PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXXX: Vom Schuh zer­teilt?

Bei SPIEGEL ONLINE hat wie­der jemand ein Gläs­chen zu viel – oder zu wenig – getrun­ken, bevor er sich ans Über­schrif­ten­ba­steln gesetzt hat:

Uno-Schlap­pe ent­zweit Israe­lis

Wort­klau­be­rei­en betreffs des Wor­tes „ent­zwei­en“ – es han­delt sich doch sicher um mehr als zwei Per­so­nen – ein­mal außer Acht gelas­sen, gibt die­se Zei­le noch immer Rät­sel auf:

  1. „Uno-Schlap­pe“: Han­delt es sich um einen ita­lie­ni­schen Haus­schuh mit einer Eins dar­auf oder um eine Nie­der­la­ge im gleich­na­mi­gen Kar­ten­spiel? Die UNO ist sicher­lich nicht gemeint – die schreibt man bekannt­lich groß.
  2. „ent­zweit Israe­lis“: Geht es hier­bei um das Zer­tei­len ein­zel­ner Israe­lis oder treibt die Uno-Schlap­pe eine grö­ße­re Men­schen­grup­pe aus dem Krei­se der Ein­woh­ner Isra­els aus­ein­an­der?

Wenn man etwas mehr Wor­te ver­wen­den möch­te, was man als Schorn­a­list beim Quatsch­blatt SPIEGEL ONLINE eigent­lich kön­nen und wol­len soll­te, blei­ben also zwei Alter­na­tiv­for­mu­lie­run­gen:

Nie­der­la­ge beim Kar­ten­spiel zer­teilt Israe­lis

Oder eben pas­siv:

Schlap­pe: Israe­lis wer­den mit­tels eines Haus­schuhs zer­streut

Hier­bei soll­te man beach­ten, dass der Schreib­feh­ler „ver­streut“ nahe läge, jedoch etwas ganz ande­res bedeu­tet.

Gern gesche­hen.

(mit Geneh­mi­gung von, Dank an und via L.)

Netzfundstücke
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: „hei­se Secu­ri­ty“ macht das mit dem sub­ti­len Witz

Mich erreich­te heu­te eine Rund­mail sei­tens des hei­se-Ver­la­ges, der mir als treu­em Kun­den mit­tels ihrer ein Abon­ne­ment einer Zeit­schrift andre­hen woll­te, die ich bereits abon­niert habe, und es zwar hin­be­kom­men hat, hier­für mei­nen Namen und mei­ne Mail­adres­se in den Mail­hea­der zu schrei­ben, nur, haha­ha, nicht in den Mail­text selbst:

Ähn­lich pro­fes­sio­nell arbei­ten auch die Jour­na­li­sten, die für „hei­se Secu­ri­ty“ Din­ge ins Inter­net rein­tun. Zum Bei­spiel Ronald Eiken­berg. Heu­te mor­gen erschien näm­lich, ver­öf­fent­licht unter sei­nem Namen, die­se Mel­dung:

Bei einem Test von hei­se Secu­ri­ty stell­te sich her­aus, dass man Whats­App-Accounts erneut mit gerin­gem Auf­wand kapern kann.

Das ist zwar eine böse Sicher­heits­lücke, aber wer sei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on frei­wil­lig über den Ser­ver eines Dritt­an­bie­ters lau­fen lässt, der soll­te schon wis­sen, was er tut. Und wie löst man das Pro­blem mit dem man­geln­den Daten­schutz bei Whats­App? Ganz ein­fach, schreibt Ronald Eiken­berg:

Wenn man Revue pas­sie­ren lässt, wie Whats­App bis­lang mit dem The­ma Sicher­heit umge­gan­gen ist, kann man eigent­lich nur noch von der Nut­zung des Dien­stes abra­ten. Alter­na­ti­ven mit einer ähn­li­chen gro­ßen Nut­zer­ge­mein­de sind Sky­pe oder Face­book.

Ich rate übri­gens von der Nut­zung des Dien­stes „hei­se Secu­ri­ty“ ab. Alter­na­ti­ven mit einer ähn­lich gro­ßen Nut­zer­ge­mein­de sind Nor­ton Inter­net Secu­ri­ty oder ein Alu­hut.

Gehört der hei­se-Ver­lag eigent­lich auch zu den Ver­la­gen, die ein Schutz­recht für ihre „Lei­stung“ ver­lan­gen?

NetzfundstückeNerdkrams
PDF und ODT per User­script und Goog­le Docs direkt im Brow­ser betrach­ten

(Vor­be­mer­kung: Aus Daten­schutz­grün­den ist es rat­sam, fol­gen­den Trick nur anzu­wen­den, wenn man weiß, wie man eine unter Umstän­den uner­wünsch­te „Pro­fi­lie­rung“ durch Goog­le ver­hin­dert.)

Ich bit­te die etwas sper­ri­ge Über­schrift zu ent­schul­di­gen, ich bin momen­tan etwas abge­lenkt. Ich stieß jedoch wäh­rend mei­ner Tou­ren durch das Inter­net unlängst auf ein inter­es­san­tes User­script.

(Ein kur­zer Exkurs: User­scripts sind im Wesent­li­chen im Brow­ser ablau­fen­de Java­scripts. Nut­zer von Ope­ra kön­nen die­se von Haus aus nut­zen, Fire­fox-Nut­zer kön­nen Grea­se­m­on­key ein­set­zen. Für Chrome/Chromium gibt es Tam­per­m­on­key [Vor­sicht: Ver­weis führt auf den Goog­le-Webs­to­re], und auch für den Inter­net Explo­rer habe ich schon Lösun­gen gese­hen, etwa IE7Pro. Zumin­dest Grea­se­m­on­key bin­det instal­lier­te User­scripts in das brow­ser­ei­ge­ne Erwei­te­rungs­sy­stem ein, so dass auto­ma­ti­sche Aktua­li­sie­run­gen und Aktivieren/Deaktivieren kein Pro­blem dar­stel­len. Para­no­ide Zeit­ge­nos­sen wie ich kön­nen ein wenig beru­higt sein: Nor­ma­ler­wei­se ver­hin­dert der Brow­ser, dass ein User­script Unfug anstellt.)

Ein gro­ßes Ärger­nis beim Brow­sen sind man­che Plug­ins, etwa sol­che zur Anzei­ge von Doku­men­ten wie PDF- und Open­Do­cu­ment-Datei­en. Oft sind die­se insta­bil und/oder lang­sam und trü­ben so die Freu­de am Lesen im Brow­ser ein wenig. Alter­na­tiv kann man die Doku­men­te meist auch her­un­ter­la­den und im jeweils gewähl­ten Betrach­ter öff­nen, aber das wäre ein stö­ren­der Zwi­schen­schritt, da man dafür das Brow­sen unter­bre­chen müss­te.

Auf Userscripts.org – eine Web­site, auf der Besu­cher selbst geschrie­be­ne User­scripts ein­sen­den kön­nen, auch von mir sind eini­ge dar­un­ter – fand ich nun eine ziem­lich ele­gan­te Lösung in Form des Docs Online View­ers. Die­ser blen­det nach der Instal­la­ti­on (nor­ma­ler­wei­se: ein­fach auf „Install“ klicken) neben Links zu unter­stütz­ten Datei­en ein zusätz­li­ches Sym­bol ein. Klickt man auf die­ses Sym­bol, so wird die ver­link­te Datei in einem neu­en Tab in Goog­le Docs statt im Stan­dard-Anzei­ge­plug­in geöff­net, Ado­be-Rea­der- und ähn­li­che Plug­ins kann man also getrost ent­sor­gen:

Zu den unter­stütz­ten For­ma­ten zäh­len ODT, DOCX, PDF, ZIP, RAR und sogar das gute, alte WPD. Ich fin­de das pri­ma. Man soll­te aller­dings tun­lichst davon abse­hen, ver­trau­li­che und beruf­li­che Doku­men­te auf die­sem Wege zu öff­nen. Ande­rer­seits: Wer ver­trau­li­che und beruf­li­che Doku­men­te auf einer Web­site ver­linkt, hat es wahr­schein­lich nicht bes­ser ver­dient.

KaufbefehleMusikkritikPiratenpartei
Toc.Sin

Am Wochen­en­de fand ein Bun­des­par­tei­tag der Pira­ten­par­tei Deutsch­land statt, und wer unge­fähr wis­sen möch­te, was dort zwi­schen den kon­struk­ti­ven Anträ­gen so pas­siert ist, der möge es den wie üblich ten­den­ziö­sen Nach­rich­ten ent­neh­men.

Zwi­schen dem ersten und dem zwei­ten Par­tei­tags­tag, näm­lich am Sonn­abend­abend, wur­de eine Ver­an­stal­tung zur Prä­sen­ta­ti­on GEMA-frei­er Musik abge­hal­ten. Ich beschloss, statt einer Teil­nah­me hier­an dem Auf­ruf eines wei­te­ren nie­der­säch­si­schen Pira­ten zu fol­gen und einem Kon­zert der nord­rhein-west­fä­li­schen Musik­grup­pe Toc.Sin in Essen bei­zu­woh­nen; ein Ent­schluss, den ich im Fol­gen­den nicht bereut habe.

Die mir unbe­kann­te schlech­te Vor­band (irgend­was mit Punk) hät­te nicht sein müs­sen, aber zum Glück ging die irgend­wann weg, und irgend­wann gegen 23 Uhr – viel­leicht etwas frü­her, viel­leicht etwas spä­ter – betrat ein Teil von Toc.Sin die Büh­ne. Es folg­ten zunächst nur inter­es­san­te Gitar­ren­klän­ge, die eine Vor­be­rei­tung auf das sein soll­ten, was der Hörer zu erwar­ten hat­te. Ich mag ja die­sen leicht drecki­gen Post­rock mit Ver­zer­rung und mäch­tig Wumms. Den gab es.

Toc.Sin nen­nen sich selbst ein von unter ande­rem Tool, Kyuss und Mog­wai inspi­rier­tes „Post-Ambi­ent-Rock-Kol­lek­tiv“. Das ist ein biss­chen über­trie­ben, schließ­lich sind es nur vier Musi­ker und eine zwar talen­tier­te, aber völ­lig deplat­zier­te Tän­ze­rin. „Post-Ambi­ent-Rock“ kann aber pas­sen.

Ein wenig scha­de war, dass der ergrau­te Herr am Misch­pult das mit dem aus­ge­wo­ge­nen Klang noch nicht ganz ver­stan­den hat: Die Vor­band war zu dröh­nend, der Gesang von Toc.Sins recht enga­gier­ter (aller­dings nicht in jedem Lied zu hören­de) Front­frau „Layn“ (scha­de, dass über sie nur wenig in Erfah­rung zu brin­gen ist) zu laut gemischt. Schlecht war es trotz­dem nicht. Der geneig­te Musik­freund hört Isis, Tool und Oce­an­si­ze her­aus und freut sich, dass er das in die­sem Jahr ver­öf­fent­lich­te Album vor­ab nicht gehört hat, denn live ist’s immer bes­ser.

toc.sin – cry (live @ Kunst Peri­phe­rie Ruhr­stadt 2012)

Dass vor der Büh­ne nicht ein­mal ein Dut­zend Zuschau­er stand, ist ein biss­chen scha­de. Toc.Sin haben sicher­lich mehr Auf­merk­sam­keit ver­dient. Mögen sie sel­bi­ge nun bekom­men!

Sonstiges
Ein wei­te­rer Grund für das Aus­ster­ben der Print­me­di­en am Bei­spiel der Zeit­schrift c’t

Ach ja, das Zei­tungs­ster­ben. Schlimm, dass die klas­si­schen Medi­en mit den moder­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln nicht mehr mit­hal­ten kön­nen! Davon soll­ten aber doch zumin­dest die Com­pu­ter­ma­ga­zi­ne pro­fi­tie­ren, immer­hin gab es nie so viel zu schrei­ben wie heu­te, oder?

Ich habe das mal zusam­men­ge­stellt:

Bezie­hungs­wei­se eben:

Ich bit­te auf die Zeit­lei­ste zu ach­ten; da mir frü­he­re Aus­ga­ben nicht voll­zäh­lig vor­lie­gen, konn­te ich hier nur aus­zugs­wei­se Zah­len wie­der­ge­ben. Die Euro­wer­te bis Mit­te 2001 (eigent­lich 5,50 DM) wur­den umge­rech­net. Aus­schlä­ge wie bei Aus­ga­be 24/2008 haben meist einen beson­de­ren Anlass (in besag­tem Fall han­del­te es sich um eine Jubi­lä­ums­aus­ga­be). Ent­schei­dend ist die Ten­denz: Weni­ger Inhalt für mehr Geld.

Das Inter­net ist schuld!!1

In den NachrichtenNerdkramsPiratenpartei
Die Pira­ten Frei­burg im Kampf gegen objek­ti­ve Erwä­gun­gen

Wohin es führt, wenn die Abwä­gung vor­geb­lich frei­er gegen pro­prie­tä­re Soft­ware von Poli­ti­kern anstel­le von EDV-Fach­leu­ten über­nom­men wird, ist die­ser Tage am Bei­spiel der Frei­bur­ger Pira­ten­par­tei zu sehen. In Frei­burg näm­lich wur­de jüngst vom Gemein­de­rat beschlos­sen, dass das ein­ge­setz­te OpenOffice.org in der Stadt­ver­wal­tung wie­der durch das zuvor instal­lier­te Micro­soft Office, aller­dings in einer neu­en Ver­si­on, ersetzt wer­den soll.

Das war kei­ne ein­stim­mi­ge Ent­schei­dung:

Mit 25 zu 20 Stim­men beschlos­sen CDU, SPD, Freie Wäh­ler und zwei Mit­glie­der der Grü­nen heu­te die Rück­kehr zu Micro­soft.

Die voll­stän­di­gen Begrün­dun­gen für die Abkehr sind mir nicht bekannt, die SPD hat sich aber eine recht ori­gi­nel­le aus­ge­dacht:

Die SPD begrün­de­te zum Ent­set­zen anwe­sen­der Sach­ver­stän­di­ger ihre Ent­schei­dung mit Bei­trä­gen aus dem in IT-Krei­sen als legen­där unsach­lich bekann­ten Hei­se-Forum.

Das ist an sich noch nicht schlimm.

Schlimm fin­de ich hin­ge­gen das Bohei, das die Frei­bur­ger Pira­ten nun um die­se For­ma­lie machen. Direkt­kan­di­dat André Mar­tens gibt hier­zu dies zu Pro­to­koll:

Nun ent­steht der Ein­druck, die ein­ge­setz­te Open Source Soft­ware (sic!) sei nicht gleich­wer­tig, was defi­ni­tiv falsch ist.

Das stimmt, denn im Gegen­satz zu Micro­soft Office wird OpenOffice.org gegen­wär­tig kaum bis gar nicht mehr wei­ter ent­wickelt, da das Gros der Ent­wick­ler zum Libre­Of­fice-Pro­jekt abge­wan­dert ist. Lie­ber freie und schein­to­te als pro­prie­tä­re und aktiv gepfleg­te Soft­ware also soll in der Stadt­ver­wal­tung ein­ge­setzt wer­den. Ja, so sieht das aus mit dem Fort­schritt.

Der­sel­be André Mar­tens hat­te auch vor einer Woche noch vor Micro­soft Office gewarnt:

„Unab­hän­gig von der Kosten­sei­te ist das Set­zen auf offe­ne Datei­for­ma­te auch ein Garant für die dau­er­haft mög­li­che Archi­vie­rung von Doku­men­ten. Der Aus­tausch von Daten ist beim pro­prie­tä­ren Micro­soft-For­mat sogar zwi­schen ver­schie­de­nen Ver­sio­nen der Micro­soft Office-Pro­duk­te mit Pro­ble­men behaf­tet. Eine wirk­li­che Zukunfts­si­cher­heit ist damit nicht gege­ben“, so Mar­tens wei­ter.

…, wäh­rend das Pro­blem, dass zum Bei­spiel Libre­Of­fice 3.6 gele­gent­lich in kom­ple­xe­ren Open­Do­cu­ment-Datei­en, die mit Libre­Of­fice 3.5 gespei­chert wur­den, das Lay­out zer­stört, natür­lich nicht gegen Zukunfts­si­cher­heit spricht.

Die Archi­vie­rung von Doku­men­ten der öffent­li­chen Ver­wal­tung, die in Baden-Würt­tem­berg gesetz­lich vor­ge­schrie­ben ist, wäre mit dem ISO-zer­ti­fi­zier­ten Open­Do­cu­ment-Stan­dard wesent­lich sinn­vol­ler umzu­set­zen als mit dem pro­prie­tä­ren Micro­soft-For­mat.

Das „pro­prie­tä­re“ Office-Open-XML-For­mat, das Micro­soft Office seit „Ver­si­on“ 2007 stan­dard­mä­ßig nutzt, ist seit 2008 eben­falls ISO-zer­ti­fi­ziert. Aber war­um soll­te man sich mit sol­chen Fein­hei­ten her­um­schla­gen, wenn es um die gute Sache geht?

Put­zig, die­se Pira­ten Frei­burg.

Netzfundstücke
Mit har­ter Arbeit zum Erfolg

Jetzt arbei­tet ihr schon seit vie­len Jah­ren in eurem Unter­neh­men, aber der gro­ße Durch­bruch, die ent­schei­den­de Beför­de­rung blieb euch bis­lang ver­wehrt? Womög­lich fehl­te euch bis­lang ein­fach nur die zün­den­de Idee.

Ich hel­fe doch gern: Mastur­ba­ti­on ist der Schlüs­sel zum Erfolg.

„Was … was machen Sie da?!“
„Ich mache Über­stun­den, Chef!“
„Oh – ich woll­te nicht stö­ren.“

Jetzt weiß ich, was ich bis­her falsch gemacht habe.

PiratenparteiMontagsmusik
Hag­gard – The Final Vic­to­ry

Heu­te beginnt offi­zi­ell der Wahl­kampf der Pira­ten­par­tei Nie­der­sach­sen. Nun kann man von die­ser Par­tei hal­ten, was man will – die Wahl­kam­pa­gne ist ziem­lich amü­sant und womög­lich über­zeu­gend, zumin­dest aber eine will­kom­me­ne Alter­na­ti­ve zu dem Ein­heits­brei der eta­blier­ten Par­tei­en.

So bringt sie ein wenig Far­be in den trü­ben Wahl­kampf­spät­herbst; oder eben:

The final vic­to­ry has crus­hed the autumn silence
The final vic­to­ry has crus­hed the autumn silence

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXXIX: Der Krieg als effi­zi­en­te Wahl­kampf­me­tho­de

In Palä­sti­na flie­gen die Rake­ten. Der Westen setzt sich natür­lich für eine Dees­ka­la­ti­on auf bei­den Sei­ten ein, mit dem neu­tra­len Stand­punkt hat er es aber nicht so:

Mer­kel und Oba­ma stär­ken Isra­el den Rücken

Dann kann ja eigent­lich nichts mehr schief­ge­hen. Immer­hin ist das alles noch nicht Besorg­nis erre­gend, es ist ja noch kein Krieg, son­dern ein Kon­flikt:

Der Kon­flikt droht sich zu einem Krieg aus­zu­wei­ten.

„Mami, Kon­flikt ich ein Eis?“

Aber obwohl der Westen sich hin­ter Isra­el (wie hin­ter einen Rake­ten­ab­wehr­schirm) stellt, ist nicht er es, der vom Krieg bewaff­ne­ten Kon­flikt pro­fi­tiert, son­dern es sind ande­re:

Vor den anste­hen­den Wah­len nutzt der Krieg dem israe­li­schen Pre­mier Netan­ja­hu. Ver­let­zun­gen des Völ­ker­rechts sind für ihn kein Hin­der­nis, son­dern ein Argu­ment für sei­ne Wie­der­wahl.

Das hat ja bei Geor­ge W. Bush und Adolf Hit­ler auch bereits her­vor­ra­gend funk­tio­niert.

Viel­leicht soll­te die Pira­ten­par­tei auch einen bewaff­ne­ten Kon­flikt her­bei­füh­ren? Die anste­hen­den Wah­len wären schon so gut wie gewon­nen!

MusikIn den Nachrichten
„Und wenn dies Lied ihre Lip­pen ver­lässt…“: „Xavas“ zwi­schen Gang­staat­ti­tü­de und Mut­ter­söhn­chen­tum

Eigen­ar­ti­ge For­de­run­gen wer­den da an das grau­en­vol­le „Musiker“-Duo Kool Savas und Xavier Naidoo her­an­ge­tra­gen. Für die­je­ni­gen unter mei­nen Lesern, die es geschafft haben, ihr Leben lang bei­den Künst­lern zu ent­flie­hen, fas­se ich bei­der Schaf­fen ein­mal kurz zusam­men:

Bei Kool Savas han­delt es sich um einen Rap­per, der sich selbst als „König des Rap“ bezeich­net, vege­ta­risch lebt, Pro­jek­te zur Jugend­för­de­rung unter­stützt und auch sonst sein anschei­nend Mög­lich­stes tut, um bei Töch­tern aus gutem Hau­se gut anzu­kom­men. Xavier Naidoo ist sozu­sa­gen sein Soul­pop-Gegen­stück, bekannt gewor­den mit got­tes­fürch­ti­gem Zei­ge­fin­ger­schwin­gen und schreck­li­chen Lie­dern wie „Nicht von die­ser Welt“, „Wo willst du hin?“ (mit der gram­ma­ti­ka­lisch fal­schen Text­stel­le „… denn es macht jetzt kei­nen Sinn …“) und „Die­ser Weg“.

Irgend­ein übler Zwi­schen­fall hat bei­de Soli­sten dazu ver­an­lasst, ein gemein­sa­mes Album namens „Gespal­te­ne Per­sön­lich­keit“ auf­zu­neh­men; ein Name, der wirk­lich total gut passt. Noch bes­ser wäre aller­dings „Nur mit der Gabel auf dem Tel­ler zu krat­zen ist schö­ner“ gewe­sen; nun, even­tu­ell wird ja das zwei­te Album so hei­ßen.

Dabei sorg­te doch bereits das Debüt für eini­gen Tru­bel. Zwei Mona­te nach Ver­öf­fent­li­chung – hat ver­mut­lich so lan­ge gedau­ert, sich das Geld für das Album zusam­men­zu­bet­teln – stell­te die Links­ju­gend („eine unbab­hän­gi­ge [sic!] Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der Par­tei Die Lin­ken“ [sic!], meinrap.de, so unab­hän­gig dann eben doch nicht) wegen „Homo­pho­bie und Gewalt­ver­herr­li­chung“ Straf­an­zei­ge gegen die bei­den „Künst­ler“. Der Grund ist das letz­te Stück auf dem Album, in dem es unter ande­rem in bekannt kul­tu­rell anspruchs­vol­lem Duk­tus heißt:

Ich schnei­de euch jetzt mal die Arme und die Bei­ne ab und dann fick ich euch in’n Arsch, so wie ihr’s mit den Klei­nen macht. (…) War­um liebst du kei­ne Möse? Weil jeder Mensch doch aus einer ist.

Wo sind unse­re Hel­fer? Unse­re star­ken Män­ner? Wo sind unse­re Füh­rer? Wo sind sie jetzt?

Der Vor­wurf der Homo­pho­bie ist inso­fern schon mal von vorn­her­ein ent­kräf­tigt, denn die Ankün­di­gung, eine Per­son unge­nann­ten Geschlechts in’n Arsch zu ficken, zeugt vom Gegen­teil. Dar­an ändert auch die rhe­to­ri­sche Fra­ge „War­um liebst du kei­ne Möse?“ nichts, die aller­dings an die­ser Stel­le deplat­ziert wirkt: Natür­lich lie­ben man­che Kin­der­schän­der auch Mösen, sonst wür­den sie sich ja ledig­lich an Kna­ben ver­ge­hen.

Das mit der Gewalt­ver­herr­li­chung hat die zustän­di­ge Staats­an­walt­schaft jetzt auch mal ver­wor­fen:

Die Behör­de sieht jedoch weder den Vor­wurf der Volks­ver­het­zung gerecht­fer­tigt, (sic!) noch einen Auf­ruf zur Gewalt. „Zurei­chen­de tat­säch­li­che Anhalts­punk­te für die Bege­hung von Straf­ta­ten“ lägen nicht vor, hieß es am Don­ners­tag.

Naiv, sagt ihr? Nein, naiv ist, was der drol­li­ge Herr Naidoo zur Cau­sa zu sagen hat:

Auch der Satz „Wo sind unse­re Hel­fer, unse­re star­ken Män­ner, wo sind unse­re Füh­rer, wo sind sie jetzt?“, ruft Kri­tik her­vor. Naidoo erklär­te, der Ruf gel­te natür­lich „unse­ren aktu­el­len Füh­rern“, also den Ver­ant­wort­li­chen in Poli­tik, Medi­en und bei den Ermitt­lungs­be­hör­den. „Es ist mir unver­ständ­lich, wie man das falsch inter­pre­tie­ren kann.“

Ich bin davon über­zeugt, dass die NPD sich das auch manch­mal fragt.

Aber zurück zum Anfang, näm­lich zu den eigen­ar­ti­gen For­de­run­gen: Klaus Jetz, der Geschäfts­füh­rer des Les­ben- und Schwu­len­ver­bands in Deutsch­land, gab zu Pro­to­koll, die bei­den „Musi­ker“ müss­ten den Song zurück­neh­men. So wenig ich auch von schlech­ter „Musik“ hal­te, so affig fin­de ich das prin­zi­pi­ell doch. Ein wie auch immer gear­te­tes Lied kann man eben­so wenig „zurück­neh­men“ wie bereits erfolg­te Taten oder getä­tig­te Aus­sa­gen. Wer heu­te etwas zurück­nimmt, kann mor­gen genau so gut die Rück­nah­me zurück­neh­men. Das wäre fei­ge.

Vie­le Men­schen haben viel Dum­mes gesagt und getan, von reli­giö­ser Ver­fol­gung bis zu Welt­krie­gen. Könn­ten sie es zurück­neh­men, wäre die Welt viel­leicht eine ande­re, aber wahr­schein­lich kei­ne bes­se­re. Die Nach­hal­tig­keit des eige­nen Tuns wür­de ver­puf­fen. Und das wäre alles ande­re als wün­schens­wert.

Sich von sich selbst zu distan­zie­ren ist kein Zei­chen von wah­rer Grö­ße, son­dern von, nun, gespal­te­ner Per­sön­lich­keit. Viel­leicht ist die­se For­de­rung in die­sem einen Fall doch nur die logi­sche Kon­se­quenz.

Die Links­ju­gend hat den Her­ren Savas und Naidoo übri­gens einen gro­ßen Gefal­len getan: Ohne ihre Anzei­ge hät­ten vie­le Leu­te das gemein­sa­me Schaf­fen nicht ein­mal bemerkt. Das wäre wirk­lich schön gewe­sen.

Sonstiges
Blin­der: „Far­ben sind böse!“

Susan Saran­don so: „Das Inter­net ist für Fami­li­en ein Fluch!“

Genau; Eltern sol­len ihre Spröss­lin­ge lie­ber vor den Fern­se­her set­zen, damit sie mehr Susan Saran­don gucken kön­nen. Im Inter­net kommt doch nur Blöd­sinn!

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Kurz ver­linkt CXXVIII: Von Insti­tu­tio­nen und Pira­ten

Ah, end­lich pas­siert mal wie­der was in Deutsch­land. Ich hat­te schon ange­fan­gen, mich zu lang­wei­len. Es gibt mäch­tig Zoff in der Medi­en­land­schaft.

Die Pira­ten zum Bei­spiel – ich selbst tref­fe auf Par­tei­ta­gen eigent­lich über­wie­gend fried­fer­ti­ge, har­mo­nie­wil­li­ge Gestal­ten – las­sen Johan­nes Pon­ader end­lich mal in Ruhe und schie­ßen sich statt­des­sen wie­der ein­mal auf die Rech­ten ein. Dass sie dabei die ein­sti­gen Idea­le (Ach­tung, unge­wollt nau­ti­sche Meta­pher folgt!) über Bord wer­fen wie einst die ehe­mals pazi­fi­sti­schen Grü­nen, inter­es­siert sie dabei nur wenig:

Befin­den sich die Pira­ten auf einen weg in die tota­li­tä­re Ecke?

Das ist nur einer der Grün­de, wie­so ich trotz (oder eben wegen) mei­ner Mit­glied­schaft hof­fe, dass die Pira­ten­par­tei bis auf Wei­te­res kei­nen Ein­zug in den Bun­des­tag schaf­fen wird: Wenn schon intern die größ­ten Schrei­häl­se die Mei­nungs­ho­heit an sich rei­ßen, ist es dann wirk­lich rat­sam, deren Büh­ne auch noch auf Bun­des­ebe­ne aus­zu­wei­ten? Dar­an ändert auch eine Flausch­Con nichts:

Unflau­schi­ges Ende der #flausch­con: Boden und Wän­de rui­niert, Möbel gestoh­len, explo­die­ren­de Kosten, Rechts­streit

Pira­ten sind eben auch nur Men­schen.


Mit Wat­te­bäusch­chen bewer­fen sich der­weil auch Mit­glie­der der deutsch­spra­chi­gen Wiki­pe­dia und Autoren des libe­ra­len Maga­zins „eigen­tüm­lich frei“:

Was für ein Pro­fil muss ein Wiki­pe­dia-Autor haben? Er erzeugt kein Wis­sen, er sam­melt es. Er durch­bricht kei­ne For­men, er füllt sie. Er stellt kei­ne Kate­go­rien in Fra­ge, er ord­net sie. Er for­mu­liert nicht prä­gnant, son­dern er zitiert prä­gnan­te For­mu­lie­run­gen. Er steigt in der Benut­zer­hier­ar­chie nicht durch Wag­nis und Tabu­bruch auf, son­dern durch Fleiß und Wohl­ver­hal­ten. (…) Ein Wesen aus der zwei­ten Dimen­si­on fin­det das Gere­de von der „Kugel“ auch äußerst dubi­os.

Den Spruch wer­de ich bei­zei­ten mal klau­en.


Apro­pos „Men­schen, die die Welt um sich her­um nicht ver­ste­hen“: Der „Stern“ – so etwas wie eine Kreu­zung aus BILD und SPIEGEL – macht gera­de das mit dem Urhe­ber­rechts­ge­trol­le und lässt die F.D.P. ver­kla­gen, weil die­se im Sin­ne der „Trans­pa­renz“ (das Wort haben sie ver­mut­lich von den Pira­ten gelernt) einen Fra­gen­ka­ta­log über zwei­fel­haf­te Geschäf­te von par­tei­na­hen Fir­men, den man ihr sei­tens des „Sterns“ zuge­schickt hat­te, mit­samt den Ant­wor­ten ins Inter­net gestellt hat.

Die Begrün­dung mit dem Urhe­ber­recht greift aber zu kurz:

Neh­men wir an, Herr Til­lack hat durch Recher­che her­aus­ge­fun­den, dass in mei­nem Kel­ler eine Lei­che sein soll. Wenn er mich, jour­na­li­stisch kor­rekt, mit die­sem Vor­wurf kon­fron­tiert, habe ich natür­lich die Mög­lich­keit, schnell noch in die Offen­si­ve zu gehen und selbst der Öffent­lich­keit in mei­nen eige­nen Wor­ten mit­zu­tei­len, dass da eine Lei­che in mei­nem Kel­ler ist, um der Ent­hül­lung die Wucht zu neh­men und als erstes die Deu­tungs­ho­heit zu haben.

Das mag für einen Jour­na­li­sten ärger­lich und fru­strie­rend sein, aber das ist so.

Ob die Papier­zei­tungs­in­du­strie ihren Nie­der­gang (jüng­stes Opfer des bösen, bösen Inter­nets ist die Frank­fur­ter Rund­schau) auf­hal­ten kann, wenn sie Aller­welts­flos­keln als gei­sti­ges Eigen­tum zu ver­sil­bern ver­sucht, weiß ich nicht. Aber es ist mir auch egal – der „Stern“ ist mir als Leser ein­fach zu bou­le­var­desk.


Viel­leicht wür­de eini­ges davon nicht gesche­hen, wenn die alten Insti­tu­tio­nen sich end­lich der neu­en gesell­schaft­li­chen Rea­li­tät anpas­sen wür­den. Statt­des­sen erwar­ten sie von der gesell­schaft­li­chen Rea­li­tät etwas Ent­ge­gen­kom­men. Das kann nicht funk­tio­nie­ren.

Der schnel­le gesell­schaft­li­che Wan­del hat eine Insti­tu­tio­nen­kri­se ver­ur­sacht, die in der digi­ta­len Welt am deut­lich­sten zu beob­ach­ten ist.

Ich emp­feh­le – völ­lig unab­hän­gig davon, dass er von Sascha Lobo geschrie­ben wur­de – ver­link­ten Arti­kel in Gän­ze zu lesen.


Einen noch, da wir oben bei Urhe­ber­rechts­ge­trol­le waren: Die Leu­te von Sam­sung holen sich dann mal die Pro­zess­ko­sten von Apple zurück, indem sie die Pro­zes­so­ren – und somit eini­ge Apple-Gerä­te – teu­rer machen. Tja.

ProjekteMontagsmusik
Sto­len Babies – Splat­ter

Ich wit­zel­te: Twit­ter braucht einen „Anstupsen“-Knopf.
@c2h5oh1 reagier­te prompt: Nein! N E I N!!!

Das betrach­te­te ich als Her­aus­for­de­rung.
Heißt also den Stups­bot herz­lich will­kom­men in der Welt der nütz­li­chen Twit­ter-Acces­soires!


Von der­lei fröh­li­chen Din­gen ein­mal abge­se­hen: Die Sto­len Babies, von mir vor fünf Jah­ren bereits geprie­sen, haben end­lich ihr zwei­tes Album ver­öf­fent­licht.

Es ist ziem­lich mon­tags­taug­lich und klingt unge­fähr so:

Guten Mor­gen!