen Land ihren Prä­si­den­ten wegen eben der Ein­füh­rung einer gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung mit Hit­ler ver­gli­chen.

Hit­ler und sei­ne Zeit gehen eben immer. Lars von Trier? Nie gehört, bis er sich spa­ßes­hal­ber zum Nazi erklär­te, was in den USA belu­stigt auf­ge­nom­men wur­de, in Euro­pa aber die übli­che Wel­le ent­rü­ste­ter Buh­ru­fe nach sich zog. Humor­lo­ses Völk­chen, die­se Euro­pä­er.

Von Hei­ner Geiß­lers Stutt­gart-21-Schlich­tungs­ver­such ist auch nicht viel geblie­ben: Es wird gebaut, es wird Geld ver­schlin­gen. Hei­ner Geiß­ler? Wer war das? Ach so, der mit dem Goeb­bels-Spruch.

“Wollt Ihr (sic!) den tota­len Krieg?” hat er wohl die Teil­neh­mer an den Schlich­tungs­ge­sprä­chen gefragt und damit Joseph Goeb­bels zitiert.

Es ist nicht davon aus­zu­ge­hen, dass inzwi­schen schon mal jemand dar­über nach­ge­dacht hat, wie man die­se Fra­ge sonst hät­te for­mu­lie­ren sol­len; aber wenn man sich halt gera­de so schön in Rage gere­det hat, möch­te man nicht plötz­lich fest­stel­len, dass die­se Rage eigent­lich ver­ge­bens war, tja, Hit­ler­zeit geht eben immer.

Dabei hat­te selbst Hit­ler mit Dschin­gis Khan eine Ver­gleichs­fi­gur, die ihm als das Böse erschien (wenn’s halt gera­de nicht die Juden waren), anson­sten gab es im Lau­fe der Jahr­hun­der­te ja zahl­lo­se fin­ste­re Gestal­ten, von den Pha­rao­nen in den Büchern Gene­sis und Exodus über Judas Ischa­ri­ot und Napo­le­on Bona­par­te bis hin zu Wolf­gang Schäub­le – zu Ruhm als in welt­wei­ter Pop­li­te­ra­tur als Witz­fi­gur kari­kier­ter Mon­arch hat es außer Hit­ler jedoch bis­lang nur Drit­te­rer gebracht.

Viel­leicht ist so ein neu­es Jahr ja eine gute Gele­gen­heit, in der eige­nen Rede ein­mal einen ande­ren Böse­wicht zu ersin­nen. Hit­ler schockt ein­fach nicht mehr.

Vor­schlä­ge?

PolitikIn den Nachrichten
Über das Mär­chen vom gro­ßen bösen Wulff

Ach, ich ver­ste­he die Men­schen nicht mehr.

Der amtie­ren­de Bun­des­prä­si­dent hat sich also – als Pri­vat­mann – 500.000 Euro gelie­hen. Das ist sein gutes Recht. Dass nicht jeder 500.000 Euro gelie­hen bekommt, ist scha­de, aber es kann ja auch nicht jeder zurück­zah­len, neh­me ich an. Ich jeden­falls könn­te es nicht. Und trotz­dem tönt der Tenor jetzt durch das Inter­net:

Wir alle möch­ten jetzt auch mal Men­schen in einem Land sein, in dem wir Dar­le­hen von rei­chen Freun­den zum Vor­zugs­zins bekom­men, und zwar so, dass uns das Geld in Form eines anonym aus­ge­stell­ten Bun­des­bank­schecks zuge­steckt wird, damit es auch kein Auf­se­hen erregt, wenn wir so viel Geld zum Vor­zugs­zins gelie­hen bekom­men, so dass wir leich­ter sagen kön­nen, dass wir gar kein Geld zum Vor­zugs­zins bekom­men haben.

Ich ver­ste­he das nicht. Das Pro­blem derer, die auf­grund des gelie­he­nen Gel­des jetzt den Rück­tritt des Bun­des­prä­si­den­ten oder des Amtes for­dern, ist es, dass man ihnen nicht auch so viel Geld leiht, oder wie? Aber was kann der Bun­des­prä­si­dent denn dafür?

Ob er das Geld als Poli­ti­ker oder als Pri­vat­mann bekom­men hat, ist sicher­lich eine ent­schei­den­de Fra­ge, erste­res wäre womög­lich Kor­rup­ti­on und somit für den höch­sten Mann im Staat kein gutes Ergeb­nis. Hat denn jemand den Scheck ein­mal dar­auf über­prüft? Chri­sti­an Wulff ist neben­bei auch noch Pri­vat­mann: Sei­ne Finan­zen, sei­ne Sexua­li­tät und sei­ne Ess­ge­wohn­hei­ten soll­ten nicht Gegen­stand der öffent­li­chen Debat­te sein.

Zumal die Öffent­lich­keit selbst nur all­zu leicht zu kor­rum­pie­ren ist: Die Ver­ant­wort­li­chen für den Ein­satz des Staats­tro­ja­ners sind immer noch im Amt, obwohl sie das Grund­ge­setz gebro­chen haben. Das stört offen­bar nie­man­den mehr, sie sind ja kei­ne Prä­si­den­ten. Aber was will das Volk? Das weiß es nicht.

Man kann es Chri­sti­an Wulff zugu­te hal­ten, dass er Deutsch­land eini­ges erspart hat: Wäre er, statt die Wahl zu gewin­nen, als Ver­lie­rer aus ihr her­vor­ge­gan­gen, hät­te Deutsch­land nun den Sta­si-Schütz­ling Joa­chim Gauck an sei­ner Stel­le am Hals; und ob das bes­ser gewe­sen wäre, bleibt zu bezwei­feln, denn in des­sen Vita gibt es sicher Ärge­res als gele­gent­li­che rät­sel­haf­te Zah­lungs­vor­gän­ge zu ergrün­den. Wer aber soll­te Wulff nun beer­ben, wür­de er zurück­tre­ten?

Georg Schramm wäre eine nahe lie­gen­de Lösung; aber am Ende wür­de es doch wie­der der Gut­ten­berg. So gese­hen kön­nen wir stolz auf das sein, was uns geblie­ben ist.

Wir müs­sen nur end­lich den Anstand haben, uns dazu zu beken­nen.

Politik
Ach, ZDF!

So wenig ich auch der teil­wei­se doch arg popu­li­sti­schen Schel­te gegen Herrn Wulff abge­win­nen kann:

Cha­peau!

Netzfundstücke
Ste­ve Jobs zum Anfas­sen

Soll­te noch jeman­dem nicht klar sein, war­um ich App­le­pro­duk­te grund­sätz­lich als Spiel­zeug abtue: Es liegt an der Men­ta­li­tät der Benut­zer, die kein Arbeits­ge­rät, son­dern etwas zum Spie­len wol­len, bevor­zugt bunt und laut und aus Pla­stik.

War­um die Fir­ma Apple in all den Jah­ren noch nicht den kon­se­quen­ten näch­sten Schritt gegan­gen ist, ist unver­ständ­lich. Zum Glück gibt es jetzt Abhil­fe von treu­en Anhän­gern:

Die Ste­ve-Jobs-Action­fi­gur, die Bar­bie-Pup­pe für Trend­tus­sis und ihre beäng­sti­gen­den Freun­din­nen, im Maß­stab 1:6. Mit nur etwa 100 US-Dol­lar ist sie bei­na­he ein Schnäpp­chen, bedenkt man, wie viel teu­rer die auch nicht viel nütz­li­che­ren Apple-Pro­duk­te übli­cher­wei­se sind. (Dass die Inter­net­sei­te des Ver­mark­ters zur­zeit recht unflink zu laden ist, spricht für sich.)

Inkom­pa­ti­bi­li­tä­ten mit dem Film „Chucky – die Mör­der­pup­pe“ und den Fol­ge­fil­men sind nicht aus­ge­schlos­sen.

(via Nacht­wäch­ter)

PolitikNetzfundstücke
Schmal­hans des Tages: Luca Leit­ters­torf, Jun­ge Uni­on.

Die­ser Arti­kel ist Teil 1 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Ach, was flat­tert denn da gera­de per Twit­ter rein?

Luca Leit­ters­torf, laut eige­ner Aus­sa­ge Mit­glied der Jun­gen Uni­on, twit­tert unter dem Pseud­onym titus­lu­ca Bon­mots wie die­ses hier:

In jedem Video, wo angeb­li­che Poli­zei­ge­walt gezeigt wird, gehen die Aggres­sio­nen von den Demon­stran­ten aus.

Immer die­se grund­los aggres­si­ven Zivi­li­sten!

„Poli­zi­sten prü­geln nicht los“, schrieb Luca Leit­ters­torf dann, und für sie gel­ten ohne­hin „ande­re Regeln“; und selbst, wenn sie mal selbst zum Täter wür­den, dann gänz­lich unver­schul­det:

Dass Poli­zi­sten vor allem bei Groß­ein­sät­zen Feh­ler machen ist wohl ver­ständ­lich.

Immer­hin nennt er inter­es­sier­ten Lesern eine geeig­ne­te Metho­de, kein Opfer von Poli­zei­ge­walt zu wer­den: Man darf sich nur nicht schüt­zen.

Wenn man sich schon schützt, legt man es auf Kon­fron­ta­ti­on an! Man weiß, das die Poli­zei durch­grei­fen wird.

In sei­ner vita in sei­nem Twit­ter­pro­fil schreibt er, er sei „bald Poli­ti­ker“. Als gäbe es noch nicht genug Schmöcke im Bun­des­tag.

KaufbefehleMontagsmusik
The Rol­ling Stones – Miss You

Letz­tes Jahr erschien mal wie­der eine Neu­auf­la­ge des Albums „Some Girls“ der ver­ehr­ten Rol­ling Stones, mei­nes Emp­fin­dens das ein­zi­ge Album der ehe­ma­li­gen Jungs, das die Medi­en in der Regel nicht mit ange­mes­se­ner Wür­di­gung ver­se­hen (statt­des­sen schrei­ben sie das öde „Their Sata­nic Maje­sties Request“ in den Rock­olymp, wo es nicht viel zu suchen hat).

2012: 35 Jah­re erster Tod der Rock­mu­sik, 34 Jah­re „Some Girls“.
Und somit 34 Jah­re „Miss You“:

Ich mag es, wenn es groovt.

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXXVII: „Ich esse ab mor­gen nur noch Digi­tal­ka­me­ras.“

Kur­ze Durch­sa­ge aus Neu­en­kir­chen: Es wird gar nicht alles teu­rer.

Din­ge des täg­li­chen Bedarfs wie Brot, Milch oder das Bier in der Knei­pe sind mit der Ein­füh­rung des Euro-Bar­gel­des tat­säch­lich deut­lich teu­rer gewor­den. Der von vie­len Men­schen gefühl­te Preis­an­stieg liegt des­halb höher. Wasch­ma­schi­nen, Com­pu­ter, TV-Gerä­te, Digi­tal­ka­me­ras oder das Tele­fo­nie­ren sind heu­te aber deut­lich bil­li­ger als zu D‑Mark-Zei­ten.

Dan­ke, lie­ber Euro!

(@L2K12) ich ess ab mor­gen nur noch digi­tal­ka­me­ras
(@L2K12) evtl kann man ja in einem pc woh­nen

Da gucken die Dänen aber blöd. Die haben den Euro nicht, die krie­gen ihr Bier noch bil­li­ger.

Der Euro – eine „Erfolgs­ge­schich­te“, wie es heißt – ist erst 10 Jah­re alt und treibt schon so vie­le Men­schen zur Ver­zweif­lung. Wie es wohl erst sein wird, wenn er in die Puber­tät kommt?

(Dan­ke an L.!)

In den Nachrichten
Da bahnt sich etwas an

Schon seit eini­gen Tagen knal­len drau­ßen die Kor­ken oder jeden­falls die Böl­ler. Es ist doch immer wie­der erstaun­lich, wie viel Geld die Volks­wirt­schaft in die­sen kri­sen­ge­beu­tel­ten Tagen noch erüb­ri­gen kann, um es in die Luft zu bla­sen; also die weni­gen Euro, die noch nicht im Acker­mann oder im Grie­chen stecken, denn die sind ja recht teu­er, die­se bei­den.

Und die Sil­ve­ster­ra­ke­ten, die­se hoh­len Knall­kör­per (nicht mit den hoh­len Knallköp­fen (CDU) zu ver­wech­seln), lie­gen dann auf der Stra­ße her­um und wer­den auf Kosten der Steu­er­zah­ler – also wenig­stens meist auch derer, die den Dreck selbst machen, was mich mit einer gewis­sen Genug­tu­ung erfüllt – irgend­wann weg­ge­räumt. (Ande­rer­seits: Gemein­sam­kei­ten mit der CDU gibt es ja doch: Irgend­wann ver­puf­fen sie, der Steu­er­zah­ler zahlt’s trotz­dem.) Das ist befrie­di­gend, den­noch nei­ge ich dazu, es den Hun­den gleich­zu­tun und die­ses nerv­tö­ten­de Gepfei­fe als äußerst stö­rend zu emp­fin­den. Ich war auch mal 12, aber nie bescheu­ert.

Auch, wenn Freun­de Gegen­tei­li­ges behaup­ten.

Dabei ist das Auf­der­stra­ße­lie­gen längst Volks­sport, sei es im Kampf gegen Atom­müll­trans­por­te, anläss­lich des­sen mir immer noch kei­ner so recht zu erklä­ren ver­moch­te, inwie­fern es ein Vor­teil ist, wenn der Atom­müll noch län­ger durch die Umwelt kut­schiert wird als beab­sich­tigt, sei es wegen der hohen Arbeits­lo­sig­keit.

Ach, die Arbeits­lo­sig­keit. Man­che kön­nen ja noch nicht ein­mal etwas dafür: Aus Grün­den, die wohl nur die Arbeit­ge­ber selbst ver­ste­hen, wer­den sie dem Arbeits­markt zurück­ge­ge­ben, damit so manch ein Mana­ger die Raten für sei­nen Bent­ley abbe­zah­len kann. Ses­sel­fur­zer, elen­de.

Wobei so ein Mana­ger natür­lich auch Geld ver­die­nen bekom­men möch­te, und die bereits an ande­rer Stel­le ange­spro­che­ne Infla­ti­on macht das nicht leicht. Die­se ent­gan­ge­nen Ein­nah­men müs­sen dann natür­lich an ande­rer Stel­le wie­der her­ein­kom­men, sonst braucht man bald einen Ret­tungs­schirm. Die Bahn macht es vor:

Die Nor­mal­prei­se im Fern- und im Nah­ver­kehr stei­gen mit dem Fahr­plan­wech­sel im Schnitt um 3,9 Pro­zent. Auch Wochen‑, Monats- und Jah­res­kar­ten kosten künf­tig mehr, genau­so die Bahn­card und vie­le Pau­schal­tickets für den Nah­ver­kehr wie das Schö­ne-Wochen­end-Ticket.

Als wirt­schaft­lich ori­en­tier­tes Unter­neh­men, wie es die Deut­sche Bahn ja lei­der ist, braucht man eben auch sein Aus­kom­men mit dem Ein­kom­men, und …

Gleich­zei­tig will der Kon­zern im kom­men­den Jahr 2,75 Mil­li­ar­den Euro erwirt­schaf­ten: ein Rekord­ge­winn.

… so ein Finanz­plan will sorg­fäl­tig über­legt sein. Ohne­hin wird der Bahn übel mit­ge­spielt:

Laut einem Bericht des „Han­dels­blatts“ zahlt der Stahl­pro­du­zent dem Logi­stik­kon­zern Scha­dens­er­satz wegen Preis­ab­spra­chen beim Schie­nen­ver­kauf. (…) Ins­ge­samt belau­fe sich die Scha­dens­sum­me durch das Kar­tell auf bis zu eine Mil­li­ar­de Euro.

Da hat die Bahn noch mal Glück gehabt, die­ses Geld dürf­te viel­leicht rei­chen, um die größ­ten Bud­get­lö­cher zu stop­fen. Gutes Per­so­nal ist wert­voll in der heu­ti­gen Zeit, und das lässt sich die Bahn eini­ges kosten:

Im Wer­ben um Aus­zu­bil­den­de sei­en die Zei­ten der Best­aus­wahl aus einer Viel­zahl von Bewer­bern vor­bei, mein­te [EVG-Chef Alex­an­der] Kirch­ner. Hier müss­ten die Bah­nen ver­stärkt Pro­gram­me ent­wickeln, um auch schwä­che­ren Schul­ab­gän­gern den Ein­stieg zu ermög­li­chen.

Wer aus sei­nem Leben etwas machen will, aber in der Schu­le eine Nie­te war, der muss also trotz­dem nicht bei KIK an der Kas­se oder bei McDonald’s in der Küche arbei­ten; die Bahn hält inter­es­san­te Per­spek­ti­ven offen: Sich von betrun­ke­nen Pas­sa­gie­ren anpö­beln las­sen müs­sen, an den chro­nisch geschlos­se­nen Bahn­schal­tern „arbei­ten“, auf Fra­gen nach Zug­ver­spä­tun­gen mit einem Ach­sel­zucken ant­wor­ten müs­sen, weil man die tol­le blaue Bahn­uni­form eben nur trägt, weil sie so fesch ist – all das wird bei McDonald’s nicht gebo­ten.

Man könn­te sich das alles aller­dings erspa­ren, indem man ein­fach stirbt, zum Bei­spiel an einer Herz­krank­heit. Das Bewusst­sein für Herz­krank­hei­ten ist viel zu nied­rig, lässt die Coca-Cola Com­pa­ny mit Fokus auf das immer­hin nur Hirn­schä­den und Dia­be­tes för­dern­de „Light“-Coca-Cola-Produkt ver­mel­den, unge­ach­tet der Tat­sa­che, dass man selbst mit sei­nem Zucker­ge­söff für so man­che Organ­schä­den gesorgt haben dürf­te. Dabei dür­fen die blö­den Ker­le ruhig ver­recken:

Die Initia­ti­ve „Hör auf dein Herz“ star­te­te heu­te in Ber­lin im Rah­men eines Ladies Lunchs im Ber­li­ner Chi­na Club erst­mals der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt. Sie hat das Ziel, das Bewusst­sein für die Herz­ge­sund­heit bei Frau­en zu erhö­hen, über Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men auf­zu­klä­ren und somit mög­lichst vie­le Frau­en zu einem herz­ge­sun­den Lebens­stil zu moti­vie­ren. (…) Die gela­de­nen Gäste – Frau­en aus Gesell­schaft, Poli­tik und Wirt­schaft – wie Frie­de Sprin­ger, Nad­ja Uhl, Alex­an­dra Oet­ker, Anna von Gries­heim, Grä­fin Karin von Dön­hoff sowie Ursu­la Kar­ven, Fio­na Ben­nett und Ehren­gast Kat­ja Flint wur­den von Prof. Dr. Vera Regitz-Zag­ro­sek und Dr. Nata­scha Hess über die wich­tig­sten Fak­ten zum The­ma Herz­ge­sund­heit infor­miert.

(Her­vor­he­bun­gen von mir.)

Dass angeb­lich seit 1984 mehr Frau­en als Män­ner an Herz-/Kreis­lauf­erkran­kun­gen ster­ben, ist noch kein Grund, „ins­be­son­de­re Frau­en“ auf die­ses Risi­ko hin­zu­wei­sen. Zumal es dafür nicht mal pro­mi­nen­ter Patin­nen bedürf­te, denn die Grund­re­geln lernt man eigent­lich schon als klei­nes Kind: Nicht so viel unge­sun­de Zucker­plör­re trin­ken, sonst wird man das noch mal bereu­en.

Wer die brau­ne Brü­he ohne­hin nicht gern mag, der hat gute Chan­cen, nach­hal­ti­gen Scha­den an der neu­en Volks­krank­heit Burn-Out-Syn­drom zu neh­men. Das ist eigent­lich eine Unver­schämt­heit, sagt die „Welt“ und appel­liert: Hört auf, aus­ge­brannt zu sein, sonst macht ihr die Wirt­schaft kaputt, ihr Pim­mel! Am besten ein­fach ein­sper­ren, das arbeits­scheue Pack. Tja, ʇןǝʍ ǝıp steht Kopf in die­sen Tagen.

Ach, kaput­te Wirt­schaft – wir Deut­schen, wir zah­lungs­kräf­ti­gen Schuld­ner, soll­ten uns nicht so anstel­len. Ver­gli­chen mit Spa­ni­en und den USA geht es uns noch bestens. Dass sich der US-ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent da lie­ber ins Aus­land absetzt, ist ver­ständ­lich:

US-Prä­si­dent Barack Oba­ma zieht es wie­der nach Ber­lin. „Die Chan­cen, dass Prä­si­dent Oba­ma wie­der nach Ber­lin kommt, ste­hen gut, weil er das auch selbst unbe­dingt will“, ver­deut­licht der US-Bot­schaf­ter Phil­ip D. Mur­phy in der Sams­tags­aus­ga­be der „Ber­li­ner Mor­gen­post“.

Es ist eine urdeut­sche Tra­di­ti­on, hoh­len Blen­dern zuzu­ju­beln. Der Karl-Theo­dor ist gera­de nicht greif­bar, also muss man sich an einen ande­ren noto­ri­schen Lüg­ner hal­ten und ihn zum Hei­land sti­li­sie­ren. Einen ech­ten Deut­schen inter­es­sie­ren gebro­che­ne Wahl­ver­spre­chen nicht. Der CDU steht auch wei­ter­hin eine rosi­ge Zukunft bevor.

2012 wird sicher lustig. Fro­hes neu­es Jahr.

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz ver­linkt LXXVI: „Haste mal ’ne Däne-Mark?“ / Dänen leiht man gern etwas.

Däne­mark ist eines der Län­der, die den Euro nicht so toll fin­den wie Ange­la Mer­kel (also Frau Mer­kel den Euro, nicht die Län­der Frau Mer­kel). Das heißt, die­ser gan­ze Schul­den­zir­kus mit Plei­te­l­än­dern, Ret­tungs­schir­men und auf­müp­fi­gen Bri­ten kann dän den Dänen voll­kom­men schnup­pe sein. Der Erfolg gibt ihnen Recht:

Die Zen­tral­bank des Lan­des plat­zier­te am Don­ners­tag Staats­an­lei­hen mit drei‑, sechs- und neun­mo­na­ti­gen Lauf­zei­ten und sam­mel­te so 2,32 Mil­li­ar­den däni­sche Kro­nen ein, das ent­spricht rund 310 Mil­lio­nen Euro. Bei zwei die­ser drei Emis­sio­nen betrug die Ren­di­te für die Inve­sto­ren weni­ger als null Pro­zent – der Staat muss ihnen also weni­ger Geld zurück­zah­len, als sie ihm gelie­hen haben. Kon­kret lagen die Zin­sen bei den drei­mo­na­ti­gen Papie­ren bei minus 0,21 Pro­zent, bei Anlei­hen mit sechs­mo­na­ti­ger Lauf­zeit bei minus 0,07 Pro­zent.

In ande­ren Wor­ten: Weil Däne­mark man­gels Euro-Mit­glied­schaft nicht von aber­wit­zig hohen Pflicht­aus­ga­ben für strau­cheln­de Miss­wirt­schafts­staa­ten betrof­fen ist, ist sei­ne Zah­lungs­fä­hig­keit der­art stand­fest, dass es sich auch Geld lei­hen darf, ohne es voll­stän­dig zurück­zah­len zu müs­sen. Ein biss­chen wie Por­tu­gal eben.

Denn was ist ein ein­deu­ti­ges Zei­chen dafür, dass ein Schuld­ner sicher zah­lungs­fä­hig ist? Klar: Er leiht sich ein paar hun­dert Mil­lio­nen Euro. Das weckt Ver­trau­en. Deutsch­land kennt das ja:

Von die­ser Unsi­cher­heit pro­fi­tiert hin­ge­gen außer Däne­mark auch Deutsch­land, das eben­falls als siche­rer Schuld­ner gilt. Seit Mona­ten lie­gen die Ren­di­ten für Bun­des­an­lei­hen unter der Infla­ti­ons­ra­te (…).

Ren­di­ten lie­gen „unter der Infla­ti­ons­ra­te“; Deutsch­land ist also ein siche­rer Schuld­ner, weil unser Geld immer schnel­ler immer weni­ger wert ist?

Viel­leicht soll­te ich auch mal wie­der einen Kre­dit bean­tra­gen.

(Dan­ke an L.!)

Nerdkrams
SIP unter Android 4.0: Es muss nicht immer Sky­pe sein.

Sky­pe bie­tet, sei­ne stän­di­gen Sicher­heits­pro­ble­me ein­mal gänz­lich außer Acht gelas­sen, eigent­lich kei­ne nen­nens­wer­ten Vor­tei­le. Sprach­über­tra­gung ist ein alter Hut, Video­kon­fe­ren­zen beherrscht selbst Goog­le+ inzwi­schen ohne irgend­wel­chen Mehr­auf­wand, von dem eben­falls video­taug­li­chen MSN und den ande­ren Dien­sten ein­mal ganz zu schwei­gen. Wer dar­auf ver­zich­ten kann, beim Tele­fo­nie­ren die Fres­se sei­nes Gegen­übers stän­dig ertra­gen zu müs­sen, dem genügt ein ein­fa­cher VoIP-Anbie­ter.

Ein tritt SIP. SIP ist ein offe­nes Über­tra­gungs­pro­to­koll, für das es zahl­rei­che Cli­ents für nahe­zu jedes gän­gi­ge Betriebs­sy­stem gibt. Video­über­tra­gung ist mög­lich, aber ich möch­te hier vor allem den Audio­teil beleuch­ten. Die Tele­fon-app von Android 4.0 „Ice Cream Sand­wich“ näm­lich hat eine Unter­stüt­zung für SIP bereits ein­ge­baut.

Wor­in der Vor­teil liegt, wenn man eh‘ eine flat­rate hat (und ein smart­phone ohne flat­rate ist unauf­re­gend)? Nun, es ist der glei­che „Vor­teil“ wie bei der Nut­zung von Sky­pe: Man kann mit ande­ren SIP-Nut­zern (gra­tis) oder ande­ren Tele­fon- oder Skyp­e­be­sit­zern (nicht gra­tis) auch am Lap­top tele­fo­nie­ren und spart so gege­be­nen­falls eine Men­ge Geld. Vie­le Vor- und Nach­tei­le wer­den im Inter­net bereits zur Genü­ge beleuch­tet, des­we­gen möch­te ich es auch hier­bei belas­sen. Aus­schlag geben­des Argu­ment für mich war es, dass es über SIP mög­lich ist, jeder­zeit ohne not­wen­di­gen Mehr­preis über eine Fest­netz­num­mer erreich­bar zu sein. Das möch­te ich im Fol­gen­den ein­mal erläu­tern.

Vor­aus­set­zung, um mir inhalt­lich fol­gen zu kön­nen, ist ein smart­phone mit Android ab 2.3, die screen­shots unten sind jedoch unter Android 4.0 ent­stan­den. Für vie­le smart­phones gibt es ja bereits ent­spre­chen­de Por­tie­run­gen, ein Umse­hen auf xda-deve­lo­pers ist rat­sam.

Ist die Vor­aus­set­zung erfüllt, man jedoch noch uner­fah­ren im Bereich des SIPs, so emp­feh­le ich eine Anmel­dung bei einem SIP-Anbie­ter. Hat man eine DSL-/Te­le­fon­flat­rate in der eige­nen Woh­nung, nutzt man wahr­schein­lich bereits SIP, ohne es zu wis­sen. Die­ses SIP-Kon­to lässt sich in der Regel eben­falls per Android oder Desk­top­pro­gramm nut­zen, ich emp­feh­le einen Blick in die Hilf­e­sei­ten des Anbie­ters. Möch­te oder kann man davon kei­nen Gebrauch machen, so man­gelt es aber auch nicht an Alter­na­ti­ven. Die mei­sten haben sehr ähn­li­che Kon­di­tio­nen: Kei­ne Grund­ge­bühr, kei­ne Kosten von SIP zu SIP, teil­wei­se gibt es auch SIP-Flat­rates. Im Bei­spiel ver­wen­de ich sip­ga­te (aus recht­li­chen Grün­den hier nicht ver­linkt). Die Schrit­te der Anmel­dung vari­ie­ren zwi­schen den Anbie­tern, man soll­te aber auf jeden Fall sei­ne kor­rek­ten Mel­de­da­ten ange­ben. Manch­mal wird das über­prüft.

Hat man sich ange­mel­det, ist der auf­wän­dig­ste Teil schon erle­digt. Jetzt kann man sich einen belie­bi­gen SIP-Cli­ent instal­lie­ren, ein­rich­ten und sich mal spa­ßes­hal­ber selbst anru­fen. Die nöti­gen Daten (Ser­ver, Benut­zer­na­me, Pass­wort) teilt der gewähl­te Anbie­ter mit, bei sip­ga­te etwa ste­hen sie in den „Ein­stel­lun­gen“:

Aber eigent­lich geht es ja hier um Android. Android 4.0 ist nicht nur schön blau, son­dern auch noch SIP-fähig. Möch­te man mit die­ser neu­en SIP-Fest­netz­num­mer nun auch unter Android erreich­bar sein, kann man sich (anders als bei Sky­pe) die Ein­rich­tung einer eige­nen app spa­ren. Man rufe schlicht die Tele­fon­funk­ti­on auf, betä­ti­ge die Menüta­ste und wäh­le „Ein­stel­lun­gen“. Dort befin­det sich unten ein Menü­punkt „Kon­ten“. Eine Berüh­rung des­sel­ben eröff­net dem Nut­zer die Mög­lich­keit, sei­ne Zugangs­da­ten dort zu hin­ter­le­gen.

So weit die Theo­rie. Gibt es not­wen­di­ge Ergän­zun­gen? Sicher: Video­te­le­fo­nie geht so nicht. Wer dies auch per SIP errei­chen möch­te oder noch mit einer älte­ren als den hier genann­ten Android-Ver­sio­nen arbei­tet, dem rate ich dazu, sip­droid aus­zu­pro­bie­ren, das angeb­lich ent­spre­chen­de Funk­tio­nen bie­tet.

Fra­gen? Wei­te­re Ergän­zun­gen? Immer hier hin­ein damit!


Nach­trag von Mit­te Janu­ar 2012: In den Kom­men­ta­ren wur­de ich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass dies anschei­nend bereits ab Android 2.3 funk­tio­niert. Ich habe den Text ent­spre­chend erwei­tert.