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Medi­en­kri­tik XC: „JOY“: So wer­den Sie beson­ders wider­steh­lich!

JOY Juni 2014Mein heim­li­ches Lieb­lings­frau­en­ma­ga­zin „JOY“ – ihr erin­nert euch sicher – geht in sei­ner aktu­el­len Aus­ga­be der Fra­ge nach, die wohl jede Frau bewegt:

Män­ner ver­ra­ten: Das macht Frau­en unwi­der­steh­lich

Die­ses inter­es­san­te The­ma kommt natür­lich nicht ganz zu Anfang der „JOY“ an die Rei­he, denn außer­dem will noch aller­lei Klatsch und Tratsch ver­brei­tet sein, auf­ge­lockert von Lebens­hil­fe wie dem Tipp, Erho­lung – „Oooohhhmmm …“ – müs­se sein, und dass Ohm etwas mit Ver- bezie­hungs­wei­se Ent­span­nung zu tun hat, zeugt ent­we­der von einem guten Gespür für Wort­spie­le oder für das Bedürf­nis nach einem Recht­schreib­wör­ter­buch, sowie dem Arti­kel „Ihr inne­res GPS“. Ein GPS ist, wie der klu­ge Leser weiß, ein System zur eini­ger­ma­ßen genau­en Bestim­mung des eige­nen Stand­orts, wes­halb die Abkür­zung auch für „Glo­bal Posi­tio­ning System“, „glo­ba­les Posi­tio­nie­rungs­sy­stem“, steht. Moment: Die Lese­rin­nen der „JOY“ haben einen Kom­pass ver­schluckt? Aber nein:

10 Grün­de, war­um Sie in der Lie­be auf Ihren Bauch hören soll­ten

Ach so – das Bauch­ge­fühl. Nicht ratio­nal erfass­bar und nicht beson­ders gut dazu geeig­net, her­aus­zu­fin­den, wo man sich gera­de unge­fähr befin­det, aber die typi­sche „JOY“-Leserin weiß eben nicht, was ein GPS ist (außer „das blinkt so lustig“), da kann man schon mal ein Detail ver­ges­sen. Schon hilf­rei­cher – zwei Sei­ten wei­ter – ist in der Rubrik „Moni­tor“ zu lesen, wie die­je­ni­ge „JOY“-Klientel so tickt, die sich dadurch aus­zeich­net, gern an bescheu­er­ten Umfra­gen teil­zu­neh­men:

JOY-Umfrage zu Achselhaaren

„Aber die stars machen das doch auch!“

Einer die­ser stars, Gast­au­torin Sophie And­res­ky, „Deutsch­lands erfolg­reich­ste Ero­tik-Autorin“ („JOY“), durf­te sei­ne feh­len­de Lebens­er­fah­rung in einer eige­nen Kolum­ne unter Beweis stel­len:

Stel­len Sie sich mal eine wun­der­schö­ne Flö­ten­me­lo­die inmit­ten eines Rock­kon­zerts vor. Klingt absurd? Eben.

Eben nicht, und der geneig­te Musik­freund weiß das, aber in der Welt der „JOY“ ist alles sau­ber geord­net: Rock­mu­sik hat Gitar­ren und ande­re Musik hat eben Flö­ten. „JOY“, das Maga­zin für ord­nungs­lie­ben­de Haus­frau­en. – Ist es also rich­tig, was ande­re tun? Soll­te die typi­sche „JOY“-Leserin nicht viel­mehr dar­auf bedacht sein, selbst größt­mög­li­che Attrak­ti­vi­tät zu errei­chen? Das klärt eins der Titel­the­men, näm­lich (ich kün­dig­te es ja oben bereits an):

Män­ner ver­ra­ten: Das macht Frau­en unwi­der­steh­lich

Befragt wur­den die übli­chen Schön­lin­ge und weni­ge Alibi-„Nerds“, alle­samt typi­sche Män­ner also; und die­se gaben dann dies als Kri­te­ri­en für weib­li­che Unwi­der­steh­lich­keit an. Zwi­schen den übli­chen Null­aus­sa­gen (die Frau sol­le „lustig“ und „authen­tisch“ sein) ver­birgt sich auch tat­säch­lich etwas Lesens­wer­tes; ein gewis­ser „Mark“ äußer­te klug:

Frau­en, die sich auch direkt nach dem Auf­ste­hen mögen, fin­de ich super. (…) Eine unwi­der­steh­li­che Frau geht auch ohne Make-Up zum Bäcker, weil sie weiß, dass sie natür­lich schön ist.

Pas­send dazu gibt’s in die­ser Aus­ga­be der „JOY“ auf ins­ge­samt, wenn ich mich nicht ver­zählt habe, 27 Sei­ten Schmink­tipps und Wer­bung für ent­spre­chen­de Pro­duk­te, dar­un­ter auch zur Erzie­lung eines nude looks, also zum Schmin­ken, so dass man unge­schminkt aus­sieht. Das ist wohl die­se „natür­li­che Schön­heit“, die „Mark“ emp­fiehlt.

„Ade­wa­le“, ein wei­te­rer Mann in der Rei­he der Befrag­ten, nennt „intel­li­gen­te (…) Frau­en“ das „Non­plus­ul­tra“. Blöd, wenn man statt­des­sen zur Ziel­grup­pe der „JOY“ gehört.

Falls ihr übri­gens auf die­se Poin­te gewar­tet habt: Zu den „Geschen­ken mit Geschmack“ – ein wei­te­res Titel­the­ma – zäh­len offen­bar weder aro­ma­ti­sier­te Kon­do­me noch ess­ba­re Unter­wä­sche. Ganz schön prü­de, die­se „JOY“.

Montagsmusik
The Alan Par­sons Pro­ject – Siri­us / Eye in the Sky

(Und dann ist Mon­tag, und man hört das lang­wei­li­ge alte Zeug aus dem Radio mal mit Gehör für den Text und denkt dann noch mal dar­über nach.

Belie­ve me, the sun in your eyes
made some of the lies worth belie­ving.

Und eigent­lich ist man sich dann ja auch wie­der nicht ganz sicher, ob man nicht wie­der und wie­der genau so gehan­delt hat und han­deln wird, wie’s den größt­mög­li­chen Scha­den anrich­tet, weil Leben Macht ist und es nichts macht zu leben, über­haupt aber auch immer: Ver­lust. Ver­lust und Erd­bee­ren.

Guten Mor­gen.)

Nerdkrams
Power­amp: New-Ver­si­on, akti­vie­ren auf Haut

Unter Android nut­ze ich bevor­zugt den Musik­spie­ler Power­amp mit dem Kit­Kat-Skin. Für letz­te­ren gab es heu­te eine Aktua­li­sie­rung, die eine Ver­knüp­fung für die offen­bar neue Poweramp-„SkinLib“ instal­lier­te.

Die­se hier:

Ausblenden Haut Symbol

New-Sym­bol wird in Laun­cher erschei­nen. Haut akti­viert, Wer­fer ver­schwun­den.

:-?

Ich glaub‘, ich wer­de zu alt für die­sen elek­tro­ni­schen Fir­le­fanz. Ich ver­ste­he kein Wort.

Politik
Die Pro­test-PAR­TEI.

Seit die Pira­ten es geschafft haben, sich, pro­vo­kant for­mu­liert, von einer pro­gres­si­ven Bür­ger­rechts- und Nerd­par­tei zu einer irgend­wie lin­ken Sozi­al­par­tei zu wan­deln, die für Demon­stra­tio­nen gegen Rechts noch eher zu haben ist als für Pro­test gegen TTIP und Din­ge mit ähn­lich kom­pli­zier­ten Abkür­zun­gen, hat sich auch der Kreis derer, die bis­her mit den Pira­ten sym­pa­thi­sier­ten, weil sie so anders waren, ver­klei­nert. Die Pira­ten­par­tei, so höre ich die­ser Tage des Öfte­ren aus mei­nem Bekann­ten­kreis, habe dem Wäh­ler nichts mehr zu bie­ten, und wer frü­her die Pira­ten gewählt habe, sei nun pau­schal bei der PARTEI bes­ser auf­ge­ho­ben.

Die PARTEI soll­te inzwi­schen bekannt sein: Der poli­ti­sche Arm des Sati­re­ma­ga­zins „Tita­nic“ tritt seit eini­gen Jah­ren bei Wah­len als Alter­na­ti­ve zu ernst­haf­ter Poli­tik an und nimmt dabei die Inhalts­lee­re von Wahl­pla­ka­ten eben­so auf’s Korn wie Durch­hal­te­pa­ro­len alt­ein­ge­ses­se­ner Poli­ti­ker. Ein oft zitier­tes Mot­to der PARTEI ist es, Inhal­te zu über­win­den. War­um man sie wäh­len soll­te? Ganz ein­fach: Sie sei sehr gut.

Mir reicht das nicht.

‘Die Pro­test-PAR­TEI.’ wei­ter­le­sen »

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Last Remai­ning Pin­na­cle – 64

Last Remaining Pinnacle - 64Das US-ame­ri­ka­ni­sche Duo Last Remai­ning Pin­na­cle bezie­hungs­wei­se ihr damals aktu­el­les Album „Visi­tors“ fand ich 2012 bereits sehr gut, in der Fol­ge aller­dings hör­te ich nicht mehr viel von der Band. Heu­te nun traf eine E‑Mail ein: Am kom­men­den Mitt­woch, dem 21. Mai 2014, und somit genau zwei Jah­re nach „Visi­tors“ erscheint mit „64“ ein neu­es Last-Remai­ning-Pin­na­cle-Album namens „64“.

War­um „64“? Dar­auf geht die E‑Mail nicht ein. Es sind auch tat­säch­lich nur acht und nicht etwa 64 neue Stücke ent­hal­ten. Last Remai­ning Pin­na­cle blei­ben sich und dem Gara­ge-Noi­se-Rock dabei treu: Ver­zerr­te Gitar­re, peit­schen­des Schlag­zeug und gewohnt effekt­rei­cher, krau­ti­ger Gesang erfreu­en den Sonic Youth und The Vel­vet Under­ground schät­zen­den Musik­freund außer­or­dent­lich.

Weni­ge Durch­hän­ger wie das zäh dahin­flie­ßen­de „Forces“ fal­len da auch nicht wei­ter ins Gewicht, allein schon das groß­ar­ti­ge „Hal­low Sky“ recht­fer­tigt die Geduld. Mit „Man­t­le Rota­ti­on 4 (C.M.E.)“ ist auch ein Nach­fol­ger des schon 2012 geson­dert erwähn­ten „Man­t­le Rota­ti­on 3“ auf „64“ zu fin­den, und all­mäh­lich scheint es mir, als soll­te ich dem­nächst ein­mal Aus­schau nach den ersten bei­den Tei­len der „Man­t­le Rota­ti­on“ hal­ten.

Hören und vor­be­stel­len könnt ihr „64“ per Band­camp. Das Kon­zept „zah­le, so viel du willst“ scheint sich bei „Visi­tors“ wohl nicht bewährt zu haben, „64“ kostet in jeder Dar­rei­chungs­form – lei­der nicht auf Vinyl – min­de­stens 8 US-Dol­lar. Ich sage: Gut ange­leg­tes Geld!

Krieg zum Bei­spiel wäre deut­lich teu­rer.

In den NachrichtenComputer
Digi­ta­ler Fort­schritt

Was ist eigent­lich aus all den poli­ti­schen Netz­ver­eins­mei­ern gewor­den?

Natür­lich: Der „Digi­ta­le Gesell­schaft e.V.“, der Ver­ein mit dem wohl däm­lich­sten Namen aller Netz­ver­ei­ne, ist medi­al prä­sent, Mar­kus Becke­dahl (ich berich­te­te) ist ja auch über­all, er hört sich eben gern reden. (Was über­haupt so ein Pro­blem der Netz­ge­mein­schaft ist: Die, die sie antrei­ben, sind ande­re als die, die stän­dig davon reden, wie toll es doch sei, ein Teil davon zu sein.)

Und D64, der von Kom­pe­tenz­gra­na­te Nico Lum­ma (das war der hier) mit­ge­grün­de­te und ‑geführ­te Netz­po­li­tik­stuhl­kreis der SPD? Nun, dort hat man sich offen­bar dar­an erin­nert, dass man ja eigent­lich etwas tun woll­te, und sich mit erheb­li­cher Ver­spä­tung der F.D.P. ange­schlos­sen:

Das im Umfeld der SPD ange­sie­del­te, aber durch­aus eigen­stän­di­ge D64 – „Zen­trum für digi­ta­len Fort­schritt“ for­dert die Ein­füh­rung eines No-Spy-Hard­ware­sie­gels, das EU-weit ver­ge­ben wer­den soll. Das Sie­gel soll garan­tie­ren, dass der End­kun­de „abhör­freie Hard­ware“ ein­kau­fen kann.

Aber auch nur in Anfüh­rungs­zei­chen, und zwar sowohl der „digi­ta­le Fort­schritt“ als auch die „abhör­freie Hard­ware“; denn Fir­men wie Cis­co haben im Wesent­li­chen eine ein­zi­ge Mög­lich­keit, wie sie damit umge­hen kön­nen: Lügen.

Wohl unge­fähr jedes Unter­neh­men, bei dem Hin­ter­tür­chen in der Hard­ware gefun­den wur­den, hat hin­ter­her beteu­ert, nichts davon zu wis­sen – eben­so übri­gens Anbie­ter von Web­dien­sten. Wie gewähr­lei­stet wer­den soll, dass das Sie­gel aus­schließ­lich auf jenen Gerä­ten kle­ben soll, die garan­tiert kei­ne Sicher­heits­lücken haben, ist mir inso­fern unbe­greif­lich. Im Umkehr­schluss ist nicht jedes Gerät, das ein sol­ches Sie­gel nicht erhält, aus­spio­nier­bar. Ein Fei­gen­blatt ohne viel Wert also; wie alles, was von der SPD so kommt.

Dabei ist die Begrün­dung im Ori­gi­nal­text auch gran­di­os:

Zudem machen die neu­en Ent­hül­lun­gen deut­lich, dass eine euro­päi­sche Tech­no­lo­gie-Indu­strie sowie offe­ne Stan­dards stär­ker geför­dert wer­den müs­sen.

Denn bekannt­lich schützt die Offen­heit eines Stan­dards vor Unter­mi­nie­rung durch bös­wil­li­ge Zeit­ge­nos­sen; bezie­hungs­wei­se eben nicht. Inwie­fern die För­de­rung euro­päi­scher Tech­no­lo­gie-Indu­strie etwas dazu bei­tra­gen soll, dass kein Geheim­dienst irgend­et­was mani­pu­liert, ist noch nicht ganz klar – den Daten­aus­tausch zwi­schen BND und NSA jeden­falls hat Nico Lum­mas SPD zu ver­ant­wor­ten.

D64 zitiert abschlie­ßend die EU-Inter­net­bot­schaf­te­rin Gesche Joost, die zum The­ma Inter­net schon so man­ches gesagt hat, was nicht unbe­dingt wei­se war, und pas­sen­der­wei­se auch in den eige­nen Ver­eins­rei­hen rum­sitzt (wahr­schein­lich für die Quo­te):

Wenn ein Auto euro­päi­sche Sicher­heits­stan­dards nicht erfüllt, darf es nicht ein­ge­führt wer­den. Das glei­che Schutz­ni­veau soll­te min­de­stens für den Import von Netz­werk­tech­nik und Hard­ware aus den USA und ande­ren Län­dern gel­ten.

Blöd: Es gibt kei­nen euro­päi­schen Sicher­heits­stan­dard, der vor­schrei­ben wür­de, dass Autos nicht von der NSA über­wacht wer­den dür­fen. Jedes GPS-fähi­ge Auto­mo­bil ist bereits eine poten­zi­el­le Wan­ze, auch in Deutsch­land. Was sol­len das über­haupt für Sicher­heits­stan­dards sein, die für Autos wie für Netz­werk­ge­rä­te gel­ten sol­len? Es muss vier Räder und eine Hupe haben?

Aber der digi­ta­le Fort­schritt ist offen­bar nicht auf­zu­hal­ten.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Mäd­chen unter Zug­zwang

Da wär‘ mir fast das Gesicht ent­gleist:

Immer mehr Mäd­chen setz­ten für eine Han­dy-Auf­nah­me im Gleis­bett das Leben aufs Spiel. Bereits vier Todes­fäl­le jun­ger Mäd­chen lie­ßen sich in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren auf die­sen Trend zurück­füh­ren.

„Sel­fies“ an unge­wöhn­li­chen Orten oder in unge­wöhn­li­chen Situa­tio­nen sind ja längst kein Nischen­phä­no­men mehr, son­dern ein erfolg­rei­ches Geschäfts­mo­dell: Guck‘ mal, Mut­ti, ich bin in Lebens­ge­fahr!

Vor allem bei Mäd­chen sei die­ses Phä­no­men ver­brei­tet.

Das sind wohl die­se star­ken Frau­en, von denen immer die Rede ist. :facepalm:

Netzfundstücke
Tin­der: Da zün­det nix.

Ein maß­geb­li­cher Vor­teil des Inter­nets ist es ja auch, dass auch schüch­ter­ne Nerds eine gerin­ge Chan­ce haben, gele­gent­lich Kon­takt zu Ange­hö­ri­gen des jeweils ande­ren Geschlechts auf­zu­neh­men. Die Idee hin­ter Flirt­web­sites wie Par­ship ist dabei so alt wie nahe lie­gend.

Nun hat sich das Nerd­we­sen in den letz­ten paar Jah­ren ja über­wie­gend zum Noma­den­tum bekannt, man ist stän­dig unter­wegs. Dass klas­si­sche Flirt­web­sites da ste­tig an Reiz ver­lie­ren, da sich der Auf­ent­halt dort nicht mal eben an der Ampel oder auf dem Klo aus­rei­chend pro­duk­tiv gestal­ten lässt, ist inso­fern eher ein gesell­schaft­li­cher als ein tech­ni­scher Wan­del. Allein schon das Gef­rickel mit den nöti­gen Anmel­dun­gen im Por­tal sei­ner Wahl kann auf klei­nen Bild­schir­men schnell die Freu­de an der Über­all­ver­net­zung trü­ben.

Nun hat das depri­mie­ren­de Face­book ja das mobi­le Leben inso­fern ver­ein­facht, als eine blo­ße Regi­strie­rung auf sel­bi­gem Por­tal die Türen zu aller­lei wei­te­ren Dien­sten öff­net. Der Strea­ming­dienst Spo­ti­fy etwa war vor­über­ge­hend nur für Face­book­nut­zer geöff­net, geeig­ne­te Flirt­sei­ten aber – Face­book selbst eig­net sich auf­grund sei­ner Prü­de­rie wohl nur mäßig gut dafür – fan­den bis­lang kei­ne Ver­brei­tung. Glaubt man dem Trend­in­di­ka­tor Twit­ter (der ande­rer­seits auch den däm­li­chen „Euro­vi­si­on Song Con­test“ als Trend anzeigt), so hat sich nun mit Tin­der – zu Deutsch: „Zun­der“ – erst­mals auch in Deutsch­land ein geeig­ne­ter Dienst eta­bliert, der die­se Nische besetzt.

Bei Tin­der han­delt es sich zuvör­derst um eine Smart­phone-app, für deren Benut­zung man min­de­stens 18 Jah­re alt sein „muss“. Die Infor­ma­tio­nen über das eige­ne Alter holt sich Tin­der eben­so wie Pro­fil­bil­der und den Vor­na­men von Face­book, und da wohl nur weni­ge jun­ge Men­schen unge­ach­tet der dor­ti­gen Regeln auf Face­book ihren rich­ti­gen Namen ange­ben, ist die Behaup­tung in den FAQ, die Face­boo­k­an­bin­dung sei not­wen­dig, um die Echt­heit der poten­zi­el­len Part­ner zu gewähr­lei­sten, von vorn­her­ein ein Fei­gen­blatt.

Tin­der funk­tio­niert im Wesent­li­chen so, dass nach der Ver­knüp­fung über Face­book regel­mä­ßig abge­fragt wird, wel­che Per­so­nen aus einer nach Geschlecht, Alter und Umkreis aus­wähl­ba­ren Grup­pe momen­tan eben­falls über Tin­der online sind. Dass die app erst ab 18 Jah­ren frei­ge­ge­ben ist, legt nahe, wofür die­se Per­so­nen dann gehal­ten wer­den sol­len. Anschrei­ben kann man sich aber nur, wenn man sich gegen­sei­tig irgend­wie ertra­gen zu kön­nen glaubt: Fin­det Tin­der eine „neue“ Per­son, so wer­den Name, Ent­fer­nung, ein optio­na­ler kur­zer (höch­stens 500 Zei­chen lan­ger) und daher nicht beson­ders aus­sa­ge­kräf­ti­ger Pro­fil­text und diver­se Bil­der aus dem Face­book­pro­fil die­ser Per­son ange­zeigt.

Tinder - Quelle: http://www.mikepalumbo.com/2013/07/15/how-not-to-write-an-android-app-part-8/

Nun gibt es zwei Mög­lich­kei­ten: Fin­det man die ober­fläch­li­chen Infor­ma­tio­nen, die man über eine Per­son erhält, inter­es­sant, so wischt man sie nach rechts, wenn nicht, dann wischt man sie nach links. Wischen sich zwei Per­so­nen gegen­sei­tig nach rechts, so kön­nen sie ein­an­der anschrei­ben. Ein Rück­gän­gig­ma­chen ist nicht mög­lich, wenn man also unacht­sam sei­ne mög­li­che Traum­frau auf die Nega­tiv­li­ste setzt, hat man Pech gehabt. Noch im April 2013 bedau­er­ten die Ent­wick­ler das, inzwi­schen ver­kauft man es wohl als fea­ture, wie man in den FAQ lesen kann:

You can’t, you only swi­pe once, Tin­der on! #YOSO

Ist Tin­der somit über­haupt als Ersatz für ein „Flirt­por­tal“ zu gebrau­chen? Um mensch­li­chen Tief­gang scheint es ja nur bedingt zu gehen, denn außer weni­gen Fotos, die natür­lich meist nur die Scho­ko­la­den­sei­te des jewei­li­gen Benut­zers zei­gen, und der Infor­ma­ti­on, wie weit man gera­de von­ein­an­der ent­fernt ist, erfährt man nicht viel über­ein­an­der. Dem Inter­net­af­fi­nen kommt’s gele­gen: Angeb­lich sinkt die Fähig­keit zum ihren Sinn erhal­ten­den Erfas­sen von Tex­ten, je mehr Kurz­tex­te wie Tweets man liest. Alles, was über 140 Zei­chen hin­aus­geht, ist somit bereits mehr Infor­ma­ti­on als nötig. Auf Tin­der soll man ja auch nicht sei­nen Traum­men­schen ken­nen­ler­nen, das wäre hin­der­lich für’s wie auch immer gear­te­te Geschäft; es wird der Ober­fläch­lich­keit gefrönt. Statt von Anfang an nur die posi­ti­ven Sei­ten eines Men­schen ken­nen­zu­ler­nen, weiß man vor­her qua­si nichts über ihn, was über Aus­se­hen und Alter hin­aus­geht. Klar, für man­cher­lei reicht’s, aber der hype tut für die Aus­wahl sein Übri­ges.

Etwa ein Fünf­tel aller Tin­der-Kon­tak­te, die ihre Fres­se gegen­sei­tig ertra­gen kön­nen, hat nach Klä­rung der wei­te­ren Fak­ten über­haupt noch mit­ein­an­der ver­keh­ren wol­len. Ganz schön heiß, die­ses Tin­der.

Wir haben das Inter­net als inter­ak­ti­ves Medi­um über­schätzt.
Die­ter Gor­ny, Berufs­pfei­fe

MusikPiratenparteiMontagsmusik
Rush – 2112

Für den kom­men­den Bun­des­vor­stand der Pira­ten­par­tei Deutsch­land kan­di­die­ren auch Wolf­gang Dud­da, sei­nes Zei­chens bigot­ter Kämp­fer gegen das Böse, und Mir­co da Sil­va, der als Mot­to für sei­ne etwa­ige Amts­zeit „Sind wir zu links, bist Du zu rechts.“ angab, was nicht unbe­dingt dafür spricht, dass irgend­et­was bes­ser wer­den wird.

Das Inter­net freut sich der­weil seit Tagen dar­über, dass bei der uner­träg­li­chen Mas­sen­ver­nich­tungs­sen­dung „Euro­vi­si­on Song Con­test“ eine bär­ti­ge Öster­rei­che­rin gewon­nen hat („Öster­reich hat eine neue Kai­se­rin!“, man hört den SPIEGEL-ONLINE-Prak­ti­kan­ten bei­na­he durch den Bild­schirm eja­ku­lie­ren), wäh­rend zwei Sieb­zehn­jäh­ri­ge von den jubeln­den Ver­fech­tern der Tole­ranz dafür geschmäht wur­den, dass sie blö­der­wei­se Rus­sin­nen sind. Ich habe offen­sicht­lich die Poin­te nicht mit­be­kom­men.

Ins­ge­samt also ein Mon­tag zum Hard­rock­hö­ren, wie mir scheint.

War­um nicht mal wie­der was von Rush?

I can’t belie­ve you’­re say­ing, the­se things just can’t be true
Our world could use this beau­ty, just think what we might do

Guten Mor­gen!

FotografiePolitik
Die blau-weiß-rote Gefahr

Im Inter­net wer­den viel­fach Wit­ze über sie gemacht. Sie habe unrea­li­sti­sche Vor­stel­lun­gen von der Welt, ihre über­zeug­ten Wäh­ler sei­en ent­we­der dumm oder geblen­det, der Par­tei­vor­stand bestehe aus Popu­li­sten und Schwät­zern, die bewusst mit den von schlech­ter „Pres­se“ geschür­ten Äng­sten der Bür­ger spiel­ten, um wesent­li­che Grund­pfei­ler der frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung aus­he­beln zu kön­nen. Wür­de die­se Par­tei in das euro­päi­sche Par­la­ment gewählt, sie wür­de unser har­mo­ni­sches Mit­ein­an­der nach­hal­tig ins Wan­ken brin­gen. Von ihren einst heh­ren Idea­len sei­en nur mehr Ver­ach­tung und hei­ße Luft übrig geblie­ben.

Auch ihre Pla­ka­te ern­ten Kri­tik: In blau-weiß-roter Farb­ge­bung weist die Par­tei in gro­ßen Buch­sta­ben – wohl für ihre tra­di­tio­nell eher bil­dungs­fer­ne Wäh­ler­schaft – auf die bevor­ste­hen­de Wahl hin und bil­det gele­gent­lich auch ihre Kan­di­da­ten ab, nicht ohne ein grif­fi­ges Mot­to dar­un­ter zu hin­ter­las­sen, denn ein­fa­che Paro­len ködern auch den ein­fa­chen Geist, und es ist erschreckend, dass die­se Masche gemäß aktu­el­len Umfra­gen tat­säch­lich zu funk­tio­nie­ren scheint; den den­ken­den Wäh­ler jedoch packt beim Anblick der Pla­ka­te allen­falls erheb­li­che Übel­keit.

Wor­um es geht? Na, um die SPD natür­lich.

AfSPD

(„Aus­rich­tung: Rechts“, schlägt Word­Press vor.)


Apro­pos: „Alle Macht geht vom Vol­ke aus“? Rechts­po­pu­li­sti­scher Scheiß, befin­den Pira­ten. Die ken­nen sich aus.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
re:volution geht anders.

Noch bis heu­te dau­ert die dies­jäh­ri­ge Kon­fe­renz „re:publica“ an, auf der die alt­be­kann­te Gar­de der netz­po­li­ti­schen und femi­ni­sti­schen Blog­ger – und David Has­sel­hoff – wie jedes Jahr öffent­lich­keits­wirk­sam auf ein Podi­um tritt, um sich selbst dafür zu fei­ern, dass sie es ja immer schon gewusst hat, und über­flüs­si­ger­wei­se dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Über­wa­chung von Nut­zern nicht in Ord­nung ist.

Das ist beson­ders amü­sant, wenn man bedenkt, dass eini­ge der dort anwe­sen­den Schwaf­ler, dar­un­ter der ewi­ge Sascha Lobo, sich selbst in einer Fir­ma für geziel­te Online­wer­bung, deren Zweck es ist, Benut­zer zu beob­ach­ten, enga­gier­ten oder bis heu­te enga­gie­ren. Klei­ne wider­wär­ti­ge, bück­gei­sti­ge Scher­gen des Gro­ßen Bru­ders, die ein Ende der gro­ßen Bebru­de­rung ein­for­dern, wäh­rend sie ohne beson­de­re Not einen sehr gro­ßen Teil des Webs in eine Über­wa­chungs- und Aus­späh­ma­schi­ne ver­wan­deln. Wie vie­le Leu­te, die ihr Geld damit ver­die­nen, Such­ma­schi­nen mit so genann­tem „SEO“-Scheißdreck voll­zu­mül­len, damit auch bloß kei­ner auf die Idee kom­men möge, dass eine Web­site viel­leicht für Besu­cher inter­es­san­ter sein soll­te als für Such­ma­schi­nen, sab­bernd und applau­die­rend im Publi­kum saßen, als Thor­sten Kleinz sich über das Geschäfts­mo­dell Bull­shit lustig mach­te, kann ich nur erah­nen.

Die­se gänz­lich iro­nie­freie Zunft der Blen­der 2.0, deren ein­zig erlern­tes, doch ein­träg­li­ches Hand­werk es ist, die Welt um sie her­um gründ­lich miss­zu­ver­ste­hen, wird nur noch über­trof­fen von denen, die ihnen zuju­beln. End­lich sagt’s mal einer!

Es braucht jetzt Laut­spre­cher. Es braucht Ver­käu­fer. Es braucht gute Ver­käu­fer. Und Lobo ist einer. Becke­dahl auch. Also bezah­len wir sie auch dafür, so lan­ge sie einen guten Job machen. Und das tun sie.

Ich habe den Ver­dacht, dass die bei­den Über­all­red­ner Mar­kus Becke­dahl, des­sen mitt­ler­wei­le uner­träg­lich selbst­re­fe­ren­zi­el­les Blog namens „Netzpolitik.org“ ich seit Mona­ten ein­fach nicht mehr zu lesen bereit bin, und Sascha Lobo, der sich bin­nen weni­ger Wochen den Tenor sei­ner Kolum­nen von „Das Inter­net ist kaputt, aber ich schrei­be da trotz­dem wei­ter rein“ zu „Das Inter­net ist gar nicht so kaputt und ich schrei­be des­we­gen wei­ter rein“ zu ver­keh­ren nicht zu blöd war, zwar prin­zi­pi­ell beju­belt, aber nicht ein­mal mehr auf­merk­sam ange­hört wer­den. Das ist wahr­schein­lich wie auf Kon­zer­ten: Das Publi­kum klatscht bereits, weil es weiß, wer gera­de auf­tritt, und nicht erst, wenn die Dar­bie­tung gefällt. So ähn­lich ist es bei Mar­kus Becke­dahl und Sascha Lobo wahr­schein­lich auch.

Nein, es braucht jetzt kei­ne Grün­der von Ver­ei­nen, die sich anma­ßen, für die digi­ta­le Gesell­schaft zu spre­chen, obwohl vie­le Mit­glie­der die­ser „Gesell­schaft“, zum Bei­spiel ich, über­haupt nicht gefragt wur­den, ob sie das wol­len. Das Netz braucht jetzt kei­ne Laut­spre­cher, die viel Fal­sches reden und nichts han­deln außer Wer­be­fir­men zu grün­den und dann in den Sand zu set­zen. Dass die Frei­heit im Inter­net stän­dig gefähr­det ist, ist rich­tig, wird sich aller­dings mit Reden und Klat­schen nicht ändern.

Es braucht jetzt Akteu­re, die nicht nur eine Sprech­rol­le ein­neh­men; sol­che, die ihre Stunts noch selbst dre­hen. Blen­der, die die Fal­schen blen­den, sind nicht in der Lage dazu, Hin­der­nis­se aus dem Weg zu räu­men, weil sie selbst Hin­der­nis­se sind.

Aber schön, dass es mal jemand gesagt hat. Applau­die­ren und auf näch­stes Jahr freu­en. Die Welt wird sicher dar­auf war­ten.

In den NachrichtenNerdkrams
Git­Hub: Auf zum Atom?

Wor­auf hat die Welt denn bei­na­he so drin­gend gewar­tet wie auf einen ein­ge­bil­de­ten Berg? Rich­tig: Auf Atom.

Atom – ich mei­ne aus­nahms­wei­se nicht die Ener­gie­quel­le – ist ein von Git­Hub, einem gro­ßen Anbie­ter für frem­den Quell­code aller Art, ent­wickel­ter Text­edi­tor, der bei­na­he aus­sieht wie das recht belieb­te Sub­li­me Text und auch ähn­lich funk­tio­nie­ren soll, aller­dings kosten­los und quell­of­fen ange­bo­ten wird. (Einen ähn­li­chen Ver­such, aller­dings mit gerin­ge­rer media­ler Auf­merk­sam­keit, star­te­te vor einer Wei­le Ado­be mit Brackets.)

„Kosten­los“ ist ja eines der Lieb­lings­wör­ter von Mit­mensch Inter­net­nut­zer in sei­ner Gra­tis­wol­ke. Qua­li­tät gern, aber lie­ber was geschenkt. Fol­ge­rich­tig wird Text­Ma­te, eines der Vor­bil­der von Sub­li­me Text, in der Ver­si­on 2.0 eben­falls – bezeich­nen­der­wei­se auf Git­Hub – gra­tis zur Ver­fü­gung gestellt.

Ein gro­ßes Man­ko von Text­Ma­te ist, dass es aus­schließ­lich für Mac-OS-X-Syste­me ent­wickelt wird:; eben­so wie der Atom-Edi­tor übri­gens. Trotz­dem sind blog­gen­de Ent­wick­ler (oder Gele­gen­heits­skripter) begei­stert und freu­en sich, dass sie jetzt einen Edi­tor, der auch nicht mehr kann als sei­ne Vor­bil­der, nicht mehr müh­sam erbet­teln müs­sen:

Bis­her muss­te man um einen Beta-Key bet­teln, wenn man sich die neu­ste Ent­wick­lung aus dem Hau­se Git­hub anschau­en woll­te.

Auch bei heise.de ist man beein­druckt:

Der auf Goo­gles Chro­mi­um basie­ren­de und Node.js als Backend nut­zen­de Java­Script-Edi­tor soll die besten Eigen­schaf­ten ande­rer Text­edi­to­ren kom­bi­nie­ren. Die Ent­wick­ler zogen hier den Kom­fort von Sub­li­me und Text­Ma­te sowie die Fle­xi­bi­li­tät und Erwei­ter­bar­keit von Emacs und Vim her­an, die sich aber alle­samt nur mit spe­zi­el­len Skript­spra­chen anpas­sen lie­ßen und nicht all­zu intui­tiv sei­en.

Nun, an einer Erneue­rung von Vim wird ja eben­so gear­bei­tet wie an Emacs-Ver­sio­nen, die das Skrip­ten ein­fa­cher machen soll­ten, etwa mit einem Wech­sel der Skript­spra­che von Emacs Lisp zu Sche­me. Ein Edi­tor, der die Vor­tei­le der bekann­ten Edi­to­ren mit­ein­an­der ver­bin­det, ohne einen ihrer Nach­tei­le zu über­neh­men, klingt zwar zumin­dest in der Theo­rie inter­es­sant, aber dafür müss­te er sich erst ein­mal posi­tiv von ande­ren Edi­to­ren abhe­ben.

Womit aber will Atom das schaf­fen?

Die Web­site sagt zum Bei­spiel:

Our goal is a deep­ly exten­si­ble system that blurs the distinc­tion bet­ween „user“ and „deve­lo­per“.

Der Edi­tor soll also von jedem Benut­zer ein­fach und kom­plett frei skript­bar sein. Das sind Vim, Emacs und der­glei­chen zwar auch, aber sie benut­zen nicht so schö­ne Wer­be­phra­sen dafür.

Atom comes loa­ded with the fea­tures you’­ve come to expect from a modern text edi­tor.

Atom bringt also alle Funk­tio­nen mit, die Edi­to­ren wie Note­pad++ auch mit­brin­gen. Das ist wirk­lich sehr prak­tisch, aber auch nicht inno­va­tiv.

Wo blei­ben nun die Inno­va­tio­nen? Na, wei­ter oben:

Atom is a desk­top appli­ca­ti­on based on web tech­no­lo­gies.

Tat­säch­lich: Atom basiert auf Chro­mi­um. Auf einem Web­brow­ser. Ein Text­edi­tor, der auf einem Web­brow­ser basiert. Ein ein­fa­ches Werk­zeug, das auf einer kom­ple­xen, schwe­ren Platt­form steht. Ein Text­edi­tor, der Face­book kann. Ato­me hat­te ich mir ja immer als etwas sehr Klei­nes vor­ge­stellt, aber ich habe noch nie ein Atom gese­hen. Viel­leicht lag ich da falsch.

Aber die Ent­wick­ler haben sich auch etwas dabei gedacht, denn so kön­nen sie statt sta­ti­schen, platt­form­ab­hän­gi­gen Codes in ihrem Text­edi­tor, der nur unter Mac OS X läuft, platt­form­un­ab­hän­gi­ge Pake­te ent­wickeln, die die Lei­stungs­fä­hig­keit des Edi­tors enorm erhö­hen. Zum Bei­spiel Metrics. Metrics ist ein wohl stan­dard­mä­ßig akti­ves Paket, das essen­zi­el­le Edi­tor­funk­tio­nen ent­hält: Es sen­det Benut­zer­da­ten zwecks Aus­wer­tung an Goog­le Ana­ly­tics (pro­vo­kant gesagt also wahr­schein­lich an die NSA).

Das tun ande­re Edi­to­ren tat­säch­lich meist nicht. Man kann das Paket zwar deak­ti­vie­ren – dafür aber muss es erst ein­mal aktiv gewe­sen sein. Das also sind alle Funk­tio­nen, die ich von einem moder­nen Text­edi­tor erwar­te. Ob er wohl auch Tex­te edi­tie­ren kann? Die Web­site schweigt sich aus.

Der Edi­tor des 21. Jahr­hun­derts, fast so groß wie Open­BSD. Ich fand das letz­te Jahr­hun­dert irgend­wie bes­ser.

In den NachrichtenComputer
Pla­ce­bo­ver­käu­fer gibt auf: Grip­pe ist zu wirk­sam!

Erin­nert sich noch jemand an Syman­tec?

Syman­tec ist eine die­ser Fir­men, die in den spä­ten 1990-er Jah­ren viel Geld damit ver­dient haben, dass unbe­darf­te Inter­net­nut­zer sich sehr leicht ver­un­si­chern las­sen und oben­drein der absur­den Ansicht sind, eine Soft­ware (ein Viren­scan­ner, ein Paket­fil­ter, ein ande­res Betriebs­sy­stem) wäre dazu befä­higt, ihr mensch­li­ches Ver­sa­gen – also das Klicken auf alles, was blau und unter­stri­chen ist – adäquat aus­zu­glei­chen. Syman­tec hat­te Fir­men wie Peter Nor­ton Com­pu­ting über­nom­men und ver­trieb so jah­re­lang erfolg­reich Soft­ware wie Nor­ton Anti­Vi­rus, die durch die höchst umständ­li­che und feh­ler­be­haf­te­te Deinstal­la­ti­on Bekannt­heit erlang­ten; es war eine Zeit­lang üblich, dass auf „fer­tig“ gekauf­ten Rech­nern bereits werks­sei­tig ein Viren­scan­ner von Syman­tec oder McA­fee instal­liert war.

Dass ein „neu­er“ Virus oft erst ein Jahr in frei­er Wild­bahn zu fin­den ist, bevor sol­che Viren­scan­ner über­haupt von sei­ner Exi­stenz erfah­ren, hat­ten Mit­ar­bei­ter von Syman­tec bereits 2012 erklärt. War­um man dann über­haupt noch einen Viren­scan­ner kau­fen soll­te, blieb unklar.

Syman­tec selbst weiß es jeden­falls nicht, wie ver­schie­de­ne Web­sites heu­te ver­mel­den:

Syman­tec wol­le sich jetzt auf Scha­den­be­gren­zung kon­zen­trie­ren und Fir­men beim Umgang mit Hacker-Angrif­fen hel­fen. (…) Die Hacker kämen ja ohne­hin ins System, Schutz­soft­ware häl­fe nicht. So scheint jeden­falls die Mei­nung der Syman­tec-Füh­rung zu lau­ten.

Für die­se Erkennt­nis hat Syman­tec gan­ze 24 Jah­re gebraucht. Mei­nen Glück­wunsch.


(„Geil bescheu­ert“ – allein die Phra­se schon.)