PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
SH.TG.N – Black Beet­le

Die NSA-Sache ist vom Tisch: Ex-NSA-Chef ent­schul­digt sich bei Deut­schen. Was für Unmen­schen müs­sen wir sein, um ihm nun nicht end­lich zu ver­zei­hen? (Müs­sen wir ja auch nicht, so ein ech­ter Ex-NSA-Chef bit­tet nicht um Ent­schul­di­gung, er ent­schul­digt sich ganz ein­fach selbst.)

Ver­rückt, alle­samt.

Apro­pos ver­rückt:

SH.TG.N – 08. Black Beet­le (Live @ St-Jacobs, Gent­se Fee­sten 2011)

Guten Mor­gen!

(mit Dank an L.!)

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Com­bat Astro­no­my – Kun­da­li­ni Apo­ca­lyp­se

Combat Astronomy - Kundanini ApocalypseNach so viel schlim­mer Poli­tik wird es Zeit, sich wie­der auf die äthe­ri­sche Kraft Kun­da­li­ni im Kör­per zu kon­zen­trie­ren, um vom Zustand der völ­li­gen Bestür­zung in den der abso­lu­ten Glück­se­lig­keit über­zu­ge­hen. Dabei hilft bekannt­lich Musik.

James Hug­get­ts Musik­pro­jekt Com­bat Astro­no­my („bekämp­fe Astro­no­mie!“) macht eben­sol­che. 2013 erschien mit „Kun­da­li­ni Apo­ca­lyp­se“ das sech­ste Stu­dio­al­bum von Com­bat Astro­no­my, die momen­tan als Duo akti­ve „Band“ wird hier unter Ande­rem von Elai­ne di Fal­co, seit 2008 Sän­ge­rin von Thin­king Pla­gue (von mir bereits 2012 aus­führ­lich gewür­digt), unter­stützt. Was gibt’s zu hören?

Vor allem Bass:

James Hug­get­ts mäch­ti­ger Bass domi­niert die­se Musik so deut­lich, dass man erst ein­mal wenig von dem mit­be­kommt, was hier sonst noch pas­siert.

Dabei ist das so man­ches. Neh­men wir als Bei­spiel Stück 2, „Path Fin­ders“: Ver­ein­zelt erklingt ein schrä­ges Saxo­phon über einem anhal­ten­den Chor­tep­pich, plötz­lich zerreißt’s die Stil­le: Bass, Schlag­zeug, Gitar­re, dazu wei­ter­hin das gele­gent­li­che Saxo­phon. Frau di Fal­co steu­ert Gesang bei, der gar kei­nen Text hat. Ver­rückt. Zwi­schen­durch aller­lei Elek­tro­nik, Key­board­ge­klim­per, schon wie­der der Chor. Bratz, bratz-bratz. Frei­form­jazz auf Metal­un­ter­grund. Abrupt endet jeden­falls letz­te­rer, wäh­rend erste­rer anhält. Kei­ne Sor­ge, das Pfei­fen seid nicht ihr, das ist Teil des Stücks. Asso­zia­ti­on: broken.heart.collector (ohne die Holz­in­stru­men­te).

So ähn­lich funk­tio­niert die kom­plet­te „Kun­da­li­ni Apo­ca­lyp­se“. Zwar scheint mein Chakra nach dem Hören noch immer unver­än­dert zu sein, aber schön war’s halt doch. Hop­eful­ly some of you wind up checking this thing out and find out about a cool band though, if you’­re inte­re­sted in jazz and metal fusi­ons. Das klingt nach mir.

Außer bei Ama­zon gibt’s „Kun­da­li­ni Apo­ca­lyp­se“ übri­gens auch via Band­camp zum Kauf, an letz­te­rem Ort auch als Kom­plett­stream. Kost‘ ja nichts.


An die­ser Stel­le übri­gens mei­nen ver­bind­lich­sten Dank an den Femi­nis­mus, der mich nun end­lich dazu bewegt hat, dem CCC bei­zu­tre­ten.

In den NachrichtenPiratenparteiWirtschaft
Hoo­lig­an­pi­ra­ten und Aus­län­der­gold

Gut: Es spricht sich lang­sam her­um, dass „die Pira­ten“ kei­nen Rich­tungs­streit aus­fech­ten.

Die Aus­ein­an­der­set­zung in der Pira­ten­par­tei fin­det nicht zwi­schen „links“ und „rechts“ statt, son­dern zwi­schen lau­ten, poli­ti­schen Hoo­li­gans und Leu­ten, die eine Poli­tik jen­seits der vor­han­de­nen Denk­scha­blo­nen machen wol­len.

Schlecht: Die Kar­rie­ri­sten in der Par­tei gehen trotz­dem nicht weg. Viel­leicht haben sie den Text nicht gele­sen.

(Bonu­s­poin­te aus aktu­el­lem Anlass: Wisst ihr übri­gens, mit wem eini­ge Mit­glie­der der Pira­ten­par­tei – ange­tre­ten auch mit dem Anspruch, Lob­by­is­mus zu bekämp­fen – mor­gen gemein­sam „für den Bür­ger“ gegen Atom­ener­gie demon­strie­ren wol­len? Rich­tig: Mit der Wind­wärts Ener­gie GmbH. – Manch­mal glau­be ich ja, die machen das mit Absicht.)


Wie schön:

Der EU-Gip­fel hat Don­ners­tag­abend das end­gül­ti­ge Aus für das Bank­ge­heim­nis für Aus­län­der beschlos­sen.

End­lich ist Schluss mit der lästi­gen Rechts­auf­fas­sung, das Ver­mö­gen von Aus­län­dern sei Pri­vat­sa­che. Die sind ja selbst schuld, wenn sie ihr Gold leicht­fer­tig unse­rem Volk anver­trau­en.

Das hat sich ja bewährt.

(…) man (…) neh­me ihnen alle Bar­schaft und Klein­od an Sil­ber und Gold, und lege es bei­sei­te zum Ver­wah­ren.
Mar­tin Luther: Von den Juden und ihren Lügen

MusikIn den Nachrichten
„Anders! Nicht bes­ser!“

Übri­gens, Johan­nes Stra­te (c/o „Revol­ver­held“),

die heu­ti­gen Gazet­ten infor­mie­ren über Ihr Vater­glück, das Sie wie folgt beju­bel­ten:

Revol­ver­held-Sän­ger Johan­nes Stra­te freut sich, dass sein ein­jäh­ri­ger Sohn Emil Papas Stim­me im Radio erkennt. „Wenn er unse­re Songs hört, dann guckt er schon genau hin und reagiert dar­auf anders, als wenn er ande­re Lie­der im Radio hört.“

Ihr Thron­fol­ger, Herr Stra­te, ist somit bereits kein klei­nes Kind mehr, son­dern hat sei­ne Taug­lich­keit zu einem voll­wer­ti­gen Mit­glied einer den­ken­den Gesell­schaft unter Beweis gestellt; denn wir alle, die wir uns für zu den­ken imstan­de wäh­nen, reagie­ren anders, wenn wir Ihren ewi­gen Teen­ager-Empö­rungs­pop ertra­gen müs­sen, als zum Bei­spiel auf gute Musik, etwa so:

Sie soll­ten eigent­lich viel öfter Ihre Musik hören.

Bit­te meld‘ dich nicht,
mach‘ dich nicht lächer­lich!
Revol­ver­held: An dich

(Das war jetzt etwas unsach­lich.)

PersönlichesLyrik
Sie. (Frag­ment 9)

„We can’t afford the time to sit and cry or to won­der why.
We’­ve got so many things star­ted to say, we have to get through.“
– Tin­der­sticks: Ren­ted Rooms


… Sie waren zu weit gegan­gen.

Es spiel­te kei­ne Rol­le mehr, wer sie waren oder was sie ein­an­der bedeu­te­ten. Es hat­te sich viel getan, seit sie damals in den Wir­ren der neu­en Zeit auf­ein­an­der­tra­fen, fest ver­wur­zelt in ihrem eige­nen Geflecht, das sie nie­mals auf­ge­ge­ben hät­ten.

Die Zeit aber blieb nicht ste­hen. Wäh­rend ihr Wur­zel­werk sich immer fei­ner ver­flocht, löste er sich aus sei­nen Ket­ten und schweb­te davon, ob er woll­te oder nicht; und manch­mal blieb er auf sei­nem Flug hän­gen an den auf­stei­gen­den Bal­lons, ver­fing sich in den Lia­nen sei­ner Unzu­läng­lich­keit. Sie hat­te ihn durch die Wir­ren beglei­tet, nie als sein Schat­ten, jedoch, wenn er wie so oft strau­chel­te, als jemand, der ihm das Mes­ser lieh, das ihn befrei­te. Trotz allem, was sie trenn­te: Nie hät­te er das mis­sen wol­len.

Eine unacht­sa­me Berüh­rung war es, die ihn aus sei­nen Tag­träu­men hoch­schrecken ließ, ver­sun­ken im Gedan­ken an eine Zeit ohne Sor­gen, an den letz­ten Tag, an dem er glück­lich gewe­sen war, an dem Ort, an dem er sich leben­dig fühl­te. Ob es der selt­sam ver­trau­te Ort war, der Alko­hol oder die Melan­cho­lie, die ihn vom Hori­zont aus umweh­te? Er wuss­te es nicht und er wei­ger­te sich, dar­über nach­zu­den­ken.

Er muss­te flie­hen.

Als sie dar­über spra­chen, schien es ihm noch unwirk­li­cher als je zuvor. War sie immer noch die, die er zu ken­nen glaub­te? Je mehr er über sie erfuhr, desto unsi­che­rer wur­de er. Bis dahin war es wie selbst­ver­ständ­lich erschie­nen, ihr zu begeg­nen. Je öfter sie sich fort­an begeg­ne­ten, desto ver­rück­ter wur­de es für sie, die gebo­te­ne Distanz zu wah­ren, da ein Schritt zurück täg­lich schwe­rer erschien und ein Schritt nach vorn immer auch ein Schritt näher zur Zer­stö­rung gewe­sen wäre. Sie woll­ten ein­an­der nicht ver­let­zen und schei­ter­ten an sich selbst.

Nun, da sie ein­an­der atem­los gegen­über saßen, berauscht von­ein­an­der und doch betrübt von der Gewiss­heit, dass sie ein­an­der zum Grei­fen nah, aber letzt­lich uner­reich­bar waren, sann er sich zurück an den Ort, an dem er sich gebor­gen fühl­te. „Was“, dach­te er, „ist Lie­be eigent­lich?“, wäh­rend er in ihren Armen lag und wuss­te, dass nichts mehr von dem, was er jetzt sagen oder tun wür­de, von Bedeu­tung sein wür­de.

Der Mond schwieg, als die Erin­ne­rung sei­nen Sinn trüb­te. Wie schön sie doch war; wie schön es doch gewe­sen war. Er fühl­te sich frei und war sich gewiss, dass die­se Frei­heit ihren Tri­but for­dern wür­de. Er ahn­te nicht, wie hoch der Preis sein wür­de. …


„We’­re alo­ne and I’m listening;
I’m listening so hard that it hurts.“
– Leo­nard Cohen: Amen

Nerdkrams
Open­BSD als schlan­ke Alter­na­ti­ve auf betag­ten Think­Pads

Dass ich das Betriebs­sy­stem Free­BSD sehr schät­ze, ist für regel­mä­ßi­ge Leser mei­ner Tex­te ja kein Geheim­nis mehr. Ein Blick über den Tel­ler­rand bleibt den­noch erhel­lend.

Vor einer Wei­le erstand ich ein gün­sti­ges Think­Pad T60. Mei­ne anders­wo kurz geschil­der­te Lei­dens­ge­schich­te beim Ver­such, ver­schie­de­ne BSDs dar­auf zu testen, möch­te ich hier gar nicht en detail repro­du­zie­ren, son­dern das Augen­merk auf eine ganz ande­re Fra­ge len­ken: Wie lässt sich ein „uralter“ 32-Bit-Lap­top opti­mal nut­zen?

‘Open­BSD als schlan­ke Alter­na­ti­ve auf betag­ten Think­Pads’ wei­ter­le­sen »

In den NachrichtenPolitik
Ent­span­nung, Dia­log, Zusam­men­ar­beit (2)

Der Westen so:

Nach dem Umsturz in Kiew (…) hat­ten rus­si­sche Sol­da­ten die Krim fak­tisch besetzt und die mos­kau­treue Regio­nal­re­gie­rung in Sim­fe­ro­pol ein Refe­ren­dum abhal­ten las­sen: 96,8 Pro­zent spra­chen sich dabei am ver­gan­ge­nen Sonn­tag für einen Anschluss an Russ­land aus.

Der Westen betrach­tet die­ses Votum jedoch als völ­ker­rechts­wid­rig und hat inzwi­schen eine Rei­he von Sank­tio­nen beschlos­sen.

Die grü­ne „taz“ so:

Wagen­knecht meint zum Bei­spiel fälsch­li­cher­wei­se, der Westen habe kein Recht, die Ver­let­zung des Völ­ker­rechts durch Russ­land zu kri­ti­sie­ren. Denn: Der Westen habe ja, von Irak­krieg bis Koso­vo, selbst das Völ­ker­recht ver­letzt. In die­ser Logik dür­fen sich künf­tig nur noch San Mari­no und Liech­ten­stein auf das Völ­ker­recht beru­fen. Das Völ­ker­recht, das die Links­par­tei gern wie eine Mon­stranz vor sich her­trägt, ist dann nur noch ein Hau­fen Papier.

Aber… aber DAS VÖLKERRECHT!!1 :aufsmaul:

Spaß mit Spam
Kurz­spam: „This is not spam!“

Unter dem Betreff „Sport­ing shirts“ erreich­te mich heu­te eine Mail, deren Absen­der mir sicher­lich ledig­lich Infor­ma­tio­nen zukom­men las­sen woll­te; Infor­ma­tio­nen, deren schie­re Wich­tig­keit eine Über­mitt­lung in Text­form natür­lich von vorn­her­ein lächer­lich erschie­nen ließ:

This is not spam

This mes­sa­ge is not SPAM. The con­tent is infor­ma­ti­ve.

Fühlt ihr euch auch so gut infor­miert wie ich?

Montagsmusik
Leo­nard Cohen – So Long, Mari­an­ne

(Und die­ser Mon­tag schlägt ja immer auch in jeder nur erdenk­li­chen Här­te zu, weil man dann eben doch zu viel inve­stiert in das mit der Ein­sam­keit oder ihre Über­win­dung, und wäh­rend Russ­land sich die Krim ein­ver­leibt, sich aber par­tout wei­gert, auch Ost­deutsch­land mit­zu­neh­men, und wäh­rend in Ber­lin irgend­wel­che SEO-Arsch­lö­cher, die nie etwas Anstän­di­ges gelernt haben, völ­lig von der Erkennt­nis über­rascht wer­den, dass Inter­net­nut­zer sich gele­gent­lich auch mal für den Inhalt einer Web­site und nicht nur für ihre Meta­tags inter­es­sie­ren, und wäh­rend bei­na­he der hal­be Bun­des­vor­stand der Pira­ten­par­tei die schwe­len­de Dis­kus­si­on über den Umgang mit ideo­lo­gisch ver­blen­de­ten Spin­nern nicht mehr aus­sit­zen will und sich in den dor­ti­gen Kom­men­ta­ren wohl jede nur denk­ba­re Schreib­wei­se von „Rück­grat“ fin­det, fällt es mir schwer, das alles in mehr als kur­ze Neben­sät­ze zu pres­sen, weil dann ja doch wie­der alles über­la­gert wird von der Schwer­mut.)

Leo­nard Cohen Live on Ger­man TV, 1979 1 So Long Marianne2

(Kön­nen wir Ber­lin nicht ein­fach gegen die Schweiz ein­tau­schen?)

Guten Mor­gen.

Piratenpartei
„… von MEINEN Gebüh­ren!“

Erin­nert sich noch jemand an Anke Dom­scheit-Berg?

Anke Dom­scheit-Berg (Frau von Dani­el Dom­scheit-Berg, des­sen Umtrie­be nor­ma­ler­wei­se wesent­lich inter­es­san­ter sein soll­ten) ist nicht nur gele­gent­li­che Kan­di­da­tin für alles Mög­li­che (momen­tan für die „Euro­pa­li­ste“) in der Pira­ten­par­tei Deutsch­land, son­dern oben­drein Femi­ni­stin und Buch­au­to­rin, die nicht nur ihr Blog (Vor­sicht: Ver­weis auf Anke Dom­scheit-Bergs Blog!), son­dern auch von der Basis – also unter ande­rem von mir – bezahl­ten web­space der Pira­ten­par­tei für Eigen­wer­bung nutzt (sie­he zum Bei­spiel hier, hier und hier).

Und wie put­zig sie die Voll­be­schal­lung auf allen Kanä­len zu begrün­den ver­sucht!

Das ist natür­lich Wer­bung in eige­ner Sache, aber hät­te ich nicht gewollt, dass Men­schen mein Buch lesen, dann hät­te ich auch kei­nes geschrie­ben[.]

So weit die Rah­men­hand­lung.

Anke Dom­scheit-Berg ist oben­drein aller­dings nicht nur Mitgliedsbeitrags‑, son­dern auch GEZ-Zah­le­rin (hat sie das Memo nicht gele­sen?), und als sol­che fin­det sie es natür­lich total blö­de, wenn ande­re Autoren, die sie nicht mag (zum Bei­spiel Thi­lo Sar­ra­zin), von ihren Gebüh­ren was sagen dür­fen:

Ich zah­le GEZ, um ras­sis­mus u men­schen­feind­lich­keit bei buch­mes­se eine platt­form zu bie­ten?! WTF. @ard mes­se­stand: pic.twitter.com/2Ay3AjMhfb

Nun kann man von Thi­lo Sar­ra­zin hal­ten, was man will (straf­ba­re Äuße­run­gen hat er offen­bar bis­lang nicht getan), aber mir erschließt sich der direk­te Zusam­men­hang nicht. Dar­auf ist Anke Dom­scheit-Berg spä­ter noch ein­mal ein­ge­gan­gen: Es wider­spre­che dem Bil­dungs­auf­trag, „finan­ziert von öffent­li­chen Gel­dern“, Herrn Sar­ra­zin eine Platt­form zur Ver­mark­tung sei­nes Buches zu bie­ten; es for­de­re auch nie­mand ein Ver­bot, ihn reden zu las­sen, nur eben nicht wer­bend in der ARD.

Ich stim­me ihr inso­fern zu, als öffent­lich-recht­li­cher Rund­funk mei­nes Erach­tens nicht der Selbst­dar­stel­lung Ein­zel­ner die­nen soll­te (obwohl ich mir noch nicht ganz sicher bin, ob nicht schon das Abspie­len von Musik nicht mehr als blo­ße kom­mer­zi­el­le Wer­bung für die jewei­li­gen Inter­pre­ten ist).

Anke Dom­scheit-Bergs Buch trägt übri­gens den Titel „Mau­ern ein­rei­ßen!“. Das „Kul­tur­ge­spräch“ über die Über­win­dung von Mau­ern – Ende Janu­ar 2014 im SWR, einem Sen­der der ARD – hat­te damit sicher­lich nichts zu tun.


Nach­trag: Soeben erfah­re ich, dass das, was ich oben „ihr Blog“ nann­te, trotz der Adres­se ankedomscheitberg.de und des Impres­sums gar kein Teil ihrer Web­site ist, denn auf ihrer Web­site – anders als auf besag­tem Blog – ste­he „nix von pira­ten­par­tei“. Da hat mich doch das Pira­ten­si­gnet in der Adress­zei­le fast in die Irre geführt!

Nach­trag (2): Anke Dom­scheit-Berg ist wie­der ein­ge­fal­len, dass sie gar nicht Lan­des­ge­schäfts­stel­le heißt; ein eige­nes Signet hat sie sich aber immer noch nicht zuge­legt. P wie Pan­ke.

SonstigesMir wird geschlecht
Medi­en­kri­tik LXXXVI: Cos­mo­po­li­tan deckt auf: Von Schwär­men und Där­men

Cosmopolitan April 2014Die diesmo­na­ti­ge „Cos­mo­po­li­tan“ – nach Eigen­aus­sa­ge in der ent­hal­te­nen Zooey-Descha­nel-Lob­hu­de­lei ein „Maga­zin, das sonst Büh­ne ist für sexy-selbst­be­wuss­te Frau­en, die es faust­dick hin­ter den Ohren haben“ – ent­hält einen Arti­kel namens „Ihr Schwarm: Der Darm“, in dem Giu­lia Enders (begei­ster­te Medi­zin­stu­den­tin) der­art enthu­sia­stisch dar­über refe­riert, wie groß­ar­tig das mensch­li­che Ver­dau­ungs­sy­stem doch sei, dass ich mir das Heft­chen nicht ent­ge­hen las­sen konn­te. Wel­cher Mann lässt ein­ma­li­ge Chan­cen, sein Wis­sen über die Frau­en wei­ter zu ver­tie­fen, schon gern unge­nutzt?

Und was inter­es­siert die Frau­en so?

Nun:

11 Män­ner, 1 Fra­ge: Was ist wirk­lich guter Sex?

Im zuge­hö­ri­gen Arti­kel – pas­send zum heu­ti­gen „Schnit­zel-und-Blo­wjob-Tag“ – kom­men 11 total natür­li­che Män­ner und eine Sta­ti­stik zu Wort: 82 Pro­zent der Män­ner sei es „laut secret.de“ – dass einer der Befrag­ten die­ses Por­tal emp­fiehlt, ist sicher­lich nur ein Zufall – wich­tig, dass Frau­en „auch mal“ die Initia­ti­ve ergrif­fen, aber nur etwa die Hälf­te der 11 Män­ner schil­der­te ein ent­spre­chen­des Erleb­nis. Da hat jemand nicht auf­ge­passt!

(Den lusti­gen, wenig­stens nur eine Sei­te lan­gen Arti­kel „Die Pim­mel-Per­spek­ti­ve“, in dem Redak­ti­ons­pim­mel Max König im Namen der Män­ner dring­li­che Fra­gen wie „Bevor­zugt ihr Jün­ge­re?“ pau­schal beant­wor­tet und der die Rubrik „Sex“ in die­ser Aus­ga­be der „Cos­mo­po­li­tan“ beschließt, möch­tet ihr gar nicht erst lesen. Wirk­lich nicht.)

Sonst so? Ein raum­grei­fen­des The­ma scheint mal wie­der das Aus­se­hen zu sein, gleich drei Titel­the­men wett­ei­fern um Auf­merk­sam­keit, mal mit Gegen­sät­zen, …

Unge­sund leben, super aus­se­hen: Par­ty, Fast Food, Stress – so sieht es Ihnen kei­ner an

… mal mit Hyper­la­ti­ven:

Kün­di­gen Sie das Gym!: Die effek­tiv­sten Home­trai­nings – Kicken sogar Couch-Pota­toes!

Und was macht man dann, wenn man als gestress­te Par­ty­lö­win mit Fai­ble für unge­sun­den Papp­fraß end­lich auf­ge­hört hat, ein Gym­na­si­um Fit­ness­stu­dio zu besu­chen? Klar: Man wird Top­mo­del und trägt häss­li­che Fum­mel:

Spor­ty chic: GNTMs zei­gen, wie man den Mega­trend trägt

(Im Inhalts­ver­zeich­nis ist übri­gens von „Spor­ty Chic(ks)“ die Rede. Zum Gackern.)

„Super aus­se­hen“ ist dabei leich­ter als es der Titel sug­ge­riert:

(…) mit den neu­en Cremes pfle­gen Sie Kater, Stress und klei­ne Sün­den ein­fach weg!

Weg­pfle­gen hat durch­aus Charme, obwohl ich das Wort eher in schlech­ten Alten­hei­men als im „Beauty“-Bereich einer Frau­en­zeit­schrift ver­or­tet hät­te. Ich erwä­ge es nichts­de­sto­trotz bei­zei­ten in mei­nen akti­ven Wort­schatz zu über­neh­men.

Es gibt jetzt sogar Cremes spe­zi­ell für Werk­ta­ge und das Wochen­en­de, (sic!) und sogar Mas­ken für den Tag nach der Par­ty.

Maske

Und war­um soll man dann auf hei­mi­sche Kraft­übun­gen set­zen? Weil man sich, statt allein zu jap­sen, dabei auch auf Eng­lisch anbrül­len las­sen kann:

Unser Tipp für Ihre Fit­ness: Zu Hau­se den Com­pu­ter hoch­fah­ren. Ehr­lich! Denn via Sky­pe kann man nun mit den Fit­ness­gu­rus aus New York trai­nie­ren.

Es war schon lan­ge klar: Wir nerds sind den Frau­en immer um eine Mate­fla­schen­län­ge vor­aus. Wir ver­zich­ten nicht nur auf das Fit­ness­stu­dio, son­dern sogar auf die pas­sen­den Gurus und das Zeit rau­ben­de Trai­ning. Wir machen uns eben sehr ungern zum Affen.

Dar­um ver­zich­ten wir auch auf den „Sex Slang“ (sic!), den Wort­schatz, der „defi­nitv“ (sic!) „nur für Erwach­se­ne ist“:

Koma­su­tra: Zwei Betrun­ke­ne haben Sex (oder ver­su­chen es zumin­dest).
Amei­sen­tit­ten: Gän­se­haut.
Rea­dy for Fred­dy: Beschreibt eine Frau, die geil auf Sex ist.

(Und das geht eine gan­ze Sei­te lang so.) :aufsmaul:

Zum Schluss der „Cos­mo­po­li­tan“ „erklärt“ Moritz Pon­ta­ni, „war­um Män­ner nichts mit Büchern anfan­gen kön­nen“:

Auuuh! Vam­pir­sa­gas sind nix für Män­ner. Bes­ser: Zei­tun­gen! Hin­ter dem Wis­sens­teil macht ihr Ego ähn­li­che Geräu­sche

Bücher, das weiß die auf­ge­klär­te „Cosmopolitan“-Leserin näm­lich, sind immer etwas mit Vam­pi­ren. Ande­re Bücher gibt es nicht. Oder doch?

Es ist tat­säch­lich wis­sen­schaft­lich erwie­sen, dass sie, wenn sie denn mal lesen, Klas­si­ker, Sach­bü­cher, Histo­ri­en­bü­cher oder die Zei­tung lesen (übri­gens dop­pelt so viel wie ihr).

Män­ner lesen kei­ne Bücher. Nur Sach­bü­cher. Und Klas­si­ker. Und Histo­ri­en­bü­cher. Aber kei­ne Bücher!

Auuuh!

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
Stu­dierx der Gal­li­er

Ver­fech­tern des „Gen­der­stern­chens“, also der Wort­bil­dung aus Wort­stamm + Aste­risk + weib­li­cher Wort­endung zur Dar­stel­lung meh­re­rer Geschlech­ter in einem Wort, hat­te ich bis­lang meist, wenig beein­druckt von der Femi­ni­sie­rung (ent­schei­dend sind im Deut­schen nun mal die Endun­gen), vor­ge­schla­gen, mich erst wie­der zu behel­li­gen, wenn sie ein „gene­ri­sches Neu­trum“ eta­blie­ren konn­ten, also eine Wort­form, die beschreibt, dass zur ange­spro­che­nen Grup­pe theo­re­tisch Ange­hö­ri­ge jed­we­den bio­lo­gi­schen oder son­sti­gen Geschlechts gehö­ren könn­ten, durch­aus ange­trie­ben von der Hoff­nung, dass sich das nicht so bald ereig­nen möge.

Das war ganz offen­sicht­lich – jetzt, da die renom­mier­te Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin die­ses Ereig­nis ein­tre­ten ließ – eine bescheu­er­te Idee (loka­le Kopie hier):

Es han­delt sich bei der Vor­le­sung um eine der ersten, die ange­hen­de Erziehungswissen_schaftlxs besu­chen, die also Wei­chen für xs Stu­di­um stellt_setzt_legt und xs Ansich­ten mit­prägt.

(Aus­führ­li­che Anal_ysen für schmerz­freie Leser gibt’s hier und anders­wo.)

Ich* fü_hle mich* ja bereits dadurch dis_krimi_niert, dass dixs Auto_rxse mir* gegen_über einx Sprachx pfleg_en, dix ich* nicht mehr ver_stehe_sitze_lege.

(Ande­rer­seits tät‘ mich eine Audio­ver­si­on inklu­si­ve der Sprech­pau­se in „Wör­tern“ wie i_hre schon inter­es­sie­ren. Wer schafft’s, ohne in Unernst zu ver­fal­len?)

Erst in dem Augen­blick, als ein all­ge­mei­ner Auf­schrei oder Auf­kreisch der gequäl­ten Men­schen­na­tur in jeg­li­cher Keh­le empor­stieg, nahm er kalt­blü­tig laut, kräf­tig und amts­mä­ßig das Wort[.]
Wil­helm Raa­be: Chri­stoph Pech­lin


Nach­trag, da wir gera­de bei Spra­che waren: Die Deut­sche Bahn wur­de zum Sprach­wah­rer des Jah­res 2013 gekürt. War­um? Dar­um:

Um unse­re Mit­ar­bei­ter dabei zu unter­stüt­zen, haben wir ihnen in unse­rem fir­men­ei­ge­nen Intra­net ein Glos­sar zum The­ma „Angli­zis­men“ an die Hand gege­ben, mit dem sie ihren all­täg­li­chen Sprach­ge­brauch kri­tisch unter die Lupe neh­men kön­nen, um eine infla­tio­nä­re Ver­wen­dung eng­li­scher und schei­n­eng­li­scher Begrif­fe zu brem­sen. Das Glos­sar ent­hält rund 2.200 ver­brei­te­te Begrif­fe mit den jewei­li­gen deut­schen Ent­spre­chun­gen. (…) „Hot­lines“ wur­den im Zuge die­ses Pro­zes­ses zu Ser­vice-Num­mern.

Nun ja; immer­hin nicht „Ser­vice Num­mern“. :roll:

In den NachrichtenPolitik
Ent­span­nung, Dia­log, Zusam­men­ar­beit

Aus einer Erklä­rung des Bun­des­vor­stands der SPD zur „Krim-Kri­se“ vom 10. März 2014:

[M]ilitärische Gewalt darf nie wie­der Mit­tel der Poli­tik wer­den. (…) Als dem Frie­den ver­pflich­te­te Par­tei hat die SPD stets in ihrer Außen­po­li­tik auf die Prin­zi­pi­en der Ent­span­nung, des Dia­lo­ges und der Zusam­men­ar­beit gesetzt, um Kon­fron­ta­tio­nen zu ent­schär­fen und Wege für eine fried­li­che Kon­flikt­lö­sung zu öff­nen.

Aus einer Anspra­che des dama­li­gen Bun­des­kanz­lers Ger­hard Schrö­der (SPD) anläss­lich des Koso­vo­kriegs vom 24. März 1999:

Wir füh­ren kei­nen Krieg, aber wir sind auf­ge­ru­fen eine fried­li­che Lösung im Koso­vo auch mit mili­tä­ri­schen Mit­teln durch­zu­set­zen.

Aus einem Gespräch Ger­hard Schrö­ders (SPD, inzwi­schen Russ­land) mit „SPIEGEL ONLINE“ vom 10. März 2014:

Er selbst habe als Kanz­ler beim Jugo­sla­wi­en-Kon­flikt eben­falls gegen das Völ­ker­recht ver­sto­ßen. „Da haben wir unse­re Flug­zeu­ge (…) nach Ser­bi­en geschickt, und die haben zusam­men mit der Nato einen sou­ve­rä­nen Staat gebombt – ohne dass es einen Sicher­heits­rats­be­schluss gege­ben hät­te.“ Inso­fern sei er mit dem erho­be­nen Zei­ge­fin­ger vor­sich­tig, beton­te Schrö­der.

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Aus einer Stel­lung­nah­me von Sig­mar Gabri­el, amtie­ren­der SPD-Par­tei­vor­sit­zen­der, zur Lage in der Ukrai­ne (wie­der­um letz­te Woche):

Die Men­schen auf dem Mai­dan hät­ten für das gekämpft, „was Euro­pa eigent­lich aus­macht: für die Idee vom demo­kra­ti­schen und frei­heit­li­chen Zusam­men­le­ben“

Afgha­ni­stan zum Bei­spiel ist ja selbst schuld – was liegt’s auch in Asi­en!

SonstigesNetzfundstücke
*küsst sich*

Das Inter­net ist außer sich vor Freu­de:

Die Künst­le­rin Tatia Pllie­va bat 20 ein­an­der völ­lig unbe­kann­te Men­schen, sich vor der Kame­ra zu küs­sen. Das Video davon wur­de zu einem vira­len Hit.

Selbst das fast ver­ges­se­ne Twit­ter­kon­to @SchriftTube, des­sen Betrei­ber bekann­te You­Tube-Vide­os in maxi­mal 140 Zei­chen nach­er­zählt, wur­de reak­ti­viert und beschrieb es ähn­lich, eben­so unzäh­li­ge son­sti­ge Twit­ter-Spaß­vö­gel wie @nutellagangbang.

Und in der Spra­che der Jugend mag’s tat­säch­lich um ein Video gehen, in dem sich jemand küsst: „Habt ihr euch geküsst? Iiiihh, die haben sich geküsst!“ Ein Paar (nicht not­wen­di­ger­wei­se mit­ein­an­der liiert) küsst sich, wie es sich sonst strei­tet, liebt, prü­gelt, trennt und ver­klagt; näm­lich nor­ma­ler­wei­se gar nicht. (Es exi­stiert tat­säch­lich min­de­stens ein auch als Film erfolg­rei­cher Roman über eine Per­son, die sich schlägt, aber dar­über darf ich nicht reden.) Eine span­nen­de Aus­nah­me ist jeden­falls „fickt euch!“, denn das meint fast immer die Gesamt­heit von Ein­zel­per­so­nen.

Auch in dem Video küsst sich nie­mand – Men­schen küs­sen dort ein­an­der, wie sie sonst eben auch ein­an­der lie­ben und ver­kla­gen, wenn sie sich nicht gera­de in so einer Pha­se befin­den. (Genau so falsch machen’s immer­hin auch sprach­ge­wand­te Lied­tex­ter wie Die Ärz­te, die „hal­ten Händ­chen, küs­sen sich“ im Lied „Regie­rung“ als übli­chen Umgang von Pär­chen mit­ein­an­der beschrie­ben; ganz anders dage­gen Ramm­stein in „Her­ze­leid“: „Bewahrt ein­an­der vor der Zwei­sam­keit“.)

Ich bin aller­dings schon etwas ent­täuscht. Knut­schen­de Paa­re lang­wei­len mich – zwan­zig Per­so­nen, die sich küs­sen, hät­te ich aller­dings durch­aus gern gese­hen.