Dass in Georgensgmünd ein Mensch mit gemeinhin für falsch gehaltener Auffassung von Völkerrecht und legal erworbenen Waffen (denn es ist bekanntlich ein sehr wichtiges Grundrecht, sich unter Umständen ein Mordinstrument unter’s Kopfkissen legen zu dürfen) einen Polizisten erschossen hat, führt gegenwärtig zu allerlei gesellschaftlichen Urteilen wie etwa dem, dass man doch bitteschön etwas gegen diese Terroristen unternehmen möge, womit natürlich die “Reichsbürger” und nicht etwa die Waffenbesitzer gemeint sind, denn bekanntlich ist man als unbewaffneter Geschichtsverdreher wesentlich gefährlicher als wenn man bloß ein bewaffneter Spinner ist, unter völliger Ausblendung des Umstands, dass proportional mehr Frauen als “Reichsbürger” irgendwen umbringen und trotzdem nahezu niemand fordert, man möge Frauen doch bitte unter Beobachtung stellen.
Klar — “Reichsbürger” sind in ihrem ganzen Handeln viel verdächtiger. SPIEGEL ONLINE “erklärt” dazu:
Scrollt man durch die Seite, tritt man ein in eine Blase, in der (…) das Finanzsystem kurz davor ist, die Welt in den Abgrund zu kollabieren, Behörden nur daran arbeiten, die Bürger zu schröpfen, Medien lügen, westliche Regierungen auf den dritten Weltkrieg gegen Russland drängen. Der einzige Mächtige, der hier des Bösen unverdächtig ist: Wladimir Putin.
“Ach so”, wird der verständige “SPON”-Leser nun denken, “dann ist ja alles klar”, denn wer das Finanzsystem kritisiert, staatlichen Institutionen oder gar der Bundesregierung die Armut von Bürgern vorwirft und dann sogar noch dreist behauptet, westliche Medien oder gar hochrangige Politiker würden die Konfrontation mit Russland verschärfen wollen, dessen Präsidenten er überdies nicht einmal durch entsachlichende Dämonisierung zu verteufeln wagt, der kann nur ein Terrorist oder mindestens ein Sympathisant sein.
Nur hat Programmieren mit Informatik zunächst mal so viel zu tun wie ein Horoskop mit Astrophysik: Irgendwas mit Computern, irgendwas mit Sternen, wird schon passen. Informatik als Vertiefung der Mathematik lehrt Logik, trockene Automatentheorie, allerdings nicht zwangsläufig ihre Anwendung — und selbst die geht weit über Programmieren hinaus.
Die Mehrzahl aller Informatikabsolventen kann nicht programmieren (und wenn, dann nur in Java), Informatik allgemein läuft superbis auf Programmieren. Als fertig studierter Informatiker mit einer leidlich akzeptablen Durchschnittsnote kann man einen Algorithmus schreiben, der sich in Internetforen über die schlechte Qualität seines Studiums beschwert, aber ihn eben nicht in der Praxis umsetzen, weil weder Algorithmik noch Platinenlöten nennenswerte Kenntnisse in einer Programmiersprache (außer, allenfalls, Assemblersprache oder Lernsprachen wie Python, die sowieso wie lauffähiger Pseudocode aussehen; und selbst das nur, wenn genug Begeisterung für das Thema besteht, weil man in keinem der beiden Fächer zwangsweise mit echtem Quellcode arbeiten muss oder auch nur sollte) mit sich bringen. Für die Wirtschaft sind Leute, die Ideen in verkaufstaugliche Programme einbauen können, allerdings langfristig wichtiger als solche, die sich ab und zu mal was ausdenken, weil sich Ideen eben verdammt schwer in Greifbares verwandeln lassen, wenn niemand da ist, der das tut; und selbst, wenn man von der Wirtschaft nicht viel hält: Wenn ich ein Programm zum Heimgebrauch entwickle, dann macht mir das Schreiben von Code oft deutlich mehr Spaß als das Erarbeiten der dahinter stehenden Logik. Dazu kommt: Kein Wissen aus der Informatik ist zur produktiven Arbeit hierbei zwangsläufig Voraussetzung, denn programmieren kann man auch ohne eine detaillierte Verschriftlichung der erwarteten Ergebnisse.
Richtig ist, dass mehr Menschen programmieren können sollten, denn Programmiertes löst oft Probleme, die man bis dahin für unausweichlich gehalten hatte. Mehr noch: Notwendig erscheint es mir, Medienkompetenz zu einem wichtigen Unterrichtsinhalt in Schule und Studium zu machen. Stimmt, was in Zeitungen und Schulbüchern steht? Wie vertrauenswürdig ist Facebook und womit verdienen die eigentlich ihr Geld? Nur ist auch dies nicht die Aufgabe der Informatik. Ein Informatiker kann eine lange Karriere vor sich haben, ohne jemals mit dem in Berührung zu kommen, was manche hierzulande einen Computer nennen. “Du bist doch Informatiker, du kannst doch sicher mein Auto reparieren, das ist doch heute alles mit Computer.” (Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass es heißt, es gäbe zu wenig gut ausgebildete Informatiker: Man wäre schön blöd, das herumzuerzählen.)
Im Übrigen gibt es durchaus gute Gründe dafür, dass Informatik ein mehrjähriger Studiengang mit mehreren, einander faktisch ausschließenden Vertiefungen ist: Die wesentlichen Inhalte dieser Disziplin lassen sich nicht zwischen Sportunterricht und Erdkunde begreifen. Wer ein “Pflichtfach Informatik” fordert, der hat offensichtlich ganz einfach das Wesen der Informatik nicht begriffen. Astrophysiker — da haben wir es wieder — sind ja auch nicht nach dem Abitur schon fertig.
Wer sich also über die eingangs erwähnte vermeintliche Inkonsequenz der F.D.P. amüsiert, dem stünde etwas mehr Unterricht vermutlich nicht schlecht zu Gesicht.
Produkttest des Tages: “Auf den ersten Blick hat Google vieles richtig gemacht: Das Pixel hat eine separate Kopfhörerbuchse und stand während meines fünftägigen Tests kein einziges Mal in Flammen. Für High-End-Smartphones ist das im Herbst 2016 nicht selbstverständlich.”
Es ist Montag, aber man redet es sich schön, weil unbedingte Voraussetzung für einen Montag ja ist, dass zuvor ein Sonntag stattfand, aber davon kann keine Rede sein. Für den Mondtag mag es reichen, schon wegen des Voll‑, Quatsch, Supermondes, ein Wort wie aus einem Welterfolg von Scooter, jedenfalls: Montags hat man auch schon mal bessere Zeiten (zum Beispiel nachmittags an Sonntagen) gesehen. Als wäre es erst gestern gewesen.
Gute Nachrichten allerdings — die Ursache für das Waldsterben ist gefunden: DJ Bobo küsst jeden Tag zwei Bäume. Dass das nicht verboten ist, gehört zu den unverständlichen Eigenheiten der Schweiz. Wobei man als Deutscher, was Eigenheiten angeht, vielleicht besser schweigen sollte; außer einer Bahn mit Beschwerdekultur und verklemmten Großmäulern mit Penisneid leisten wir uns andererseits insbesondere auch vorsätzlich verängstigte Linke, denen es ihre eigene politische Agenda verbietet, ein leidlich zivilisiertes Miteinander auch von Kulturfremden einzufordern. Die wissen das ja nicht besser. Wenn das eigene Weltbild vernagelt ist, hilft ein erhobener Zeigefinger nicht beim Blick auf das Leben, das wirklich passiert. Nicht in jedem Kokon wird man zum Schmetterling.
Zu viel Offenheit, andererseits, ist auch nicht gut, zum Beispiel, wenn sie smarte Elektronik befällt: Zwölf Jahre alter OpenSSH-Bug gefährdet unzählige IoT-Geräte, da weiß man diesen Open-Source-Quatsch doch gleich richtig zu würdigen. Kann ja nix passieren, kann ja jeder reingucken.
Manchmal wäre Verreisen, weit weg von all dem, eine überlegenswerte Alternative.
Es ist wieder so weit: Vielen Menschen ist von den ersten Dominosteinen und Lebkuchenherzen des Jahres schon vor Wochen schlecht geworden, es droht das erste “Last Christmas” aus schlimmen Medien zu erschallen und bei Penny (ehem. Penny-Markt) gibt es Zipfelmänner. Das hat viele Menschen ziemlich verärgert.
Die Zipfelmänner, diese optische Vermählung von Räuchermännchen mit Schlümpfen, zeichnen sich dadurch aus, dass sie mit dem Weihnachtsmann beinahe nichts zu tun haben; nur: ungesunde Hohlfiguren aus Schokolade, deren Verfügbarkeit kalendarisch mit christlichen Festtagen zusammenhängt, sind beide. Folgerichtig lautet die Vermutung seitens ungesunder Hohlfiguren aus Mensch, dass diejenigen, die den allherbstlichen Ansturm auf das Zeug nicht bloß mit Weihnachtsmännern zu befriedigen versuchen, hiermit den Plan verfolgen, das Christentum zu übervorteilen. Die muslimischen Flüchtlinge seien schuld, als wäre der Zipfelmann das Abbild einer hohen islamischen Gottheit.
Wie der Weihnachtsmann als Werbefigur Coca-Colas eben auch nichts mit Religion zu tun hat, womit das einzige religiös vertretbare Geschenkefest im bestehenden Kalender das Gedenkfest des heiligen Bischofs Nikolaus (6. Dezember) ist, dessen Leben noch heute dadurch gedacht wird, dass man Kindern Schokolade, meist mit einem möglichen Abbild des Bischofs, in die Schuhe schiebt. Bischöfe machen so was eben. Die US-amerikanische Darstellung des Bischofs als “Santa Claus” (was ja nichts anderes heißt als “Heiliger Nikolaus”), in der Regel am 25. Dezember den Höhepunkt erreichend, ist insofern eine im Kalender verrutschte Fehldeutung des im Zuge der Kirchenspaltung als Ersatz für den von Katholiken verehrten Nikolaus entstandenen Christkinds (will heißen: Jesus), trotz der ursprünglichen Darstellung als Engel nachdrücklich beeinflusst von der Kulturlosigkeit bezeugenden Gleichsetzung von Nikolaus und Jesus. Tät’s nicht einer der Ihren, hieße es vermutlich Ketzerei.
Das Ende des christlichen Abendlandes — immerhin: na endlich — wird insofern vielmehr von denen befeuert, die das Andenken an christliche Heilige sukzessive durch die Verehrung einer Symbolfigur des Kapitalismus US-amerikanischer Ausprägung ersetzen, als von denen, die die Privatsache Religion auch als eine solche behandeln. Die Gebete zum mächtigen Mammon bleiben Jahr für Jahr nicht ungehört. Besorgte Bürger verschandeln das Christentum. Hat sich dagegen eigentlich schon Widerstand formiert?
Bob Dylan hat, das hat wohl inzwischen selbst derjenige Großteil der Menschheit, dem umgehängte Medaillen einfach mal schnuppe sind, mitbekommen, jüngst wenig überraschend den Nobelpreis für Literatur, genauer: für, überwiegend, seine Liedtexte, erhalten. #Steinmeier gefällt das. Bob Dylan wurde auch deshalb ausgezeichnet, weil er nun seit über 50 Jahren, allen Ausfällen (man munkelt, es seien religiöse Alben unter seinem Namen erschienen) zum Trotz, Gedichte geschrieben und vertont hat, die den soundtrack ganzer sog. Bewegungen bildeten, seltsame Stimme hin oder her. Irgendwelche Antworten werden noch heute in den Wind geblasen, Bob Dylan aber verweilte nicht lange. Ikone sein zu wollen hat ihm ohnehin offenbar nie gelegen: Als ihm die verdammten Hippies zu viel Aufmerksamkeit zuteil werden ließen, offenbar in der Hoffnung, er möge für den Rest seines Lebens ihre Lieblingslieder quasi als menschliches Radio wiedergeben, steckte er seine Gitarre in die Steckdose und beschloss, dass die Lagerfeuerlieder künftig andere Menschen machen mögen. So behauptet es jedenfalls die Legende.
Bob Dylan ist nicht erfolgreich geworden, weil er dem Idealbild eines glatten Künstlers entsprach, sondern gerade auch wegen seiner Texte. Friedenshymnen wurden bald von subtiler, selten auch brachialer Gesellschaftskritik abgelöst — selbst der Präsident der USA, zum Beispiel, habe manchmal nichts an (“It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding)”, Übersetzung von mir), was jahrzehntelang von Jubeln des Publikums begleitet wurde, die sind’s eben auch nicht mehr gewohnt — und blieben zumindest bis Anfang der 1970-er Jahre beeindruckend wort- und bildreich, wie man es sonst nur von wenigen anderen Musikern wie etwa Leonard Cohen kannte.
Dass gereimte Texte, seien sie nun gesungen, gesprochen oder gerülpst, meist zweifelsfrei als Literatur (zumal Lyrik) auszumachen sind, lässt die “historische Zäsur” (Michael Hübl, Ressortleiter für Kultur bei den “Badischen Neuesten Nachrichten”) noch erstaunlicher wirken. Hat sonst noch niemand aus Musikerkreisen so nachdrücklich gewirkt? Um einen Literaturnobelpreis zu erhalten, hatte der Preisstifter immerhin einst verfügt, selbiger Preis möge derjenigen Person verliehen (muss man den dann eigentlich wieder zurückgeben?) werden, die auf dem Felde der Literatur die herausragendste Arbeit im positiven Sinne verrichtet hat, und daran bestehen vermutlich nur geringe Zweifel.
Doof ist nur, dass Bob Dylan ein Mann ist, ein alter weißer obendrein, was die “Geisteswissenschaftsjournalistin” — das ist vermutlich jemand, der für zu viel Geld zu lange Texte über Leute schreibt, die beruflich tatsächlich geistige Arbeit verrichten — Anna-Lena “Doc” Scholz zu dem Hinweis veranlasste, dass es wohl nicht sehr inspirierend (ich nehme an: für andersartige Menschen) sei, wenn der diesjährige Nobelpreis ausschließlich an “Männer über 65” verliehen werde, was ja schon deshalb nicht stimmt, weil drei der elf Preisträger noch nicht über 65 Jahre alt sind, aber Journalismus hat mit Recherche eben nur am Rande etwas zu tun. Welche herausragenden Leistungen junger Frauen von den Preisverleihern nicht ausreichend berücksichtigt worden sein sollen, teilte sie bedauerlicherweise nicht mit, so dass ich nur raten kann: Ist Anna-Lena Scholz offensichtlich seit Beginn ihrer beruflichen Laufbahn nur deshalb nicht ausreichend inspiriert, um Bemerkenswertes zu schaffen, weil die Preisträger 2016 allesamt im Ruf stehen, über ein naturgemäß männliches Geschlechtsteil zu verfügen? Den Scholzpreis für besondere Weiblichkeit bekommen sie so sicher nicht!
Gucken wir uns das mal genauer an. Von den sechs Nobelpreiskategorien Physik, Chemie, Physiologie/Medizin, Literatur, Frieden und Wirtschaftswissenschaften wäre Frau Scholz — sie beschäftigt sich laut Selbstdarstellung außer mit Literatur auch mit der Theorie- und Ideengeschichte der Germanistik sowie mit, als hätte ich es geahnt, feministischer Theorie und literaturwissenschaftlicher Geschlechterforschung, insgesamt also eher mit esoterischen als mit nützlichen Themen — qua Kenntnisstand zumindest für den Nobelpreis für Literatur potenziell qualifiziert. Für das Goldene Brett 2016 kamen ihre Bemühungen um den Feminismus allerdings leider auch zu spät, diesjähriger Preisträger ist, hihi, ein Mann. Nun besteht eine “herausragende Leistung” im Preissinne nicht darin, dass man Bücher rezensiert, sonst hätte ich sicherlich auch bereits mehrfach den Friedensnobelpreis verliehen bekommen, immerhin rezensiere ich hier mehr oder weniger regelmäßig Texte über Scharmützel irgendwo auf der Welt.
Nein, wer nur Bote eines Werkes ist, der schafft dadurch keine kreative Großtat, die es zu würdigen gilt. Die bisher einzige Zweifachnobelpreisträgerin Marie Curie ließ sich nicht davon abhalten, dass die vorherigen für ihre Verdienste in Physik und Chemie Ausgezeichneten allesamt Männer waren, sie hat einfach gearbeitet, und das in einer Zeit, in der Frauen noch weit davon entfernt waren, das Privileg zu besitzen, die ganze Welt mit ihren regressiven Ansichten über die Relevanz von Geschlechtern bei der Würdigung der Leistungen einer Person zu behelligen; und auch Bob Dylan wäre sicherlich der Letzte, der die Inspiration durch seine Zeitgenossen nicht zu umfassen wüsste: Ohne die Weltgewandtheit seiner einstigen Freundin Suze Rotolo und ohne die Unterstützung seiner folgenden Freundin Joan Baez, selbst erfolgreiche Musikerin, hätte seine Lyrik möglicherweise niemals die nunmehr quasi gekrönte Qualität erreicht, über die manch Geisteswissenschaftsjournalistin heute aufgrund seines (oder auch ihres) Geschlechts die Nase rümpft.
Vielleicht sollte Frau Scholz es mal mit Singen versuchen.
Bildung ist eine Ressource, die von jeher ungleich verteilt wird. Anna-Lena Scholz
Wo muss denn unbedingt mehr Internet rein? Richtig: In Teekessel.
Mark Rittman set about trying to make a cup of tea at 9am but night had fallen by the time his new Wi-Fi enabled kettle could complete the task.
Wie halt die moderne Technik auch sonst darauf verzichtet, dem Menschen zu Diensten zu sein: Samsung beerdigt das Galaxy Note 7 (hätte es eine Löschdecke nicht auch getan?) und sammelt dafür die noch nicht explodierten Modelle in feuerfesten Kisten ein. Wer ist schuld an dieser Entwicklung — Samsung? Nein, die Kunden:
Der immense Erfolgsdruck in der Branche führt zu fragwürdigen Entscheidungen aufseiten der Hersteller. Immer mehr, immer dünner muss es sein, gleichzeitig sollen die Produktionskosten sinken und die Gewinnmargen hochgehalten werden. Nun zeigen sich die ungewollten Konsequenzen.
In einer Zeit, in der die Verschlankung von Gehäusen um wenige Millimeter als wesentliches Verkaufsargument gewertet wird (ich klagte zuvor), ist das zumindest eine gerechte Strafe. Seht nur, wie dünn es ist!
Mit Funktionalität kann man in der Schule nun mal nicht glänzen.
Potztausend, schon wieder so ein Album, das Spaß macht. 2016, was ist los mit dir?
Das natürlich französische Trio Moon Circle — Gitarre, Schlagzeug, Bass/Flüstern/Geschrei — hat pünktlich am 1. Januar dieses Jahres ein wirklich feines Album via Bandcamp veröffentlicht, das mich beinahe zum Luftgitarren angeregt hätte, was durchaus ungewöhnlich ist, neige ich doch eher zum stillen Genuss.
Bei Titeln wie “Lost In The Gang-bang (Where Are You?)”, “Attack Of The Nudist Zombies” und “Cum Together” möge man süffisant grinsen, wenn es beliebt, aber musikalisch ist von Pubertät hier nichts zu spüren. Texte gibt es eher so zwischendurch, nach einer kurzen Texteinlage im Eröffnungsstück ist erst mal eine Weile Ruhe. Wenn sich das ändert, dann ist es nicht völlig unamüsant. Der extrovertierte Gesang in “Chase The Hunter” etwa macht keinen Hehl daraus, dass diese Band nichts ernst meint oder auch nur ernst nimmt. Yeah.
Moon Circle — Lost In the Gang-bang (where are you ?)
Genres, ach, drauf geschissen; wer’s braucht: Gitarrenbetonter Stoner-Krautrock mit dem gewissen Etwas. “Spaceship’s Rising” zitiert, vielleicht sogar: parodiert vorübergehend den Spacerock mit seinen doch oft etwas merkwürdigen Effekten, nur um dann mal eben sozusagen im Vorbeifliegen etlichen aufstrebenden Postrockkapellen Konkurrenz zu machen, aber das könnte auch trügen. Hier passiert noch mehr als es scheint, aber zur Ruhe kommt man trotzdem nur selten und das ist auch gut so.
Lucifer’s Friend, Hawkwind, Jimi Hendrix, der Stoner Rock an sich und, ja, durchaus auch Bands wie Russian Circles klingen in Moon Circles Erstlings-LP an. Mögen noch mehr solcher Alben folgen!
In den Kabinettsitzungen der britischen Premierministerin Theresa May ist das Tragen der Apple Watch künftig verboten.
Nicht etwa aus rationalen Erwägungen heraus (man weiß ja nie so genau, wohin Apple die Bewegungsdaten funken lässt), sondern natürlich aus der Angst vor dem bösen Wolf:
Als besondere Gefahr sehen die Beteiligten demnach einen Angriff durch russische Computerspezialisten. “Die Russen versuchen, alles zu hacken”, so eine Quelle von The Telegraph.
Die britische Regierung ist übrigens die, die sich den Geheimdienst GCHQ leistet, der, wie das Investigatory Powers Tribunal vor einem Jahr entschieden hatte, nicht nur die ganze Welt, sondern selbstredend auch Abgeordnete des britischen Parlaments mittels Hacks überwachen darf, wie das so ein Geheimdienst nun mal macht.
Es ist Montag und man hätte es beinahe nicht gemerkt, weil der Sonntag erst nicht wie ein Sonntag schien und irgendwie dann doch. Traditionen haben Charme, wenn man es nur richtig anstellt. Wenn schon der Rest der Welt bekloppt scheint: Ab 2030 soll für Autos nur noch Kohle und kein Benzin mehr verheizt werden dürfen. Da freut sich die Umwelt schon jetzt.
Die Bundeskanzlerin hat vor ein paar Tagen vermutet, Kritik am undemokratischen Zustandekommen der gegenwärtig diskutierten Freihandelsabkommen sei wohl als Antiamerikanismus zu werten, ein Freihandelsabkommen mit Russland würde viel weniger Kritik mit sich bringen. Dabei hat der Antiamerikanismus in der Gesellschaft ganz andere Zusammenhänge, zum Beispiel den, dass die USA nicht gerade dazu neigen, das friedliche Gleichgewicht auf der Erde aufrecht zu erhalten. Ein Freihandelsabkommen mit Russland wäre aus ganz anderen Gründen eine nette Geste. Russland hat es ganz allgemein begründet satt, dass es von feindlichen Truppen (i.e. “uns”) umgeben ist: Russland kündigt Plutonium-Abkommen mit den USA, bis die USA ihre Drohgebärden einstellen. Da helfen nur mehr Panzer. Mehr Panzer haben schon immer gut Probleme gelöst, wenn Russland sich zu wehren versuchte.
Selbstverständlich geht es den meisten Applekunden ausschließlich um die überragende Technik, was dieses Produkt nahezu schlüssig erklärt: Eine Kerze, die nach neuem Mac riecht.
Wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen, haben sie gesagt. Die machen Firmen menschlicher, haben sie gesagt.
Eigentlich jedes Mal, wenn ich Vinyl anpreise, kann ich mir sicher sein, dass einige Leser geräuschvoll oder auch völlig lautlos mit dem Kopf schütteln und mich einen rückständigen Konservativen schimpfen, der mit einer rein digitalen Musiksammlung so viel anfangen kann wie ihr Opa mit Rockmusik. Streaming ist die Zukunft und in jeder Hinsicht einer anständigen Plattensammlung überlegen. Mit einer Plattensammlung zum Beispiel fängt man sich nicht mal Malware ein. Voll doof.
Abschließend das Zitat der Woche, das bitteschön prominent im öffentlichen Raum platziert gehört: “[W]enn die Frage, ob die Bombe gut ist oder ob die Bombe böse ist, beinahe immer damit beantwortet werden kann, wer die Bombe abgeworfen hat, dann kannst du dir völlig sicher sein, dass du schon längst im Krieg bist.”
In der, ausgerechnet, Fernsehsendung “Die Anstalt”, in der bekannte und weniger bekannte Kabarettisten das Publikum unter Beifall und Gejohle, allerdings ansonsten folgenlos zur Erregung über die bizarre Politik vornehmlich des hiesigen Landes anzuregen versuchen, wurde kürzlich (Achtung: Flash!) pointiert darauf hingewiesen, dass der Begriff des politisch Linken und Rechten sich in den letzten Jahrzehnten dahingehend verschoben hat, dass in den großen Parteien von CDU/CSU bis zur “Linken” allein ein irgendwie rechter gemeinsamer Wertekanon vorliegt.
Ein aktuelles Beispiel dafür liefert Schleswig-Holstein. Die Schleswig-Holsteinesen haben im Jahr 2012 — fast wollt’ ich schreiben: n.Chr. — die christliche CDU-Regierung durch eine sozialdemokratische SPD-Regierung ausgetauscht. Man sollte nun annehmen, dass die SPD sich wenigstens vordergründig mehr für reale und weltliche Politik statt für die Anbetung von Geisterwesen interessierte, insbesondere unter der Prämisse, dass nur wenig mehr als die Hälfte der Einheimischen Mitglied der De-facto-Staatskirche (Christentum) ist. Pustekuchen:
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) wird am Montag von Papst Franziskus in Privataudienz empfangen. (…) Die Papstaudienz findet im Rahmen einer Reise Albigs mit Erzbischof Heße statt. Auf dem Programm des zweitägigen Aufenthalts stehen gemeinsame Gesprächen mit der deutschen Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Annette Schavan, und dem Generalsekretär der Gemeinschaft von Sant’Egidio, Cesare Zucconi, sowie ein Gottesdienst im Petersdom.
Nun könnte man durchaus einen gewissen Witz darin sehen, dass im Vatikan auch ein Gespräch mit einer verurteilten Betrügerin (CDU, natürlich) ansteht, womit das alles wunderschön zusammenwächst, aber interessanter ist dann doch, dass das SPD-gebeutelte Oberhaupt eines Bundeslandes mit einer einstelligen Prozentzahl an Katholiken es für seine Aufgabe zu halten scheint, beruflich (also keinesfalls als Privatmann) in aller Pracht mit dem Papst zu parlieren und einem Gott, keinesfalls also dem Wählersouverän, zu dienen, jegliche Lippenbekenntnisse über die Trennung von Staat und Kirche als solche entlarvend. Dass Katholizismus, in den vergangenen zwei Jahrtausenden nicht gerade ein Fanal für Bürgerrechte und eine lebenswerte Zukunft, über ausreichend empfehlenswerte Antworten auf dringende politische Fragen unserer Zeit verfügt, darf bezweifelt werden.
Torsten Albig hätte nun die Möglichkeit, Zweifel an seinem Ansinnen zu zerstreuen, wenn er möglichst bald bekanntgibt, dass es außerdem politische Gespräche mit “Dagi Bee” und Tim Cook geben wird. Den Vorwurf der einseitigen politischen Beeinflussung durch eine scheinbar wahllos ausgewählte politikferne Minderheit kann er nur glaubwürdig ausräumen, indem er zeigt, dass seine politischen Entscheidungen unter Abwägung aller Einzelinteressen zustandekommen.
Davon würde ich mir dann vielleicht sogar ein Video ansehen.
Die Übertreter aber werden vertilgt miteinander, und die Gottlosen werden zuletzt ausgerottet.
Psalm 37,38
Es ist Montag, ein Tag der deutschen Einheit, ob wir wollen oder nicht. Der Kanzler der Einheit, Helmut Kohl, wusste, dass Volksabstimmungen gar nicht so gut sind. Folgerichtig empfehlen Deutschlands Linke für den heutigen Tag in bekannt bigotter Weise einen von lästigen Dingen wie Gemeinschaftssinn oder Menschlichkeit befreiten Aufstand des antikapitalistischen Pöbels gegen dieses verdammte Land. Nur hierbleiben wollen sie schon, weil es hier so einfach ist, halbwegs gut zu überleben. Wenn man niemanden in Dresden kennt, ist die Forderung nach einer Einebnung der Stadt bedeutend einfacher zu stellen. Der Mensch ist dem Menschen ein Dingsbums. Ein unglaublich blöder, manchmal, noch dazu. Wer nicht über seinen Schatten springen kann, der hat einerseits Physik verstanden, ist aber andererseits weniger gut geeignet für das, was zählt (i.e. Geborgenheit und etwas Musik). Was fehlt? I wo: Wer. Eine Woche zurück und ein neuer Versuch, noch mal im Arm statt immer nur im Bett einschlafen, mehr muss es ja gar nicht sein.
Da wir gerade bei Blöden waren: Den “Grünen” gefällt es gar nicht, wenn ein Unternehmen zu viele Kunden hat, denn dann muss eine “missbrauchsunabhängige Entflechtungsmöglichkeit” her. Ich würde ja die missbrauchsunabhängige Entflechtung der “Grünen” befürworten, aber dann muss die ja irgendwer anders nehmen. Allerdings ist “Digitalpolitik” (allein das Wort schon!) auch nicht für jeden Menschen geeignet; der EU-Digitalkommissar Günther Oettinger etwa hat bisher offenkundig noch nicht mal eine Suchmaschine benutzt, was zumindest die einzige Erklärung für seine Theorie ist, dass kaum ein Nutzer einer solchen Suchmaschine jemals auf ein Suchergebnis klickt. Die lesen alles immer nur in Google, die Leute. Seine Partei, die CDU, hat derweil den Feminismus am Hals: Die Beteiligten hätten (…) vereinbart, das Thema Sexismus “ab sofort (…) in verschiedenen Gremien (…) zu diskutieren”, was mich doch hoffnungsfroh stimmt, dass demnächst Ruhe ist, denn an einer gremienübergreifenden Feministinnengruppe (meinten Sie: Grippe?) haben sich bekanntlich schon ganz andere Parteien verschluckt.
Das konnte niemand ahnen: Überwachungskameras dienen der Überwachung. Damit müsse man ja rechnen, wenn man im öffentlichen Raum unterwegs ist, mag mancher nun argumentieren; allein: in all der smarten neuen Welt entgeht hierbei das Wesentliche.
Neulich zum Beispiel hat jemand die Website von Brian Krebs mit einem geradezu lächerlichen DDoS-Angriff von ungefähr 620 Gigabit pro Sekunde nachdrücklich aus dem Web geschubst. Das muss ja ein riesiges Botnetz gewesen sein, nehmt ihr jetzt zu Recht an — denn das ist es, und es ist nicht allein wegen seiner Größe beeindruckend: Es besteht aus Haushaltsgeräten und es werden immer mehr. Schon 2013 waren Bügeleisen willkommene Einfallstore für Schadsoftware, seitdem hat sich bedauerlicherweise einiges am Marktanteil solcher klugen Geräte in die falsche Richtung verschoben.
Der sicherlich irgendwie begründbaren Begeisterung für das total vernetzte Heim tut solches, bedauerlich!, nur wenig Abbruch, denn der Mist lässt immer neue kleine Firmen, immer weiter gehende Heimwanzen den Markt überrennen. Datenschutz funktioniert nur dann richtig, wenn man es (das Datenschutz, A.d.V.) verinnerlicht hat und es lebt. Wer seine heimische Klobürste vom Büro aus fernsteuern kann und nicht begreift, warum er das kann, der macht es falsch.
Es ist nicht schwer für ein seelenloses Gerät, smarter als manche Menschen zu sein.
Aus der beliebten Reihe “Der Feminismus bringt uns Dinge bei”: Wer eine Frau, die eine Straftat begangen hat, einer Straftat bezichtigt, ist ein armseliger, feiger Frauenverächter.