NetzfundstückeNerdkrams
Hin­weis: Sie lesen gera­de einen Arti­kel.

Stellt euch vor, ihr wür­det mor­gens die Tages­zei­tung auf­schla­gen und in jeder Aus­ga­be wür­de euch ein grell­bun­ter Hin­weis begrü­ßen: „Hin­weis: Sie lesen gera­de eine Tages­zei­tung und kei­ne Inter­net­sei­te, obwohl eine Inter­net­sei­te meist aktu­el­le­re Nach­rich­ten bie­tet“.

Schlech­tes Bei­spiel, gebe ich zu. Es folgt ein bes­se­res: Stellt euch vor ihr beträ­tet eine Ede­ka-Filia­le, und am Ein­gang wür­de euch erst mal ein grell­bun­ter Ban­ner vor’s Gesicht gehal­ten: „Hin­weis: Sie sind jetzt bei Ede­ka“. Beim Bezah­len könn­tet ihr nicht ein­fach das Geld hin­le­gen und gehen, son­dern die Kas­sie­re­rin wür­de euch kurz mustern und dann anbrül­len: „Hin­weis: Sie ver­wen­den gera­de ein grü­nes Porte­mon­naie aus Kunst­stoff, obwohl eines aus schwar­zem Leder viel wer­ti­ger aus­sä­he! So, das macht drei fuff­zich.“

Das klingt wie eine die­ser über­aus schlech­ten Hel­ge-Schnei­der-Sze­nen? Ja, das wür­de es viel­leicht, gäbe es da nicht das Word­Press-Plug­in, das Besu­chern, die Win­dows oder Mac OS X nut­zen, eine knall­gel­be Mel­dung qua­si in die Augen rammt, dass sie Win­dows oder Mac OS X nut­zen und Linux doch viel bes­ser sei. (Wer beruf­lich auf Pho­to­shop, Ligh­t­room oder der­glei­chen ange­wie­sen ist oder mit Micro­soft-Office-For­ma­ten arbei­ten muss, ohne sie vom – zumin­dest im Umgang mit den­sel­ben – grot­ten­schlech­ten Libre­Of­fice zer­hacken zu las­sen, soll sich halt einen ande­ren Arbeits­platz suchen. Bes­ser arbeits­los als Wind00fs!!1eins – Hier­bei ver­wei­se ich noch­mals auf mei­nen Arti­kel „GNU und Linux: Fünf Miss­ver­ständ­nis­se“.)

Mit Stand um 19:46 Uhr hat das Plug­in 626 Down­loads. Unter ande­rem Didi ver­wen­det es. Ich zitie­re aus­nahms­wei­se Mal­te:

Ich weiß ehr­lich nicht, wie man dazu kommt, so ein Plug­in ein­zu­schal­ten um sei­ne Besu­cher zu ner­ven.

Eines muss man aller­dings zuge­ben: Das Plug­in ist zwar irr­sin­nig bescheu­ert und sei­ne Benut­zer arg fehl­ge­lei­tet, aber es zeigt deut­li­cher als jede Dis­kus­si­on in einem Inter­net­fo­rum, wie das Selbst­ver­ständ­nis der Linux­ge­mein­schaft eigent­lich aus­sieht. („Die Linux­ge­mein­schaft“ klingt ja auch so ein biss­chen nach den Borg, oder?) – Und das ist ja auch schon etwas wert.

Sonstiges
Medi­en­kri­tik LXXVI: „BRAVO“: Wie ich dar­auf reagie­re.

Ich spre­che nicht gern dar­über, denn ich habe es geschafft, mich davon los­zu­sa­gen. Ich habe mein Leben seit­dem völ­lig ver­än­dert und, dies behaup­te ich dreist, zum Bes­se­ren gewen­det. Nun aber wird es, bevor es ein ande­rer tut, Zeit, die­ses dunk­le Geheim­nis auf­zu­decken.

Ich geste­he, ich habe von 1998 bis Anfang 2000 regel­mä­ßig die „BRAVO“ gekauft und gele­sen.

Damals war ich in die­sem Alter. Des­sen unge­ach­tet habe ich mich natür­lich kein biss­chen für die Nacke­dei­bil­der inter­es­siert, son­dern häng­te statt­des­sen die gele­gent­lich ent­hal­te­nen Poster von den Ärz­ten – Ver­zei­hung: den Die Ärz­te – an mei­ne Zim­mer­wän­de. (Dort hin­gen spä­ter ande­re Poster, aber dar­um soll es hier nicht gehen.) Vor allem aber kann­te (und moch­te) ich einen nicht zu unter­schät­zen­den Teil der rezen­sier­ten und sonst­wie erwähn­ten Musi­ker. CDs von Scoo­ter, Aqua und ähn­li­chen Künst­lern waren in mei­nem Plat­ten­schrank lan­ge vor der Ent­ste­hung mei­nes Musik­fa­schis­mus‘ zu fin­den.

Auf­grund mit­un­ter bedau­erns­wer­ter Fami­li­en­ver­hält­nis­se ergab es sich, dass mir heu­te die „BRAVO“ 43/2012 sozu­sa­gen in die Hän­de fiel.

Mei­ne spon­ta­ne Reak­ti­on war die Über­ra­schung dar­über, dass sich seit über einem Jahr­zehnt nicht viel geän­dert zu haben scheint: Die „BRAVO“ riecht immer noch wie frü­her, die Titel­sei­te ist immer noch so brül­lend bunt, dass man sich wünscht, beim Betrach­ten der­sel­ben unter Dro­gen zu ste­hen, und zeigt, erfreu­li­cher­wei­se fast ver­deckt von vie­len gro­ßen Buch­sta­ben, fünf dank moder­ner Bild­be­ar­bei­tung zwar eini­ger­ma­ßen naja aus­se­hen­de, aber eben doch ziem­lich aus­tausch­ba­re süße boys. N’Sync und die Back­street Boys schei­nen es nicht zu sein, die Bild­un­ter­schrift lau­tet:

Flirt-Alarm bei ONE DIREC­TiON (sic!)
Von wel­chen Hol­ly­wood-Girls sie ange­bag­gert wer­den
+ Wie die Jungs dar­auf reagie­ren

Wis­sen also, das natür­lich immens wich­tig für das täg­li­che Leben Her­an­wach­sen­der ist, wes­halb es unfein von mir wäre, mich dar­über lustig zu machen. Wer genau One Direc­tion sind und was sie machen, wird offen­bar als Vor­kennt­nis vor­aus­ge­setzt. Eine hohe Hür­de für poten­zi­el­le Käu­fer, ich selbst näm­lich habe nicht die lei­se­ste Ahnung. Das ist aber nicht schlimm, neh­me ich an.

Wei­ters ent­hält die­se Aus­ga­be „15 coo­le FUN-STiCKER“ (erneut sic!). Der­ma­ßen unfass­bar cool und lustig sind die­se sticker, dass ich ein­fach mal einen von ihnen beschrei­be, weil es mir sonst kei­ner glaubt: Zu sehen ist Spon­geB­ob Schwamm­kopf, der einen Kapi­täns­hut und ein Holz­schwert trägt. In einer Sprech­bla­se, die auf ihn zeigt, steht: „ICH BIN BEREIT!“. Ich lie­ge vor Lachen schier am Boden. Außer­dem ent­hal­ten sind 5 Poster („+ 5 POSTER“). Die unge­ra­de Zahl zeigt es bereits: Um eines von ihnen zu ent­neh­men, ist es nötig, einen Teil des übri­gen Hef­tes eben­falls her­aus­zu­rei­ßen. Dass die Zustän­di­gen der „BRAVO“ dies bil­li­gend in Kauf neh­men, zeugt immer­hin davon, dass sie noch nicht völ­lig ver­drängt haben, was für ein unglaub­lich über­flüs­si­ges Maga­zin sie da eigent­lich zu ver­ant­wor­ten haben.

Nach dem Umblät­tern wird man zunächst von einem grin­sen­den Die­ter Nuhr irri­tiert, der Wer­bung für den „Deut­schen Come­dy­preis“ auf RTL macht. Dar­über steht etwas von der „besten Come­dy“. Der Zusam­men­hang ist mir nicht klar. Rechts davon jeden­falls ist, umrahmt von aller­lei bun­ten Bil­dern, das Inhalts­ver­zeich­nis zu fin­den. Und was da außer den „mega-lusti­gen Fun-Stickern“ nicht alles für dol­le The­men drin sind!

Mega-Come­back: So rockt Micha­el Jack­son auch drei Tage nach sei­nem Tod die Welt

Als ich noch jung war, war Rock das mit den Gitar­ren und dem Bass und nicht das, womit Micha­el Jack­son bekannt gewor­den ist. Offen­bar hat „rocken“ in den letz­ten Jah­ren einen Bedeu­tungs­wan­del voll­zo­gen und bedeu­tet nun „mit­tels musi­ka­li­scher Ver­gan­gen­heit den Nach­lass­ver­wal­tern viel Geld in die Kas­sen spü­len“. Scha­de, dass man die­ses schö­ne Wort nun also bes­ser nicht mehr nut­zen soll­te.

Nur in BRAVO ver­rät Justin Bie­ber, wer wirk­lich wich­tig ist in sei­nem Leben

Natür­lich „nur“ in der „BRAVO“, denn der näch­sten Zeit­schrift erzählt er viel­leicht etwas ganz ande­res.

Anson­sten sind jede Men­ge Geschich­ten über wei­te­re „Musi­ker“, die mir über­wie­gend unbe­kannt sind, und dra­ma­ti­sche Geschich­ten von mensch­li­chen Schick­sa­len ent­hal­ten. Die Nacke­dei­bil­der schei­nen bedau­er­li­cher­wei­se ver­schwun­den zu sein, aber die „Foto-Love-Sto­ry“ ist immer noch genau so däm­lich wie frü­her. Die Ange­wohn­heit, die Prot­ago­ni­sten stets mit debi­lem Gesichts­aus­druck zu foto­gra­fie­ren, kam nicht abhan­den: Die Haupt­dar­stel­le­rin darf ihre Klap­pe nur sel­ten schlie­ßen. Denk­bla­sen ent­strö­men in der Welt der „BRAVO“-Macher offen­bar dem Mund und nicht dem Hirn. Das erklärt ver­mut­lich man­ches.

Die Hand­lung ist gewohnt albern: Ein dickes Mäd­chen ver­ab­re­det sich über das Inter­net mit einem süßen boy, der sie erst mal mit ihrer Freun­din ver­wech­selt. Als Resul­tat schickt sie eben­je­ne Freun­din los, um sich mit dem süßen boy zu tref­fen, und beob­ach­tet das Gesche­hen aus einem schlech­ten Ver­steck her­aus. Sie ent­deckt, dass auch der süße boy einen ver­steck­ten Beglei­ter mit­ge­bracht hat, und da bei­de eh‘ schon im Gebüsch sind, ist das hap­py end so total span­nend, dass ich es euch nicht vor­weg­neh­men möch­te.

Den Arti­kel über den Flirt-Alarm bei ONE DIREC­TiON habe ich übri­gens nicht gele­sen. Ich neh­me an, ich habe nichts ver­passt. Anzu­neh­men sei allen­falls, dass pro Absatz min­de­stens ein­mal wahl­wei­se „cool“ oder „süß“ vor­kommt. Ich ver­tre­te die Ansicht, dass es für alle Betei­lig­ten ein­fa­cher wäre, wenn die „BRAVO“ ein­fach mal ein Son­der­heft machen wür­de, das einen ein­zi­gen Arti­kel ent­hiel­te, des­sen Über­schrift „Die süßen boys aus dem Fern­se­hen und war­um ihr sie nie­mals haben könnt“ lau­te­te. Wie schnell fän­den die regel­mä­ßi­gen Lese­rin­nen der „BRAVO“ dann ihre vor­über­ge­hend wah­re Lie­be! Aber das wäre natür­lich schlecht für das Geschäft.

Der Unter­ti­tel der „BRAVO“ lau­tet: „Dei­ne gan­ze Welt!“. Ein biss­chen erschreckt mich das.

Musik
Quäääk!

Zu den Musik­rich­tun­gen, mit denen ich nicht viel anfan­gen kann, gehört der Gesang von Tenö­ren. Die grau­en­vol­len, aber bei betag­ten Frau­en aus irgend­wel­chen Grün­den recht belieb­ten Sän­ger der so genann­ten Musik­grup­pe Ado­ro etwa rufen in mir mit ihrem Geknö­del eher unan­ge­neh­me Schmerz­re­ak­tio­nen als Genuss her­vor.

Inso­fern bin ich davon über­zeugt, dass der für die Gestal­tung der CD-Rei­he namens „Zeit für…“ einen aus­ge­zeich­ne­ten Musik­ge­schmack und einen exqui­si­ten Humor bewei­sen woll­te, als er sich an das Erstel­len des Titel­bil­des der (aus­ge­rech­net) Dop­pel-CD „Zeit für Tenö­re“ mach­te:

Die­ses eine Mal ist immer­hin drin, was drauf­steht.

SonstigesFotografie
Von wegen „Roa­ming“.

Ich weiß nicht, ob sich der eine oder ande­re von euch Lesern noch an die Serie „Trig­ger Hap­py TV“ erin­nert. Ein wie­der­keh­ren­des Ele­ment war ein Mann, der in ein rie­si­ges Tele­fon brüll­te.

Ich weiß auch nicht, wie ich gestern dar­auf kam, als ich in einem Media Markt an dem Regal mit der Beschrif­tung „Smart­phones“ vor­bei­ging.

PersönlichesLyrik
Sie. (Frag­ment 6.3, que sera)

„Ever­y­bo­dy needs someone to live by.“
– Talk Talk: Desi­re


… Eigent­lich hät­te es ganz anders kom­men sol­len.

Hat­te er den Frem­den nicht stets benei­det um den Platz in ihrem Her­zen, den er selbst, das wuss­te er, nie­mals wür­de errin­gen kön­nen? Nein, sag­te sie, dazu bestün­de kein Anlass, zwi­schen dem Frem­den und ihr wür­de nie­mals das Band bestehen, das sie bei­de ver­band. Er glaub­te ihr. Und doch schlich der Frem­de sich immer wie­der in ihr Leben und nahm sich die Zuwen­dung, die er brauch­te; und sie lieb­te die­ses Spiel.

Der blo­ße Gedan­ke, er wür­de das, was er errun­gen hat­te, eines Tages an den Frem­den ver­lie­ren, ließ ihn oft ver­zwei­feln. Sie ver­such­te ihm die Gewiss­heit zu geben, dass er mehr war als das, und den­noch – er hät­te alles dafür gege­ben, er zu sein; sie mit sei­ner blo­ßen Anwe­sen­heit betö­ren zu kön­nen. Aber er hat­te, das wuss­te er, etwas erreicht, was nur schwer zu über­bie­ten war. Ihr Herz konn­te er nicht gewin­nen, aber er hat­te mehr; mehr, als er sich jemals erhofft hät­te, als er ihr unge­lenk und ver­schämt sei­ne Zunei­gung gestand.

Aber was bedeu­te­te die­se Zunei­gung? Er hat­te nicht dar­über nach­ge­dacht. Er lieb­te sie nicht; er woll­te sie. Er woll­te sie um sich und bei sich spü­ren. Er brauch­te kei­ne Bezie­hung, er wuss­te nicht ein­mal so genau, was eine Bezie­hung eigent­lich war. Er war süch­tig nach ihr, ihrem Kör­per, ihren Küs­sen, ihren meter­tie­fen Augen. Nie­mals hät­te er ris­kie­ren wol­len, sie nicht wie­der in die Arme schlie­ßen zu dür­fen.

Er wirk­te oft kalt, und das mach­te ihm Angst, weil er nicht wuss­te, was das bedeu­tet. Men­schen wie er sei­en so, sag­te sie manch­mal, und damit war es gut. Was er aber nun emp­fand, war weit von jeder Käl­te, jeder Distan­ziert­heit ent­fernt. Er wür­de die­se Käl­te nun wahr­lich genie­ßen, wenn er sie nur umfas­sen könn­te. „Puh“, dach­te er, „doch nicht ver­rückt.“

Nun lag er wach in sei­nem Bett. War wirk­lich erst eine Woche ver­gan­gen, seit es ihr genügt hat­te? Für ihn fühl­te es sich wie Mona­te an.

Er hät­te genüg­sam blei­ben sol­len, viel­leicht wäre all das dann nicht pas­siert. In sei­ner Ver­gan­gen­heit aber war zu viel gesche­hen, das ihn hat­te vor­sich­tig wer­den las­sen. Sein Ver­stand wuss­te, dass nichts und nie­mand außer ihm selbst einen Keil zwi­schen sie trei­ben könn­te, aber genüg­te das? Wann immer er sich der Gegen­wart des Frem­den bewusst wur­de, kam ihm ihr Bekennt­nis in den Sinn, dass in ihrem Her­zen noch für lan­ge Zeit nur Platz für den Frem­den sein wür­de; zwar auf einer Ebe­ne, die kei­ne Gefahr für das dar­stell­te, was sie hat­ten, aber doch genug, um ihn zu ver­un­si­chern.

Sie hat­te ihn, viel­leicht nur zum Scherz, Schatz genannt; ein Wort, das sei­ne Welt aus den Fugen warf. Nun hat­te sie ihm mehr als nur den Kopf ver­dreht. Er wür­de sie bald wie­der­se­hen, hat­te sie gesagt. Es fiel ihm jeden Tag schwe­rer, sie zu mei­den, obwohl er ihr viel zu viel Zeit geraubt hat­te. Aber er wuss­te, dass er das schaf­fen wür­de, nein, muss­te. Alles, was ihm von all den Küs­sen, den Umar­mun­gen, der Wär­me geblie­ben war, war die Hoff­nung, dass er sie nicht auf­ge­ben müss­te. (Was sie wohl gera­de mach­te?)

Und er hat­te nicht die lei­se­ste Ahnung, was er ihr sagen wür­de, wenn er sie jemals wie­der­se­hen wür­de. Was er aber nicht sagen wür­de, das wuss­te er genau.

Seit sie fort war, schien es, als wäre ihr Name ein­ge­brannt in jedes Detail sei­nes Lebens. Was aber soll­te er denen sagen, die ihn täg­lich frag­ten, wie es ihr ging? Er hät­te es selbst gern gewusst.

„Wir sehen uns“ hat­te sie gesagt. Dabei sah er sie fast jede Nacht im Traum; und er griff nach ihr und erwach­te allein. Eine Stern­schnup­pe erleuch­te­te sei­nen Heim­weg. In der Nacht der Stern­schnup­pen hat­te er nur einen ein­zi­gen Wunsch; so auch dies­mal. Die­ser Wunsch aber soll­te nicht ver­geu­det sein. Er schloss die Augen und spür­te, wie eine Trä­ne sie ver­ließ. Er hat­te nur die­sen einen Ver­such. …


„Oh my dear, every sal­ted tear, it wrings bit­ter-sweet applau­se.“
– Roxy Music: Bit­ter-Sweet

Sonstiges
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Das Gei­le am „Yps“-Heft

Even­tu­ell ist es an eini­gen mei­ner Leser vor­bei­ge­gan­gen: „Yps“, das Kin­der­ma­ga­zin aus den 1990er Jah­ren, das vor allem dadurch Auf­merk­sam­keit erlangt hat­te, dass es in ermü­den­der Häufig‑, bei­na­he Regel­mä­ßig­keit so genann­te „Urzeit­kreb­se“ als Drein­ga­be beinhal­te­te, die mit der Urzeit unge­fähr so viel zu tun haben wie ein Com­pu­ter, aber eine Bei­ga­be namens „lecke­re Fut­ter­kreb­se zum Sel­ber­ba­steln“ wür­de sich wahr­schein­lich nicht so gut ver­kau­fen, ist wie­der da.

Als Män­ner­ma­ga­zin.

Wer beim Wort „Män­ner­ma­ga­zin“ an Tit­ten­heft­chen denkt, der irrt aller­dings. Tat­säch­lich geht’s um Alt­be­kann­tes:

Ein Fünf­tel besteht aus alten oder neu­en Comics, unter ande­rem dem Klas­si­ker „Yin­ni und Yan“, mit deren Schöp­fer, Heinz Kör­ner, es auch ein Inter­view gibt. Bei den Ori­gi­nal­co­mics han­delt es sich aus­schließ­lich um „Wie­der­ho­lun­gen“ aus alten Hef­ten, bei „Yin­ni + Yan“ ist es die Dschin­gis-Khan-Fol­ge aus dem Heft 115, die „Hombre“-Geschichte ist aus Heft 146. Neue Fol­gen wer­den laut Kal­len­berg nicht geschaf­fen.

Statt Brü­sten der Neu­zeit gibt’s dann auch wie­der ein gim­mick: Urzeit­kreb­se. Wer hät­te das gedacht?

Alles beim Alten also, Und wer braucht das? Nun, dar­über weiß der neue Chef­re­dak­teur zu berich­ten:

Nutz­wert hat „Yps“ null, kein Mensch braucht es, das ist das Gei­le.

Geil.

Gleich mal abon­nie­ren.

Fotografie
Zeit­ver­lust

… und dann gehe ich zum Bahn­hof und wüss­te gern, wie spät es ist, und muss dann doch mein Smart­phone befra­gen, die Bahn­hofs­uh­ren näm­lich kön­nen sich nicht so recht ent­schei­den.

SonstigesNerdkrams
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Die F.A.Z. und das Urvieh

In der heu­ti­gen Aus­ga­be der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung wird mal wie­der in jour­na­li­stisch neu­tra­lem Duk­tus über eine Ver­stei­ge­rung eines Exem­plars des „ein­zig­ar­ti­gen“ (F.A.Z.) Com­pu­ters „Apple I“ von 1976 berich­tet. Die­ses „Urvieh“ (ebd.) stach fol­gen­der­ma­ßen aus der Mas­se der Heim­com­pu­ter her­vor:

Apple war ein­zig­ar­tig, man konn­te es sehen, füh­len, rie­chen. Es galt, anders zu sein als die Mas­se, die ein schnö­des Win­dows-PC-Leben führ­te.

Im Jahr 1976, wir erin­nern uns, war die Fir­ma Micro­soft unge­fähr ein Jahr alt. Das domi­nan­te Betriebs­sy­stem im uni­ver­si­tä­ren Umfeld wur­de all­mäh­lich das noch jun­ge Unix, pri­vat waren Com­pu­ter aus Preis- und vor allem Zweck­grün­den so gut wie gar nicht ver­tre­ten. Die ersten 8‑bit-Spiel­kon­so­len, etwa der/die/das Ata­ri 2600, began­nen an Beliebt­heit zu gewin­nen, jedoch lief auf ihnen kein Win­dows. Dies hat­te unter ande­rem zeit­li­che Grün­de: Micro­soft Win­dows 1.0 wur­de erst im Novem­ber 1983 vor­ge­stellt.

Dass Apple-Com­pu­ter sich aber irgend­wann von der Mas­se nicht mehr tech­nisch, son­dern nur noch ideell abho­ben, ist aber eine wich­ti­ge Erkennt­nis. Selbst hei­se hat es erkannt und testet in „Mac & i“ nicht mehr, son­dern befühlt nur noch. Ich möch­te übri­gens nicht, dass man die Anders­ar­tig­keit der von mir ver­wen­de­ten Gerä­te errie­chen kann, und ich wür­de auch nie­mals ein Gerät kau­fen, weil es sich bes­ser anfühlt. Damit fal­le ich wohl nicht mehr in die Ziel­grup­pe.

Aber irgend­wie muss man so eine Spal­te in der F.A.Z. ja voll­be­kom­men.

Netzfundstücke
Kurz ver­linkt CXXIV: Ein­fach mal run­ter­kom­men.

Das las­se ich mal weit­ge­hend unkom­men­tiert so ste­hen:

Wir Men­schen sind kei­ne kör­per­lo­sen Daten­sät­ze, son­dern begrenz­te Wesen aus Fleisch und Blut. Wir wer­den müde, krie­gen Hun­ger, haben Migrä­ne, müs­sen Schei­ßen. Klar kann ich das Han­dy auch noch mit aufs Klo neh­men und dort wei­ter E‑Mails lesen (ich per­sön­lich mache das übri­gens). Aber ich soll­te mir doch nicht ein­bil­den, dass ich dadurch mehr geschafft krie­gen wür­de. Ob ich das Han­dy mit aufs Klo neh­me oder den gan­zen Tag in der Ecke lie­gen las­se, macht letzt­lich kei­nen Unter­schied in Bezug auf all das, was ich ver­pas­se oder nicht tue. Begrenzt gegen Unend­lich ist eine ein­fa­che logi­sche Glei­chung.

Wahr, so wahr.

KaufbefehleMusikkritik
Guil­ty Ghosts – Tre­s­pa­s­ser EP

Mich erreich­te heu­te über­ra­schend eine E‑Mail von „Guil­ty Ghosts“.

Guil­ty Ghosts kenn­wa, ich hat­te den Herrn O’Donnell bereits 2011 erwähnt:

Dro­ne-Gitar­ren, Break­beats und Tape-Loops. Ambi­ent, Dro­ne und Elec­tro­ni­ca. Unbe­stimmt und dif­fus. Gitar­ren­mu­sik. Elek­tro­ni­sche Musik.

Dem Album „Veils“ nun folg­te der/die/das EP „Tre­s­pa­s­ser“ („Unbe­fug­ter“) von 19 Minu­ten Län­ge, auf­ge­teilt auf sie­ben Stücke. Das Cover­bild des Albums (hier oben rechts zu sehen) stammt aus Mar­tin Scor­se­ses Film „Die letz­te Ver­su­chung Chri­sti“, wor­aus mei­ner­ei­ner inter­pre­tier­freu­dig irgend­was mit Stö­rung durch Reli­gi­on ablei­tet und also bes­ser schweigt, bevor sich ein wüten­der Pöbel ver­sam­melt, um mich zu schän­den oder so.

Zu hören ist bekann­ter Stil, ambi­en­ter Post­rock mit Gän­se­haut­ef­fekt. Musik wie Mee­res­rau­schen unter blau­em Him­mel. Gesang gibt es dies­mal nicht, aber das macht eigent­lich auch nichts. Der Herbst kann kom­men.

Wer etwas gegen Kat­zen in Säcken hat, der kann „Tre­s­pa­s­ser“ auf Bandcamp.com voll­stän­dig hören und her­un­ter­la­den, letz­te­res auch per eMu­le. Die CD (auf 100 Stück begrenz­te Auf­la­ge) möge man anschlie­ßend kau­fen und mir sehr dank­bar sein. Gern gesche­hen.

PolitikIn den Nachrichten
Schmal­hans des Tages: Wolf­gang Kubicki, F.D.P.

Die­ser Arti­kel ist Teil 5 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Wolf­gang Kubicki gehört zu einer Min­der­heit in Deutsch­land, er ist zur­zeit der Vor­sit­zen­de der F.D.P.-Fraktion im schles­wig-hol­stei­ni­schen Land­tag. Dass die F.D.P. bis­lang noch kei­ne Son­der­be­hand­lung ver­langt hat­te (etwa eine F.D.P.-Mitgliedsquote in deut­schen Vor­stän­den, wie es auch die Frau­en und seit einer Wei­le die Migran­ten mit wach­sen­dem Erfolg gefor­dert bekom­men), hat mich ja schon über­rascht, immer­hin gehö­ren ihre Mit­glie­der wie kaum eine ande­re auf die Liste der vom Aus­ster­ben bedroh­ten Arten.

Die Gele­gen­heit, so befand Wolf­gang Kubicki anschei­nend, war nun gün­stig für ein letz­tes, ver­zwei­fel­tes Auf­bäu­men, und so ließ er das „Han­dels­blatt“ wis­sen:

Statt mit den Welt­ver­bes­se­rungs­plä­nen der Grü­nen zu har­mo­nie­ren, soll­te Peer Stein­brück die prag­ma­ti­sche Lösung wäh­len und mit den Libe­ra­len pak­tie­ren – denn die sind ihm näher als er zuge­ben möch­te.

Ja, die F.D.P. ist Peer Stein­brück näher als er zuge­ben möch­te, gemein­sam näm­lich sind sie nahe an der Bedeu­tungs- wie Pro­fil­lo­sig­keit. Wodurch sich Peer Stein­brück her­vor­tut?

Er han­delt ergeb­nis­ori­en­tiert, ist ein Freund kla­rer Wor­te und hat einen fast bri­ti­schen Humor, der bis an die Belei­di­gungs­gren­ze geht – was auf einen inter­es­san­ten Wahl­kampf hof­fen lässt.

Peer Stein­brück belei­digt gern fast Leu­te und ist damit der F.D.P. nahe. Ach so. Über­dies zeich­ne ihn noch mehr aus, postu­liert Wolf­gang Kubicki mun­ter wei­ter:

Peer Stein­brück (…) hat (…) einen deut­li­chen Kom­pe­tenz­vor­teil gegen­über allen ande­ren aus der SPD.

Unter den Blin­den, so lau­tet ein Sprich­wort, ist der Ein­äu­gi­ge der König; unter Mit­glie­dern der SPD muss es eben der Stein­brück sein. Falls sich übri­gens jemand nicht an Peer Stein­brück erin­nert: Ab Novem­ber 2005 war er Bun­des­fi­nanz­mi­ni­ster im ersten Kabi­nett Mer­kel und hat wäh­rend sei­ner Amts­zeit nicht nur den Big Brot­her Award 2007 in der Kate­go­rie Poli­tik für die Ein­füh­rung der lebens­lan­gen Steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer erhal­ten, son­dern unter ande­rem kurz nach Beginn der Kri­se geäu­ßert, das deut­sche Ban­ken­sy­stem sei „rela­tiv robust“, was zwar sehr beru­hi­gend klang, blö­der­wei­se den Ban­ken aber eini­ger­ma­ßen schnup­pe war. Und alle ande­ren aus der SPD sind noch schlech­ter?

Was Wolf­gang Kubicki aber nicht nur über­se­hen, son­dern schlicht ver­ges­sen zu haben scheint, ist:
Um über­haupt als Koali­ti­ons­part­ner für die SPD in Fra­ge zu kom­men, sind zunächst ein­mal 5 Pro­zent der Wäh­ler­stim­men zu gewin­nen.

Mein Tipp: Wird nix.