Nerdkrams
Sicher tex­ten unter Win­dows (und Fire­fox)

Wer häu­fi­ger mal län­ge­re Tex­te an sei­nem Win­dows-Rech­ner schreibt und neben­bei zum Bei­spiel in Foren oder im IRC dis­ku­tiert, der steht oft­mals vor dem Pro­blem, dass die Win­dows-Zwi­schen­ab­la­ge sehr begrenzt ist. Meh­re­re Text- oder Bild­aus­schnit­te zur glei­chen Zeit pas­sen nicht in sie hin­ein. (Linux­nut­zer mit dem all­zu oft unter­schätz­ten KDE haben die­ses Pro­blem immer­hin nicht.)

Aber selbst Letz­te­re sehen sich mit­un­ter mit einer ande­ren Hür­de kon­fron­tiert: Man schreibt gera­de einen län­ge­ren Blog- oder Foren­kom­men­tar, drückt eine fal­sche Taste, und alles ist weg. Was tun? Ver­zwei­feln? Neu schrei­ben? Mit­nef­fen: Wofür gibt’s Pro­gram­me, die das besei­ti­gen?

Pro­blem Num­mer 1: Die begrenz­te Zwi­schen­ab­la­ge von Win­dows.

mIRC-Benut­zer ken­nen das wahr­schein­lich: Mar­kie­ren sie ver­se­hent­lich einen Text, weil sie zu lang­sam dop­pel­klicken, über­schreibt die­ser Text alle Inhal­te der Zwi­schen­ab­la­ge, sofern die ent­spre­chen­de Funk­ti­on nicht deak­ti­viert ist. Auch sonst ist man manch­mal in der miss­li­chen Situa­ti­on, meh­re­re Text­schnip­sel oder ähn­li­ches gleich­zei­tig zu benö­ti­gen, etwa, wenn man sich manch­mal auf sei­ner Inter­net­sei­te über SPIEGEL Online lustig machen will.

Pro­gram­me, die die Win­dows-Zwi­schen­ab­la­ge ent­spre­chend erwei­tern, gibt es mit dem her­vor­ra­gen­den ac’tivAid, Dit­to, Clip­Man und ande­ren in gro­ßer Zahl, wirk­lich über­zeugt hat mich aber nur das por­ta­ble Ars­Clip.

Ars­Clip, das nur in eng­li­scher Spra­che ver­füg­bar ist, des­sen Kon­fi­gu­ra­ti­ons­fen­ster man aller­dings auch nie wirk­lich benö­tigt, „kapert“ – arrr! – die win­dows­ei­ge­ne Kopier­funk­ti­on inklu­si­ve des Tasten­kür­zels Strg+C und spei­chert so mehr als nur die letz­te kopier­te Ein­ga­be zwi­schen. Die gespei­cher­ten Aus­schnit­te – auch Mul­ti­me­dia­schnip­sel wer­den unter­stützt – sind über ein ein­stell­ba­res Tasten­kür­zel, etwa Strg+Alt+V (ana­log zu Strg+V), in Menü­form abruf- und edi­tier­bar:

Hier­bei wird der letz­te ver­wen­de­te Aus­schnitt aus dem Menü auto­ma­tisch auch per Strg+V ver­füg­bar gemacht; ver­wen­det man also zum Bei­spiel den dritt­neue­sten Ein­trag im Menü, so kann die­ser anschlie­ßend auch per Strg+V über­all ein­ge­fügt wer­den, wo man ihn benö­tigt. Ich wür­de so weit gehen, Ars­Clip als unver­zicht­ba­res Werk­zeug für jeden, der was mit Inter­net macht, zu bezeich­nen. Tu‘ ich aber nicht.

Pro­blem Num­mer 2: Der feh­len­de Zwi­schen­spei­cher von Fire­fox.

Natür­lich gibt es Leu­te, die län­ge­re Tex­te wie etwa die­sen hier in ihrem Text­edi­tor schrei­ben, bevor sie ihn in ihren Brow­ser kopie­ren, und dies etwa mit der Erwei­te­rung „It’s All Text!“ oder Text Edi­tor Any­whe­re unter­stüt­zen. Jedes Mal den Text­edi­tor zu star­ten, wenn man mal eben einen Blog­kom­men­tar hin­ter­las­sen möch­te, ist aber viel­leicht manch jeman­dem zu umständ­lich. Und dann fin­det man plötz­lich zufäl­lig die Tasten­kom­bi­na­ti­on, um Fire­fox unge­fragt zu been­den, und darf noch mal von vorn begin­nen. Das ist nicht schön.

Die Fire­fox-Erwei­te­rung Text­area Cache löst die­ses Pro­blem ziem­lich ele­gant: Jeder in ein Text­feld ein­ge­ge­be­ne Text wird auto­ma­tisch pro­to­kol­liert und ist per Klick auf das Sym­bol in der „Addon-Lei­ste“ wie­der abruf­bar, kate­go­ri­siert nach dem Titel der Web­sei­te und mit ein­stell­ba­rer Spei­cher­grö­ße:

Mit Laza­rus gibt es eine Alter­na­ti­ve für die­je­ni­gen Inter­net­nut­zer, die Chro­me und/oder Safa­ri neben oder anstel­le von Fire­fox ver­wen­den. Laza­rus kann auch wei­te­re For­mu­lar­ein­ga­ben spei­chern, ver­wen­det aber das Kon­text­me­nü statt eines sepa­ra­ten Fen­sters – wer bereits Down­The­mAll!, Flash­Got, Last­Pass, Color­Zil­la und die übli­chen wei­te­ren Stan­dard­er­wei­te­run­gen benutzt, die das Kon­text­me­nü des Brow­sers zum Teil unge­fragt erwei­tern, der bevor­zugt unter Umstän­den auch des­halb Text­area Cache.

An Alter­na­ti­ven soll’s nicht man­geln. Für jeden­falls mich sind genann­te Pro­gram­me indes inzwi­schen unver­zicht­bar.
Ergän­zun­gen sind gern gese­hen.

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Was der so alles treibt!

Ach, „SPIEGEL Online“, da habt ihr so einen schö­nen Ein­lei­tungs­text hin­be­kom­men:

Gauck macht sich stark gegen die „brau­ne Brut“: Der künf­ti­ge Bun­des­prä­si­dent hat am Don­ners­tag mit Ange­hö­ri­gen der NSU-Ter­ror-Opfer gespro­chen. Bei der Begeg­nung tele­fo­nier­te er auch mit dem tür­ki­schen Staats­prä­si­den­ten Gül. Den Rechts­extre­mis­mus ver­ur­teil­te Gauck scharf.

Selbst mir als Nicht­jour­na­li­sten fal­len da auf Anhieb min­de­stens drei gute Über­schrif­ten ein; auf die­se hier wäre ich aber nie gekom­men:

Gauck tele­fo­niert mit tür­ki­schem Staats­chef Gül

Eine gute Über­schrift sei das Salz in der Sup­pe des Jour­na­li­sten, heißt es. Aber mit dem Salz soll­te man es auch nicht über­trei­ben.

(Dan­ke an L.!)

PiratenparteiIn den Nachrichten
#Gruppe42, Pira­ten und Kon­zep­te

Eines der Pro­ble­me, die das Kon­zept einer Par­tei mit sich bringt, ist es, dass frü­her oder spä­ter irgend­je­mand auf die Idee kommt, dass man auf alles zumin­dest eine Ant­wort haben müss­te. Die momen­ta­ne Ent­wick­lung der Pira­ten­par­tei Deutsch­land hat einer der Grün­der in einer E‑Mail gestern auf den Punkt gebracht:

Im Sep­tem­ber 2006 ent­schlos­sen wir uns wohl­über­legt, eine The­men­par­tei zu grün­den – in bewuss­ter Abgren­zung von den Pro­fi­sch­wät­zern ande­rer Par­tei­en, die von wenig eine Ahnung haben, aber zu allem einen ker­ni­gen Satz raus­hau­en. Genau auf dem Kurs sind wir inzwi­schen.

Wir woll­ten eine Par­tei sein, die eigent­lich nicht Par­tei sein woll­te. Es ging bloß dar­um, dass die Par­tei­struk­tur Mög­lich­kei­ten eröff­net, die z.B. der CCC nicht hat. Dafür hat der CCC wie­der­um Mög­lich­kei­ten, die wir nicht haben. Der CCC kann von außen kom­pe­tent und sach­lich ein­wir­ken, die Pira­ten­par­tei von innen ver­än­dern.

(…)

Die Pira­ten­par­tei hat sich schlei­chend zu etwas ent­wickelt, was mich nicht inter­es­siert. Dumm sein kann ich allein, da brau­che ich kei­ne Par­tei.

(…)

Der aktu­el­le Höhen­flug der Pira­ten­par­tei – über den ich mich prin­zi­pi­ell freue! -, hat nicht zuletzt einen Grund: Wir sind oft gen­aus so hohl­po­pu­li­stisch wie die ande­ren Par­tei­en. Plötz­lich erle­ben wir unse­re Funk­tio­nie­re im Small­talk mit Gün­ther Jauch über den Holo­caust, ohne dass dabei pira­ti­ge Posi­tio­nen ver­mit­telt wür­den. Mit Mari­na und Seba­sti­an haben wir erst­mals eine kame­ra­t­aug­li­che Spit­ze, wohl­ge­fal­lend am Bild­schirm wie im Radio. Super eigent­lich. Wir dür­fen nur nicht ver­ges­sen, wor­auf es uns ankommt. Sym­pa­thisch sein und Volk ein­lul­len?

Das sind kla­re Wor­te, aber sie sind sicher nicht zu hart gewählt. Der Spa­gat, den die Pira­ten­par­tei voll­füh­ren „muss“, ist ein wei­ter: Zum Einen besitzt ein Groß­teil ihrer Mit­glie­der nur ein ein­ge­schränk­tes Inter­es­se eben­so wie ledig­lich voll­um­fäng­li­che Kennt­nis­se an bezie­hungs­wei­se in weni­gen Kern­the­men, zum Ande­ren erwar­tet das Wahl­vieh, an das sich ein Teil der Par­tei­ba­sis mitt­ler­wei­le anzu­bie­dern ver­sucht, eine Ant­wort auf alle Fra­gen, immer­hin bie­ten die­se alle ande­ren Par­tei­en auch, und sei sie noch so wenig fun­diert. Der Zwist zwi­schen Kern­pi­ra­ten („Ker­nis“), deren Fokus auf den Grün­dungs­the­sen der Par­tei liegt, und Voll­pi­ra­ten („Vollis“), die eine mas­sen­taug­li­che All­the­men­par­tei anstre­ben, ist mit Kom­pro­mis­sen nur unzu­rei­chend zu schlich­ten. (War­um jemand, der mit der Ziel­set­zung einer Par­tei nicht ein­ver­stan­den ist, über­haupt zah­len­des Mit­glied wird, ist auch noch so eine Fra­ge; wer sich um eine zukunfts­fä­hi­ge Gesell­schaft bemüht, der tritt ja zum Bei­spiel auch nicht der CDU bei, neh­me ich an.)

Um zu ver­hin­dern, dass in der Flut an neu­en „Pira­ten­the­men“ die Wer­te, für die der Name „Pira­ten­par­tei“ steht, nicht ertrin­ken, wur­de in den ver­gan­ge­nen Wochen von ehe­ma­li­gen Mit­glie­dern des Bun­des­vor­stan­des der Pira­ten­par­tei Deutsch­land und eini­gen wei­te­ren Kern­pi­ra­ten – ins­ge­samt 42 von ihnen – die „Grup­pe 42“ (wis­sen­schon, die Ant­wort auf die Fra­ge nach dem Leben, dem Uni­ver­sum und dem gan­zen Rest) erson­nen und gegrün­det, die sich dafür ein­setzt, …

(…) dass der Grün­dungs­ge­dan­ke der Pira­ten­par­tei — sowohl vom Umfang der The­men, als auch von ihrer Inten­ti­on — in einer brei­te­ren Pira­ten­po­li­tik und im poli­ti­schen Tages­ge­schäft nicht nur erhal­ten bleibt, son­dern wei­ter ver­tieft und in kon­kre­te poli­ti­schen For­de­run­gen aus­for­mu­liert und umge­setzt wird.

In den Medi­en ist von einer „losen Ver­ei­ni­gung außer­halb der Par­tei“, einer Abspal­tung also, die Rede; dabei spal­tet sich nie­mand ab, son­dern inte­griert sich bewusst. Die „Grup­pe 42“ ist sozu­sa­gen eine inner­par­tei­li­che Oppo­si­ti­on, ana­log zur „kom­mu­ni­sti­schen Platt­form“ der Links­par­tei viel­leicht so etwas wie die „kern­the­ma­ti­sche Platt­form“ der Pira­ten­par­tei Deutsch­land, die kei­nes­falls einen Gra­ben schaf­fen, son­dern viel­mehr ein Forum für die Kern­pi­ra­ten bie­ten soll, das in einer Pha­se wild wuchern­der Pro­gramm­er­wei­te­rung drin­gend von­nö­ten scheint, will man nicht die­je­ni­gen Pira­ten sich ent­täuscht abwen­den las­sen, die einst Mit­glied oder auch nur Sym­pa­thi­san­ten wur­den, weil jene The­men ein­ma­lig ver­tre­ten wur­den und noch wer­den.

Damit steht die „Grup­pe 42“ im Ein­klang mit der inter­na­tio­na­len, von Skan­di­na­vi­en aus expan­dier­ten Pira­ten­be­we­gung:

Wir sehen in der Pira­ten­be­we­gung die ein­zig­ar­ti­ge Mög­lich­keit eine neue Ära der Demo­kra­tie ein­zu­lei­ten. Durch das Inter­net kön­nen alle Gren­zen über­wun­den wer­den und die bereits begon­ne­ne Inter­net­re­vo­lu­ti­on kann inter­na­tio­nal fast unein­ge­schränkt vor­an­ge­trie­ben wer­den. Die Pira­ten­par­tei Deutsch­land ist einer der wich­tig­sten Antrei­ber die­ser Zukunfts­vi­si­on und soll­te sich ihrer Bedeu­tung in der inter­na­tio­na­len Pira­ten­be­we­gung bewusst sein.

Von der Belie­big­keit, der poli­ti­schen Nor­ma­li­tät bleibt die Pira­ten­par­tei also weit ent­fernt. Die Pres­se aller­dings soll­te sich ein­mal ent­schei­den, was sie nun eigent­lich pro­pa­gie­ren will: Dass die Pira­ten­par­tei eine blö­de Ein­the­men­par­tei und somit poli­tisch irrele­vant sei oder dass sie (wie seit Jah­ren) „kurz vor der Spal­tung“ ste­he, weil sie zu vie­le The­men ver­tre­te – bei­des gleich­zei­tig geht halt nicht. Aber viel­leicht sind mei­ne Ansprü­che an die Pres­se auch ein­fach nur zu hoch.

Ihre eige­nen an sich selbst lei­der nicht.

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik LXV: Die Netz­ge­mein­de und wir

Eines die­ser Ärger­nis­se, die den gesell­schaft­li­chen Fort­schritt in ein digi­ta­les Mit­ein­an­der erschwe­ren, ist ja die­ses merk­wür­di­ge Selbst­ver­ständ­nis von Tot­holz­jour­na­li­sten, die „das Inter­net“ für Goog­le, Wiki­pe­dia, Face­book und Sascha Lobo hal­ten und anson­sten stets eine Front her­bei­hal­lu­zi­nie­ren, die nicht exi­stiert: „Die im Inter­net“ und „die Gesell­schaft“. Jüng­ster Spross die­ser Wur­zel ist die­ser merk­wür­di­ge Arti­kel aus dem Hau­se Han­dels­blatt, der schon zu Beginn erfri­schend dane­ben liegt:

Pro­mi­nen­te Köp­fe der Netz­ge­mein­de behaup­ten, die Netz­ge­mein­de gäbe es gar nicht. Weil die Mehr­heit der Bevöl­ke­rung das Inter­net nut­ze, sei der Begriff über­flüs­sig. Das ist falsch.

Das ist falsch.

War­um? Weil Autor Ste­phan Dör­ner das Inter­net nicht ver­stan­den hat:

Auch mei­ne Mut­ter nutzt das Inter­net – schon seit 1999. Sie schreibt E‑Mails, kauft auf Ebay Rei­sen und liest Nach­rich­ten auch online. Sie ist den­noch kein Teil der Netz­ge­mein­de. (…) Weil der Begriff Netz­ge­mein­de in der Regel eben nicht 74,7 Pro­zent der Bevöl­ke­rung meint, son­dern die­je­ni­gen, die das Netz aktiv mit­tels Blogs und Twit­ter nut­zen, um Ideen zu ver­brei­ten und Kam­pa­gnen zu orga­ni­sie­ren.

Ach so, Teil der „Netz­ge­mein­de“ ist man nur, indem man bloggt oder twit­tert. Akti­ve Nut­zer des Use­nets etwa wer­den gänz­lich igno­riert; „da ist ja gar kein blau­es e dran, also ist das auch kein Inter­net“. (Schön wäre es ja, wür­de die Mehr­heit des Vol­kes das Inter­net nut­zen, aber sie beschrän­ken sich weit­ge­hend auf Mail und WWW und nut­zen bei­de bevor­zugt pas­siv.)

Dabei konn­te das World Wide Web als wohl erfolg­reich­ster Dienst des Inter­nets über­haupt nur so groß wer­den, weil in sei­nen Anfangs­ta­gen bis zur „.com-Bla­se“ um die Jahr­tau­send­wen­de her­um ein Groß­teil sei­ner Nut­zer gleich­zei­tig Pro­du­zen­ten waren. Das „Web“ ist ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und kein sta­ti­sches Infor­ma­ti­ons­me­di­um.

Sicher­lich ist das Defi­ni­ti­ons­sa­che, aber das Wort „Netz­ge­mein­de“ ist es ja auch: Bin ich Netz­ge­mein­de, sind’s mei­ne Leser? Ste­phan Dör­ners Behaup­tung ist aber sogar nach sei­nen eige­nen Maß­stä­ben gänz­lich Hirn­brei, denn man kann von Face­book hal­ten, was man will, aber ich stel­le die stei­le The­se auf, dass wirk­lich alle, die dort nicht nur als Kar­tei­lei­che ange­mel­det sind, den Dienst zur Infor­ma­ti­ons­ver­brei­tung nut­zen – wahr­schein­lich (sta­ti­stisch gese­hen) auch Ste­phan Dör­ners Mut­ter.

Und da wird das Pro­blem deut­lich: Wo nie­mand außer Sascha Lobo „Netz­ge­mein­de“ sein will, dort wird es schwie­rig, sie zu defi­nie­ren. War­um über­haupt wird ver­sucht, einen Sam­mel­be­griff für die­je­ni­gen Inter­net­nut­zer zu fin­den, die nicht nur pas­siv Inter­net gucken, sie sozu­sa­gen als Son­der­lin­ge zu kenn­zeich­nen? (Im Inter­net (!) einen Arti­kel zu ver­öf­fent­li­chen, der Leu­te, die sich alle­samt pri­mär als Indi­vi­du­en betrach­ten und eine Unter­schei­dung zwi­schen „schreibt ins Inter­net“ und „nutzt das Inter­net“ prin­zi­pi­ell ableh­nen, pau­schal als „die Netz­ge­mein­de“ bezeich­net, ist übri­gens auch nicht ganz frei von Komik.)

Die ein­zi­ge Gemein­sam­keit derer, die die Medi­en als „Netz­ge­mein­de“ bezeich­nen, ist ein Inter­net­an­schluss, ob mobil oder sta­tio­när. Wenn das als Auf­nah­me­kri­te­ri­um genügt, ist „die Netz­ge­mein­de“ unge­fähr so sinn­voll wie „die Mine­ral­was­ser­ge­mein­de“.

Wer „Netz“ sagt, meint auch das Nicht­netz; oder, kurz und prä­gnant, eben auch: Netz­ge­mein­de, Zei­tungs­ge­mein­de, Fern­seh­ge­mein­de, Fax­ge­mein­de, Tele­fon­ge­mein­de, Gespräch­ge­mein­de, Brief­ge­mein­de, Höh­len­ma­lerei­ge­mein­de my ass.

Nerdkrams
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Für eine eilends ange­fer­tig­te Pro- und Con­tra-Liste für und gegen die neu­en Ver­sio­nen eini­ger aktiv gepfleg­ter Büro­an­wen­dun­gen für Win­dows – Libre­Of­fice benimmt sich all­zu oft ein wenig wun­der­lich – habe ich in einer vir­tu­el­len Maschi­ne eini­ge Kom­bat­tan­ten gegen­ein­an­der antre­ten las­sen.

Soft­Ma­ker Office 2012 – ein Pro­dukt deut­scher Gei­stes­kraft – mag es aber gar nicht, wenn man es deinstal­lie­ren will, und spricht spon­tan asia­tisch, jeden­falls behaup­tet der Zei­chen­satz das:

Das ist ziem­lich gewitzt; noch gewitz­ter wäre es, wür­de man in der glei­chen Spra­che eine Fra­ge stel­len, die rich­tig beant­wor­tet wer­den muss, bevor man mit der Instal­la­ti­on fort­fah­ren kann, denn so dürf­te das Abwan­dern von Kun­den dau­er­haft gehemmt sein. Na, viel­leicht in der näch­sten Ver­si­on.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Tom Waits – Rain Dogs

Jene, die mit mei­nen musi­ka­li­schen Emp­feh­lun­gen kon­fron­tiert wer­den, atte­stie­ren mir mit­un­ter ein feh­len­des Gespür für die schö­ne Kunst und einen Hang zu mög­lichst Abstrak­tem. Dabei ist dem gar nicht so. Ich schät­ze jedoch Tex­te mit Tief­gang, eine extro­ver­tier­te Dar­bie­tung und kom­ple­xe Melo­dien.

Zum Bei­spiel „Rain Dogs“ von Tom Waits, ent­hal­ten auf dem gleich­na­mi­gen Album.

Tom Waits Rain Dogs

Hübsch, nicht? :)

(Mit spä­tem Dank an T.!)


War­um die F.D.P. am Wochen­en­de nicht Phil­ipp Rös­ler nomi­niert hat, son­dern Car­sten Maschmey­ers per­sön­li­chen Freund Joa­chim Gauck, bleibt mir übri­gens ein Rät­sel, hat erste­rer doch sei­ne ihm offen­bar von einer Mehr­heit der Par­tei­mit­glie­der zuge­trau­ten Füh­rungs­qua­li­tä­ten bereits erfolg­reich unter Beweis stel­len dür­fen, immer­hin gibt’s die F.D.P. noch; aber sei’s drum.

FotografiePiratenpartei
KPTWFSZ2012.1 (oder so)

… und dann lernt man auch immer in klei­ne­rem Rah­men zu den­ken, wenn’s eben statt vie­ler nur weni­ge Anwe­sen­de sind und zum Wäh­len eilends Wahl­ti­sche als Kabi­nen­er­satz erschaf­fen wer­den und man trotz­dem da sitzt und man­gels Kaf­fees merk­wür­di­ge „Club Mate“ trinkt, bis sie irgend­wann geschmack­lich neu­tral wirkt, der ört­li­chen Betäu­bung oder jeden­falls Neu­tra­li­sie­rung der Geschmacks­ner­ven mit­tels Mate­über­schus­ses sei Dank, und …

… muss ein biss­chen lachen.

Sonstiges
Post-Post-Pri­va­cy: Nach der Spacke­ria …

… kommt die pri­va­cy zurück. („Wat, Spacke­ria?“ – dat Spacke­ria, guck­stu hier!)

Nimm dies, Daten­of­fen­heit im Inter­net!

(Bezie­hungs­wei­se die Fra­ge, wofür eine US-ame­ri­ka­ni­sche Fir­ma mei­ne vol­le Anschrift benö­tigt, wenn ich dort etwas her­un­ter­la­den will, und die mei­ner­seits aus­blei­ben­de Erklä­rung, wie­so sie sie nicht bekommt; jeder leckt sei­nen Arsch für sich [u.a. den von Mozart, so scheint’s].)

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXXXIII: Mil­lio­nä­re gegen Rei­chen­steu­er

Oha, die CDU gibt sich libe­ral:

Mer­kel lehnt Abga­be für Kin­der­lo­se ab

Weil halt:

Ange­la Mer­kel (…) ist ver­hei­ra­tet, aber kin­der­los geblie­ben.

Natür­lich kann ich mir die­sen Zusam­men­hang auch ein­fach nur her­bei­fan­ta­siert haben, immer­hin spre­chen sich auch CDU-Mit­glie­der mit Kin­dern dafür aus, dage­gen zu sein, zum Bei­spiel Jung­mut­ter Kri­sti­na Schrö­der, die lie­ber „Kin­der­wün­sche beför­dern“ als „Kin­der­lo­sig­keit bestra­fen“ las­sen wür­de; was halt irgend­wie auf das­sel­be hin­aus­lie­fe, näm­lich eine Bevor­tei­lung derer, die Nach­wuchs haben, woher und war­um auch immer. Kin­der sind dann nicht mehr nur – nach Bor­win Ban­de­low – der ver­län­ger­te Arm des eige­nen Nar­ziss­mus‘, sie sind oben­drein der Garant für eine sozia­le Bes­ser­stel­lung, obgleich die­je­ni­gen, die kin­der­los sind, mit­un­ter nicht mal etwas dafür kön­nen. Mit­ge­fan­gen, mit­ge­han­gen?

Apro­pos Nach­wuchs­för­de­rung, Käpt’n Offen­sicht­lich schlägt wie­der zu:

US-Psy­cho­lo­gen haben Dating-Sei­ten jetzt wis­sen­schaft­lich unter­sucht und kom­men zu einem ver­nich­ten­den Urteil: Die Ver­spre­chen der Anbie­ter sind kaum halt­bar.

Bedeu­tet das etwa, dass man auf die­sen Part­ner­bör­sen gar nicht unbe­dingt die Lie­be des Lebens fin­den kön­nen muss? Unfass­bar! (Wie die­se „wis­sen­schaft­li­chen Unter­su­chun­gen“ genau aus­se­hen, steht in der umfas­sen­den Stu­die wahr­schein­lich unge­fähr drin, da ich sie aber bis­lang nicht gele­sen habe, ver­mu­te ich ein­fach mal, die For­scher haben ver­sucht, fün­dig zu wer­den, sind dar­an geschei­tert und las­sen ihren Unmut dar­über jetzt an den Flirt­por­ta­len aus.)

Wenn sie wenig­stens etwas her­aus­ge­fun­den hät­ten! Haben sie aber nicht:

„Es bleibt unklar, ob der Grad der Ähn­lich­keit bei einem Paar etwas damit zu tun hat, wie erfolg­reich eine Bezie­hung im Lau­fe der Zeit ist“, sagt Fin­kel.

Mit ande­ren Wor­ten: Viel­leicht sind die Algo­rith­men der Part­ner­such­pro­gram­me sinn­voll, viel­leicht auch nicht. Und dafür wur­den nun meh­re­re For­scher über einen län­ge­ren Zeit­raum bezahlt?

„Wenn der Hahn kräht auf dem Mist…“

Sonstiges
Süßer als wie ein Zucker­berg: Flau­schi­ge Kätz­chen! 3

Anläss­lich des heu­ti­gen Tages ♥ dach­te ich, ich poste mal was Süüüüszes ♥. Und was könn­te süüüüüs­zer sein als Zucker, am besten ein gan­zer Berg voll Zucker, ein Zucker­berg sozu­sa­gen?

Außer natür­lich süüüüs­zen flau­schi­gen Kätz­chen!

Es ist so flau­schig, dass ich ster­be!

Euch fehlt noch die zün­den­de Idee für einen Valen­tins­gruß? Singt doch ein Lie­bes­lied! :)

JBO – Gänseblümchen.mp4

Habt einen flau­schi­gen Tag mit eurer/eurem Lieb­sten, und kur­belt flei­ßig die Flo­ri­stik­wirt­schaft an! ♥♥♥ ‘Süßer als wie ein Zucker­berg: Flau­schi­ge Kätz­chen! 3’ wei­ter­le­sen »

PolitikIn den Nachrichten
Schmal­hans des Tages: Wolf­gang Bos­bach, CDU.

Die­ser Arti­kel ist Teil 3 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Nicht per Twit­ter (neu­mo­di­sches Teu­fels­zeug!), son­dern ganz klas­sisch in die Tot­holz­me­di­en hin­ein son­der­te Wolf­gang Bos­bach, Innen­po­li­ti­ker (aber ganz tief drin) und gegen­wär­ti­ge Ober­quatsch­na­se der CDU, anläss­lich der jüngst statt­ge­fun­den haben­den Gegen-ACTA-Pro­te­ste fol­gen­den Quark ab:

Was im rea­len Leben ver­bo­ten ist – das Kopie­ren frem­den gei­sti­gen Eigen­tums –, muss auch im vir­tu­el­len Leben ver­bo­ten sein“, sag­te er der „Rhei­ni­schen Post“ (Mon­tag). (…) „Die ACTA-Kri­ti­ker müss­ten sagen, wie sie das sicher­stel­len wol­len“, for­der­te der Vor­sit­zen­de des Bun­des­tags-Innen­aus­schus­ses vor allem in Rich­tung von Pira­ten­par­tei und Grü­nen, die die Anti-ACTA-Pro­te­ste unter­stüt­zen.

Dass Wolf­gang Bos­bach nicht so recht ver­stan­den hat, wo eigent­lich das Pro­blem mit ACTA und der­glei­chen liegt, ist wohl jedem klar, der in den letz­ten Tagen ab und zu mal die Inlands­nach­rich­ten jen­seits der Klatsch­spal­ten begut­ach­tet hat und nun mit obi­ger For­de­rung kon­fron­tiert wird; den etwas Lang­sa­me­ren (CDU) hilft es viel­leicht, greift man Herrn Bos­bachs höchst­ei­ge­ne Par­al­le­le auf: Wenn ich Tan­te Erna eine Zei­tungs­ar­ti­kel­ko­pie und ein Volks­mu­sik-Mix­tape schicke, schraubt mir nie­mand dafür den Brief­ka­sten ab.

Lie­ber eine schlech­te als gar kei­ne Lösung; wer etwas zu meckern hat, der soll’s halt bes­ser machen – was auch immer er damit meint: Kon­struk­ti­ve Vor­schlä­ge, das Urhe­ber­recht zu refor­mie­ren statt es zu zemen­tie­ren, gab und gibt es in viel­fa­cher Aus­füh­rung, sie schei­tern jedoch stets am Wider­stand der herr­schen­den Par­tei­en, etwa der CDU (Wolf­gang Bos­bach).

Natür­lich weiß Herr Bos­bach das, es hält ihn den­noch nicht davon ab, unkun­di­gen Bür­gern weis­ma­chen zu wol­len, die Pro­te­stan­ten sei­en ein­zig an der Lega­li­sie­rung unge­setz­li­chen Tuns inter­es­siert. Die Kri­mi­na­li­sie­rung unbe­schol­te­ner Bür­ger ist bei ihm und sei­nen Freun­den aus der Medi­en­in­du­strie ja längst das Mit­tel zum Zweck.

Da wächst zusam­men, was zusam­men gehört.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Tal­king Heads – Bur­ning Down the Hou­se

Das haben wir jetzt davon:

Bei gewalt­sa­men Pro­te­sten gegen den radi­ka­len Spar­kurs sind in Athen mehr als 80 Men­schen ver­letzt wor­den. (…) Cafés, Geschäf­te und histo­ri­sche Kinos stan­den am Sonn­tag in Flam­men, als ver­mumm­te Ran­da­lie­rer im Zen­trum der Haupt­stadt mit Brand­sät­zen und Stei­nen war­fen.

Da höre ich doch lie­ber noch ein wenig Musik:

Tal­king Heads „Bur­ning Down the Hou­se“ ‌‌ – Bohe­mia After­d­ark

Peo­p­le on their way to work -
and, baby, what did you expect -
gon­na burst into fla­mes;
ah, bur­ning down the hou­se …

Einen ange­neh­men Mon­tag wün­sche ich.

Netzfundstücke
Ganz neu: Schwarz­ko­pien schä­di­gen die Gesell­schaft

Dass die Vor­sit­zen­den der Plat­ten­fir­men sich das Ben­zin für ihren May­bach nicht mehr lei­sten kön­nen, wenn wir nicht alle auf­hö­ren, Kopien zu rau­ben (ob nun per Audio­kas­set­te oder via Inter­net), ist eine alt­be­kann­te Mär; dass Raub gemäß § 249 StGB man­gels Gewalt­an­wen­dung beim Anfer­ti­gen der Kopien in der Regel nicht vor­liegt, soll­te sich auch noch mal her­um­spre­chen. Ange­sichts der immer glei­chen Lei­er von den armen Rech­te­ver­wer­tern ist es ziem­lich erfri­schend, wenn man auch mal etwas ande­res zu lesen bekommt.

Zum Bei­spiel ver­folgt Peter Sin­ger, selbst Autor und somit vom bösen Inter­net geschä­dig­ter Krea­ti­ver, einen sel­te­nen Ansatz, indem er schreibt:

Urhe­ber­rech­te müs­sen auch im Inter­net ver­wert­bar sein. Sonst wer­den sich vie­le Krea­ti­ve ihr Geld auf ande­re Wei­se ver­die­nen – und die Gesell­schaft ist der Ver­lie­rer.

Der Umstand, dass Urhe­ber­rech­te weder ver­äu­ßer­lich noch ver­wert­bar sind, fällt Buch­au­to­ren wahr­schein­lich weni­ger auf als Musi­kern, denen ihre Urhe­ber­schaft nur sel­ten viel Geld ein­bringt, da alles bei den Ver­wer­tern hän­gen bleibt. Die Argu­men­ta­ti­on ist aber mal inter­es­sant: Wenn die Inter­net­nut­zer nicht auf­hö­ren, sei­ne Inhal­te mit­ein­an­der zu tau­schen, wer­den die Erzeu­ger die­ser Inhal­te eines Tages alle­samt auf­hö­ren, Nach­schub zu pro­du­zie­ren, und lie­ber etwas ande­res tun. Bei man­chen (Pla­ce­bo, Muse, Tim Bendz­ko) wäre das aller­dings kein gro­ßer Ver­lust für die Gesell­schaft.

Dabei beginnt Peter Sin­gers Kom­men­tar eigent­lich ganz gut, indem er die Anek­do­te erzählt, dass er selbst bereits ein raub­ko­pier­tes Buch zuge­sandt bekom­men und auch gele­sen hat­te. Lei­der folgt der Wen­de­punkt umge­hend:

Wenn Leu­te raub­ko­pier­te Bücher nut­zen, erlei­den häu­fig der Ver­lag und der Autor einen Nach­teil – sie ver­lie­ren ihre Ein­nah­men aus dem Ver­kauf des Buches.

Ab hier wird’s Käse. Um in der Musik­welt zu blei­ben: Die mei­sten Musikal­ben, die ich gern hören wür­de, ver­su­che ich vor­her als unli­zen­zier­te Kopien zu bekom­men, um mir ein aus­rei­chen­des Bild davon machen zu kön­nen, ob es sich lohnt. Blind­käu­fe sind sel­ten eine gute Idee, denn auch, wenn man vor­her zum Bei­spiel ein Lied aus einem Album in gan­zer Län­ge gehört und für gut befun­den hat­te, sagt das noch nichts dar­über aus, ob der Rest der ent­hal­te­nen Musik­stücke den Kauf wert sein wür­de oder ob man die­sen nicht doch bereut. Bei Gefal­len bestehe ich aber dar­auf, das Gehör­te auch in phy­si­scher Form zu besit­zen, um mei­ne Wert­schät­zung ange­mes­sen aus­zu­drücken.

Ob sich die­ses Ver­hal­ten im All­ge­mei­nen auch auf Bücher über­tra­gen lässt? Ich bin zwar ein Freund digi­ta­ler Medi­en im All­ge­mei­nen, nicht jedoch digi­ta­ler Bücher, denn „E‑Books“ sind kein voll­wer­ti­ger Ersatz für sel­bi­ge. Irgend­et­was wür­de stets feh­len, und sei es nur das Umblät­tern oder die Gewiss­heit, ein Buch auch mal wochen­lang zur Sei­te legen zu kön­nen, ohne vor dem Wei­ter­le­sen die Bat­te­rien wech­seln zu müs­sen. Womög­lich soll­te Peter Sin­ger sich aber mal bei Tha­lia beschwe­ren – in deren Filia­len haben Besu­cher meist die Mög­lich­keit, jedes nicht ein­ge­schweiß­te Buch auf mehr oder weni­ger beque­men Ses­seln zu lesen, ohne es kau­fen zu müs­sen. Was da allein für Ver­lu­ste ent­ste­hen!

Wie zum Trotz hat welt.de an die­ser Stel­le eine acht­tei­li­ge Klick­strecke ein­ge­fügt (sie­ben Tei­le plus Wer­bung): „So hoch sind der Ver­lu­ste der Unter­neh­men durch Inter­net­pi­ra­te­rie…“. Dar­in ste­hen Fak­ten wie:

Alle EU-Län­der: 9,9 Mrd. Euro
Beschäf­ti­gungs­ab­bau: 186.400

Woher die­se Zah­len kom­men? Man weiß es nicht. Dass Schwarz­ko­pien die Schuld dar­an tra­gen, dass Unter­neh­men mas­sen­haft Leu­te raus­wer­fen, hal­te ich aller­dings für ein Gerücht, aber die Springer-„Presse“ war ja schon immer für ein wenig Popu­lis­mus zu haben.

Nach eini­gem frag­wür­di­gen Geschwa­fel über SOPA, PIPA, ACTA und Megau­pload („der Kampf wird wei­ter­ge­hen“, das fürch­te ich auch) stellt Herr Sin­ger dann noch mal sei­ne eige­nen Absich­ten in Fra­ge, indem er schreibt:

Ich bin nicht nur Leser, son­dern auch Autor. Eines der Wun­der des Inter­nets ist, dass eini­ge mei­ner älte­ren Wer­ke, die lan­ge nicht mehr lie­fer­bar sind, jetzt sehr viel leich­ter erhält­lich sind als frü­her – als Raub­ko­pie

Gin­ge es nach ihm selbst, wären sei­ne „älte­ren Wer­ke“ also nun ver­grif­fen, nicht mehr zugäng­lich, und wür­den ihm kei­ne neu­en Leser mehr besche­ren. Dass er mit die­sen „Wer­ken“ kein Geld mehr ein­neh­men kann, ist ihm egal, so lan­ge sie eben nur auch nie­mand mehr kau­fen kann. Ver­steh‘ ich nicht. Peter Sin­ger macht aller­dings den Feh­ler, von Ver­bre­chern betrie­be­ne Platt­for­men wie Megau­pload und sozia­le, nicht auf die blo­ße Berei­che­rung ihrer Betrei­ber fokus­sier­te Net­ze wie etwa Kadem­lia (eMule/aMule) mit­ein­an­der in einen Topf zu wer­fen. Ich gebe ihm inso­fern Recht, als es ein­fach ist, sich bes­se­re Zwecke für „(…) Ein­nah­men aus Autoren­rech­ten vor­zu­stel­len als den umwelt­schäd­li­chen Lebens­stil eines Kim Dot­com“. Den­noch hat Schwarz­ko­pie­ren nur sel­ten etwas mit der­lei Akti­vi­tä­ten zu tun.

Am Ende bekommt er doch noch die Kur­ve:

Austra­li­en, Kana­da, Isra­el, Neu­see­land und vie­le euro­päi­sche Län­der haben heu­te ein öffent­li­ches Ver­leih­recht, das dar­auf aus­ge­legt ist, Autoren und Ver­le­ger für die ihnen durch die Mög­lich­keit zur Ent­lei­he ihrer Bücher in öffent­li­chen Büche­rei­en ent­gan­ge­nen Umsät­ze zu ent­schä­di­gen. Wir brau­chen etwas Ähn­li­ches für das Inter­net.

Es könn­te über eine Nut­zungs­ge­bühr finan­ziert wer­den, und wenn die Gebühr nied­rig genug wäre, wür­de dies den Anreiz zur Nut­zung von Raub­ko­pien ver­rin­gern.

Was Peter Sin­ger hier befür­wor­tet, ist eine Kul­tur­flat­rate – also das, was aus den Rei­hen der Pira­ten­par­tei­en unge­fähr seit ihrem Bestehen gefor­dert und von Krea­ti­ven wie Peter Sin­ger meist mit Lega­li­sie­rung von Dieb­stahl gleich­ge­setzt wird. Die­se Ent­wick­lung ist zumin­dest bemer­kens­wert.

Gege­be­nen­falls soll­te Peter Sin­ger sich zunächst ein­mal ent­schei­den, ob das Kopie­ren sei­ner Tex­te nun erwünscht (wegen ver­grif­fen) oder nicht so erwünscht (wegen Kim Schmitz) sein soll, bevor er sich dar­an wagt, einen Text zu schrei­ben, der sich für und/oder gegen file­sha­ring aus­spricht. Ich fürch­te aller­dings, bevor die­se Ent­schei­dung schließ­lich gefällt wor­den sein wird, macht er längst etwas ande­res und lässt die Gesell­schaft dar­un­ter lei­den.

Mich frö­stelt es jetzt schon.