Netzfundstücke
Kurz ver­linkt CXCVII: Moment, mei­ne Bana­ne klin­gelt.

Man­che Wit­ze ver­lie­ren mit der Zeit ihre Poin­te. Heu­te schon wie­der einer:

Nach Sam­sung will auch LG in Kür­ze ein gebo­ge­nes Smart­phone vor­stel­len. Offen­bar will LG dabei aber etwas radi­ka­ler vor­ge­hen als Sam­sung, denn das als LG Z oder Z1 bezeich­ne­te neue Smart­phone soll “wie eine Bana­ne” gebo­gen sein.

Es gibt zwar noch kei­ne Pres­se­fo­tos, jedoch hat man in Tai­wan bereits ein Kon­zept ver­öf­fent­licht:

Bananaphone

Der Mehr­wert eines gebo­ge­nen Bild­schirms leuch­tet mir immer noch nicht ein. Ledig­lich den Scherz­freund wird’s freu­en. War­um immer mehr Her­stel­ler die Gerä­te, die bereits deut­lich zu groß zum beque­men Hosen­ta­schen­trans­port sind, nun auch noch bie­gen müs­sen, wodurch sich der benö­tig­te Stau­raum wie­der­um erwei­tert, ist mir ins­be­son­de­re unbe­greif­lich.

Aber ich neh­me es ihnen nicht krumm.

Piratenpartei
Pira­ten: Vor­sicht vor dem Mit­ein­an­der!

Ende 2013 wird in Bre­men ein wei­te­rer Bun­des­par­tei­tag der Pira­ten­par­tei statt­fin­den. Da die Orga­ni­sa­to­ren von Pira­ten­zu­sam­men­künf­ten offen­sicht­lich davon aus­ge­hen, dass man sich als Pirat nicht mit ande­ren Pira­ten unter­hal­ten kann, ohne min­de­stens ihre Wür­de kon­ti­nu­ier­lich ein­schnei­dend zu ver­let­zen, wird gele­gent­lich ein „Awa­re­ness-Team“ ein­ge­rich­tet.

Das „Awa­re­ness-Team“ ist viel­leicht eini­gen von euch bereits von der #Pira­tin­nen­Kon bekannt. „Awa­re­ness-Team“ bedeu­tet auf Deutsch unge­fähr „Obacht-Mann­schaft“, trotz­dem sind’s meist eher Frau­en, die die­se Funk­ti­on aus­üben. Dabei haben sie sich sol­che Mühe gege­ben und sogar aus­drück­lich dar­um gebe­ten, dass nicht nur hun­dert­pro­zen­ti­ge Frau­en sich bewer­ben, son­dern auch, äh, ande­re Men­schen:

Das Awa­re­ness­team für den #bpt132 sucht noch Men­schen, die mit­hel­fen (gern männ­lich sozia­li­siert).

Man gren­ze die­se Grup­pe von Men­schen von denen ab, die nicht­männ­lich sozia­li­siert wur­den. Ich wur­de übri­gens musi­ka­lisch sozia­li­siert. Was nun?

Die Auf­ga­be die­ses „Awa­re­ness-Teams“ war es auf der #Pira­tin­nen­Kon, denen, die mensch­li­ches Mit­ein­an­der – wie auch immer dies defi­niert wird – mut­wil­lig destruk­tiv aus­üb­ten, je nach Art und Schwe­re­grad des Ver­ge­hens eine Rüge oder Sank­tio­nen zu ertei­len. Dabei lag es im Wesent­li­chen in ihrem Ermes­sen, wel­che Art von Ver­hal­ten der­lei Maß­nah­men recht­fer­tig­te; sowohl Exe­ku­ti­ve als auch Judi­ka­ti­ve lag in ihrer Hand. Nun ist so ein Bun­des­par­tei­tag natür­lich eine ganz ande­re Ver­an­stal­tung als eine Kon­fe­renz über Femi­nis­mus (obwohl die Gren­zen mit­un­ter ver­schwim­men), inso­fern hat auch das „Awa­re­ness-Team“ ande­re Vor­aus­set­zun­gen, da nicht mehr davon aus­zu­ge­hen ist, dass das Gros der Anwe­sen­den des­sen Welt­an­schau­un­gen unkri­tisch teilt.

Auf­se­hen erreg­te – hihihi – gestern die Kür von Bir­git Ryd­lew­ski (das war die hier) als Mit­glied Teil des „Teams“ auf dem Bun­des­par­tei­tag. Zuletzt fiel sie in den Medi­en dadurch auf, dass sie ver­meint­lich Men­schen pau­schal „suspekt“ nann­te, die aus frei­en Stücken Anzü­ge tra­gen. Ihren erklä­ren­den Blog­ar­ti­kel (Twit­ters Län­gen­be­schrän­kung eig­net sich eben nur beschränkt für die Dis­kus­si­on kon­tro­ver­ser The­sen) haben offen­bar die wenig­sten Leu­te, die sich über den Tweet auf­ge­regt haben, gele­sen, und so blieb für die mei­sten Mitt­wit­te­rer, die aus Grün­den nicht wei­ter nach­frag­ten, vor allem dies im Raum ste­hen: Eine akti­ve Femi­ni­stin, die Män­ner in typisch männ­li­cher Klei­dung für Reprä­sen­tan­ten des kapi­ta­li­sti­schen Patri­ar­chats hält, wird auf einem Par­tei­tag mit­ver­ant­wort­lich für die Ein­hal­tung sozia­ler Nor­men sein.

Das ist etwas kurz gegrif­fen (und sach­lich falsch), aber so ist Twit­ter nun mal: Laut und schrill. Wie so’n Män­ner­mi­kro­fon. Da bleibt für eine sach­li­che Aus­ein­an­der­set­zung kaum aus­rei­chend Gele­gen­heit. (Weil ich gera­de erst per Mail gezielt dar­auf ange­spro­chen wur­de, wei­se ich an die­ser Stel­le im Übri­gen dar­auf hin, dass Leu­te, die ich per­sön­lich anzu­grei­fen geden­ke, dies meist durch­aus bemer­ken – wenn es jeman­dem unklar ist, ob ich ihn angrei­fen möch­te, ist er ent­we­der zu däm­lich oder ich möch­te es wahr­schein­lich tat­säch­lich nicht. Für die simp­le Nach­fra­ge, wie ein Mit­mensch etwas, was er geäu­ßert hat, denn gemeint habe, habe jeden­falls ich jedoch noch nie ein „Awa­re­ness-Team“ benö­tigt.) Trotz die­ser über­flüs­si­gen, weil nicht ziel­füh­ren­den Per­so­nal­dis­kus­si­on taucht hier eine bedeut­sa­me Fra­ge auf: Was tut ein Par­tei­tags­be­su­cher eigent­lich, wenn er sich vom „Awa­re­ness-Team“ bedrängt sieht? Gibt es eine über­ge­ord­ne­te Instanz, qua­si ein „Awa­re­ness-Team-Awa­re­ness-Team“, oder ist man sozu­sa­gen dem Wohl­wol­len der Men­schen, die mit­hel­fen, aus­ge­lie­fert?

Ich wand­te mich mit die­sen Fra­gen per E‑Mail an die Orga­ni­sa­to­ren – bezie­hungs­wei­se einen der Orga­ni­sa­to­ren – des Bun­des­par­tei­tags. Mei­ne Beden­ken wur­den von vorn­her­ein zer­streut:

Falls du davon aus­gehst, dass das Awa­re­ness Team eine Art Sicher­heits­team ist, wie bei­spiels­wei­se bei der Pira­tin­nen­Con, dann ist das falsch. Das Awa­re­ness-Team hat kei­ner­lei Befug­nis­se.

Wir haben es hier also mit einem zahn­lo­sen Tiger zu tun, des­sen Macht nicht beschränkt, son­dern gar nicht erst vor­han­den ist; soll hei­ßen: Selbst, wenn das „Awa­re­ness-Team“ samt und son­ders aus tat­säch­lich Män­ner has­sen­den, das Hacke­beil schwin­gen­den Radi­kal­fe­mi­ni­stin­nen bestün­de, könn­ten sich die männ­li­chen Par­tei­tags­be­su­cher ihres Lebens wei­ter­hin sicher sein. Leu­te tot­zu­bei­len ver­stößt mei­nes Wis­sens näm­lich zumin­dest gegen die Haus­ord­nung am Ver­an­stal­tungs­ort.

Aber wofür, wenn nicht als Exe­ku­ti­ve zwecks Klä­rung sozia­ler Unru­hen, ist das „Awa­re­ness-Team“ denn dann da? Hm, tja, das sei eine gute Fra­ge, und da kön­ne man jetzt auch nur spe­ku­lie­ren:

Wohl wenn jemand mal reden muss oder so

Soll hei­ßen: Wer auf dem Bun­des­par­tei­tag Lust zu pöbeln hat, der möge dies zunächst am Shits­torm­ka­na­li­sa­ti­ons­punkt – beim „Awa­re­ness-Team“ eben – bean­tra­gen. Es geht hier also nicht um die Wah­rung von Inter­es­sen einer klei­nen Grup­pe, son­dern um Dees­ka­la­ti­on auf aus­drück­li­chen Wunsch. Das fin­de ich gut.

Was sagt das nun über die Pira­ten und ihre Kom­mu­ni­ka­ti­on unter­ein­an­der aus? Min­de­stens zwei­er­lei:

  1. Pira­ten kön­nen – ich erwähn­te es ein­gangs – der gän­gi­gen Mei­nung ent­spre­chend nur sel­ten mit­ein­an­der reden, ohne sich stän­dig gegen­sei­tig Belei­di­gun­gen an den Kopf zu wer­fen, so dass stän­dig jemand auf­pas­sen und allen Betei­lig­ten ihr Schäu­fel­chen zurück­ge­ben muss. Das ist aller­dings auch etwas, wofür man awa­re­ness bewah­ren soll­te. Und wisst ihr auch, wie man das nennt, wenn Men­schen auf emo­tio­na­le Wei­se über The­men dis­ku­tie­ren, die ihnen am Her­zen lie­gen? Rich­tig: Mensch­lich­keit.
  2. Twit­ter eig­net sich nicht für tief­grün­di­ge phi­lo­so­phi­sche Exkur­se.

Auf der Web­site der „Süd­deut­schen Zei­tung“, die am frei­en Inter­net nicht teil­neh­men möch­te (LSR), schrieb Alex Rüh­le gestern, die etwa zwei Pro­zent Stim­men für die Pira­ten­par­tei – „die­se digi­ta­len Klaps­kal­lis“ (ebd.) – sei­en auch eine Fol­ge der Kon­zen­tra­ti­on auf digi­ta­le Kanä­le. Dabei ist eine häu­fi­ge Nut­zung des Inter­nets durch­aus nicht zu bean­stan­den. Nur das mit der Medi­en­kom­pe­tenz, das mit dem Nach­fra­gen, das müs­sen die Pira­ten – Wahl­kampf­mot­to: „wir stel­len das mal in Fra­ge“ – noch ler­nen.

Aber das braucht so ein „Jour­na­list“ bei der „Süd­deut­schen Zei­tung“ ja auch nicht und wird trotz­dem nicht gefeu­ert.

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz ver­linkt CXCVI: Zah­lungs­fä­hig­keit mit Extras

Das, Deutsch­land, pas­siert übri­gens, wenn man Kon­ser­va­ti­ve an die Regie­rung lässt:

Der erbit­ter­te Streit zwi­schen Repu­bli­ka­nern und Demo­kra­ten im Kon­gress hat eine Eini­gung über den Haus­halt ver­hin­dert. Damit ist die Regie­rung nun teil­wei­se lahm­ge­legt, kann vie­le Gehäl­ter nicht mehr zah­len. (…) Mit der finan­zi­el­len Läh­mung müs­sen rund 800.000 Staats­be­dien­ste­te unbe­zahlt in Zwangs­ur­laub geschickt wer­den. Zahl­rei­che Ämter und Ein­rich­tun­gen, wie etwa Natio­nal­parks, müs­sen geschlos­sen blei­ben. Aus­nah­men gel­ten nur für Ange­stell­te, die der Grund­ver­sor­gung und der Sicher­heit des Lan­des die­nen.

In ande­ren Wor­ten: Spio­na­ge- und Mord­kom­man­dos blei­ben selbst­ver­ständ­lich im Dienst. Für alle ande­ren Län­der außer­halb der USA wird sich also nichts ändern. Gut, dass die nicht auch noch in der Euro­zo­ne sind.

So plei­te, dass ich mir nur noch ein paar Geheim­dien­ste lei­sten kann, wäre ich im Übri­gen auch gern mal.


In wei­te­ren Nach­rich­ten: Es ist wit­zig, wenn ein Mann Gewalt erfährt. Aber was weiß das Inter­net schon über Wit­zig­keit? Mario Barth ist bei Twit­ter (hier bewusst nicht ver­linkt). Kei­ne Poin­te – auch dort nicht.

PolitikIn den Nachrichten
„Der Inter­net­dienst­lei­ster NSA…“

Fast rich­tig: Neu­en Goog­le-Doku­men­ten zufol­ge ver­knüpft der Inter­net­dienst Orts‑, Tele­fon- und Inter­net­da­ten etwa mit Bank- und Flug­gast­da­ten sowie Ver­si­che­rungs­in­for­ma­tio­nen. So ent­ste­hen umfas­sen­de Per­so­nen­pro­fi­le. Goog­le spei­chert täg­lich Mil­li­ar­den Tele­fon­ver­bin­dun­gen.

Ach nein – da habe ich mich ver­le­sen. Rich­tig muss es natür­lich hei­ßen:

Neu­en NSA-Doku­men­ten zufol­ge ver­knüpft der Geheim­dienst Orts‑, Tele­fon- und Inter­net­da­ten etwa mit Bank- und Flug­gast­da­ten sowie Ver­si­che­rungs­in­for­ma­tio­nen. So ent­ste­hen umfas­sen­de Per­so­nen­pro­fi­le. Die NSA spei­chert täg­lich Mil­li­ar­den Tele­fon­ver­bin­dun­gen.

Das ist skan­da­lös, nicht? Man soll­te das ver­bie­ten, nicht?

Denkt dar­an, wenn ihr näch­stes Mal die Goog­le-Suche, Goog­le Mail und Goog­le Maps im Chro­me-Brow­ser benutzt, mit dem ihr sonst auch Online­ban­king betreibt.

Nerdkrams
Cho­co­la­tey: Cre­mi­ger Paket­ma­na­ger für Win­dows

Über Npackd hat­te ich ja bereits berich­tet. Die­ser Paket­ma­na­ger für Win­dows-Syste­me erlang­te jedoch nie all­zu gro­ße Auf­merk­sam­keit. Ganz anders Cho­co­la­tey NuGet. Hmm, Nugat.

Cho­co­la­tey basiert (daher wohl der Name) auf NuGet, einer Visu­al-Stu­dio-Erwei­te­rung. Im Gegen­satz zu Npackd arbei­tet Cho­co­la­tey bevor­zugt auf der shell. Dabei wird eine instal­lier­te Power­Shell – zumin­dest für die Instal­la­ti­on – vor­aus­ge­setzt. Den Befehl, um Cho­co­la­tey zu instal­lie­ren, kann man aller­dings auch in sei­ner nor­ma­len Ein­ga­be­auf­for­de­rung ein­ge­ben:

@powershell -NoProfile -ExecutionPolicy unrestricted -Command "iex ((new-object net.webclient).DownloadString('https://chocolatey.org/install.ps1'))" && SET PATH=%PATH%;%systemdrive%\chocolatey\bin

Danach ist Cho­co­la­tey ein­satz­be­reit.

Alle Funk­tio­nen von Cho­co­la­tey sind nur einen Befehl ent­fernt. Dabei kann man ent­we­der die Lang­form (cho­co­la­tey [BEFEHL] [PAKET]) oder die Kurz­form ver­wen­den. Ich mei­ner­seits wäh­le letz­te­re.

Neh­men wir ein­mal an, ihr wür­det gern Vim instal­lie­ren. Der Stan­dard­weg unter Win­dows: Geht auf Vim.org, klickt euch durch, ladet das Instal­la­ti­ons­pro­gramm her­un­ter und so wei­ter und so fort. Mit Cho­co­la­tey ist das ein­fa­cher. Zunächst soll­te man nach­se­hen, ob es Vim über­haupt in der (lan­gen) Paket­li­ste gibt:

clist vim

Sieht gut aus:

clist vim

Vim lässt sich also direkt von hier aus instal­lie­ren. Machen wir das mal.

cinst vim

cinst vim

Direkt nach der Instal­la­ti­on ist Vim (vim) ein­satz­be­reit, Cho­co­la­tey nimmt die nöti­gen Ein­trä­ge in den Pfad­va­ria­blen auto­ma­tisch vor. Pro­gram­me, die man dann doch nicht mehr braucht, wirft ein simp­les cuin­inst [PAKET] wie­der vom Rech­ner.

Und was, wenn es eine neue Ver­si­on gibt? Kein Pro­blem: Cho­co­la­tey kann alle instal­lier­ten Pake­te per cup all auf den neue­sten Stand brin­gen. Oben­drein ist das gan­ze System Open Source (lizen­ziert unter der Apa­che Licen­se 2.0), jeder Ent­wick­ler kann selbst zum Pro­jekt bei­tra­gen und sei­ne eige­nen Pro­gram­me als Pake­te ein­rei­chen. Man soll­te dies gou­tie­ren.

KaufbefehleMusikkritik
Bolus – Tri­an­gu­la­te

Bolus - TriangulateDie kana­di­sche For­ma­ti­on Bolus war mei­ner Auf­merk­sam­keit bis­her erfolg­reich ent­gan­gen. Mit ihrem drit­ten Album „Tri­an­gu­la­te“, auf dem sie mit dem Bei­tritt von Bas­sist Dani­el Avner vom Duo auf ein (na, so was!) Trio ange­wach­sen sind, ände­re ich das mal.

Das Intro zum eröff­nen­den „For­ward Facing“, ver­mut­lich mit einem Ban­jo instru­men­tiert, das im Ver­lauf des Albums noch häu­fi­ger Gehör fin­det, soll­te kei­ne fal­schen Erwar­tun­gen wecken. Das Länd­li­che ist ihre Sache aber nicht, statt­des­sen domi­niert soli­de, teils kom­ple­xe Rock­mu­sik. Waren frü­he­re Musikal­ben von Bolus dem Ver­neh­men nach noch hör­bar von den Lands­leu­ten Rush (kana­di­sche Hard-Rock-Band, die man im Übri­gen auch ken­nen soll­te) inspi­riert, haben sich die Prä­fe­ren­zen auf „Tri­an­gu­la­te“ ver­scho­ben, wor­an der Neu­zu­gang viel­leicht nicht ganz unschul­dig ist.

Apro­pos Neu­zu­gang: Ich bin ja ein gro­ßer Freund von domi­nan­tem, knacki­gen Bass­spiel. Als ein sol­cher bin ich von des­sen Lei­stung durch­aus nicht abge­neigt. In dem kur­zen Instru­men­tal­stück „Back­wards Man“ kann er als Front­mu­si­ker eben­so vor­treff­lich bril­lie­ren wie als Teil der Rhyth­mus­grup­pe, die in den übri­gen Stücken im Hin­ter­grund die Fäden zieht.

Nun erwar­te nie­mand, dass Bolus mit „Tri­an­gu­la­te“ eine 180-Grad-Dre­hung voll­führt haben; Rush (und viel Yes) sind vor allem in den Gesangs­pas­sa­gen noch immer prä­sent. Dass Bolus aber mehr sein wol­len als nur der x‑te Abklatsch die­ser Musik­grup­pen, wird in Stücken wie „Smo­ke at the Mir­ror“ eben­so deut­lich wie in „The Stu­dy of Mad­ness“, das eben­so von Por­cupi­ne Tree oder deren Vor­den­ker Ste­ven Wil­son stam­men könn­te, wäre da nicht der Stoner-Rock-Refrain.

Bolus – SMOKE AT THE MIRROR (Music Video)

Auch Metal­re­zen­sen­ten – jeden­falls die, die nicht nach einem Wach­ma­cher suchen – fin­den posi­ti­ve Wor­te für „Tri­an­gu­la­te“, von hohem Sucht­po­ten­zi­al ist die Rede. Das ist sicher­lich nicht ver­kehrt. Ein Gen­re zu ver­ge­ben hal­te ich trotz­dem prin­zi­pi­ell für nicht zweck­dien­lich, ich höre jeden­falls außer vor­ge­nann­ten Refe­ren­zen auch ein deut­lich eigen­stän­di­ges Ele­ment her­aus. Bei kei­nem der 13 Lie­der ent­steht Lan­ge­wei­le, Bolus hal­ten ihr Niveau auf vol­ler Alben­län­ge. Auf Bandcamp.com ist dies nach­zu­voll­zie­hen.

„Tri­an­gu­la­te“ ist fun­ki­ger Indie-Neo-Prog-Rock oder was auch immer. Und es ist ziem­lich gut.

In den NachrichtenMusikPolitikNetzfundstücke
Kurz ver­linkt CXCV: Sta­bil und kor­rekt

Ich kom­me ja aus dem Ver­lin­ken kaum noch her­aus die­ser Tage. Ist das Som­mer­loch vor­bei?

See­ho­fer fin­det Mit­glie­der­be­fra­gung bei der SPD fei­ge. Weil:

Die Vor­sit­zen­den der betei­lig­ten Par­tei­en haben alle ein Man­dat und die Ver­ant­wor­tung, für sta­bi­le Ver­hält­nis­se zu sor­gen[.]

Ach so, ich dach­te, dafür gebe es Wah­len. Da habe ich wohl etwas falsch ver­stan­den. Sta­bi­le Ver­hält­nis­se wären in die­sem Fall offen­bar im Übri­gen aus­schließ­lich im Sin­ne der CDU/CSU, die die Zeit, in der die rot-rot-grü­ne Mehr­heit im Bun­des­tag fak­tisch Deutsch­land regiert, schon jetzt für viel zu lan­ge hält. Deutsch­land hat eine Füh­rungs­auf­ga­be in Euro­pa, beim Euro und damit glo­bal. Grie­chen­land fin­det das auch total klas­se.


Ein schon etwas älte­rer Text: Frau­en, esst end­lich etwas!

What’s society’s cur­rent ide­al woman look like? Thin. Real­ly thin. No hips. No bel­ly. Hair­less except for the head. Basi­cal­ly a 10-year-old girl with boobs added for sex appeal.

Denn wel­cher Mann träumt nicht davon, eine Zehn­jäh­ri­ge zu ver­füh­ren?


Auch scha­de: Der Poli­zei in Nord­rhein-West­fa­len gehen offen­bar die neu­en Mit­glie­der aus. Wie wirbt man Jugend­li­che heut­zu­ta­ge? Klar: mit schlech­tem Rap.

Kor­rekt, du fragst dich nach dem Stun­den­lohn,
du kriegst ’ne Waf­fe, kriegst ’ne Müt­ze und ein Mega­fon.

Man muss ja Prio­ri­tä­ten set­zen. Wer braucht schon Geld, wenn er ’ne Waf­fe hat? Der Rest kommt wie von selbst.

PolitikSonstigesIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXCIV: Spit­zel, Schwu­le, SPD

Ups:

Der Geheim­dienst hat offen­bar nicht nur etli­che Jour­na­li­sten unrecht­mä­ßig in einer Extre­mis­mus­da­tei gespei­chert. Jetzt kam her­aus, dass einer der Bespit­zel­ten wohl Opfer einer pein­li­chen Namens­ver­wechs­lung wur­de.


Apro­pos spitz: Der Chef des ita­lie­ni­schen Nah­rungs­mit­tel­kon­zerns Baril­la hat nichts dage­gen, wenn Schwu­le Nudeln in den Mund neh­men. Nur bit­te nicht die von Baril­la.

Non fare­mo pubbli­ci­tà con omo­ses­sua­li, per­ché a noi pia­ce la fami­glia tra­di­zio­na­le. Se i gay non sono d’ac­cordo, pos­so­no semp­re man­gia­re la pasta di un’al­tra mar­ca.

Auf Twit­ter folg­ten zahl­rei­che Boy­kott­auf­ru­fe, und es ist eigent­lich nur noch eine Fra­ge der Zeit, bis jeder, der sich im Super­markt mit Baril­la­pro­duk­ten erwi­schen lässt, über Jah­re hin­weg als Homo­se­xu­el­len­geg­ner gebrand­markt wird. Ande­rer­seits ist bereits heu­te die Meu­te längst wei­ter gewan­dert; da man sowie­so gera­de bei Nudeln war, geht es nun um Nudeln mit Ketch­up, und alle sind ganz über­rascht dar­über, dass Stu­den­ten oft mit sehr wenig Geld aus­kom­men müs­sen. Blö­der­wei­se immer erst nach einer Wahl.


Ach, Wah­len. Da war ja was. Eine Regie­rung ist aber immer noch nicht in Sicht. Peter Sig­mar Gabri­el weiß Rat:

Par­tei­chef Sig­mar Gabri­el schlägt (…) nun vor, die Mit­glie­der in der Sache zu befra­gen – er ver­bin­det damit die eige­ne poli­ti­sche Zukunft.

Das macht das Ergeb­nis natür­lich um so span­nen­der.

Nach­trag von 19:42 Uhr: Peer Stein­brück wird’s jeden­falls nicht machen. Blöd: Das Buch „Vor­erst geschei­tert“ hat schon ein ande­rer geschrie­ben. Viel­leicht wäre es bei all den Rück­trit­ten der letz­ten Tage aber erhol­sam, wür­den nur noch die­je­ni­gen mit der Pres­se reden, die nicht von irgend­ei­nem Amt zurück- oder nicht wie­der antre­ten. Wie ange­nehm ent­span­nend wären die Nach­rich­ten dann!

SonstigesIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXCIII: Fahr’n, fahr’n, fahr’n oder Wire­less LAN?

SPIEGEL ONLINE, Okto­ber 2011:

Zum drit­ten Mal in die­sem Jahr ist ein ICE an Wolfs­burg vor­bei­gerauscht.

Deut­sche Bahn, Sep­tem­ber 2013:

Die Deut­sche Bahn erlaubt Rei­sen­den ab sofort für 30 Minu­ten täg­lich die kosten­lo­se Nut­zung der WLAN-Hot­spots an über 100 Bahn­hö­fen (dar­un­ter Wolfs­burg, A.d.V.). Pend­lern dürf­te dies gera­de recht kom­men.

Oder halt Leu­ten, die von Wolfs­burg aus irgend­wo hin­wol­len.

„Glaubt man aber, dass der Fort­schritt die­ser Welt etwa aus dem Gehirn von Mehr­hei­ten stammt und nicht aus den Köp­fen ein­zel­ner?“
– Adolf Hit­ler

In den NachrichtenPiratenpartei
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Jede Woche auf­ge­löst

„ZEIT ONLINE“ („arro­gant, naiv und popu­li­stisch“, Lenz Jacob­sen) gibt bekannt, dass die Pira­ten­par­tei Deutsch­land – mit einem Stim­men­zu­wachs von über zehn Pro­zent gemes­sen am Bun­des­tags­wahl­er­geb­nis von 2009 wohl kaum als im Absturz befind­lich zu bezeich­nen – vor dem Zer­fall ste­he, weil der Bernd Schlö­mer das näm­lich gesagt habe und der Bernd Schlö­mer wis­se, wovon er rede, weil er näm­lich Schef­fe von den Pira­ten sei.

Bernd Schlö­mer rech­net damit, dass in den kom­men­den Wochen wei­te­re Mit­glie­der aus­stei­gen oder zu ande­ren Par­tei­en abwan­dern wer­den.

Ich rech­ne ja damit, dass irgend­je­mand Bernd Schlö­mer mal auf die neu­en Mit­glie­der seit Sonn­tag hin­weist, aber was soll’s; ist halt der Bernd, der braucht kei­nen Kon­takt zum Pöbel, weil, der’s Chef. Bezie­hungs­wei­se bald nicht mehr:

Der Chef der Pira­ten­par­tei hat sei­nen Rück­zug ange­kün­digt. Mit Mari­na Weis­band könn­te eine pro­mi­nen­te Poli­ti­ke­rin in den Vor­stand der Par­tei zurück­keh­ren.

Hat ZEIT ONLINE Mari­na Weis­band nicht Bescheid gesagt, dass die Par­tei gera­de zer­fällt? – Zuge­ge­ben, die Medi­en haben bis­her bei jedem grö­ße­ren Skan­däl­chen (ZEIT ONLINE) von einem bal­di­gen Ende der Par­tei gespro­chen, aber viel­leicht, wenn sie es oft genug wie­der­ho­len, hören die­se ver­damm­ten Pira­ten end­lich mal auf damit, sich nicht auf­zu­lö­sen. Das ist doch unfair sonst.

Aber was könn­te für die Medi­en schlim­mer sein als eine Par­tei, deren Köp­fe regel­mä­ßig wech­seln? Mit Inhal­ten beschäf­ti­gen möch­te man sich nicht, nicht umsonst kam die Pira­ten­par­tei in den Medi­en sicher­heits­hal­ber kaum noch vor, seit die AfD ihr den zwei­fel­haf­ten Rang als dem Main­stream fer­ne Neu­par­tei abge­lau­fen hat. Zumin­dest für SPIEGEL ONLINE ist das Pro­blem schon so gut wie gelöst – das Haus­blatt von Fabi­an Rein­bold (wir erin­nern uns) berich­tet, völ­lig unbe­ein­druckt von ihrem Rück­zug ins Pri­vat­le­ben, auch wei­ter­hin begei­stert über „die schö­ne Pira­tin“ (BILD).

Und der Rest? Nun, die kom­men­de Erset­zung eini­ger Vor­stands­mit­glie­der wird den Weg frei­ma­chen für sol­che, die auch noch etwas ande­res mit ihrer Zeit anfan­gen als im Ram­pen­licht rum­ste­hen. Auch bei den Grü­nen ist der Abtritt Jür­gen Trittins kein Zei­chen von Zer­fall der Par­tei, son­dern ein mit­tel­mä­ßig gut gelun­ge­ner Ver­such, die Pädo­phi­lie­dis­kus­si­on aus den Par­tei­in­ter­na her­aus­zu­hal­ten.

Bernd Schlö­mer jeden­falls, unter des­sen ver­meint­li­cher Ägi­de gro­ße bun­des­wei­te Wahl­er­fol­ge wider Erwar­ten aus­blie­ben, tut der Pira­ten­par­tei mit sei­ner aus­blei­ben­den Neu­kan­di­da­tur einen wirk­lich gro­ßen Gefal­len. Um die Poli­tik im Land zu ver­än­dern (unter ande­rem das Bewusst­sein für Daten­schutz und digi­ta­le Bür­ger­rech­te sowie das mit der Basis­de­mo­kra­tie), hat die Pira­ten­par­tei bis­lang kein Man­dat im Bun­des­tag benö­tigt – um aller­dings aus der Sta­gna­ti­on zu erwa­chen, ist ein „Par­tei­chef“, der den Mit­glie­dern samt und son­ders feh­len­de Moti­va­ti­on unter­stellt und auch anson­sten gern mal dum­mes Zeug in Mikro­fo­ne rein­plap­pert, womög­lich nicht die beste Wahl.

Aber immer­hin reden wir hier von ZEIT ONLINE, einem Able­ger eines die­ser klas­si­schen Medi­en. Die ste­hen kurz vor dem Zer­fall, heißt es.

Seit Jah­ren.

PolitikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Hur­ra!

Beim einst sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Schmier­blatt SPIEGEL eja­ku­liert man fast vor Begei­ste­rung:

Die Zei­tun­gen über­schla­gen sich in der Bewer­tung ihres Wahl­sie­ges, „Ange­la, die Gro­ße“ wird Mer­kel genannt.

Und wie sie alle gespannt sind!

Mit SPD-Chef Sig­mar Gabri­el habe sie einen „ersten Kon­takt“ gehabt, lässt Mer­kel wis­sen. Aber vor mög­li­chen Gesprä­chen müs­se man natür­lich den Kon­vent der Sozi­al­de­mo­kra­ten am Frei­tag abwar­ten.

Seid ihr auch schon alle so neu­gie­rig wie ich?


Wie die­ses „Über­schla­gen“ in der Pra­xis aus­sieht, erklärt übri­gens das Web­ma­ga­zin „der Stan­dard“ (Öster­reich, ver­steht sich, denn in Deutsch­land saust den Medi­en die Muf­fe):

Hur­ra, Ange­la Mer­kel darf Euro­pa wei­ter kaputt machen!

„Der Ver­stand macht uns vor, dass sich alles wie­der­holt, / doch wer dar­an glaubt, der hat sich selbst ver­kohlt.“
– Die Fan­ta­sti­schen Vier: Alles ist neu

Politik
Bun­des­tags­wahl 2013: Eine kri­ti­sche Ana­ly­se unter Berück­sich­ti­gung aller vor­lie­gen­den Fak­ten (Stand: 02:41 Uhr)

Der Wäh­ler, zieht man das Wahl­er­geb­nis als Anhalts­punkt her­an, will kei­nen Min­dest­lohn, kei­ne Bür­ger­be­tei­li­gung, kei­nen Atom­aus­stieg, kei­nen Sozia­lis­mus, kei­nen Femi­nis­mus, kei­ne Wom­bats, kei­ne Pädo­phi­lie und kei­ne D‑Mark. Struk­tu­rel­le Neu­aus­rich­tun­gen jeg­li­cher Par­tei­en soll­ten auf die­ser Grund­la­ge erfol­gen.