Die diesmonatige “Cosmopolitan” — nach Eigenaussage in der enthaltenen Zooey-Deschanel-Lobhudelei ein “Magazin, das sonst Bühne ist für sexy-selbstbewusste Frauen, die es faustdick hinter den Ohren haben” — enthält einen Artikel namens “Ihr Schwarm: Der Darm”, in dem Giulia Enders (begeisterte Medizinstudentin) derart enthusiastisch darüber referiert, wie großartig das menschliche Verdauungssystem doch sei, dass ich mir das Heftchen nicht entgehen lassen konnte. Welcher Mann lässt einmalige Chancen, sein Wissen über die Frauen weiter zu vertiefen, schon gern ungenutzt?
Und was interessiert die Frauen so?
Nun:
11 Männer, 1 Frage: Was ist wirklich guter Sex?
Im zugehörigen Artikel — passend zum heutigen “Schnitzel-und-Blowjob-Tag” — kommen 11 total natürliche Männer und eine Statistik zu Wort: 82 Prozent der Männer sei es “laut secret.de” — dass einer der Befragten dieses Portal empfiehlt, ist sicherlich nur ein Zufall — wichtig, dass Frauen “auch mal” die Initiative ergriffen, aber nur etwa die Hälfte der 11 Männer schilderte ein entsprechendes Erlebnis. Da hat jemand nicht aufgepasst!
(Den lustigen, wenigstens nur eine Seite langen Artikel “Die Pimmel-Perspektive”, in dem Redaktionspimmel Max König im Namen der Männer dringliche Fragen wie “Bevorzugt ihr Jüngere?” pauschal beantwortet und der die Rubrik “Sex” in dieser Ausgabe der “Cosmopolitan” beschließt, möchtet ihr gar nicht erst lesen. Wirklich nicht.)
Sonst so? Ein raumgreifendes Thema scheint mal wieder das Aussehen zu sein, gleich drei Titelthemen wetteifern um Aufmerksamkeit, mal mit Gegensätzen, …
Ungesund leben, super aussehen: Party, Fast Food, Stress — so sieht es Ihnen keiner an
… mal mit Hyperlativen:
Kündigen Sie das Gym!: Die effektivsten Hometrainings — Kicken sogar Couch-Potatoes!
Und was macht man dann, wenn man als gestresste Partylöwin mit Faible für ungesunden Pappfraß endlich aufgehört hat, ein Gymnasium Fitnessstudio zu besuchen? Klar: Man wird Topmodel und trägt hässliche Fummel:
Sporty chic: GNTMs zeigen, wie man den Megatrend trägt
(Im Inhaltsverzeichnis ist übrigens von “Sporty Chic(ks)” die Rede. Zum Gackern.)
“Super aussehen” ist dabei leichter als es der Titel suggeriert:
(…) mit den neuen Cremes pflegen Sie Kater, Stress und kleine Sünden einfach weg!
Wegpflegen hat durchaus Charme, obwohl ich das Wort eher in schlechten Altenheimen als im “Beauty”-Bereich einer Frauenzeitschrift verortet hätte. Ich erwäge es nichtsdestotrotz beizeiten in meinen aktiven Wortschatz zu übernehmen.
Es gibt jetzt sogar Cremes speziell für Werktage und das Wochenende, (sic!) und sogar Masken für den Tag nach der Party.
Und warum soll man dann auf heimische Kraftübungen setzen? Weil man sich, statt allein zu japsen, dabei auch auf Englisch anbrüllen lassen kann:
Unser Tipp für Ihre Fitness: Zu Hause den Computer hochfahren. Ehrlich! Denn via Skype kann man nun mit den Fitnessgurus aus New York trainieren.
Es war schon lange klar: Wir nerds sind den Frauen immer um eine Mateflaschenlänge voraus. Wir verzichten nicht nur auf das Fitnessstudio, sondern sogar auf die passenden Gurus und das Zeit raubende Training. Wir machen uns eben sehr ungern zum Affen.
Darum verzichten wir auch auf den “Sex Slang” (sic!), den Wortschatz, der “definitv” (sic!) “nur für Erwachsene ist”:
Komasutra: Zwei Betrunkene haben Sex (oder versuchen es zumindest).
Ameisentitten: Gänsehaut.
Ready for Freddy: Beschreibt eine Frau, die geil auf Sex ist.
(Und das geht eine ganze Seite lang so.)
Zum Schluss der “Cosmopolitan” “erklärt” Moritz Pontani, “warum Männer nichts mit Büchern anfangen können”:
Auuuh! Vampirsagas sind nix für Männer. Besser: Zeitungen! Hinter dem Wissensteil macht ihr Ego ähnliche Geräusche
Bücher, das weiß die aufgeklärte “Cosmopolitan”-Leserin nämlich, sind immer etwas mit Vampiren. Andere Bücher gibt es nicht. Oder doch?
Es ist tatsächlich wissenschaftlich erwiesen, dass sie, wenn sie denn mal lesen, Klassiker, Sachbücher, Historienbücher oder die Zeitung lesen (übrigens doppelt so viel wie ihr).
Männer lesen keine Bücher. Nur Sachbücher. Und Klassiker. Und Historienbücher. Aber keine Bücher!
Auuuh!



> (angeblich Ärztin)
Medizinstudentin, wenn ich mich recht erinnere.
Stand nicht drin, wenn ich mich nicht böse verlesen habe; aber ich korrigiere das mal, danke.
Vielleicht sollte ich mein Titanic Magazin Abo kündigen und dafür die Cosmopolitan abonnieren. Die ist ja noch krasser!
Lieber nicht. Lachen verlängert das Leben. Du wirst nie sterben! NIE!