Sonstiges
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: „Such das Buch“: Wie eine Zei­tung ver­sucht, die Exi­stenz von Druck­wer­ken zu bewah­ren.

Wer sich anstel­le der Musik­in­du­strie ja eigent­lich mal über das Inter­net (wuss­tet ihr übri­gens schon, dass der Trend vor­über ist?) auf­re­gen könn­te, sind die Ver­la­ge. Die Wochen­end­aus­ga­be der gedruck­ten „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“ fin­det das auch und trägt unter der Über­schrift „Such das Buch“ daher mal etwas dazu bei:

In Buch­lä­den gibt es jetzt Bade­kon­fet­ti, Haar­bür­sten, Figu­ren aus Lego und Besteck­sets – nur Bücher gibt es immer weni­ger.

Das lie­ge dar­an, dass gro­ße Buch­han­dels­ket­ten den Plan gefasst hat­ten, bis zu drei­ßig Pro­zent ihres Sor­ti­ments mit soge­nann­ten Non-Books bestücken zu wol­len; Nicht­bü­chern also, die man so nennt, weil es kei­ne Bücher sind. „Soge­nann­te Non-Books“ fin­de ich aber noch ein biss­chen schö­ner, weil es neben­bei den Sprach­ver­fall kri­ti­siert, wofür ich den unbe­kann­ten F.A.Z.-Autor an die­ser Stel­le ein­mal herz­lichst vir­tu­ell drücken möch­te.

Nun lese ich öfter Zeit­schrif­ten und sogar Tages­zei­tun­gen als Bücher, weil mir dann Zeit für wich­ti­ge­re Din­ge (zum Bei­spiel Musik) feh­len wür­de. Das lässt mich aller­dings nicht die offen­sicht­li­chen Par­al­le­len zwi­schen Musik­da­tei­en und elek­tro­ni­schen „Büchern“ über­se­hen. (Sie­he hier­zu mei­ne im Mai 2011 geäu­ßer­te Kri­tik an letz­te­ren.) Tat­säch­lich haben Bücher vie­le Eigen­schaf­ten, die kein „E‑Book“ jemals haben wird. Abge­se­hen von dem Gefühl und dem Geruch beim Lesen eines papier­nen Buches sieht es auch im Bücher­re­gal bes­ser aus als eine SD-Kar­te oder ein USB-Stick – ganz gleich, wie viel Platz die­se ein­spa­ren wür­den. Ein elek­tro­ni­sches „Buch“ fühlt sich falsch an.

Dies hät­te man natür­lich erwäh­nen kön­nen. Hat man aber nicht. Statt­des­sen:

Mit [dem] Erfolg [von E‑Book-Autoren] kam auch der Wunsch nach Aner­ken­nung im alten System – ganz so, als hät­te das Buch noch immer Eigen­schaf­ten, auf die nie­mand ver­zich­ten will: als Auto­ri­tät, als eine (sic!) Medi­um der Ver­tie­fung, als ein revo­lu­tio­nä­rer Akt.

Ja, die hat es; und ich bedau­re den unbe­kann­ten Autor dafür, dass er sie nicht erkennt oder zu benen­nen ver­mag.

Ich wür­de übri­gens nie­mals mein Besteck bei Tha­lia kau­fen. Ihr etwa?

Netzfundstücke
„Wahn­sinn, die­se Begier­de“

Den Nach­rich­ten­ag­gre­ga­tor Yones nut­ze ich, seit netzwertig.com im August dar­über berich­tet hat, als eine wei­te­re Quel­le für die täg­li­che Dosis womög­lich rele­van­ter Nach­rich­ten.

Heu­te schei­nen die Macher mit der Dar­stel­lung von Vor­schau­bil­dern (teasern) zu expe­ri­men­tie­ren. Lei­der ging da etwas schief, so dass eini­ge Arti­kel mit dem Bild des dar­über lie­gen­den Arti­kels ange­zeigt wer­den. Oder doch nicht?

Alp­träu­me, Satans­vi­sio­nen, abge­schla­ge­ne Köp­fe: Die Aus­stel­lung „Schwar­ze Roman­tik“ schickt ihre Besu­cher auf eine Zeit­rei­se in die Zwie­licht­zo­ne.

Könnt‘ natür­lich pas­sen.

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz ver­linkt CXXIII: „Es ist ein Stein!“

Falls sich noch jemand fragt, ob die unge­fähr 2 Mil­li­ar­den US-Dol­lar, die die „Curiosity“-Marsmission bis­lang so geko­stet hat, sinn­voll inve­stiert sind: Ja.

Der Nasa-Rover Curio­si­ty hat erst­mals einen Stein auf dem Mars unter­sucht.

Und nicht nur das:

Nach­dem der Robo­ter die Unter­su­chun­gen an dem Stein abge­schlos­sen habe, sei er noch am glei­chen Tag rund 42 Meter gefah­ren, teil­te die Nasa mit.

Lesen Sie mor­gen – oder bei der momen­ta­nen Ent­wick­lungs­ge­schwin­dig­keit frü­he­stens näch­ste Woche – im Han­dels­blatt:

Revo­lu­tio­nä­re Ent­deckung: Es ist ein Stein!


In wei­te­ren Nach­rich­ten: Wer wie Draghi für den Euro kämpft, kämpft für deut­sche Inter­es­sen und deut­sche Arbeits­plät­ze. Ich neh­me an, Peter Bofin­ger fin­det das gut.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz ver­linkt CXXII: „Die­se Anzei­ge ist kei­ne Wer­bung.“

Die Ubun­tu-Macher haben da mal wie­der eine ganz, ganz tol­le Idee gehabt, mit der Micro­soft unter Win­dows 98 (Stich­wort Acti­ve Chan­nel) schon kei­nen dau­er­haf­ten Erfolg hat­te:

[Die] Shop­ping-Lin­se ergänzt die Home-Sei­te des Dash, auf der man bis­lang in einem Rutsch nach Anwen­dun­gen, Datei­en, Musik und Fil­men suchen kann, um die Ergeb­nis­se einer Suche bei Ama­zon. So lie­fert bei­spiels­wei­se die Suche nach Libre­Of­fice im Dash nicht nur die Libre­Of­fice-Anwen­dun­gen, son­dern auch Links auf Libre­Of­fice-Bücher zurück[.]

Anders gesagt: Möch­te man nun die ach so tol­le Such­funk­ti­on von Unity – der scheuß­lich­sten Arbeits­um­ge­bung für X, die mir je im wirk­li­chen Leben begeg­net ist, und ich habe schon vie­les gese­hen – nut­zen, so wer­den nicht nur die (viel­leicht) gesuch­ten Datei­en ange­zeigt, son­dern auch diver­se mehr oder weni­ger „pas­sen­de“ Ergeb­nis­se von Ama­zon. Das Ziel ist es natür­lich, Ubun­tu zu mone­ta­ri­sie­ren, denn bekannt­lich gibt’s bei Ama­zon Pro­vi­si­on abzu­stau­ben. Bei ein paar Mil­lio­nen ent­mün­dig­ten Ubun­tu-Nut­zern – Mark Shut­tle­worth weiß schon, was gut für sie ist – kom­men da schnell ein paar Euro zusam­men.

Und die Nut­zer sol­len sich mal nicht so anstel­len:

Es wür­den weder per­sön­li­che Daten des Users an Ama­zon über­mit­telt noch irgend­wel­che Anzei­gen ange­zeigt – man erhal­te ledig­lich die Ergeb­nis­se einer Ama­zon-Suche nach dem Begriff, der im Dash ein­ge­ge­ben wur­de.

Was da ange­zeigt wird, sind näm­lich kei­ne Anzei­gen, son­dern Ama­zon-Ergeb­nis­se, die per Klick und/oder wahr­schein­lich Aus­wahl zum kom­mer­zi­el­len Anbie­ter Ama­zon füh­ren, wofür Ama­zon angeb­lich immer­hin bezahlt hat. Das sind also kei­ne Anzei­gen, son­dern Wer­be­flä­chen. Das ist ein him­mel­wei­ter Unter­schied! (Ein­mal ganz davon abge­se­hen, dass das Her­un­ter­la­den von Ama­zon-Ergeb­nis­sen wäh­rend einer loka­len Suche bei Mobil­be­trieb eher hin­der­lich ist.)

Immer­hin kann man die Zwangs­be­glückung auf Wunsch nach­träg­lich wie­der los­wer­den. Man könn­te aber auch ein­fach ein bes­se­res Betriebs­sy­stem nut­zen.

(via Nacht­wäch­ter)

In den NachrichtenWirtschaft
Herrn Bofin­ger steht die Angst­schweiz auf der Stirn

WELT Online (ich wei­ge­re mich, den neu­en, beklopp­ten Mar­ken­na­men „DIE WELT“ anzu­er­ken­nen) hat sich ein Buch von Peter Bofin­ger, Öko­nom und Wirt­schafts­wei­ser und somit also Fach­idi­ot, aus­ge­borgt. Die­ser fin­det, wie für WELT Online üblich ganz im Tenor der CDU, den Euro echt pri­ma.

Das schreibt Herr Bofin­ger natür­lich nicht ein­fach so, son­dern er hat einen ganz kon­kre­ten Anlass, den WELT Online immer­hin zu ken­nen glaubt:

Die Deut­schen zwei­feln zuneh­mend an den Vor­tei­len der Euro­päi­schen Uni­on. Zwei von drei Deut­schen wün­schen sich sogar die D‑Mark zurück.

Dass die euro­päi­sche Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on (EWWU) zwar ein Teil der, aber nicht iden­tisch mit der Euro­päi­schen Uni­on (EU) ist, ist ein klei­nes Detail, das hier nicht wei­ter von Bedeu­tung sein, aber mal erwähnt wor­den sein soll. Auch dass die Zwei­fel an der Euro­päi­schen Uni­on zuneh­men und nicht etwa seit Jah­ren auf hohem Niveau sta­gnie­ren, hal­te ich nicht für eine unum­stöß­li­che Wahr­heit. Herr Bofin­ger aber hat da irgend­wo „D‑Mark“ gele­sen, und als sei­ne Schnapp­at­mung nach­ge­las­sen hat­te, hat er ein Buch geschrie­ben. Ärger­lich, erst Frau Schramm, dann Frau Wulff, jetzt auch noch er; in einer Rei­he mit Klas­si­kern wie der Auto­bio­gra­fie von Justin Bie­bers Mut­ter zu nen­nen sind zumin­dest zwei besag­ter Bücher bereits jetzt.

Und aber jeden­falls: Die D‑Mark. Nein: Sogar die D‑Mark! (Dass das Aus­ru­fe­zei­chen im Text fehlt, ist sicher nur ein Flüch­tig­keits­feh­ler.) Das waren wirk­lich dunk­le Zei­ten für die­ses Land: Alles koste­te unge­fähr die Hälf­te (dank Infla­ti­on inzwi­schen noch weit­aus weni­ger). Das waren untrag­ba­re Zustän­de, und wir soll­ten alle froh sein, dass sie geän­dert wur­den von denen, die nur das Beste für uns wol­len.

Natür­lich gibt es euro­päi­sche Län­der, die auch in der Euro-Zeit eine eige­ne Wäh­rung besit­zen und ziem­lich erfolg­reich mit ihr han­deln, etwa die Schweiz, die seit Jah­ren den Glo­bal Com­pe­ti­ti­ve­ness Index, also die Rang­li­ste der wett­be­werbs­fä­hig­sten Staa­ten, anführt. „Schweiz“ scheint auch so ein Reiz­wort für Herrn Bofin­ger zu sein, denn er beeilt sich zu ver­si­chern, dass es der Schweiz mit 3,4 Pro­zent Arbeits­lo­sig­keit, dem welt­weit vier­höch­sten Brut­to­in­lands­pro­dukt pro Kopf (Deutsch­land ist auf dem 20. Rang) sowie einer sta­bi­len Wäh­rung, die sich nur ungern an irgend­wel­chen Kri­sen ori­en­tiert, eigent­lich gar nicht gut geht:

Ohne grö­ße­re Markt­ein­grif­fe hielt sich der Schwei­zer Fran­ken über Jah­re hin­weg recht sta­bil bei rund 1,50 Fran­ken je Euro.

Das hat sich mit dem Aus­bruch der Grie­chen­land-Kri­se im Früh­jahr 2010 grund­le­gend geän­dert. Inner­halb von 15 Mona­ten wer­te­te sich der Schwei­zer Fran­ken so stark auf, dass er im August 2011 die Pari­tät zum Euro zu errei­chen droh­te.

Nach län­ge­rem Zögern zog die Schwei­ze­ri­sche Natio­nal­bank am 6. Sep­tem­ber 2011 die Not­brem­se und kün­dig­te eine Kurs­un­ter­gren­ze von 1,20 Fran­ken pro Euro an. Seit­her bewegt sich der Kurs knapp ober­halb die­ses Ziel­wer­tes. Die Inter­ven­ti­on war im Prin­zip erfolg­reich, aber der Schweiz ist damit nicht wirk­lich gehol­fen.

Die Wäh­rung der Schweiz ist so stark, dass sie sei­tens der Natio­nal­bank zwangs­wei­se gezähmt (und somit geschwächt) wer­den muss. Damit ist der Schweiz „nicht gehol­fen“? Glück­wunsch zu die­ser Erkennt­nis dem Wirt­schafts­wei­sen und etwas Mit­ge­fühl für die Schweiz bit­te!

Was aber, wenn die War­nun­gen der „renom­mier­ten Öko­no­men“ (Peter Bofin­ger über Peter Bofin­ger) in den Wind geschla­gen wer­den? An der D‑Mark hät­ten die Deut­schen sicher­lich kei­ne Freu­de!

Die wie­der­ein­ge­führ­te D‑Mark wür­de (…) über Jah­re hin­weg sehr kräf­tig auf­ge­wer­tet. Da dies die Wett­be­werbs­fä­hig­keit unse­rer Export­wirt­schaft gra­vie­rend beein­träch­ti­gen wür­de, trä­ten als­bald renom­mier­te Öko­no­men auf den Plan, die mas­si­ve Lohn­kür­zun­gen for­der­ten.

Zwei wirk­lich total schreck­li­che Vor­stel­lun­gen tref­fen hier auf­ein­an­der:

  1. Eine eige­ne Wäh­rung wür­de ein­ge­führt, die auf­grund von Markt­ten­den­zen zunächst immer stär­ker wür­de. Eine schau­der­haf­te Vor­stel­lung: Ein Land, des­sen Bür­ger von ihrem Gehalt pro­blem­los leben und sich sogar mal etwas kau­fen kön­nen! Die Fol­ge: Der Wert von Waren wür­de sin­ken, wenn die Kauf­kraft stie­ge. Eine Auf­wer­tung der Wäh­rung wür­de also auto­ma­tisch den Han­del abwer­ten; das heißt, die­je­ni­gen, die sich bis­her exklu­siv Luxus­li­mou­si­nen und Vil­len lei­sten konn­ten, müss­ten ihre Mana­ger­bo­ni mit dem gemei­nen Pöbel tei­len. Und wer teilt schon gern?
  2. Renom­mier­te Öko­no­men (das sind die, die nicht gern tei­len möch­ten) wür­den als­bald pro­te­stie­ren, dass der gemei­ne Pöbel doch bit­te wie­der weni­ger Geld für sei­ne Arbeit bekom­men soll, damit sie jeman­den haben, den sie als Bei­spiel her­an­neh­men kön­nen, um die Aus­wir­kun­gen der Kri­se zu ver­sinn­bild­li­chen.

Die Leu­te könn­ten sich im Inland also mehr kau­fen, wodurch weni­ger für den Export übrig­blie­be. Das wäre uner­träg­lich! – Ich habe irgend­wann ein­mal gelernt, die wich­tig­ste Auf­ga­be des Staa­tes sei es, für das Wohl­erge­hen sei­ner Bür­ger (derer im Inland) zu sor­gen. Das war aller­dings vor der Kri­se. Mir scheint, ich soll­te mein Staats­ver­ständ­nis an das des Herrn Bofin­ger anpas­sen.

Denn wie Wirt­schaft funk­tio­niert, das hat er schon ganz gut ver­stan­den:

Wie in Japan wäre außer­dem zu befürch­ten, dass auf jede Lohn­zu­rück­hal­tung eine neue Auf­wer­tungs­wel­le folgt.

Je weni­ger Geld da ist, desto mehr ist das Geld wert. Wie lan­ge muss man stu­die­ren, bis man für sol­che Erkennt­nis­se einen Buch­ver­trag bekommt? – Ande­rer­seits, mit Blick auf Julia Schramm, … – aber ich schwei­fe ab. Wahr­schein­lich sehe ich das gera­de nur aus der eng­stir­ni­gen Sicht eines Mit­glieds des dum­men Pöbels, der für sein Geld mehr oder weni­ger hart arbei­ten muss, aber ich wäre per­sön­lich durch­aus bereit, das Risi­ko in Kauf zu neh­men, dass das Geld, das ich besit­ze, dazu taug­lich ist, mir davon Sachen zu kau­fen. Es muss ja nicht gleich eine Vil­la sein.

Aber damit wäre der Schweiz wohl auch nicht gehol­fen.

(mit Dank an L.)

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXXII: Dtn 5,17–21

Nicht nur Apple erzählt gera­de lusti­ge Wit­ze (irgend­was mit Inno­va­ti­on oder so), über die wir Android-Nut­zer nur müde lächeln kön­nen, auch Horst See­ho­fer versucht’s mit einer Sati­re:

Der CSU-Chef füg­te hin­zu, er selbst wol­le als Christ auch nicht in sei­nem Glau­ben „ver­letzt wer­den“. Es gebe bestimm­te Berei­che, die eine frei­heit­li­che Gesell­schaft ach­ten soll­te.

Als Christ ste­hen die Zehn Gebo­te natür­lich ganz oben im per­sön­li­chen Wer­te­ka­non. Got­tes­lä­ste­rung ist in römisch-katho­li­scher Zähl­wei­se ein Ver­stoß gegen das 2., Ehe­bruch einer gegen das 6. Gebot. Es gibt bestimm­te Berei­che, die ein Christ ach­ten soll­te.

Oder eben ein­fach mal die Klap­pe hal­ten.

Nerdkrams
Win­dows­an­wen­dun­gen abschot­ten mit EMET

(Vor­be­mer­kung: Es folgt ein lang­wei­li­ger Bei­trag über Sicher­heits­vor­keh­run­gen von Micro­soft Win­dows. Bei Des­in­ter­es­se an die­sem The­ma ist sanf­tes Igno­rie­ren die emp­foh­le­ne Vor­ge­hens­wei­se.)

Das Gejam­mer ist mal wie­der groß:

Das Bun­des­amt für Sicher­heit in der Infor­ma­ti­ons­tech­nik (BSI) hat eine aktu­el­le Sicher­heits­war­nung für den Inter­net Explo­rer von Micro­soft her­aus­ge­ge­gen. Das Amt weist Inter­net­nut­zer auf eine bis­her unbe­kann­te, kri­ti­sche Schwach­stel­le in dem Inter­net-Zugangs­pro­gramm hin.

(Wie man auf etwas hin­wei­sen kann, was „unbe­kannt“ ist, erschließt sich mir nicht.) ‘Win­dows­an­wen­dun­gen abschot­ten mit EMET’ wei­ter­le­sen »

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenparteiWirtschaft
Kurz ver­linkt CXXI: Ver­trau­en, Rase­rei und Julia Schramm

Das mit dem Euro ist gar nicht so schlimm, wir müs­sen nur Ver­trau­en haben:

Der Prä­si­dent des Deut­schen Juri­sten­ta­ges, Mar­tin Hens­s­ler, for­der­te von der Poli­tik (…) mehr Ver­läss­lich­keit, vor allem mit Blick auf die Haus­halts­dis­zi­plin der Mit­glieds­staa­ten. „Bür­gern und Inve­sto­ren fehlt das Ver­trau­en, dass gel­ten­des Recht tat­säch­lich beach­tet wird.“

Dies eigent­lich zu Unrecht, denn bis­lang wur­de jede Rechts­deh­nung zunächst legis­la­tiv zemen­tiert, bevor sie began­gen wur­de. Es muss ja alles sei­ne Rich­tig­keit haben.


Udo Vet­ter jubelt:

Vekehrs­exper­ten von CDU und FDP wol­len Radar­war­ner lega­li­sie­ren. Dabei haben sie offen­bar vor allem Blit­zer-Apps im Auge, wie sie heu­te für jedes Smart­phone und Navi­ga­ti­ons­ge­rät erhält­lich sind. (…) Außer­dem ist es seit lan­gem üblich, dass Radio­sen­der ganz aktu­ell vor Radar­fal­len war­nen. Selbst Poli­zei und Kom­mu­nen geben an vie­len Orten die Mess­or­te auf den eige­nen Inter­net­sei­ten bekannt. (…) Also Dau­men hoch für die­se Idee.

Der prak­ti­sche Nut­zen hin­ter „Blit­zer-Apps“ (und Radar­fal­len­war­nun­gen im Radio) ist es, dass noto­ri­sche Ver­let­zer der Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung wis­sen, wo es bes­ser wäre, sich aus­nahms­wei­se mal an die Regeln zu hal­ten.

Mit der glei­chen Logik soll­te es erlaubt sein, „Strei­fen-Apps“ zu ent­wickeln und zu nut­zen, die Ein­bre­cher war­nen, wenn in der Nähe eine Poli­zei­strei­fe unter­wegs ist. Das dient ja ledig­lich der Infor­ma­ti­on, damit Bür­ger sich siche­rer füh­len, nicht wahr?


Julia Schramm, ihres Zei­chens schreck­lich ner­vi­ge Per­son und der­ma­ßen bekloppt, dass es für den Bei­sitz im Bun­des­vor­stand der Pira­ten­par­tei Deutsch­land genügt hat, hat ein schlech­tes Buch geschrie­ben und fin­det es voll schei­ße, dass es im Inter­net kur­siert. Das mit dem frei­en Kopie­ren von Wer­ken ist eben immer eine Fra­ge des Autors.

Bereits im Novem­ber 2011 schrieb ich:

Tex­te von Julia Schramm zu ver­ste­hen ist nicht leicht.

Offen­sicht­lich hat sich das auch in ihrem Buch nicht grund­le­gend geän­dert. Wer einen Ein­blick bekom­men möch­te, wor­um es in sel­bi­gem geht, der möge auf eige­ne Gefahr auf Sheng Fui die­sen Ein­blick neh­men. Über­ra­schend ist er aller­dings nicht.

Spaß mit Spam
Re: Small­cap-Pro­mo-Mover

Ich habe eine Ant­wort auf eine Mail erhal­ten, an die ich mich nicht erin­nern kann. Nanu! Da muss ich doch gleich mal her­aus­fin­den, was „anto­nio mora­les“ (in Klein­buch­sta­ben) von mir will:

Fir­ma: Secur­Linx Hol­ding Corp (S8X)
Markt: Frank­fur­ter Wert­pa­pier­bor­se
Aktu­el­ler Kurs: .67 Euro Cur­ren­cy
Kurs­ziel: 1.25+ EUR
Ein­stu­fung: 5 Ster­ne
Bewer­tung: 10 von 10
Ein­stu­fung: Strong Buy
Bewer­tung: Sehr stark

Umlau­te, Punkt- und Kom­ma­set­zung sowie auch nur ansatz­wei­se eine Erklä­rung, was man eigent­lich mit der eige­nen Mail beab­sich­tigt, sind natür­lich voll­kom­men über­be­wer­tet. Oder eine Erklä­rung, was ein „Small­cap-Pro­mo-Mover“ genau ist.

Statt­des­sen dies:

Vol­ler Freu­de geben wir heu­te Aus­nah­me­alarm: ein klei­nes Unter­neh­men, Secur­Linx Hol­ding Corp (S8X), das an der Frank­fur­ter Bor­se han­delt.

Alarm gibt man nor­ma­ler­wei­se nicht vol­ler Freu­de, son­dern vol­ler Panik. Ich zum Bei­spiel bin gera­de panisch, weil ich Gefahr lau­fe, vor Lachen zu ersticken. Aber was genau hat das klei­ne Unter­neh­men damit zu tun?

Nicht nur, weil es fur weni­ger als einen Euro han­delt, son­dern weil das Unter­neh­men selbst impo­san­te Regie­rungs­ver­tra­ge hat und gegen­w­ar­tig Logi­stik- und Sicher­heits­ver­tra­ge in dem MaBe abschlieBt, wo vie­le Leu­te sagen: „Das nach­ste gro­Be (sic!) Ding!“

Aha, das Unter­neh­men ist also an der Bor­se Bör­se, weil sei­ne Antei­le weni­ger als einen Euro kosten und die Leu­te es für ein gro­bes Ding hal­ten. Viel­leicht soll­te ich auch an die Bör­se gehen, zum Bei­spiel an mei­ne. Die Vor­aus­set­zun­gen sind offen­bar leicht zu erfül­len.

Apro­pos gro­be Din­ger:

Sanf­te Bio­me­trie ist „das nach­ste gro­Be Ding“ bei der uber­wa­chung

(…)

Die Soft­ware fur bio­me­tri­sche Sicher­heit von Secur­linx ist sowohl fur die effek­ti­ve Arbeit bio­me­tri­scher Gera­te als auch fur die Arbeits­ver­bin­dung zwi­schen einem bio­me­tri­schen Gerat und deBen PC oder Ser­ver eBen­ti­ell (sic!).

Den Rest erspa­re ich euch mal. Der Tenor der Mail lau­tet: Secur­Linx ist wirk­lich toll dar­in, Über­wa­chungs­soft- und ‑hard­ware anzu­bie­ten, und man soll doch bit­te in die­se Fir­ma inve­stie­ren. Abge­se­hen davon, dass ich bezweif­le, dass dies an der Frank­fur­ter Bor­se Bör­se mög­lich ist, bin ich noch nicht davon über­zeugt, dass es sinn­voll ist, Inter­net­nut­zer um Geld für eine Fir­ma zu bit­ten, mit­hil­fe derer Pro­duk­te noch bes­se­re Über­wa­chung mög­lich sein soll.

Inso­fern: Viel Glück, „anto­nio“.

Montagsmusik
Camel – Lady Fan­ta­sy

Und dann mon­tags nach einem Wochen­en­de des Älter­wer­dens, weil’s beim Men­schen eben immer schub­wei­se und nicht per Tag gerech­net oder jeden­falls genannt wird, wird man des Umstan­des gewahr, dass man ab einem gewis­sen Alter ja doch auch die Schön­heit von Melo­dien wür­di­gen soll­te, so lan­ge der Hör­nerv noch mit­spielt, man wird ja auch nicht jün­ger, nech?; und dann also: Camel.

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXX: Gute Mör­der, böse Mör­der

Ein wenig Vor­wis­sen: Isra­el ist zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt kein ordent­li­ches Mit­glied des Mili­tär­bünd­nis­ses NATO, arbei­tet jedoch seit vie­len Jah­ren mit den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka mit dem Ziel zusam­men, die Bezie­hun­gen zur EU und zur NATO zu festi­gen. Ben­ja­min Netan­ja­hu ist der momen­ta­ne Mini­ster­prä­si­dent des Lan­des Isra­el.

Und Ben­ja­min Netan­ja­hu kürz­lich so:

Iran kön­ne womög­lich in sechs bis sie­ben Mona­ten Atom­waf­fen erlan­gen. Das Land wer­de von Fana­ti­kern geführt – die USA müss­ten end­lich eine „rote Linie“ fest­le­gen.

(Her­vor­he­bung von mir.)

Und die NATO über’s Wochen­en­de so:

Blu­ti­ges Wochen­en­de in Afgha­ni­stan: Acht Frau­en sind nach Mili­tär­an­ga­ben bei einem NATO-Luft­an­griff getö­tet wor­den.

Das mit der „roten Linie“ hat da aber jemand sehr wört­lich genom­men.

(via @silvestah)

Musikkritik
Bob Dylan, der Sturm im Was­ser­glas

Zu Bob Dylan hat­te ich bekannt­lich 2010 mei­ne Affi­ni­tät bekun­det.

Nun ist es so, dass Bob Dylans Stil sich über die Jah­re gewan­delt hat, was noch nichts Schlech­tes sein muss. Gegen und kurz nach dem Ende der 1970er Jah­re waren es die Abkehr vom Folk­rock und die Hin­wen­dung zu christ­li­chen Bal­la­den und Coun­try­schei­ße, die die spä­te­ren Wer­ke für mich unin­ter­es­sant mach­ten.

Seit 1988 befin­det sich Bob Dylan auf der „nie­mals enden­den Tour­nee“ und hat sei­nen Stil seit­dem nur wenig geän­dert. Auf­fal­lend aller­dings: Sei­ne Stim­me hat sich gewan­delt, klingt jetzt, je höher er zu sin­gen oder in sei­nem immer noch typi­schen Duk­tus zu erzäh­len ver­sucht, rau und krat­zig wie die von Joe Cocker oder einem drei­ßig Jah­re älte­ren Rod Ste­wart, den ich übri­gens gesang­lich ziem­lich bemer­kens­wert fin­de. Wäh­rend­des­sen hat er (der Herr Dylan) immer noch Zeit, neue Musikal­ben auf­zu­neh­men, neu­er­dings – fünf­zig Jah­re nach dem Debüt­al­bum – also „Tem­pest“, zu Deutsch „Sturm“ oder „Wir­bel­wind“. Wer sich von die­sem Titel ein ener­gie­ge­la­de­nes Feu­er­werk der Rock­mu­sik ver­spricht, ist doof.

Erlaubt mir, den Mythos „eines sei­ner besten Alben“ (Neil McCor­mick) zu ent­zau­bern.

Zunächst das Offen­sicht­li­che: „Tem­pest“ ist kein zwei­tes „Blon­de on Blon­de“. Es ist nicht mal ein zwei­tes „Blood on the Tracks“. Im Wesent­li­chen ist es ein lang­wei­li­ges Blues­rock-/Coun­try-Album eines alten Man­nes, der sein Geld damit ver­dient, sich zu wie­der­ho­len. Das ist nicht so harsch gemeint, wie es geschrie­ben wur­de. Musi­ka­lisch domi­nie­ren aber Blues (klas­sisch in „Ear­ly Roman Kings“, das jeder Gitar­ren­schü­ler nach einer Woche nach­spie­len könn­te) und der scheuß­li­che Coun­try, der die „nie­mals enden­de Tour­nee“ ja seit vie­len Jah­ren domi­niert, was viel­leicht auch den bescheu­er­ten Hut erklärt, den Bob Dylan seit einer Wei­le zu tra­gen pflegt.

Dass aus­ge­rech­net das vier­zehn­mi­nü­ti­ge Titel­stück trotz sei­ner Län­ge ein beson­ders belang­lo­ses Musik­stück ist, in dem Bob Dylan zu einer Schla­ger­me­lo­die (Schla­ger!) eine fik­ti­ve Ver­si­on des Unter­gangs der Tita­nic, ver­wo­ben mit Figu­ren und Ereig­nis­sen aus der eben­falls belang­lo­sen Kino­schnul­ze (etwa mit einem Maler namens Leo), zum Besten gibt, ist ein biss­chen scha­de, denn dane­ben wir­ken die wirk­lich guten Momen­te auf „Tem­pest“ kür­zer als sie es eigent­lich sind. Zu nen­nen wären da etwa das bei­na­he fet­zi­ge Blues­rock­stück „Nar­row Way“, das ener­gie­ge­la­de­ne „Pay in Blood“, das erstaun­lich kopf­nick­bar ist, und das rhyth­mi­sche „Tin Angel“, das sei­nen Bal­la­den aus den Sech­zi­gern nahe kommt.

Wer nun gehofft hat­te, dass wenig­stens die Tex­te, seit jeher ein prä­gen­der Bestand­teil sei­ner Musik, von Ver­fall ver­schont wor­den sind, der soll­te „Duques­ne Whist­le“ bes­ser über­sprin­gen:

I can hear a sweet voice ste­adi­ly cal­ling
Must be the mother of our lord

So ganz ohne Reli­giö­si­tät (und in ande­ren Lie­dern viel Lie­bes­schmalz) geht’s eben nicht, seit Bob Dylan erweckt wur­de, was bes­ser nie­mals hät­te pas­sie­ren sol­len. Eigent­lich, so hat er zu Pro­to­koll gege­ben (in einem Inter­view für den ame­ri­ka­ni­schen „Rol­ling Stone“), woll­te er ein reli­giö­ses Album machen. Aber dazu habe es ihm am Ende an aus­rei­chen­dem Mate­ri­al gefehlt, und so sei nun die­ses her­aus­ge­kom­men. Ver­mut­lich haben wir da noch mal Glück gehabt.

Man ver­ste­he mich nicht falsch: „Tem­pest“ ist gut dafür, was es zu sein ver­sucht. Bob Dylan muss nie­man­dem mehr etwas bewei­sen.
Ande­rer­seits erschließt sich mir der eigent­li­che Wert eines Albums wie „Tem­pest“ nicht. Die Ziel­grup­pe: Christ­li­che US-ame­ri­ka­ni­sche Kon­ser­va­ti­ve? Men­schen, die es schät­zen, zu hören, wie Bob Dylan auf jedem neu­en Musik­al­bum sei­nen hart erar­bei­te­ten Ruf als groß­ar­ti­ger Lyri­ker noch wei­ter zer­stört?

Mir gefällt „Tem­pest“ als Doku­ment – nicht mehr, nicht weni­ger. Mei­ne gele­gent­lich geäu­ßer­te Behaup­tung, alle Stu­dio­al­ben ab „New Mor­ning“ müs­se man weder zumin­dest ein­mal gehört haben noch besit­zen, bewahr­hei­tet sich indes erneut.

Eines sei­ner besten Alben ist „Tem­pest“ jeden­falls nicht. Dafür hängt die Mess­lat­te zu hoch.

Aber das macht nichts.