Ohne Worte.
Mit Gedanken.
Guten Morgen.
Ohne Worte.
Mit Gedanken.
Guten Morgen.
Kannte ich noch gar nicht: Die Geschlechtsreife allein berechtigt noch nicht zur Inbetriebnahme der Geschlechtsorgane.
Rührend: Die „Jungle World“ („Club-Mate ist das Getränk des kommenden Aufstands“, 28. April 2011) macht sich Sorgen um die Gesundheit zweier veganer Kochneonazis:
Besorgniserregend hoch scheint der Koffeinverbrauch der beiden Köche zu sein. Gleich drei Kisten einer beliebten Mate-Limonade sind im Hintergrund zu sehen und auch sonst stehen Flaschen des Getränks fast überall in der Küche herum.
Da sieht man mal, wie krank die sind!
Apropos „Jungle World“:
De|si|de|rat, das; -[e]s, ‑e [lat. desideratum = Gewünschtes]: (…) (bildungsspr.) etw., was fehlt, was nötig gebraucht wird; Erwünschtes[.]
Und eigentlich kennt man das ja, dieses Gefühl, wenn etwas fehlt, etwas gebraucht wird; was dann auch meist gar nicht mal so fern ist, aber doch unnahbar, weil man statt des bequemen Weges vorbei an Wiesen und Flüssen lieber die steinige Abkürzung nimmt, um zu beweisen, dass man es nicht nur bequem haben will, und man bricht auf dem Weg zusammen und rappelt sich dann doch wieder auf, geleitet nur von den Farben und der Stimme, wie in diesem einen Lied, das jeder kennt und das für jeden anders heißt.
Und eigentlich ist es trostlos, wenn sie nicht bei einem ist. Aber das kennt ihr ja.
In der Welt der Frauenzeitschriften gibt es nicht nur Magazine mit Brüllbuchstaben wie JOY und JOLIE, auch mit kleinen Buchstaben kann großer Quatsch auf’s Papier gebracht werden.
‘Medienkritik XCI: Brain-Killer Intouch’ weiterlesen »
Öfter mal ein Abenteuer wagen.
Das Haus verlassen, wenn die Sonne scheint.
Montagsmusik einfach mal nachmittags veröffentlichen.
Und dazu Eatliz hören, die großartigen Eatliz mit der wunderbaren Lee Triffon, die – was ich bedaure – mittlerweile nicht mehr dabei ist.
Was bleibt? Hey, dies:
Prost.
Was macht eigentlich der Feminismus gerade so?
Na ja, er spricht über Twitter, das seine Protagonisten nutzen, …
(…) um mitzubekommen, was in der Welt oder bei unseren Freund_innen, Kolleg_innen und anderen Menschen passiert, um GIFs zu posten, um uns zu freuen und manchmal auch aufzuregen – eben für alles, wofür soziale Netzwerke und dieses Internet™ so gut sind. Was wir da schreiben, kann jede_r lesen, es ist über Suchmaschinen auffindbar, kurzum: öffentlich.
Das Internet – ™ – ist also dazu da, um GIFs zu posten und sich zu freuen. Die Wikipedia gehört da gar nicht rein, da lernt man ja nur was. Kranke Scheiße.
Aber was, wenn man sich so freuen will, dass nur diejenigen es sehen, von denen man das will? Auch dafür hat das geschlechtergerechte Twitter-Diskussionsteam von „kleinerdrei“ – vier Frauen, ein Mann (der sich womöglich selbst nicht im Klaren darüber ist, wie der Flauschiwattibegriff „kleinerdrei“ auf jeden denkenden Menschen wirkt) – einen Tipp:
Was vielleicht erst einmal nicht gerade außergewöhnlich klingt, führte in den letzten Jahren dazu, dass sich neben dem öffentlichen “Tageslicht-Twitter” eine kleine Parallelwelt entwickelt hat, bestehend aus großteils geschützten Accounts, die einander folgen. Eine Art Filterbubble in der Filterbubble also, auch bekannt unter dem Namen “Dark Twitter”.
„Auch bekannt“, und zwar exklusiv den fünf Kleinerdreiern, denn außerhalb derer filterbubble voller Blubberblasen kennt eine große Suchmaschine „Dark Twitter“ nur in Form von schwarzweißen Logos und dergleichen, aber Bekanntheit ist eben immer, was man dafür hält. Die „Popstars“ in der BRAVO kennt ja auch niemand, der es klaren Verstandes zuzugeben gewillt wäre.
Aber solcherlei lässt sich ja ändern:
Kleinerdrei-Autor_innen reden öffentlich über Dark Twitter.
Hurra!
Wir erfahren also, was zum Beispiel kleinerdrei-Autorin „Jule“ dazu bewegte, ihr Twitterkonto zuzumachen:
Ich hatte den Eindruck, dass ich einen Ort im Netz brauche, an dem ich sehr geschützt offen teilen kann, was mich bewegt, ohne direkte Konsequenzen in meinem sozialen Leben außerhalb des Social Webs fürchten zu müssen.
„Geschützt offen teilen, ohne dass es jemand sieht“, also eigentlich gar nicht teilen, nur halt öffentlich. Ihr versteht?
Mit dem Vormarsch von Twitter (rammtammtamm, rammtammtamm! A.d.V.) wurde ich auch auf meinem privaten Account stärker als bisher im professionellen Kontext beobachtet. Das sorgte dafür, dass ich mir eine bestimmte Leichtigkeit, die mein Twittern einst bestimmt hatte, stärker zensierte – auch im vorauseilenden Gehorsam. Außerdem war ich neugierig, wie sich die Tweets meiner Freundinnen und Freunde zu denen auf ihren “normalen” Accounts unterscheiden würden, wenn sie geschützt wären.
Vorauseilender Gehorsam gegenüber einer Gruppe von Menschen, denen das Twitterverhalten von „Jule“ weitgehend schnuppe sein dürfte, in Verbindung mit Neugier darauf, wie sich Freunde verhalten, wenn keiner zuguckt, also im Wesentlichen großes Misstrauen gegenüber den Einzigen, die möglicherweise wirklich interessiert, was „Jule“ so an privaten Dingen nichtöffentlich nichtteilt; kein Wunder kommt die deutsche Blogosphäre nicht aus dem Quark. Zu meiner Zeit hat man Freunde ja noch anders definiert.
Mitbloggerixe „Anne“ tut derweil kund:
Immer mehr von meinen Freund_innen hatten einen und ich wollte ausprobieren, ob das für mich vielleicht auch sinnvoll ist. Ich wollte auch gerne wieder ein bisschen back to the roots und so twittern können, wie ich es ganz am Anfang tat (als mein Account noch protected war).
Nichtöffentliches Nichtteilen als gemeinsame Freizeitbeschäftigung sowie als „Befreiung“ von einem Zwang, den „Anne“ niemand auferlegt hat: „Ich durfte frei schreiben, aber ich wollte nicht, und jetzt darf ich das ganz viel mehr, also will ich es auch.“ Kleinerdrei, hihi.
„Maike“ betrachtet das Dunkeltwittern hingegen eher als wellness:
Außerdem war ich neugierig, wie sich so ein geschützter Account wohl anfühlen würde.
Mir läuft’s auch schon kalt den Rücken hinunter. – Wie wohltuend dagegen die bodenständige Begründung von „Lena“:
Diese Unbeschwertheit, die ich von meinen ersten Tweets Anfang 2008 noch kenne, hat sich für mich irgendwann verloren – teilweise durch die vermehrte Nutzung im Arbeitskontext, aber auch dadurch, dass ich manche Gedanken und emotionalen Themen inzwischen einfach nur noch mit einer sehr begrenzten Anzahl von Menschen teilen möchte.
Wenn ich mit einer sehr begrenzten Anzahl von Menschen gesondert kommunizieren möchte, dann tu‘ ich das ja normalerweise nicht auf einer Website, deren Zweck es ist, der ganzen Welt etwas mitzuteilen, sondern nutze Gruppenchats oder E‑Mail, aber ich schreibe ja auch nicht für kleinerdrei, wo der Twitter-Stummelsprech deutliche Spuren hinterlassen hat, sondern weiß mein Hirn und das Internet gleichermaßen angemessen zu benutzen. So wird nie etwas aus mir.
Eine spannende Frage folgt leider erst später:
Was bedeutet Dark Twitter (DT) für dich?
Das wurde zwar schon weiter oben in den Grundzügen erläutert, aber bei kleinerdrei sieht man einander gern beim Schwafeln zu, so lange es den eigenen feministischen Grundregeln gehorcht, egal, ob’s von einem Mann kommt:
Daniel: Er bedeutet für mich meine Freund_innen immer mit meinem Smartphone in meiner Tasche zu haben – ein Safe Space, an dem ich mich nicht zurückhalten oder Angst haben muss, verurteilt zu werden. Außerdem geben wir einander sehr viel Rückhalt und spenden Trost, was mir sehr viel bedeutet.
Freunde, die Leid und Trost im Freundeskreis gleichermaßen auf 140 Zeichen beschränken: Angenehm zeitsparend, aber ein bisschen bedauerlich. Andererseits: Safe Space! Bingo!
„Anne“ („Dark Twitter ist ein Gruppenchat auf sehr sensibler Ebene.“) sieht das ähnlich, allerdings naiver als „Maike“:
Ich bin nur mit sehr wenigen Menschen dort verbunden und fühle mich an einen sehr intimen Chat-Raum erinnert – wobei das ja gar nicht so recht zutrifft, weil wir keine homogene Gruppe sind und zum Teil mit unterschiedlichen Menschen verbunden sind und es lediglich einige Überschneidungen gibt. Es ist schon erstaunlich, wie gut es tut, sich öffnen zu können und auch mal Dinge zu äußern, die man sonst für sich behalten hätte. Ich habe viel über und durch die Menschen gelernt, mit denen ich dort verbunden bin.
Man kann dort über alles reden, weil man einander vertraut, obwohl man einander ja oft gar nicht viel gemeinsam hat, aber man kann sich so toll irgendwo zugehörig fühlen, weil so’n Klick auf einen „Folgen“-Knopf schon intimer ist als Sex, seinem Sexualpartner erzählt man ja auch nicht immer alles. Safe Space, ihr wisst schon.
Und was machen die Auto_r/s/en auf „Dark Twitter“ genau anders als im normalen Twitter? „Jule“ gesteht:
Auf Dark Twitter bin ich ungefiltert mit meiner Meinung und meinen Stimmungen. Ich reagiere emotionaler und unmittelbarer auf das, was mir passiert. Ich teile dort nicht so viele Links, sondern reflektiere vor allem über meinen Tag.
Wäre ich etwas zynischer, würde ich mich dankbar zeigen, dass das wenigstens unter Verschluss bleibt; so aber vergleiche ich mit ihrem normalen Account namens @julianeleopold, wo ich nicht überragend viele Links, wohl aber allerlei Befindlichkeiten sehen kann. Ich mag mir ihr dunkles Twitterkonto gar nicht vorstellen: Ein Doppelpunktapostrophklammerauf pro Stunde?
Währenddessen hat „Daniel“ ganz andere Vorstellung von seiner dunklen Zweitidentität:
Ich bin viel expliziter und ungefilterter auf Dark Twitter. Manchmal formuliere ich auch halbgare Gedanken vor mich hin und schaue ihnen beim Wachsen zu.
Lebe, Kreatur! Lebe! Das „geheime Twitter“ als Notizblock für halbgare „Interviews“ mit sich selbst, ungefiltert und ungeschliffen wie die Murmel, die im Kopf des Autor_s_n herumeiert. Alle Neune.
Maike: Ich schreibe auf meinem geschützten Account, ohne lange zu überlegen und voller Vertrauen. Das ist sehr, sehr schön.
Ich schreibe dort, wo es keiner sehen soll, jede blöde Idee auf und freue mich dann, wenn es niemand weitersagt. Das könnte ich auch auf einem Stück Papier oder in einer Notiz in meinem Twittergerät tun, aber da sieht es ja keiner. Das ist sehr, sehr bescheuert.
Was nehmen die Autoren sonst so aus „Dark Twitter“ mit? Nun, „Daniel“ (der mit dem Safe Space) freut sich auch über den Beistand:
Dark Twitter hat mir schon über viele schwere Zeiten hinweggeholfen (an dieser Stelle noch einmal ein dickes Bussi an meine Dark-Twitter-Timeline! <3). Da ich tatsächlich einige Menschen im Dark Twitter habe, die ich vorher noch nicht so gut kannte, habe ich diese noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen gelernt.
Ein Safe Space voller „Freund_innen“, die man nicht gut kennt; das ist wohl so was wie Facebook, aber Facebook bekommt kein Bussi.
Warum dann überhaupt noch Twitter? Ganz einfach:
Jule: Ich liebe Dark Twitter als Ort, der neben meiner Tageslicht-Timeline Rückzug bietet und Unterstützung. Es ist, wenn es gut ist, der schnellste Weg, Freunde aus dem Internet zu erreichen.
Und:
Daniel: Ich möchte nicht mehr auf Dark Twitter verzichten. Es ist essentieller Bestandteil meiner Twitternutzung geworden und bringt mir liebe Menschen sehr nah, obwohl bzw. trotz dem sie physisch vielleicht weit weg sind.
Und:
Anne: (…) Außerdem mag ich wirklich sehr wie es mich mit Freund_innen näher zusammenbringt, die ich leider viel zu selten offline sehe, weil sie z.B. woanders wohnen oder gerade viel um die Ohren haben.
Und:
Maike: Es ist mir sehr, sehr wichtig. Hier habe ich eine Standleitung zu jenen Menschen, die mir am Herzen liegen mit all ihren wundervollen Facetten, und die ich zum Teil viel zu selten sehen kann.
Wie Internet also. Nur kürzer.
Schön, dass wir darüber gesprochen haben.
(Mit Dank an S.!)
Überrascht von der plötzlichen Stille hält man plötzlich inne und bleibt stehen. Der Krach der Stadt wird verschluckt von der Weite des Wassers. Am Horizont flimmert das Leben vorbei.
Viel zu helles Straßenlicht verfolgt einen einsamen Radfahrer, der sein Gefährt vorüberschiebt. Ob er nach Hause geht oder zu Freunden? Sein Gesicht verrät es nicht. Stimmen schwellen an und ebben ab; kein Mensch begleitet sie. Man ist allein mit sich und der unendlich scheinenden Freiheit, die sich vor den eigenen Augen auftut.
In Sichtweite tost der Alltag, Menschen eilen der Zeit hinterher, als sei dieser Tag ihr letzter ohne Ketten. Dass sie gefesselt sind von der Zwölf, wird ihnen niemals bewusst sein.
So, weiß man, möchte man niemals werden. Man lässt sie rauschen und entschleunigt mit Blick auf das Wasser. Die Laternen trüben das, was vor einem liegt.
Es könnte in diesem Moment nicht gleichgültiger sein.
Immer noch auf der Suche nach dem Sinn des Lebens? Peter Hahne hilft bei der Auswahl.
(via Stefan Niggemeier)
Es ist Montag. Diesen Tag kann nur noch ein Bass retten.
Zum Beispiel dieser hier:
Guten Morgen!
Zu meiner großen Verwunderung gibt es in der technikfeindlichen CDU offenbar auch Leute, die das Internet für beinahe alltägliche Dinge (Bloggen, Einkaufen, Kinderpornografie) verwenden. Einer derer, die zumindest ein Blog besitzen, ist Peter Tauber, der „schwarze Peter“, wie er sich – haha, hoho – spaßeshalber selbst nennt.
Wie es so die Art von CDU-Mitgliedern ist, redet Peter Tauber offenbar besonders gern darüber, wie blöde doch die Anderen sind, wenn sie Dinge erklären, die er selbst völlig falsch versteht. Zum Beispiel das Internet.
So jammerte er am Mittwoch:
Im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung findet seit einigen Monaten schon eine Diskussion über die Herausforderungen der Digitalisierung statt. Ich wurde schon mehrfach darauf angesprochen, warum dort „ausgewiesene“ Netzexperten wie Martin Schulz ihre Ideen veröffentlichen können, die Union aber nicht stattfindet. Die Antwort darauf ist einfach: Das scheint nicht gewünscht.
Eine andere mögliche Antwort lautet ja, dass die Haltung der „ausgewiesenen Netzexperten“ von der CDU – das Internet sei ein hervorragendes Überwachungswerkzeug und darüber hinaus lediglich Lebensraum für Spott und Unsitte (zum Beispiel Peter Taubers Blog) – bis zum Überdruss bekannt ist und man danach nicht ständig fragen muss, wenn man es sowieso dreimal täglich in den Nachrichten hört, aber das ist jetzt nur meine Interpretation.
Egal, die Anderen haben den schwarzen Peter die Schuld; ob F.D.P., Linke oder SPD, Weitsicht hätten sie, so Peter Tauber, allesamt nicht. Gut machten es nur die Grünen:
Grün ist bekanntlich die Farbe der Hoffnung. Und Hoffnung macht die Antwort der grünen Frontfrau Katrin Göring-Eckardt auf Martin Schulz. Sie verweist darauf, dass der Mensch als freies Individuum nicht zwangsläufig zum Opfer der Algorithmen werden muss. Sie beschreibt die Chancen des Netzes, wirkt dabei aber nicht naiv und hat gleichzeitig die Herausforderungen im Blick. Damit hebt sie sich wohltuend von Schulz und seinen Apologeten ab, wenngleich ihr nicht alle in ihrer Partei mit dieser Grundhaltung folgen dürften.
Schwarz ist bekanntlich die Farbe der Trauer, und was das über die CDU aussagt, weiß vielleicht nur Peter Tauber selbst.
Was macht die Union? Sie hat sich für einen eigenen Ausschuss für digitale Themen im Deutschen Bundestag eingesetzt und die Digitalisierung zu einem der wichtigsten Themen für die Zukunft unseres Landes erklärt. Von Volker Kauder liest man, es werde in dieser Legislaturperiode kein Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung geben, mit Nadine Schön wird eine Netzpolitikerin stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CDU-Bundestagsfraktion und Alexander Dobrindt versorgt das Land mit schnellem Internet. Über allem wacht ein fröhlich twitternder Peter Altmaier im Kanzleramt, der schon lange die Chancen der Digitalisierung erkannt hat. Wie gesagt: Auch in der Politik ändert das Netz alles.
Und Peter Tauber bloggt sogar! – Die Vorstöße anderer CDU-Politiker, das Internet zu einem besseren Ort zu machen (etwa durch Stoppschilder), kommen in seiner Aufzählung nicht vor. Das ist etwas schade.
Nadine Schön ist übrigens auch im Ausschuss für digitale Themen, ihre weiteren Ausschüsse sind oder waren die für Familie, Senioren und Frauen & Jugend; eine Karriere wie einst Ursula von der Leyen also. Ansonsten hört man von dem Ausschuss nicht viel, allzu viel, was tatsächlichen Ergebnissen ähnelt, hat er aber auch bisher schon aufgrund intransparent nichtöffentlicher Sitzungen nicht vorzuweisen. Die CDU überlässt den nicht papiernen Teil der Netzpolitik also offenbar auch weiterhin dem CCC, also zumindest denen, die sich auskennen.
So viel zur Parteipolitik. Zum Internet selbst gibt es natürlich auch was zu sagen, insbesondere allerlei Unsinn:
Wir stellen fest, dass dieses Internet uns offensichtlich zwingt, über unsere Welt neu nachzudenken.
Diese Erkenntnis ist sehr lange gereift, wie mir scheint – der Anfang des öffentlichkeitstauglichen Internets mit Webauftritten für jeden Willigen reicht immerhin bis Mitte der 1990-er Jahre, die Zeit von CompuServe und GeoCities, zurück, seitdem hat sich mancherlei verändert. Manche benutzen das Internet sogar schon mithilfe ihres Telefons, das oft nicht einmal mehr eine Wählscheibe besitzt. Eiderdaus!
Und Peter Tauber dachte, getrieben von seinem Versäumnis, hektisch drauflos:
Keine Frage. Es ist eine Aufgabe von Politik, Regulierung so zu gestalten, dass das Internet Fortschritt bedeutet und Chancen.
So weit, so Quatsch. Was ein von Bürgern für Bürger gestaltetes Kommunikationsmittel unter welchen Umständen für wen bedeutet, gehört nicht staatlich reguliert. Das Internet ist kein Markt. Konstantin von Notz, Mitglied im Ausschuss, verwies noch zur Bundestagswahl 2009 auf das Grundrecht auf digitale Intimsphäre. Jeder hat im Internet die gleichen Chancen und sein Fortschritt ist ungebremst, weil jedenfalls unser Staat nicht versucht, die technischen Entwicklungen in ein bürokratisches Korsett zu zwängen. Keine Frage.
Das hat Peter Tauber selbst ja auch beinahe verstanden: Wenn Blinde über Farben – nee, Blödsinn:
Wenn Christdemokraten über das Internet und die Chancen und Herausforderungen reden, dann gilt zunächst zu klären, auf welcher Basis wir das tun. Für uns ist das Netz nicht per se gut oder böse. Das Internet ist das, was wir damit und daraus machen.
Richtig. Und was hat eine Partei damit zu tun?
Ach so:
Wir sind in vielen Fragen bisher aber die Antwort schuldig geblieben, wie wir allgemein gültige Rechtsnormen auch in der digitalen Welt durchsetzen oder uns auch der kritischen Debatte stellen, ob die digitale Welt einen Teil dieser Normen verändert.
Die digitale Welt als realer Raum ohne jemanden, der Rechtsnormen durchsetzt, ist eine ansprechende, leider völlig verquere Metapher. Versuchen wir mal Analogien zu finden: Eine Website ist ein multimediales „schwarzes Brett“, eine E‑Mail eine größere Postkarte, eine Tauschbörse eine, nun, Tauschbörse. Höhlenmalereigemeinde my ass. Dass es verboten ist, mithilfe einer E‑Mail jemanden zu ermorden, auszurauben oder ihm sonstiges körperliches Leid zu bereiten, ist nichts, was durchgesetzt werden müsste, schon weil eine Zuwiderhandlung nicht so einfach zu bewerkstelligen sein dürfte. Alles Weitere – Verleumdung, Betrug und dergleichen – ist auch ohne weitere Regulierung bereits Strafverfolgung ausgesetzt. Dass solche Verfahren oft einfach eingestellt werden, ist nichts, was mangelnder Regulierung des Internets anzulasten wäre.
Ein paar konkrete Vorschläge, was in Deutschland besser laufen könnte, macht Peter Tauber nach all dem Müsste und Sollte aber doch noch:
Wir müssen endlich Datenpolitik machen. Das Schlagwort von den Daten als Währung der Zukunft ist in aller Munde. In der Tat haben Daten einen Wert. Darum ist auch das Gerede von der Datensparsamkeit nicht klug. Sammelt mehr Daten!
Richtig: Je mehr Daten es über einen Bürger gibt, desto besser ist es, sie zu sammeln und zu speichern und sicherheitshalber den amerikanischen Freunden zur Sicherheitsverwahrung zu überlassen. Damit man ein backup hat.
Lasst uns darüber reden, wie wir innere und äußere Sicherheit sowie meine Rechte als Bürger auch in der digitalen Welt ins Gleichgewicht bringen. (…) Der Staat hat die Aufgabe für meine digitale Sicherheit und digitale Integrität zu garantieren. Wir müssen unsere eigenen Nachrichtendienste und Institutionen in die Lage versetzen, Angriffe von außen abzuwehren. (…) Wenn wir unseren eigenen Staat dazu in die Lage versetzen wollen, müssen deutsche Behörden die dafür notwendigen Kompetenzen haben und materiell entsprechend ausgestattet sein. (…) Historisch mag das Misstrauen der Deutschen gegenüber dem eigenen Staat begründbar sein. Aber wenn wir von unserem Staat einen gewissen Schutz erwarten, dann müssen wir sicherstellen, dass der Staat die Aufgabe, die wir ihm zuschreiben erfüllen kann.
Sicherheit! Ohne sie kein populistischer Wortbeitrag von der Union. Überwachung? Sicherheit! Flugzeuge abschießen lassen? Sicherheit! Das Internet vor staatlich unerwünschter Benutzung schützen? Sicherheit! Sicherheit und digitale Integrität. Was das ist, erklärt Peter Tauber nicht, aber bestimmt irgendwas mit Sicherheit. Alles zum Wohl der Bürger! – Dass dafür von Steuergeld mehr Eingriffsmöglichkeiten für die Kriminalpolizei geschaffen werden müssen, ist doch einleuchtend, oder?
Das Wort „historisch“ bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch im Übrigen so etwas wie „lange her, längst vergangen“. Natürlich hat der BND noch mindestens 2013 mit der NSA kooperiert, um Bürger noch besser unter Generalverdacht stellen zu können, aber das ist doch alles Schnee von gestern. Eigentlich genau wie die CDU.
Ach, Sicherheit. Das ist ja auch nur eins der beiden größen Themen der Kanzlerin. Das andere Thema ist das Wachstum. Und was, wenn nicht die Förderung der Binnenökonomie, ist eine vornehme Aufgabe des Internets? Eben!
Wir müssen entscheiden, ob wir die Chancen für Fortschritt und volkswirtschaftliches Wachstum, die das Internet uns bietet, nutzen wollen. Unter dem Stichwort Industrie 4.0 schreitet die Digitalisierung der Volkswirtschaften unaufhaltsam voran.
Das Wort „Volkswirtschaft“ erinnert mich an vergessen geglaubte Arbeiter- und Bauernstaaten. Das Internet als Mittel zur Erfüllung des Vierjahresplans? Um Himmels Willen, Herr Tauber – der Sozialismus funktioniert ja nicht mal ohne Vernetzung.
Oh, pardon, es geht ja gar nicht um Ackerbau, sondern um die „Säulen unserer Wirtschaft“:
[Wir müssen] unsere Stärke, nämlich den innovativen Mittelstand gerade in den Bereichen Maschinenbau und Automotive, aber auch in allen anderen Branchen bis hin zur Dienstleistung besser mit der Digitalisierung verknüpfen.
Deutschlands Stärke: Ausländische Arbeitskräfte für einen Hungerlohn in steuervergünstigten Ländern Maschinen zusammenbauen lassen und diese in Deutschland verkaufen. Dabei hilft das Internet. Garantiert!
Hinzu kommt die digitale Wirtschaft selbst. Setzen wir die richtigen Rahmenbedingungen für innovative Start Ups?
(Ich musste diesen Satz mehrfach lesen, bevor mir klar wurde, dass keine Start – Ups!, sondern Start-ups gemeint sind; ich weiß nicht, ob das mit Peter Tauber zu tun hat.)
Was wären denn die richtigen Rahmenbedingungen für junge Unternehmen? Klar: Mehr Markt!
Die Bundesregierung prüft nun die von Netzpolitikern der CDU vorgeschlagene Einführung eines Markt 2.0 als neuem Börsensegment.
„Markt Zweinull“, mit „2.0“ dran klingt eben alles nach Internet und Neuland und prima Technik, außer wenn man berücksichtigt, dass sogar Internetbrowser Version 30 längst hinter sich gelassen haben, aber die CDU plant eben langfristig und nachhaltig. Beständigkeit ist das Stichwort. Vielleicht kauft sie sich demnächst sogar mal ein Faxgerät.
Der Markt als Regulierungsfaktor für das Internet – das hätt‘ die F.D.P. kaum besser gemacht. Ich vermisse sie jetzt schon ein bisschen weniger.
Zumal’s um die Steuern ja schon etwas schade sei:
Natürlich sollen amerikanische Konzerne in Europa gute Geschäfte machen, aber sie sollen hier auch Steuern zahlen.
Wenn ich ein Unternehmen in Deutschland gründen wollen würde, hätte ich zwei Anliegen:
Beides bekäme ich in Deutschland derzeit garantiert nicht. Dafür gibt es mancherlei Ursache – die Wirtschaft gehört jedenfalls nicht dazu.
Wie wollen wir in der digitalen Gesellschaft leben, lernen und arbeiten?
„Die digitale Gesellschaft“ als Abgrenzung zur übrigen Gesellschaft. Wir gehen nicht mehr essen, wir surfen einfach ins Bistro. Ach, Herr Tauber… – einfach ach. Zumindest stellen Sie im gleichen Absatz noch die wichtige Frage:
Vermitteln wir ausreichend Medienkompetenz? Wer sich an den Informatikunterricht in den 1980er Jahren erinnert, der zuckt innerlich zusammen bei der Vorstellung schon Grundschüler eine Programmiersprache lernen zu lassen.
Das werte ich als Nein.
Dabei gibt es so viele Länder um uns herum, von denen wir so vieles lernen könnten:
Mit Estland gibt es ein echtes Musterland in Europa wenn es um die Digitalisierung geht. Wir sollten die Probleme anpacken, lernen von denen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung nicht nur stellen, sondern sie meistern.
In Estland werden seit 2010 über 800 Websites („Glücksspiel“, wie es heißt) blockiert, eine einjährige Vorratsdatenspeicherung ist Pflicht für jeden Anbieter. Die Herausforderungen der Digitalisierung scheinen nicht nur Peter Tauber zu überfordern.
Also flüchtet er sich lieber in Fiktion:
Die Menschen arbeiteten (in Star Trek, A.d.V.) im 24. Jahrhundert, um sich „selbst zu verbessern. Und den Rest der Menschheit.” Davon sind wir noch weit weg. Das ist Science Fiction. Aber das war das Internet vor 40 Jahren, 1974 als ich geboren wurde, auch noch.
1974 existierten die noch heute verfügbaren Dienste und Protokolle für E‑Mail, Telnet und FTP bereits seit einigen Jahren, 1979 folgte das Usenet.
Aber davon ist Peter Tauber bekanntlich weit weg.
Mit wenigen Ausnahmen halte ich mich hier auf dieser meiner Internetpräsenz ja zurück mit dem Beleidigen großer Zusammenschlüsse von Menschen, die mir unter Umständen für mein ehrenrühriges Benehmen ordentlich einen reindrücken könnten; das bedeutet, sobald ich das tu‘, muss schon einiges passiert sein.
Ein wenig Vorgeschichte: Es ist nur wenige Jahre her, als ein neuer DSL-Anbieter ins Haus musste. Ich war damals noch nicht mit ausreichend Kenntnissen von den verschiedenen Konkurrenten ausgestattet und musste mich somit auf die schönen neuen Heilsversprechen aus der Werbung verlassen. Die Telekom, das war damals schon klar, war nie für ihre Kundenfreundlichkeit bekannt. Ganz anders 1&1, ein Unternehmen, das noch vor wenigen Jahren mit Marcell d’Avis, dem Leiter für Kundenzufriedenheit, warb. Ein Leiter für Kundenzufriedenheit? Ja, der war echt!
Unkenrufen von Freunden, 1&1 sei alles andere als empfehlenswert, schenkte ich keinen Glauben. Irgendwas ist ja immer. Wessen Anbieter ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein. So hatte ich nun jedenfalls einige Jahre lang ziemlich problemlos DSL via 1&1, es gab keine untypischen Probleme, die nicht mit Stromausfällen oder ähnlichen Dingen zu tun hatten.
Bis gestern.
Gestern gegen 13 Uhr beschloss 1&1, dass der hiesigen Wohnregion ein zünftiger Leitungsausfall mal gut täte. Bei so etwas sind sie dann auch immer recht schnell. Eine Kleinigkeit, sollte man meinen, gerade auch, da 1&1 momentan vollmundig im Fernsehen dafür wirbt, dass ernsthafte Probleme in der Regel binnen eines Werktages gelöst würden.
1&1 sah das anders. Die „bekannte Störung“ sei bereits dabei, behoben zu werden, hieß es noch am Dienstagabend; heute Mittag – der Router zeigte eine „DSL-Störung“ an – hieß es schließlich, das Problem könne nicht von der Ferne aus behoben werden, ein Techniker müsse Montag kommen. Montag? Ach, was – vor Mittwoch gebe es ohnehin keinen freien Termin.
Frühestens Mittwoch.
Frühestens siebeneinhalb Tage (also einen sehr langen 1&1‑Werbungstag) nach dem Ausfall findet man im Hause 1&1 Zeit und Muße dafür, dass Telefon und Internet bei einem, zugegeben, nur Privatkunden mal wieder läuft. Also vielleicht.
Wisst ihr Ferkelwemser von 1&1 eigentlich, wie lange siebeneinhalb Tage so sind? Das ist über eine Woche. Eine Woche ist ungefähr ein Viertel eines Monats. Ein Monat ist der Zeitraum, für den ihr vermutlich regelmäßig euer immer noch deutlich zu hohes Gehalt bezieht. Keine Sorge, ich werde mein Scherflein dazu beitragen, dass es angemessen gekürzt wird – ich zahle, sobald ich wieder funktionierendes Internet habe, um euch rücksichtslosen Kunden verachtenden Scheißladen endlich durch einen anständigen Anbieter mit wenigstens geringem Anspruch an die Zufriedenheit seiner Kunden zu ersetzen, euch schon bald nichts mehr ein.
Marcell d’Avis ist längst Geschichte. Ein Unternehmen wie 1&1 braucht nun mal keine Schnittstelle zum Kunden mehr.
Und wisst ihr, was ihr eigentlich auch sparen könnt, ihr von 1&1? Richtig: Die Kunden! Aber keine Sorge, das Problem löst sich sicherlich von ganz allein. Macht einfach so weiter.
(Beziehungsweise eben: Liebe.)
Fill your boots, fill your spine, fill your dome, fill your eyes with love, wie man’s auch definieren mag, und irgendwas muss die Welt vom Zerbrechen abhalten; die EU jedenfalls nicht.
Prost und guten Morgen.
Die heutige Europawahl, über deren Ergebnisse und deren Zustandekommen ich lieber einmal den Mantel des Schweigens ausbreiten möchte (andererseits: angesichts dessen, „Volksparteien“ wie CDU und SPD immer pünktlich am Wahltag die vor sich hinsiechenden Alten aus ihrem Delirium heraus eigens zum Wahllokal und dann zurück ins Heim fahren lassen, wundert es mich nur noch wenig), traf mich so überraschend, dass ich gar nicht daran gedacht habe, rechtzeitig das WP-WahlBlackout-Plugin europawahltauglich zu machen.
Die neue Version ist unter dem bekannten Link zu finden und funktioniert jetzt auch mit anderen Wahlen als Bundestagswahlen zusammen. Die nächste Landtagswahl kommt bestimmt.