Sonstiges
Pastor Pritz­ke und die Kin­der

Ver­se­hent­lich hal­te ich, wäh­rend ich an die­sem Text fei­le, das „Klee­blatt“ (Aus­ga­be Dezem­ber 2012 bis Febru­ar 2013, also vor der letz­ten Weih­nacht ver­öf­fent­licht), den Gemein­de­brief der evan­ge­lisch-luthe­ri­schen Kir­chen­ge­mein­de in irgends­o­ei­nem Gos­la­rer Vor­ort in der Hand und bin über das edi­to­ri­al recht amü­siert.

Pastor Pritz­ke (das klingt wie eine Figur aus den Micky-Maus-Comics, oder?) schreibt dort aller­lei über das Weih­nachts­fest und sei­ne ver­meint­li­che Bedeu­tung. Da ste­hen dann – nein, die Sache mit den Mess­die­nern wird der Kir­che so schnell sicher nicht ver­zie­hen – Sät­ze wie:

Auch das kann uns die Advents­zeit leh­ren: Gro­ße Freu­de braucht Vor­be­rei­tung.

Bis man so einen Mini­stran­ten her­um­be­kom­men hat, dau­ert das eben manch­mal ein wenig. Die zie­ren sich aber auch immer!

Oder Sät­ze wie:

Und wie schnell geht dann, beson­ders wenn klei­ne Kin­der da sind, das Aus­packen unter dem Tan­nen­baum!

So ein wenig Stim­mung muss ja schon sein. Auch Prie­ster haben einen Sinn für Roman­tik!

Aber es ist nicht nett, immer und immer wie­der auf der Pädo­phi­len­ge­schich­te her­um­zu­rei­ten (hehe). Viel­leicht wird Pastor Pritz­ke Unrecht getan, viel­leicht weiß er tat­säch­lich nicht, was sei­ne Kol­le­gen so, hihihi, trei­ben, wenn sie auf Mess­die­n­er­fahrt ver­rei­sen. Also gehen wir die Sache mal anders an:

Weih­nach­ten heißt: Gott schenkt uns sei­nen Sohn. Wir wis­sen, was wir bekom­men.

„Weih­nach­ten heißt: Alles schon mal da gewe­sen. Drei Tage Ödnis, halb­her­zig seit Mona­ten bekann­te Geschen­ke aus­packen und sich auf die Zeit danach freu­en.“

Weih­nach­ten ist das Fest des Kin­des. Gott schenkt uns sei­nen Sohn. In ihm kommt er uns näher, (sic!) als wir uns selbst sind.

Muss… Witz… ver­knei­fen.

Und so ist Weih­nach­ten auch für uns das Fest der neu­en Geburt, des neu­en Anfangs.

„Und so fängt nach Weih­nach­ten das Dun­kel und das mit den Toten wie­der an.“

Weih­nach­ten ist Geburts­tag für alle.

„An Weih­nach­ten kom­men vie­le unein­ge­la­de­ne Gäste und fres­sen einem die Tor­te weg.“

Lei­der beschränkt sich der Humor­ge­halt des Gemein­de­briefs auf die­sen Text; der Rest besteht aus Buch­tipps (kei­ne Bibeln oder por­no­gra­fi­sche Roma­ne, 1 von 24 Sei­ten), Klein- (6 von 24 Sei­ten) und Todes­an­zei­gen („nur“ eine hal­be Sei­te, wahr­schein­lich, weil man zur Weih­nachts­zeit nicht an Tote denkt oder so) und irgend­wel­chen son­sti­gen Bekannt­ma­chun­gen (Got­tes­dienst ist immer am glei­chen Tag, dan­ke für’s Lesen). Was für eine Ver­schwen­dung von (Holz und) Drucke­tat.

Und für so was brau­chen die jeweils vier Mona­te. Wen wundert’s da noch?

Netzfundstücke
Kurz ver­linkt CXLIV: Face­bums.

(Niveau­vol­le Über­schrif­ten sind zu ein­fach.)

Dass „sozia­le Netz­wer­ke“ nicht pri­mär dem vor­geb­li­chen Aus­tausch im Freun­des- oder Fami­li­en­kreis die­nen, son­dern sich in den dor­ti­gen Kon­takt­li­sten im Lau­fe der Zeit vor allem heim­li­che und weni­ger heim­li­che Flam­men ansam­meln, war nie ein all­zu gro­ßes Geheim­nis. Die­je­ni­gen, die post-pri­va­cy zur Lebens­ma­xi­me erko­ren haben, kön­nen nun noch ein­fa­cher dazu ste­hen:

„Bang Your Fri­ends“ heißt die Anwen­dung, zu Deutsch „Bums dei­ne Freun­de“. Sie soll ein­schlä­gig Inter­es­sier­te ohne gro­ße Umwe­ge zu gewünsch­ten Begeg­nun­gen ver­hel­fen. Unter den eige­nen Face­book-Kon­tak­ten kann der Nut­zer die begehr­ten Freun­de mar­kie­ren. Soll­te einer die­ser Face­book-Freun­de umge­kehrt einen ähn­li­chen Wunsch äußern, wer­den bei­de via E‑Mail über das gegen­sei­ti­ge Inter­es­se infor­miert.

Anders gesagt: Wenn im eige­nen „Freun­des­kreis“ jemand Bock auf Pop­pen hat und – jeden­falls zur­zeit noch – dem ande­ren Geschlecht ange­hört und bei­de Teil­neh­mer ihr Begeh­ren der app mit­ge­teilt haben, bekom­men sie voll­au­to­ma­tisch und ohne stö­ren­de vor­he­ri­ge Kon­takt­auf­nah­me unter­ein­an­der ’ne Mail, dass sie den jeweils ande­ren doch mal ganz unver­bind­lich fra­gen soll­ten. Wenn’s halt die eige­nen Eltern oder Kin­der sind, ist das nur vor­über­ge­hend pein­lich. Ich wüss­te aller­dings wirk­lich gern, wie die­je­ni­gen, die die­se app nut­zen, bis­her Frau­en ken­nen gelernt haben, wenn bereits eine höf­li­che, aber direk­te Fra­ge („ey, ficken?“) die Teil­neh­mer über­for­dert.

Ach, apro­pos Eltern oder Kin­der; der Unter­hal­tungs­wert wur­de kürz­lich per Aktua­li­sie­rung besei­tigt:

Nun soll dafür gesorgt sein, dass als Fami­li­en­mit­glie­der mar­kier­te Face­book-Kon­tak­te von der App-Aus­wahl aus­ge­nom­men sind.

Ich neh­me ja sowie­so an, dass die Ziel­grup­pe der app über­wie­gend aus Leu­ten besteht, die mit dem Anbah­nen von Sexkon­tak­ten im Fami­li­en­kreis am wenig­sten Pro­ble­me hät­ten. Unglaub­lich.

Nerdkrams
Ponys sind schei­ße.

Gele­gent­lich scheint es eine gute Idee zu sein, den Medi­en wie­der ein­mal dar­zu­le­gen, war­um die Netz­bür­ger kei­ne homo­ge­ne Mas­se („die Netz­ge­mein­de“, als wäre das eine Sek­te) sind. Aus aktu­el­lem Anlass mache ich das heu­te ein­mal am Bei­spiel der Meme.

Also: Ich bin Netz­bür­ger. Und obwohl ich seit „gei­lo, mein neu­es 56k-Modem geht ja rich­tig ab“ im Inter­net her­um­kas­pe­re und gele­gent­lich auch am dor­ti­gen Sozi­al­le­ben teil­neh­me, fin­de ich die mei­sten Meme ziem­lich bescheu­ert.

Ein „Mem“ (ety­mo­lo­gisch irgend­wie mit „memo­ry“ ver­wandt) ist unter ande­rem ein Kurz­wort für Inter­net­phä­no­me­ne. Dies bezeich­net wie­der­keh­ren­de Bil­der, Tex­te, Vide­os oder auch und Phra­sen, die sich über das Inter­net ver­brei­ten und sich zum Teil auch ins wirk­li­che Leben aus­brei­ten, etwa das recht bekann­te „Troll­face“ als Erken­nungs­merk­mal eines Pro­vo­ka­teurs, das sich längst auch auf Demon­stra­tio­nen und T‑Shirts wie­der­fin­det, eben­so die ande­ren Gesich­ter.

Und bevor jetzt jemand behaup­tet, die im Inter­net hät­ten kom­plett bescheu­er­te Ideen und ohne das Inter­net wären sie wei­ser: Das mit den Memen geht auch anders­her­um. Ein bekann­tes Mem aus dem wirk­li­chen Leben ist zum Bei­spiel der Satz „Nie­mand hat die Absicht, eine Mau­er zu errich­ten“, bis heu­te in abge­wan­del­ter Form wei­ter­ge­tra­gen und viel­tau­send­fach per­si­fliert. Ein „Mem“ ist also eigent­lich nichts ande­res als ein geflü­gel­tes Wort in digi­ta­ler Dar­rei­chung. Und auch die Leu­te aus dem wirk­li­chen Leben haben oft kei­ne bes­se­ren Meme im Ange­bot, denn sie stam­men meist aus dem Fern­se­hen (oder zumin­dest von You­Tube).

Ein paar Bei­spie­le: Im Früh­jahr 2012 mach­ten sich im Inter­net Pon­y­ava­tare breit, ent­lehnt aus der Fern­seh­se­rie „My Litt­le Pony“. Für mich als Netz­bür­ger ist das trotz­dem unge­fähr so nach­ah­mens­wert und attrak­tiv wie Bar­bie und Poké­mon. Auch ande­re Fern­seh- und wei­te­re Seri­en und Fil­me schaff­ten es zu gera­de­zu vira­len Memen, das Rick­rol­ling mit Rick Ast­ley hat es gar zu einem eige­nen Wiki­pe­dia-Arti­kel geschafft. Ande­re You­Tube-Phä­no­me­ne wie Box­xy sind irgend­wann weit­ge­hend in Ver­ges­sen­heit gera­ten, wäh­rend sich das Xzi­bit-Mem „Yo dawg“, ver­mut­lich ent­stan­den aus der Fern­seh­se­rie „Pimp My Ride“, erstaun­lich lan­ge hält.

Dabei rei­ßen Meme auch Leu­te mit, die es sonst mit dem Inter­net nicht so haben. Der Film „V wie Ven­det­ta“ etwa, in dem ein mas­kier­ter Mann aus Rache für die Miss­hand­lung durch die Regie­rung Gebäu­de in die Luft sprengt und durch sei­nen Tod letz­ten Endes die Dik­ta­tur been­det, inspi­rier­te die Grün­dung und das Auf­tre­ten von „Anony­mous“. Ken­nen soll­te man zumin­dest die Sze­ne, in der alle Bür­ger der Stadt, eben­falls mit sol­chen Mas­ken aus­ge­stat­tet, das Mili­tär umrin­gen.

War­um eigent­lich „Anony­mous“? Nun, das ist der ange­zeig­te „Name“ nicht ange­mel­de­ter Benut­zer im Forum „4chan“, wo sich die mei­sten Meme initi­al ver­brei­ten, sei’s nun Box­xy, sei’s die Ven­det­ta. 4chan muss man nicht ken­nen, das Niveau dort ist über­schau­bar, und auch wenn es qua­si für jedes The­ma ein eige­nes Forum gibt (selbst ein Musik­fo­rum ist dort rege aktiv) und ich das Kon­zept „Anony­mous“ und eini­ge ihrer „Ope­ra­tio­nen“, selbst Lulz­Sec, aus­drück­lich gut­hei­ße: Man muss schon reich­lich puber­tär sein, um län­ger als nötig dort zu ver­brin­gen. (Ähn­li­ches gilt für das deutsch­spra­chi­ge Pen­dant Kraut­chan, wo die „Anonymous“-Benutzer schlicht „Bernd“ hei­ßen – damit wur­de die­ser Name eben­falls zu einem aller­dings sel­ten benutz­ten Mem.)

Intel­lek­tu­ell inter­es­sant sind aller­dings die Meme, die histo­ri­schen oder lite­ra­ti­schen Bezug auf­wei­sen. Dass die­se Meme nor­ma­ler­wei­se Teil von Cree­py­pa­sta (also im Wesent­li­chen Hor­ror­ge­schich­ten) sind, ist bemer­kens­wert, aber nicht stö­rend. Eini­ge von ihnen sind durch­aus gut gemacht.

Ein Bei­spiel ist die Legen­de vom Slen­der Man, einem groß­ge­wach­se­nen, fah­len Mann ohne bekann­tes Gesicht, der nachts Kin­der holt oder so. Eine fas­zi­nie­ren­de Figur, auf die wir stolz sein kön­nen: Das Vor­bild war der Groß­mann, ein vor meh­re­ren Jahr­hun­der­ten im Schwarz­wald leben­der, geheim­nis­vol­ler Kin­des­ent­füh­rer, des­sen Exi­stenz bis heu­te nur belegt, nicht jedoch bewie­sen wur­de. End­lich mal ein erfolg­rei­ches deut­sches Export­gut!

Die­je­ni­gen, die der inter­na­tio­na­len Bel­le­tri­stik näher ste­hen als deut­scher Lokal­ge­schich­te, sind womög­lich mit den Wer­ken H. P. Love­crafts wie dem Necro­no­mic­on und dem Cthul­hu-Mythos ver­traut. Die Span­nung, die H. P. Love­craft erzeugt, liegt dar­in begrün­det, dass das Böse meist zu erah­nen, aber nie greif­bar ist. So funk­tio­nie­ren die mei­sten Roma­ne von Ste­phen King, so funk­tio­nie­ren zahl­rei­che Fol­gen von „Akte X“, so funk­tio­niert „Cree­py­pa­sta“ und so funk­tio­niert Zal­go. Zal­go? „Zal­go“ ist ein Wort ohne nähe­re Bedeu­tung, das seit 2004 belegt ist. Zal­go ist der Name einer kör­per­lo­sen Enti­tät, die in jeder Wand wohnt und dar­auf war­tet, zu leben; deren bal­di­ge Ankunft sich mani­fe­stiert in andau­ern­den Geräu­schen, blu­ten­den Augen, zer­flie­ßen­dem Text bis hin zu völ­li­ger Unkennt­lich­ma­chung der Wirk­lich­keit, mit­hin das Ende der Welt, wie wir sie ken­nen. Zal­go is͔̦̟̳͔̹̓̋͗ͯͭ͡tͥͩ ̂̕Ķ̼͙͔̭̙̙̆ͭ̈̃ͫ͂ọ̙̼̱̿̽ͫ̍r̮͇̰͇͙͉͌͢r̝̠̽̓ͬͬ̂̂uͥ͑p̉ͯ͏̸̛̪̻̯͙̦̙͙t̷̬͉͎̰̟̙͕̩ͪ͗̅ͭ̐̇̓ͮi̶̢̗̪͉͛̓ͫͅo̴̰̺̤̲̥̪͆̉ͣ̈̌n̂̆҉̸͖̲͙̼͡.̡̼͉̬͚̎̾͒̉͛ ̇̂̉ͨ͒҉͚̲̲̯̱͖͝Z̧̡̡̥͈̻͕̞̤̺͔̼͂ͭ̽ͩͫ̔͘͢a̷͉͓̲͉̻̦̖̦̟̠̼͉̬̟̪͎͑ͪ̈̄̌̀͠͡l̶̛̞̯̯̞͉̘̦̲͊̾̒ͯ͒̾͆ͬ̆͐̆ͭ̿͗̀g̷̢̯̻͔̘̯̬̰̽̽ͭ͗̔̾̿ͨo̡̗͚͖͔ͨ͗̑ͩ̈́̀ͫͪ̂ͮ͂̽ͯͨ́̚̚̕͞ ͎̪͍͓͈̳͖̩̤͉̻͖̤͉͖̪͙͓̓̌̿̅̒͗̏̽̌̍̋̐̀̋̍̔͑̈ͦ̕͢͠i̒͆̏ͮ̔̃͊͛ͩ͐͌ͭ̀̃ͣ҉̷̢̨̣̖̝͚̹̹͕̜̪̩̱̻͍̙̻̗̙̹͠ͅs̈͌̃̅ͥ͒̒̚҉̩̟̩͎̭̙͖̳̝̮͘͟͜t̶̶̙̱̞̫̟̼̖͈͑͗̃ͩ͆ͫ͋ͭ̍͟͞ͅ ̬̤͔̣̝̮͉̗̮̲͖̝̝̺̯͋̈ͦ̽̽͐͐ͦ̍̆͘͜͢͝C̶̸̡̘̰̘̯͈̘̭͔̘̈́̃̀̑͑ͦͨ̕h͚̯͎͕̻͍̻̙̫̲̙̬̪̰̪̓ͩͯ̇ͥ̓̌́a̒͊̿ͣͯ͗͗̔̔̈͂̊͟҉҉͎̳̪̹̮̦̰̰̤͇̗̠̩̖̙͉͙̕͠ȏ̏̍̀̆́͑ͯ͑҉̶̡͚̙̺̘̙ͅş̵̴̯̼͎̞̩͉͚̳̯̪͈̤͍̹̫̖̯̃̏̓̒ͭ̈́ͩͧ.̸̢̛͙̹̬̼̦̬̠̫̤͉̦͙͕͔̘̉̈́̔͛̍̉͑̑͗͛̓ͦͯ͡

Zalgo

Ver­zei­hung, ich schwei­fe gele­gent­lich ab. Nun, so weit, so gut.

Wor­auf ich eigent­lich – außer, dass es deut­lich zu vie­le Meme gibt – hin­aus­woll­te? Das habe ich, ehr­lich gesagt, ver­ges­sen. Ich impro­vi­sie­re: Auf – wie­der mal – Twit­ter wer­den zur­zeit gern neue Meme kre­iert, so genann­te „Film­me­me“. Unter Hash­tags wie #FDPFil­me, #wurst­fil­me und #Waf­fel­fil­me wer­den Film­na­men ent­stellt, etwa „Waf­feln im Sturm“. Das sei zum Abbre­chen lustig, heißt es, und bleibt nicht bei eini­gen weni­gen Aus­nah­men, son­dern schafft es in jeder Reinkar­na­ti­on in die tren­ding topics. In ande­ren Wor­ten: Bin­nen weni­ger Minu­ten ist auch eine gut sor­tier­te Twit­ter­li­ste vol­ler total lusti­ger Ein­wort­wit­ze. Aber ihr irrt: Das ist nur zum Bre­chen. Hört auf damit.

Und, ihr Medi­en, schreibt end­lich mit: Auch, wenn man als Netz­bür­ger Meme kennt und die bestehen­de Regie­rung nicht mag, ist man noch lan­ge kein typi­scher Ver­brei­ter von grau­en­voll schlech­ten Memen.

Und Ponys sind auch schei­ße.

Spaß mit Spam
du bist die eine, die ich gesucht habe!

Nee, fehl­ge­lei­tet, „Her­da“, die Sie mir unter obi­gem Betreff eine Mail zukom­men lie­ßen; an mir ist nach­weis­lich ’n Penis dran. Frau­en (schreibt man das nicht „Her­ta“?), die per Mail ande­re Frau­en suchen, sind mir aller­dings bis­her neu gewe­sen. Das klingt nach Spaß.

Hal­lo, wen Sie ?

Na, die Eine, die Sie, „Her­da“, gesucht haben, ich zumin­dest ver­mut­lich nicht.

Wie Sie uber mich hor­ten? Von den Web­sei­ten der Bekannt­schaf­ten?

Von den Web­sei­ten der Bekannt­schaf­ten hor­te ich nicht eine; die besit­zen sie alle ganz allein. Besit­zen Sie auch eine? Dann hor­te ich auch die natür­lich nicht.

Erzah­len Sie uber Sie und was Sie, zu suchen?

Über sie habe ich schon vie­ler­lei erzahlt erzählt. Was das hier zu suchen hat? Ich weiß es nicht – sagen Sie es mir. Wort­karg schei­nen Sie ja nicht zu sein; obwohl Sie Ihrem Wort­schwall eine ZIP-Datei mit einer ent­hal­te­nen Bild­schirm­schon­er­da­tei namens „sexy.scr“ bei­füg­ten. Mei­nen Bild­schirm scho­ne ich spä­ter, vor­her wüss­te ich gern, was es damit auf sich hat.

Ach so, natür­lich:

Ich schicke Ihnen wasche die Foto­gra­fie in die­sem Brief.

Sehr schön. Frisch gewa­sche­ne Foto­gra­fien machen kei­nen Dreck.

Ich wer­de froh sein, die Ant­wort von Ihnen zu sehen.Victoria
29.01.201312:02:56

Damit wäre mei­ne gute Tat für heu­te erfüllt.Ich
Stern­zeit nega­tiv

PolitikNetzfundstücke
Kurz ver­linkt CXLIII: Inter­net ist auch nur Sport

Die Grü­nen – die juve­ni­len Kriegs­trei­ber, die auch gern mal Face­book­nut­zung für Bür­ger­be­tei­li­gung hal­ten – sind immer wie­der für einen Lacher gut. Ihre neue­ste Pein­lich­keit ist das hier:

Dani­el Mack war so nett mir unauf­ge­for­dert eine E‑Mail mit dem Link zum ent­spre­chen­den Blog­ar­ti­kel zu sen­den […] Wie unschwer zu erken­nen ist (“sehr geehr­te Damen und Her­ren”) ver­sen­det Dani­el Mack ein Seri­en-E-Mail (oder News­let­ter), Absen­der ist der Spre­cher für Netz­po­li­tik und Sport Bünd­nis 90/Die Grü­nen – gefühls­mä­ssig für mich ein kom­mer­zi­el­ler Absen­der. Ich hat­te mit Dani­el Mack bis heu­te kei­ne kom­mer­zi­el­le Bezie­hun­gen, auch habe ich mich nie in eine ent­spre­chen­de News­let­ter­li­ste ein­ge­tra­gen, noch sonst irgend­wo den Wunsch geäu­ssert, Infor­ma­tio­nen zu sei­nen poli­ti­schen The­men zu erhal­ten. Dani­el Mack schreibt mich (als Aus­län­der, äh Schwei­zer) also an, weil ich einen Blog zu Face­book betrei­be. Die Idee dahin­ter ist offen­sicht­lich, berich­te ich dar­über, erhält er zusätz­li­che Auf­merk­sam­keit.

Bereits seit Anfang 2007 dro­hen Ver­sen­dern von Spam, und sei sie poli­tisch moti­viert, für sel­bi­ges Tun bis zu 50.000 Euro Buß­geld ins Haus zu ste­hen. Eine poli­ti­sche Par­tei – und gera­de ihr Netz­spre­cher – soll­te das wis­sen.

Aber was ist von einer Par­tei auch zu erwar­ten, die einen Spre­cher für Netz­po­li­tik und Sport in ihren Rei­hen hat? Klar: Wer zwei Din­ge glei­cher­ma­ßen schlecht beherrscht, der kann es auch in die­sel­be Schub­la­de wer­fen. So sind sie, die Grü­nen: Haupt­sa­che, das mit den Wind­rä­dern klappt. Mit hei­ßer Luft kennt man sich nach ein paar Jah­ren im Bun­des­tag eben immer noch am besten aus.

PersönlichesNetzfundstücke
Der bes­se­re Sexis­mus

Ich woll­te mich hier zum The­ma Sexis­mus bezie­hungs­wei­se der aktu­el­len Debat­te zu die­sem The­ma eigent­lich nicht wei­ter äußern, das habe ich an ande­rer Stel­le bereits mehr als deut­lich getan. Die Bigot­te­rie, die die­sem The­ma anhängt, haben unter ande­rem Klop­fer und die Mut­ti tref­fend the­ma­ti­siert.

Eigent­lich hät­te ich es damit auf sich beru­hen las­sen kön­nen.

Nun wur­de mir die Web­site alltagssexismus.de – bewusst nicht ver­linkt – in mei­nen Nach­rich­ten­ticker gespült. Dort steht zu lesen:

Hier wer­den Erleb­nis­se zu Sexis­mus, Homo‑, Que­er- und Trans­feind­lich­keit, zu Ras­sis­mus und Ablei­s­mus, den Frau­en erle­ben, gesam­melt. Das kön­nen Klei­nig­kei­ten sein, die sich wie All­tag anfüh­len oder sexua­li­sier­te Über­grif­fe und Gewalt, Sachen, die euch läh­men oder auf­re­gen, die euch ner­ven oder stö­ren. Beschreibt sie so lang oder kurz wie ihr wollt, ger­ne anonym, wenn ihr möch­tet. Sexis­mus ist kei­ne Baga­tel­le son­dern ein ernst­haf­tes Pro­blem, das wir nicht akzep­tie­ren wol­len.

(Her­vor­he­bun­gen von mir.)

Ras­sis­mus als Form von Sexis­mus zu betrach­ten ist bereits eine lusti­ge Idee; der Ein­fall, eine Sei­te namens „Auf­schrei­en gegen Sexis­mus“ nur Frau­en zu wid­men, ließ mich vor Lachen fast kol­la­bie­ren. Das ist doch Absicht, Mädels. Ande­rer­seits: Auf­schrei­en könnt ihr ja her­vor­ra­gend, zum Bei­spiel dann, wenn ’ne manns­gro­ße Spin­ne an der Zim­mer­wand sitzt. Dann ruft ihr selbst­ver­ständ­lich den star­ken Mann, denn ihr seid die schwa­che Frau. Eben­so, wie ihr die Män­ner ruft, wenn irgend­was mit dem Com­pu­ter ist. Oder mit dem Fern­se­her. Oder es Möbel zu schlep­pen gilt. Denn ihr seid ja nur Frau­en, und Män­ner ken­nen sich bekannt­lich schon rein gene­tisch mit Möbel­schlep­pen und Elek­tro­nik aus.

Es ist müßig zu erwäh­nen, dass ich die­se all­täg­li­chen Klei­nig­kei­ten (neben einer anders­wo beschrie­be­nen weni­ger klei­nen Igkeit – allein an der Bedeu­tungs­lo­sig­keit soll­te es nicht schei­tern) ger­ne anonym auf der Sei­te „Auf­schrei­en gegen Sexis­mus“ zu mel­den ver­sucht habe.

Sie wur­den alle­samt nicht frei­ge­schal­tet.

Auf Twit­ter riet man mir, für grö­ße­ren Erfolg mei­ne Berich­te als Frau ein­zu­rei­chen. Natür­lich hät­te ich sie dafür so umschrei­ben müs­sen, dass die bei­den betei­lig­ten Grup­pen die Rol­len getauscht hät­ten. Wahr­schein­lich wäre in die­sem Fall die Frei­schal­tung wirk­lich kein Pro­blem gewe­sen.

Merkt ihr selbst, oder?

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz ver­linkt CXLII: Viel Koh­le, viel G’schrei.

SPD und Grü­ne wür­den gern, wie in den mei­sten ande­ren Bun­des­län­dern längst gesche­hen, die Stu­di­en­ge­büh­ren in Nie­der­sach­sen abschaf­fen. Offen­bar sind die­se nicht not­wen­dig, selbst in Nord­rhein-West­fa­len (kei­ne Stu­di­en­ge­büh­ren) gibt es angeb­lich Aka­de­mi­ker mit einer aus­rei­chend pro­fes­sio­nel­len Aus­bil­dung.

Das gefällt den Hoch­schu­len aber nicht.

Die Ost­fa­lia befürch­tet, dass ihr nach dem Regie­rungs­wech­sel in Han­no­ver weni­ger Geld zur Ver­fü­gung steht. Falls die Stu­di­en­ge­büh­ren weg­fal­len soll­ten und es dafür kei­nen ent­spre­chen­den Aus­gleich gebe, sei die Wett­be­werbs­fä­hig­keit gefähr­det. (…) Durch das Geld aus den Stu­di­en­ge­büh­ren sei die Qua­li­tät von Leh­re und For­schung gestie­gen. Ohne finan­zi­el­len Aus­gleich fie­len die Hoch­schu­len wie­der zurück, befürch­tet [Hoch­schul­prä­si­dent Wolf-Rüdi­ger] Umbach.

Wie „finan­zi­el­ler Aus­gleich“ unge­fähr aus­sieht? Nun, etwa so:

Nie­der­sach­sens Hoch­schu­len las­sen immer mehr Stu­di­en­ge­büh­ren unge­nutzt auf ihren Kon­ten lie­gen. (…) Am Stich­tag 1. Juli 2010 leg­ten Nie­der­sach­sens Hoch­schu­len ins­ge­samt 78.732.172 Euro Ein­nah­men aus den Stu­di­en­ge­büh­ren auf die hohe Kan­te. Zum Ver­gleich: Am 31. Dezem­ber 2008 betrug die­se Sum­me noch 75.627.638 Euro.

Anders aus­ge­drückt: Ohne Stu­di­en­ge­büh­ren könn­ten sich die Wür­den­trä­ger der Hoch­schu­len nur noch alle zwei Jah­re einen neu­en Mer­ce­des lei­sten statt (wie bis­her) jedes Jahr. Die­sen Zustand kann nie­mand gut­hei­ßen. Viel­leicht soll­ten die nie­der­säch­si­schen Hoch­schu­len mal höf­lich nach­fra­gen, ob nicht viel­leicht der ESM noch ein, zwei Mil­liärd­chen…

Nicht? Na gut – war nur ein Vor­schlag.

In den NachrichtenPiratenpartei
Kopf­geld­jä­ger und Pira­ten

Das eher weni­ger erfolg­rei­che Abschnei­den der Pira­ten­par­tei bei der letz­ten Land­tags­wahl in Nie­der­sach­sen lässt die Medi­en wie­der süf­fi­sant fra­gen: Wie lan­ge wird das Pira­ten­schiff noch segeln, und war­um ist Johan­nes Pon­ader noch im Amt?

Ich möch­te den lächer­lich ver­qua­sten Blog­ein­trä­gen der Für- und Wider­red­ner nun nicht mehr all­zu viel hin­zu­fü­gen, und das, obwohl ich als einer derer, die ein Ver­har­ren unter fünf Pro­zent für den idea­len Ansporn zur pro­duk­ti­ven Arbeit hal­ten, in die Defen­si­ve gedrängt wer­de. Kommt kurz her, Kin­der, setzt euch um mich her­um und hört mir zu. Ich möch­te nur drei kur­ze Anmer­kun­gen machen, danach las­se ich euch in Ruhe wei­ter mit Förm­chen wer­fen, ver­spro­chen.

1. Per­so­nel­les

Ihr Pres­seh­ei­nis, die ihr sab­bernd und gei­fernd den gan­zen Tag vor Twit­ter hockt und auf die neue­sten unge­heu­er­li­chen Ver­feh­lun­gen des Bun­des­vor­stands war­tet, geht jetzt alle an die Tafel und schreibt hun­dert­mal:

Der poli­ti­sche Geschäfts­füh­rer der Bun­des­par­tei, der sich im Wahl­kampf in Nie­der­sach­sen vie­le Stun­den lang den Hin­tern an Info­stän­den im gan­zen Bun­des­land ab- und wie­der dran­ge­fro­ren hat, ist nicht „schuld“ dar­an, dass die Bür­ger Nie­der­sach­sens von den Pira­ten nicht aus­rei­chend über­zeugt waren.

2. Trans­pa­renz, Sexis­mus und was alles dazu­ge­hört

Pira­ten­par­tei: Etwa zwei Pro­zent. Ein uralter Tweet eines Mit­glieds wur­de bis kurz vor der Wahl von der Pres­se warm gehal­ten und recht­zei­tig aus­ge­packt. Resul­tat: Buh, den sexi­sti­schen Hau­fen kann man doch nicht wäh­len!

F.D.P.: Etwa zehn Pro­zent. Spit­zen­kan­di­dat äußert sich vor der Wahl sexi­stisch. Resul­tat: Ja, hm, scha­de.

Weil die Pira­ten­par­tei sich öffent­lich und trans­pa­rent gibt, gelan­gen sol­che Vor­fäl­le natür­lich meist sofort an die Öffent­lich­keit. Aber nur, weil im Inter­net mehr Ver­feh­lun­gen von Pira­ten als von tra­di­tio­nell eher off­line agie­ren­den CDU- oder SPD-Mit­glie­dern ste­hen, heißt das nicht, dass letz­te­re sich bes­ser beneh­men kön­nen. (Dass „Sexis­mus“, wie auch immer man ihn defi­niert, eine zutiefst mensch­li­che Eigen­schaft ist, die nicht an Par­tei­en, Geschlech­ter oder Gene­ra­tio­nen gebun­den ist, führt an die­ser Stel­le wahr­schein­lich zu weit.) Aber ich ver­ste­he schon, ihr Pres­seh­ei­nis seid es ja gewohnt, beim Kas­per­le­thea­ter mit­zu­wir­ken – die Hän­de in den Hin­tern der Pup­pen ver­stö­ren euch nur. Kein Wun­der, dass euch die Pira­ten­par­tei über­for­dert.

3. Was die Pira­ten­par­tei ler­nen soll­te

Was die Pira­ten­par­tei in Nie­der­sach­sen nun falsch gemacht hat, wür­det ihr sicher gern wis­sen. Ich kann euch das unge­fähr so gut und zuver­läs­sig beant­wor­ten wie jeder ande­re Bür­ger, aber wenn ich einen Tipp abge­ben muss: Kein zurech­nungs­fä­hi­ger Bür­ger – ich wie­der­ho­le mich – wählt aus­ge­rech­net die Pira­ten­par­tei, die auf dem Papier mit Trans­pa­renz, Inter­net­frei­heit und digi­ta­len Bür­ger­rech­ten wirbt, nur wegen ihrer tol­len Umwelt‑, Finanz‑, Sozi­al- oder Bil­dungs­po­li­tik. Lernt dar­aus und macht es näch­stes Mal rich­tig.

So, und nun zurück in den Sand­ka­sten mit euch.

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXLI: Jabba the Turk?

Prust:

In der Weih­nachts­zeit soll sich ein öster­rei­chi­scher Vater bei der Tür­ki­schen Kul­tur­ge­mein­de in Öster­reich gemel­det und eine Beschwer­de vor­ge­bracht haben. Sei­ne Schwe­ster habe sei­nem Sohn den Lego-Bau­satz „Jabbas Palace“ des däni­schen Spie­le­her­stel­lers Lego gekauft, „in guter Absicht“. Es habe sich jedoch her­aus­ge­stellt, dass die Lego-Ver­packung „päd­ago­gi­schen Spreng­stoff“ ent­hal­te. (…) Die Kul­tur­ge­mein­de ist den Beden­ken des Vaters offen­bar nach­ge­gan­gen und erhebt nun ihrer Web­sei­te zufol­ge gegen Lego den Vor­wurf der Volks­ver­het­zung. Begrün­dung: „Jabbas Palace“ glei­che einer Moschee, der Wach­turm einem Mina­rett. Die Figu­ren sei­en Ori­en­ta­len nach­ge­bil­det, mit Geweh­ren, Schwer­tern und Kano­nen.

Ein hüb­sches Bild hat die Tür­ki­sche Kul­tur­ge­mein­de in Öster­reich da von den eige­nen Mit­glie­dern, wenn sie Figu­ren mit Geweh­ren, Schwer­tern und Kano­nen auto­ma­tisch für die Ihren hält. War­um genau ein offen­bar also dem Islam nahe ste­hen­der Vater sei­nem Kind ein Weih­nachtsgeschenk macht, weiß ich lei­der nicht. Viel­leicht mit der Absicht, die Kauf­kraft des ver­hass­ten Westens zu schwä­chen.

Bei genaue­rer Betrach­tung sei das fer­tig zusam­men­ge­bau­te Lego-Haus und der dazu­ge­hö­ri­ge Turm tat­säch­lich „ein 1:1‑Abklatsch der Hagia Sophia in Istan­bul oder der Moschee Jami al-Kabir in Bei­rut und eines Mina­retts. Kurz, das Model ähnelt Sakral­bau­ten, egal ob Kir­che, Moschee, Syn­ago­ge oder Tem­pel.“

Zur Hagia Sophia hält die Wiki­pe­dia ein paar in die­sem Kon­text amü­san­te Anek­do­ten bereit, beson­ders erwäh­nens­wert ist es viel­leicht, dass es sich um eine ehe­ma­li­ge byzan­ti­ni­sche (also christ­li­che) Kir­che han­delt, die im 15. Jahr­hun­dert von plün­dern­den Tür­ken qua­si gewalt­sam zur Moschee umge­baut wur­de und heu­te ein Muse­um ist. Es ist wirk­lich eine pie­tät­lo­se Unver­schämt­heit von Lego, die­ses Gebäu­de zu ent­wei­hen.

(Dass das Vor­bild, näm­lich Jabbas Palast, gar nicht von Lego stammt, sei mal dahin­ge­stellt. Ein from­mer Vater guckt eben kei­ne bösen Kriegs­fil­me und kann so was nicht wis­sen. Aller­dings stimmt zumin­dest der Vor­wurf, dass Ähn­lich­kei­ten zu Sakral­bau­ten bestehen: Das haben Palä­ste eben so an sich.)

Und wei­ter:

Und wei­ter: Es sei offen­sicht­lich, dass man sich für die Figur des „häss­li­chen Böse­wichts Jabba“ ras­si­sti­scher Vor­ur­tei­le und gemei­ner Unter­stel­lun­gen gegen­über den Ori­en­ta­len und Asia­ten als hin­ter­li­sti­ge und kri­mi­nel­le Per­sön­lich­kei­ten bedient habe.

„Offen­sicht­lich“ hat der Ankla­gen­de noch nie einen Asia­ten gese­hen. Oder einen Ori­en­ta­len. Oder die alten Star-Wars-Fil­me. Das ist zwar nicht schlimm, immer­hin sind die ziem­lich lang­wei­lig, aber Lego des­we­gen Ras­sis­mus vor­zu­wer­fen ist absurd. Ich wer­fe den Machern von „Ava­tar“ ja auch kei­nen anti­schlump­fi­gen Ras­sis­mus vor, obwohl die Figu­ren auch blau sind. (Außer­dem habe ich den Film nie gese­hen.)

Die Kom­bi­na­ti­on aus Tem­pel­bau und Bun­ker­an­la­ge, aus der geschos­sen wer­de, kön­ne für Kin­der zwi­schen 9 und 14 Jah­ren sicher nicht geeig­net sein, „vor allem in Hin­blick auf ein fried­li­ches Zusam­men­le­ben ver­schie­de­ner Kul­tu­ren in Euro­pa“.

Und daher:

„Wir for­dern Eltern und Päd­ago­gen auf, kein Kriegs­spiel­zeug oder dis­kri­mi­nie­ren­des Spiel­zeug zu kau­fen oder zu schen­ken, geschwei­ge denn es zu ver­wen­den!“

Und um den Druck ein biss­chen zu erhö­hen, kün­digt die Kul­tur­ge­mein­de mög­li­che juri­sti­sche Kon­se­quen­zen an. Sie behal­te sich juri­sti­sche Schrit­te vor und über­le­ge, in Deutsch­land, in Öster­reich und in der Tür­kei Kla­ge bei der jewei­li­gen Staats­an­walt­schaft wegen Volks­ver­het­zung ein­zu­rei­chen.

Die Geschich­te der Hagia Sophia soll­te man spä­te­stens jetzt noch mal nach­le­sen, um das mit dem fried­li­chen Zusam­men­le­ben im Kon­text erfas­sen zu kön­nen. Aber auch, wenn man die Prä­mis­se setzt, dass die heu­ti­ge Tür­ki­sche Gemein­de in Öster­reich sich von den dama­li­gen Vor­gän­gen distan­ziert: Irgend­ein ver­rück­ter Fil­me­ma­cher erfin­det Jabba the Hutt und sei­nen Palast. Jahr­zehn­te­lang pas­siert nichts. Ein Spiel­zeug­her­stel­ler baut die Sze­ne­rie nach. Eine tür­ki­sche Gemein­de fin­det die­se Dar­stel­lun­gen ras­si­stisch, nennt Lego einen Volks­ver­het­zer und droht mit Kla­ge.

So ganz nor­mal sind die da alle nicht in Öster­reich, oder?

(Mit Dank an L. und B.!)

Sonstiges
Medi­en­kri­tik LXXVII: „JOY“, das Fach­ma­ga­zin für ange­wand­tes Zicken­tum

Yetis soll­ten nicht Cos­mo­po­li­tan lesen, Män­ner kei­ne Frau­en­zeit­schrif­ten. So weit der Mythos. Man wür­de als Mann aber manch­mal viel­leicht schon gern wis­sen, was die Frau­en so bewegt, und dabei hilft für wenig Geld ein Tratsch- und Mode­heft­chen wie „JOY“. Auf der Web­site der „JOY“ (Vor­sicht: Web­site der „JOY“!) ist zur­zeit unter ande­rem eine Gale­rie der „Busen­blit­zer“ mit posi­tiv beein­druck­ten Kom­men­ta­ren zu fin­den, somit tei­len die Frau­en mit den Män­nern offen­sicht­lich zumin­dest eine nen­nens­wer­te Vor­lie­be: das Möp­se­gucken.

Aber ich woll­te ja eigent­lich näher auf die gedruck­te „JOY“ ein­ge­hen. Das mache ich jetzt mal.

JOY 02/2013

Grund­sätz­lich hat die „JOY“ gegen­über der bereits an ande­rer Stel­le erwähn­ten „Jolie“ bezüg­lich der grell­bun­ten Auf­ma­chung und des Sprach­stils („Fashion we love“, gut Eng­lisch das ist) kei­ner­lei Ein­schrän­kun­gen, und auch die The­men sind sehr ähn­lich. Sogar Mila Kunis ist wie­der „exklu­siv“ ver­tre­ten; was man eben so „exklu­siv“ nennt.

Beson­ders ange­tan hat’s mir aber das Titel­the­ma „Die Kunst, eine unbe­re­chen­ba­re Frau zu sein“, das genau so tref­fend „Wie man Män­ner auf lan­ge Sicht effi­zi­ent ver­jagt“ hei­ßen könn­te. Womög­lich nicht zufäl­lig lau­tet ein ande­res Titel­the­ma „So ent­waff­nen Sie Ner­ven­sä­gen“. Blö­der­wei­se sind damit immer nur die Ande­ren gemeint. Aber vor­weg gibt’s trends, außer scheuß­li­cher Mode wird hier auch das „sty­li­sche“ („JOY“) Smart­phone Sony Xpe­ria V emp­foh­len, dank des­sen „neu­em LTE-Stan­dard“ man „noch schnel­ler Fil­me gucken“ kön­ne; der genaue Zusam­men­hang wird lei­der nicht näher erläu­tert.

Auf Sei­te 26 gibt es eini­ge Umfra­ge­er­geb­nis­se zu lesen, die mich belu­sti­gen. 69 Pro­zent der umbe­frag­ten Frau­en sind der Ansicht, Hei­rats­an­trä­ge sei­en Män­ner­sa­che, 32 Pro­zent den­ken manch­mal beim Geschlechts­ver­kehr an einen ande­ren Mann, immer­hin 36 Pro­zent sind der Mei­nung, Män­ner und Frau­en könn­ten kei­ne Freun­de sein. 5 der letz­te­ren 36 Pro­zent ver­tre­ten die Ansicht, Freund­schaft zwi­schen den Geschlech­tern sei nur mög­lich, wenn man schon mal mit­ein­an­der in der Kiste gewe­sen sei. Schö­nen Dank auch, Eman­zi­pa­ti­on und ver­meint­li­che Abschaf­fung der Rol­len­bil­der.

(Apro­pos Rol­len­bil­der: Auf Sei­te 22 wird bewor­ben, mit wel­chen Mit­teln die mir völ­lig unbe­kann­te Schau­spie­le­rin Jes­si­ca Cha­stain ihren „Por­zel­lant­eint“ – also ihr Püpp­chen­ge­sicht – betont. Ich zie­he mei­ne Ankla­ge zurück und erklä­re die Eman­zi­pa­ti­on der Frau für geschei­tert. Glück gehabt.)

Ein biss­chen welt­fremd wird es auf Sei­te 30, auf der „20 Din­ge, die Sie ab 30 kei­nes­falls mehr tun soll­ten“ auf­ge­zählt wer­den. Ding Num­mer 5 ist „In einer WG woh­nen (Aus­nah­me: Model-WG)“; damit das Püpp­chen (Sei­te 22) jen­seits der magi­schen 30 bloß nicht die Hoff­nung ver­lie­ren möge, jemals eine Chan­ce auf gemein­sa­mes Kot­zen zu haben. Models über 29 wei­hen doch nur noch Geschäf­te für mol­li­ge Mode ein, dach­te ich. Inter­es­sant sind aber auch die Punk­te 13 („Irgend­et­was von Hel­lo Kit­ty besit­zen“) und 14 („Sich Sonn­tag­mor­gens [sic!] für den Gang zum Bäcker schmin­ken“). Das sind so die Din­ge, von denen ich als Mann ja immer hof­fe, dass es noch Frau­en unter 30 gibt, die nie auch nur auf die Idee kämen, gegen eine die­ser Emp­feh­lun­gen zu ver­sto­ßen. Aber man will ja gut aus­se­hen beim Bröt­chen­kau­fen. Kein Wun­der, dass ich meist solo bin: Ich kau­fe Brot immer unge­schminkt. Ver­dammt.

Den lang­wei­li­gen Arti­kel über Mila Kunis – sie sehe „sich selbst gar nicht als Sex­bom­be“, und damit hat sie voll­kom­men Recht – genügt es zu über­flie­gen, es geht um Ash­ton Kut­cher, Knut­schen in der Öffent­lich­keit und ähn­lich irrele­van­ten Quark. Auch die Auf­li­stung der „star­ken Män­ner 2013“ kann man getrost bei­sei­te las­sen, zu sehen sind alle­samt mus­kel­be­pack­te Schön­lin­ge, bevor­zugt wohl ober­kör­per­frei. Ober­fläch­li­che Män­ner, die nur auf den Kör­per ach­ten, sei­en wirk­lich schlimm, wur­de mir ein­mal gesagt. Dank der „JOY“ weiß ich nun wenig­stens, was damit gemeint war.

Der Text, auf den ich mich beson­ders gefreut hat­te – der mit der unbe­re­chen­ba­ren Frau – ent­puppt sich beim Lesen als mehr­sei­ti­ge Ansamm­lung von Plat­ti­tü­den („Ero­tik kann alles sein“, „Män­ner hören beim Sex eh nicht so rich­tig zu“, aber „Reden ist Sex“ – wie auch immer). Der Tenor lau­tet: Mit einem Mann muss man spie­len, man muss ihn bet­teln las­sen. Frau­en, die sich an einen sol­chen Rat­ge­ber hal­ten, brau­chen ihn wahr­schein­lich noch häu­fi­ger. Übri­gens fin­de ich das in die­sem Arti­kel infla­tio­när ver­wen­de­te Wort „Schwanz“ für das männ­li­che Glied nicht sehr ero­tisch. Gibt es dazu eigent­lich auch schon einen Rat­ge­ber in einer Aus­ga­be der „JOY“?

Für die­se Ent­täu­schung ent­schä­digt der Fol­ge­ar­ti­kel „Rote Kar­te für Ner­ven­sä­gen“. Er ent­hält 16 Tipps, wie man ner­vi­ge Mit­men­schen effi­zi­ent anzicken kann, und soll­te somit im Port­fo­lio kei­ner Frau feh­len, die als sol­che wahr­ge­nom­men wer­den möch­te. Dass einer­seits aus dem Buch „Sor­ry, hier sitzt schon mei­ne Tasche“ zitiert wird (Tipp Num­mer 7), ande­rer­seits aber Leu­te, die einen Sitz­platz mit ihrer Tasche bele­gen, selbst als „Ner­ven­sä­gen“ iden­ti­fi­ziert wer­den (Tipp Num­mer 15), ist wahr­schein­lich sogar beab­sich­tigt. Immer­hin möch­te man ja die größ­te Ner­ven­sä­ge von allen wer­den; auch eine Art von joy.

Tipp Num­mer 10 ist eben­falls beacht­lich: Man sucht auf Face­book nach wich­ti­gen Din­gen, ver­mut­lich Schmink­tipps oder was „JOY“-Leserinnen halt so suchen, und fin­det nur doo­fes Geschwätz von einer Face­book-Freun­din. Zwei Lösungs­mög­lich­kei­ten wer­den vor­ge­schla­gen: Man sol­le ent­we­der „nie­man­den interessiert’s!“ drun­ter­schrei­ben oder die Mel­dun­gen der „Freun­din“ ein­fach aus­blen­den. Man könn­te statt­des­sen auch ein­fach die Freund­schaft kün­di­gen, aber so was macht man ja als Frau nicht. Da muss man ja zusam­men­hal­ten. Nur kon­se­quent erscheint da Tipp 16 gegen „hart­näcki­ge Anbag­ger-Idio­ten“: „Glot­zen Sie ihn unver­wandt mit einem Gesichts­aus­druck zwi­schen Schock und Debi­li­tät an – und zwar min­de­stens 30 Sekun­den.“ Der typi­schen „JOY“-Leserin genügt es nicht, als Zicke iden­ti­fi­ziert zu wer­den. Es muss schon min­de­stens zu einer gei­stes­ge­stör­ten Zicke genü­gen.

Wei­ter­hin in der „JOY“: Bezie­hun­gen las­sen sich ret­ten, indem man sich regel­mä­ßig zu „Sex­dates“ trifft, sen­si­ble Haut ist „die Diva unter den vier Haut­ty­pen“, außer­dem Tipps zum „Figur­pro­blem Bir­ne“ (kein Witz!) und ein Trench­coat als „Trend fürs Büro“.

Und ich dach­te immer, Män­ner­ma­ga­zi­ne sei­en bescheu­ert.

KaufbefehleMusikkritik
Ari­el Pink’s Haun­ted Graf­fi­ti – Matu­re The­mes

Ariel Pink's Haunted Graffiti - Mature ThemesBeacht­lich ist übri­gens auch das Album „Matu­re The­mes“ von Ari­el Pink’s Haun­ted Graf­fi­ti, erschie­nen bereits im August 2012 und von mir, Ver­zei­hung!, zu spät bemerkt.

Ari­el Pink ist das Alter Ego des Kali­for­niers Ari­el Rosen­berg, der schon diver­se sehr merk­wür­di­ge Lo-Fi-Musikal­ben ver­öf­fent­licht hat­te. Zusam­men mit sei­ner Haun­ted Graf­fi­ti Band macht er immer noch Musik, für die „inter­es­sant“ ein treff­li­ches Adjek­tiv ist.

Das erste Stück, „Kin­ski Ass­as­sin“, klingt nach dem Can­ter­bu­ry Sound à la Egg mit weni­ger Geor­gel und mehr Gegi­tar­re, das Titel­stück „Matu­re The­mes“ könn­te auch von einem der Beat­les stam­men, „Only In My Dreams“ von einer die­ser 60-er-Jah­re-Beat­bands. „Drift­wood“ lehnt sich mit domi­nan­tem Bass­spiel und aller­lei merk­wür­di­gen Effek­ten an den Psy­che­de­lic Rock und den Kraut­rock an. Das abschlie­ßen­de Don­nie-und-Joe-Emer­son-Cover „Baby“ ist ver­gleichs­wei­se gerad­li­ni­ger Soul. Eine musi­ka­li­sche Gemein­sam­keit aller ande­ren Stücke: Frank Zap­pa lässt grü­ßen.

Dar­an trägt nicht nur die Stim­me Herrn Rosen­bergs die Schuld, auch sti­li­sti­sche Merk­ma­le stim­men über­ein. „Schnit­zel Boo­gie“ (allein der Titel schon!) etwa könn­te direkt von Zap­pas „Joe’s Gara­ge“ stam­men, und sonst so:

Es gibt kei­nen Punkt, kei­nen Sinn, kei­ne Rich­tung und kei­nen Stil. Es ist alles ein gro­ßer, bun­ter Freak-out, der ent­we­der im Nar­ziss­mus oder in der para­no­iden Psy­cho­se mün­det.

Ziem­lich groß­ar­ti­ges und dabei nicht mal all­zu ver­que­res, son­dern gele­gent­lich schnell ein­gän­gi­ges Zeug.

Ein biss­chen scha­de ist es nur, dass die Stücke über­wie­gend recht kurz sind, nur „Nost­rad­amus & Me“ fällt mit etwa sie­ben­ein­halb Minu­ten Lauf­zeit ein wenig aus dem Rah­men. Aber die feh­len­de Quan­ti­tät tut der her­aus­ra­gen­den Qua­li­tät kei­nen Abbruch. Emp­feh­le Rein­hö­ren.

Montagsmusik
Gis­bert zu Knyphausen – Spieg­lein, Spieg­lein

Zum nie­der­säch­si­schen Wahl­sonn­tag (die über­wäl­ti­gen­de Wahl­be­tei­li­gung von über 50 Pro­zent sei ein „gutes Zei­chen für die Demo­kra­tie“, sal­ba­der­te Ste­phan „Inner­par­tei­li­che Demo­kra­tie“ Weil in die Phoe­nix-Kame­ras, ohne zu lachen – mei­nen Glück­wunsch zu die­ser Selbst­be­herr­schung!) nur noch so viel:

zu Knyphausen – Spieg­lein Spieg­lein

Du bist immer so fixiert auf das, was noch fehlt.
Und jetzt schau nicht so gequält – das sieht schei­ße aus.

Guten Mor­gen.

Politik
Wenn Spra­che poli­tisch wird

Die heu­ti­ge „ZEIT“ begrün­det wort­reich – auf immer­hin drei Sei­ten – die jüngst bekannt gege­be­nen Ände­run­gen in Kin­der­bü­chern betreffs der Neger­kin­der.

Ich habe mir den Quatsch nun nicht durch­ge­le­sen, möch­te die Auf­merk­sam­keit mei­ner geschätz­ten Leser jedoch auf den Ein­füh­rungs­text len­ken:

Unse­re lieb­sten Kin­der­bü­cher wer­den poli­tisch kor­rekt umge­schrie­ben – ist das ein Fort­schritt?

Poli­tisch kor­rek­te Spra­che also, hier wie auch bei der unsäg­li­chen Mode­er­schei­nung „Gen­dern“.

Spra­che war zu allen Zei­ten ein Mit­tel des Vol­kes, nicht etwa der Herr­schen­den. Natür­lich haben immer wie­der Herr­schen­de ver­sucht, sich der Spra­che zu bemäch­ti­gen, von Dau­er war jedoch kei­ner die­ser Ver­su­che.

Was hät­te die Poli­tik davon, die Spra­che des Vol­kes zu regu­lie­ren? Vor allem hät­te sie Macht. Nicht erst Orwells „1984“ mit der mini­ste­ri­ums­ge­steu­er­ten Spra­che soll­te uns da vor­sich­tig wer­den las­sen. Wer ver­sucht zu bestim­men, wie man rich­tig spricht, ver­sucht auch das Wert­ur­teil zu beein­flus­sen, wel­cher Gedan­ke gut und wel­cher böse ist. Staa­ten, die das ver­su­chen, sind gefähr­lich.

Poli­ti­sche Kor­rekt­heit, wenn­gleich nicht immer obli­ga­to­risch, geht stets mit Ent­mün­di­gung ein­her.

Seid wach­sam.