PolitikIn den NachrichtenNerdkrams
Kurz ver­linkt CXCII½: Von Fin­ger­prin­ting und Befin­gert­wer­den

Wisst ihr noch, damals, 2012, als alle gesagt haben, nie­mand habe irgend­ein Inter­es­se an unse­ren Daten und der Ein­satz von NoScript sei para­no­ider Quatsch? Stellt sich raus: Nicht nur Geheim­dien­ste fin­den die­se Hal­tung gut.

Der Wer­be­ver­mark­ter Zan­ox setzt auf soge­nann­tes Brow­ser-Fin­ger­prin­ting für die Wie­der­erken­nung von Brow­sern, wenn Coo­kies gelöscht, deak­ti­viert oder per Brow­ser-Ein­stel­lung blockiert wer­den.

Wäre ja auch wirk­lich scha­de, wüss­te so ein Rekla­mehei­ni nicht genau, wer die Per­son ist, die gera­de das Ergeb­nis sei­nes „krea­ti­ven Pro­zes­ses“ (ver­mut­lich also Kacken) ertra­gen muss.

(via Nacht­wäch­ter, der ein paar Lösungs­an­sät­ze nennt)


Zur aktu­el­len Pädo­phi­lie­de­bat­te wur­den schon aller­lei groß­ar­ti­ge Tex­te ver­fasst. Einer der groß­ar­tig­sten stammt von Sophie Dan­nen­berg, die bekennt:

Um den 11. Sep­tem­ber 2001 her­um wur­de ich erwach­sen und hör­te auf, die Grü­nen zu wäh­len[.]

Lesens­wert!


In eige­ner Sache: Wenn mein Plug­in funk­tio­niert, ist hier mor­gen bis 18 Uhr kei­ner­lei Inhalt zu fin­den (der RSS-Feed funk­tio­niert jedoch auch wei­ter­hin, gegen das Caching von RSS-Cli­ents ist nur schwer­lich etwas Effi­zi­en­tes zu tun). Nutzt die­se Gele­gen­heit, um das Plug­in auch in eurem Blog ein­zu­set­zen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXCII: Bouf­fiers Ehren­wort

An Absur­di­tät ist die­se Mel­dung die­ser Tage ja auch nur noch schwer­lich zu über­tref­fen:

Unein­ge­schränk­tes Ehren­wort: Bouf­fier will doch nicht mit der AfD

Weil Hes­sens Mini­ster­prä­si­dent (obwohl „das Gesicht der hes­si­schen CDU“ natür­lich auch pas­sen wür­de) Vol­ker Bouf­fier die AfD, eine Zwerg­par­tei, deren Mit­glie­der sich aus F.D.P. (einer ande­ren Zwerg­par­tei) und CDU rekru­tie­ren und die den Euro, immer­hin mit Recht, nicht son­der­lich gut fin­det, nicht aus­drück­lich als Koali­ti­ons­part­ner aus­ge­schlos­sen hat­te, haben sich die poli­ti­schen Mit­be­wer­ber hier­aus einen Skan­dal gestrickt; es dür­fe doch nicht sein, dass eine Zusam­men­ar­beit mit den Rechts­po­pu­li­sten über­haupt in Fra­ge kom­me, und es wer­de nun­mehr erwar­tet, dass man sich aus­drück­lich von jed­wel­cher poli­ti­schen oder tak­ti­schen Zusam­men­ar­beit mit den Rechts­po­pu­li­sten, die den euro­päi­schen „Zusam­men­halt“ mas­siv zu schä­di­gen imstan­de sei­en, noch vor dem Wahl­tag distan­zie­re.

Ob die AfD die­ser Bit­te nach­ge­kom­men ist, konn­te ich bis­lang nicht in Erfah­rung brin­gen.

Politik
Ein Rate­spiel mit der SPD

Ach­tung, eine Fra­ge an die auf­merk­sa­men Leser folgt!

Wenn ein über­zeug­tes SPD-Mit­glied dies in sein Blog schreibt:

(…) mich nervt es gewal­tig, dass die­ser Ver­ein sich zwar auf jede Men­ge Tra­di­ti­on beruft, es aber nicht hin­be­kommt, sich zeit­ge­mä­ße Struk­tu­ren zu geben

Oder dies:

(…) ich will natür­lich, dass wie­der ange­knüpft wird an die tol­len Jah­re Ende der 70er, Anfang der 80er

Oder dies:

Bis­lang gab es immer irgend­ein grot­ti­ges Gepicker und ich muss­te viel Geld in Brau­se, Brat­wurst und Süßig­kei­ten inve­stie­ren (…).

Oder dies:

(…) da ver­fehlt ein Vor­stands­chef Ziel um Ziel, ist aber nicht fähig zur Selbst­kri­tik und über allem thront ein Auf­sichts­rat, gegen den die Wasch­wei­ber eine ver­schwie­ge­ne Trup­pe sind

Wovon, auf­merk­sa­me Leser, spricht er dann wahr­schein­lich?

(Nicht schum­meln! Die Auf­lö­sung gibt es hier.)

Netzfundstücke
Kurz ver­linkt CXCI: Gabeln wer­den ver­misst.

Dies übri­gens dann auch mal emp­foh­len:

[E]ineinhalb Jahr­hun­der­te lang wur­den Hörer auf Gabeln geknallt. Heu­te gibt es noch so ein paar Kunst­stoff­din­ger mit einem ein­zel­nen Pla­stik­pin, aus dem der Hörer wie­der raus­fliegt, wenn man ihn nicht gleich durch das Gehäu­se häm­mert. In aller Regeln aber fin­det das ja gar nicht mehr statt, und man been­det ein Gespräch, indem man einen win­zi­gen Knopf drückt oder das Scheiß­ding gar strei­cheln muss, um die Funk­lei­tung zu unter­bre­chen.

Smart­phone mit Gabel. Das wär’s.

PolitikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Aus­ge­sucht wahl­los

Nee, „SPIEGEL ONLINE“, eher nicht:

Mari­ne-Reser­vist tötet wahl­los Ex-Kame­ra­den

„Wahl­los“ bedeu­tet im mir bekann­ten Deutsch unge­fähr „ohne eine Gemein­sam­keit zwi­schen den gewähl­ten Optio­nen“. „Mari­ne-Reser­vist tötet wahl­los Ex-Kame­ra­den“ ist also unge­fähr so eine klu­ge Wort­wahl wie „Kind kauft wahl­los nur Erd­beer­eis“.

Apro­pos unklug: Es wird im Wei­te­ren davon aus­ge­gan­gen, dass es sich beim „Mari­ne-Reser­vi­sten“ um meh­re­re Per­so­nen han­delt. Damit ist die Über­schrift gleich dop­pelt blöd, aber nun ja, ist halt SPIEGEL ONLINE, nicht?

Dazu dann auch dies:

Den getö­te­ten Schüt­zen hat die Poli­zei inzwi­schen iden­ti­fi­ziert als den 34-jäh­ri­gen Aaron Alexis aus Fort Worth in Texas, der vor kur­zem einen Job als exter­ner Mit­ar­bei­ter auf dem Stütz­punkt begon­nen hat­te. (…) Es wer­de alles getan, um die Ver­ant­wort­li­chen zur Rechen­schaft zu zie­hen.

Die Ver­ant­wort­li­chen – also inklu­si­ve des Toten. Dann mal ab mit dem in den Knast!

„Dum­me Gedan­ken hat jeder, nur der Wei­se ver­schweigt sie.“
– Wil­helm Busch

Netzfundstücke
Polo­nai­se 2.0 (ohne System­tech­ni­ker)

Ein Tweet ließ mich einen Blick in den ZDF-Video­text (Vor­sicht: Flash!) wer­fen und amü­sier­te mich infol­ge­des­sen präch­tig.

Videotext

Wer – außer der BRAVO – wüss­te bes­ser ein­zu­schät­zen, was gera­de im Trend liegt und was nicht, als das ZDF? Eben!

„In“ ist also das Ver­las­sen eines gesel­li­gen Bei­sam­men­seins, bevor die Polo­nai­se beginnt. Ich wer­de das anläss­lich der näch­sten Ver­an­stal­tung die­ser Art ein­mal aus­pro­bie­ren. Vor vier Uhr mor­gens wird das also nichts. Von die­sen Ver­an­stal­tun­gen erho­len soll­te man sich aller­dings im Süden, zum Bei­spiel in Bay­ern. Hui, Urlaub im Süden ist „ange­sagt“. Wie lan­ge hat das ZDF dafür gebraucht?

Was hin­ge­gen „out“ ist, muss schon mal „in“ gewe­sen sein. Dass dazu das Zuru­fen von Sport­er­geb­nis­sen jemals gehört haben soll, hal­te ich für ein unwah­res Gerücht, aber ich bin auch nicht beim ZDF beschäf­tigt und habe daher kei­ne Ahnung von Trends. Eben­falls „out“ ist es angeb­lich, auf bil­li­gen Schlaf­un­ter­la­gen ange­nehm zu ruhen. Im ZDF-Alten­heim, wo die Insas­sen eine Fei­er stets nach dem Kuchen um 17 Uhr mit einer Polo­nai­se beschlie­ßen, gehö­ren also mal neue Matrat­zen ange­schafft. Ein sehr sub­ti­ler Schrei nach Auf­merk­sam­keit, fin­de ich.

Garan­tiert nie­mals „in“ war es aller­dings, als System­tech­ni­ker alles Neue „2.0“ zu nen­nen. Die­se dum­me Ange­wohn­heit wird meist von denen umge­setzt, die an einem Com­pu­ter gera­de mal den Aus­schal­ter fin­den. – BWL-Absol­ven­ten und Schlips­trä­ger eben. System­tech­ni­ker hin­ge­gen nen­nen alles Neue „das kom­men­de Ding“ und „hat bald jeder“, völ­lig unab­hän­gig davon, ob das stimmt. (Schon mal ein Smart­phone gese­hen, das „2.0“ heißt?) Die­sen Unter­schied gilt es zu ver­ste­hen.

Kor­rekt ist’s also, ZDF-Video­text­re­dak­ti­on, dass ihr kei­ne System­tech­ni­ker seid. Daher könnt ihr „2.0“ nen­nen, wonach immer euch der Sinn steht. Inkor­rekt hin­ge­gen ist’s, dass „2.0“ ein „Inter­net-Begriff“ sei; selbst dann, wenn man das lee­re Gewäsch vom „Web 2.0“ als einen fest­ste­hen­den Begriff betrach­tet (denn wo kann ich die­se Ver­si­on der web.exe her­un­ter­la­den?). Win­dows 2.0 gab es jeden­falls schon 1987, von „Unix 2“ fan­ge ich hier gar nicht erst an.

Viel­leicht ist das auch alles über­trie­be­ne Kri­tik, viel­leicht schät­ze ich die ZDF-Kund­schaft auch nur falsch ein. Das Wort „Video­text“ hät­te mich eigent­lich schon war­nen müs­sen.

Video­text näm­lich ist so was von „out“.

PersönlichesPiratenpartei
Grund­rech­te auf Pira­tisch

Ich wur­de vor­hin auf Twit­ter gefragt, ob ich Dog­ma­ti­ker sei, weil ich in die­sem Jahr nicht am Wahl­kampf der Pira­ten­par­tei teil­neh­me. Hier habe ich aus­rei­chend Platz für eine aus­führ­li­che Ant­wort:

Ich wür­de mich nicht als einen Dog­ma­ti­ker bezeich­nen, ich bin jedoch Idea­list. Zu mei­nen poli­ti­schen Idea­len gehört Ehr­lich­keit, denn die Unehr­lich­keit der gro­ßen Par­tei­en, die kei­ner­lei Inter­es­se dar­an haben, sich kon­se­quent für die Umset­zung ihrer Wahl­ver­spre­chen ein­zu­set­zen, zu adap­tie­ren hal­te ich für wenig erstre­bens­wert. Und bei der Ehr­lich­keit geht es schon los.

‘Grund­rech­te auf Pira­tisch’ wei­ter­le­sen »

In den NachrichtenNetzfundstücke
Kurz ver­linkt CXC: Twit­ter­ge­dich­te und Face­book­ge­sich­ter

Den genau­en Nut­zen von Goo­gles Such­vor­schlä­gen hat­te ich bis­her zu erken­nen ver­säumt. Nor­ma­ler­wei­se weiß ich, wonach ich suchen möch­te, wenn ich eine Such­ma­schi­ne auf­ru­fe. Die Betrei­ber des Twit­ter-Accounts @GooglePoetics haben aber die wah­re Stär­ke der Vor­schlags­funk­ti­on ent­deckt: Sie schreibt bes­se­re Lyrik als so man­cher die­ser moder­nen „Pop­au­to­ren“.

Man­che der Gedich­te haben meh­re­re Stro­phen, manch­mal sind es auch tief­sin­ni­ge, dafür kur­ze Apho­ris­men:

I inven­ted sex
I imme­dia­te­ly reg­ret this decis­i­on

Soll­te aus mei­nen bis­he­ri­gen Tex­ten also her­vor­ge­gan­gen sein, dass ich die Goog­le-Suche für über­flüs­si­gen Mist hal­te, so möch­te ich die­ses Urteil zumin­dest teil­wei­se als revi­diert ver­stan­den wis­sen.


Apro­pos skru­pel­lo­se Mega­kon­zer­ne: Face­book-Chef Mark Zucker­berg hat die Inter­net­spio­na­ge durch den amerikanische[n] Geheim­dienst NSA (…) kri­ti­siert[.]

Das hat natür­lich einen ver­ständ­li­chen Grund: Zwar ist die NSA kein Betrei­ber eines „sozia­len Netz­werks“, aber der Markt der Daten­samm­ler scheint hart umkämpft zu sein. Ver­glei­chen­de Wer­bung hat ja durch­aus Tra­di­ti­on.

In den NachrichtenPolitik
Medi­en­kri­tik LXXX: Dür­fen die das?

Ganz Deutsch­land redet zur­zeit nur über ein The­ma: Fuß­ball Peer Stein­brück. Das kommt der SPD viel­leicht nur recht, denn sonst inter­es­siert sich für die ehe­ma­li­ge Volks­par­tei ja nicht mal mehr der SPIEGEL. Aber was hat er getan? Er hat sei­nen Kri­ti­kern sym­bo­lisch den Mit­tel­fin­ger her­aus­ge­streckt (das Bild hat­te ich im vori­gen Bei­trag bereits gezeigt). Mit gro­ßem Kra­keel echauf­fie­ren sich nun die Medi­en: Darf der das?

Das ist eine der Lieb­lings­fra­gen der Medi­en: Darf Peer Stein­brück unflä­ti­gen Kri­ti­kern bei­ßend begeg­nen? Darf Bir­git Ryd­lew­ski Sex haben? Darf Jas­min Mau­rer Fes­sel­spie­le mögen? Darf Ger­hard Schrö­der sich die Haa­re fär­ben? Darf Hel­mut Schmidt im Fern­se­hen rau­chen? Darf Ange­la Mer­kel nicht auch Frau sein? Darf der Papst nicht kri­ti­siert wer­den? Darf eine Bischö­fin geschie­den sein? Darf ich auf’s Klo gehen?

„Dür­fen die das?“
– Die Ärz­te: Mei­ne Freun­de

Nur das grü­ne Haus­blatt „taz“, momen­tan aus wahl­kampf­tak­ti­schen Grün­den eher grün­kon­ser­va­tiv aus­ge­rich­tet, hält sich noch mit dem Geblö­ke zurück, und das „noch“ ist womög­lich tat­säch­lich genau so gemeint. Wie man mit sol­chen Fra­gen gan­ze Arti­kel­se­ri­en fül­len kann, ist mir unbe­greif­lich; was die Ange­spro­che­nen dür­fen, regelt meist ein Gesetz. Um beim Bei­spiel zu blei­ben: Einer nicht indi­vi­du­ell benann­ten Per­so­nen­grup­pe den Mit­tel­fin­ger her­aus­zu­strecken ist nicht straf­bar. Mit einem ein­fa­chen „Nö.“ jedoch kann man in den Medi­en heut­zu­ta­ge nicht viel Geld ver­die­nen, die wol­len Skan­däl­chen, und gera­de im Wahl­jahr; wis­sen­schon.

Gemeint ist also wohl das mit der Tugend. Ganz vorn dabei ist stets die (wegen Explo­si­ons­ge­fahr hier nicht ver­link­te) „BILD“, die dem Ver­neh­men nach stets vorn dabei ist, wenn es ein mora­lisch fal­sches Tun zu kri­ti­sie­ren gilt, sel­ber aber zum Wahl­kampf der CDU Schlag­zei­len wie „So sexy kann Wahl­kampf sein“ bei­steu­er­te, und ich hof­fe instän­dig, dass Ange­la Mer­kel nicht gemeint war. Dür­fen die Medi­en frei dar­über ent­schei­den, ab wel­chem Bekannt­heits­grad ein Mensch nicht mehr mensch­lich sein darf? Dür­fen die Medi­en die Maß­stä­be an Moral set­zen, nach denen wir uns zu rich­ten haben; und im Fal­le der Zustim­mung: Gilt das für alle Medi­en? Dür­fen das auch „BILD“ und „taz“?

„Was ist das bloß für eine Welt, in der man sol­che Sachen darf?“
– Die Ärz­te: Mei­ne Freun­de

Ach, und noch was, ihr „Jour­na­li­sten“ mit dem infan­ti­len Wort­schatz: Wenn euer Mit­tel­fin­ger ein Stin­ke­fin­ger ist, benutzt doch bit­te mal Sei­fe. Das ist doch ekel­haft.

Nerdkrams
Tschüss, feed­ly! Hal­lo, Alter­na­ti­ven?

Hat eigentlich was ganz anderes gemeint: Peer SteinbrückApro­pos „ärger­li­cher Drang zum Umstieg“: Der RSS-Leser feed­ly, des­sen Android-app ich an ande­rer Stel­le schon mal gelobt hat­te, ist vor einer Wei­le auf ein „Freemium“-Modell umge­stie­gen. Die grund­le­gen­de Funk­tio­na­li­tät ist zwar wei­ter­hin kosten­los, eini­ge „erwei­ter­te“ Funk­tio­nen sind aber nun mit dem Abschluss eines Abon­ne­ments ver­bun­den, und ver­mut­lich wer­den das noch mehr.

Die bis­he­ri­gen „Pro“-Funktionen sind Inte­gra­ti­on von Ever­no­te und Pocket zum „Vor­mer­ken“ ein­zel­ner Arti­kel sowie die Such­funk­ti­on inner­halb der Feeds. Wäh­rend ich Ever­no­te- und Pocket­an­bin­dung aller­dings sowie­so in der Regel per Brow­ser­er­wei­te­rung vor­neh­me, ist das mit der Such­funk­ti­on schon weni­ger freund­lich, zumal die Suchen-Lei­ste im feed­ly-Fen­ster auch für „Standard“-Nutzer sicht­bar, aber eben nicht benutz­bar, ist. Somit folgt auf den Umstieg – mit feed­ly beschäf­ti­ge ich mich erst, seit es im Ver­lauf der Goog­le-Rea­der-Flucht als über­aus gran­di­os ange­prie­sen wur­de – ein wei­te­rer Umstieg. All­mäh­lich bekom­me ich Übung dar­in.

Ich neh­me ein­fach mal an, dass es nicht nur mir so geht. Wer weiß schon, was die näch­sten Funk­tio­nen sein wer­den, die es nur noch gegen Auf­preis gibt? Zwar bin ich bereit, für Qua­li­tät Geld zu zah­len, aber da es eben­falls qua­li­ta­tiv akzep­ta­ble RSS-Leser gibt, die alles kön­nen, was ich brau­che (was in die­sem Fall Kate­go­rien und Online­syn­chro­ni­sa­ti­on nebst einer Nut­zer­ober­flä­che, die nicht von einem BWL-Erst­se­me­ster ent­wor­fen wur­dem sind), bin ich in die­sem Fall ein­fach mal gei­zig. (Ich fra­ge mich ja, wie vie­le Nach­rich­ten­re­dak­tio­nen, die feed­ly als idea­len Ersatz für den Goog­le Rea­der ange­prie­sen hat­ten, jetzt klamm­heim­lich die For­mu­lie­rung ändern.) Ich habe mir mal eini­ge davon ange­guckt.

Der Hive-Rea­der ist seit Mona­ten nur auf Ein­la­dung zugäng­lich – die Screen­shots sehen schon viel­ver­spre­chend aus, aber offen­bar wird im Hin­ter­grund noch flei­ßig gear­bei­tet. Ich emp­feh­le, dem Ent­wick­ler auf Twit­ter zu fol­gen – wenn es irgend­wann fer­tig ist, soll­te es pro­blem­los die mei­sten Kon­kur­ren­ten in die Schran­ken ver­wei­sen kön­nen. Von die­sen Kon­kur­ren­ten gibt es frei­lich eini­ge, auch gro­ße Namen sind dabei: Digg ver­sucht eben­so wie AOL im Gespräch zu blei­ben, das Ergeb­nis ist jedoch jeweils noch etwas schlicht und nur sehr begrenzt anpass­bar:

Quelle: http://mashable.com/2013/06/27/digg-reader-ios/

Ein wei­te­rer Publi­kums­lieb­ling ist The Old Rea­der („Ye Olde Rea­der“), eine Art Goog­le-Rea­der-Nach­bau mit häss­li­chem, dafür omni­prä­sen­tem Logo. Kürz­lich wur­den Neu­an­mel­dun­gen ein­ge­stellt, inzwi­schen gehen sie wie­der. Die­ser „Old Rea­der“ ist optisch arg gewöh­nungs­be­dürf­tig und momen­tan eher gemäch­lich (angeb­lich gibt es tech­ni­sche Pro­ble­me), aller­dings zumin­dest funk­tio­nal:

Quelle: http://tranquility.net/2013/no-more-google-reader/

Die „sozia­len“ Kate­go­rien oben links bekommt man mit Brow­ser­er­wei­te­run­gen weg, eine kom­pak­te­re Ansicht für den kom­plet­ten rea­der gibt es lei­der nicht. Die ver­schie­de­nen Users­tyl­es für The Old Rea­der sind zwar eine net­te Idee, ver­ur­sa­chen jedoch oft Dar­stel­lungs­feh­ler in der Navi­ga­ti­ons­lei­ste. (Die bekommt man übri­gens mit einem Book­mar­klet per Klick aus- und wie­der ein­ge­blen­det, das in den Ein­stel­lun­gen des „Old Rea­ders“ zu fin­den ist.) Beson­ders unhübsch: The Old Rea­der lässt kaum Platz am rech­ten Brow­ser­rand – je brei­ter der Bild­schirm, desto stö­ren­der das Lesen. Löb­lich aber, dass es mit apps wie gRea­der sogar recht ansehn­li­che Android-Anbin­dung gibt; Desk­top­an­wen­dun­gen sucht man jedoch (noch?) ver­ge­bens.

So gut der Old Rea­der auch durch­dacht scheint: Mein Ästhe­tik­emp­fin­den schei­tert am Ver­such, sich mit ihm anzu­freun­den. Immer­hin ist der RSS-Leser momen­tan (man­gels taug­li­cher Win­dows­an­wen­dun­gen) die von mir meist­be­such­te Web­site, da isst das Auge eben mit. (Ekli­ge Vor­stel­lung, oder?) Also geht die Suche wohl wei­ter.

Der Ent­wick­ler von News­Blur will Geld (sofern man kei­ne Lust hat, eine auf ein Mini­mum redu­zier­te Fas­sung sei­ner Anwen­dung zu nut­zen, die für mich schlicht untaug­lich ist). Für die­ses Geld – momen­tan zwei US-Dol­lar pro Monat und damit weit gün­sti­ger als feed­ly pro – bekommt man einen RSS-Leser, der uns Nerds hell­auf begei­stern soll­te, da er unter einer auf­ge­räum­ten Ober­flä­che das höch­ste Maß an Funk­tio­na­li­tät besitzt, das ich mir von einem RSS-Leser wün­schen könn­te:

Quelle: http://kikolani.com/google-reader-alternatives.html

Lobens­wert ist bei News­Blur ins­be­son­de­re die „Trai­nings­funk­ti­on“: News­Blur „lernt“ bei andau­ern­der Benut­zung, wel­che Arti­kel den Leser mehr inter­es­sie­ren könn­ten als ande­re, und kann ent­spre­chen­de Ände­run­gen vor­neh­men; qua­si hat es ein „ein­ge­bau­tes“ Yones. Ich wäre durch­aus wil­lens, den Autor für die­se Lei­stung finan­zi­ell zu ent­loh­nen – lei­der akzep­tiert er momen­tan nur eine Zah­lung per Kre­dit­kar­te, und die kann oder will sich hier­zu­lan­de nicht jeder lei­sten. (Die­se USA sind schon ein deka­den­ter Hau­fen manch­mal.) News­Blur ist aller­dings Open Source. Mich hält von einer Instal­la­ti­on auf mei­nem Ser­ver eigent­lich nicht viel ab, es schei­tert ver­mut­lich weni­ger am Tech­ni­schen (obwohl Free­BSD als Platt­form momen­tan nicht vor­ge­se­hen ist) als dar­an, dass die benö­tig­ten Biblio­the­ken mei­nen bis­her mit Bedacht nicht voll­ge­müll­ten Ser­ver in einem reich­lich unauf­ge­räum­ten Zustand hin­ter­las­sen wür­den. (Falls jemand von euch sich aber mal an die Instal­la­ti­on wagen möch­te: Ihr wer­det nur schwer­lich einen bes­se­ren „frei­en“ RSS-Leser fin­den. Tut dies somit zahl­reich!)

Mit News+ ist momen­tan auch eine Android-app in Ent­wick­lung, die auf dem gRea­der basiert und Unter­stüt­zung für News­Blur (ver­mut­lich lei­der nur die Bezahl­va­ri­an­te) und eini­ge ande­re Platt­for­men in Form von Erwei­te­run­gen mit­bringt. Das ist schon recht hübsch.

Zu die­sen ande­ren Platt­for­men gehört im Übri­gen auch das von mir auch schon mal erwähn­te Tiny Tiny RSS, wie­der­um ein quell­of­fe­ner RSS-Leser, der aller­dings ledig­lich ein Mini­mum an Abhän­gig­kei­ten ver­langt, was mir sehr ent­ge­gen­kommt. Die bei­den offi­zi­el­len Android-apps sind im Übri­gen eher rudi­men­tär, inso­fern bin ich für News+ beson­ders dank­bar:

News+

Was mich ursprüng­lich dazu bewo­gen hat­te, mich für feed­ly statt Tiny Tiny RSS zu ent­schei­den, war, dass Tiny Tiny RSS stan­dard­mä­ßig eine sehr rusti­ka­le Bedien­ober­flä­che mit sich bringt. Faul­pelz, der ich bin, hat­te ich die Mög­lich­keit, the­mes zu ver­wen­den, gar nicht beach­tet. Das feed­ly-the­me sieht aber gar nicht mal schlecht aus, da ist der vor­über­ge­hen­de Man­gel an Desk­top­cli­ents schon zu ver­schmer­zen:

Tiny Tiny RSS

Eine Tiny-Tiny-RSS-Instanz habe ich ohne­hin vor ein paar Mona­ten instal­liert, aber (wegen feed­ly) nie als eine sol­che benutzt. Immer­hin habe ich jetzt die Gewiss­heit, dass mein Ser­ver zuver­läs­sig arbei­tet und nicht zwi­schen­durch Daten frisst, wenn ihm mal lang­wei­lig ist.

Momen­tan ist also Tiny Tiny RSS der RSS-Leser mei­ner Wahl, und ich bin davon über­zeugt, dass ich nie­mals einen bes­se­ren Feed­le­ser fin­den wer­de; jeden­falls so lan­ge, bis News­Blur sich neue Bezahl­for­men ein­fal­len lässt und/oder der Hive-Rea­der end­lich öffent­lich ist. Mei­ne Defi­ni­ti­on von „nie­mals“ ist also eine eher iro­ni­sche. Ich wäre eine tol­le Bun­des­kanz­le­rin.

Nach­trag von Janu­ar 2015: Der Ent­wick­ler ver­schenkt Pre­mi­um­zu­gän­ge, wenn ihr gern zah­len wür­det, aber nicht könnt.


Da wir gera­de beim Umstei­gen und bei Angli­zis­men sind, hier noch ein update für die­je­ni­gen von euch, die kürz­lich mei­nen Umstieg von Sub­li­me Text mit­be­kom­men haben: Ich bin nun bei Emacs gelan­det. Ganz nett, doch.

In den NachrichtenNerdkrams
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Von preis­wert war ja nie die Rede.

Heu­te wur­de ein neu­es iPho­ne vor­ge­stellt – natur­ge­mäß ein Ereig­nis, anläss­lich des­sen renom­mier­te Nach­rich­ten­ma­ga­zi­ne wie SPIEGEL ONLINE Krieg und Fuß­ball vor­über­ge­hend links lie­gen las­sen und sich reich­lich Küchen­rol­len zwecks Ent­fer­nung des eige­nen begei­ster­ten Spei­chelns zurecht­le­gen.

Und tat­säch­lich han­delt es sich um einen wah­ren Pau­ken­schlag. Apple prä­sen­tier­te nicht etwa einen Neu­auf­guss des alt­be­währ­ten Kon­zepts, son­dern eine Welt­neu­heit in Form eines Geräts, des­sen umgangs­sprach­li­che Bezeich­nung vari­iert: Die Ber­li­ner Zei­tung spricht von einem „Bil­lig-iPho­ne und Bil­lig-Han­dy“, t3n.de und Andro­id­PIT schlie­ßen sich an. Ein­zig Mat­thi­as Kremp und Ole Reiß­mann von SPIEGEL ONLINE lie­ßen sich mit „Bil­lig­mo­dell“ selbst etwas ein­fal­len, ver­bar­gen ihren Mar­ken­fe­tisch anson­sten aber nur unzu­rei­chend:

Die neu­en iPho­nes sind nicht die her­aus­ra­gen­den Gerä­te, die sie hät­ten sein sol­len.

Bedau­er­lich!

Einig sind sich die Medi­en aber immer­hin dar­in, dass es sich um ein Bil­lig­mo­dell han­delt. Die Über­set­zung für den jour­na­li­sti­schen Fach­be­griff „bil­lig“ lie­fern sie immer­hin gleich mit:

Das Modell mit 16 GB Spei­cher kostet rund 600 Euro, das mit 32 GB rund 700 Euro.

Pri­ma für den klei­nen Geld­beu­tel. Da muss man ein­fach zuschla­gen!

Mit­ten rein.


Linux­witz des Tages: Die Sicher­heit in Linux basiert zu einem beacht­li­chen Teil auf einem pro­prie­tä­ren Chip. Das ist bestimmt die­ses „ihr könnt den Code angucken“, von dem immer alle reden.

PolitikNetzfundstücke
Kurz ver­linkt CLXXXIX: F.D.P.: Zurück zur Spaß­par­tei?

Im Wahl­kampf möch­te die F.D.P. im Übri­gen ihren Mit­be­wer­bern in nichts nach­ste­hen und hat sogar ein Infor­ma­ti­ons­por­tal im Inter­net auf­bau­en las­sen, das unschlüs­si­ge Wäh­ler über ver­schie­de­ne Grün­de in Kennt­nis set­zen soll, sie (die F.D.P.) zu wäh­len. Sie hat lei­der ver­ges­sen, ihre Argu­men­te mit kon­kre­ten Bei­spie­len zu bele­gen. Das ist wahr­schein­lich bes­ser so. Eini­ges hat­te ich ja in der Ver­gan­gen­heit schon kri­ti­siert, aber die Selbst­dar­stel­lung der F.D.P. lädt zur Lang­fas­sung ein:

Die FDP ist die ein­zi­ge Par­tei der Frei­heit. Des­halb stel­len wir uns wei­ter gegen jeden Ver­such, die Vor­rat­da­ten­spei­che­rung (sic!) in Deutsch­land ein­zu­füh­ren. Wir arbei­ten wei­ter für wirk­sa­men Daten­schutz, Netz­neu­tra­li­tät, eine moder­ni­sier­te Sicher­heits­ar­chi­tek­tur in Deutsch­land, mehr Bür­ger­be­tei­li­gung, die wei­te­re Gleich­stel­lung gleich­ge­schlecht­li­cher Lebens­part­ner­schaf­ten und die grund­sätz­li­che Zulas­sung der Dop­pel­ten Staats­bür­ger­schaft.

(Alle Links von mir.)

Eigent­lich macht es ja gar kei­nen Spaß mehr, sich damit sati­risch aus­ein­an­der­zu­set­zen.