Sonstiges
Shel­don Coo­per, ein fik­ti­ves Idol

Zufäl­le (und Kon­tak­te) lie­ßen mich unlängst die komö­di­an­ti­sche Fern­seh­se­rie „The Big Bang Theo­ry“, eine Art „IT Crowd“ ohne Infor­ma­tik mit Phy­sik, anson­sten jedoch sehr ähn­li­cher Kon­stel­la­ti­on (meh­re­re Nerds ste­hen einer ein­zi­gen kli­schee­haft ent­wor­fe­nen Frau gegen­über), ent­decken. Nun ist die Phy­sik kei­nes­falls eines mei­ner bevor­zug­ten Fach­ge­bie­te, die Rol­le des Shel­don Coo­per jedoch, einer der Haupt­fi­gu­ren, ist eine sehr lobens­wer­te, die bei­zei­ten Bar­ney Stin­son und Char­lie Har­per, derer man eigent­lich auch irgend­wann ein­mal über­drüs­sig sein soll­te, als viel­fach nach­ge­ahm­tes Vor­bild zumin­dest ergän­zen soll­te, allein schon auf­grund von Sze­nen wie die­ser:

Shel­don Coo­per: Ich wei­ne, weil ande­re dumm sind, denn das macht mich trau­rig

Eini­ge die­ser neu­mo­di­schen blog­ger wür­den sich hier womög­lich mit einem in mehr­fa­cher Hin­sicht simp­len „xD“ begnü­gen; ich mei­ner­seits emp­feh­le gele­gent­li­ches Betrach­ten erwähn­ter Serie unter der Prä­mis­se, dass die Kon­ser­ven­la­cher im off nicht dar­über hin­weg­täu­schen soll­ten, dass man­ches eher der Rea­li­tät ent­springt als der blo­ßen Belu­sti­gung die­nen soll­te.

Und das macht mich trau­rig.

Sonstiges
8. März: Inter­na­tio­na­ler Frau­en­tag 2012

So ein Welt­krieg bringt ja in der Regel mit stei­gen­der Dau­er auch immer mehr Leid mit sich; Armut, Zer­stö­rung und sozia­le Miss­ent­wick­lun­gen sind an der Tages­ord­nung. In direk­ter Fol­ge des Ersten Welt­krie­ges etwa wur­de der Ver­sailler Ver­trag geschlos­sen, des­sen Klau­seln unter ande­rem die Hyper­in­fla­ti­on im Deut­schen Reich begün­stig­ten und infol­ge­des­sen den Auf­stieg der NSDAP för­der­ten. Außer­dem wur­de der Inter­na­tio­na­le Frau­en­tag neu for­miert.

Der Inter­na­tio­na­le Frau­en­tag ist ein Ver­such, die Frau als Indi­vi­du­um wei­ter zu schwä­chen und sie auf­grund des Umstands, dass sie mei­stens Brü­ste und/oder eine Vor­lie­be für scheuß­li­che Far­ben hat, in eine Grup­pe ein­zu­tei­len, die allein des­halb fei­erns­wert sein möge. Ursprüng­lich setz­te man sich für das Frau­en­wahl­recht ein, da sich das aber irgend­wann qua­si von selbst erüb­rig­te, gab man dem Tag einen bedeu­tungs­vol­le­ren Namen, näm­lich Tag der Ver­ein­ten Natio­nen für die Rech­te der Frau und den Welt­frie­den, was mit­ein­an­der ja vie­les zu tun hat, denn wenn Frau­en mehr Rech­te hät­ten, gäbe es auf der gan­zen Welt kei­ne Kämp­fe mehr, wenn nicht gera­de Som­mer­schluss­ver­kauf ist – das wird’s sein. Dass die Frie­dens­trup­pen der Ver­ein­ten Natio­nen zu den Rech­ten der Frau ihren Teil bei­tra­gen, ist da viel­leicht nur eine iro­ni­sche Fuß­no­te:

Einen zusätz­li­chen Auf­schwung des Pro­sti­tu­ti­ons­ge­schäfts ver­ur­sach­te zudem die Sta­tio­nie­rung von KFOR-Sol­da­ten, UN-Mit­ar­bei­tern und diver­sen west­li­chen Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen im Koso­vo. Kaum waren die­se ein­ge­trof­fen, schos­sen Bor­del­le wie Pil­ze aus dem Boden!

Frie­dens­krie­ge blei­ben eben genau das, und den Frie­den und den ideel­len Wert der Frau an sich („und jetzt im Chor, wir sind alle indi­vi­du­ell!“) zu sichern geht eben nicht gleich­zei­tig; die unwei­ger­lich resul­tie­ren­de Ent­schei­dung bedarf kei­ner wei­te­ren Über­le­gung. Ande­rer­seits: Direkt unan­ge­nehm ist es vie­len Frau­en ja augen­schein­lich nicht, auf ihre Möp­se redu­ziert zu wer­den, ver­ewi­gen sie sel­bi­ge doch mit­un­ter aus frei­en Stücken in Bild­form in so genann­ten „sozia­len Netz­wer­ken“ in der Hoff­nung, zahl­rei­ches Inter­es­se zu wecken. (Um sach­dien­li­che Hin­wei­se, ob es außer­halb ein­schlä­gi­ger Por­ta­le eine ähn­lich hohe Pro­zent­zahl von zei­ge­freu­di­gen Män­nern gibt, wird gebe­ten.)

„Ich ver­ste­he das Kon­strukt die­ses Tages nicht.“
– Twit­ter-Nut­zer „nutel­lag­ang­bang“

Wenn der Inter­na­tio­na­le Frau­en­tag gleich­zei­tig der Tag für den Welt­frie­den ist, ist dann der Inter­na­tio­na­le Män­ner­tag eigent­lich der Tag der Welt­krie­ge? Die Ver­ein­ten Natio­nen unter­stüt­zen die­sen Tag lei­der noch nicht als einen offi­zi­el­len und welt­wei­ten, womit wir wie­der bei der Gleich­be­rech­ti­gung wären, somit konn­te ich das auf die Schnel­le nicht nach­schla­gen, aber war­um soll­te man auch wol­len, dass die Rech­te der Män­ner und Jun­gen gestärkt wer­den?

Die Welt braucht unbe­dingt die­sen „Frau­en­tag“, denn sie wer­den gesell­schaft­lich noch nicht genug hofiert, tja­ja; und dass vie­le Frau­en sich in einer Umge­bung, die sich um so etwas nicht schert, woh­ler füh­len als mit dem Stig­ma der gefäl­ligst anzu­be­ten­den Göt­tin, ist der Gesell­schaft mal herz­lich egal. Fragt man näm­lich Frau­en danach, ob sie lie­ber als Mensch oder als Frau wahr­ge­nom­men wer­den, so fällt das Ergeb­nis in der Regel ziem­lich ein­deu­tig aus: Wie soll man die Res­sen­ti­ments gegen­über dem ande­ren Geschlecht abbau­en, wenn das ande­re Geschlecht auf sei­ne Beson­der­heit pocht?

Wel­chem Zweck genau dient also der Welt­frau­en­tag, wenn nicht allein als Anlass für zwar geschmack­lo­se, aber gera­de des­halb gelun­ge­ne chau­vi­ni­sti­sche Tweets und ander­wei­ti­ge Scherz­chen? Mor­gen ist er vor­über, und den­noch ist die Gefahr, dass die Rech­te der Frau­en mor­gen wie­der abge­schafft wer­den, unge­fähr so groß und bedroh­lich wie die Aus­sicht auf nahen Welt­frie­den zum Tag des Welt­frie­dens. Aber pfür den Pfrie­den tut man eben aller­lei, was ratio­nal uner­klär­lich ist: Lich­ter­ket­ten bil­den, Sol­da­ten ent­sen­den und den Inter­na­tio­na­len Frau­en­tag bege­hen. („Bege­hen“ – sagt man das nicht eigent­lich bei Ver­bre­chen?)

Man soll­te all das manch­mal ein­fach etwas weni­ger ernst neh­men.

(Dank auch an L.!)

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXXXVI: Die Sucht nach Sozia­lem

Es ist schon merk­wür­dig: Fragt man anson­sten eigent­lich weit­ge­hend inte­gre Mit­men­schen, war­um sie trotz all der Daten­schutz­be­den­ken bei Face­book ange­mel­det sind, so lau­tet die Ant­wort meist ent­we­der, weil dort auch die eige­nen, weit ent­fernt woh­nen­den Freun­de ange­mel­det sei­en, oder, weil alle dort sei­en und man sich doch der Gesell­schaft nicht ver­wei­gern kön­ne. Aus die­sen Grün­den wird auch ein Wech­sel zu Goog­le+, Dia­spo­ra oder ande­ren Net­zen stets abge­lehnt.

Nun begab es sich, dass Face­book man­cher­orts für eini­ge Stun­den aus­fiel, und nun ging alles ganz schnell:

Vie­le nah­men das Black­out mit Humor oder wech­sel­ten zur Kon­kur­renz Goog­le+.

Denn lie­ber ver­zich­tet man auf sei­ne Freun­de als auf die täg­li­chen Kat­zen­bil­der und Früh­stücks­me­moi­ren, wenn man ein Mensch 2.0 und voll­ver­netzt ist.

Man will ja nichts ver­pas­sen im Leben.

Sonstiges
„Mein BASE plus“: Mehr Post­ein­gang für’s glei­che Geld.

Ganz toll ist ja auch der Mobil­dien­ste­an­bie­ter BASE, Teil der E‑Plus-Grup­pe, der zwar unge­fähr weiß, wie Wer­bung und sogar Kun­den­bin­dung trotz mit­tel­mä­ßi­ger Netz­in­fra­struk­tur funk­tio­niert, aber dar­über hin­aus doch gele­gent­lich so nied­lich unbe­hol­fen wie sonst nur die Bedien­ste­ten des rosa Rie­sen wirkt, etwa, wenn ein Tarif­wech­sel ansteht.

So etwa im Fall eines Wech­sels von dem aus der Wer­bung bekann­ten, nicht mehr ange­bo­te­nen Tarif „Mein BASE“ zu dem Nach­fol­ge­ta­rif „Mein BASE plus“, der SMS- und BASE-Flat­rate kom­bi­niert und eine Beson­der­heit mit sich bringt: Die „All­net Flat“ (gräss­li­che Ter­mi­no­lo­gie, oder?) für 5 Euro pro Monat beinhal­tet 100 statt, wie noch bei „Mein BASE“, 50 Frei­mi­nu­ten.

Ein Wech­sel gestal­tet sich also so: Die wech­sel­wil­li­ge Kund­schaft betä­tigt in ihrem Kun­den­pro­fil den Ver­weis, um zu „Mein BASE plus“ zu wech­seln, und ändert auf Wunsch bei der Gele­gen­heit gleich die Aus­wahl der „All­net Flat 50“ in die der „All­net Flat 100“. Recht­lich gese­hen ist das ein Tarif­wech­sel, bei dem die ein­zel­nen Kom­po­nen­ten nur nament­lich mit­ein­an­der zusam­men hän­gen.

So weit die Theo­rie, denn des Umstei­ge­freu­di­gen Nach­rich­ten­ein­gang kann sich nach erfolg­ter Umstel­lung über regen Zuspruch freu­en:

Und eigent­lich ist man dann doch ganz froh dar­über, dass man nur eine Ver­trags­op­ti­on statt derer drei geän­dert hat.

PolitikIn den Nachrichten
Bom­ben, wem Bom­ben gebüh­ren

Im Jahr 2010 sorg­te „Aaron“ König, damals Mit­glied des Bun­des­vor­stands der Pira­ten­par­tei, für einen mit­tel­schwe­ren Eklat, als er die Bom­bar­die­rung des Irans befür­wor­te­te – in der Fol­ge nahm er sei­nen Hut und schloss sich der obsku­ren Kleinst­par­tei „Die Frei­heit“ an (und sich wenig spä­ter wie­der aus), was die deutsch­spra­chi­ge Blog­ge­ria sehr begrüß­te.

Ande­re gehen da etwas dezen­ter vor, immer­hin haben sie nicht ohne Grund den Frie­dens­no­bel­preis erhal­ten, und postu­lie­ren ähn­li­ches:

Oba­ma ver­kün­de­te nicht nur, wie sonst üblich, dass selbst­ver­ständ­lich „alle Optio­nen“ auf dem Tisch blei­ben wür­den, also auch die mili­tä­ri­sche. Dies­mal ver­sprach er zugleich, dass sei­ne Poli­tik nicht auf „Ein­däm­mung“ des Iran aus­ge­rich­tet sei, also nicht nur auf die Ein­he­gung einer mög­li­chen Atom­macht Iran. (…) Eben­so deut­lich aber teil­te Ame­ri­kas Prä­si­dent sei­nen Zuhö­rern mit, dass die Zeit für einen Prä­ven­tiv­schlag noch nicht gekom­men sei.

Denn wenn hier einer Atom­bom­ben wer­fen darf, dann ja wohl die USA, und lie­ber auf den Iran als auf Isra­el, weil die US-ame­ri­ka­ni­schen Juden tra­di­tio­nell zu den Stamm­wäh­lern der Demo­kra­ten gehö­ren und man doch nicht sei­ne Wäh­ler ver­schrecken kann, obwohl man eigent­lich gar kei­nen Wert auf sie legt: You can’t be Pro-Oba­ma and Pro-Isra­el.

Damit bleibt der Demo­krat indes sei­ner Linie treu, immer­hin hat­te er bereits 2009 mit einer mili­tä­ri­schen Lösung gedroht. Die Guten schie­ßen immer zuerst.

War­um nun die­je­ni­gen, die sei­ner­zeit „Aaron„s Fehl­griff zum Anlass nah­men, wochen­lang auf den Pira­ten her­um­zu­rei­ten, nicht mit ähn­li­cher Vehe­menz den Rück­tritt Barack Oba­mas for­dern, erschließt sich mir nicht. Aber in den USA hat man wohl nur die Wahl zwi­schen hard­li­nern und hard­li­nern, die sich eigent­lich nur dar­in unter­schei­den, ob sie ihre Kriegs­lust offen zuge­ben (Repu­bli­ka­ner) oder nicht (die ande­ren).

Ein scheuß­li­cher Prä­si­dent ist Barack Oba­ma alle­mal.

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXXXV: Reli­gi­on macht Frau­en­fuß­ball wie­der inter­es­sant

Denn:

Der Fuß­ball-Welt­ver­band FIFA hat auf die For­de­rung der Ver­ein­ten Natio­nen reagiert und erlaubt isla­mi­schen Spie­le­rin­nen künf­tig das Tra­gen von Kopf­tü­chern auf dem Platz.

Soll­te die­se vor­läu­fi­ge Ent­schei­dung von Dau­er sein, sind außer der längst umge­setz­ten Migran­ten­quo­te in der Natio­nal­mann­schaft noch wei­te­re Sze­na­ri­en denk­bar, in Kon­se­quenz auch die Erlaub­nis, beim Spiel eine Bur­ka zu tra­gen.

Und das wür­de ich mir dann wahr­schein­lich sogar anse­hen.

Spaß mit Spam
work with me

Was mir „Mr kim wong“, der als E‑Mail-Ali­as „candygl20“ („Can­dy­girl“, viel­leicht die Toch­ter des Can­dy­man) bei AOL – das sagt schon (fast) alles – ver­wen­det, mit die­sem Betreff sagen will, erschließt sich mir eben­so wenig wie die Aus­sa­ge des kom­plet­ten Mail­tex­tes:

The only pro­blem which I have is trust you It will not cost you any amount open the link for more details http://www.speedyshare.com/file/RKaBj/Mr-Kim-Wong.txt

(Den Ver­weis habe ich hier aus fol­gen­den Grün­den nicht gekürzt.)

„Mr kim wong“ bezeich­net es als sein ein­zi­ges Pro­blem, dass er mir ver­traut, und ich fin­de aller­dings auch, dass das ein Pro­blem ist, denn anson­sten hät­te er mir die Lebens­zeit, die ich, zusätz­lich behin­dert mit­tels feh­len­der Zei­chen­set­zung, mit dem Ver­such einer Inter­pre­ta­ti­on sei­ner E‑Mail ver­brach­te, zur frei­en Ver­wen­dung über­las­sen.

Jeden­falls: Es wird mich nichts kosten, dass er mir ver­traut. Zu gütig. Aber was will mir „Mr kim wong“ damit sagen? Viel­leicht wird das kla­rer, wenn man die von ihm erwähn­te Text­da­tei auf­ruft.

Blöd von „Mr kim wong“ war es nun aber, dass er zur Ver­brei­tung die­ser Text­da­tei – womög­lich aus Spam­fil­ter­grün­den – auf die Dien­ste von Spee­dy Share zurück­grei­fen woll­te. Die sind sol­cher­lei aber anschei­nend schon gewohnt und haben die Datei anschei­nend auto­ma­ti­siert ent­fernt, denn an ihrer Stel­le ist der­zeit nur noch die­ser Hin­weis­text zu lesen:

Dass „Mr kim wong“ sei­nen Adres­sa­ten ver­traut, sorgt eben lei­der nicht dafür, dass ihm auch Datei­ho­ster ihr Ver­trau­en schen­ken. Cle­ver, huh?

Was „Mr kim wong“ nun eigent­lich von mir woll­te, wer­de ich jetzt wohl nicht mehr erfah­ren.
Ich kann so nicht arbei­ten.

KaufbefehleMusikkritik
Die Ärz­te – kei­ne ZeiD­ver­schwÄn­dung. (Auch: Kri­tik der Kri­tik.)

Neben­bei traf heu­te der/die/das EP “ZeiD­ver­schwÄn­dung“ der Die Ärz­te – der Arti­kel ist Teil des Band­na­mens – ein, die auch im (brut­to) 30. Jahr ihres Bestehens kei­ne gro­ße Lust haben, der Ankün­di­gung, es wer­de nie wie­der Die Ärz­te geben (getä­tigt etwa im Bei­heft der Kom­pi­la­ti­on „Das Beste von kurz nach frü­her bis jet­ze“, 1994), Taten fol­gen zu las­sen, was mich kei­nes­falls ent­täuscht.

Denn Die Ärz­te waren zwar nie musi­ka­lisch hoch­klas­sig oder wenig­stens dis­so­nant-abstrakt, den­noch sind ihre Tex­te seit Mit­te der 1990er Jah­re stän­di­ge Beglei­ter mei­nes Lebens, und des­halb lege ich hier ande­re Maß­stä­be an; und ich kann mir das erlau­ben. Dass vie­le gera­de jün­ge­re Anhän­ger des Tri­os musi­ka­lisch uner­fah­ren sind (und etwa von The Who noch nie etwas gehört haben), mag ihnen aller­dings gele­gent­lich zugu­te kom­men.

Jetzt also „ZeiD­ver­schwÄn­dung“. Ent­hal­ten sind vier Lie­der, wie üblich von jedem der drei Mit­glie­der über­wie­gend sepa­rat bei‑, nicht aber vor­ge­tra­gen, und bereits das erste Lied namens, na, so was!, „ZeiD­ver­schwÄn­dung“ ist gar kei­ne. Die Schumm­ler. Wor­um es geht?

Hast du nichts Bes­se­res zu tun, als die Die Ärz­te zu hör’n?

Im Stil neue­ren Indie-Pop­rocks, wie üblich ange­rei­chert mit aller­lei musi­ka­li­schen Zita­ten, und mit der wohl merk­wür­dig­sten Gesangs­me­lo­die, der Bela B. je gefolgt ist, beschwe­ren sich die Die Ärz­te dar­über, dass eini­ge ihrer Anhän­ger im Lau­fe der seit der Auf­lö­sung von Soi­lent Grün (das war im Früh­jahr 1982) ver­gan­ge­nen Jah­re einen Per­so­nen­kult um sie errich­tet haben und ihr Leben dem Die-Ärz­te-Fan­tum wid­men. Um das zuge­hö­ri­ge und auf dem/der/dem EP ent­hal­te­ne Video zu ver­ste­hen, bedarf es aller­dings eini­ger Erfah­rung: Es zeigt die drei Prot­ago­ni­sten inmit­ten ihrer eige­nen Geschich­te. Gwen­do­li­ne und die „Bestie in Men­schen­ge­stalt“ tau­chen, nur in Bild­form, eben­so auf wie mar­kan­te Zei­len frü­he­rer Ärz­te­lie­der, dar­un­ter „Geh’n wie ein Ägyp­ter“ und „Rod loves you“.

Apro­pos Vide­os: Jedes der vier Lie­der wird zumin­dest im Inter­net von einem Video beglei­tet, das die Die Ärz­te als „Stop-Motion“-Animationsfiguren zeigt. Wei­te­re Vide­os sind, in einer recht rät­sel­haf­ten Ankün­di­gung, in Aus­sicht gestellt wor­den. Moment, vier Lie­der? Ja: Neben „ZeiD­ver­schwÄn­dung“ sind auf dem/der/dem EP auch „Mutig“, „Qua­dro­phe­nia“ und „Will dich zurück“ zu fin­den, die unter­schied­li­cher kaum sein könn­ten.

Mit „Mutig“ knüpft Farin Urlaub the­ma­tisch an sei­ne älte­ren Lie­der „Hart“ und „Gefähr­lich“ an, dazu gibt es (wenig dezen­ten) Gitar­ren-Indie­rock (sagt man das noch so?) zu hören. „Qua­dro­phe­nia“ – der Name sagt es schon – ist eine musi­ka­lisch tref­fen­de Hom­mage an die Rock­mu­sik der 1970er Jah­re und ver­mag zu gefal­len. „Will dich zurück“ schließ­lich hat zwar einen ziem­lich blö­den Refrain, ist aber anson­sten ein sehr ein­gän­gi­ges Stück Elek­tro­pop.

Fest steht: Die Ärz­te haben sich musi­ka­lisch gewan­delt. Bewei­sen müs­sen sie schon lan­ge nie­man­dem mehr etwas. „ZeiD­ver­schwÄn­dung“ wur­de auf den ein­schlä­gi­gen Inter­net­sei­ten von denen, die ein wei­te­res „Pla­net Punk“ oder „13“ erwar­tet hat­ten, als ein wei­te­rer Beleg für den unauf­halt­sa­men Nie­der­gang der einst­mals „besten Band der Welt“ gewer­tet, dabei belegt es eigent­lich nur die man­geln­de Bereit­schaft der Kri­ti­ker, sich Neu­em zu öff­nen. Wenn mir der Stil­wan­del (und somit die musi­ka­li­sche Wei­ter­ent­wick­lung) einer geschätz­ten Musik­grup­pe miss­fällt, dann laste ich das nicht der Musik­grup­pe an, die es gewagt hat, mei­nen Erwar­tun­gen nicht mehr zu genü­gen, son­dern höre statt­des­sen etwas ande­res, beglei­tet allen­falls von einem oder zwei Sät­zen der Begrün­dung für mei­ne Abkehr von der Ver­eh­rung einer Com­bo, so etwa im Vor­jahr im Fall von Nihi­ling gesche­hen.

Vie­le Rezen­sen­ten sind offen­bar der Mei­nung, Künst­ler, deren Wer­ke sie zu bewer­ten beab­sich­ti­gen, soll­ten sich allein um ihre Gunst bemü­hen. Da wer­den im Vor­feld Erwar­tun­gen auf­ge­baut, deren Erfül­lung nie­mals in Aus­sicht stand, deren Nicht­er­fül­lung aber unwei­ger­lich zu einem Ver­riss führt. Natür­lich sind Rezen­sio­nen stets sub­jek­tiv geprägt, mei­ne eige­nen neh­me ich davon kei­nes­wegs aus, aber wenn mir eine musi­ka­li­sche Ände­rung all­zu sehr miss­fällt, dann neh­me ich das zwar meist betrübt zur Kennt­nis und brin­ge das gege­be­nen­falls auch zum Aus­druck, wer­de jedoch auch von gehäs­si­gen Kri­ti­ken spä­ter ver­öf­fent­lich­ter Musikal­ben abse­hen und nicht noch das zehn­te Album eines Musi­kers an sei­nem ersten mes­sen, wenn mir schon das zwei­te par­tout nicht mehr gefiel. (Aus die­sem Grund habe ich zum Bei­spiel auch die Geschicke von iLi­KE­T­RAiNS nach dem gelun­ge­nen Debüt und dem scheuß­li­chen Zweit­ling kaum mehr wei­ter ver­folgt.)

„Men­schen haben kei­ne Ahnung…“
– Die Gol­de­nen Zitro­nen

Im April jeden­falls folgt vor­aus­sicht­lich das Album „auch“, Gerüch­ten zufol­ge mal wie­der das dies­mal wirk­lich letz­te vor der end­gül­ti­gen Auf­lö­sung. Die­se Stüm­per: Wenn Micha­el Jack­sons Tod der Welt eines gezeigt hat, dann, dass nicht das letz­te Album vor dem Kar­rie­re­en­de sich am besten ver­kauft, son­dern das erste nach ihm.

Aber so ist’s natür­lich auch Recht.

NerdkramsInternes
Hallöchen, Uber­space!

brief,

nach eini­gem Hin und Her und letzt­end­lich über­zeugt von chris­zim, der wie Der­Ba­stard und eini­ge ande­re den Wech­sel voll­zo­gen hat, läuft tuxproject.de nun auf Uber­space und nicht mehr auf All-Inkl.com. (Gele­gent­li­che Links, die sich noch merk­wür­dig ver­hal­ten, wer­den nach und nach kor­ri­giert.)

War­um weg?

Ich hat­te mit All-Inkl nie grö­ße­re Pro­ble­me, für den blo­ßen Betrieb von Word­Press gibt es zwei­fels­oh­ne kei­nen bes­se­ren shared hoster. Deren Ser­ver lau­fen in der Regel schnell, sta­bil und ohne nen­nens­wer­te Last, und der Sup­port gibt sich manch­mal wirk­lich Mühe. Was mir aber gefehlt hat, war der Shell-Zugang – gele­gent­li­che Arbei­ten „unter der Hau­be“ waren oft recht lang­wie­rig, zumal eini­ge Word­Press-Plug­ins an den Ver­zeich­nis­rech­ten her­um­fum­meln woll­ten und ein regel­mä­ßi­ger Gang zum „KAS“, dem All-Inkl-Kon­troll­zen­trum, mir nicht erspart blieb. Ich könn­te natür­lich auch bei All-Inkl Shell­zu­griff erhal­ten, jedoch wäre dies mit nicht uner­heb­li­chen Mehr­ko­sten ver­bun­den, die ich nicht auf­brin­gen will, wenn­gleich ich das natür­lich könn­te.

Auch habe ich im Ver­lauf der letz­ten Wochen begon­nen, mei­ne Mail­kor­re­spon­denz weit­ge­hend auf tuxproject.de zu ver­la­gern. Nun sind die IMAP-Ser­ver von All-Inkl merk­wür­dig kon­fi­gu­riert, das Anle­gen von Unter­ord­nern ist bit­te­schön per Web­ober­flä­che statt per IMAP zu erle­di­gen, und auch sonst fühl­te sich eini­ges an der Kon­fi­gu­ra­ti­on doch über­aus rück­stän­dig an.

War­um hin?

Uber­space ist all das, was ich bei All-Inkl ver­misst habe: Zwar ist die Ser­ver­last im Mit­tel etwas höher, aber es ist vie­les mög­lich, was All-Inkl nicht so gern sieht. Shell­zu­griff ist eben­so eine Selbst­ver­ständ­lich­keit wie Cron­jobs, also wie­der­keh­ren­de Auf­ga­ben, die bei All-Inkl eben­falls einen Tarif­wech­sel erfor­dern wür­den. PHP, Perl und MySQL sind gleich­blei­bend vor­han­den, neu sind Ruby, Python und die Mög­lich­keit, feh­len­de Modu­le bei Bedarf nach­zu­in­stal­lie­ren.

Dabei weist Uber­space die Beson­der­heit auf, dass es nicht ver­sucht, Kon­kur­renz­kämp­fe zu gewin­nen (obwohl 1 Euro pro Monat – einsfuff­zich mit Domain – ein bemer­kens­wer­ter Min­dest­preis ist), son­dern, dass es sich pri­mär an uns Bast­ler rich­tet, die lie­ber mit der Kon­so­le als mit bun­ten GUIs den Admi­ni­stra­tor spie­len. Das bedeu­tet aber auch, dass die Inbe­trieb­nah­me kei­ne Sache von weni­gen Klicks ist, son­dern zunächst eini­ge Hand­ar­beit ansteht: Trans­fe­rie­ren der bestehen­den Datei­en per lftp, Ein­spie­len und Kor­ri­gie­ren der Daten­bank (bei dem gesprä­chi­gen Piwik ein ziem­lich umfang­rei­ches Unter­fan­gen), Set­zen der benö­tig­ten Rech­te für die ein­ge­setz­ten Word­Press-Plug­ins, die ja immer etwas zu meckern haben.

Die Betrei­ber ste­hen per Mail und Twit­ter aller­dings jeder­zeit zur Sei­te und bie­ten Hil­fe­stel­lung. Die­se ist nicht auf bun­te Anlei­tun­gen beschränkt, son­dern auf­tre­ten­de Pro­ble­me wer­den detail­liert erläu­tert und, wo mög­lich, ein Lösungs­weg auf­ge­zeigt. Das geht auch ziem­lich schnell; eine kur­ze Mail etwa genüg­te, und gera­de ein­mal andert­halb Stun­den spä­ter (trotz bereits weit fort­ge­schrit­te­ner Uhr­zeit) war ein mir feh­len­des Perl­mo­dul, das ich aus Grün­den nicht unbe­dingt in mei­nem Pro­fil instal­lie­ren woll­te, ser­ver­weit ein­ge­rich­tet. Noch nicht ein­mal eine vir­tu­el­le Ent­blö­ßung ist not­wen­dig: Per­sön­li­che Daten wer­den nicht erho­ben. Fin­de ich gut.

War­um nicht?

Der etwas höhe­re Auf­wand gegen­über Klick-und-fer­tig-Anbie­tern wie die zuvor von mir benutz­ten bpla­ced und All-Inkl ist sicher eine Ein­stiegs­hür­de für alle, die nur mal eben eine Web­sei­te ein­rich­ten möch­ten. Anson­sten bleibt der scha­le Bei­geschmack des klei­nen Anbie­ters mit der, kon­zept­be­dingt, unge­wis­sen Zukunft. Aber wer weiß schon, was mor­gen ist?

Und wenn ich es irgend­wann mal bereue, ist All-Inkl ja immer noch da. Hof­fent­lich.

Besu­chen Sie uns nicht auf Face­book.

Wegen sich ver­brei­ten­der Daten­schutz­be­den­ken in Zei­ten der tota­len Dienst­zu­sam­men­füh­rung (Goog­le: „Wir erfas­sen viel­leicht Ihre Tele­fon­num­mer.“) wer­den die social-media-Fach­leu­te die­ser Tage end­lich vor­sich­ti­ger im Umgang mit den neu­en Medi­en und wei­sen gele­gent­lich auch auf die Gefah­ren hin, die etwa ein Auf­ent­halt bei Face­book birgt.

So ist etwa das Wol­fen­büt­te­ler Unter­neh­men Sol­fe­ri­no selbst­ver­ständ­lich auf Face­book ver­tre­ten, möch­te aber ande­rer­seits kei­nen sei­ner poten­zi­el­len Kun­den in die Bre­douil­le brin­gen und hat sich daher für einen etwas unkon­ven­tio­nel­len Weg ent­schie­den:

Zumin­dest war es – wahr­schein­lich – gut gemeint.

Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Rote Kreb­se, See­füh­run­gen ohne Seen

Gaa­anz toll auch, „welt.de“, hast du die­sen Arti­kel hin­be­kom­men, denn auch ein eigent­lich ziem­lich fas­zi­nie­ren­des The­ma wie Karst­seen mit Urzeit­kreb­sen ist vor der schie­ren Pein­lich­keit dei­ner Redak­teu­re nicht gefeit; so heißt’s etwa in der Krebs-Bil­der­ga­le­rie:

Spä­ter wer­den die Tie­re (…) gekocht, bis sie sozu­sa­gen krebs­rot sind.

Wer sich sol­che Tex­te aus­denkt, der soll­te sich so lan­ge schä­men, bis er sozu­sa­gen scha­mes­rot ist. Den Vogel aber schießt du, „welt.de“, mit dem letz­ten Teil des „Arti­kels“ ab:

Damit alle Fra­gen geklärt wer­den, orga­ni­siert Hei­se in sei­ner Frei­zeit Füh­run­gen rund um den See. Sie erfreu­en sich stei­gen­der Beliebt­heit – vor allem, wenn sich der See mal wie­der blicken lässt.

Dass Füh­run­gen rund um einen See weni­ger gern gebucht wer­den, wenn kein See da ist, erstaunt wahr­schein­lich so man­chen, der bei WELT Online „arbei­tet“. Übri­gens fah­ren Leu­te auch eher ungern Auto, wenn kei­ne Stra­ße da ist – gibt es dar­über eigent­lich schon einen Bericht?

Nein? Scha­de.

PolitikNetzfundstücke
Kurz ver­linkt LXXXIV: War­um „links“ noch lan­ge nicht links ist

Dass „links“ heut­zu­ta­ge das emp­foh­le­ne Attri­but ist, wenn man vor­hat, irgend­was mit Poli­tik zu machen, ist eine ver­brei­te­te The­se. Was aber ist links?

Klar: Links ist, was nicht rechts ist. Was ist rechts? Die Kon­ser­va­ti­ven, die Natio­na­len? Falsch:

Gera­de die ver­meint­lich pro­gres­si­ven Ver­su­che, die Sozi­al­po­li­tik zu zer­schla­gen, bedeu­ten für die Lin­ken, sich dem rei­nen Fort­schritt in den Weg zu stel­len. „Links“ zu sein bedeu­tet hier nur eins: eine kon­ser­va­ti­ve Hal­tung ein­zu­neh­men.

„Links“ und „rechts“ soll­te man kei­nes­falls ver­su­chen als fixe Punk­te zu defi­nie­ren, über­schnei­den sie sich doch in vie­ler­lei Hin­sicht. Auch die einst­mals „lin­ke“ SPD ist dem Kon­ser­va­ti­vis­mus näher als je zuvor, den Wunsch­part­ner CDU freut’s womög­lich; der eben auch wenig wäh­le­risch ist, kopu­liert koaliert er doch bei Bedarf auch mit den Grü­nen, die bekann­ter­ma­ßen „links“ sind wie auch die Pira­ten, die ja viel­fach als „die neu­en Grü­nen“ und/oder „die neue F.D.P.“ gehan­delt wer­den, und obwohl sich man­cher Pirat gele­gent­lich auf frag­wür­di­gen Demon­stra­tio­nen blicken lässt, ist das eine fata­le Fehl­ein­schät­zung:

Sie sind letzt­lich Par­tei­en der Mit­tel­schicht, einer ande­ren als sie CDU und FDP sich aus­ma­len, aber einer Mit­tel­schicht nichts­de­sto­trotz. Ihre The­men sind kei­ne The­men von Men­schen, die dar­um kämp­fen, Mie­te und Essen zu bezah­len. Es sind aber, man muss es so hart sagen, Mehr­heits­the­men. Die Mehr­heit der Deut­schen fühlt sich der Mit­tel­schicht zuge­hö­rig oder geht davon aus, auf abseh­ba­re Zeit dazu­zu­ge­hö­ren. (…) Und selbst grü­ne und oran­ge­ne Bür­ger­li­che sind bei aller Anders­ar­tig­keit ihrer For­de­run­gen vom kon­ser­va­tiv-bür­ger­li­chen Kern­be­stand eines mit Sicher­heit nicht: revo­lu­tio­när und über­mä­ßig links gestimmt.

Wer „gegen Rechts“ ist und sich „links“ nennt, ist also mit ein wenig Pech eigent­lich kon­ser­va­tiv-regres­siv (rechts) und sein eige­ner Geg­ner; blöd ist’s eben, wenn man Kampf­be­grif­fe unre­flek­tiert über­nimmt, ohne sie zu ver­ste­hen.

„Links, zwo, drei, vier!“
– Ramm­stein

Montagsmusik
Cur­si­ve – Cave­man

Und nach so einem Wochen­en­de dann doch immer der Blick zurück, das weh­mü­ti­ge Ach!; und über­haupt soll­te man auf­hö­ren, auf­zu­hö­ren, und end­lich anfan­gen, anzu­fan­gen. Die Höh­le ver­las­sen der Höh­le wegen.

Cur­si­ve, „Cave­man“

I want to unlearn what I’ve lear­ned
Want to unearn what I’ve ear­ned
Want to burn my bridges down …

Schau­er­über­den­rücken­rock. (Das Wort lass‘ ich mir mal paten­tie­ren oder so.)