Persönliches
Gedan­ken am Grab Albrecht Dürers (unvoll­stän­dig)

Woher nahm Dürer das Geld, sich hier in all der Pracht bestat­ten zu las­sen?

Ist es erstre­bens­wert, nach sei­nem Tod in einer prunk­voll ver­zier­ten und beschrif­te­ten Gruft dem Pil­ger­tum eine Stät­te zu bie­ten?

Wer war der Herr im nur mit „Adolf“ beschrif­te­ten Grab?

Möch­te ich im Alter mei­ne Sonn­tags damit ver­brin­gen, das Grab Toter zu pfle­gen?

Woher stammt der Toten­kult, was hält ihn am Leben?

Ist das Fami­li­en­grab eines Pfar­rers nicht ein selt­sa­mes Relikt?

Wür­de ich wol­len, dass man auf mei­ner Lei­che, gekreu­zigt oder nicht, ein Kreuz zwecks spä­te­rer Iden­ti­fi­ka­ti­on und, in Kon­se­quenz, etwa­iger Ver­eh­rung oder einen Baum pflanzt?

Was ist nach dem Tod noch wich­tig?

In den NachrichtenComputer
Face­book ver­kauft euch künf­tig auch nackt.

Nehmen Sie sich das Leben!Was hat der Welt, abge­se­hen von einem zünf­ti­gen Atom­krieg, denn noch gefehlt? Rich­tig:

Face­book will die Sex­ting-App Snap­chat für 3 Mil­li­ar­den US-Dol­lar kau­fen. (…) Der Begriff Sex­ting ist ein Kof­fer­wort, das sich aus Sex und Texting zusam­men­setzt und die pri­va­te Ver­brei­tung ero­ti­scher Auf­nah­men des eige­nes Kör­pers über MMS oder Instant Mes­sa­ging beschreibt.

Ich hat­te mich ja kurz gefragt, wie­so eine app, die nur dem Zweck der Ver­brei­tung nack­ter Lei­ber dient, Face­book 3 Mil­li­ar­den US-Dol­lar wert sein soll­te. Dann fiel es mir ein: Nack­te sel­fies schei­nen kein Nischen­phä­no­men zu sein, son­dern sind längst zum Hob­by avan­ciert. Wäre ich jetzt noch ein wenig zyni­scher, wür­de ich behaup­ten, dass es nur wenig beste Freun­din­nen gibt, die sich ein­an­der nicht stän­dig ihre Brü­ste prä­sen­tie­ren (irgend­ei­nen Grund muss es ja haben, dass sie bis weit in ihre Drei­ßi­ger hin­ein die Toi­let­te mit­ein­an­der tei­len), aber das wäre ver­mut­lich unfair. Es gibt ja auch Jungs, die sich selbst für so anzie­hend hal­ten, dass sie mit meist vor dem Bade­zim­mer­spie­gel im Eltern­haus foto­gra­fier­ten Fast­nackt­bil­dern um Inter­es­sen­tin­nen wer­ben. – Unser­eins hat so etwas ja nicht nötig.

Aber was hät­te Face­book davon? Ein­nah­men erzielt die­ses „Snap­chat“ nach mei­nem Kennt­nis­stand mit­nich­ten. Die ein­fach­ste Erklä­rung: Face­book, das schon jetzt Benut­zer­pro­fi­le für Wer­be­ma­te­ri­al hält, kann dann auf einen noch reich­hal­ti­ge­ren Benut­zer­da­ten­fun­dus zurück­grei­fen. Das Ange­bot könn­te deut­lich attrak­ti­ver gemacht wer­den, indem direkt in der Snap­chat-App eine Funk­ti­on „Tei­le die­ses Foto auf dei­ner Pinn­wand“ ver­füg­bar ist. So ler­nen die Jugend­li­chen dann auch, dass es kei­ne gute Idee ist, mit den eige­nen Eltern auf Face­book befreun­det zu sein. Außer­dem hät­te sich für Face­book dann die müßi­ge Dis­kus­si­on über Pri­vat­sphä­ren­ein­stel­lun­gen end­lich erle­digt.

Der Kauf tät‘ mich wohl schon amü­sie­ren.

(via Nacht­wäch­ter)

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Frau­en­trä­nen

Die hie­si­ge Tages­zei­tung berich­tet schon heu­te über aller­lei Aktio­nen zum „Inter­na­tio­na­len Tag für Frau­en­rech­te“ (offi­zi­ell: „Inter­na­tio­na­ler Tag zur Besei­ti­gung von Gewalt gegen Frau­en“) am 25. Novem­ber 2013. Als eye­cat­cher im Arti­kel dient ein Bild von einer wei­nen­den Frau, wohl (ich habe das nur über­flo­gen) aus einem Thea­ter­stück.

Frau­en­trä­nen näm­lich sei­en etwas, was es zu ver­mei­den gel­te. Wir nor­ma­len Men­schen wür­den sagen, das habe den Grund, dass es sowie­so immer und grund­sätz­lich ver­kehrt sei, ande­ren Men­schen psy­chi­sches Leid zuzu­fü­gen, aber wie bekannt sein dürf­te, ist nicht jeder Mensch ein nor­ma­ler sol­cher, und so gibt es ganz offen­bar auch Trä­nen, über die man lachen kann. Beson­ders leicht zu belu­sti­gen ist offen­bar Jas­na „Faser­pi­ra­tin“ Strick (das war die hier), die ange­sichts von Trä­nen nicht etwa Mit­leid, son­dern Hoch­mut emp­fin­det:

Män­ner­trä­nen sind mein Gum­mi­bä­ren­saft.

Ein jeder schöp­fe Kraft aus sei­nem eig’nen Saft.

Die Poin­te? Zu lachen gibt es eher nichts. Aber da es um Rech­te geht: Das Recht, mich über das jewei­li­ge Leid von Ange­hö­ri­gen des ande­ren Geschlechts lustig zu machen, weil sie nicht mei­nem selbst­re­dend vor jeg­li­cher psy­chi­schen Pein („Gewalt“) zu beschüt­zen­den Geschlecht ange­hö­ren, und dafür nicht etwa Buh­ru­fe, son­dern man­nig­fal­ti­gen Applaus zu ern­ten, hät­te ich auch gern mal.

Es ist ja nicht alles schlecht im Femi­nis­mus. Das ist ein biss­chen wie mit der Reli­gi­on: Ohne die gläu­bi­gen Katho­li­ken wäre die katho­li­sche Kir­che echt eine pri­ma Idee.


Ein Fund­stück zum The­ma: In Ham­burg sol­len Män­ner bevor­zugt auf eine Pro­fes­sur beru­fen wer­den, wenn ihr Geschlecht an einer Fakul­tät unter­re­prä­sen­tiert ist.

Die Lan­des­kon­fe­renz der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten (LaKoG) ist strikt dage­gen. (…) Da es eine nach­ge­wie­se­ne Benach­tei­li­gung von Frau­en, nicht aber von Män­nern gebe, hält die LaKoG es für frag­lich, ob deren För­de­rung mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist.

Kennt ihr das, wenn euch zu etwas, was ihr lest oder hört, nur noch drei Punk­te („…“) ein­fal­len?

Dies ist so ein Moment.

PolitikIn den NachrichtenNerdkrams
Das „D“ in „DSL“ steht für Deutsch­land.

Oh, Twit­ter regt sich gera­de auf. Der Anlass? Aus­nahms­wei­se mal was mit Com­pu­tern:

Die Deut­sche Tele­kom will auf ver­schie­de­ne Wei­se die Sicher­heit im Netz erhö­hen. Neben einem spe­zi­el­len Ange­bot für Unter­neh­men ist auch ein inner­deut­scher Inter­net­ver­kehr in Vor­be­rei­tung.

…, was nach der NSA-Sache natür­lich ein an sich ver­ständ­li­cher Schritt ist. Nun gibt es offen­bar Leu­te, denen es gar nicht undeutsch genug sein kann, und auch Mario Six­tus zieht die Nach­richt auf eine selt­sa­me Ebe­ne:

Nicht das Inter­net ist (sic!) muss man repa­rie­ren, son­dern das Kon­zept Natio­nal­staat.

Hübsch, aber The­ma ver­fehlt. Dass Mario Six­tus auf einen kon­struk­ti­ven Vor­schlag, was der Natio­nal­staat künf­tig bes­ser machen soll­te, ver­zich­tet, ist selbst­re­dend sei­ne eige­ne Ent­schei­dung; wer „gegen“ etwas ist, muss ja nicht auto­ma­tisch „für“ irgend­et­was ande­res sein. „x ist schei­ße!“ ist eben eine grif­fi­ge Paro­le, die man auch betrun­ken grö­len kann (des­we­gen sind die Paro­len „Nazis raus!“ und „Atom­kraft nein dan­ke!“ ver­mut­lich auch so beliebt; „raus aus wo und rein wohin?“ into­nier­te einst Schorsch Kame­run von den Gol­de­nen Zitro­nen), denn wer dann noch nach der Lösung y fragt, der ist kein Dis­kus­si­ons­part­ner mehr, son­dern poli­ti­scher Geg­ner. „Natio­nal“ ist anschei­nend auch so ein Wort, das die dunk­len Sei­ten mensch­li­cher Idea­le zum Vor­schein bringt.

Das Kon­zept Natio­nal­staat hat mit dem Inter­net aller­dings erst mal nicht viel zu tun. Was die Tele­kom hier wohl meint, ist ein Rou­ting über Ser­ver, die in den Gren­zen deut­scher Juris­dik­ti­on ste­hen:

Die tech­ni­schen Vor­be­rei­tun­gen sei­en weni­ger auf­wen­dig als zunächst gedacht. Somit könn­te der inner­deut­sche Inter­net­ver­kehr künf­tig auch allein über rein deut­sche Lei­tun­gen abge­wickelt wer­den.

Was klingt wie die bekann­te Sze­ne aus dem Aste­rix-Band „Das Geschenk Cäsars“ (ich habe nichts gegen Daten, eini­ge mei­ner besten Freun­de sind Daten; aber die­se Daten da, die sind nicht von hier!), ist zumin­dest nett gemeint. Die Idee dahin­ter: Daten, die über unse­re eige­nen Ser­ver lau­fen, kön­nen aus­län­di­sche Dien­ste weni­ger leicht mit­schnei­den als Daten, die wir ihnen qua­si auf dem Prä­sen­tier­tel­ler vor­le­gen. Bun­des­pu­del Fried­rich hat auch schon eine tol­le Ergän­zung vor­ge­schla­gen:

Im Lau­fe der Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen hat­te der amtie­ren­de Bun­des­in­nen­mi­ni­ster Hans-Peter Fried­rich (CSU) bereits einen regio­na­len E‑Mail-Ver­kehr ins Spiel gebracht, der gesetz­lich vor­ge­schrie­ben wer­den soll­te.

Regio­na­ler Mail­ver­kehr lie­ße sich ja zum Bei­spiel schon umset­zen, indem man sich ein­fach einen Mail­ser­ver auf ’nem im Inland gemie­te­ten System ein­rich­tet, aber ich befürch­te, Hans-Peter Fried­rich steht der Sinn viel­mehr nach der chro­nisch defek­ten „E‑Mail Made in Ger­ma­ny“ – natür­lich mit aus­län­di­schem Mot­to – oder wie auch immer man das hin­ter­her nen­nen möch­te.

Das geplan­te System sol­le, so heißt es, Teil eines Gesamt­kon­zepts wer­den, des­sen Zweck es sei, NSA, GCHQ und so wei­ter aus­zu­sper­ren:

Um Hin­ter­tü­ren aus­zu­schlie­ßen, stam­men dem­nach sen­si­ble Kom­po­nen­ten vom Inter­net­rou­ter bis zum Cloud Com­pu­ting von deut­schen Anbie­tern, die nicht mit aus­län­di­schen Geheim­dien­sten koope­rie­ren.

Von deut­schen Geheim­dien­sten und Behör­den fällt kein Wort, was wenig über­rascht, bedenkt man, dass Hans-Peter Fried­rich noch vor weni­gen Jah­ren vor­nehm­lich als Ver­fech­ter des Ein­sat­zes von Schad­soft­ware sei­tens deut­scher Kri­mi­nal­be­am­ter gegen deut­sche Bür­ger die Titel­sei­ten von Nach­rich­ten­ma­ga­zi­nen aller Art geschmückt hat. Klar, dass man sich von so einem Typen – ich möch­te noch­mals das mit dem Aus­dem­amt­ja­gen vor­schla­gen – sei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on stan­dar­di­sie­ren las­sen möch­te, oder?

Zurück zum The­ma: Die Tele­kom möch­te also künf­tig so weni­ge Daten wie mög­lich unnö­ti­ger­wei­se durch’s Aus­land trans­por­tie­ren. Das ist, wie schon erwähnt, grund­sätz­lich lobens­wert, aber es wird am Benut­zer schei­tern. Deut­sche Lei­tun­gen hin und/oder her: So lan­ge Face­book, Goog­le, Micro­soft und Apple ihre clouds von Ame­ri­ka aus betrei­ben, opfert die viel­zi­tier­te Oma Lies­chen lie­ber ihre digi­ta­le Mün­dig­keit als sich mit so Com­pu­ter­kram zu beschäf­ti­gen. Die quell­of­fe­nen Lösun­gen wie Dia­spo­ra*, own­Cloud und Round­cu­be Mail ste­hen für die Gene­ra­ti­on „Haupt­sa­che schnell“ in kei­nem prak­ti­ka­blen Kosten-Nut­zen-Ver­hält­nis.

„Alle mei­ne Freun­de sind auf Face­book“, was man eben so „Freun­de“ nennt, und das deut­sche Inter­net hat dafür auch kei­ne Lösung. Wie kann man es bes­ser machen? Nun, zum Bei­spiel, indem man nicht die Sym­pto­me, son­dern die Ursa­che an der Wur­zel bekämpft: Auf diplo­ma­ti­sche Bezie­hun­gen mit dem Schur­ken­staat USA kann Deutsch­land gut und gern ver­zich­ten. Wir haben kei­ne bil­li­gen Roh­stof­fe, für die sich eine Bom­bar­die­rung loh­nen wür­de.

Aber wer kauft uns dann die Pan­zer ab?

Wirtschaft
End­lich: Das Kli­ma­pro­blem ist gelöst!

Im Zuge der so genann­ten „Ener­gie­wen­de“ (wo doch schon die letz­te „Wen­de“ uns immer noch teu­er zu ste­hen kommt) wett­ei­fern deut­sche Unter­neh­men momen­tan dar­um, das grün­ste aller Unter­neh­men zu sein, den Schad­stoff­aus­stoß also auf ein Mini­mum redu­ziert zu haben. Vorn mit dabei sind natür­lich Per­so­nen­trans­port­kon­zer­ne wie die Deut­sche Bahn und die MFB Mein­Fern­bus GmbH.

Dabei hat sich in letz­ter Zeit die merk­wür­di­ge Ansicht durch­ge­setzt, dass sich ein Fahr­gast von dem Schad­stoff­aus­stoß, den er als Teil der Pas­sa­gier­grup­pe zu ver­ant­wor­ten hat, qua­si frei­kau­fen kann; nicht unähn­lich dem Han­del mit Ablass­brie­fen, qua­si der Annul­lie­rung von Sün­den mit­tels Gel­des, wie es vor ein paar Jahr­hun­der­ten üblich war. Das Ver­fah­ren nennt sich aller­dings inzwi­schen, weit weni­ger reli­gi­ös, Kli­ma­kom­pen­sa­ti­on:

Der Trans­fer der Kom­pen­sa­ti­ons­zah­lung zum Kli­ma­schutz-Pro­jekt wird mit soge­nann­ten Zer­ti­fi­ka­ten gesteu­ert. (…) Wer Geld für ein Kli­ma­schutz­pro­jekt gibt, erwirbt sol­che Zer­ti­fi­ka­te. Der Vor­teil die­ses Prin­zips ist es, dass Emis­sio­nen dort ein­ge­spart wer­den, wo es wirt­schaft­lich am gün­stig­sten umsetz­bar ist.

Kli­ma­schutz klingt immer spit­ze, Ahnung muss man sowie­so nicht haben, bereits die blo­ße Aus­sa­ge „wir sind ein grü­nes Unter­neh­men“ ver­ur­sacht bei gläu­bi­gen Zuhö­rern feuch­te Jute­hös­chen, und so wirbt zum Bei­spiel auch die MFB Mein­Fern­bus GmbH für die­se „Zer­ti­fi­ka­te“:

Zusätz­lich kön­nen Sie als Fahr­gast die durch Ihre Fahrt ent­ste­hen­den CO2-Emis­sio­nen (sic!) mit einem indi­vi­du­ell berech­ne­ten Betrag kom­pen­sie­ren und so voll­stän­dig kli­ma­neu­tral sein.

Mit dem ein­ge­gan­ge­nen Betrag wird dann nicht etwa das Ozon­loch zugeta­ckert, son­dern er wan­dert zur mycli­ma­te Deutsch­land gGmbH, die ihn dann in irgend­wel­che Umwelt­pro­jek­te in Ent­wick­lungs- und Schwel­len­län­dern (viel­leicht Grie­chen­land) inve­stiert, wodurch in Deutsch­land zwar immer noch die Bäu­me ein­ge­hen, aber wenig­stens die Wüste wie­der blü­hen kann. Finan­ziert wer­den, so prahlt man auf der Web­site, etwa Bio­gas­an­la­gen in Indi­en.

Bio­gas­an­la­gen, den Leser mag’s inter­es­sie­ren, sind men­schen­ge­mach­te Maschi­nen, die Gemü­se (oder Kuh­dung, sie­he Nach­trag) in Ener­gie umwan­deln und dabei nicht nur vie­le Vogel­ar­ten gefähr­den, son­dern die Koh­len­stoff­di­oxid­bi­lanz oben­drein nicht unbe­dingt ver­bes­sern:

Wird Wei­de­land umge­pflügt zum Mais­acker, dann ent­hält der Boden zunächst viel Humus. Der dar­in gespei­cher­te Koh­len­stoff ver­wan­delt sich durch ver­stärk­ten Luft­kon­takt in CO2. Je nach Boden­typ kön­nen die­se Emis­sio­nen so hoch sein, dass man jah­re­lang Bio­en­er­gie­pflan­zen dar­auf anbau­en muss, um allein die­sen Kli­ma­ef­fekt aus­zu­glei­chen.

Aber ’s ist eben grün. Da fragt kei­ner nach dem Wie und War­um und jeder zahlt gern etwas mehr für ein rei­nes Gewis­sen.

Wie damals bei den Ablass­brie­fen.

Ich bin Super­man und Bat­man und Spin­ne
und Hulk, aber schö­ner, ha! und grü­ner sowie­so!
Ich bin grün und rot!
Die Ärz­te: Ich bin reich


Nach­trag: Kai Land­wehr von mycli­ma­te erklärt in den Kom­men­ta­ren (hier unten drun­ter) den Unter­schied zwi­schen Mais- und Kuh­dung-Bio­gas­an­la­gen. Inter­es­sen­ten mögen dies zur Kennt­nis neh­men.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Zün­dung!

Die­ser „Live-Fan­block“ von „SPIEGEL ONLINE“, der zu einem Fuß­ball­ticker jeweils aktu­el­le Tweets zum Spiel anzeigt, hat ja schon sei­ne inter­es­san­ten Momen­te.

Zündung!

One, two, three, fire! (Hey, hey, hey!)
Scoo­ter: Fire

In den Nachrichten
Schuld und Söh­ne

Neh­men wir mal an, ihr wärt aus irgend­wel­chen wid­ri­gen Umstän­den her­aus für Recht und Ord­nung in Hal­le und Umge­bung zustän­dig und fol­gen­der Fall wür­de euch zuge­tra­gen: Eine Mut­ter miss­braucht ihren drei­zehn­jäh­ri­gen Sohn sexu­ell und zeich­net die­sen Vor­gang auf, weil sie von einer Inter­net­be­kannt­schaft (männ­lich) dar­um gebe­ten wur­de.

Wie wür­det ihr ent­schei­den?

Rich­tig: Gefäng­nis für den Mann, Bewäh­rung für die Mut­ter. Recht muss eben Recht blei­ben.

Der Sohn braucht sei­ne Mut­ter wahr­schein­lich noch.

PersönlichesPiratenpartei
Die Drei von der Süd­deut­schen und ich (Teil 1)

(Vor­be­mer­kung: Die Geschich­te mit der Süd­deut­schen Zei­tung scheint doch noch nicht vor­über zu sein. Ich pro­to­kol­lie­re das hier mal. Wenn ihr die Erst­fas­sung die­ses Tex­tes schon auf Twit­ter oder Dia­spo­ra oder im IRC gele­sen habt: Es geht noch wei­ter. Und ja, ich bin auch im „real life“ so ein komi­scher Kauz wie hier.)


Diens­tag

„Poli­tik­leh­re kosten­los? :D“

Ich ging heu­te durch Braun­schweig (also durch den dor­ti­gen Bahn­hof). Dort traf ich, nicht sehr über­rascht, auf die übli­chen drei Süd­deut­sche-Zei­tung-Ver­kaufs­stu­den­ten (ein Dun­kel­häu­ti­ger unbe­kann­ter Abstam­mung, eine Quo­ten­frau und ein Typ ohne beson­ders her­vor­ste­chen­de Eigen­schaf­ten). Sie mach­ten dies­mal den Feh­ler, mich anzu­spre­chen. „Süd­deut­sche kosten­los? :D“. Men­schen, die Grins-Emo­ti­cons qua­si mit­spre­chen, sind mir ja grund­sätz­lich suspekt.

Ich sah auf die Uhr, ich hat­te noch etwas Zeit, und sprach: „Wie vie­le Argu­men­te dage­gen braucht ihr?“. Der Typ ent­geg­ne­te sie­ges­si­cher: „Ich wider­le­ge alle :D“. Ich ant­wor­te­te schlicht: „Lei­stungs­schutz­recht?“.

Die drei blick­ten mich fra­gend an. Offen­bar waren sie nicht damit ver­traut, dass so ein Zei­tungs­ver­lag auch noch etwas ande­res macht als die Zeit von Stu­den­ten zu ver­schwen­den.

Es ergab sich ein Gespräch, in dem ich erklär­te, dass mich das The­ma vor allem als „Blog­ger“ inter­es­siert, was, Pira­ten­par­tei – der Anstecker fiel jeden­falls der Frau auf – hin oder her, ja nicht ein­mal gelo­gen war. „Aber die Geset­ze sind halt so“ war der ein­zi­ge zag­haf­te Ver­such der drei, mich davon zu über­zeu­gen, mir doch trotz­dem die Süd­deut­sche Zei­tung zu kau­fen. Wenn die Welt schon schei­ße ist, dann wenig­stens noch ’ne schlech­te Zei­tung dazu, um das auch so rich­tig genie­ßen zu kön­nen.

Kei­ne fünf Minu­ten spä­ter war es drei Süd­deut­sche-Zei­tung-Ver­kaufs­stu­den­ten sicht­lich unan­ge­nehm, wofür sie da gera­de Wer­bung mach­ten.

Wenn ihr sol­chen Ver­tre­tern begeg­net, wür­digt sie nicht kei­nes Blickes, son­dern redet mit ihnen. Die Welt wird kei­ne bes­se­re dadurch, dass die Wis­sen­den unter sich blei­ben. Jeden Tag eine gute Tat.


Mitt­woch

„Come for the lulz, stay for the pira­tes.“

Mich erwar­te­ten heu­te im Bahn­hof zwei der drei „Süd­deut­schen“. Ich war wohl doch weni­ger über­zeu­gend als erhofft. Immer­hin war der Typ mit dem gespro­che­nen Grin­sen dies­mal nicht dabei. Wäh­rend sich der Dun­kel­häu­ti­ge poten­zi­el­ler Kund­schaft wid­me­te, bat mich die Frau mit schwä­bi­schem Dia­lekt, ihr mei­nen gest­ri­gen Vor­trag noch ein­mal zu hal­ten – sie habe nicht zuge­hört. Dar­auf war ich nicht vor­be­rei­tet. Von mei­nem anschlie­ßend impro­vi­sier­ten Refe­rat schien sie den­noch beein­druckt, aber das heißt ja nichts, wie ich seit heu­te weiß.

Ich nutz­te die Gele­gen­heit, um mich aus­führ­lich dar­über zu wun­dern, wie­so man als Mensch Mit­te 20 denn aus dem Süden nach aus­ge­rech­net Braun­schweig geschickt wer­de, um eine Zei­tung in einem Bahn­hof zu bewer­ben. Na ja, es brin­ge eben Geld, aber sie wer­de, wenn ihr Enga­ge­ment für die Süd­deut­sche Zei­tung vor­über sei, nie wie­der pro­mo­ti­on für eine Zei­tung machen. Über die Ursa­chen blieb ich im Unkla­ren; viel­leicht ver­bie­tet es ihr der Arbeits­ver­trag, sie zu äußern.

Mitt­ler­wei­le waren vie­le Leu­te in wei­tem Bogen beschleu­nig­ten Schrit­tes um den Stand her­um­ge­gan­gen, wie es Men­schen eben so machen, die nicht unhöf­lich wir­ken wol­len. Das müss­te ich eigent­lich auch mal aus­pro­bie­ren: Wenn ich in einer beleb­ten Innen­stadt gern mei­ne Ruhe hät­te, ein­fach „ent­schul­di­gen Sie…“ rufen. Ich berich­te bei Erfolg.

Aber zurück zu der Frau von der „Süd­deut­schen“, die sich inzwi­schen laut­hals kichernd hin­ter ihrem Stand krümm­te (ich hof­fe instän­dig, dass das an mei­nem Charme und nicht an mei­ner lusti­gen Nase lag): Da man sich, so ihre Argu­men­ta­ti­on, ja nun schon ken­ne, hal­te sie es für ange­bracht, unse­re Namen ein­an­der preis­zu­ge­ben, und woll­te, mit Blick auf das Pira­ten­em­blem auf mei­ner Jacke, wis­sen, ob ich denn „bei den Pira­ten so rich­tig aktiv“ sei. Nee, log ich, sei ich nicht, auf Par­tei­ta­ge gin­ge ich den­noch des Öfte­ren, aber das kön­ne auch an mei­nem Humor lie­gen. Ob sie denn mal mit­kom­men kön­ne, also mit mir, woll­te sie wis­sen. Ich­so: „Ein Pirat in weib­li­cher Beglei­tung? Und dann auch noch einer ein­zi­gen und nicht min­de­stens drei von ihnen?“ Wie­der krin­gel­te sie sich vor Lachen. Sie schien mit den Gepflo­gen­hei­ten in der Pira­ten­par­tei nicht ver­traut zu sein. Sie muss­te noch viel ler­nen.

Den Spieß jeden­falls konn­te ich umdre­hen: Statt mir irgend­ei­ne Ver­schwen­dung von Drucker­far­be auf­zu­hal­sen, bat sie mich nun dar­um, ihr Pira­ten-mer­chan­di­sing zukom­men zu las­sen („oh, krieg ich auch so einen Anstecker?“). Zum Glück gehe ich nur sel­ten ohne sol­ches aus dem Haus. Also: Mei­det die­se Men­schen nicht, son­dern nutzt die Gele­gen­heit, um sie mit ihren eige­nen Waf­fen zu schla­gen. Ihr könnt eigent­lich nur gewin­nen.

Bevor ich ging, frag­te ich, wie oft die­se Grup­pe denn noch in Braun­schweig zu fin­den sei. Min­de­stens bis Diens­tag, so wur­de mir gesagt, wür­den sie noch an gewohn­ter Stel­le um Kun­den wer­ben. Unser näch­stes Auf­ein­an­der­tref­fen wird also vor­aus­sicht­lich am Frei­tag statt­fin­den. Ich soll­te dann womög­lich mehr Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al der Pira­ten­par­tei mit­neh­men. Je mehr Zeit die armen See­len damit ver­brin­gen, sich um Innen­po­li­tik zu sche­ren, desto weni­ger Men­schen dre­hen sie eine LSR-Zei­tung an.

Das wird ein Spaß.


Nach­trag, Frei­tag: Es ist nichts pas­siert.

PolitikIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Die Gasch­ke, die Mina und das Patri­ar­chat.

Susan­ne Gasch­kes (SPD) Ver­such, sich – ihr habt es sicher mit­be­kom­men – auf­grund ihres Qua­sir­aus­wurfs als Kie­ler Ober­bür­ger­mei­ste­rin als Opfer einer patri­ar­chi­schen Struk­tur zu gebär­den, war nur mäßig erfolg­reich.

Schon bes­ser hat es Yas­mi­na Banaszc­zuk (Eigen­be­zeich­nung: „Frau für Din­gens und Gedöns“) gemacht, deren Aus­tritt aus (wie­der­um) der SPD auf Twit­ter nicht etwa hämisch beju­belt, son­dern als kon­se­quen­ter Schritt gelobt wur­de. Viel­leicht ist sie ein­fach nied­li­cher als Susan­ne Gasch­ke. Dabei sieht auch sie sich als Opfer des Patri­ar­chats:

Die­ses System von Par­tei­vor­sit­zen­den, die sich von jun­gen Frau­en so bedroht füh­len, dass sie ihnen ein­fach pau­schal unter­stel­len, dass sie kei­ne Ahnung von poli­ti­schen Pro­zes­sen im All­ge­mei­nen hät­ten (und so wei­ter und so fort, A.d.V.).

’s ist ja auch frech, wenn die SPD ihr nicht ein­fach irgend­wel­che Beauf­tra­gun­gen und son­sti­ge Annehm­lich­kei­ten schenkt (Her­vor­he­bung von mir):

Ich wür­de ger­ne irgend­wann in die Par­tei zurück kom­men, wenn es denn Hoff­nung auf wah­ren Ein­fluss gäbe und dar­auf, dass sich irgend­et­was ändern wür­de.

Das liegt sicher nur an den Männern!!1

Heu­te in Ihrer TL: jun­ge gut ver­netz­te Män­ner geben Tipps, wie man in der SPD erfolg­reich wird

Immer die­se Frau­en­quo­ten­par­tei­en mit ihrem Sexis­mus! (Sicher nicht zufäl­lig äußert sich Frau Banaszc­zuk in ihrem Jam­mer­text nur am Ran­de zu Den­nis Mor­hardt, der, wie sie immer­hin selbst zugibt, auch nicht wesent­lich weni­ger Arbeit und Lebens­zeit in die Par­tei gesteckt hat als sie. Der ist näm­lich auch kein hohes Tier in der SPD gewor­den, obwohl er gar kei­ne Frau ist.)

Julia See­li­ger (Grü­ne, oh the iro­ny) fasst tref­fend zusam­men:

Fühlt sich Sig­mar Gabri­el tat­säch­lich bedroht von jun­gen Frau­en aus dem Inter­net? Wohl kaum. Und damit hat er recht. Ist ziem­lich arsch­loch­haft, hier die Geschlech­ter­kar­te zu zie­hen, wo doch gar kei­ne not­wen­dig ist. Aber klar: Yas­mi­na könn­te mit die­sem popu­li­sti­schen Gepö­bel gut Juso-Vor­sit­zen­de wer­den.

Yas­mi­na Banaszc­zuk schloss ihren Arti­kel mit einem Ver­spre­chen:

Wenn eine ande­re Par­tei eine ernst­haf­te Opti­on wäre, wäre ich dort schon längst.

Da haben wir Pira­ten noch mal Glück gehabt.

NetzfundstückeMontagsmusik
Tra­cer – Too Much

Am kom­men­den Sonn­abend, dem 9. Novem­ber 2013, ist die Reichs­kri­stall­nacht genau 75 Jah­re her. Wer an dem Tag jeden­falls abends noch nichts vor hat, den lädt der Sau­na-Well­ness­park namens „Kri­stall“ zu einem ent­spann­ten Erleb­nis ein, näm­lich Roman­tik zu Feu­er­schein:

Kristall-Nacht

Ich neh­me ja an, dort wird es weni­ger heiß her­ge­hen als pro­phe­zeit. (Nach­trag von 12:53 Uhr: Sie haben es bemerkt. Scha­de.)

Viel hei­ßer: Rock. Zum Bei­spiel von Tra­cer.

Tra­cer – Too Much music video

Guten Mor­gen!

PolitikIn den Nachrichten
Über­ra­schung: Geheim­dien­ste ope­rier­ten im Gehei­men!

Die Bun­des­re­gie­rung löst dann mal das Spio­na­ge­pro­blem:

Die Bun­des­re­gie­rung will von der US-Regie­rung eine Zusi­che­rung, dass ame­ri­ka­ni­sche Geheim­dien­ste künf­tig nicht mehr ohne Erlaub­nis auf deut­schem Boden tech­ni­sche Auf­klä­rung betrei­ben.

(Her­vor­he­bung von mir; E‑Mails von deut­schen Bür­gern dür­fen also künf­tig nur noch im Aus­land abge­fan­gen wer­den. Gut gemacht!)

Was man für die­se Erlaub­nis tun muss, ist nicht bekannt; wahr­schein­lich wird es genü­gen, vor Ter­ror zu war­nen. „Hal­lo, wir sind von der NSA, und die Ter­ro­ri­sten wol­len…“, und wenn sie’s halt not­falls sel­ber sind. Tun sie es nicht, dann tun sie es nicht. Bei Zuwi­der­hand­lung ist Frau Mer­kel jedoch sicher­lich empört.

Nach einer sol­chen Zusi­che­rung dürf­te die NSA in Deutsch­land nicht mehr mit moder­ner Lausch­tech­nik abhö­ren.

Muss ja auch nicht – die alte Lausch­tech­nik funk­tio­niert ja auch immer noch. Immer­hin wird auf die wirk­lich wich­ti­gen Aspek­te aus­drück­lich Rück­sicht genom­men:

Teil des bila­te­ra­len Abkom­mens soll auch eine gegen­sei­ti­ge Zusi­che­rung sein, nicht den jewei­li­gen Regie­rungs­chef zu über­wa­chen.

Die schwam­mi­ge „Zusi­che­rung“ ist natür­lich auch put­zig aus­ge­drückt. Und: Den Rest der Leu­te halt schon.

Aber wahr­schein­lich mache ich mir zu vie­le Gedan­ken. Wenn es aus­län­di­schen Spio­nen aus­drück­lich ver­bo­ten ist, in ande­ren Län­dern zu spio­nie­ren, dann liegt es nahe, die­se „Schei­ße“ (Ronald Pofalla, ande­rer Zusam­men­hang) ein für alle­mal für been­det zu erklä­ren. So ein­fach ist das!

Eigent­lich soll­te die Bun­des­re­gie­rung noch viel mehr schlim­me Din­ge ver­bie­ten, zum Bei­spiel Mord und Dieb­stahl. Dann hört das sicher­lich auch auf.

Netzfundstücke
Mpiep­tee

Wenig­stens haben bei all dem Wahn­sinn in den Nach­rich­ten ein paar Leu­te noch den Über­blick behal­ten und wis­sen, wo die wirk­lich wich­ti­gen Pro­ble­me lie­gen:

im tee­la­den „cali­ban“ frank­fur­ter allee (fhain, ber­lin) hat­ten se ne tee­sor­te „M*kopf“. ich hab d. ange­spro­chen (erfolg­los) noch wer bock?

Gemeint ist natür­lich „Moh­ren­kopf“, ein Wort, das man als auf­rech­ter Lin­ker natür­lich nicht schrei­ben darf, auch nicht als Zitat, und wer es trotz­dem tut, der ist min­de­stens ein Ver­harm­lo­ser des Holo­causts oder was eben gera­de so in ist im rotie­ren­den Belei­di­gungs­fun­dus der Sprach­welt­ver­bes­se­rer. (Ich wür­de ja gern mal einen von ihnen zum Bäcker beglei­ten. „Hal­lo, ich hät­te gern einen… äh… einen schö­nen Tag noch!“)

Moh­ren­kopf­tee, dies sei kurz erläu­tert, ist – hihi, haha, hoho – ein Schwarz­tee, der geschmack­lich wohl an die gleich­na­mi­ge Süß­spei­se erin­nern soll. Dass der Tee so heißt, hat also eher mit dem Gebäck als mit dem dun­kel­häu­ti­gen Zeit­ge­nos­sen unkla­rer aktu­ell zu bevor­zu­gen­der Fremd­be­zeich­nung zu tun, besag­tes Tee­ge­schäft („Cali­ban“) des­halb nun zu behel­li­gen hal­te ich für nicht ziel­füh­rend. Erschießt den Boten! Dass der Name „Moh­ren­kopf“ unge­fähr so viel mit Ras­sis­mus zu tun hat wie der Name „Schwar­zer“ (i.e. Ali­ce), könn­te zwar eine beden­kens­wer­te Infor­ma­ti­on sein, aber der deut­sche Michel empört sich eben gern.

Die Fra­ge „Noch wer Bock?“ ist inso­fern auch eine recht inter­es­san­te. Wie läuft das empör­te „Anspre­chen“ dann eigent­lich ab – zahl­rei­che smart­phone­be­wehr­te Twit­te­rer scha­ren sich um das Geschäft und ver­lan­gen eine Umbe­nen­nung oder sor­ti­ments­wei­ter Ent­fer­nung besag­ten Tees und wer­fen bei Zuwi­der­hand­lung und/oder Nicht­be­ach­tung Toma­ten und/oder Eier ans Ein­gangs­por­tal? So ähn­lich läuft das doch bei Kla­mot­ten­lä­den ab, sofern mich ent­spre­chen­de Berich­te in den Medi­en nicht völ­lig fehl­in­for­mier­ten. (Ich neh­me an, ein Auf­ruf zum gleich­zei­ti­gen Boy­kott von Ama­zon ist auch bereits im Inter­net zu fin­den.) „Nie wie­der darf etwas Lecke­res einen poli­tisch nicht kor­rek­ten Namen tra­gen.“

Ein Moh­ren­kopf ist – in man­chen Regio­nen viel­leicht anders bezeich­net – ein Gebäck, das mehr oder weni­ger wie ein Kopf geformt und mit Pud­ding gefüllt ist. Ich über­le­ge gera­de, wor­an mich das erin­nert.

PersönlichesPolitikIn den NachrichtenWirtschaft
Ope­riert, ver­stimmt und plei­te.

Zunächst die Wirt­schafts­nach­rich­ten: Das Finanz­mi­ni­ste­ri­um der USA (das waren die hier) hat end­lich den Schul­di­gen am ver­kork­sten Welt­wirt­schafts­sy­stem gefun­den – Deutsch­land.


Die Gazet­ten die­ses Lan­des berich­ten heu­te zwar nur wenig über so über­flüs­si­gen Käse wie das Wirt­schafts­sy­stem (dem geht’s doch gut, sofern man zum Bei­spiel in der Schweiz wohnt), dafür aber zahl­reich über Gina-Lisa Loh­fink. Sel­bi­ge ist – ich muss­te das jetzt glück­li­cher­wei­se recher­chie­ren – erst als Teil­neh­me­rin der abscheu­li­chen Serie „Germany’s Next Top­mo­del“ (Platz 12), dann als Dar­stel­le­rin in irgend­ei­nem omi­nö­sen Erwach­se­nen­film bekannt gewor­den; heu­te ist sie, wie es heißt, trotz­dem irgend­ein „Top­mo­del“, was wie­der ein­mal belegt, dass man für die­sen Beruf nicht son­der­lich gut aus­se­hen muss.

Dabei ist sie, dies ver­kün­den die Nach­rich­ten, beschei­den geblie­ben:

(…) ich bin echt – bis auf mei­ne Brü­ste, okay.

Und bis auf den über­wie­gen­den Rest des Ober­kör­pers, aber so genau müs­sen wir das ja jetzt nicht neh­men. Jour­na­lis­mus in Deutsch­land (auch): Eigen­lob irgend­wel­cher ehe­mals mit­tel­mä­ßig „Pro­mi­nen­ter“ unhin­ter­fragt in die Klatsch­spal­ten schmie­ren. Dass sie echt ist, ist anson­sten natür­lich erwäh­nens­wert. Manch­mal möch­te man es lie­ber nicht glau­ben.

Ich weiß nun (eben­falls glück­li­cher­wei­se) nicht, was für eine Stim­me Frau Loh­fink hat, aber es fällt mir nicht leicht, mir obi­ges Zitat in einer ande­ren Ton­la­ge als kurz­at­mi­gem Piep­sen vor­zu­stel­len. Dazu stel­le ich mir das Gefuch­tel vor, das die Mäd­chen heut­zu­ta­ge offen­bar von US-ame­ri­ka­ni­schen Pop­stern­chen abge­schaut haben, und mein Bild von Gina-Lisa Loh­fink ist per­fekt.

War­um kurz­at­mi­ges Piep­sen? Nun, als jemand, der auch wegen der mensch­li­chen Kata­stro­phen, die dort statt­fin­den, mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln fährt, habe ich in letz­ter Zeit häu­fi­ger bemerkt, dass jun­ge Mäd­chen, die bei­sam­men sit­zen und pau­sen­los plap­pernd über ihre Freun­din­nen lästern, zwecks Imi­ta­ti­on der­sel­ben ihre Stim­me meh­re­re Okta­ven höher schrau­ben, sofern ihnen das mög­lich ist. Die Absur­di­tät der Situa­ti­on, dass Mäd­chen mit Pieps­stim­me eine noch piep­si­ge­re Stim­me anneh­men, um Zita­te unlieb­sa­mer Zeit­ge­nos­sin­nen zu kenn­zeich­nen (und lieb­sa­me Zeit­ge­nos­sin­nen scheint man im Alter von 14, viel­leicht 15 Jah­ren nur zu ken­nen, wenn sie gera­de in Hör­wei­te sind), soll­tet ihr euch jetzt ein­fach mal vor­stel­len.

Mit dem Kon­junk­tiv wäre Bus­fah­ren viel ange­neh­mer.

(Eigent­lich hat­te ich für das Gepiep­se einen viel aus­führ­li­che­ren Arti­kel im Sinn, aber da ich ver­ges­sen habe, den auf­zu­schrei­ben, bleibt es nun bei die­sem kur­zen Auf­re­ger. So.)


Noch etwas Poli­tik mit Lese­be­fehl zum Abschluss: Nico Lum­ma, wohl das bei­na­he ein­zi­ge SPD-Mit­glied, das leid­lich gut mit dem Inter­net umge­hen kann, sülz­te heu­te sel­bi­ges Inter­net damit voll, dass wir die Digi­ta­li­sie­rung ver­schla­fen hät­ten. Nico Lum­ma von der Vor­rats­da­ten­spei­che­rungs-SPD.

Der Nacht­wäch­ter hat dazu mal was gesagt.