KaufbefehleMusikkritik
Thee Sil­ver Mt. Zion Memo­ri­al Orche­stra – Fuck Off Get Free We Pour Light on Ever­ything

Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra - Fuck Off Get Free We Pour Light on EverythingDie Band mit dem elend lan­gen Namen, der in sei­ner aktu­el­len Form noch nicht ein­mal der läng­ste der Band­ge­schich­te ist (die­sen Rekord dürf­te „Thee Sil­ver Mt. Zion Memo­ri­al Orche­stra & Tra-La-La Band with Choir“ im Jahr 2003 bis auf Wei­te­res hal­ten), ist eines der unzäh­li­gen wei­te­ren Musik­pro­jek­te, die aus dem als Dro­ne­trio gegrün­de­ten und qua­si neben­bei wei­ter­hin akti­ven Kol­lek­tiv God­speed You! Black Emper­or (kurz GY!BE) her­vor­gin­gen. Der „Choir“ im ehe­ma­li­gen Band­na­men ist aller­dings immer noch da, alle fünf der­zei­ti­gen Band­mit­glie­der bedie­nen gele­gent­lich auch mal das Mikro­fon. Nach vier Jah­ren gibt es nun also wie­der ein neu­es Stu­dio­al­bum.

Schon auf dem Vor­gän­ger­al­bum „Kol­laps Tra­di­xio­na­les“ von 2010 rei­cher­ten die Musi­ker den musi­ka­li­schen Welt­schmerz, der bis dahin über­wie­gend als Schwer­mut und Trau­er daher­kam, mit zor­ni­ger Ver­zweif­lung an; seit der Geburt von Ezra, dem gemein­sa­men Sohn zwei­er Band­mit­glie­der, ist die­se Ver­zweif­lung, wie man weiß, schie­rer Wut gewi­chen; Wut auf die Poli­tik im Beson­de­ren, die dem fried­fer­ti­gen Mit­ein­an­der der Men­schen Stei­ne in den Weg zu legen pflegt. So wütend wie auf „Fuck Off Get Free We Pour Light on Ever­ything“ hat man Efrim Menuck seit dem „GY!BE“-Debüt „f#a#∞“ von 1997 nur sel­ten gehört.

Thee Sil­ver Mt. Zion Memo­ri­al Orche­stra – What We Loved Was Not Enough (Live at Lee’s Palace)

Die von Ezra gespro­che­ne Zei­le am Anfang des Albums – „We live on the island cal­led Mont­re­al, and we make a lot of noi­se becau­se we love each other!“ – gibt also auch des­sen Rich­tung vor: Hier wird die Lie­be der Men­schen zuein­an­der mit Musik ver­tei­digt. Ver­tei­digt wer­den muss sie offen­bar zumin­dest gegen die Poli­tik, nicht gegen die Kir­che, denn jüdi­scher Glau­be bleibt eben­so ein Antrieb wie die Vater­schaft:

Lord, let my son live long enough to see that moun­tain torn down!
Austeri­ty Blues

Mit „f#a#∞“, der ver­ton­ten Apo­ka­lyp­se, hat „Fuck Off Get Free We Pour Light on Ever­ything“ inso­fern auch die End­zeit­stim­mung gemein­sam: And the day has come when we no lon­ger feel („What We Loved Was Not Enough“), mecha­nisch agiert ein Mensch in frem­der Dun­kel­heit eben anders. Befreit euch, wir begie­ßen alles mit Licht.

Groß­ar­ti­ge Musik.

PolitikNetzfundstückeNerdkrams
Revo­lu­ti­ons­tü­ten / Fen­ster­ver­knap­pung

Wisst ihr noch, „Die Lin­ke.“ in Ber­lin?

Ob die Pri­va­ti­sie­rung der GSW oder der inve­sto­ren­freund­li­che Spar­kas­sen­ver­kauf, ob klein­tei­li­ge Immo­bi­li­en­ge­schäf­te über den Lie­gen­schafts­fonds oder die groß­flä­chi­ge Beto­nie­rung der Spree­ufer – die Ber­li­ner Links­par­tei war sich in den letz­ten Jah­ren für wirk­lich nichts zu scha­de.

„Die Lin­ke.“ gibt’s jetzt auch mit mer­chan­di­sing:

Privatisierung ist Raub

Im Wald, da sind die Räu­ber,
hal­li, hal­lo, die Räu­ber.
Volks­wei­se


Nach­dem auch Fire­fox jetzt Chro­mes desk­top­un­taug­li­ches Aus­se­hen adap­tiert hat, kann man bei Goog­le über wei­te­re „Opti­mie­run­gen“ nach­den­ken. So ein Brow­ser­fen­ster stört ja nur beim Angucken der Web­site.

Das Ziel scheint es zu sein, den „Kioskmo­dus“ – F11 unter Win­dows und ande­ren Syste­men – weit­ge­hend über­flüs­sig zu machen. Und was hat so ein Brow­ser noch so alles, was kei­ne Sau braucht? Klar: Die Adres­se der ange­zeig­ten Web­site.

Wird schon stim­men, wenn da zum Bei­spiel „Spar­kas­se“ auf dem Bild­schirm steht. – Lasst doch die lästi­ge Web­site unter der URL-Lei­ste auch gleich weg. Siche­rer Phis­hing-Schutz! :mrgreen:

In den NachrichtenPolitik
Kurz notiert zu Joa­chim Gaucks jüng­ster Rede zur Tür­kei

Joa­chim Gauck, Tür­kei, Mon­tag:

Der Bun­des­prä­si­dent kri­ti­siert Inter­net­sper­ren [und] Pres­se­zen­sur (…). Er spricht von einer Gefahr für die Demo­kra­tie (…) „[w]enn eine ver­stärk­te geheim­dienst­li­che Kon­trol­le über ihr Leben ange­strebt wird. Wenn Pro­test auf der Stra­ße gewalt­sam unter­drückt wird, und Men­schen dabei sogar ihr Leben ver­lie­ren“.

Die Bun­des­re­gie­rung, Deutsch­land, heu­te:

Die Bun­des­re­gie­rung teilt Joa­chim Gaucks Kri­tik an der Tür­kei.

Die Bun­des­re­gie­rung, das sind CDU und SPD. An bei­den Par­tei­en kri­ti­sie­re ich Inter­net­sper­ren, Pres­se­zen­sur, die Gefahr für die Demo­kra­tie, wenn eine ver­stärk­te geheim­dienst­li­che Kon­trol­le über mein Leben ange­strebt wird und wenn sie Pro­test auf der Stra­ße gewalt­sam unter­drücken.

Ich wäre ein her­vor­ra­gen­der Bun­des­prä­si­dent.

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Von hin­ten durch die Brust in’s Auge

Aus der belieb­ten Rubrik „Mit Satz­zei­chen wär’s nicht pas­siert!“:

Von außen hinter Glas

(via @DLR_next)


Der­weil der kom­mis­sa­ri­sche, zum Glück also wenig­stens weit­ge­hend unge­fähr­li­che Bun­des­vor­stand der Pira­ten­par­tei so:

Wir haben in den letz­ten Tagen und Wochen die Erfah­rung machen müs­sen, dass Äuße­run­gen unse­rer­seits, die eigent­lich nur der Beant­wor­tung Eurer Fra­gen die­nen soll­ten, post­wen­dend in neue Kla­gen (wie erfolg­ver­spre­chend oder nicht sie auch sein mögen) ein­ge­flos­sen sind. (…) Es wer­den kei­ne “öffent­li­chen” Sit­zun­gen zu “nicht öffent­li­chen” Sit­zun­gen, son­dern die Sit­zun­gen ent­fal­len ganz und wer­den durch schrift­li­che Berich­te ersetzt.

Man ver­stößt also so lan­ge gegen die Grund­sät­ze, die für einen kom­mis­sa­ri­schen Bun­des­vor­stand gel­ten, etwa, dass sei­ne Macht auf die Ein­be­ru­fung eines außer­or­dent­li­chen Par­tei­tags zur Neu­wahl beschränkt ist, bis es der Basis reicht und Sank­tio­nen gefor­dert wer­den; das nimmt man dann zum Anlass, sich von der Basis in eine unan­ge­mes­se­ne Ecke gedrängt zu füh­len und ihr das Mit­spra­che­recht suk­zes­si­ve abzu­schnei­den. Wohl­ge­merkt: Auch dies wegen feh­len­der Hand­lungs­fä­hig­keit unbe­fug­ter­wei­se.

Im Novem­ber nann­te ich die Wahl des Bun­des­vor­sit­zen­den gut und rich­tig. Ich begin­ne an mei­ner Aus­sa­ge zu zwei­feln.

PolitikIn den Nachrichten
Rosa Luxem­burg wür­de sich schä­men (kur­zer Nach­trag).

Falls sich übri­gens noch jemand nicht ganz sicher dar­über war, wer eigent­lich zu ver­ant­wor­ten hat­te, dass Deutsch­land in den Ersten Welt­krieg gezo­gen war: Die SPD unter Fried­rich Ebert natür­lich.

Die glei­che SPD, die sich heu­te ihrer ruhm­rei­chen sozi­al­de­mo­kra­ti­schen (und, was sie nicht sagt, abge­schlos­se­nen) Ver­gan­gen­heit rühmt, hat­te schon vor 100 Jah­ren ein recht eigen­wil­li­ges Bild davon, was „sozi­al“ ist und was nicht.

(Wes­halb dann auch der Ver­such des „sozi­al­li­be­ra­len“ Flü­gels der Pira­ten­par­tei, sich an der frü­hen SPD zu ori­en­tie­ren, mir eher Sor­ge als Hoff­nung berei­tet; aber so ist das Volk. Kann man nix machen.)

KaufbefehleMusikkritikMontagsmusik
Kurz­kri­tik: Incu­ra – Incu­ra

IncuraKana­da, du unter­schätz­tes geo­gra­fi­sches Anhäng­sel der USA! Was nicht alles aus dir kommt: Open­BSD, Cobie Smuld­ers, Kuchen mit Semi­ko­lon und Incu­ra.

Incu­ra sind ein RIO/A­vant-Quin­tett, das kam­mer­mu­si­ka­li­sche Ele­men­te, Pro­gres­si­ve Metal und Indie-Rock zu einem recht hör­ba­ren und erstaun­lich radio­taug­li­chen Geflecht ver­knüpft. Die mar­kan­te Stim­me von Sän­ger Kyle Grunin­ger ist eine will­kom­me­ne Abwechs­lung in jenen musi­ka­li­schen Gefil­den, in denen sei­ne vier Mit­strei­ter – mal gefäl­lig, mal ver­spielt – wil­dern. 2013 (hier­zu­lan­de erst kürz­lich) erschien nach eini­gen Jah­ren des Band­be­stehens bei der über­haupt recht beacht­li­chen Plat­ten­fir­ma Ins­i­deOut das Debüt­al­bum von Incu­ra, auf dem die Band aller­lei Fei­nes zu Gehör bringt, zum Bei­spiel „Who You Are“.

Who You Are – Offi­ci­al Music Video

Auch für Freun­de gepfleg­ten Gitar­ren­ge­wit­ters ist im Übri­gen was dabei:

Incu­ra – Here To Bla­me Ani­ma­ted Music Video

Nicht nur an Ostern ein sehr ver­gnüg­li­ches Album.

Guten Mor­gen!

Netzfundstücke
UMG: Leck mich im Arsch!

Was pas­siert eigent­lich, wenn man ver­sucht, mit­tels von You­Tube bereit­ge­stell­ter Tech­ni­ken in einem „sozia­len Netz­werk“ wie Dia­spo­ra Musik­stücke eines Künst­lers zu „tei­len“, der seit 223 Jah­ren tot ist?

Genau:

UMG

Das Urhe­ber­recht muss auch im digi­ta­len Zeit­al­ter sicher­stel­len, dass Men­schen von ihrer gei­sti­gen Arbeit leben kön­nen.
Ans­gar Heve­ling (CDU)

(via Eli­as)

Musik
Myste­ri­um Hele­ne Fischer

Was hört eigent­lich „die Jugend“ heu­te so? Scoo­ter, Aqua und Emi­nem wie „wir“ damals? Blöd­sinn: Hele­ne Fischer natür­lich.

Hele­ne Fischer, deren Name mir bis dahin ohne zuge­hö­ri­ges Gesicht schon des Öfte­ren begeg­net war, sah und hör­te ich zum ersten Mal die­se Woche auf VIVA. Womög­lich bin ich damit etwas spät dran, aber ich will ja auch nicht jeden Fir­le­fanz ken­nen müs­sen. Apro­pos Fir­le­fanz: VIVA – die Älte­ren erin­nern sich viel­leicht noch – war um das Jahr 2000 her­um ein hip­per Jugend­sen­der, auf dem den gan­zen Tag schlech­te Mode­ra­to­ren unter Zuhil­fe­nah­me dum­mer Wit­ze gro­tes­ke Pop­mu­sik „prä­sen­tier­ten“ (lies: ansag­ten), sozu­sa­gen so was wie You­Tube ohne die musi­ka­li­schen Licht­blicke. Und was macht Hele­ne Fischer so für Musik? Nein, nicht etwa Syn­th-Pop oder son­sti­gen Dis­co­quark: Schla­ger.

Viel­leicht ist das auch ihrem Part­ner Flo­ri­an Sil­ber­ei­sen („DAS Traum­paar der Schla­ger­sze­ne“ laut SchlagerPlanet.com; frü­her waren „Sze­nen“ ja noch irgend­was, wo man drin sein woll­te), den ich zumin­dest ken­ne, geschul­det – jeden­falls: Ja, die deut­sche Jugend, sonst nur für Alko­hol- und Dro­gen­ex­zes­se, Unfäl­le und Klein­kri­mi­na­li­tät bekannt, hört Schla­ger.

Auf­merk­sa­me Hörer bemer­ken nicht nur: Trotz des harm­lo­sen Schla­ger-beats ver­birgt sich dahin­ter har­te „NSFW“-Lyrik. Sil­ber­monds „Durch die Nacht“ hieß und funk­tio­nier­te ähn­lich; nur Die Ärz­te („Die Nacht“) durch­bra­chen das Muster. „NSFW“ ist die gän­gi­ge Abkür­zung für alles, was irgend­was mit Schnack­seln zu tun hat; die Buch­sta­ben ste­hen für „not safe for work“, „nicht sicher für den Arbeits­platz“, und wer ernst­haft glaubt, sein Chef habe noch kei­ne aus­rei­chen­de sexu­el­le Auf­klä­rung erfah­ren und hät­te daher kein Ver­ständ­nis für der­lei, der ist bescheu­ert, wenn nicht gar US-Ame­ri­ka­ner. Ja, die US-Ame­ri­ka­ner, ein fröh­li­ches Volk vol­ler Waf­fen, Ras­sis­mus und Dro­gen. Nur Ficken mögen sie gar nicht, das ist ja nichts für Kin­der. – Aber ich schwei­fe ab.

Hat­te Ricky Zazikys „Du hast noch Sper­ma in den Haa­ren“ wenig­stens einen gewis­sen Unter­hal­tungs­wert, so fehlt Hele­ne Fischers Schla­ger­ge­du­del indes jeg­li­cher Reiz. Wie kommt es dann, dass sie in den Medi­en einen der­ma­ßen gro­ßen Zuspruch erfährt? Ganz ein­fach: Sie ist „die neue Traum­frau“ („JOLIE“), weil Män­ner es total klas­se fin­den, einer ver­hei­ra­te­ten Inter­pre­tin schlim­mer Schla­ger­mu­sik den Hof zu machen; ähn­lich sieht’s wahr­schein­lich auch bei Emma Stone, Schau­spie­le­rin in gleich­falls schlim­men Fil­men, aus, die jeman­dem beim Kon­kur­renz­blatt „JOY“ die­sen Monat stolz mit­teil­te, sie sei „total chao­tisch“ (ebd.). Lie­bens­wert: Durch­schnitt­lich attrak­ti­ve, ver­ge­be­ne Frau­en, die für ver­werf­li­ches Tun zu viel Geld bekom­men und dabei noch mensch­lich blei­ben.

Und so lässt die „JOLIE“ („die klu­ge Frau ist das neue Sta­tus­sym­bol des Man­nes“, die „JOLIE“ ist also ein typi­sches Sin­gle­ma­ga­zin) in der aktu­el­len Aus­ga­be dann auch begei­ster­te Män­ner zu Wort kom­men, etwa den Stu­den­ten Kevin:

Hät­te ich nicht mei­ne Freun­din, wür­de ich Hele­ne Fischer auf der Stel­le hei­ra­ten. (…) [Mei­ne Freun­din] hat sogar Ver­ständ­nis dafür, wenn ich von ihr (Hele­ne, A.d.V.) schwär­me.

Klar, Hele­ne Fischer ist (wahr­schein­lich treu) ver­ge­ben, will das aus uner­find­li­chem Grund auch blei­ben und ist damit kei­ne ern­ste Kon­kur­renz – da stört’s die Part­ne­rin nicht so sehr. Nur zur Sicher­heit legt Hei­ke Stei­ner am Ende des Arti­kels noch mal nach („Sehr wahr­schein­lich pupst sie nachts auch mal unter der Bett­decke und wacht mor­gens mit Mund­ge­ruch auf.“), damit auch die dümm­sten Lese­rin­nen begrei­fen, dass Hele­ne Fischer kein uner­reich­ba­res Frau­en­ide­al dar­stellt; die, wie ich anneh­me, glei­chen dümm­sten Lese­rin­nen, die am auf der glei­chen Sei­te erwähn­ten „JOLIE“-Test unter dem Mot­to „Wie viel Hele­ne Fischer steckt in Ihnen?“ teil­neh­men, übri­gens. Tja. Und wie viel pupst eure Freun­din so?

Das soll­te gleich ein dop­pel­ter Tritt ins Kreuz der Frau­en sein, denn jun­ge Män­ner wol­len sich heut­zu­ta­ge nicht mehr bin­den:

Drei Män­ner habe ich in letz­ter Zeit ken­nen­ge­lernt. Alle drei Geschich­ten ende­ten, bevor sie rich­tig begon­nen hat­ten. Was ist nur los mit den Män­nern von heu­te?

Dass es dar­an lie­gen könn­te, dass Stef­fi Are­nd­see, die für ZEIT.de schreibt, viel­leicht ein­fach selbst nur eine nicht beson­ders gute Part­ne­rin ist, kommt ihr nicht in den Sinn: Es muss den Män­nern von heu­te geschul­det sein, die alle lie­ber eine geheim­nis­vol­le Hele­ne Fischer (oder Emma Stone) als eine offen­sicht­lich wei­ner­li­che Zicke wie Stef­fi Are­nd­see („Es dau­er­te zwan­zig Minu­ten, bis er sich bei mir ent­schul­dig­te. Ich nahm die Ent­schul­di­gung nicht an.“, ebd.) hei­ra­ten wol­len. – Es sei doch nichts Schlim­mes, „sexy zu sein“ (Hele­ne Fischer über Hele­ne Fischer), und beschei­den oben­drein.

Ich als Mann fin­de Hele­ne Fischer jeden­falls ver­gli­chen mit dem Tra­ra um sie ziem­lich lang­wei­lig. Dass ihr Medi­en­ma­cher zu wis­sen glaubt, was mich an einer Frau posi­tiv anspricht, und die­ses Etwas aus­ge­rech­net bei Hele­ne Fischer ver­or­tet, berei­tet mir nicht ein­mal all­zu viel Kopf­zer­bre­chen; den Umstand hin­ge­gen, dass eini­ge eurer Lese­rin­nen eure lob­hu­deln­de „Bericht­erstat­tung“ zum Anlass neh­men könn­ten, „wie Hele­ne Fischer“ (jeden­falls optisch, von Natür­lich­keit wär‘ dann aller­dings kei­ne Spur mehr zu sehen) sein zu wol­len und/oder einen Zwist mit dem Part­ner zu begin­nen, der als poten­zi­el­ler Hele­ne-Fischer-Ver­eh­rer ja sowie­so nur unfrei­wil­lig mit aus­ge­rech­net ihnen liiert sind, neh­me ich euch tat­säch­lich übel. (War­um ihr bei der Fra­ge, was „Män­ner“ wirk­lich wol­len, nie­mals sol­che Män­ner befragt, die aus­se­hen oder wenig­stens sind wie ich und die mei­sten mei­ner männ­li­chen sozia­len Kon­tak­te, und woher ihr die total natür­li­chen Aller­welts­bu­bis immer nehmt, die dafür her­hal­ten dür­fen, möch­te ich übri­gens auch gar nicht so genau wis­sen.)

Vor Empö­rung höre jetzt erst mal was von Rolf Zuc­kow­ski. Ich hab‘ den hip­pen Lebens­stil halt voll drauf.

PolitikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik LXXXIX: Sig­mars Ver­wand­lung

Ich bin ja nicht nach­tra­gend; egal, wie wenig ich vom Tun eines Men­schen hal­te, so weiß ich es doch oft zu wür­di­gen, wenn er uner­war­tet Wah­res äußert.

Annett Mei­ritz („twit­tert frei­wil­lig“) etwa, beruf­lich SPD-freund­li­che Läster­tan­te beim SPIEGEL, hat heu­te nicht nur her­aus­ge­fun­den, dass Deutsch­land regiert wird, son­dern sogar, von wem:

Seit eini­gen Tagen ist Ange­la Mer­kel nun schon fort. Ihre Abwe­sen­heit fällt aber nicht son­der­lich auf. (…) Dass man von Mer­kels Pau­se kaum etwas mit­be­kommt, mag an Sig­mar Gabri­el (SPD) lie­gen.

Kein „Ange­la Mer­kel (CDU)“ oder wenig­stens ein „Ange­la Mer­kel (59)“; das kann SPIEGEL ONLINE doch eigent­lich bes­ser. (Dabei wäre die poli­ti­sche Kar­rie­re von Ange­la Mer­kel, deren links­li­be­ra­le Par­tei „Demo­kra­ti­scher Auf­bruch“ sich 1990 vor allem auf­grund mise­ra­blen Abschnei­dens – 0,9 Pro­zent – bei der Volks­kam­mer­wahl der CDU anschloss, viel­leicht tat­säch­lich einen genaue­ren Blick wert, aber die Ziel­grup­pe von SPIEGEL ONLINE inter­es­siert sich wahr­schein­lich ein­fach nicht so für Poli­tik.) Das ist Annett Mei­ritz zumin­dest bei Sig­mar Gabri­el (SPD; „wird sei­ner Che­fin immer ähn­li­cher“, wie auch immer das nun ver­stan­den wer­den soll) wie­der ein­ge­fal­len.

Dass augen­schein­lich nie­mand mit­be­kommt, dass Ange­la Mer­kel nicht da ist, könn­te man jetzt ent­we­der als Steil­vor­la­ge nut­zen oder ver­su­chen, dies als Lei­stung Sig­mar Gabri­els zu wer­ten. (Wür­de es eigent­lich auf­fal­len, wäre auch Annett Mei­ritz fort?) Wenn der nun aber sei­ner „Che­fin“ „immer ähn­li­cher“ wird, heißt das nicht auch, dass auch sei­ne Abwe­sen­heit immer weni­ger Kon­se­quen­zen hat? – Schön wär’s ja.

Aber was will man von SPIEGEL ONLINE schon erwar­ten? Sprach­li­che Qua­li­täts­kon­trol­le jeden­falls nicht. Am Mon­tag etwa ließ ein mir bis dahin zu Recht unbe­kann­ter Felix Kno­ke dort sein Kon­ter­fei neben einen Arti­kel mit die­ser Über­schrift set­zen:

Angriff in San Fran­cis­co: Frau reißt Jour­na­list Goog­le Glass aus dem Gesicht

Aus­for­mu­liert lau­tet die­se Über­schrift: Ein Jour­na­list – Nomi­na­tiv – riss einer Frau – ver­mut­lich Dativ – eine myste­ri­ös mit die­sem ver­schmol­ze­ne „Goog­le Glass“ nicht etwa von der Nase, son­dern aus dem Gesicht. War­um der Jour­na­list das tat, steht lei­der nicht im Arti­kel, auch auf splat­ter-Bil­der wur­de lei­der ver­zich­tet. Scha­de!

(mit Dank an L.!)

Netzfundstücke
Sen­de­schluss in Neu­land

Der Zustand des „öffent­lich-recht­li­chen Inter­nets“ kurz zusam­men­ge­fasst:

Aus­ge­wähl­te Bei­trä­ge der „Orts­zeit“ gibt es mon­tags bis frei­tags zwi­schen 9 und 23 Uhr, sams­tags zwi­schen 9 und 17 Uhr sowie sonn­tags zwi­schen 13 und 23 Uhr zum Her­un­ter­la­den[.]

Außer­halb der genann­ten Zei­ten hat die Down­load­ab­tei­lung, die die Daten auf den Rech­ner der Besu­cher schiebt, Fei­er­abend. :irre:

Montagsmusik
Extra­breit und Hil­de­gard Knef – Für mich soll’s rote Rosen reg­nen

Ich habe vor eini­gen Tagen erschüt­tert fest­ge­stellt, dass auf den Fern­seh­sen­dern, auf denen sich einst Rock­bands tum­mel­ten, mitt­ler­wei­le Schla­ger von Hele­ne Fischer gespielt wer­den. Hele­ne Fischer, das par­ty­girl; damit man nicht immer Rolf Zuc­kow­ski hören muss, neh­me ich an.

Dem Trend zu mehr Schla­ger­mu­sik gera­de auch in der Jugend kann und will ich mich nicht ver­schlie­ßen. Aber dann doch bit­te wenig­stens gute:

Extra­breit (+ Hil­de Knef)-Für mich solls rote Rosen reg­nen

Guten Mor­gen!

In den NachrichtenNerdkrams
Medi­en­kri­tik LXXXVIII: N24 fühlt sich beob­ach­tet

Es ist neu, es ist böse:

Am Diens­tag kann man in den USA erst­mals Goog­le Glass kau­fen. Was erwar­tet die Tech­nik-Freaks: Ist es Spiel­zeug oder nütz­li­ches Gerät? Wir ver­ra­ten, was man über die Daten­bril­le wis­sen muss.

Tech­nik-Freaks wissen’s, dem Rest erklärt’s N24 (Mot­to unten auf der Web­site: „aktu­el­ler Qua­li­täts­jour­na­lis­mus rund um die Uhr“), bekannt für sei­ne Pan­zer­be­richt­erstat­tung im haus­ei­ge­nen Fern­seh­sen­der. Das ist sehr nett, sicher­lich macht sich die jah­re­lan­ge Erfah­rung in „Jour­na­lis­mus“ irgend­wie bemerk­bar.

Oder doch nicht?

Mit Goog­le Glass ist es nun mög­lich, ohne zusätz­li­che Gerä­te und ledig­lich durch Sprach­steue­rung in sekun­den­bruch­tei­len (sic!) Fil­me und Fotos zu pro­du­zie­ren.

„Ohne zusätz­li­che Gerä­te“ außer der Goog­le-Bril­le mit Sprach­steue­rung; was ein Fort­schritt gegen­über dem bis­he­ri­gen Zustand ist, als man Fotos noch umständ­lich „ohne zusätz­li­che Gerä­te“ (außer dem Smart­phone mit Sprach­steue­rung) machen muss­te.

N24 inter­es­siert an Goog­le Glass jeden­falls zu Beginn bei­na­he nur die Foto- und Video­funk­ti­on. Die sei zwar irre inno­va­tiv, aber gefähr­lich:

Durch Wi-Fi und über UMTS/LTE kön­nen die gemach­ten Auf­nah­men auch sofort ins Inter­net gestellt und mit den Freun­den geteilt wer­den. Gera­de die­se Funk­ti­on lässt Daten­schüt­zer hell­hö­rig wer­den. Es besteht die Gefahr, dass Men­schen ohne Zustim­mung und Wis­sen foto­gra­fiert oder gefilmt wer­den. Ob die Kame­ra von Goog­le Glass aktiv ist, ist für Außen­ste­hen­de kaum ersicht­lich.

So ist’s halt mit „Smart­phones“ auch; wenn drau­ßen die Jugend her­um­steht und sich ein­an­der die neue­sten Kat­zen­vi­de­os und/oder Sex­chats zeigt, weiß ich als Pas­sant nicht, ob nicht eini­ge der ver­meint­lich nur Zei­gen­den statt­des­sen ihre Umge­bung fil­men und/oder foto­gra­fie­ren. Aber so ein „Smart­phone“ hält man in der Hand und trägt es nicht auf der Nase, wes­halb es über den Ver­dacht, mit­tels sei­ner Kame­ra und/oder sei­nes Mikro­fons als „Wan­ze“ benutzt zu wer­den, natür­lich erha­ben ist. Wür­de ja nie­mand tun.

Zudem ist es wei­ter­hin frag­lich, was Goog­le mit den gespei­cher­ten Daten unter­nimmt. Soll­te sich Goog­le Glass wirk­lich so ver­brei­ten, wie sich das Unter­neh­men es erwünscht, wird Goog­le Zugriff auf Mil­lio­nen von Infor­ma­tio­nen erhal­ten.

Wei­ter unten im Arti­kel schreibt der Autor, Goog­le Glass bie­te der­zeit „kaum Vor­tei­le gegen­über einem Smart-Pho­ne“ (sic!), aber Nach­tei­le scheint es auch kaum zu geben. Android-Smart­phones sam­meln ja auch „Mil­lio­nen von Infor­ma­tio­nen“ (wenn­gleich mich ja schon inter­es­sie­ren wür­de, in wel­cher Ein­heit das gemes­sen wird; sei’s drum).

Viel­leicht ist das auch beim Ver­fas­sen des Arti­kels auf­ge­fal­len, so dass man Gefahr lief, nicht über­zeu­gend genug vor dem Teu­fels­zeug zu war­nen. Na, ein Argu­ment zieht immer:

Pro­ble­me sol­le es bereits mit ille­ga­len Auf­nah­men von Kino­fil­men gege­ben haben. Für Kino­be­trei­ber ist es nicht mehr zu erken­nen, ob Raub­ko­pien erstellt wer­den.

Goog­le Glass ist nur gut für Raub­ko­pien, weil man damit Din­ge fil­men kann! Ver­bie­ten!

Wenn der Autor hier nur etwas kon­se­quen­ter gewe­sen, hät­te er den Gedan­ken wei­ter­ge­spon­nen: Wer mit „akti­vem“ Goog­le Glass sein Kind badet, fer­tigt damit außer­dem Kin­der­por­no­gra­fie an – und wer weiß, was Goog­le dann damit macht!!1!elf

Zum Glück gibt es wacke­re Rit­ter, die etwas dage­gen unter­neh­men:

Dage­gen besteht bereits eine gro­ße Gegen­be­we­gung, die befürch­tet, dass ihre Pri­vat­sphä­re gefähr­det sei.

Und N24 mit­ten­drin.

PolitikIn den Nachrichten
„… dort aber soll er lie­gen bis zum Tage des jüng­sten Gerichts.“

Die Bun­des­re­gie­rung tut end­lich was:

Nach wochen­lan­gen Dis­kus­sio­nen hat der Bun­des­tag am Don­ners­tag ohne Debat­te die Mit­glie­der der Kom­mis­si­on gewählt, die in den näch­sten zwei Jah­ren die Grund­la­gen für die Suche nach einem Atom­müll-End­la­ger fest­le­gen sol­len.

Auf­grund der Anfor­de­run­gen, die das The­ma der „dau­er­haf­ten“ Lage­rung radio­ak­ti­ven Mate­ri­als stellt, gehö­ren die­sem „Exper­ten­gre­mi­um“ (taz), gar die­ser „Exper­ten­kom­mis­si­on“ (Tages­spie­gel) nicht irgend­wel­che Lai­en an, son­dern Leu­te, die sich aus­ken­nen:

Ulrich Klee­mann (…)
• Hält den Salz­stock Gor­le­ben für geo­lo­gisch unge­eig­net, um dort Atom­müll zu lagern

Das tut zwar die Kas­sie­re­rin bei Lidl womög­lich auch, aber die ist eben kei­ne Exper­tin und wur­de daher nicht gefragt. Nein, nein, wenn schon End­la­ger­su­che, dann nur mit Leu­ten, die wis­sen, wie man jahr­hun­der­te­lang bri­san­tes Mate­ri­al unter siche­rem Ver­schluss hält:

Als Ver­tre­ter der gesell­schaft­li­chen Grup­pen ste­hen zur Wahl: (…) Ralf Mei­ster (Evan­ge­li­sche Kir­che in Deutsch­land), Pro­fes­sor Georg Milb­radt (Kom­mis­sa­ri­at der Deut­schen Bischö­fe), (…).

So weit, so logisch: Wer eig­net sich als Exper­te für Gift­müll mehr als ein Ver­tre­ter einer die­ser „christ­li­chen“ Sek­ten?

Und für das Mate­ri­al fin­det sich sicher in irgend­ei­nem vati­ka­ni­schen Gift­schrank auch noch ein Plätz­chen. :aufsmaul: