Montagsmusik
Eat­liz – Hey (unplug­ged)

Öfter mal ein Aben­teu­er wagen.

Das Haus ver­las­sen, wenn die Son­ne scheint.

Mon­tags­mu­sik ein­fach mal nach­mit­tags ver­öf­fent­li­chen.

Und dazu Eat­liz hören, die groß­ar­ti­gen Eat­liz mit der wun­der­ba­ren Lee Trif­fon, die – was ich bedau­re – mitt­ler­wei­le nicht mehr dabei ist.

Was bleibt? Hey, dies:

Prost.

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
Always look on the dark side of Twit­ter

Was macht eigent­lich der Femi­nis­mus gera­de so?

Na ja, er spricht über Twit­ter, das sei­ne Prot­ago­ni­sten nut­zen, …

(…) um mit­zu­be­kom­men, was in der Welt oder bei unse­ren Freund_innen, Kolleg_innen und ande­ren Men­schen pas­siert, um GIFs zu posten, um uns zu freu­en und manch­mal auch auf­zu­re­gen – eben für alles, wofür sozia­le Netz­wer­ke und die­ses Inter­net™ so gut sind. Was wir da schrei­ben, kann jede_r lesen, es ist über Such­ma­schi­nen auf­find­bar, kurz­um: öffent­lich.

Das Inter­net – ™ – ist also dazu da, um GIFs zu posten und sich zu freu­en. Die Wiki­pe­dia gehört da gar nicht rein, da lernt man ja nur was. Kran­ke Schei­ße.

Aber was, wenn man sich so freu­en will, dass nur die­je­ni­gen es sehen, von denen man das will? Auch dafür hat das geschlech­ter­ge­rech­te Twit­ter-Dis­kus­si­ons­team von „klei­ner­d­rei“ – vier Frau­en, ein Mann (der sich womög­lich selbst nicht im Kla­ren dar­über ist, wie der Flau­schi­wat­ti­be­griff „klei­ner­d­rei“ auf jeden den­ken­den Men­schen wirkt) – einen Tipp:

Was viel­leicht erst ein­mal nicht gera­de außer­ge­wöhn­lich klingt, führ­te in den letz­ten Jah­ren dazu, dass sich neben dem öffent­li­chen “Tages­licht-Twit­ter” eine klei­ne Par­al­lel­welt ent­wickelt hat, bestehend aus groß­teils geschütz­ten Accounts, die ein­an­der fol­gen. Eine Art Fil­ter­bubble in der Fil­ter­bubble also, auch bekannt unter dem Namen “Dark Twit­ter”.

„Auch bekannt“, und zwar exklu­siv den fünf Klei­ner­drei­ern, denn außer­halb derer fil­ter­bubble vol­ler Blub­ber­bla­sen kennt eine gro­ße Such­ma­schi­ne „Dark Twit­ter“ nur in Form von schwarz­wei­ßen Logos und der­glei­chen, aber Bekannt­heit ist eben immer, was man dafür hält. Die „Pop­stars“ in der BRAVO kennt ja auch nie­mand, der es kla­ren Ver­stan­des zuzu­ge­ben gewillt wäre.

Aber sol­cher­lei lässt sich ja ändern:

Klei­ner­d­rei-Autor_in­nen reden öffent­lich über Dark Twit­ter.

Hur­ra!

Wir erfah­ren also, was zum Bei­spiel klei­ner­d­rei-Autorin „Jule“ dazu beweg­te, ihr Twit­ter­kon­to zuzu­ma­chen:

Ich hat­te den Ein­druck, dass ich einen Ort im Netz brau­che, an dem ich sehr geschützt offen tei­len kann, was mich bewegt, ohne direk­te Kon­se­quen­zen in mei­nem sozia­len Leben außer­halb des Social Webs fürch­ten zu müs­sen.

„Geschützt offen tei­len, ohne dass es jemand sieht“, also eigent­lich gar nicht tei­len, nur halt öffent­lich. Ihr ver­steht?

Mit dem Vor­marsch von Twit­ter (ramm­tamm­tamm, ramm­tamm­tamm! A.d.V.) wur­de ich auch auf mei­nem pri­va­ten Account stär­ker als bis­her im pro­fes­sio­nel­len Kon­text beob­ach­tet. Das sorg­te dafür, dass ich mir eine bestimm­te Leich­tig­keit, die mein Twit­tern einst bestimmt hat­te, stär­ker zen­sier­te – auch im vor­aus­ei­len­den Gehor­sam. Außer­dem war ich neu­gie­rig, wie sich die Tweets mei­ner Freun­din­nen und Freun­de zu denen auf ihren “nor­ma­len” Accounts unter­schei­den wür­den, wenn sie geschützt wären.

Vor­aus­ei­len­der Gehor­sam gegen­über einer Grup­pe von Men­schen, denen das Twit­ter­ver­hal­ten von „Jule“ weit­ge­hend schnup­pe sein dürf­te, in Ver­bin­dung mit Neu­gier dar­auf, wie sich Freun­de ver­hal­ten, wenn kei­ner zuguckt, also im Wesent­li­chen gro­ßes Miss­trau­en gegen­über den Ein­zi­gen, die mög­li­cher­wei­se wirk­lich inter­es­siert, was „Jule“ so an pri­va­ten Din­gen nicht­öf­fent­lich nicht­teilt; kein Wun­der kommt die deut­sche Blogo­sphä­re nicht aus dem Quark. Zu mei­ner Zeit hat man Freun­de ja noch anders defi­niert.

Mit­blog­ge­ri­xe „Anne“ tut der­weil kund:

Immer mehr von mei­nen Freund_innen hat­ten einen und ich woll­te aus­pro­bie­ren, ob das für mich viel­leicht auch sinn­voll ist. Ich woll­te auch ger­ne wie­der ein biss­chen back to the roots und so twit­tern kön­nen, wie ich es ganz am Anfang tat (als mein Account noch pro­tec­ted war).

Nicht­öf­fent­li­ches Nicht­tei­len als gemein­sa­me Frei­zeit­be­schäf­ti­gung sowie als „Befrei­ung“ von einem Zwang, den „Anne“ nie­mand auf­er­legt hat: „Ich durf­te frei schrei­ben, aber ich woll­te nicht, und jetzt darf ich das ganz viel mehr, also will ich es auch.“ Klei­ner­d­rei, hihi.

„Mai­ke“ betrach­tet das Dun­kelt­wit­tern hin­ge­gen eher als well­ness:

Außer­dem war ich neu­gie­rig, wie sich so ein geschütz­ter Account wohl anfüh­len wür­de.

Mir läuft’s auch schon kalt den Rücken hin­un­ter. – Wie wohl­tu­end dage­gen die boden­stän­di­ge Begrün­dung von „Lena“:

Die­se Unbe­schwert­heit, die ich von mei­nen ersten Tweets Anfang 2008 noch ken­ne, hat sich für mich irgend­wann ver­lo­ren – teil­wei­se durch die ver­mehr­te Nut­zung im Arbeits­kon­text, aber auch dadurch, dass ich man­che Gedan­ken und emo­tio­na­len The­men inzwi­schen ein­fach nur noch mit einer sehr begrenz­ten Anzahl von Men­schen tei­len möch­te.

Wenn ich mit einer sehr begrenz­ten Anzahl von Men­schen geson­dert kom­mu­ni­zie­ren möch­te, dann tu‘ ich das ja nor­ma­ler­wei­se nicht auf einer Web­site, deren Zweck es ist, der gan­zen Welt etwas mit­zu­tei­len, son­dern nut­ze Grup­pen­chats oder E‑Mail, aber ich schrei­be ja auch nicht für klei­ner­d­rei, wo der Twit­ter-Stum­mel­sprech deut­li­che Spu­ren hin­ter­las­sen hat, son­dern weiß mein Hirn und das Inter­net glei­cher­ma­ßen ange­mes­sen zu benut­zen. So wird nie etwas aus mir.

Eine span­nen­de Fra­ge folgt lei­der erst spä­ter:

Was bedeu­tet Dark Twit­ter (DT) für dich?

Das wur­de zwar schon wei­ter oben in den Grund­zü­gen erläu­tert, aber bei klei­ner­d­rei sieht man ein­an­der gern beim Schwa­feln zu, so lan­ge es den eige­nen femi­ni­sti­schen Grund­re­geln gehorcht, egal, ob’s von einem Mann kommt:

Dani­el: Er bedeu­tet für mich mei­ne Freund_innen immer mit mei­nem Smart­phone in mei­ner Tasche zu haben – ein Safe Space, an dem ich mich nicht zurück­hal­ten oder Angst haben muss, ver­ur­teilt zu wer­den. Außer­dem geben wir ein­an­der sehr viel Rück­halt und spen­den Trost, was mir sehr viel bedeu­tet.

Freun­de, die Leid und Trost im Freun­des­kreis glei­cher­ma­ßen auf 140 Zei­chen beschrän­ken: Ange­nehm zeit­spa­rend, aber ein biss­chen bedau­er­lich. Ande­rer­seits: Safe Space! Bin­go!

„Anne“ („Dark Twit­ter ist ein Grup­pen­chat auf sehr sen­si­bler Ebe­ne.“) sieht das ähn­lich, aller­dings nai­ver als „Mai­ke“:

Ich bin nur mit sehr weni­gen Men­schen dort ver­bun­den und füh­le mich an einen sehr inti­men Chat-Raum erin­nert – wobei das ja gar nicht so recht zutrifft, weil wir kei­ne homo­ge­ne Grup­pe sind und zum Teil mit unter­schied­li­chen Men­schen ver­bun­den sind und es ledig­lich eini­ge Über­schnei­dun­gen gibt. Es ist schon erstaun­lich, wie gut es tut, sich öff­nen zu kön­nen und auch mal Din­ge zu äußern, die man sonst für sich behal­ten hät­te. Ich habe viel über und durch die Men­schen gelernt, mit denen ich dort ver­bun­den bin.

Man kann dort über alles reden, weil man ein­an­der ver­traut, obwohl man ein­an­der ja oft gar nicht viel gemein­sam hat, aber man kann sich so toll irgend­wo zuge­hö­rig füh­len, weil so’n Klick auf einen „Folgen“-Knopf schon inti­mer ist als Sex, sei­nem Sexu­al­part­ner erzählt man ja auch nicht immer alles. Safe Space, ihr wisst schon.

Und was machen die Auto_r/s/en auf „Dark Twit­ter“ genau anders als im nor­ma­len Twit­ter? „Jule“ gesteht:

Auf Dark Twit­ter bin ich unge­fil­tert mit mei­ner Mei­nung und mei­nen Stim­mun­gen. Ich reagie­re emo­tio­na­ler und unmit­tel­ba­rer auf das, was mir pas­siert. Ich tei­le dort nicht so vie­le Links, son­dern reflek­tie­re vor allem über mei­nen Tag.

Wäre ich etwas zyni­scher, wür­de ich mich dank­bar zei­gen, dass das wenig­stens unter Ver­schluss bleibt; so aber ver­glei­che ich mit ihrem nor­ma­len Account namens @julianeleopold, wo ich nicht über­ra­gend vie­le Links, wohl aber aller­lei Befind­lich­kei­ten sehen kann. Ich mag mir ihr dunk­les Twit­ter­kon­to gar nicht vor­stel­len: Ein Dop­pel­punk­ta­po­strophklam­mer­auf pro Stun­de?

Wäh­rend­des­sen hat „Dani­el“ ganz ande­re Vor­stel­lung von sei­ner dunk­len Zweit­i­den­ti­tät:

Ich bin viel expli­zi­ter und unge­fil­ter­ter auf Dark Twit­ter. Manch­mal for­mu­lie­re ich auch halb­ga­re Gedan­ken vor mich hin und schaue ihnen beim Wach­sen zu.

Lebe, Krea­tur! Lebe! Das „gehei­me Twit­ter“ als Notiz­block für halb­ga­re „Inter­views“ mit sich selbst, unge­fil­tert und unge­schlif­fen wie die Mur­mel, die im Kopf des Autor_s_n her­umei­ert. Alle Neu­ne.

Mai­ke: Ich schrei­be auf mei­nem geschütz­ten Account, ohne lan­ge zu über­le­gen und vol­ler Ver­trau­en. Das ist sehr, sehr schön.

Ich schrei­be dort, wo es kei­ner sehen soll, jede blö­de Idee auf und freue mich dann, wenn es nie­mand wei­ter­sagt. Das könn­te ich auch auf einem Stück Papier oder in einer Notiz in mei­nem Twit­ter­ge­rät tun, aber da sieht es ja kei­ner. Das ist sehr, sehr bescheu­ert.

Was neh­men die Autoren sonst so aus „Dark Twit­ter“ mit? Nun, „Dani­el“ (der mit dem Safe Space) freut sich auch über den Bei­stand:

Dark Twit­ter hat mir schon über vie­le schwe­re Zei­ten hin­weg­ge­hol­fen (an die­ser Stel­le noch ein­mal ein dickes Bus­si an mei­ne Dark-Twit­ter-Time­line! <3). Da ich tat­säch­lich eini­ge Men­schen im Dark Twit­ter habe, die ich vor­her noch nicht so gut kann­te, habe ich die­se noch ein­mal von einer ganz ande­ren Sei­te ken­nen gelernt.

Ein Safe Space vol­ler „Freund_innen“, die man nicht gut kennt; das ist wohl so was wie Face­book, aber Face­book bekommt kein Bus­si.

War­um dann über­haupt noch Twit­ter? Ganz ein­fach:

Jule: Ich lie­be Dark Twit­ter als Ort, der neben mei­ner Tages­licht-Time­line Rück­zug bie­tet und Unter­stüt­zung. Es ist, wenn es gut ist, der schnell­ste Weg, Freun­de aus dem Inter­net zu errei­chen.

Und:

Dani­el: Ich möch­te nicht mehr auf Dark Twit­ter ver­zich­ten. Es ist essen­ti­el­ler Bestand­teil mei­ner Twit­ter­nut­zung gewor­den und bringt mir lie­be Men­schen sehr nah, obwohl bzw. trotz dem sie phy­sisch viel­leicht weit weg sind.

Und:

Anne: (…) Außer­dem mag ich wirk­lich sehr wie es mich mit Freund_innen näher zusam­men­bringt, die ich lei­der viel zu sel­ten off­line sehe, weil sie z.B. woan­ders woh­nen oder gera­de viel um die Ohren haben.

Und:

Mai­ke: Es ist mir sehr, sehr wich­tig. Hier habe ich eine Stand­lei­tung zu jenen Men­schen, die mir am Her­zen lie­gen mit all ihren wun­der­vol­len Facet­ten, und die ich zum Teil viel zu sel­ten sehen kann.

Wie Inter­net also. Nur kür­zer.

Schön, dass wir dar­über gespro­chen haben.

(Mit Dank an S.!)

Persönliches
Impres­sio­nen: Roman­ti­sche Betrach­tung einer Som­mer­nacht am Fluss (Ver­such 9)

Über­rascht von der plötz­li­chen Stil­le hält man plötz­lich inne und bleibt ste­hen. Der Krach der Stadt wird ver­schluckt von der Wei­te des Was­sers. Am Hori­zont flim­mert das Leben vor­bei.

Viel zu hel­les Stra­ßen­licht ver­folgt einen ein­sa­men Rad­fah­rer, der sein Gefährt vor­über­schiebt. Ob er nach Hau­se geht oder zu Freun­den? Sein Gesicht ver­rät es nicht. Stim­men schwel­len an und ebben ab; kein Mensch beglei­tet sie. Man ist allein mit sich und der unend­lich schei­nen­den Frei­heit, die sich vor den eige­nen Augen auf­tut.

In Sicht­wei­te tost der All­tag, Men­schen eilen der Zeit hin­ter­her, als sei die­ser Tag ihr letz­ter ohne Ket­ten. Dass sie gefes­selt sind von der Zwölf, wird ihnen nie­mals bewusst sein.

So, weiß man, möch­te man nie­mals wer­den. Man lässt sie rau­schen und ent­schleu­nigt mit Blick auf das Was­ser. Die Later­nen trü­ben das, was vor einem liegt.

Es könn­te in die­sem Moment nicht gleich­gül­ti­ger sein.

Fotografie
Betatscht von’nem Engel

Ein unsichtbarer Engel!

„Haben Sie mir gera­de an den Arsch gefasst?!“

„EIN ENGEL! EIN UNSICHTBARER ENGEL!“

„Ach so.“

(Erwei­ter­te Ver­si­on mit Gra­ti­s‑s/ss-Feh­ler, nur für kur­ze Zeit.)

PolitikIn den Nachrichten
Schmal­hans des Tages: Peter Tau­ber, CDU.

Die­ser Arti­kel ist Teil 10 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Zu mei­ner gro­ßen Ver­wun­de­rung gibt es in der tech­nik­feind­li­chen CDU offen­bar auch Leu­te, die das Inter­net für bei­na­he all­täg­li­che Din­ge (Blog­gen, Ein­kau­fen, Kin­der­por­no­gra­fie) ver­wen­den. Einer derer, die zumin­dest ein Blog besit­zen, ist Peter Tau­ber, der „schwar­ze Peter“, wie er sich – haha, hoho – spa­ßes­hal­ber selbst nennt.

Wie es so die Art von CDU-Mit­glie­dern ist, redet Peter Tau­ber offen­bar beson­ders gern dar­über, wie blö­de doch die Ande­ren sind, wenn sie Din­ge erklä­ren, die er selbst völ­lig falsch ver­steht. Zum Bei­spiel das Inter­net.

So jam­mer­te er am Mitt­woch:

Im Feuil­le­ton der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung fin­det seit eini­gen Mona­ten schon eine Dis­kus­si­on über die Her­aus­for­de­run­gen der Digi­ta­li­sie­rung statt. Ich wur­de schon mehr­fach dar­auf ange­spro­chen, war­um dort „aus­ge­wie­se­ne“ Netz­ex­per­ten wie Mar­tin Schulz ihre Ideen ver­öf­fent­li­chen kön­nen, die Uni­on aber nicht statt­fin­det. Die Ant­wort dar­auf ist ein­fach: Das scheint nicht gewünscht.

Eine ande­re mög­li­che Ant­wort lau­tet ja, dass die Hal­tung der „aus­ge­wie­se­nen Netz­ex­per­ten“ von der CDU – das Inter­net sei ein her­vor­ra­gen­des Über­wa­chungs­werk­zeug und dar­über hin­aus ledig­lich Lebens­raum für Spott und Unsit­te (zum Bei­spiel Peter Tau­bers Blog) – bis zum Über­druss bekannt ist und man danach nicht stän­dig fra­gen muss, wenn man es sowie­so drei­mal täg­lich in den Nach­rich­ten hört, aber das ist jetzt nur mei­ne Inter­pre­ta­ti­on.

Egal, die Ande­ren haben den schwar­zen Peter die Schuld; ob F.D.P., Lin­ke oder SPD, Weit­sicht hät­ten sie, so Peter Tau­ber, alle­samt nicht. Gut mach­ten es nur die Grü­nen:

Grün ist bekannt­lich die Far­be der Hoff­nung. Und Hoff­nung macht die Ant­wort der grü­nen Front­frau Kat­rin Göring-Eckardt auf Mar­tin Schulz. Sie ver­weist dar­auf, dass der Mensch als frei­es Indi­vi­du­um nicht zwangs­läu­fig zum Opfer der Algo­rith­men wer­den muss. Sie beschreibt die Chan­cen des Net­zes, wirkt dabei aber nicht naiv und hat gleich­zei­tig die Her­aus­for­de­run­gen im Blick. Damit hebt sie sich wohl­tu­end von Schulz und sei­nen Apo­lo­ge­ten ab, wenn­gleich ihr nicht alle in ihrer Par­tei mit die­ser Grund­hal­tung fol­gen dürf­ten.

Schwarz ist bekannt­lich die Far­be der Trau­er, und was das über die CDU aus­sagt, weiß viel­leicht nur Peter Tau­ber selbst.

Was macht die Uni­on? Sie hat sich für einen eige­nen Aus­schuss für digi­ta­le The­men im Deut­schen Bun­des­tag ein­ge­setzt und die Digi­ta­li­sie­rung zu einem der wich­tig­sten The­men für die Zukunft unse­res Lan­des erklärt. Von Vol­ker Kau­der liest man, es wer­de in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode kein Gesetz zur Vor­rats­da­ten­spei­che­rung geben, mit Nadi­ne Schön wird eine Netz­po­li­ti­ke­rin stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der CDU/CDU-Bun­des­tags­frak­ti­on und Alex­an­der Dob­rindt ver­sorgt das Land mit schnel­lem Inter­net. Über allem wacht ein fröh­lich twit­tern­der Peter Alt­mai­er im Kanz­ler­amt, der schon lan­ge die Chan­cen der Digi­ta­li­sie­rung erkannt hat. Wie gesagt: Auch in der Poli­tik ändert das Netz alles.

Und Peter Tau­ber bloggt sogar! – Die Vor­stö­ße ande­rer CDU-Poli­ti­ker, das Inter­net zu einem bes­se­ren Ort zu machen (etwa durch Stopp­schil­der), kom­men in sei­ner Auf­zäh­lung nicht vor. Das ist etwas scha­de.

Nadi­ne Schön ist übri­gens auch im Aus­schuss für digi­ta­le The­men, ihre wei­te­ren Aus­schüs­se sind oder waren die für Fami­lie, Senio­ren und Frau­en & Jugend; eine Kar­rie­re wie einst Ursu­la von der Ley­en also. Anson­sten hört man von dem Aus­schuss nicht viel, all­zu viel, was tat­säch­li­chen Ergeb­nis­sen ähnelt, hat er aber auch bis­her schon auf­grund intrans­pa­rent nicht­öf­fent­li­cher Sit­zun­gen nicht vor­zu­wei­sen. Die CDU über­lässt den nicht papier­nen Teil der Netz­po­li­tik also offen­bar auch wei­ter­hin dem CCC, also zumin­dest denen, die sich aus­ken­nen.

So viel zur Par­tei­po­li­tik. Zum Inter­net selbst gibt es natür­lich auch was zu sagen, ins­be­son­de­re aller­lei Unsinn:

Wir stel­len fest, dass die­ses Inter­net uns offen­sicht­lich zwingt, über unse­re Welt neu nach­zu­den­ken.

Die­se Erkennt­nis ist sehr lan­ge gereift, wie mir scheint – der Anfang des öffent­lich­keits­taug­li­chen Inter­nets mit Web­auf­trit­ten für jeden Wil­li­gen reicht immer­hin bis Mit­te der 1990-er Jah­re, die Zeit von Com­pu­Ser­ve und Geo­Ci­ties, zurück, seit­dem hat sich man­cher­lei ver­än­dert. Man­che benut­zen das Inter­net sogar schon mit­hil­fe ihres Tele­fons, das oft nicht ein­mal mehr eine Wähl­schei­be besitzt. Eiderd­aus!

Und Peter Tau­ber dach­te, getrie­ben von sei­nem Ver­säum­nis, hek­tisch drauf­los:

Kei­ne Fra­ge. Es ist eine Auf­ga­be von Poli­tik, Regu­lie­rung so zu gestal­ten, dass das Inter­net Fort­schritt bedeu­tet und Chan­cen.

So weit, so Quatsch. Was ein von Bür­gern für Bür­ger gestal­te­tes Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel unter wel­chen Umstän­den für wen bedeu­tet, gehört nicht staat­lich regu­liert. Das Inter­net ist kein Markt. Kon­stan­tin von Notz, Mit­glied im Aus­schuss, ver­wies noch zur Bun­des­tags­wahl 2009 auf das Grund­recht auf digi­ta­le Intim­sphä­re. Jeder hat im Inter­net die glei­chen Chan­cen und sein Fort­schritt ist unge­bremst, weil jeden­falls unser Staat nicht ver­sucht, die tech­ni­schen Ent­wick­lun­gen in ein büro­kra­ti­sches Kor­sett zu zwän­gen. Kei­ne Fra­ge.

Das hat Peter Tau­ber selbst ja auch bei­na­he ver­stan­den: Wenn Blin­de über Far­ben – nee, Blöd­sinn:

Wenn Christ­de­mo­kra­ten über das Inter­net und die Chan­cen und Her­aus­for­de­run­gen reden, dann gilt zunächst zu klä­ren, auf wel­cher Basis wir das tun. Für uns ist das Netz nicht per se gut oder böse. Das Inter­net ist das, was wir damit und dar­aus machen.

Rich­tig. Und was hat eine Par­tei damit zu tun?

Ach so:

Wir sind in vie­len Fra­gen bis­her aber die Ant­wort schul­dig geblie­ben, wie wir all­ge­mein gül­ti­ge Rechts­nor­men auch in der digi­ta­len Welt durch­set­zen oder uns auch der kri­ti­schen Debat­te stel­len, ob die digi­ta­le Welt einen Teil die­ser Nor­men ver­än­dert.

Die digi­ta­le Welt als rea­ler Raum ohne jeman­den, der Rechts­nor­men durch­setzt, ist eine anspre­chen­de, lei­der völ­lig ver­que­re Meta­pher. Ver­su­chen wir mal Ana­lo­gien zu fin­den: Eine Web­site ist ein mul­ti­me­dia­les „schwar­zes Brett“, eine E‑Mail eine grö­ße­re Post­kar­te, eine Tausch­bör­se eine, nun, Tausch­bör­se. Höh­len­ma­lerei­ge­mein­de my ass. Dass es ver­bo­ten ist, mit­hil­fe einer E‑Mail jeman­den zu ermor­den, aus­zu­rau­ben oder ihm son­sti­ges kör­per­li­ches Leid zu berei­ten, ist nichts, was durch­ge­setzt wer­den müss­te, schon weil eine Zuwi­der­hand­lung nicht so ein­fach zu bewerk­stel­li­gen sein dürf­te. Alles Wei­te­re – Ver­leum­dung, Betrug und der­glei­chen – ist auch ohne wei­te­re Regu­lie­rung bereits Straf­ver­fol­gung aus­ge­setzt. Dass sol­che Ver­fah­ren oft ein­fach ein­ge­stellt wer­den, ist nichts, was man­geln­der Regu­lie­rung des Inter­nets anzu­la­sten wäre.

Ein paar kon­kre­te Vor­schlä­ge, was in Deutsch­land bes­ser lau­fen könn­te, macht Peter Tau­ber nach all dem Müss­te und Soll­te aber doch noch:

Wir müs­sen end­lich Daten­po­li­tik machen. Das Schlag­wort von den Daten als Wäh­rung der Zukunft ist in aller Mun­de. In der Tat haben Daten einen Wert. Dar­um ist auch das Gere­de von der Daten­spar­sam­keit nicht klug. Sam­melt mehr Daten!

Rich­tig: Je mehr Daten es über einen Bür­ger gibt, desto bes­ser ist es, sie zu sam­meln und zu spei­chern und sicher­heits­hal­ber den ame­ri­ka­ni­schen Freun­den zur Sicher­heits­ver­wah­rung zu über­las­sen. Damit man ein back­up hat.

Lasst uns dar­über reden, wie wir inne­re und äuße­re Sicher­heit sowie mei­ne Rech­te als Bür­ger auch in der digi­ta­len Welt ins Gleich­ge­wicht brin­gen. (…) Der Staat hat die Auf­ga­be für mei­ne digi­ta­le Sicher­heit und digi­ta­le Inte­gri­tät zu garan­tie­ren. Wir müs­sen unse­re eige­nen Nach­rich­ten­dien­ste und Insti­tu­tio­nen in die Lage ver­set­zen, Angrif­fe von außen abzu­weh­ren. (…) Wenn wir unse­ren eige­nen Staat dazu in die Lage ver­set­zen wol­len, müs­sen deut­sche Behör­den die dafür not­wen­di­gen Kom­pe­ten­zen haben und mate­ri­ell ent­spre­chend aus­ge­stat­tet sein. (…) Histo­risch mag das Miss­trau­en der Deut­schen gegen­über dem eige­nen Staat begründ­bar sein. Aber wenn wir von unse­rem Staat einen gewis­sen Schutz erwar­ten, dann müs­sen wir sicher­stel­len, dass der Staat die Auf­ga­be, die wir ihm zuschrei­ben erfül­len kann.

Sicher­heit! Ohne sie kein popu­li­sti­scher Wort­bei­trag von der Uni­on. Über­wa­chung? Sicher­heit! Flug­zeu­ge abschie­ßen las­sen? Sicher­heit! Das Inter­net vor staat­lich uner­wünsch­ter Benut­zung schüt­zen? Sicher­heit! Sicher­heit und digi­ta­le Inte­gri­tät. Was das ist, erklärt Peter Tau­ber nicht, aber bestimmt irgend­was mit Sicher­heit. Alles zum Wohl der Bür­ger! – Dass dafür von Steu­er­geld mehr Ein­griffs­mög­lich­kei­ten für die Kri­mi­nal­po­li­zei geschaf­fen wer­den müs­sen, ist doch ein­leuch­tend, oder?

Das Wort „histo­risch“ bedeu­tet im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch im Übri­gen so etwas wie „lan­ge her, längst ver­gan­gen“. Natür­lich hat der BND noch min­de­stens 2013 mit der NSA koope­riert, um Bür­ger noch bes­ser unter Gene­ral­ver­dacht stel­len zu kön­nen, aber das ist doch alles Schnee von gestern. Eigent­lich genau wie die CDU.

Ach, Sicher­heit. Das ist ja auch nur eins der bei­den grö­ßen The­men der Kanz­le­rin. Das ande­re The­ma ist das Wachs­tum. Und was, wenn nicht die För­de­rung der Bin­nen­öko­no­mie, ist eine vor­neh­me Auf­ga­be des Inter­nets? Eben!

Wir müs­sen ent­schei­den, ob wir die Chan­cen für Fort­schritt und volks­wirt­schaft­li­ches Wachs­tum, die das Inter­net uns bie­tet, nut­zen wol­len. Unter dem Stich­wort Indu­strie 4.0 schrei­tet die Digi­ta­li­sie­rung der Volks­wirt­schaf­ten unauf­halt­sam vor­an.

Das Wort „Volks­wirt­schaft“ erin­nert mich an ver­ges­sen geglaub­te Arbei­ter- und Bau­ern­staa­ten. Das Inter­net als Mit­tel zur Erfül­lung des Vier­jah­res­plans? Um Him­mels Wil­len, Herr Tau­ber – der Sozia­lis­mus funk­tio­niert ja nicht mal ohne Ver­net­zung.

Oh, par­don, es geht ja gar nicht um Acker­bau, son­dern um die „Säu­len unse­rer Wirt­schaft“:

[Wir müs­sen] unse­re Stär­ke, näm­lich den inno­va­ti­ven Mit­tel­stand gera­de in den Berei­chen Maschi­nen­bau und Auto­mo­ti­ve, aber auch in allen ande­ren Bran­chen bis hin zur Dienst­lei­stung bes­ser mit der Digi­ta­li­sie­rung ver­knüp­fen.

Deutsch­lands Stär­ke: Aus­län­di­sche Arbeits­kräf­te für einen Hun­ger­lohn in steu­er­ver­gün­stig­ten Län­dern Maschi­nen zusam­men­bau­en las­sen und die­se in Deutsch­land ver­kau­fen. Dabei hilft das Inter­net. Garan­tiert!

Hin­zu kommt die digi­ta­le Wirt­schaft selbst. Set­zen wir die rich­ti­gen Rah­men­be­din­gun­gen für inno­va­ti­ve Start Ups?

(Ich muss­te die­sen Satz mehr­fach lesen, bevor mir klar wur­de, dass kei­ne Start – Ups!, son­dern Start-ups gemeint sind; ich weiß nicht, ob das mit Peter Tau­ber zu tun hat.)

Was wären denn die rich­ti­gen Rah­men­be­din­gun­gen für jun­ge Unter­neh­men? Klar: Mehr Markt!

Die Bun­des­re­gie­rung prüft nun die von Netz­po­li­ti­kern der CDU vor­ge­schla­ge­ne Ein­füh­rung eines Markt 2.0 als neu­em Bör­sen­seg­ment.

„Markt Zweinull“, mit „2.0“ dran klingt eben alles nach Inter­net und Neu­land und pri­ma Tech­nik, außer wenn man berück­sich­tigt, dass sogar Inter­net­brow­ser Ver­si­on 30 längst hin­ter sich gelas­sen haben, aber die CDU plant eben lang­fri­stig und nach­hal­tig. Bestän­dig­keit ist das Stich­wort. Viel­leicht kauft sie sich dem­nächst sogar mal ein Fax­ge­rät.

Der Markt als Regu­lie­rungs­fak­tor für das Inter­net – das hätt‘ die F.D.P. kaum bes­ser gemacht. Ich ver­mis­se sie jetzt schon ein biss­chen weni­ger.

Zumal’s um die Steu­ern ja schon etwas scha­de sei:

Natür­lich sol­len ame­ri­ka­ni­sche Kon­zer­ne in Euro­pa gute Geschäf­te machen, aber sie sol­len hier auch Steu­ern zah­len.

Wenn ich ein Unter­neh­men in Deutsch­land grün­den wol­len wür­de, hät­te ich zwei Anlie­gen:

  1. Eine sta­bi­le, schnel­le Inter­net­lei­tung eines frei wähl­ba­ren Anbie­ters, der nicht durch aller­lei Lob­by­spen­den weit­ge­hend unge­hin­dert schal­ten und wal­ten darf.
  2. Einen Staat, der von jedem Unter­neh­mer, der durch sein Tun das BIP zu erhö­hen beab­sich­tigt, nicht die Hälf­te sei­ner Ein­nah­men in die Kriegs­kas­se zu zah­len for­dert.

Bei­des bekä­me ich in Deutsch­land der­zeit garan­tiert nicht. Dafür gibt es man­cher­lei Ursa­che – die Wirt­schaft gehört jeden­falls nicht dazu.

Wie wol­len wir in der digi­ta­len Gesell­schaft leben, ler­nen und arbei­ten?

„Die digi­ta­le Gesell­schaft“ als Abgren­zung zur übri­gen Gesell­schaft. Wir gehen nicht mehr essen, wir sur­fen ein­fach ins Bistro. Ach, Herr Tau­ber… – ein­fach ach. Zumin­dest stel­len Sie im glei­chen Absatz noch die wich­ti­ge Fra­ge:

Ver­mit­teln wir aus­rei­chend Medi­en­kom­pe­tenz? Wer sich an den Infor­ma­tik­un­ter­richt in den 1980er Jah­ren erin­nert, der zuckt inner­lich zusam­men bei der Vor­stel­lung schon Grund­schü­ler eine Pro­gram­mier­spra­che ler­nen zu las­sen.

Das wer­te ich als Nein.

Dabei gibt es so vie­le Län­der um uns her­um, von denen wir so vie­les ler­nen könn­ten:

Mit Est­land gibt es ein ech­tes Muster­land in Euro­pa wenn es um die Digi­ta­li­sie­rung geht. Wir soll­ten die Pro­ble­me anpacken, ler­nen von denen, die sich den Her­aus­for­de­run­gen der Digi­ta­li­sie­rung nicht nur stel­len, son­dern sie mei­stern.

In Est­land wer­den seit 2010 über 800 Web­sites („Glücks­spiel“, wie es heißt) blockiert, eine ein­jäh­ri­ge Vor­rats­da­ten­spei­che­rung ist Pflicht für jeden Anbie­ter. Die Her­aus­for­de­run­gen der Digi­ta­li­sie­rung schei­nen nicht nur Peter Tau­ber zu über­for­dern.

Also flüch­tet er sich lie­ber in Fik­ti­on:

Die Men­schen arbei­te­ten (in Star Trek, A.d.V.) im 24. Jahr­hun­dert, um sich „selbst zu ver­bes­sern. Und den Rest der Mensch­heit.” Davon sind wir noch weit weg. Das ist Sci­ence Fic­tion. Aber das war das Inter­net vor 40 Jah­ren, 1974 als ich gebo­ren wur­de, auch noch.

1974 exi­stier­ten die noch heu­te ver­füg­ba­ren Dien­ste und Pro­to­kol­le für E‑Mail, Tel­net und FTP bereits seit eini­gen Jah­ren, 1979 folg­te das Use­net.

Aber davon ist Peter Tau­ber bekannt­lich weit weg.

PersönlichesComputer
War­um 1 und 1 manch­mal doch Nul­len ergibt

Mit weni­gen Aus­nah­men hal­te ich mich hier auf die­ser mei­ner Inter­net­prä­senz ja zurück mit dem Belei­di­gen gro­ßer Zusam­men­schlüs­se von Men­schen, die mir unter Umstän­den für mein ehren­rüh­ri­ges Beneh­men ordent­lich einen rein­drücken könn­ten; das bedeu­tet, sobald ich das tu‘, muss schon eini­ges pas­siert sein.

Ein wenig Vor­ge­schich­te: Es ist nur weni­ge Jah­re her, als ein neu­er DSL-Anbie­ter ins Haus muss­te. Ich war damals noch nicht mit aus­rei­chend Kennt­nis­sen von den ver­schie­de­nen Kon­kur­ren­ten aus­ge­stat­tet und muss­te mich somit auf die schö­nen neu­en Heils­ver­spre­chen aus der Wer­bung ver­las­sen. Die Tele­kom, das war damals schon klar, war nie für ihre Kun­den­freund­lich­keit bekannt. Ganz anders 1&1, ein Unter­neh­men, das noch vor weni­gen Jah­ren mit Mar­cell d’A­vis, dem Lei­ter für Kun­den­zu­frie­den­heit, warb. Ein Lei­ter für Kun­den­zu­frie­den­heit? Ja, der war echt!

Unken­ru­fen von Freun­den, 1&1 sei alles ande­re als emp­feh­lens­wert, schenk­te ich kei­nen Glau­ben. Irgend­was ist ja immer. Wes­sen Anbie­ter ohne Feh­ler ist, der wer­fe den ersten Stein. So hat­te ich nun jeden­falls eini­ge Jah­re lang ziem­lich pro­blem­los DSL via 1&1, es gab kei­ne unty­pi­schen Pro­ble­me, die nicht mit Strom­aus­fäl­len oder ähn­li­chen Din­gen zu tun hat­ten.

Bis gestern.

Gestern gegen 13 Uhr beschloss 1&1, dass der hie­si­gen Wohn­re­gi­on ein zünf­ti­ger Lei­tungs­aus­fall mal gut täte. Bei so etwas sind sie dann auch immer recht schnell. Eine Klei­nig­keit, soll­te man mei­nen, gera­de auch, da 1&1 momen­tan voll­mun­dig im Fern­se­hen dafür wirbt, dass ernst­haf­te Pro­ble­me in der Regel bin­nen eines Werk­ta­ges gelöst wür­den.

1&1 sah das anders. Die „bekann­te Stö­rung“ sei bereits dabei, beho­ben zu wer­den, hieß es noch am Diens­tag­abend; heu­te Mit­tag – der Rou­ter zeig­te eine „DSL-Stö­rung“ an – hieß es schließ­lich, das Pro­blem kön­ne nicht von der Fer­ne aus beho­ben wer­den, ein Tech­ni­ker müs­se Mon­tag kom­men. Mon­tag? Ach, was – vor Mitt­woch gebe es ohne­hin kei­nen frei­en Ter­min.

Frü­he­stens Mitt­woch.

Frü­he­stens sie­ben­ein­halb Tage (also einen sehr lan­gen 1&1‑Werbungstag) nach dem Aus­fall fin­det man im Hau­se 1&1 Zeit und Muße dafür, dass Tele­fon und Inter­net bei einem, zuge­ge­ben, nur Pri­vat­kun­den mal wie­der läuft. Also viel­leicht.

Wisst ihr Fer­kel­wem­ser von 1&1 eigent­lich, wie lan­ge sie­ben­ein­halb Tage so sind? Das ist über eine Woche. Eine Woche ist unge­fähr ein Vier­tel eines Monats. Ein Monat ist der Zeit­raum, für den ihr ver­mut­lich regel­mä­ßig euer immer noch deut­lich zu hohes Gehalt bezieht. Kei­ne Sor­ge, ich wer­de mein Scherf­lein dazu bei­tra­gen, dass es ange­mes­sen gekürzt wird – ich zah­le, sobald ich wie­der funk­tio­nie­ren­des Inter­net habe, um euch rück­sichts­lo­sen Kun­den ver­ach­ten­den Scheiß­la­den end­lich durch einen anstän­di­gen Anbie­ter mit wenig­stens gerin­gem Anspruch an die Zufrie­den­heit sei­ner Kun­den zu erset­zen, euch schon bald nichts mehr ein.

Mar­cell d’A­vis ist längst Geschich­te. Ein Unter­neh­men wie 1&1 braucht nun mal kei­ne Schnitt­stel­le zum Kun­den mehr.

Und wisst ihr, was ihr eigent­lich auch spa­ren könnt, ihr von 1&1? Rich­tig: Die Kun­den! Aber kei­ne Sor­ge, das Pro­blem löst sich sicher­lich von ganz allein. Macht ein­fach so wei­ter.

Montagsmusik
Elbow – With Love

(Bezie­hungs­wei­se eben: Lie­be.)

Elbow – With Love

Fill your boots, fill your spi­ne, fill your dome, fill your eyes with love, wie man’s auch defi­nie­ren mag, und irgend­was muss die Welt vom Zer­bre­chen abhal­ten; die EU jeden­falls nicht.

Prost und guten Mor­gen.

ProjekteNerdkrams
WP-Wahl­B­lack­out: jetzt euro­pa­wahl­taug­lich!

Die heu­ti­ge Euro­pa­wahl, über deren Ergeb­nis­se und deren Zustan­de­kom­men ich lie­ber ein­mal den Man­tel des Schwei­gens aus­brei­ten möch­te (ande­rer­seits: ange­sichts des­sen, „Volks­par­tei­en“ wie CDU und SPD immer pünkt­lich am Wahl­tag die vor sich hin­sie­chen­den Alten aus ihrem Deli­ri­um her­aus eigens zum Wahl­lo­kal und dann zurück ins Heim fah­ren las­sen, wun­dert es mich nur noch wenig), traf mich so über­ra­schend, dass ich gar nicht dar­an gedacht habe, recht­zei­tig das WP-Wahl­B­lack­out-Plug­in euro­pa­wahl­taug­lich zu machen.

Die neue Ver­si­on ist unter dem bekann­ten Link zu fin­den und funk­tio­niert jetzt auch mit ande­ren Wah­len als Bun­des­tags­wah­len zusam­men. Die näch­ste Land­tags­wahl kommt bestimmt.

MusikPolitik
Klaus der Gei­ger – Nein, nein, wir woll’n nicht eure Welt

Wählt die Rich­ti­gen! Wählt die Guten, nicht die Bösen! Wählt die mit den bun­te­sten Pla­ka­ten! Wählt die mit der schlimm­sten Kanz­le­rin! Wählt die mit dem blö­de­sten Humor! Wer x wählt, ist doof, wer y wählt, ist döö­fer!

Demo­kra­tisch in den Unter­gang. Ihr habt ja mor­gen euer Kreuz gemacht. Oder ihr habt es mor­gen gelas­sen. Apa­thie und Ver­elen­dung, aber wenig­stens gibt es wie­der Erd­bee­ren und Spar­gel.

Prost Mahl­zeit.

Klaus der Gei­ger – Nein, nein wir woll´n nicht eure Welt

PolitikNetzfundstücke
CDU gegen Was­ser­hacker

Was AfD, Pira­ten­par­tei, Die PARTEI und ande­re Par­tei­en im Euro­päi­schen Par­la­ment gern tun wür­den, wird in den ein­schlä­gi­gen Medi­en ja in aller Aus­führ­lich­keit bespro­chen. Dabei kom­men natür­lich ande­re Par­tei­en zu kurz.

Was möch­te denn zum Bei­spiel die CDU errei­chen, wenn sie erneut ins Euro­päi­sche Par­la­ment ein­zieht? Dar­über erfährt man wenig, die CDU ist eben Kon­sens, da hin­ter­fragt nie­mand mehr etwas. Erfreu­li­cher­wei­se erteilt aber zumin­dest das Wahl­pro­gramm Aus­kunft:

Wir wer­den Was­ser, Strom, Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­ze und ande­re soge­nann­te kri­ti­sche Infra­struk­tu­ren vor Angrif­fen aus dem Inter­net bes­ser schüt­zen.

Auf dass nie­mand einen Com­pu­ter­wurm ins Was­ser schüt­te!

(via @tollwutbezirk)