Nerdkrams
LaTeX und pan­doc: Es muss ja nicht immer Office sein.

Einer der Nach­tei­le von Text­ver­ar­bei­tungs­soft­ware ist, dass man sich als Autor stets genö­tigt sieht, sich außer dem rei­nen Text auch auf des­sen Dar­stel­lung zu kon­zen­trie­ren. Wäh­rend ein Absatz geschrie­ben wird, wer­den auto­ma­tisch Absatz- und For­ma­tie­rungs­mar­ken ein­ge­fügt. Wenn spä­ter ein ande­res lay­out ange­wandt wer­den soll, ist das oft eine fürch­ter­li­che Klicke­rei; selbst das Anle­gen von Absatz- und Doku­ment­vor­la­gen befreit nicht von der Ablen­kung durch die bereits vor­han­de­ne Dar­stel­lung. WYSIWYG ist zwar schön bunt, aber oft auch ent­setz­lich ner­vig.

Wenn man sei­ne Autoren­tä­tig­keit ins web ver­legt, kommt man vom Regen in die Trau­fe: Auch HTML, dem WYSIWYM-Kon­zept zumin­dest nicht völ­lig ent­ge­gen­ge­setzt, ist anfäl­lig für Ablen­kung durch For­ma­tie­rung. Ein­fach einen Text, der aus mehr als einem Absatz im Fließ­text besteht, ins Netz zu stel­len setzt, wenn man sich nicht auf die weni­gen Mög­lich­kei­ten von sozia­len Netz­wer­ken beschrän­ken möch­te, eben­falls bereits beim Schrei­ben eini­ge For­ma­tie­rungs­ar­beit vor­aus, die mit stei­gen­der Text­län­ge womög­lich auch immer wie­der Ände­run­gen benö­tigt. Eine eini­ger­ma­ßen fle­xi­ble For­ma­tie­rung geht nur per CSS – wie­der­um etwas, das bereits beim Schrei­ben auf­grund der manu­el­len Zuwei­sung von class-Attri­bu­ten womög­lich mehr Zeit ver­schlingt als das Erstel­len des eigent­li­chen Inhalts. (So ein Besu­cher guckt sich Web­sei­ten ja nor­ma­ler­wei­se nicht nur des­halb an, weil sie so schön bunt sind.) Zumin­dest hier­für hat sich mit Mark­down und Mul­ti­Mark­down eine Lösung eta­bliert, die HTML-For­ma­tie­rungs­codes durch Inter­punk­ti­on ersetzt und in ver­schie­de­nen Dia­lek­ten zum Bei­spiel auf Stack Over­flow, in sozia­len Netz­wer­ken (Goog­le+, Dia­spo­ra) und neue­ren Blog­platt­for­men wie Ghost zum Ein­satz kommt.

Eine Tren­nung von For­mat und Inhalt wäre aber auch im Druck wün­schens­wert: Ich als Autor möch­te mich dar­auf kon­zen­trie­ren kön­nen, einen Text digi­tal zu erfas­sen, und mir erst danach, wenn ich einen Gesamt­blick auf die­sen Text habe, Gedan­ken über sei­ne Dar­stel­lung machen müs­sen. Kommt zwi­schen zwei Kapi­tel mei­nes Buches jetzt jeweils ein Sei­ten- oder nur ein Zei­len­um­bruch? Sol­len Kapi­tel­über­schrif­ten zen­triert und kur­siv oder links­bün­dig und fett dar­ge­stellt wer­den? Das ist alles erst dann rele­vant, wenn das Buch, die Abschluss­ar­beit oder zum Bei­spiel das Bewer­bungs­schrei­ben fer­tig ist.

Natür­lich gibt es da eine Lösung: LaTeX. LaTeX ist im Wesent­li­chen eine Samm­lung von Makros und Vor­la­gen für das Text­satz­sy­stem TeX, das in die­sem Seg­ment den Qua­si­stan­dard dar­stellt. (Ich bit­te die­sen Aus­druck zu ent­schul­di­gen, ich ver­brin­ge offen­bar zu viel Zeit mit den Ergüs­sen von Schlips­trä­gern.) Dabei funk­tio­niert es nach dem WYSIWYM-Prin­zip: Will ich ein neu­es Kapi­tel begin­nen, dann schrei­be ich das genau so auf.

\chapter{Das erste Kapitel}
 
Alles, was hier steht, gehört zum ersten Kapitel.

Wie ich die­sen Text hin­ter­her for­ma­tie­re, könn­te ich zu die­sem Zeit­punkt bereits per Vor­la­ge und/oder For­ma­tie­rungs­ma­kros ent­schei­den, ich muss es aber nicht. Das ist natür­lich nun nur ein kur­zer Aus­schnitt aus einem LaTeX-Doku­ment; ein voll­stän­di­ges Bei­spiel ist auf Wiki­books zu fin­den.

Dass LaTeX vor allem für wis­sen­schaft­li­che Publi­ka­tio­nen kon­zi­piert wur­de, bedeu­tet im Übri­gen nicht, dass man sich auf die­se Art des Druckerzeug­nis­ses beschrän­ken muss. Einer der typi­schen Ein­satz­zwecke von Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gram­men – das Schrei­ben von Brie­fen – ist natür­lich auch mit LaTeX umsetz­bar; Vor­la­gen inklu­si­ve. Mit dem KOMA-Script, das heut­zu­ta­ge fester Bestand­teil von LaTeX-Dis­tri­bu­tio­nen ist, muss man sich auch über Beson­der­hei­ten deut­scher Brief­stan­dards kei­ne Gedan­ken machen, die ent­hal­te­nen Vor­la­gen erle­di­gen die mei­ste Arbeit qua­si von selbst. (Dass auch eige­ne Vor­la­gen mög­lich sind, bedarf wahr­schein­lich kei­ner wei­te­ren Erwäh­nung. Hopp­la, zu spät!)

Um aus LaTeX-Code ein fer­ti­ges Doku­ment zu gene­rie­ren, wer­den zunächst ein­mal ein Text­edi­tor und LaTeX selbst benö­tigt. Zu Erste­rem kom­me ich wei­ter unten noch, für Letz­te­res emp­feh­le ich das erfreu­lich unauf­dring­li­che TeX Live. Instal­lie­ren, läuft.

Um aus einem sol­chen LaTeX-Doku­ment im „Rein­text“ jetzt zum Bei­spiel unter Win­dows eine PDF-Datei zu erzeu­gen, emp­feh­le ich eine Batch­da­tei fol­gen­den Inhalts zu erstel­len (damit man sich nicht stän­dig wie­der­ho­len muss):

@echo off
latex eingabedatei.tex
latex eingabedatei.tex
pdflatex eingabedatei.tex

Die ersten bei­den latex-Auf­ru­fe „par­sen“ die LaTeX-Datei und legen zum Bei­spiel ein Inhalts­ver­zeich­nis an. (Falls kei­nes benö­tigt wird, genügt nor­ma­ler­wei­se ein ein­zi­ger Auf­ruf von latex, aber ein zwei­ter ist ja dann auch zu ver­schmer­zen.) pdfla­tex baut dann aus den gene­rier­ten Daten eine PDF-Datei zusam­men. Theo­re­tisch funk­tio­niert das auch ohne vor­he­ri­gen Auf­ruf von latex, aber die „Hilfs­da­tei­en“, die dadurch ent­ste­hen, erleich­tern so man­ches (zum Bei­spiel, wenn man AUC­TeX benut­zen möch­te).

AUC­TeX? Ach so, ja, das mit den Text­edi­to­ren. Ein LaTeX-Doku­ment lässt sich eini­ger­ma­ßen kom­for­ta­bel in den mei­sten gro­ßen Text­edi­to­ren bear­bei­ten, Syn­tax­her­vor­he­bung und manch­mal auto­ma­ti­sche Ver­voll­stän­di­gung inklu­si­ve. Noch kom­for­ta­bler wird es, wenn man einen spe­zi­el­len LaTeX-Edi­tor ein­setzt. Für Emacs gibt es etwa das AUC­TeX- und für Vim das LaTeX-suite-Plug­in; wer mit bei­den Edi­to­ren nicht viel anfan­gen kann, dem sei TeX­works (in TeX Live ent­hal­ten) oder LyX emp­foh­len. Die­sen Edi­to­ren ist eine Inte­gra­ti­on von LaTeX-Dis­tri­bu­tio­nen gemein, PDF-Doku­men­te las­sen sich jeweils sozu­sa­gen per Tasten­druck erzeu­gen. Obwohl für die­sen Zweck Mark­down deut­lich bes­ser geeig­net ist, lässt sich LaTeX auch in Word­Press ein­set­zen – ein Plug­in, das die Ein­bin­dung von LaTeX-Code erlaubt, ist etwa WP-LaTeX.

Und wenn man dann ein LaTeX-Doku­ment erstellt hat, aber der­je­ni­ge, der es über­ar­bei­ten will/soll, nur Micro­soft Office benutzt? Pan­doc eilt zu Hil­fe:

pandoc -s eingabedatei.tex -o ausgabedatei.docx

Wie LaTeX (LPPL) steht auch Pan­doc unter einer „frei­en“ Lizenz (der­zeit unter der GPL). Es ist nicht alles schlecht.

Fra­gen oder Anre­gun­gen sind will­kom­men.

In den NachrichtenPolitik
Schmal­hans des Tages: Hans-Peter Uhl, CSU.

Die­ser Arti­kel ist Teil 8 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Hans-Peter Uhl, Innen­ex­per­te und Vor­rats­da­ten­pre­di­ger bei der CSU, ist ja immer wie­der für einen sprach­li­chen und poli­ti­schen Faux­pas zu haben.

Nun hat man seit Mona­ten nicht viel von ihm gehört; viel­leicht hat er einen Com­pu­ter­kurs besucht (oder ver­bie­ten las­sen). Jetzt jeden­falls ist er zurück, und er hat ein neu­es The­ma mit­ge­bracht: Die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung ist ihm momen­tan nicht so wich­tig, die erle­di­gen ja bereits sei­ne ame­ri­ka­ni­schen Freun­de. Statt­des­sen hat er sich ein ande­res The­ma aus­ge­sucht, von dem er auch nichts ver­steht, näm­lich Authen­ti­fi­zie­rungs- und Ver­schlüs­se­lungs­me­cha­nis­men:

Unmit­tel­bar vor dem Tref­fen der Arbeits­grup­pe Innen und Recht bei den Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen reg­te der Uni­ons-Innen­ex­per­te Uhl mehr Kom­pe­ten­zen für das Innen­mi­ni­ste­ri­um an. „Eine Leh­re aus der NSA-Affä­re muss sein, dass wir uns in den Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen dar­auf ver­stän­di­gen, die Ver­ant­wor­tung für siche­re Kom­mu­ni­ka­ti­on kom­plett dem Innen­mi­ni­ste­ri­um zu unter­stel­len. Das gilt auch für die Bun­des­netz­agen­tur.“

Das Innen­mi­ni­ste­ri­um kennt sich näm­lich aus mit siche­rer Kom­mu­ni­ka­ti­on, immer­hin hat es Erfah­run­gen gesam­melt:

Ein wei­te­res siche­res Ver­fah­ren, um elek­tro­ni­sche Nach­rich­ten zu über­tra­gen, ist das De-Mail-Ver­fah­ren, das vom deut­schen Innen­mi­ni­ste­ri­um koor­di­niert wird.

De-Mail war das hier:

In der momen­ta­nen De-Mail-Spe­zi­fi­ka­ti­on wer­den die Ser­ver zudem zu attrak­ti­ven Angriffs­zie­len. Wenn nun die Kom­mu­ni­ka­ti­on der gesam­ten Ver­wal­tung des Bun­des über die­se weni­gen Ser­ver abge­wickelt wer­den soll – oben­drein mit einer Ver­schlüs­se­lung, die ihren Namen nicht ver­dient –, ist der Daten-GAU vor­pro­gram­miert.

Dann kann ja nichts mehr schief­ge­hen!

Montagsmusik
Lou Reed – Like A Pos­sum

Lou Reed ist tot. „So trau­rig“ (Twit­ter); bezie­hungs­wei­se „such a per­fect day“, wie sei­ne Anhän­ger der­zeit, zumin­dest sich der Sub­ti­li­tät bewusst, viel­fach kol­por­tie­ren, obwohl es sich doch viel­mehr um den day the music died (Don McLean) han­delt. Irgend­was ist ja immer.

Good mor­ning, it’s pos­sum day,
I feel like a pos­sum in every way.

Der Rest ist Schwei­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Møster! – Edvard Lyg­re Møster

Møster! - Edvard Lygre MøsterVer­stö­rend wie sonst nur die Welt­po­li­tik hät­te sich „Edvard Lyg­re Møster“ gleich auf zwei­fa­chem Weg in die Jah­res­be­sten­li­ste 2013 geschum­melt: Erstens ist’s ein Live­al­bum, dem man das kaum anhört, und dann ist es auch noch 2011 auf­ge­nom­men wor­den. So wird das nix mit mei­nem „Album des Jah­res“. Dabei hät­te „Edvard Lyg­re Møster“ anson­sten ziem­lich gute Chan­cen auf die­sen Titel.

Wie schon auf mei­nem Album des Jah­res 2012 spielt Stå­le Stor­løk­ken auch hier – an Syn­the­si­zer und Fen­der Rho­des – wie­der mit. Der Mann scheint ein Gespür für avant­gar­de­s­que tol­le Musik zu haben, man soll­te sei­ne musi­ka­li­schen Akti­vi­tä­ten also auch wei­ter­hin ver­fol­gen. Møster!, eigent­lich ein Solo­pro­jekt des nor­we­gi­schen Saxo­pho­ni­sten Kje­til Møster (sonst bei Ultra­lyd und mit ande­ren Bands wie Low Fre­quen­cy in Ste­reo aktiv), ist hier ein Vier­mann­un­ter­neh­men; außer­dem dabei sind Niko­lai Eilert­sen, Bas­sist bei den famo­sen elephant9 (eben­falls mit Stå­le Stor­løk­ken), und Schlag­zeu­ger Ken­neth Kap­stad, der seit 2007 mit Motor­psy­cho zusam­men musi­ziert. Das Ergeb­nis die­ses Zusam­men­spiels ist ein druck­vol­ler instru­men­ta­ler Jazz, bei dem kein Instru­ment zu kurz kommt, was ihn posi­tiv von dem ollen Trom­pe­ten­krams von Miles Davis abhebt, das mich immer, Sakri­leg!, schon eher gelang­weilt hat; aber ich schwei­fe ab.

Was ein Edvard Lyg­re ist, ver­mag ich auf­grund man­geln­der Nor­we­gisch­kennt­nis­se nicht zu wis­sen. Ist das nicht aber sowie­so bei­na­he egal? Ich las­se lie­ber die Musik für sich spre­chen. Und die geht, Ver­zei­hung!, tie­risch ab. Ist das erste Stück „Pla­stic Dis­co“ (12:10 Minu­ten; kei­ne Sor­ge, bumm-tschack bleibt hier aus) schon ein pracht­vol­ler Vor­bo­te für das Fol­gen­de, dre­hen die vier Her­ren danach erst so rich­tig auf. In „Ran­som Bird“ ist erst­mals tat­säch­lich etwas Publi­kum (jubelnd) zu hören. Wer könn­te es ihm ange­hörs der schie­ren Instru­men­ten­es­ka­pa­de, her­aus­ra­gend vor­an­ge­trie­ben von Schlag­zeug und Bass, schon ver­den­ken? Das Inter­net schreibt hier von „rausch­haf­ter Eksta­se“, und ich könn­te es kaum bes­ser umschrei­ben.

Es folgt mit „Com­po­si­ti­on Task #1“ ein ziem­lich nor­mal jaz­zi­ges Stück, das mit sie­ben Minu­ten Lauf­zeit auch das kür­ze­ste auf dem Album ist, bis nach eini­gen Minu­ten Kje­til Møster sein Saxo­phon­spiel ins Schrä­ge abglei­ten lässt, wo er sich gut aus­zu­ken­nen scheint. „Com­po­si­ti­on Task #1“ nimmt nach Stück 1 und 2 den­noch eine Son­der­rol­le ein; eine „Com­po­si­ti­on Task #2“ gibt es auf dem Album nicht. Den Abschluss bil­det „The Boat“, in dem das Saxo­phon über eine Vier­tel­stun­de lang aller­lei Elek­tro­ni­schem, gespielt von drei der vier Musi­ker (plus Schlag­zeu­ger), mehr Raum lässt. Møster! kön­nen also sogar Spa­ce­rock, und ziem­lich guten noch dazu.

Ent­span­nen­der Radio­jazz ist auf „Edvard Lyg­re Møster“ tat­säch­lich nicht zu hören. Das ist aber auch nicht schlimm. „Lounge-Jazz“? Jazz für jede Gele­gen­heit! Hör­pro­ben? Ama­zon. Aber wer liest schon nur ein­zel­ne Sei­ten in einem Buch?

Spaß mit Spam
Kurz­spam: Ihr Freund „YOU GET PAID INSTANTLY UP TO 325K+“, hat die­ses Pro­dukt gefun­den, und zwar hier: Kong­Ming

End­lich mal ’n ein­präg­sa­mer Betreff!

Und was will mein Freund „YOU GET PAID INSTANTLY UP TO 325K+“ (was für Eltern muss der haben?!) von mir? Mir scheint’s was emp­feh­len will er. Aus­zug aus der Mail:

Ihr Freund, „YOU GET PAID INSTANTLY UP TO 325K+“, hat die­ses Pro­dukt 5er Set, beleuch­te­te wei­sse elek­tri­sche See­ro­se mit Farb­wech­sel bei Kong­Ming gefun­den.

Hel­lo Fri­end!

This is Ama­zing!

How Many Emails Can You Pro­cess In One Day? 2, 4, 7, 24, or 247 . .? Can You Do It 24/7?

Get Paid $25 For Every Email You Pro­cess

If You Can Send And Recei­ve Emails, We Can Teach You To Trans­form Your PC Into A Money-Making Machi­ne.

(Und so wei­ter und so fort.)

Schön, so eine beleuch­te­te See­ro­se woll­te ich schon immer mal haben. Aber dass mein PC zur Geld­mach­ma­schi­ne wird, fän­de ich nicht so schön. Ich wür­de eigent­lich gern damit arbei­ten.

Muss ich mei­ne See­ro­se halt woan­ders kau­fen.

PolitikIn den Nachrichten
End­lich: Regie­rung bekämpft Alters­ar­mut!

Da nun mit der SPD höchst­wahr­schein­lich mal wie­der eine „sozial“-konservative Par­tei in die Regie­rung ein­zieht, will sich die CDU natür­lich nicht die But­ter vom Brot neh­men las­sen und tut was gegen die Armut im Alter:

„Vie­le Men­schen kom­men mit ihren Nied­rig­löh­nen oder ihren gerin­gen Ren­ten nicht aus. Eine gro­ße Zahl davon bes­sert daher mit dem Sam­meln von Pfand­fla­schen ihren Lebens­un­ter­halt auf. Sie könn­ten von der Pfand­er­hö­hung direkt pro­fi­tie­ren.“

Natür­lich könn­te statt eines höhe­ren Fla­schen­pfands auch ein­fach ande­re Beträ­ge erhö­hen, zum Bei­spiel die, die dafür sor­gen, dass die Bedürf­ti­gen über­haupt ohne Fla­schen­sam­meln über den Win­ter kom­men; aber wer soll das denn dann wie­der bezah­len?!

(Ich bit­te um Ver­zei­hung, dass die­se Mel­dung schon etwas älter ist – per tagesschau.de, eines die­ser schnel­len Qua­li­täts­me­di­en, wur­de sie mir erst heu­te in mei­ne Twit­ter-time­line gespült.)

Wer hat die doch gleich gewählt?

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Online­jour­na­lis­mus 2013, kurz zusam­men­ge­fasst.

Zu den „Lei­stun­gen“, die der Online­jour­na­lis­mus in Deutsch­land erbringt und die es offen­bar recht­lich zu schüt­zen gilt, gehört im Übri­gen so etwas:

Pres­se­ver­tre­ter wer­den heu­te Abend wie­der ins Yer­ba-Bue­na-Cen­ter im Zen­trum von San Fran­cis­co strö­men. Dort wird Apple um 19 Uhr mit­tel­eu­ro­päi­scher Som­mer­zeit neue Pro­duk­te vor­stel­len.

Alle Räder ste­hen still, / wenn es Apple gerad‘ so will. Um was für Pres­se­ver­tre­ter geht’s? Die übli­chen Ver­däch­ti­gen (Mas­ha­ble, Giz­mo­do, CNet, Giga.de und so wei­ter) wer­den berich­ten, „Live­ticker“ befin­den sich zur Stun­de aber auch auf focus.de, WELT.de und FAZ.net, eben­so auf der Web­site des Ham­bur­ger Abend­blatts, der Stutt­gar­ter Zei­tung und des STERN – alle­samt akti­ve Unter­stüt­zer des Lei­stungs­schmutz­rechts.

Und so, lie­be Leser, wird Online­jour­na­lis­mus defi­niert: Irgend­wo in den USA steht ein Fir­men­vor­stand auf einer Büh­ne und zitiert aus fir­men­ei­ge­nen Wer­be­pro­spek­ten, um ihn her­um sit­zen „Jour­na­li­sten“ ver­sam­melt und schrei­ben das ab. Dann wol­len sie dafür Geld sehen, damit ihr wich­ti­ges Medi­um nicht schlie­ßen muss.

Es gibt augen­schein­lich immer noch viel zu vie­le Leu­te, die mit sol­chem „Jour­na­lis­mus“ Geld ver­die­nen. Ich emp­feh­le, oben genann­te Zei­tun­gen auch in Zukunft zu mei­den. Je eher die­se Spei­chel­lecke­rei aus finan­zi­el­len Grün­den endet, desto grö­ßer ist die Wahr­schein­lich­keit, dass der Markt für rich­ti­gen Jour­na­lis­mus wie­der geöff­net ist.

NetzfundstückeIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: „Trau­rig, kein Fake“ / Goog­le belegt, dass Goog­le bele­gen kann.

Um noch mal kurz zu ver­deut­li­chen, wo der Unter­schied zwi­schen gemä­ßig­tem – das ist der, den ich prin­zi­pi­ell für nicht ver­kehrt befin­de – und popu­li­sti­schem Femi­nis­mus liegt: Mir wur­de heu­te Mit­tag die­se Web­site in die Twit­ter-time­line gespült.

Zusam­men­ge­fasst geht es dar­um, dass eine Orga­ni­sa­ti­on namens „UN Women“ (also etwa „Frau­en in den Ver­ein­ten Natio­nen“) das schänd­li­che Goog­le als Beleg dafür her­an­ge­zo­gen hat, dass die Welt schlecht über Frau­en den­ke. Das Ergeb­nis sind gro­ße Pla­ka­te mit Fotos von Frau­en, über deren Mund Goo­gles „Sofort­su­che“ geklebt wur­de, viel­leicht, damit sie sich nicht noch mehr bla­mie­ren. Das sieht dann etwa so aus:

Google und die Frauenrechte

Goo­gles „Sofort­su­che“ („Goog­le Instant“, in der Goog­le-Hil­fe erklärt) schlägt nach Ein­ga­be weni­ger Buch­sta­ben häu­fi­ge (und ergeb­nis­rei­che) Such­an­fra­gen mit dem glei­chen Anfang vor. Offen­bar suchen also vie­le Leu­te danach, dass „Frau­en nicht wählen/arbeiten“ sowie „kei­ne Rech­te haben soll­ten“. Skan­dal!, (auf-)schreit das Inter­net, „die Frau­en“ wer­den sogar von Goog­le unter­drückt!

Aber was bedeu­tet es, dass vie­le Leu­te nach „Frau­en soll­ten kei­ne Rech­te haben“ suchen? Es heißt doch nichts ande­res als dass Frau­en mehr­heit­lich eben doch Rech­te haben. Viel schlim­mer wäre es doch, wäre „Frau­en soll­ten Rech­te haben“ eine Top­su­che wäre, denn das wür­de bedeu­ten, dass sie tat­säch­lich mehr­heit­lich kei­ne Rech­te haben. Aber so weit denkt der popu­li­sti­sche Femi­nis­mus nicht, nach Satz­an­fän­gen wie „Frau­en sollten/dürfen nicht“ schal­tet er sein brei­iges Hirn aus und zetert drauf­los; ver­mut­lich hät­te die­ser Femi­nis­mus auch mit „Frau­en dür­fen nicht ange­zün­det wer­den“ ein Pro­blem, denn es soll­te womög­lich das Recht jeder Frau sein, ange­zün­det zu wer­den, wenn ihr halt danach ist (und zwar nur dann). – Das war jetzt etwas unsach­lich.

Aber es passt her­vor­ra­gend zur Debat­te, denn unsach­lich ist die Wer­be­kam­pa­gne selbst. Bedingt durch die beschrie­be­ne Funk­ti­ons­wei­se der Such­ver­voll­stän­di­gung lässt sich so eigent­lich alles bele­gen, was man gern bele­gen las­sen wür­de. Ich habe das vor­hin – natür­lich auf einem Fremd­sy­stem – mal aus­pro­biert:

Google und die Männerrechte

Was uns das nun sagt? Nun, viel­leicht, dass „vie­le Leu­te suchen nach Umstand x“ nichts über die Ver­brei­tung von x aus­sagt. Natür­lich befür­wor­tet es, belegt von der Pla­kat­kam­pa­gne von „UN Woman“, die Mehr­heit offen­sicht­lich, dass Frau­en wäh­len, arbei­ten, atmen, boxen (sic!), Rech­te haben und Auto fah­ren dür­fen. Die hier­durch frei gewor­de­nen Kapa­zi­tä­ten könn­ten genutzt wer­den, um den Ver­ant­wort­li­chen für die Pla­kat­kam­pa­gne mal zu erklä­ren, wie Goog­le eigent­lich funk­tio­niert.

Das ist ja nicht so kom­pli­ziert.

Politik
Sei Legi­on!

Was mir sämt­li­che mir auf­ge­fal­le­nen poli­ti­schen Demon­stra­tio­nen für die Frei­heit der letz­ten Mona­te – ob von Pira­ten, NGOs oder irgend­wel­chen „Anonymous“-Gruppen orga­ni­siert – ja auch gezeigt haben, ist, dass die Leu­te ver­ges­sen haben, wofür sie gekämpft haben. Schritt 1: war­te, bis sich ande­re auf­re­gen! Schritt 2: reg‘ dich auf! Schritt 3: setz‘ eine Mas­ke auf! Schritt 4: ent­fällt. Ich wür­de ja gern was tun, aber im Fern­se­hen kommt heu­te Tat­ort. Zum Demon­strie­ren muss man ja dank Mum­ble nicht mal mehr das Haus ver­las­sen.

Ihr kriegt nicht mal einen ver­schis­se­nen Innen­mi­ni­ster aus dem Amt gejagt, obwohl er es ver­dient hät­te wie kaum einer vor ihm. Wir sind das Volk, und das Volk sitzt halt gern auf dem Sofa rum. Es wird käl­ter, nicht nur drau­ßen. Da holt man sich doch schnell eine Erkäl­tung. Aber der gute Wil­le zählt bekannt­lich, er gibt euch das behag­li­che Gefühl, dass ihr ja könn­tet, wenn ihr woll­tet.

Die Regie­rung macht das schon. Kei­ne Sor­ge. Es ist alles in Ord­nung. Das Geräusch, das ihr hört, ist der nagen­de Zwei­fel. Dreht ein­fach den Fern­se­her lau­ter.

Wann wird man je versteh’n?
Mar­le­ne Diet­rich

PersönlichesNerdkrams
Mus­kel­ge­dächt­nis­se­ni­li­tät. / Strg+Mist!

(Vor­be­mer­kung: Ja, ich habe den ange­kün­dig­ten Nicht­rück­tritt des Lim­bur­ger Bischofs zur Kennt­nis genom­men, aber nein, ich hal­te jedes wei­te­re Wort hier­über für zu viel Auf­merk­sam­keit für jeman­den, der die Idea­le der katho­li­schen Kir­che so her­vor­ra­gend reprä­sen­tiert wie kaum ein Zwei­ter. Daher schrei­be ich statt­des­sen was über Com­pu­ter­kram.)

Wer mei­ne Arti­kel gele­gent­lich auf­merk­sam ver­folgt, der hat unter Umstän­den schon mit­be­kom­men, dass für mich Text­edi­to­ren das sind, was für ande­re Autos, Smart­phones oder Schu­he sind: Ich besit­ze zu vie­le von ihnen.

Auf Ser­vern set­ze ich mal auf nano, mal auf Vim (je nach Anwen­dungs­fall), auf dem Desk­top bin ich bekannt­lich jüngst von Sub­li­me Text 3 auf Emacs umge­stie­gen (bezie­hungs­wei­se ent­wer­fe ich mei­ne län­ge­ren Tex­te immer noch abwech­selnd in einem die­ser bei­den Edi­to­ren). Auch zwei IDEs kom­men zum Ein­satz: Eines mei­ner aktu­el­len Pro­gram­mier­pro­jek­te bear­bei­te ich größ­ten­teils im Qt Crea­tor (in dem ich immer­hin einen Vim-Modus ver­wen­den kann), für ein ande­res muss ich aus tech­ni­schen Grün­den Visu­al Stu­dio benut­zen, für das es zwar ViE­mu gibt, das aber mein Bud­get für der­lei regel­mä­ßig deut­lich über­steigt. Dass ich nicht ein­fach für jeden Mist den glei­chen Edi­tor ver­wen­de, hat ver­schie­de­ne Grün­de: Ser­ver­sei­tig benut­ze ich kei­ne GUIs, was Visu­al Stu­dio von vorn­her­ein aus­schließt, Emacs ist wegen sei­ner Tasten­kür­zel über PuT­Ty eine Qual, Vim eig­net sich für ande­re Zwecke her­vor­ra­gend als nano (das beim schnel­len Edi­tie­ren einer län­ge­ren HTML-Datei indes defi­ni­tiv sei­ne Stär­ken hat); und aber vor allem: Ich kann damit qua­si im Schlaf arbei­ten. (Mein frü­he­rer Arbeit­ge­ber wür­de das mit dem Schlaf wahr­schein­lich bestä­ti­gen.)

Nun sind die mei­sten Text­edi­to­ren Pro­gram­me, deren flüs­si­ge Bedie­nung (eben das mit dem Schlaf) stark vom Mus­kel­ge­dächt­nis abhängt: Je häu­fi­ger man ihre Tasten­kür­zel ver­wen­det, desto selbst­ver­ständ­li­cher erfolgt dies. Um beim Bei­spiel nano zu blei­ben: Wenn ich eine Datei auf dem Ser­ver mit nano [Datei] edi­tie­re, merkt sich mei­ne Hand, dass der näch­ste Steu­er­be­fehl wahr­schein­lich Strg‑O Strg‑X (Spei­chern und Schlie­ßen) sein wird, und führt die­sen qua­si unbe­merkt aus.

Blö­der­wei­se haben nano, Vim, Emacs und nor­ma­le IDEs die Eigen­schaft, völ­lig unter­schied­li­che Tasten­kür­zel zu unter­stüt­zen. Ja, einen Vim-Modus kann man meist – außer in nano – irgend­wie nach­rü­sten, und mög­li­cher­wei­se sind auch die Emacs-Tasten­kür­zel sozu­sa­gen Gewöh­nungs­sa­che (Mac OS X, mit dem ich mitt­ler­wei­le mein Geld ver­die­nen darf, ver­wen­det sie immer­hin auch, dafür hat’s weder eine Pos1- noch eine Ende-Taste), kom­pli­ziert wird es aller­dings dann, wenn man – wie ich – häu­fi­ger zwi­schen den Edi­to­ren wech­selt. Ein ein­fa­ches Bei­spiel: Ich möch­te eine Datei spei­chern. Das geht in nano mit Strg‑O, in Vim mit Esc :w, in Emacs mit Strg‑X Strg‑S und über­all anders mit Strg‑S. (Das ist ja auch so ein Phä­no­men von Open Source: Ergo­no­mi­sche Gesichts­punk­te wer­den kon­si­sten­ter Bedie­nung in der Regel über­ge­ord­net. Zuge­ge­ben: Bei Unity bin ich mir da nicht so sicher.)

Mein Mus­kel­ge­dächt­nis mag das aber gar nicht.

Ein­mal antrai­nier­te Tasten­kom­bi­na­tio­nen blei­ben blö­der­wei­se auch beim Wech­sel zwi­schen ähn­li­chen Pro­gram­men „gespei­chert“. Dass Emacs (jeden­falls in mei­ner Kon­fi­gu­ra­ti­on) weder Strg‑O noch Strg‑S zum Spei­chern von Datei­en ver­steht, ver­ges­se ich immer wie­der; gera­de nach einer län­ge­ren Sit­zung in ande­ren Pro­gram­men, die eine die­ser Kom­bi­na­tio­nen ver­wen­den, braucht das Mus­kel­ge­dächt­nis eine Wei­le, um zu bemer­ken, dass es nun wie­der die ande­ren Befeh­le braucht. (Dann geht es aber wie­der wie von selbst). Mit stei­gen­der Nut­zungs­dau­er (und Edi­to­ren­zahl) wird das im Übri­gen auch nicht leich­ter, ganz im Gegen­teil.

Mög­li­che Lösun­gen? Ent­we­der soll­te ich jeden Edi­tor, bei dem das mög­lich ist, auf die Vim-Bele­gung umstel­len (das nano-Pro­blem blie­be bestehen und Emacs ver­lö­re trotz der Annehm­lich­kei­ten von 3cw und der­glei­chen man­che pro­duk­ti­vi­täts­stei­gern­de Beson­der­heit, somit wäre das nicht aus­rei­chend prak­ti­ka­bel) oder ein paar Edi­to­ren aus mei­nem Fun­dus ent­fer­nen. Ein geeig­ne­ter Kan­di­dat wäre nano, für das dann Ersatz nötig wäre; anbie­ten wür­de sich ein lokal instal­lier­tes Emacs, mit­tels des­sen ich (wegen der inte­grier­ten her­vor­ra­gen­den SSH-Unter­stüt­zung) das oben beschrie­be­ne PuT­Ty-Pro­blem ele­gant umge­hen könn­te. Das Pro­blem dar­an? Unter Win­dows wei­gert sich der SSH-Modus (tramp-mode) beharr­lich zu funk­tio­nie­ren, außer „Emacs hängt sich auf“ pas­siert da nicht viel. Wahr­schein­lich ist das ein Pro­blem, das sich über einen ein­fa­chen Kon­fi­gu­ra­ti­ons­ein­trag lösen lie­ße, aller­dings fehlt mir dafür gera­de die nöti­ge Muße.

Viel­leicht soll­te ich ein­fach zukünf­tig nur noch Win­dows-Ser­ver ein­set­zen. Da kann ich wenig­stens rum­klicken.


Neu­es aus der Netz­welt: IsoHunt muss schlie­ßen. Wie schon seit vie­len Jah­ren sind wir eMu­le- und aMu­le-Nut­zer nicht davon betrof­fen, weil wir schlicht kei­ne Web­sei­ten, Link­por­ta­le, Such­ma­schi­nen und Web­brow­ser brau­chen, um zu fin­den, was wir brau­chen.

SonstigesNetzfundstückePersönliches
Schau­spiel und Kunst. / Ich grün­de aus Ver­se­hen eine Reli­gi­on.

Die deut­sche Aus­ga­be der Huf­fing­ton Post, die Qua­li­täts­au­toren wie Boris Becker in ihren Rei­hen hat, wird auf Twit­ter schon so aus­führ­lich und genuss­voll zum Abfall erklärt, dass ich das nun nicht mehr tun muss. Allein die­sen Text – irgend­was mit Sinn­fin­dung, die hier wohl selbst ver­ge­bens wäre – tät‘ ich dann zwecks Anschau­ung doch dann gern mal wei­ter­emp­feh­len.


Ein ganz ande­res The­ma ist ja auch viel inter­es­san­ter. Eine Bekann­te wies mich heu­te auf einen ihr bis dahin unbe­kann­ten Film hin, den sie zu sehen beab­sich­tig­te; dies nicht etwa auf­grund nen­nens­wer­ter Hand­lung, son­dern weil eine Schau­spie­le­rin, die sie sehr schät­ze, Teil der Beset­zung sei und der Film somit wahr­schein­lich gar nicht schlecht sein kön­ne. Das ist ziem­lich skur­ril. Zwar gibt und gab es Film­künst­ler, die in einer bestimm­ten Pha­se ihrer Kar­rie­re aus­nahms­los her­vor­ra­gen­de Wer­ke her­vor­ge­bracht haben (Woo­dy Allen und Luis Buñuel gehö­ren dazu), dies lag aber nicht an den betei­lig­ten Per­so­nen selbst, son­dern am Zusam­men­spiel derer Fähig­kei­ten mit dem jewei­li­gen Dreh­buch. Man stel­le sich ein­mal Woo­dy Allens „Der Stadt­neu­ro­ti­ker“ mit Til Schwei­ger in der Haupt­rol­le vor, um das Pro­blem zu begrei­fen.

Schau­spie­ler wer­den oft als „Gesicht des Films“ miss­ver­stan­den, in dem sie agie­ren. Tat­säch­lich aber zeich­net einen guten Schau­spie­ler, wenn es nicht gera­de um Slap­stick­ko­mö­di­en geht, aus, dass er eben nicht als er selbst auf­fällt, son­dern dem Zuschau­er das Gefühl rea­len Gesche­hens im Bei­sein Unbe­kann­ter ver­mit­telt. Inso­fern ist sogar Hel­ge „Adolf“ Schnei­der ein bes­se­rer Schau­spie­ler als zum Bei­spiel, ich erwähn­te ihn bereits, Til Schwei­ger. Ich wür­de nie­mals einen Film nur des­halb anse­hen, weil ich einen der Schau­spie­ler mag, und wenn Luis Buñuel dem Grab ent­stie­ge und sich ent­schlös­se, von nun an Lie­bes­ro­ma­ne zu ver­fil­men, wür­de ich das allen­falls mit gerümpf­ter Nase und krau­ser Stirn zur Kennt­nis neh­men und mich nicht umge­hend ins Kino bege­ben. Das wäre mir unan­ge­nehm.

Eigent­lich, so fuhr die Bekann­te fort, sei es auch gar nicht von Belang, wie gut die­se Schau­spie­le­rin denn ihre Rol­le erfül­le, denn sie sei im wah­ren Leben hübsch und sym­pa­thisch, was schon voll­kom­men genü­ge, um einen ent­spre­chen­den Film zu schät­zen zu wis­sen. Mein Ein­wand, sie habe ver­mut­lich nie ein Wort mit die­ser Schau­spie­le­rin gewech­selt, been­de­te den Dia­log lei­der unsanft, bevor ich wei­te­re Kennt­nis­se dar­aus gewin­nen konn­te.

Zu mei­ner Zeit waren Fil­me ja noch wegen der Hand­lung inter­es­sant.


In der Blogo­sphä­re wird momen­tan rege eines die­ser so genann­ten „Stöck­chen“ wei­ter­ge­reicht, also eine Samm­lung von Fra­gen, die man nach der Beant­wor­tung einem ande­ren Blog­ger wei­ter­lei­tet. Die ursprüng­li­chen Fra­gen stam­men vom BR und rich­ten sich an die Netz­ge­mein­de. Höh­len­ma­lerei­ge­mein­de my ass. Es geht um die Gret­chen­fra­ge, wie das Netz es eigent­lich so hal­te mit der Reli­gi­on, und wäh­rend ich noch nicht davon über­zeugt bin, dass die­je­ni­gen, die sich selbst als Nerd­blog­ger betrach­ten (könn­ten) und lusti­ge 1337-Fake-sonst­wie-Domains benut­zen, irgend­ei­ner retro­ver­tier­ten Welt­an­schau­ung viel abge­win­nen kön­nen und das Kon­zept eines devo­ten Glau­bens im frei­en Netz unge­fähr so inter­es­sant fin­den wie den BR, wür­de ich auf eine der gestell­ten Fra­gen unge­frag­ter­wei­se doch gern etwas näher ein­ge­hen (die ande­ren sind mir zu doof oder wur­den im ver­link­ten Blog schon aus­führ­lich genug zur Kennt­nis genom­men), näm­lich gleich die erste:

Wor­an glaubt die Netz­ge­mein­de?

Ich wür­de ja sagen, ich glau­be an den mensch­li­chen Ver­stand, aber ich ken­ne Twit­ter. Was steht uns wohl über­wie­gend libe­ra­len, tech­nik­be­gei­ster­ten Frei­den­kern denn so an Reli­gio­nen abseits der­je­ni­gen Reli­gio­nen, für die sich der Unter­schied zwi­schen Leben und Glau­ben nur in Form irgend­wel­cher absur­den Ritua­le mani­fe­stiert, zur Ver­fü­gung? Ich bin ein gro­ßer Anhän­ger der Church of Satan, da sie einen ratio­na­len, unauf­ge­reg­ten Lebens­stil pre­digt, und ich bin durch­aus (von ihr selbst völ­lig unab­hän­gig) ver­sucht, nach ihren Regeln zu leben, aber das ist wie­der­um eben­so wenig eine Sache des Glau­bens wie es mei­ne Über­ein­stim­mun­gen mit den ande­ren grö­ße­ren Reli­gio­nen sind. „Du sollst nicht töten“ ist ein durch­aus ver­nünf­ti­ges Gebot, der Glau­be dahin­ter mit dem welt­frem­den Bild (bezie­hungs­wei­se eben Nicht­bild) von einem Schöp­fer­gott, der uns irgend­wann alle ins Fege­feu­er wer­fen wird, weil wir uns über ihn lustig machen, ist aber nicht mit mei­nem Selbst­ver­ständ­nis als den­ken­der Mensch ver­ein­bar. Es gilt also zur wahr­heits­ge­mä­ßen Beant­wor­tung der Fra­ge alter­na­ti­ve Glau­bens­ge­mein­schaf­ten her­an­zu­zie­hen.

Die Church of Reven­ge­day? „Wir glau­ben an das Inter­net“ bzw. an „wis­sen wir selbst nicht“, ja, das klingt nach einem typi­schen Inter­net­nut­zer, aber sei­nen vir­tu­el­len Lebens­raum zur Reli­gi­on zu erhe­ben hal­te ich für gefähr­lich, mit dem Netz wird auch ohne Reli­gi­ons­sta­tus schon genug Schind­lu­der betrie­ben. Mein Bett ist ja auch kei­ne Reli­gi­on. Passt dann eine die­ser Inter­net­re­li­gio­nen eher zu mir? Wie steht’s mit dem Flie­gen­den Spa­ghet­ti­mon­ster? An sich inter­es­sant, aber eini­ge der acht „Gebo­te“ die­ser Reli­gi­on berei­ten mir gehö­ri­ges Kopf­zer­bre­chen, schon wegen ihrer links­fe­mi­ni­sti­schen Aus­rich­tung. Eine Reli­gi­on ist doch kei­ne Par­tei, herr­je.

Auch recht beliebt bei uns Nerds ist der Dis­kor­dia­nis­mus. Eine zwei­fels­frei inter­es­san­te Idee, die aber in ihren Grund­zü­gen nichts ande­res als „Den­ke selbst!“ besagt – das ist wahr­schein­lich nicht das, was mit der Fra­ge gemeint war. Eines aller­dings gefällt mir schon, näm­lich der Teil mit dem dis­kor­dia­ni­schen Papst. Ich exkom­mu­ni­zie­re in mei­ner Eigen­schaft als unfehl­ba­rer Papst euch alle­samt hier­mit eben­so wie mich und damit ist die Sache dann auch erle­digt. Da kommt der Kopi­mis­mus der Netz­ge­mein­de schon eher ent­ge­gen, der Glau­be an File­sha­ring, mit­hin an die Ehr­wür­dig­keit sozia­len Tei­lens (zum Bei­spiel von Musik). Wie­der­um ist dies aber eine Reli­gi­on, deren Zusam­men­hang zum all­ge­mei­nen Glau­bens­be­griff ich nicht ver­ste­he. „Ich glau­be an File­sha­ring“ ist wie „ich glau­be ans Ein­kau­fen“. Habe ich jetzt ver­se­hent­lich den Shop­pis­mus ins Leben geru­fen? Gedenkt mei­ner der­einst als Papst der Leh­re von Rewe, Ama­zon und Saturn!

Nein, die Netz­ge­mein­de glaubt eigent­lich nur dar­an, dass sie als homo­ge­ne Ein­heit ledig­lich ein Hirn­ge­spinst schlech­ter und offen­bar über­be­zahl­ter (weil über­mo­ti­vier­ter) „Jour­na­li­sten“ von öffent­lich-recht­li­cher Gna­de ist. Der Glau­be war in dunk­len Zei­ten stets eine Zuflucht für Men­schen, die kei­ne Hoff­nung mehr zu fin­den ver­moch­ten. Was das Netz betrifft, bleibt inso­fern zu kon­sta­tie­ren: Gott ist tot. Wir machen uns jetzt unse­re eige­nen Göt­ter („A‑Blogger“) und las­sen sie im Fern­se­hen und auf Twit­ter dum­me Din­ge sagen, die dann trotz­dem als unse­re Mei­nung dar­ge­stellt und von den Poli­ti­kern nichts­de­sto­we­ni­ger voll­kom­men igno­riert wer­den. Was näm­lich will die Netz­ge­mein­de? Erst mal Sascha Lobo fra­gen.

Und sie sahen, dass es nicht gut war.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Daten­schutz ist schlim­mer als Hit­ler!

Die Daten­samm­ler­indu­strie hat jetzt ihren eige­nen „God­win“:

‚Ein Optout ent­sprä­che nach unse­rer Sicht einem ’nein, ich will nicht, dass Urhe­ber die vom Gesetz­ge­ber zuge­stan­de­ne, ange­mes­se­ne Ver­gü­tung für ihre Wer­ke erhal­ten.‘ „

Genau! Wer auf die Wah­rung sei­nes Rechts auf Daten­schutz im deut­schen Inter­net pocht, ist schuld, wenn die Urhe­ber ver­hun­gern!

Ein­sper­ren, alle ein­sper­ren!
unbe­kann­ter Inter­net­nut­zer