PolitikIn den NachrichtenNerdkrams
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Alles Nazis außer Mut­ti!

End­lich erklärt uns mal jemand, war­um die AfD eine rechts­po­pu­li­sti­sche Neo­na­zi­par­tei ist:

Es sei “Kern rechts­po­pu­li­sti­scher Agi­ta­ti­on”, die unter­drück­ten Bedürf­nis­se der ein­fa­chen Men­schen anzu­spre­chen, sagt der Ber­li­ner Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Hajo Fun­ke auf “tagesschau.de”.

Und ein ernst zu neh­men­des Pres­se­er­zeug­nis wie die „Huf­fing­ton Post“ fragt natür­lich auch nicht nach, wenn ein Exper­te was erzählt; dass näm­lich ein Ein­satz für die ein­fa­chen Men­schen, deren Bedürf­nis­se im Wirt­schafts­li­be­ra­lis­mus kaum Gehör fin­den, schon nahe an der Gren­ze zur Volks­ver­het­zung ent­lang­schram­me.

Die Pira­ten­par­tei for­dert ein refor­mier­tes Urhe­ber­recht? Rechts­po­pu­li­sti­sche Agi­ta­ti­on! Die Lin­ke for­dert Rei­chen­steu­er und bezahl­ba­re Woh­nun­gen? Rechts­po­pu­li­sti­sche Agi­ta­ti­on! Von den Nazi-Steu­er­sen­kun­gen (F.D.P.) und den erneu­er­ba­ren Nazi-Ener­gien (Die Grü­nen) reden wir lie­ber gar nicht erst. Frei vom Ver­dacht, rechts­po­pu­li­sti­sche Agi­ta­ti­on zu betrei­ben, ist ver­mut­lich allein eine Par­tei, die die „Bedürf­nis­se der ein­fa­chen Men­schen“ gar nicht wei­ter zur Kennt­nis nimmt.

Wenn es so eine Par­tei doch nur gäbe! Das wäre ein Traum, nicht wahr?


Ach, falls ihr euch noch immer nicht sicher seid, ob euch der Heart­bleed-Feh­ler, der ein Aus­le­sen eurer Pass­wör­ter im Klar­text – mit Open­BSD wär’s nicht pas­siert – ermög­licht, betrifft, und „ja“ euch nicht ein­deu­tig genug ist: Hier könnt ihr das über­prü­fen.

Nerdkrams
${Poin­tier­te Über­schrift}

Ach, Fir­ma „HP“, ihr Vor­rei­ter der Digi­ta­li­sie­rung mit all euren klu­gen Bedien­ober­flä­chen, eurem zwei­fels­frei lobens­wer­ten sup­port, eurer jahr­zehn­te­lan­gen Exper­ti­se in EDV-Belan­gen und so,

eine Fra­ge hät­te ich dann doch mal:

HP

Hä?


In wei­te­ren Nach­rich­ten: Nach jah­re­lan­gem Wer­be­trom­meln sei­tens der Medi­en ist das scheuß­li­che Betriebs­sy­stem Linux auf Heim­an­wen­der­sy­ste­men jetzt bei unglaub­li­chen 1,49 Pro­zent Markt­an­teil ange­langt. Das ist wohl die­ser „Durch­bruch auf dem Desk­top“, von dem seit Jah­ren schwa­dro­niert wird.

Piratenpartei
Sozi­al­labe­ra­le Pira­ten

Bevor­zug­ter Kon­sens im Zwist zwi­schen Hoo­li­gans und Nicht­hoo­li­gans in der Pira­ten­par­tei scheint momen­tan, dass „die Pira­ten“ sozi­al­li­be­ral sind; um so grö­ßer war die übli­che Empö­rung, als der Bun­des­vor­sit­zen­de Thor­sten Wirth sich aus­drück­lich nicht „Sozi­al-Libe­ral“ nann­te und das zu Recht mit der feh­len­den Defi­ni­ti­on begrün­de­te. Was genau soll sozi­al­li­be­ral denn sein? Eine Distan­zie­rung von Links­ra­di­ka­lis­mus zumin­dest, genau defi­niert ist’s halt nicht (und was genau also zum Bei­spiel die AfD oder die Tier­schutz­par­tei in die­ser Hin­sicht von der Pira­ten­par­tei unter­schei­det, ist mir unklar).

Der bay­ri­sche Pirat Micha­el Ren­ner begeg­ne­te mei­nem Unver­ständ­nis mit die­ser Erklä­rung:

@tux0r @insi­deX dass „sozi­al­li­be­ral“ kei­nen Wiki­pe­dia­ein­trag hat zeigt wie wich­tig es ist de.wikipedia.org/wiki/Soziallib… auf eige­ne Füsse zu stel­len

Die „sozi­al­li­be­ra­le Koali­ti­on“ – kann man sich heu­te gar nicht mehr vor­stel­len – war eine Koali­ti­on aus F.D.P. und SPD, also aus heu­ti­ger Sicht aus Hartz IV und Wirt­schafts­för­de­rung, aus Koso­vo­krieg und „Gesund­heits­kar­te“. Aber nein, es sei ja nicht alles schlecht gewe­sen:

@tux0r @insi­deX die Jah­re der sozi­al­li­be­ra­len Koali­ti­on gehö­ren mit­hin zu den besten. Kennst du bes­se­re? Komm mir jetzt nicht mit der SED!

„Sozi­al­li­be­ral ist gut, und wer das nicht so sieht, der ist halt Sozia­list“. Mut­ti, die Rus­sen sind da!

Nein, wenig­stens ein Teil der „sozi­al­li­be­ra­len Koali­ti­on“ habe etwas bewerk­stel­ligt, näm­lich Phra­sen­dre­schen und Nie­der­knien:

@tux0r Brandt: Knie­fall, 2. Bil­dungs­weg, „mehr Demo­kra­tie wagen“, Straf­rechts- und Straf­voll­zugs­re­form uvm bpb.de/izpb/10109/soz…

Brandt also, der deut­sche Kon­sens­kanz­ler. Soll er Vor­bild für die Pira­ten­par­tei sein? Aber nein:

Pira­ten, die sich „sozi­al­li­be­ral“ nen­nen wol­len weder Brandt noch Scheel aus­gra­ben. Sie wol­len sowohl sozi­al als auch libe­ral sein. #iLi­ke

Der noch leben­de Wal­ter Scheel freut sich wahr­schein­lich dar­über, dass Herr Ren­ner ihn nicht aus­gra­ben möch­te; Wil­ly Brandts Han­deln erst als Bei­spiel für gelun­ge­nen „Sozi­al­li­be­ra­lis­mus“ anzu­füh­ren und nur weni­ge Stun­den spä­ter dar­auf zu ver­wei­sen, dass er gar nichts mit der „pira­ti­gen“ Defi­ni­ti­on von „sozi­al­li­be­ral“ zu tun habe, ist aber zumin­dest rhe­to­risch unge­schickt. Sozi­al­li­be­ral? Irgend­wie sozi­al, irgend­wie libe­ral; wie eben auch bei­na­he jede ande­re Par­tei. „Sozi­al­li­be­ra­le Pira­ten“: Wis­sen nicht, wo sie ste­hen, fin­den aber wenig­stens kom­pli­zier­te Wor­te dafür.

Ich bin übri­gens pira­ti­ger Pirat.

PolitikIn den NachrichtenWirtschaft
Welt­eli­te ohne Zukunft

Es war ver­däch­tig still in der Regie­rung. Kein Streit, kein Pofalla, nicht mal ein anstän­di­ger Dok­tor­ti­tel­ent­zug (ganz im Gegen­teil). Unsi­cher­heit droh­te: Soll­te die Legis­la­tur­pe­ri­ode die­ser Regie­rung, deren Oppo­si­ti­on jeden­falls vor allem mit Getö­se auf­fällt und schon aus mathe­ma­ti­schen Grün­den sonst nicht viel zu oppo­nie­ren ver­mag, wider Erwar­ten von Still­stand und Lan­ge­wei­le geprägt sein?

Aber nicht doch!

Im Koali­ti­ons­streit um die Ren­te mit 63 droht die stell­ver­tre­ten­de CDU-Vor­sit­zen­de Julia Klöck­ner der SPD mit einem Schei­tern des Vor­ha­bens.

War­um Julia Klöck­ner aus­sieht wie eine gemein­sa­me Toch­ter von Mar­tin Rüt­ter und Eri­ka Stein­bach, weiß ich nicht, und es wäre sicher­lich unan­ge­mes­sen und unfair, dar­über an die­ser Stel­le zu refe­rie­ren; aber ange­merkt möcht’s schon sein. Die Ren­te mit 63, die Andrea Nah­les momen­tan duf­te zu fin­den vor­gibt, habe jeden­falls Män­gel, beklagt die CDU:

Die Kri­tik der Uni­on ent­zün­det sich vor allem dar­an, dass bei dem geplan­ten frü­he­ren Ren­ten­ein­tritt nach 45 Bei­trags­jah­ren auch Zeit­räu­me berück­sich­tigt wer­den sol­len, in denen der Betrof­fe­ne arbeits­los gemel­det waren.

Ein Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter bekommt übri­gens für vier Jah­re Par­la­ments­zu­ge­hö­rig­keit bereits fast einen vier­stel­li­gen Betrag an „Pen­si­on“, ehe­ma­li­ge Mini­ster deut­lich mehr. Der Vor­stoß der CDU, in die Pen­si­ons­be­rech­nung nur tat­säch­li­che Arbeits­zeit ein­flie­ßen zu las­sen, ist aus Steu­er­zah­ler­sicht also durch­aus zu begrü­ßen.

Wo’s doch mit der Volks­wirt­schaft sowie­so nicht zum Besten steht:

„Der Kon­kur­renz aus den USA müs­sen wir etwas ent­ge­gen­set­zen“, sag­te Beppe Ulrich Gril­lo, Prä­si­dent des Bun­des­ver­bands der Deut­schen Indu­strie, zur Han­no­ver Mes­se. (…) „Deutsch­land ver­liert den Anschluss an die Welt­eli­te.“

„Und es mag am deut­schen Wesen / ein­mal noch die Welt gene­sen“ (E. Gei­bel); bzw. eben: Deutsch­land als Welt­eli­te, weil wir gar nicht wis­sen, wohin mit unse­rer Eli­te (außer halt ins Aus­land, weil’s dort weni­ger kostet), und die Eli­te­uni­ver­si­tä­ten bereits zum Ber­sten mit künf­ti­ger Eli­te (und Gen­der-Stu­dies-Stu­dierx­sen) ange­füllt sind bzw. eben mit sowas:

Baden-Würt­tem­berg [will] Bio­lo­gie und ande­re natur­wis­sen­schaft­li­che Fächer als Schul­fä­cher abschaf­fen und durch ein Fach „Natur­phä­no­me­ne und Tech­nik” erset­zen. The­men wie Klo­nen und Prä­na­tal­dia­gno­stik sol­len aus dem Lehr­plan ver­schwin­den. (…) Unge­fähr so, wie in den USA die Reli­giö­sen die Natur­wis­sen­schaf­ten aus dem Unter­richt drückt (sic!).

Zum Glück stirbt Euro­pa sowie­so aus. Wegen Gemü­ses, ver­steht sich. Krieg und Kli­ma wären zu wenig dra­ma­tisch.


Im Übri­gen bin ich der Mei­nung, dass es falsch ist, Sony­pro­duk­te zu kau­fen.

PolitikIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Drei­mal kurz ver­linkt: Face­book, Femi­nis­mus, Ver­brau­cher­schutz

Ich mag ja kein Face­book, aber Tho­mas Knü­wers Face­book-Ver­tei­di­gung (gegen Wer­beh­an­seln) ist tat­säch­lich applaus­wür­dig, schon weil ich auf­dring­li­che Wer­bung fast noch ein biss­chen weni­ger mag als Face­book:

Das durch Hybris ana­bo­li­sier­te Selbst­mit­leid mit dem Ihr der­zeit in Sachen Face­book durch die Bran­chen­me­di­en pro­pa­gan­diert, ist nicht mehr zu ertra­gen. Es zeugt vom tie­fen Glau­ben, die gan­ze Welt wol­le nichts sehn­li­cher, als Eure immer plat­ter und unmu­ti­ger wer­den­den Bot­schaf­ten und Eure eben­so immer glei­chen Waren. (…) Nicht “social” weil die Inter­es­sen der Nut­zer über die der Wirt­schaft gestellt wer­den. So den­ken Wer­ber.

Wenn die Kun­den sich frei­wil­lig kei­ne Ban­ner­wer­bung mehr angucken wol­len, klei­stern die Unter­neh­men den vir­tu­el­len Lebens­raum der Kun­den halt zwangs­wei­se mit Wer­bung zu. Viel hilft viel. (Ein Idio­ten­blockier­pro­gramm – das wär’s.)


Über­ra­schung:

Die rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung (von Rhein­land-Pfalz, A.d.V.) hat­te mit den Auf­drucken mehr Frau­en für die Kom­mu­nal­par­la­men­te gewin­nen wol­len. (…) Die Ver­fas­sungs­rich­ter stopp­ten das Vor­ha­ben zunächst in einem Eil­ver­fah­ren, eine Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che steht noch aus. Sie mach­ten aller­dings bereits jetzt „erheb­li­che Grün­de“ dafür aus, dass die Vor­schrif­ten ver­fas­sungs­wid­rig sind. Das Gericht sah durch die geplan­ten Stimm­zet­tel die Gefahr, dass der Grund­satz der Frei­heit der Wahl ver­letzt wird. (…) Mit Blick auf die mit der Neu­reg­lung eigent­lich ange­streb­te Frau­en­för­de­rung erklär­te [der rhein­land-pfäl­zi­sche Innen­mi­ni­ster Roger Lew­entz], die Lan­des­re­gie­rung wer­de nun ande­re Instru­men­te ent­wickeln, um den Anteil der Frau­en in den kom­mu­na­len Par­la­men­ten und Gre­mi­en zu erhö­hen.

Eigent­lich ja skan­da­lös, dass der Vor­sit­zen­de der SPD ein Mann ist; und der letz­te Kanz­ler­kan­di­dat auch. Die­se patri­ar­cha­li­sche Par­tei hält den Fort­schritt auf! (Ich bin ja sowie­so dafür, Wah­len ganz abzu­schaf­fen und Par­la­men­te ein­fach nach Rei­hen­fol­ge der Bewer­ber zu beset­zen. Das wäre sicher eine lusti­ge Zusam­men­set­zung.)

(via Schwerdt­fe­gr)


Apro­pos SPD: Der gegen­wär­ti­ge Bun­des­ju­stiz­mi­ni­ster – nicht mehr die groß­ar­ti­ge Sabi­ne Leu­theu­sser-Schnar­ren­ber­ger aus der lang­wei­li­gen F.D.P., son­dern Hei­ko Maas aus der SPD – hat­te kürz­lich eine Ein­ge­bung:

Dass jetzt zum wie­der­hol­ten Mal inner­halb weni­ger Mona­te mil­lio­nen­fach Nut­zer­da­ten abge­fischt wer­den, zeigt, wie wich­tig das The­ma der Daten­si­cher­heit ist (…) Ein Anbie­ter, bei dem die Kun­den­da­ten unsi­cher sind, wird auch bei den Ver­brau­chern kein Ver­trau­en fin­den.

Wenn es doch nur ein Mini­ste­ri­um gäbe, das sich für die Belan­ge von Ver­brau­chern ein­set­zen wür­de, so dass Hei­ko Maas‘ Ver­mu­tung auch poli­tisch bestärkt wird, indem zum Bei­spiel Unter­neh­men zu bes­se­rem Daten­schutz ver­pflich­tet wür­den! Man könn­te es „Ver­brau­cher­schutz­mi­ni­ste­ri­um“ (oder so ähn­lich) nen­nen und soll­te jeman­den als Mini­ster ein­set­zen, der auch zu sei­nem Wort steht. Wie wäre es mit Hei­ko Maas?

Oh.

Nerdkrams
Android-Apps absi­chern mit AFWall+ und AOSP

Panik!:

Ver­brau­cher­schüt­zer haben gete­stet, wel­che Zugriffs­rech­te 50 Apps ver­lang­ten, die sowohl im Goog­le Play Store als auch im Apple iTu­nes Store zu kau­fen sind. (…) Zugriffs­be­rech­ti­gun­gen soll­ten nur so viel wie nötig und so wenig wie mög­lich ange­for­dert wer­den.

Nicht unge­wöhn­lich sei­en Zugrif­fe der Apps zum Bei­spiel auf Adress- und Stand­ort­da­ten der Nut­zer, den Brow­ser­ver­lauf oder die Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer des Gerä­tes. (…) Außer­dem haben die mei­sten Ver­brau­cher eine Viel­zahl an unter­schied­li­chen Apps auf Ihren End­ge­rä­ten instal­liert: Mit­ge­teilt wird ein­mal der Stand­ort, ein ande­res Mal das Alter und das Gewicht des Ver­brau­chers, wie­der ande­re Apps wol­len Ein­blick in die Kon­takt­li­ste und die Seri­en­num­mer des End­ge­räts. (…) „Der App-Check hat gezeigt, dass drin­gen­der Hand­lungs­be­darf besteht, um die Nut­zung von Apps künf­tig trans­pa­ren­ter und siche­rer zu machen“, sag­te Elbrecht.

Die­ser Hand­lungs­be­darf kann jeden­falls unter Android bereits von Nut­zer­sei­te erfüllt wer­den – freie „AOSP“-basierte (also nicht gerä­te­her­stel­ler­sei­tig mit Eigen­wer­bung ver­se­he­ne) Dis­tri­bu­tio­nen wie Cya­no­gen­Mod, Slim­Kat und Para­no­id­Android machen’s mög­lich. (Im Fol­gen­den wird Slim­Kat auf einem Sam­sung Gala­xy S4 ver­wen­det, gege­be­nen­falls wei­chen Menüs und Aus­se­hen etwas von den Abbil­dun­gen ab.)

‘Android-Apps absi­chern mit AFWall+ und AOSP’ wei­ter­le­sen »

MusikkritikKaufbefehle
The Rol­ling Stones – Their Sata­nic Maje­sties Request

The Rolling Stones - Their Satanic Majesties RequestNennt mal ein paar Lie­der der Beat­les! – Das ist nicht so schwer, ein Teil von ihnen (es gibt ja genug) wird sowie­so von den Sen­dern tag­ein, tag­aus einem bei­na­he wehr­lo­sen Publi­kum vor­ge­spielt. Ein beson­ders bedrücken­des Bei­spiel war der Sen­der Radio 21, der vor ein paar Jah­ren die Ange­wohn­heit hat­te, jeden Mor­gen ein paar Beat­les-Lie­der zu spie­len, inzwi­schen ver­mut­lich aber damit auf­ge­hört hat.

Und jetzt nennt mal ein paar Lie­der der Rol­ling Stones!

„Satis­fac­tion“, ja. „Start Me Up“, auch rich­tig. „Paint It, Black“ und „Sym­pa­thy for the Devil“, viel­leicht noch „Angie“ und „Gim­me Shel­ter“. War’s das? Mei­stens. Das ist eigent­lich erstaun­lich: Nach über 50 Jah­ren im Musik­ge­schäft haben „die Stones“ deut­lich mehr hin­ter­las­sen, was man ken­nen könn­te. Klar, es war auch viel Unfug dabei, zum Bei­spiel das über­flüs­si­ge „Tat­too You“, aber auch eini­ge wah­re Alben­per­len wie „Some Girls“ und das deut­lich unter­be­wer­te­te „Their Sata­nic Maje­sties Request“.

Letz­te­res, ein hal­bes Jahr nach „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ der Beat­les ver­öf­fent­licht, wird oft als Ver­such miss­ver­stan­den, jenes zu kopie­ren. Wäh­rend aber von „Sgt. Pep­per“ ent­ge­gen dem ursprüng­li­chen Kon­zept nicht viel mehr übrig blieb als eine unzu­sam­men­hän­gen­de Lied­samm­lung, deren „Rah­men­hand­lung“ um eine Musik­grup­pe namens „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ auf ein Mini­mum gekürzt wur­de und deren „psy­che­de­li­sche Ele­men­te“ im Gegen­satz zu Pink Floyds wie­der­um 1967 erschie­ne­nen Debüt allen­falls den Geist der Hip­pies atme­ten, mach­ten die Rol­ling Stones es von Anfang an rich­tig.

Das wohl bekann­te­ste Stück auf „Their Sata­nic Maje­sties Request“ – „She’s a Rain­bow“ – ist trotz der beacht­li­chen Instru­men­tie­rung zugleich das unty­pisch­ste:

Wie so oft in den Jah­ren um 1967 her­um wur­de auf „Their Sata­nic Maje­sties Request“ näm­lich dane­ben aller­lei Unfug getrie­ben; sei’s ein schnar­chen­der Bill Wyman in „In Ano­ther Land“, sei’s das beschau­li­che Lager­feu­er­lied „Sing This All Tog­e­ther“, das die erste LP-Sei­te (mit John Len­non und Paul McCart­ney als Hin­ter­grund­sän­ger) eröff­net und in einer etwas län­ge­ren, aber völ­lig ande­ren, psy­che­de­lisch-durch­ge­dreh­ten Ver­si­on (nicht der fol­gen­den) wie­der schließt:

Das alles ist noch kein Grund, „Their Sata­nic Maje­sties Request“ über­ra­gend zu fin­den; aber da ist auch noch „Cita­del“.

„Cita­del“ – one of the most under­ra­ted Stones songs ever – ist das psy­che­de­li­sche Lied der Rol­ling Stones, klingt natür­lich nach John Len­non, Jef­fer­son Air­plane, The United Sta­tes of Ame­ri­ca und …And You Will Know Us by the Trail of Dead (und zwar gleich­zei­tig) und kann gar nicht genug gewür­digt wer­den:

Dass „Cita­del“ wie auch die mei­sten ande­ren Stücke auf die­sem Album nie live gespielt wur­de, ist eben­so bedau­er­lich wie die Rück­kehr der Rol­ling Stones zum gewohn­ten Blues­rock mit dem Nach­fol­ge­al­bum „Beggars Ban­quet“ 1968. Mit­grün­der Bri­an Jones blieb nicht mehr lan­ge in der Band – ver­mut­lich wegen über­trie­be­nen Dro­gen­kon­sums zog er sich wie Syd Bar­rett immer mehr zurück, 1969 wur­de er vor die Tür gesetzt und starb noch im sel­ben Jahr. „Their Sata­nic Maje­sties Request“ ver­schwand im Fol­gen­den weit­ge­hend aus der öffent­li­chen Wahr­neh­mung, was etwas scha­de ist.

Ich emp­feh­le jenen, die (wie ich) an den Rol­ling Stones vor allem ihre gele­gent­li­chen Expe­ri­men­te (Dis­co und Punk auf „Some Girls“ sowie eben die­ses hier) schät­zen, die­se Wahr­neh­mung zurück­zu­ge­win­nen, stil­echt auf Vinyl (weil’s schö­ner ist) oder eben auf einem Ton­trä­ger eurer Wahl. Der Rest kann’s natür­lich igno­rie­ren, aber dann ver­passt er was.

Open our heads, let the pic­tures come!
The Rol­ling Stones: Sing This All Tog­e­ther

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Autis­mus, Sascha Lobo, Lächel­ver­mei­dung

Miss­ver­ständ­nis­se über Autis­mus in den Medi­en zu suchen ist müßig; der Autis­mus­ver­gleich für jeden Men­schen, der irgend­wie anders ist, hat sich schon vor Jah­ren abge­nutzt. Trotz­dem fin­de ich die­se Fra­ge – aus­nahms­wei­se mal in einem aus­län­di­schen Medi­um – über­aus ent­lar­vend:

Wenn Autis­mus kei­ne Krank­heit ist, wie kann man ihn dann behan­deln?

„Wenn ein Holz­ele­fant kein Auto ist, wo kommt dann das Ben­zin rein?“

(Und wie kann man eigent­lich sol­che „Jour­na­li­sten“ behan­deln?)


Sicher auch nur ein Miss­ver­ständ­nis war es, dass ich ernst­haft davon aus­ge­gan­gen war, Sascha Lobos im Janu­ar in der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung“ ver­öf­fent­lich­ter Text mit dem Fazit, „das Inter­net“ sei kaputt und „der Netz­op­ti­mis­mus“ füh­re in sei­ner gegen­wär­ti­gen Form voll­kom­men am Ziel vor­bei, habe zur Fol­ge, dass er, Lobo, künf­tig nicht mehr als „Inter­net-Exper­te“ dum­mes Zeug in Medi­en, die das Lei­stungs­schmutz­recht för­dern, hin­ein­schrei­ben wür­de. Er schrieb damals, der „Recht­be­hal­te­wunsch“ sei bei „der Netz­ge­mein­de“ so stark wie nir­gends sonst.

Und er, Lobo (SPD), der „Spre­cher“, gar Erlö­ser der „Netz­ge­mein­de“, habe es ja damals schon gewusst, schrieb er also gestern in einem wei­te­ren „FAZ“-Text: Man brau­che – Gedan­ken­strich – „einen neu­en Inter­net­op­ti­mis­mus“. Dies­mal einen ohne Dumm­hei­ten, mein­te er damit; und ich bin opti­mi­stisch, dass die kol­lek­ti­ve Dumm­heit, die „uns“ alle paar Wochen einen neu­en Text unse­res „Vor­den­kers“ Sascha Lobo zu fres­sen gibt, „im Inter­net“ dann dem­nächst auch mal auf­hört.


Noch so ein Phä­no­men im „Jour­na­lis­mus“ sind im Übri­gen gestell­te Fotos zur Bebil­de­rung lang­wei­li­ger Text­wü­sten. Gezeigt wer­den meist betont fröh­li­che, betont trau­ri­ge oder sonst­wie beton­te Men­schen, mit denen vor­her geübt wur­de, wie sie mög­lichst unna­tür­lich aus­se­hen, damit es bes­ser in die Zei­tung passt.

Oder halt zum SWR, wo es ein Foto namens „Kin­der hal­ten Brief in die Höhe und gucken traurig.jpg“ gibt:

Kinder halten Brief in die Höhe und gucken traurig

Na ja, zwei von vier.

Ach, ihr.
Die Ärz­te: Ein Lächeln (für jeden Tag dei­nes Lebens)

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
PISA beweist: Deut­scher Nah­ver­kehr macht Schü­ler blöd!

Es gibt auch noch gute Nach­rich­ten: Nur ein Fünf­tel der deut­schen Schü­ler ist zu doof für All­tags­auf­ga­ben, was Deutsch­land im Ver­gleich zu ande­ren Län­dern sei­nem ehe­ma­li­gen Sta­tus als Land der Dich­ter und Den­ker wie­der ein wenig näher bringt.

Wie gut kön­nen Deutsch­lands Schü­ler all­täg­li­che Pro­ble­me lösen? Neue Daten aus der Pisa-Stu­die zei­gen: Ein Fünf­tel der 15-Jäh­ri­gen ist schnell über­for­dert. (…) Deutsch­lands Schü­ler lie­gen leicht über dem OECD-Durch­schnitt[.]

„All­täg­li­che Pro­ble­me“ – das klingt doch schon weni­ger nach Intel­li­genz­tests („sor­tie­ren Sie die­se abstrak­ten Gebil­de nach Rich­tig­keit“) als nach pra­xis­na­hem Bil­dungs­ver­gleich. Was für Pro­ble­me waren das denn so?

Die U‑Bahn fährt ein, schnell noch ein Ticket kau­fen: Tages­kar­te? Kurz­strecke? Ein Ring? Ermä­ßigt – oder doch nicht? Eine klei­ne Ent­schei­dung nur, aber sie lässt täg­lich Tau­sen­de rät­seln. Für die Pisa-Stu­die muss­ten sich welt­weit 15-Jäh­ri­ge mit sol­chen Auf­ga­ben befas­sen. (…) Beson­ders gut schnit­ten bei die­sem Test wie­der ein­mal asia­ti­sche Län­der ab: Sin­ga­pur, Korea und die chi­ne­si­schen Städ­te Macau, Hong­kong und Shang­hai ste­hen erneut an der Spit­ze. Auch Japan lan­de­te weit vorn.

Selbst die Asia­ten ver­ste­hen das Preis­sy­stem von blö­den Ver­kehrs­un­ter­neh­men wie der üstra also bes­ser als „wir“; bzw. haben sie die gar nicht erst. Dar­an könn­te man natür­lich arbei­ten, aber man könn­te auch ein­fach jeden, der es nicht ver­steht, für nicht all­tags­fä­hig befin­den. Könn­te man. Wie’s halt auch bei ande­ren Auf­ga­ben so ist:

Schon frü­he­re Stu­di­en hat­ten vor einem „Sockel der Abge­häng­ten“ in Deutsch­land gewarnt, der Bun­des­bil­dungs­be­richt aus dem Jahr 2012 bei­spiels­wei­se. Auch die­se Pisa-Aus­wer­tung zeigt: Fast 20 Pro­zent der deut­schen Schü­ler erreicht nicht das Basis­ni­veau (Level 2 von 6), in etwa gleich vie­le Jun­gen wie Mäd­chen. Sie kön­nen also nur sehr ein­fa­che Auf­ga­ben bewäl­ti­gen, ohne vor­aus­zu­den­ken; bei­spiels­wei­se schaf­fen sie es, das gün­stig­ste Möbel­stück aus einem Kata­log aus­zu­wäh­len. Im Ver­gleich: In Japan und Korea erlang­ten weni­ger als 7 Pro­zent nur das Basis­ni­veau.

Deut­sche Kata­lo­ge: Vie­le Bil­der, wenig Fak­ten. Japa­ni­sche Kata­lo­ge ken­ne ich aller­dings nicht.

Aber nicht nur öko­no­misch rele­van­te Aspek­te waren in der Stu­die gefragt:

Wer im All­tag und in der Arbeits­welt bestehen will, so die For­scher, der müs­se mehr kön­nen, als rei­nes Schul­wis­sen anzu­wen­den. (…) Der muss auch mal spon­tan ein frem­des Han­dy bedie­nen kön­nen, eine Kli­ma­an­la­ge oder einen MP3-Spie­ler.

Genau – in der Arbeits­welt fin­det kei­nen Platz, wer nicht schon in der Schu­le Fotos auf dem geklau­ten smart­phone machen kann.

„Machen Sie mal die Kli­ma­an­la­ge an!“
„Ich kann das nicht, Chef.“
„Sie sind ent­las­sen!“

Und wer senkt mal wie­der den Schnitt? Rich­tig:

Spit­zen­wer­te hin­ge­gen erziel­ten rund 13 Pro­zent der deut­schen 15-Jäh­ri­gen. Dar­un­ter sind deut­lich mehr Jun­gen (60 Pro­zent) als Mäd­chen (40 Pro­zent), die­ser Geschlech­ter­un­ter­schied ent­spricht dem OECD-Durch­schnitt.

Viel­leicht soll­te die grund­le­gen­de För­de­rung von Mäd­chen also nicht in Ein­stel­lungs­quo­ten bestehen, son­dern dar­in, dass sie erst mal bei­gebracht bekom­men, wie man lebt; also das vol­le Zug­ab­teil rich­tig mit MP3s beschallt. Sonst wird ja nie was aus denen!


Was macht eigent­lich die „Piran­ti­fa“ gra­de so? Nun, Oli­ver Höfing­hoff („Geh‘ mir aus der Son­ne, sonst knallt’s hier“, hier nach­zu­le­sen), Pirat in Ber­lin, fin­det, Ali Utlu, schwu­ler, athe­isti­scher, tür­ki­scher Pirat aus Köln, sei auf­grund sei­ner har­schen Kri­tik an der Anti­fa klar ein Ras­sist und damit sowas von raus aus jedem poli­ti­schen Dis­kurs. Poli­ti­scher Dis­kurs muss hete­ro­se­xu­ell blei­ben! – Egal. Gegen das System. Fuck die Nuss! Auch, wenn’s schmerzt.

PolitikIn den Nachrichten
Kal­ter Krieg, rel­oa­ded.

Ganz schön was los drau­ßen: Momen­tan ste­hen und lie­gen Putins Stuhl, Rake­ten, (immer­hin) ein veri­ta­bler Auf­schwung, die Fed-Sit­zung, eine Hun­gers­not, rus­si­sches Gas, der homo­pho­be Rus­se und natür­lich jeder ande­re Rus­se auch vor der Tür. Klin­geln möch­ten sie alle nicht.

Letz­tes Mal, als der Rus­se vor der Tür stand, war Russ­land noch ein Teil der Sowjet­uni­on; Deutsch­land als Puf­fer zwi­schen West- und Ost­mäch­ten, die gele­gent­lich auch mal im eige­nen Land (zum Bei­spiel mit­ten in Ber­lin) patrouil­lier­ten, hät­te bei tat­säch­li­chem Kriegs­aus­bruch ein gro­ßes Pro­blem gehabt, obwohl klar war, wer der Feind war: „Der Rus­se“ (im Westen) und „der Westen“ (im Osten). Nun hat „der Rus­se“ am 15. März 1991, dem Tag des Inkraft­tre­tens des Zwei-plus-Vier-Ver­trags, dar­auf ver­zich­tet, für Deutsch­land eine poten­zi­el­le Bedro­hung dar­stel­len zu wol­len, was die Wahr­neh­mung natür­lich ver­scho­ben hat (und die Anne­xi­on der DDR durch den Westen, der nur weni­ge Jah­re zuvor – „Ope­ra­ti­on Urgent Fury“ – schon ein­mal ver­sucht hat­te, einen Staat wider­recht­lich zu „befrei­en“, dann eben auch wie eine Erlö­sung aus­se­hen ließ).

Ein paar Jah­re Abstand schär­fen das Feind­bild: Die allei­ni­ge Schuld trägt der Rus­se, das hat Tra­di­ti­on; der Rus­se will mehr Macht und hat sie mit sei­nem Erd­gas jeden­falls über uns, womit wir ihm, dem „Iwan“ („WELT am SONNTAG“, 4. August 2013), so hilf­los aus­ge­lie­fert sind wie die Ukrai­ne, deren demo­kra­tisch gewähl­ter schlim­me Prä­si­dent erst unter unse­rem Bei­fall ver­trie­ben wur­de und jetzt zu unse­rem Ent­set­zen durch einen demo­kra­tisch gewähl­ten noch schlim­me­ren Prä­si­den­ten ersetzt wer­den soll. Demo­kra­tisch gewähl­ter schreck­li­cher Prä­si­dent Oba­ma, über­neh­men Sie! – Aber die Kon­trol­le mag man in den USA schon längst nicht mehr haben, als Füh­rer eig­net sich tra­di­tio­nell ein aus einem von Deutsch­land über­nom­me­nen Land stam­men­der Poli­ti­ker bes­ser: „USA geben Füh­rungs­rol­le in Krim-Kri­se an Mer­kel ab“ (SPIEGEL ONLINE) bzw. „Ange­la Mer­kel ist die wich­tig­ste Anfüh­re­rin in Euro­pa“ (eben­falls), weil sich CDU/CSU eben aus­ken­nen mit dem Wil­len des Vol­kes, wenn’s schon nicht das eige­ne ist.

So hat’s der Rus­se halt auch ver­dient, dass man sei­nem Wunsch, die bis­lang unab­hän­gi­ge Repu­blik Krim, deren Bewoh­ner zu einem Groß­teil ohne­hin Rus­sen sind, rus­sisch spre­chen und die mit der Ukrai­ne auch sonst nur wenig ver­bin­det (was ich aller­dings ver­ste­hen kann), auch offi­zi­ell unter die eige­nen Fit­ti­che zu neh­men, mit Kriegs­an­dro­hun­gen begeg­net: Mer­kel lehnt schär­fe­re Sank­tio­nen gegen Russ­land ab(, aber) US-Prä­si­dent Oba­ma (…) for­dert von den Euro­pä­ern höhe­re Mili­tär­aus­ga­ben, denn so als US-Ame­ri­ka­ner hat man’s nicht so mit Diplo­ma­tie. Wahr­schein­lich lässt Oba­ma auch zu laut brum­men­de Flie­gen im Schlaf­zim­mer mili­tä­risch besei­ti­gen.

Jeden­falls: Russ­land will die rus­si­schen Ein­woh­ner der Krim befrei­en, nicht unter­drücken (cf. Ste­fan Gärt­ner, „Gegen Ruß­land“, in: „Tita­nic“, April 2014), und wäh­rend Gre­na­da, Koso­vo, Afgha­ni­stan und (wird belie­big fort­ge­setzt) wenig­stens anstän­dig mit ordent­lich Gemet­zel vom untrag­ba­ren Zustand, nicht besetzt zu sein, befreit wur­den, fragt Russ­land ein­fach das Volk, das über­wie­gend über­ra­schen­der­wei­se (wie bereits 1992, 1994, davor und danach) lie­ber unab­hän­gig oder rus­sisch als wei­ter­hin zwangs­ukrai­nisch sein möch­te; ille­gal und unde­mo­kra­tisch wie sonst nur Volks­ab­stim­mun­gen in der Schweiz, ver­steht sich. Ein demo­kra­ti­scher Staats­prä­si­dent fragt nicht, was das poten­zi­ell bös­wil­li­ge, gar „kom­mu­ni­sti­sche“ (Lyn­don B. John­son) Volk gern hät­te, das ihn wohl kaum gewählt hät­te, wären sie mit ihm nicht ein­ver­stan­den. (Wes­halb im Übri­gen Chri­sti­an Wulff, vor­über­ge­hend Ober­haupt einer bei­na­he lupen­rei­nen Demo­kra­tie, auch so beliebt war; bis er halt irgend­wo ein­ge­la­den wur­de. Das kann so ein unge­sel­li­ger Deut­scher nicht lei­den.)

Eigent­lich ist ja doch schon alles wie frü­her, nur, dass der Rus­se nicht mehr mit Pan­zern in bom­bar­dier­ten deut­schen Groß­städ­ten rum­steht, son­dern in einem fer­nen Land eine Umfra­ge durch­ge­führt hat. Man würd‘ ihn schon gern dafür bestra­fen, aber die Dro­hung, ihm für den Win­ter ein­fach kei­ne Wär­me mehr abzu­kau­fen, über­zeugt nur wenig: Rus­si­sches Erd­gas ist „prak­tisch“ alter­na­tiv­los, wie prak­tisch. Jetzt steht der Rus­se nicht mehr nur vor der Tür, er zwingt uns außer­dem dazu, ihn sei­ne Lie­fer­ver­trä­ge ein­hal­ten zu las­sen. Putin, der Wirt­schafts­dik­ta­tor.

Und dies­mal kann uns nicht mal der Rea­gan hel­fen.


Und dann war da noch der Ver­ein Cam­pact, der sich für Ange­bots­viel­falt im Inter­net jen­seits der gro­ßen Kon­zer­ne ein­setzt und dafür einen Appell for­mu­liert und dar­um gebe­ten hat, ihn zahl­reich wei­ter­zu­ver­brei­ten. Bevor­zugt über die Dien­ste gro­ßer Kon­zer­ne, ver­steht sich:

Campact

Wer for­mu­liert nun eigent­lich einen Appell an Cam­pact?

Spaß mit Spam
Mit­tei­lung der gesen­de­ten Nach­richt

Oh, „Face­book“ (mit Anfüh­rungs­zei­chen) schreibt mir, sogar mal von einer „ech­ten“ Face­book-Mail­adres­se und mit ech­ten Face­book­links in der Mail. Ich habe, behaup­tet „Face­book“, ein Foto erhal­ten:

Prüfen Sie das angebrachte File

„Face­book“ testet augen­schein­lich einen neu­en Über­set­zungs­dienst.

Der Mail „ange­bracht“ – also bei­gefügt – ist eine eher unan­ge­brach­te .rar-Datei mit ent­hal­te­ner .scr-Datei, also einer aus­führ­ba­ren Datei für Win­dows-Syste­me. Ich habe bis auf Wei­te­res davon abge­se­hen, sie aus­zu­füh­ren. Der Ver­weis für all die­je­ni­gen, die Mai­l­an­hän­gen von „Face­book“ nicht trau­en, führt übri­gens auf offen­bar die glei­che .rar-Datei auf Dropbox.com, denn „Face­book“ kann sich kei­nen eige­nen Ser­ver lei­sten.

Auf Dropbox.com wird die Datei aber wenig­stens schön bunt ange­zeigt:

Dropbox

Sol­che Bild­schirm­scho­ner mag ich. Gern mehr davon.


Wer ist eigent­lich gera­de die übel­ste Dik­ta­tur, die euch in den Sinn kommt? Russ­land? Weit gefehlt! Wla­di­mir Putin ist bekannt­lich ein lupen­rei­ner Demo­krat und lässt auch die rus­si­schen Zei­tun­gen zu einem beacht­li­chen Teil ein­fach ihre Arbeit machen. Deutsch­land? Bescheu­ert, aber kei­ne Dik­ta­tur. Nein: Groß­bri­tan­ni­en natür­lich.

NetzfundstückeNerdkrams
Die Frei­heit, Böses zu tun

Erin­nert sich noch jemand an Hans-Peter Uhl? Hans-Peter Uhl hat­te 2013 für De-Mail gewor­ben. De-Mail war das hier:

Sie kön­nen mit De-Mail Ihre Nach­rich­ten und Doku­men­te, die Sie auf­grund ver­trau­li­chen und rechts­ver­bind­li­chen Inhalts bis­her per Brief­post ver­sen­det und emp­fan­gen haben (zum Bei­spiel Ver­trä­ge und Beschei­de), nun auch auf elek­tro­ni­schem Weg rechts­si­cher und nach­weis­bar ver­sen­den und emp­fan­gen.

De-Mail, der feuch­te Traum jedes Ver­fech­ters des „papier­lo­sen Büros“, hat sich bis heu­te so wenig durch­ge­setzt, dass offen­bar vie­le Leu­te fra­gen, wie man die­sen Daten­bal­last wie­der los­wird. Tja, ganz ein­fach auf dem rechts­si­che­ren Weg:

Um Ihren De-Mail-Ver­trag zu been­den, sen­den Sie uns bit­te eine unter­schrie­be­ne Kün­di­gung per Brief oder Fax zu[.]

:-?

(Nach­trag: Recht­li­che Hin­ter­grün­de beleuch­tet Didi in den Kom­men­ta­ren hier unten­drun­ter.)


Und dann war da noch die Free Soft­ware Foun­da­ti­on, die über Frei­heit und Unfrei­heit von Soft­ware­li­zen­zen wacht. Heut­zu­ta­ge hat anschei­nend bei­na­he jedes Pro­gramm eine bestimm­te Lizenz, an die die Benut­zer gebun­den sind. Und wie wenig es braucht, um eine Lizenz „unfrei“ zu machen!

The JSON Licen­se: (…) This licen­se uses the Expat licen­se as a base, but adds a clau­se man­da­ting: “The Soft­ware shall be used for Good, not Evil.” This is a rest­ric­tion on usa­ge and thus con­flicts with free­dom 0.

Nut­zern frei­er Soft­ware muss es erlaubt blei­ben, Böses mit der Soft­ware zu tun. (Außer gegen die Lizenz­be­din­gun­gen zu ver­sto­ßen, ver­steht sich; das ist selbst der Free Soft­ware Foun­da­ti­on zu böse.)

Das Böse ist immer und über­all!
Erste All­ge­mei­ne Ver­un­si­che­rung: Ba-Ba-Bank­über­fall

(via @horse_mans)

In den Nachrichten
Wahrt Chri­sti Toten­ru­he!

Papst Franz gibt den Auf­klä­rer:

Papst Fran­zis­kus (sic! A.d.V.) hat vor Wer­te­ver­fall und Qua­li­täts­ver­lust in den Medi­en gewarnt. Des­in­for­ma­ti­on, Ver­leum­dung und Ruf­mord sei­en ihre «drei größ­ten Sün­den», sag­te er am Sams­tag im Vati­kan vor katho­li­schen Medi­en­ver­tre­tern aus Ita­li­en. Die größ­te Gefahr gehe hier­bei von der Des­in­for­ma­ti­on aus.

Das Ober­haupt einer Glau­bens­ge­mein­schaft, die Homo­se­xua­li­tät ver­ur­teilt, über 350 Jah­re brauch­te, um die Son­ne als Zen­trum zu akzep­tie­ren, und auch sonst all­ge­mein kei­ne nen­nens­wer­ten Ein­wän­de hegt, wenn einer der Ihren einen „Sün­der“ ver­leum­det (wobei der Vor­wurf der Pädo­phi­lie sei­tens katho­li­scher Wür­den­trä­ger ein recht amü­san­ter ist), beschwert sich über „Des­in­for­ma­ti­on, Ver­leum­dung und Ruf­mord“ in „den Medi­en“. Das ist ja, als wenn ein Face­book-Ver­ant­wort­li­cher die Wah­rung der Pri­vat­sphä­re… schon gut.

Aber so ein Papst belässt es nicht bei einem Jux, es muss schon ein Dop­pel­jux sein:

In dem vom Vati­kan ver­öf­fent­lich­ten schrift­li­chen Text beklag­te Papst eine sen­sa­ti­ons­lü­ster­ne und ent­wür­di­gen­de Bericht­erstat­tung. (…) Katho­li­sche Medi­en müss­ten die­ser Ten­denz durch eine ethisch ver­ant­wor­te­te Bericht­erstat­tung ent­ge­gen­wir­ken. In ihren Sen­dun­gen müs­se deut­lich wer­den, dass mensch­li­che Schick­sa­le nicht instru­men­ta­li­siert wür­den.

Genau! Mensch­li­che Schick­sa­le (zum Bei­spiel Fol­ter bis hin zur Kreu­zi­gung) soll­ten nicht instru­men­ta­li­siert wer­den, zum Bei­spiel für Pil­ger­fahr­ten oder gar Reli­gi­ons­grün­dun­gen. Das wäre doch unmensch­lich, nicht?

Die ethi­sche Ver­ant­wor­tung wird aller­dings wohl ver­ge­bens war­ten müs­sen.

(via Eli­as Schwerdt­fe­ger)