Die Datensammlerindustrie hat jetzt ihren eigenen “Godwin”:
‘Ein Optout entspräche nach unserer Sicht einem ’nein, ich will nicht, dass Urheber die vom Gesetzgeber zugestandene, angemessene Vergütung für ihre Werke erhalten.’ „
Genau! Wer auf die Wahrung seines Rechts auf Datenschutz im deutschen Internet pocht, ist schuld, wenn die Urheber verhungern!
Einsperren, alle einsperren!
unbekannter Internetnutzer


Mal ganz doof gefragt: Wie ist dein Kompromissvorschlag? Ich bin durchaus auf das Geld aus der VG-Wort-Ausschüttung für Texte im Internet angewiesen. :/
Und so ganz leuchtet mir auch nicht ein, was jetzt eigentlich das Problem des Datenschutzheinis ist. Auf den VG-Wort-Servern wird anonymisiert. Jetzt argumentiert der damit, dass die Daten ja an einem Knotenpunkt vorher abgegriffen werden könnten. Äh. Ja. Könnten sie. Wenn aber jemand schon einen Knotenpunkt vorher kompromittiert hat, warum sollte er sich die VG-Wort-Daten herausgreifen, wenn da vermutlich viel lohnenswertere Daten über diesen Knotenpunkt gehen? Dass eine IP-Adresse eine Bilddatei auf einem VG-Wort-Server anfordert, ist für mich jetzt nicht wirklich etwas, was einen besonderen Datenschutz erfordert.
Oh, hoher Besuch. Entschuldige, hätte ich das gewusst, hätte ich den roten Teppich entstaubt.
Das Problem ist, dass erst auf den VG-Wort-Servern verschlüsselt wird. Das ist, banal gesagt, wie der Facebook-Cookie: Es könnte dem Nutzer völlig lachs sein, ob die VG Wort rein technisch alles protokollieren kann, was er im Internet so anstellt. Muss es aber nicht müssen.
Mein Kompromissvorschlag? Ach, Klopfer. Du bist doch (ein nicht mal schlechter) Autor. Du brauchst die paar Kröten der VG Wort nicht. Die meisten Leute verwenden wohl sowieso einen Werbeblocker, der Zählpixel unkommentiert aus der Website wirft, bevor sie überhaupt angezeigt wird.
Also ist das Problem nur, dass die Zählpixel per http und nicht per https verlinkt sind?
Die paar Kröten waren dieses Jahr immerhin über 500 Euro, die sind durchaus nötig. :/ Im letzten Jahr hätte ich ohne die VG-Wort-Zahlung meine Miete nicht bezahlen können, die kam gerade im richtigen Moment, weil es (auch aufgrund der Trennung von Daisy) finanziell gerade echt mies lief. Natürlich wird das Geld von der VG Wort immer weniger, weil mehr Leute bei diesem Programm mitmachen und die Zahlquoten jedes Jahr geringer ausfallen, aber ich bin trotzdem heilfroh, dass ich da ein bisschen was kriege. (Ich glaub nicht, dass die Werbeblocker vgwort.de in ihren Filterlisten drin haben. Warum auch?)
https ist seit 1997 knackbar, SSL-Bypassing keine obskure Kunst. Trotzdem: Mit https wäre das Problem sicherlich zumindest geringer. (Die Trennung war teuer? Überrascht dich das?
)
Werbeblocker filtern “unsichtbare Pixel” anhand der Größe, nicht anhand der Domain. Jedenfalls gute.
Also ist dir https auch nicht genug (wobei immer noch die Frage wäre, warum sich jemand die Mühe machen sollte). Also noch mal die Frage: Wie sieht dein Kompromissvorschlag aus?
Das ist doch dasselbe Grundproblem wie bei der Kulturflatrate: Um die Verteilung der Gelder an die Urheber fair zu gestalten, muss erfasst werden, welche Werke von welchen Autoren wie oft angeklickt werden (wobei zumindest ein bisschen schwerer gemacht werden sollte, den Zähler durch simples Neuladen hochzujubeln). Nun ist die Erfassung der dafür notwendigen Daten wiederum ganz doll böse wegen Datenschutz. Ich hab keine Ahnung, wie sich die Piraten vorstellen, einerseits ihre Vorstellungen von einer Kulturflatrate und andererseits ihre Erwartungen an den Datenschutz unter einen Hut zu bringen.
Daher stimmt es doch auch, was da oben gesagt wird: Ein Opt-Out aus der Erfassung heißt: “Ich will nicht dazu beitragen, dass der Autor, dessen Texte ich lese, einen Anteil aus dem VG-Wort-Topf kriegt.” Ein nicht erfasster Besuch wird nicht berücksichtigt, wenn es darum geht, ob der Text die Mindestquote an Besuchen überschritten hat (oder eine der höheren Quoten, für die es mehr Geld gibt).
Freiwillige Gaben direkt von den Lesern klappen ja auch nicht: Die Lästerei über die “Abenteuer des Stefón Rudel” wurde kein einziges Mal geflattrt. Aber ich habe immerhin eine gute Chance, im nächsten Jahr von der VG Wort dafür 10 oder 15 Euro zu kriegen (nehme ich zumindest an, weil die Klickzahlen, die ich selbst erfasst habe, ziemlich hoch sind).
Überrascht mich nicht, dass eine Trennung Geld kostet, aber das war ja auch nicht der Punkt. Du hast gesagt, ich wäre auf das Geld nicht angewiesen, ich hab dir gesagt, warum ich darauf angewiesen bin. Ob die Ausgaben für mich überraschend kamen oder nicht, ist irrelevant. Auch wenn ich es kommen sehe, kann ich es mir nicht aus den Rippen schneiden.
Mir stellt sich die Frage, warum “gute” Werbeblocker Zählpixel blockieren. Meiner Meinung nach sollen Werbeblocker einfach dafür sorgen, dass penetrante Werbung nicht nervt. Zählpixel dürften ja kaum einen Nerv-Faktor haben.
Mein Kompromissvorschlag: Eine Opt-Out-Funktion; oder besser: Opt-In. Besucher werden gefragt, ob sie das wollen, und wenn sie nichts dagegen haben, bleibt der Zählpixel drin. Das ist ja auch alles, was den Datenschutzbeauftragten stört, dass das nicht geht. Wie bei Facebook. — Die “Kulturflatrate” ist so was wie die GEZ-Gebühren, nur dass sie auch Tauschbörsen umfasst, sozusagen.
Werbeblocker blockieren Zählpixel aus dem gleichen Grund, warum sie “unauffällige Werbung” (zum Beispiel von Google) blockieren: Tracking hat gewisse Nachteile. Diese ganze NSA-Geschichte hatte Konsequenzen. Ghostery (das Ding, das dafür da ist, nur Zählpixel rauszuwerfen) verbreitet sich ja auch wie blöde.
Hm, kein “Antworten”-Link mehr da…
Gerade eine Opt-In-Lösung wäre mir wieder zu viel. Die meisten würden doch gar nicht darauf achten oder es automatisch wegklicken, weil sie es nicht verstehen. Eine Opt-Out-Lösung wäre dann immerhin eine bewusste Entscheidung, dass einem das Auskommen des Autors egal ist.
Das erklärt genau gar nichts darüber, wie das umgesetzt werden soll. GEZ-Gebühren gehen an die öffentlich-rechtlichen Sender, also eine fest definierte Anzahl von Empfängern, deren Finanzbedarf vorher festgestellt wird. Die Verteilung der Gebühren an die Sender ist nicht direkt an die Popularität der Sendungen gebunden.
Aber wie soll das bei der Kulturflatrate mit der Ausschüttung an die vielen individuellen Urheber laufen, sodass es gerecht ist? Das versuche ich doch begreiflich zu machen: Jeder konzentriert sich bei dem Begriff “Kulturflatrate” auf die Einnahmenseite, aber verschwendet keinen Gedanken an die praktische Umsetzung der Verteilung.
Na komm, ist doch nicht so, als wenn man erst nach Snowden angefangen hat, wegen Werbetracking am Rad zu drehen.
Wenn man nachfragt, ist da immer diese unbestimmte Angst, für die Werbeindustrie gläsern zu werden, weil die Erkenntnisse daraus für kontextsensitive und auf die Person abgestimmte Werbung eingesetzt werden können. (Ich find’s jetzt allerdings auch nicht tragisch, dass man mir Werbung einblenden will, die mich tatsächlich interessieren könnte.) Ich glaub aber auch nicht, dass die Geheimdienste auf Zählpixel und Werbenetzwerke angewiesen sind, um Infos über bestimmte Personen herauszukriegen. Bei den vielen Daten, die sie direkt an den Backbones und bei Mailprovidern abgreifen, sind Trackingpixel doch Kikifax. Konkret auf die VG-Wort bezogen dürfte es auch recht uninteressant sein, wenn man denn herausfinden würde, dass jemand auf Klopfers Web, Spiegel Online und dem Bestatterweblog unterwegs war, weil die alle Zählpixel der VG Wort drin hatten.
Im Endeffekt muss man sich doch fragen, inwieweit man überhaupt ernsthaft an die Finanzierung von Web-Angeboten denkt. VG Wort ist doof wegen Datenschutz. Werbung wird geblockt wegen Datenschutz. Spenden funktionieren nicht. Kulturflatrate jeder Art geht auch nicht wegen Datenschutz. Und dann ist man beleidigt, wenn gesagt wird: “Okay, ihr wollt also nicht, dass die Urheber was kriegen.”
Der “Antworten”-Link ist weiter oben, unendlich viele Verschachtelungen wären hier irgendwann … etwas unübersichtlich.
Opt-Out hätte den Nachteil, dass es erst nach der erstmaligen “Überwachung” deiner Besucher überhaupt genutzt werden kann. Das ist ja dann auch nicht der Sinn der Sache. (Nein, nicht erst “nach Snowden”, aber die Leute kommen jetzt erst auf den Trichter, dass sie seit vielen Jahren dumm waren. Du kennst doch die Menschen. Nicht jeder ist wie wir.)
Ganz ehrlich: Ich will von dir unterhalten werden und würde deine Seite nicht mehr allzu oft besuchen, würde ich dafür zahlen müssen.
Aber ich drücke — zugegeben, momentan geben meine Finanzen das partout nicht her — gern mal auf Spendenbuttons herum (und kaufe Bücher), wenn’s halt nicht gerade Flattr ist, weil das dann Ausdruck meiner Wertschätzung und kein Zwang ist. Da zahl’ ich dann auch freiwillig mehr. Vielleicht bin ich da eine Ausnahme…? Mir deswegen pauschal zu unterstellen, ich würde wollen, dass du verhungerst, ist nicht unbedingt fair.
Ich komme ja eher aus der Informatik. Eines meiner Projekte bekommt schon so zwanzig Euro pro Monat an Spenden zusammen. Insofern würde ich nicht sagen, dass Spenden nicht funktionieren. Ist immer die Frage, welches Publikum du ansprichst. Deine Zielgruppe ist überwiegend (fast) minderjährig, wenn ich deine Kommentare so angucke. Die haben ja nix.
Scherz beiseite — rational betrachtet: Wer Inhalte kostenfrei ins Netz stellt, ist grundsätzlich selbst verantwortlich für diese Entscheidung. Ich hab’ hier ja auch keine Werbebanner (nur ’n paar Textlinks rechts) drin, obwohl die Zugriffszahlen das theoretisch attraktiv machen würden, schon, weil ich weiß, dass Werbeunternehmen mit Methoden arbeiten, die ich nicht zu schätzen weiß.
Es gibt mehrere Modelle, eines, das ich persönlich supi finde, ist: Jeder Bürger zahlt einen noch festzulegenden Pauschalbeitrag und dafür bekommt er einen eMule- und kinox.to- und-und-und-Freibrief — soll heißen: die Abmahnfirmen stellen ihre Arbeit in D komplett ein. Hätte auch noch andere Vorzüge. Die Verteilung an die “Urheber”? Tja, das ist ein großes Problem. Wenn du da eine herausragende Idee hast, trage sie doch bei. Die “Flatrate” ist im Prinzip genau so unfair wie die GEMA- und GEZ-Gebühren, weil nicht protokolliert werden kann, welcher Urheber wie viel …
Eine mögliche Idee, die mir gerade kommt: Prozentuale Abrechnung anhand der Menge der beigesteuerten Werke.
Aber wäre das nicht ein vertretbarer Nachteil?
Finde ich sehr löblich, aber gerade weil deine Finanzen gerade nicht viel hergeben, ist doch diese VG-Wort-Sache so gut: Das Geld ist sowieso schon da, weil es ja aus der Kopierabgabe für Datenträger, Kopierer, Scanner etc. stammt. Du musst gar nichts extra zahlen, sondern einfach nur durch das Laden eines Pixels der VG Wort sagen, dass du den Text angeguckt hast.
Aber 20 Euro sind verglichen mit der Arbeit, die du reingesteckt hast, auch eher wenig, ne?
Ich hab kürzlich überraschend auch eine Paypal-Spende über 50 Euro bekommen, das war schon fantastisch. Aber es passiert eben ziemlich selten. Bei Flattr hat sich herausgestellt, dass dort Podcasts recht gut laufen, alle anderen sind ziemlich am Boden. Aber regelmäßig spenden tut halt so gut wie niemand von selbst; hat ja seinen Grund, dass Hilfsorganisationen nicht mehr mit der Spendenbüchse herumgehen, sondern eine Einzugsermächtigung fürs Konto haben wollen. XD
Stimmt so jetzt auch nicht, die sind ja durchaus mitgealtert und zum großen Teil jetzt Studenten oder Berufsanfänger. (Gut, sie haben nicht unbedingt was, aber sie sind auch größtenteils nicht mehr minderjährig.)
Natürlich ist es meine Entscheidung, aber ich finde es ebenso natürlich, dass jemand, der mit seinen kostenlosen Inhalten viele Leute unterhält, auch verdient hat, damit Geld einzunehmen. Ich krieg dauernd Angebote von irgendwelchen Marketingfirmen, dass ich in Blogeinträgen doch Werbelinks unterbringen soll. Will ich nicht, ist mir zuwider. Ich schmeiß damit Geld zum Fenster raus, aber ich hoffe einfach, dass das durch andere Dinge ausgeglichen wird. Und wenn man mir die auch noch nehmen will, werde ich natürlich ein wenig sauer.
Irgendwie illustrierst du genau das, was ich sagen will: Du konzentrierst dich nur auf die Einnahmenseite. Aber wie das Geld, was durch diesen Pauschalbeitrag eingenommen wird, gerecht auf die Urheber verteilt werden soll, darüber schweigst du dich aus. Und weil es dafür offenbar keine Antwort gibt, ist das ganze Modell hinfällig. Eine Operation ist schließlich auch nutzlos, wenn der nächste Schritt nach “Wir schneiden den Patienten auf” fehlt.
Oh, da kam noch was dazu im Kommentar:
Ich hab keine. Deswegen finde ich den Plan nicht umsetzbar, erst recht nicht mit dem Datenschutzbedürfnis.
Finde ich wiederum nicht gerecht, weil ich denke, dass diejenigen mehr verdient haben, die auch mehr Leute mit ihren Werken unterhalten haben. PSY hat für einmal Gangnam Style meiner Meinung nach mehr Anspruch auf Geld als ein 18-Jähriger, der nahezu unbeachtet von der Außenwelt einen Gangsta-Rap nach dem anderen auskotzt.
Ich finde, Psy sollte mir für jedes Mal, den ich diesen bescheuerten Gangnam-Style hören muss, Schmerzensgeld zahlen. Warum sollte jemand für einen einmaligen Glückstreffer mehr Geld bekommen als für reihenweise kreative Ausgüsse (Qualität ist ja subjektiv)? (Und warum beschwerst du dich dann nicht erst mal bei der GEMA, die seit vielen Jahren nach genau dem gleichen Prinzip, eben nach “Beliebtheit” und nicht nach Produktivität, abrechnet?)
Theoretisch schon, unsereins wirft die Zählpixel ja eh’ ungesehen raus.
Aber das Prinzip muss lauten: Oma Lieschen darf nicht uninformiert überwacht werden. Die aktuell meistverbreitete Lösung für Blogs bietet sich da an: Einfach unten auf der Seite einen Banner “diese Seite verwendet Zählpixel/Cookies/usw., wollen Sie…” einblenden, “OK” speichert ein Cookie, Problem gelöst. Das wäre dann wahlweise Opt-In oder Opt-Out, je nachdem, wie du es umsetzst.
Sollte die VG Wort ihrer juristischen Pflicht nachkommen, wirst du das früher oder später übrigens sowieso machen müssen.
Na ja, immer mehr Spenden für immer weniger (Wartungs-)Aufwand — irgendwann ist Software ja auch mal ausgereift — lassen mich da mit schlechtem Gewissen zurück.
Hm, ich hätte da eine Idee für Klopfers Web …
Dieses Recht möchte ich dir keinesfalls absprechen. Das wäre ja ein Eigentor von mir. Aber es gibt nun mal auch — außer “Bezahlschranken” — keine Möglichkeit, auf mehr als nur die Großzügigkeit deiner Besucher zu hoffen, die zuverlässig funktionieren würde.
Warum sollte ich mich beschweren, wenn ich es für eine blöde Idee halte, nach Produktivität abzurechnen? (Die Probleme mit der GEMA liegen meiner Meinung nach woanders.)
Es gibt einen völlig falschen Anreiz, wenn man nur nach der Produktivität geht. Man arbeitet dann nicht mehr fürs Publikum, man arbeitet für die Verwertungsgesellschaft. Es ist ja dann scheißegal, ob der Text oder das Lied gut ist, was du abliefert, Hauptsache, es erfüllt die formalen Kriterien (Länge). Du bevorzugst dann Leute wie Simone Kaplan, die alle 14 Tage ein neues E‑Book rausbringen, was absolute Grütze ist, nicht diejenigen, die sich tatsächlich viel Mühe geben und die Zeit nehmen, weil sie ihren Lesern tatsächlich etwas bieten wollen. Auch wenn dir “Gangnam Style” subjektiv nicht gefällt, objektiv muss man sagen: Es hat sehr vielen Leuten gefallen. Mir gefällt ja Twilight auch nicht, aber ich kann jetzt auch nicht behaupten, dass Stephenie Meyer ihr Geld nicht verdient hätte.
Das ist für mich aber wieder so eine vollkommen bescheuerte, weltfremde Bürokratenlösung. Dass man generell eine Cookiewarnung einblenden soll, finde ich schon arg behämmert. Das bildet den durchschnittlichen Internetsurfer doch nicht, es macht ihn paranoid. “Wah, Cookies sind offenbar irgendwie gefährlich, sonst würde man mich nicht davor warnen!” Deutsche sind da eh besonders anfällig, was grundlose Panik angeht.
Bei der Einbindung von fremden Grafiken wird es noch bekloppter. Wenn man das weiter denkt, müsste man auf sämtlichen Websiten vorher nachfragen, ob man von anderen Seiten etwas einbinden darf, seien es Bilder, Videos, Schriftarten oder Skripte (wie z.B. JQuery), weil die ja theoretisch tracken könnten, wer was aufgrund welcher Seiten von ihren Servern geladen hat. Und das alles, weil Oma Lieschen und andere sich von Zählpixeln überwacht fühlen, obwohl im Fall der VG Wort der ganze Kram sowieso anonymisiert wird und dann nicht mal die IP-Adresse gespeichert wird. Wer im Internet unterwegs ist, hinterlässt automatisch Daten. So funktioniert der ganze Kram nun mal. Sollte doch eher darauf ankommen, wie die Daten verwendet werden. Und gerade im Falle von Verwertungsgesellschaften: Die haben eine gesetzlich festgelegte Aufgabe. Die GEZ kriegt automatisch von den Einwohnermeldeämtern Adressdaten, aber da trauen sich die Datenschutzheinis nicht ran. Die VG Wort speichert einen Hashwert, und es gibt Terror. Find ich behämmert.
Ich denke da auch immer wieder an Stefan Niggemeier. Ein Datenschutzbeauftragter verbot ihm, in seinem Blog die IP-Adressen der Kommentatoren zu schreiben, gerichtlich wurde er aber dazu verpflichtet, sie zu speichern, damit die Urheber von rechtsverletzenden Kommentaren ermittelt werden können.
Und deswegen muss man darauf hinarbeiten, aus immerhin relativ zuverlässigen Möglichkeiten höchst unzuverlässige zu machen? Finde ich blöd.
Ja, mir sind auch mehr Probleme diesbezüglich bekannt. Aber die GEMA ist doch die Vorzeigeinstitution zum Thema “Abrechnung nach Beliebtheit” — im Wesentlichen das, was du mit deiner Psy-Analogie sagen wolltest, richtig?
Guck’ mal in die Hitparade. Genau so funktioniert “Musik” heutzutage — mit dem logischen Schluss übrigens, dass das schrottige Zeug in den “Charts” auch das sein wird, was per Kulturflatrate am meisten “gesaugt” werden wird, und sei’s nur “aus Prinzip”. Damit wären die Künstler mit Anspruch auch weiterhin die Verlierer.
Ich behaupte, sie hat weit mehr bekommen als verdient. Aber das sind nun Erbsen, die zu zählen weit am Thema vorbeiführt. Also: Beliebtheit sollte für die Kulturflatrate das entscheidende Kriterium sein, mit dem Ergebnis, dass “unbekannte” Künstler auch weiterhin so gut wie nichts davon haben. “Illegale Downloads” kannst du ja schlecht messen — da bleibt als Kriterium also nur die öffentliche Zahl. Oder wie jetzt?
Die einzig faire Entlohnung wäre folglich: Jeder bekommt das gleiche. Da werden sich Simone Kaplan und Stephenie Meyer aber schön beharken.
Wir folgern: Es muss nicht nur eine Kulturflatrate her, sondern auch eine einheitliche (technische) Abrechnungsinfrastruktur, die dann natürlich auch finanzamtskompatibel sein muss. Ohweia. (Egal, wie sehr ich Pirat bin: Ich habe nicht auf alles die ultimative Antwort. Beruhigend, nicht?)
Der Spruch ist vielleicht platt, aber: 2011 haben sie uns alle noch paranoid genannt, heute sind sie sauer, weil wir Recht hatten.
Das ist richtig, und deswegen sollte man externe Sachen sowieso lokal spiegeln. (Weiterer nicht paranoider Vorteil: Du kannst davon ausgehen, dass auch in zehn Jahren kein “Bild nicht gefunden” irgendwo auf deiner Seite auftaucht.) Das Wir-speichern-nicht-Siegel musste ich mir auch hart erarbeiten.
Es ist schon vorgekommen, dass Kriminelle Domains übernommen und dann Schadcode in die Javascripts eingebaut haben. Das ist heutzutage ja so eine Art Freizeitsport für manche Kinder. Wenn ich die Wahl habe, meine Leser einem solchen Risiko auszusetzen oder “paranoid” zu sein, wähle ich die “Paranoia”. Aber hey — ich maße mir nicht an, für alle zu sprechen. Ich versuche nur meine Erkenntnisse zu teilen. Sie müssen nicht stimmen.
Nein, eben nicht. Deswegen muss das ja der Datenschützer machen.
Nein, eben nicht. Der ganze Kram wird erst anonymisiert, wenn er schon durch die Gegend gesendet wurde. Und auch das nur angeblich. Und das ist das Kernproblem.
Wenn ich auf eine Website gehe, hinterlasse ich dort Daten. So weit kann ich dir folgen. Wo ich aber widerspreche, ist: Wenn ich auf eine Website gehe, hinterlasse ich auf unzähligen Seiten gleichzeitig Daten, die Kriminellen (Facebook, Werbeindustrie) oder allgemein Datensammlern gehören können. So funktioniert der ganze Kram eben nicht zwangsweise. “Big Data” heißt, du gehst im Rauschen unter? “Big Data” hat “Big Filters”. Ich möchte nicht, dass Google weiß, wie viel Geld ich besitze, sozusagen. (Hier habe ich den Gedankengang mal erklärt.)
Ja, aber es geht die Verwertungsgesellschaft nichts an, was ich gern lese.
Findest du den Datenhandel mit der GEZ denn in Ordnung? Immerhin findest du es paranoid, wenn man ein Problem damit hat, wenn persönliche Daten über die eigene Person quer durch’s Netz geschickt werden. (Ja, meine Lesevorlieben sind in meinen Augen ebenso persönliche Daten wie meine Amazoneinkäufe, meine Suchanfragen und meine E‑Mails.) Ich halte die GEZ für einen Verbrecherverein, sehe aber nicht ein, wieso ich andere, gleichwertige Unternehmen deswegen nicht schlimm finden darf, wenn sie das gleiche Geschäftsmodell ausüben. Aber wir schweifen ein bisschen ab. Nicht schlimm, ich mag so was.
Die VG-Wort-Zählpixel sind doch jetzt — dank Dummyfiltern in Werbeblockern — schon alles andere als “relativ zuverlässig”. Ob die Leute nun einen Knopf für “nee, will ich nicht” oder eine Firefoxerweiterung für den gleichen Zweck nutzen — kommt das nicht auf’s Gleiche ‘raus?