Persönliches
Eigent­lich.

Eigent­lich ver­misst man sie gar nicht. Man ist schließ­lich nicht zum ersten Mal allein und hat sich im Grun­de längst dar­an gewöhnt, die läng­ste Zeit des Lebens mit sich selbst zu ver­brin­gen.

Eigent­lich sin­niert man nun über das Wort „ver­mis­sen“ und des­sen ego­isti­sche Kom­po­nen­te. Ist Ver­mis­sen nicht ver­mes­sen, ist Aut­ar­kie nicht exklu­siv?

Eigent­lich weiß man, dass man längst ver­lo­ren hat, ohne je Aus­sich­ten auf Gewinn gehabt zu haben. Beim Spiel des Lebens ist Dabei­sein nicht alles, son­dern allein den Wür­feln über­las­sen.

Eigent­lich hät­te man aus allem, was pas­siert war, etwas ler­nen sol­len. Feh­ler kann man ver­mei­den oder sie zur Metho­de erklä­ren; und eigent­lich hat man sich für den fal­schen Weg ent­schie­den.

Eigent­lich soll­te man dem Traum, den man immer wie­der träumt, mit­ten in der Nacht hoch­schreckt und unbe­dingt die­ses eine Lied hören muss, damit der Traum nicht das Spiel gewinnt, kei­ne gro­ße Bedeu­tung bei­mes­sen.

Eigent­lich wäre man jetzt gern bei ihr.

Netzfundstücke
Das Auge des Betrach­ters

Dem­nächst begin­nen dann wie­der die elend lan­gen Wochen, in denen vie­le Frau­en und Mäd­chen die reich­hal­ti­ge Weih­nachts­kost (Scho­ko­la­de und Ente und Scho­ko­la­denen­te) wie­der run­ter bekom­men müs­sen, um ihr Ide­al­ge­wicht von höch­stens 50 Kilo­gramm zurück­zu­ge­win­nen und end­lich wie­der aus­zu­se­hen wie Hun­ger­to­te in Äthio­pi­en.

Zei­ten ändern sich.

Eta-Tragol-Bonbons

(via)

PolitikNetzfundstücke
Kurz ver­linkt CXXXVI: Vier­zig Fra­gen zu Euro­pa

Ziem­lich groß­ar­tig:

Hans Magnus Enzens­ber­ger stellt vier­zig hin­ter­häl­ti­ge Fra­gen zu Euro­pa.

Haben Sie den Ein­druck, dass unser Kon­ti­nent nach wie vor exi­stiert, obwohl im Lauf der letz­ten zwei­tau­send Jah­re das Talent, der Denar, der Gul­den, die Lira, das Lep­ton und die Reichs­mark unter­ge­gan­gen sind?

Falls noch wer nicht in der rich­ti­gen Weih­nachts­stim­mung ist.

(via Nacht­wäch­ter)

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXXXV: Mario­lands Zukunft

Ach gucke, „Super-Mario“ mag nicht mehr:

Mario Mon­ti, Ita­li­ens schei­den­der Regie­rungs­chef, will bei den Neu­wah­len nicht kan­di­die­ren.

(Hihi, „Schei­de“.)

Das heißt nicht, dass er über­haupt kein Inter­es­se dar­an hät­te, wei­ter­hin das Land zu füh­ren:

Er wer­de sich bei den Wah­len im Febru­ar nicht selbst zur Wahl stel­len. Aber eine Absa­ge an die Poli­tik sei das nicht. Denn wenn „eini­ge poli­ti­sche Par­tei­en“, die hin­ter sei­ner Anti-Kri­sen-Poli­tik ste­hen, ihn nach der Wahl bit­ten wür­den, sich erneut an die Spit­ze der Regie­rung zu stel­len, wer­de er das Ange­bot prü­fen.

Natür­lich – Ita­li­en weiß, dass Ita­li­en Mario Mon­ti braucht, und er wür­de sich unter Umstän­den gnä­dig erwei­sen, sei­nen Unter­ta­nen aber­mals ihren Wunsch zu erfül­len, wenn sie sich nur tief genug bücken. Das Selbst­bild Ber­lus­co­nis hat er immer­hin schnell adap­tiert.

Bezie­hungs­wei­se dies:

Die ein­zi­ge Alter­na­ti­ve wäre: Mon­ti bleibt dem poli­ti­schen Getüm­mel fern und lässt sich nach der Wahl von einem brei­ten Bünd­nis aus Chri­sten, Libe­ra­len und Rech­ten ins Amt bit­ten.

Nö, eine wei­te­re Alter­na­ti­ve wäre: Mon­ti bleibt dem poli­ti­schen Getüm­mel fern und been­det sein diven­haf­tes Getue, um sich einem anstän­di­gen Beruf zu wid­men. Berufs­tä­ti­ge könn­te die ita­lie­ni­sche Wirt­schaft näm­lich momen­tan dem Ver­neh­men nach durch­aus benö­ti­gen.

Hat ihm das schon jemand mit­ge­teilt?

Sonstiges
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Das ist doch kein Welt­un­ter­gang.

Ich kann das Licht sehen.Ich schrei­be es wirk­lich nur sehr ungern, aber die Welt ist noch da. Bedrückend, nicht? Kei­ne Sor­ge, der dies­mal wirk­lich echt dol­le kor­rek­te Unter­gang – und so – ist schon ange­kün­digt.

Woher kommt eigent­lich die­se Fas­zi­na­ti­on für eso­te­ri­sche Weis­sa­gun­gen von einem nahen Ende der Welt, sei’s nun anhand der alten Bibel, alter Pro­phe­zei­un­gen oder eines alten Kalen­ders? Soll­te man nicht den­ken, in unse­ren auf­ge­klär­ten Zei­ten wären Men­schen gera­de hier­zu­lan­de boden­stän­di­ger und wüss­ten, dass der Welt­un­ter­gang aller Wahr­schein­lich­keit nach noch ein paar Mil­lio­nen Jah­re lang nicht ein­tre­ten wird, da die Son­ne bis­her noch ziem­lich ener­gie­reich vor sich hin­ex­plo­diert und die ande­ren Son­nen­sy­ste­me auch noch nicht danach aus­se­hen, als wür­den sie in Kür­ze alles Leben aus­lö­schen?

Nun: Soll­te man. Aber wie könn­te man?

Momen­tan liegt an Kios­ken die Zeit­schrift „Psy­cho­lo­gie heu­te“ her­um. Auf dem Titel­bild ist eine Frau zu sehen, die einen Licht­ball in den Hän­den hält und dumm in die Kame­ra guckt. Das ist noch nicht abschreckend genug? Auch der Rest des Titel­bil­des, näm­lich die ange­kün­dig­ten The­men auf der Heft­in­nen­sei­te, ver­dient Beach­tung.

Aber­glau­be: War­um magi­sches Den­ken das Leben erleich­tert

Man inter­es­sie­re sich, nur neben­bei, für das Wort „Aber­glau­be“, das in kei­nem mir bekann­ten Kon­text etwas ande­res als Blöd­heit para­phra­siert. Magi­sches Den­ken, eine Erschei­nungs­form die­ser Blöd­heit, hat zu allen erwäh­nens­wer­ten Zei­ten die Men­schen fas­zi­niert, denn es bewahrt sie vor der Erkennt­nis ihrer eige­nen Unwis­sen­heit. Vie­le Din­ge, für die er nicht genug Bil­dung besitzt, erklär­te sich der Mensch schon seit Jahr­tau­sen­den mit einer höhe­ren Macht – prak­tisch, wenn man einen Gott oder einen Natur­geist für Ereig­nis­se ver­ant­wort­lich machen kann, dann muss man nicht selbst etwas ler­nen und hat eine prak­ti­sche Begrün­dung für sei­ne Blöd­heit parat. (Heu­te sind die­se höhe­ren Mäch­te meist Poli­ti­ker oder das Fern­se­hen.) Wor­in unter­schei­den sich eigent­lich magi­sches Den­ken und der Glau­be an eine höhe­re Macht? Der Unter­schied zwi­schen dem Blöd­heits-Aber­glau­ben sowie dem Glau­ben und/oder dem Stre­ben nach See­len­frie­den scheint der Redak­ti­on von „Psy­cho­lo­gie heu­te“ unbe­kannt oder wurscht zu sein. Bud­dhi­sten, Eso­te­ri­ker – is‘ doch alles der­sel­be Brei, nicht wahr?

Wenn man dann zu vie­le schar­fe Chi­li­scho­ten geges­sen (oder ein­fach nur zu viel gesof­fen) hat, bekommt man schon mal merk­wür­di­ge Ein­ge­bun­gen, und weil man nicht wahr­ha­ben will, dass man sich schlecht ernährt, erzählt man dann sei­nen stau­nen­den Mit­idio­ten, man habe eine Visi­on gehabt. Auf­grund die­ser Visio­nen sind schon vie­le Tode gesche­hen, und so sehr die­se Tode Drit­ter das eige­ne Leben auch erleich­tern kön­nen, so sehr las­sen sie mich doch an der Sache mit dem homo sapi­ens, dem wei­sen Men­schen, zwei­feln.

Das drit­te gro­ße Titel­the­ma lau­tet übri­gens:

Kran­ke Psy­che: Neh­men see­li­sche Pro­ble­me wirk­lich zu?

Zählt das mit dem magi­schen Den­ken eigent­lich schon zu kran­ker Psy­che?

„Psy­cho­lo­gie heu­te“ kostet 6,50 Euro. Ich ver­mu­te, das ist ein impli­zi­ter Psy­cho­test. Wie muss man eigent­lich so ticken, um sich die­se Zeit­schrift zu kau­fen?
Viel­leicht muss man ja vor­her eine Ein­ge­bung gehabt haben.

„Wer Visio­nen hat, soll zum Arzt gehen.“
– Hel­mut Schmidt

Sonstiges
„Ist eh‘ kein Unter­richt mehr.“

Bedenk­li­che Bege­ben­heit:

Eine Gym­na­sia­stin berich­te­te heu­te in mei­nem Bei­sein von ihrem Schul­tag: Der Leh­rer sei rein­ge­kom­men und habe gefragt, was denn gemacht wer­den sol­le. Ein Schü­ler habe zum Glück sein Net­book „oder so“ dabei gehabt, auf dem eine Viel­zahl an Fil­men gespei­chert gewe­sen sei, so dass sich die Klas­se zwei Schul­stun­den lang „How I Met Your Mother“ rein­ge­zo­gen habe.

In einer ande­ren heu­ti­gen Schul­stun­de habe der Leh­rer sowie­so kei­ne Sachen dabei gehabt, also habe man gemein­sam „Austin Powers“ gese­hen. In der letz­ten Woche vor den Feri­en sei eh‘ kein Unter­richt mehr, es gebe ja kei­nen Stoff mehr, sie sei­en ja durch.

Vie­le Leh­rer – Aus­nah­men sind mir bekannt – ver­su­chen offen­sicht­lich nicht ein­mal mehr, ihre Schü­ler für Din­ge außer­halb des Pflicht­cur­ri­cu­lums zu begei­stern.

Und da wun­dert sich noch jemand über den man­geln­den Bil­dungs­stand und feh­len­den Wis­sens­durst des Nach­wuch­ses?

(Kei­ne Poin­te.)

KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2012 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se

Die­ser Arti­kel ist Teil 10 von 29 der Serie Jah­res­rück­blick

Noch bis zum 31. Dezem­ber 2012 läuft auf Plattentests.de der „Jah­respoll“, und ich ken­ne nur einen sehr, sehr klei­nen Teil der dort auf­ge­führ­ten „Künst­ler“. Ich hat­te 2012 nun mal bes­se­re Musikal­ben zu hören als den immer­glei­chen Indiepop-Mist.

Und da schon wie­der Jah­res­en­de ist, freue ich mich dar­auf, euch mit gewohnt her­aus­ra­gen­der Gram­ma­tik den zwei­ten Teil (den ersten Teil gibt es hier) der Liste der mir am gefal­lend­sten Alben 2012 zu prä­sen­tie­ren. Kei­ne Sor­ge, selbst­ver­ständ­lich trägt jedes auf­ge­führ­te Album das übli­che Güte­sie­gel: Ohne Phil Coll­ins. ‘Musik 12/2012 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se’ wei­ter­le­sen »

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXXXIV: Das nack­te Grau­en

Über­ein­stim­mend berich­ten heu­te SPIEGEL ONLINE und DIE WELT über einen Fahn­dungs­er­folg:

Weil er über Jah­re hin­weg die Com­pu­ter und E‑Mails von US-Pro­mis aus­ge­späht und sen­si­ble Bil­der ins Web gestellt hat, ist ein Hacker in den USA zu zehn Jah­ren Haft ver­ur­teilt wor­den.

Was genau hat er eigent­lich ange­stellt? Nun:

Dem Mann wur­den unter ande­rem ille­ga­les Abhö­ren, Iden­ti­täts­dieb­stahl und der uner­laub­te Zugang zu Com­pu­tern zur Last gelegt.

Ja, das ist tat­säch­lich ziem­lich schlimm. Man stel­le sich vor, eine deut­sche Behör­de wür­de so etwas tun! Ach, Moment… – wir schwei­fen ab. Was hat der Mann denn nun auf den frem­den Com­pu­tern getan? Offen­bar vor allem Bil­der kopiert:

Er hack­te ihre Kon­ten, griff auf pri­va­te Fotos und Infor­ma­tio­nen zu und ver­brei­te­te sie im Inter­net. So tauch­ten Nackt­fo­tos von Schau­spie­le­rin Scar­lett Johans­son im Netz auf. Die Schau­spie­le­rin hat­te die Bil­der selbst zu Hau­se vor einem Spie­gel mit einer Han­dy­ka­me­ra auf­ge­nom­men.

Scar­lett Johans­son fand das merk­wür­di­ger­wei­se weni­ger befrie­di­gend als das Anfer­ti­gen der Bil­der selbst:

Schau­spie­le­rin Scar­lett Johans­son hat­te nach der Ver­öf­fent­li­chung der Bil­der in einem Inter­view gesagt, sie füh­le sich jetzt „ver­wund­ba­rer als jemals zuvor“[.]

War­um sol­che Bil­der über­haupt exi­stie­ren, hat sie lei­der nicht bekannt gege­ben. War­um fer­tigt Scar­lett Johans­son Nackt­fo­tos von sich selbst an, wenn nicht in der Absicht, sie jeman­dem zu zei­gen? Sich nackt im Spie­gel anzu­se­hen kann ich bei einer Frau ja noch ver­ste­hen; „hihihi, Brü­ste“.
Über die Moti­va­ti­on, dar­über hin­aus­ge­hen­des zu tun, kann ich nur spe­ku­lie­ren. Mein Urteil fie­le vor­aus­sicht­lich nicht posi­tiv aus.

(via L.)

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Pira­ten, Y U NO FIGHT?

Vor einer Woche erklär­te ich, wie­so ich die Pira­ten­par­tei nicht in den Bun­des­tag wäh­len wer­de. Ich möch­te dem nun noch etwas hin­zu­fü­gen.

Es ist nicht so, dass Pira­ten nicht für ihre Über­zeu­gun­gen auf die Stra­ße gehen wür­den. Wenn der AK Zen­sur oder eine ähn­li­che Inter­es­sens­ge­mein­schaft Demon­stra­tio­nen gegen ACTA und/oder INDECT orga­ni­siert, wehen dort Pira­ten­flag­gen. Wenn irgend­wel­che Akti­ons­bünd­nis­se gegen Rechts demon­strie­ren, wehen dort Pira­ten­flag­gen. Die Pira­ten­par­tei, eine Mit­mach­par­tei: Jemand orga­ni­siert etwas, die Pira­ten machen mit. Hin­ter­her hal­ten dann die Spit­zen­kan­di­da­ten und/oder Vor­stands­mit­glie­der ihre Gesich­ter in Kame­ras und freu­en sich wie ein Schnit­zel, dass sie so toll „wir auch!“ schrei­en kön­nen. „Oh, eine Demo, gleich mal Flag­ge schwen­ken.“

Es ist eben nur so, dass sie aus eige­nem Antrieb her­aus nichts gebacken bekom­men.

Ich erwähn­te in oben ange­spro­che­nem Bei­trag, dass mich der Kampf für ein frei­es Inter­net vor drei Jah­ren zur Pira­ten­par­tei gebracht hat. Nun ist es mit dem frei­en Inter­net die­ser Tage nicht weit her: Die inter­na­tio­na­le Fern­mel­de­uni­on ITU wür­de gern Staa­ten mehr Kon­trol­le über das Inter­net gewäh­ren, der Bun­des­rat setzt sich der­weil für eine stär­ke­re Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung ein.

Nicht, dass die Pira­ten­par­tei das noch nicht selbst gemerkt hät­te. Bereits vor vier Tagen wur­de über den Twit­ter­ac­count der Pira­ten­par­tei ein Hin­weis dar­auf ver­brei­tet, was für Schei­ße die Poli­tik da eigent­lich aus­klün­gelt.

Und was tut die Pira­ten­par­tei dage­gen?

Sie schreibt erbo­ste Pres­se­mit­tei­lun­gen, dass sie die Vor­gän­ge aufs Schärf­ste ver­ur­teilt, einself, wid­met sich dann wei­ter den inner­par­tei­li­chen Per­so­nal­de­bat­ten und grün­det alber­ne Kaf­fee­kränz­chen, bei­des beglei­tet von gro­ßem Pres­set­am­tam. Und wenn der doo­fe Bun­des­rat die schö­ne Pres­se­mit­tei­lung ein­fach über­liest, dann schreibt sie eben noch eine. Das hat der Bun­des­rat dann davon.

Blog­ge­rin „Daniel­a­KayB“ platzt zu Recht der Kra­gen:

Leu­te, mal ernst­haft: wenn die damit durch­kom­men, und wir nix dage­gen getan haben, dann war der gan­ze Pira­ten-Scheiss echt umsonst.

Dann haben wir ein­und­dr­ölf­zig Abge­ord­ne­te im Bun­des­tag und eine rau­chen­de Rui­ne, wo frü­her unser digi­ta­les Zuhau­se war.

Sagt mir, Pira­ten: War­um soll­te man uns wäh­len? Weil wir uns so toll für Umwelt und Bil­dung ein­set­zen und weil wir irgend­was mit sozi­al im Pro­gramm haben?

Echt jetzt?

Lasst es mich in einer Spra­che aus­drücken, die auch ihr ver­steht, ihr Süße-Kätz­chen-Blog­ger und Face­book-Tei­ler:

Piraten, Y U NO FIGHT?

„Es ist Wahl­kampf“ geben die etwas Beson­ne­ne­ren von uns zu Recht über die Mai­ling­li­sten bekannt. Sie ste­hen – so weit nicht zu bean­stan­den – bei (inzwi­schen) ziem­li­cher Käl­te drau­ßen her­um und infor­mie­ren Wäh­ler über die Par­tei, die sich irgend­wann mal für ein frei­es Inter­net ein­ge­setzt hat, jedoch der­weil durch blo­ßes Nichts­tun ihr Bestes gibt, ihre eige­nen Zie­le zu ver­feh­len.

Leu­te, Wahl­kampf ist schön und gut, aber was wol­len wir mit Stim­men, wenn sie nicht mehr frei spre­chen kön­nen?
Wir las­sen so letzt­end­lich die im Stich, die auf unse­re Unter­stüt­zung ver­trau­en sol­len.

Der Wäh­ler will nicht mehr mit Wor­ten gekö­dert wer­den, er will mit Taten über­zeugt wer­den. Für ein frei­es Inter­net kämpft man nicht mit scharf for­mu­lier­ten offe­nen Brie­fen und Pres­se­mit­tei­lun­gen, da braucht es mehr.

Ich wäre dabei – wer macht mit?

Montagsmusik
The Babies – Baby

Wir haben gro­ßes Glück gehabt: Der Amok­läu­fer von Con­nec­ti­cut („wir brau­chen Waf­fen!“ geben Ein­woh­ner der betrof­fe­nen Stadt heu­te zu Pro­to­koll) hat doch kein Com­pu­ter­spiel gespielt, son­dern er litt even­tu­ell am Asper­ger-Syn­drom. Das muss als Erklä­rung genü­gen. War­um darf so jemand wie Cin­thia Bri­se­ño (c/o SPIEGEL ONLINE) eigent­lich über­haupt noch frei rum­lau­fen?

Aber es ist Mon­tag früh, da wol­len wir uns noch nicht auf­re­gen, davon bekommt man nur Krä­hen­fü­ße. Und damit kann man doch nicht mehr ver­nünf­tig lau­fen. Hören wir lie­ber Musik. Auf gutes­hoe­re­nist­wich­tig fand ich die Pop­grup­pe The Babies. Schön, unauf­fäl­lig und har­mo­nisch. Ide­al für einen Mon­tag­mor­gen.

The Babies – „Baby“ (Offi­ci­al Music Video)

Guten Mor­gen.

MusikNetzfundstücke
Lei­der etwas spät: Geschen­ke für’s Schrott­wich­teln.

War­um man übri­gens mit Super­la­ti­ven immer etwas vor­sich­tig sein soll­te, zeigt Amazon.de. In einem Rund­schrei­ben erfuhr ich soeben, dass „die beste Musik 2012“ nun redu­ziert im Ange­bot sei. Gewagt, immer­hin wer­den in die­sem Jahr noch eini­ge Musikal­ben erschei­nen, aber viel­leicht weiß Ama­zon da mehr als ich.

Nach einem Klick wird Amazon.de aller­dings etwas klein­laut und gibt zu, dass „die beste Musik“ nach eige­ner Anga­be die ist, die sich auf Amazon.de am aller­be­stesten ver­kauft, nicht unbe­dingt die, von der man am wenig­sten das Kot­zen bekommt:

Die beste Musik 2012

Falls ein Opti­mist unter mei­nen Lesern davon aus­geht, dass die „gan­ze Liste“ (unten im Bild ist ein Ver­weis hier­auf zu sehen) die­sen Faux­pas wett­macht: Viel bes­ser wird’s nicht. Im Gegen­teil: Mit ange­füg­ter Num­me­rie­rung offen­bart sich erst das gan­ze Grau­en.

Xavier Naidoo

Irre­füh­ren­de Wer­bung mag’s nicht sein; beäng­sti­gend ist es jedoch alle­mal.
Offen­bar lohnt sich Radio­hö­ren auch Ende 2012 noch nicht.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXXXIII: Ernst­haf­te Schrit­te

Der US-ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent Barack Oba­ma hat heu­te etwas gelernt.

Es gab dort mal wie­der einen Amok­lauf, dies­mal aller­dings in einer Grund­schu­le, also mit Opfern, die nied­li­cher gucken kön­nen als Erwach­se­ne. Wenn in den USA Erwach­se­ne getö­tet wer­den, ist das halt doof, aber kein Grund für Staats­trau­er. Dies­mal hat’s den Prä­si­den­ten jedoch zum Wei­nen gebracht:

Der US-Prä­si­dent Barack Oba­ma kämpf­te mit den Trä­nen, als er nach dem Mas­sa­ker an einer Grund­schu­le im Bun­des­staat Con­nec­ti­cut vor die Pres­se trat. Die USA müss­ten nun ernst­haf­te Schrit­te unter­neh­men.

Um was für Schrit­te es sich han­delt, hat er nicht gesagt. Viel­leicht möch­te er Grund­schü­ler gesetz­lich bewaff­nen las­sen, damit sie sich im Ernst­fall selbst weh­ren kön­nen? Das wür­de jeden­falls her­vor­ra­gend zu sei­ner bis­he­ri­gen Frie­dens­po­li­tik (sie­he zum Bei­spiel hier) pas­sen.

Eins ist sicher: Dies­mal wer­den es so rich­tig ernst­haf­te Schrit­te, nicht so wie nach den letz­ten grö­ße­ren Amok­läu­fen!!1 Ein ein­ge­schränk­ter Waf­fen­be­sitz viel­leicht? Nein, das wäre mit dem Senat nicht zu machen. Aber viel­leicht hat der Amok­läu­fer ja vor­her ein Com­pu­ter­spiel…

Viel­leicht haben sie Glück.

(Und falls sich jemand fra­gen soll­te, ob ich lie­ber einen Repu­bli­ka­ner im Amt sehen wol­len wür­de: Nein, auch in den USA gibt es libe­ra­le Par­tei­en. Infor­miert euch bit­te.)

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXXXII: Art­ge­rech­te Spei­sung

Was macht eigent­lich der Bun­des­tag gera­de so? Nun, gegen Com­pu­ter­sa­bo­ta­ge im Auf­trag des Staa­tes, die schritt­wei­se Auf­wei­chung der Bür­ger­rech­te oder auch nur für den Ver­brau­cher­schutz tut er gera­de nichts, ver­mut­lich ist’s zu kalt.

Nicht zu kalt ist es offen­bar zumin­dest, den Tier­schutz zu refor­mie­ren:

Trotz der Pro­te­ste von Tier­schüt­zern hat der Bun­des­tag am spä­ten Abend ein neu­es Tier­schutz­ge­setz ver­ab­schie­det.

(Her­vor­he­bung von mir.)

Dabei wur­de unter ande­rem beschlos­sen, dass Betäu­bung bei Kastra­ti­on von Fer­keln erst ab 2019 not­wen­dig sein wird. War­um Fer­kel über­haupt kastriert wer­den? Ganz ein­fach:

Deutsch­land­weit wer­den jähr­lich rund 20 Mil­lio­nen Fer­kel kurz nach der Geburt kastriert, damit ihr Fleisch spä­ter nicht streng riecht oder unan­ge­nehm schmeckt.

Ob das irgend­was mit der Beschnei­dung von Jun­gen in eini­gen Sek­ten zu tun hat, weiß ich lei­der nicht. Schmecken beschnit­te­ne Jun­gen auch bes­ser?

Apro­pos: Die Tier­schutz­ge­set­zes­no­vel­le ver­bie­tet außer­dem Sodo­mie, also das Vögeln von Vögeln und das Fer­keln mit Fer­keln. Dies erfolgt zumin­dest aus einem nicht ganz bescheu­er­ten Grund:

Sexu­el­le Hand­lun­gen von Men­schen an Tie­ren sind geeig­net, den Tie­ren regel­mä­ßig zumin­dest Lei­den im Sin­ne des Tier­schutz­rechts zuzu­fü­gen, da hier­durch die Tie­re zu einem art­wid­ri­gen Ver­hal­ten gezwun­gen wer­den.

Art­ge­rech­tes Ver­hal­ten von Tie­ren: Sich nicht von einem Men­schen sexu­ell pene­trie­ren las­sen, son­dern jung­fräu­lich und kastriert geges­sen wer­den. Tote Tie­re lei­den nicht.

„Das ist nicht art­ge­recht. Das über­lebt er nicht.“
– Roger Cice­ro

KaufbefehleMusikkritik
Pixel – Remin­der

Pixel - ReminderIrgend­wer – ver­mut­lich das Maga­zin eclip­sed (Aus­ga­be 10/2012) – ließ mich von „Remin­der“ Kennt­nis neh­men, dem Debüt­al­bum des nor­we­gi­schen Jazz­quar­tetts Pixel, das ich inter­es­sier­ten Lesern ein­fach mal kurz emp­feh­len möch­te.

Den Anfang macht mit „Pre­lude“, eben dem Prä­lu­di­um, ein Solo­stück der Kon­tra­bas­si­stin und Sän­ge­rin Ellen Andrea Wang. Es ist ein biss­chen lang­wei­lig. Mit „Home“ folgt ein etwas ener­gie­rei­che­res Instru­men­tal­stück, das eben­sol­che „Esset“ wird vor­an­ge­trie­ben von Schlag­zeug und Bass und von Saxo­pho­nist Harald Las­sen bemer­kens­wert und mit­un­ter schräg ergänzt. Ich mag schräg.

Das ener­gie­reich­ste Stück auf „Remin­der“, „Call Me“, lässt wie­der ein­mal (wie lei­der noch zu sel­ten) Frau Wang ans Mikro­fon, aller­dings ganz anders als im Prä­lu­di­um. Irgend­wie bes­ser. Dass das dazu gehö­ren­de Musik­vi­deo eher mau ist, tut dem Lied selbst kei­nen Abbruch:

Pixel – Call me (Music video, 2013)

Dass der Gesang hier stel­len­wei­se als zusätz­li­ches Instru­ment und nicht als ein­zeln ste­hen­des Ele­ment ein­ge­setzt wird, ist lobens­wert.

Das fol­gen­de „She Knows“ ist wie­der­um ein melo­diö­ses Instru­men­tal­stück, „Wake Up“ (wei­test­ge­hend domi­niert von Schlag­zeug, Bass und Gesang und durch­aus auch für Postrock­freun­de inter­es­sant) in sei­ner Ruhe und Aus­ge­gli­chen­heit sozu­sa­gen das Gegen­stück zum hek­ti­schen, auf­ge­dreh­ten „Call Me“.

Auf „Remin­der“ spie­len Pixel ins­ge­samt eine hörens­wer­te Mischung aus Pop, Jazz und so manch ande­rem Stil; schwer zu klas­si­fi­zie­ren ist das Dar­ge­bo­te­ne alle­mal, aber was inter­es­siert uns Musik­freun­de schon der Schub­la­den­quatsch? Ganz rich­tig schreibt auch Bruce Lind­say:

Pixel bring a uni­que crea­ti­ve mix to the sce­ne: dif­fi­cult music to cate­go­ri­ze, easy music to enjoy.

Der größ­te Makel des Albums: Bis auf „Hvor ble Den Avi“ ist jedes der zehn Stücke kür­zer als fünf Minu­ten. Wenn Pixel aber auf den näch­sten Alben ihren Stil bei­be­hal­ten oder sogar wei­ter ver­fei­nern, haben sie auf jeden Fall einen groß­ar­ti­gen Erst­ling vor­ge­legt, und man soll­te ihre Geschicke wei­ter­hin auf­merk­sam im Auge behal­ten.