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Alle Jahre wie­der: Pennys Zipfelreligion

Es ist wie­der so weit: Vielen Menschen ist von den ersten Dominosteinen und Lebkuchenherzen des Jahres schon vor Wochen schlecht gewor­den, es droht das erste „Last Christmas“ aus schlim­men Medien zu erschal­len und bei Penny (ehem. Penny-Markt) gibt es Zipfelmänner. Das hat vie­le Menschen ziem­lich verärgert.

Die Zipfelmänner, die­se opti­sche Vermählung von Räuchermännchen mit Schlümpfen, zeich­nen sich dadurch aus, dass sie mit dem Weihnachtsmann bei­na­he nichts zu tun haben; nur: unge­sun­de Hohlfiguren aus Schokolade, deren Verfügbarkeit kalen­da­risch mit christ­li­chen Festtagen zusam­men­hängt, sind bei­de. Folgerichtig lau­tet die Vermutung sei­tens unge­sun­der Hohlfiguren aus Mensch, dass die­je­ni­gen, die den all­herbst­li­chen Ansturm auf das Zeug nicht bloß mit Weihnachtsmännern zu befrie­di­gen ver­su­chen, hier­mit den Plan ver­fol­gen, das Christentum zu über­vor­tei­len. Die mus­li­mi­schen Flüchtlinge sei­en schuld, als wäre der Zipfelmann das Abbild einer hohen isla­mi­schen Gottheit.

Wie der Weihnachtsmann als Werbefigur Coca-Colas eben auch nichts mit Religion zu tun hat, womit das ein­zi­ge reli­gi­ös ver­tret­ba­re Geschenkefest im bestehen­den Kalender das Gedenkfest des hei­li­gen Bischofs Nikolaus (6. Dezember) ist, des­sen Leben noch heu­te dadurch gedacht wird, dass man Kindern Schokolade, meist mit einem mög­li­chen Abbild des Bischofs, in die Schuhe schiebt. Bischöfe machen so was eben. Die US-ame­ri­ka­ni­sche Darstellung des Bischofs als „Santa Claus“ (was ja nichts ande­res heißt als „Heiliger Nikolaus“), in der Regel am 25. Dezember den Höhepunkt errei­chend, ist inso­fern eine im Kalender ver­rutsch­te Fehldeutung des im Zuge der Kirchenspaltung als Ersatz für den von Katholiken ver­ehr­ten Nikolaus ent­stan­de­nen Christkinds (will hei­ßen: Jesus), trotz der ursprüng­li­chen Darstellung als Engel nach­drück­lich beein­flusst von der Kulturlosigkeit bezeu­gen­den Gleichsetzung von Nikolaus und Jesus. Tät’s nicht einer der Ihren, hie­ße es ver­mut­lich Ketzerei.

Das Ende des christ­li­chen Abendlandes - immer­hin: na end­lich - wird inso­fern viel­mehr von denen befeu­ert, die das Andenken an christ­li­che Heilige suk­zes­si­ve durch die Verehrung einer Symbolfigur des Kapitalismus US-ame­ri­ka­ni­scher Ausprägung erset­zen, als von denen, die die Privatsache Religion auch als eine sol­che behan­deln. Die Gebete zum mäch­ti­gen Mammon blei­ben Jahr für Jahr nicht unge­hört. Besorgte Bürger ver­schan­deln das Christentum. Hat sich dage­gen eigent­lich schon Widerstand formiert?