Sonstiges
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: „Such das Buch“: Wie eine Zei­tung ver­sucht, die Exi­stenz von Druck­wer­ken zu bewah­ren.

Wer sich anstel­le der Musik­in­du­strie ja eigent­lich mal über das Inter­net (wuss­tet ihr übri­gens schon, dass der Trend vor­über ist?) auf­re­gen könn­te, sind die Ver­la­ge. Die Wochen­end­aus­ga­be der gedruck­ten „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“ fin­det das auch und trägt unter der Über­schrift „Such das Buch“ daher mal etwas dazu bei:

In Buch­lä­den gibt es jetzt Bade­kon­fet­ti, Haar­bür­sten, Figu­ren aus Lego und Besteck­sets – nur Bücher gibt es immer weni­ger.

Das lie­ge dar­an, dass gro­ße Buch­han­dels­ket­ten den Plan gefasst hat­ten, bis zu drei­ßig Pro­zent ihres Sor­ti­ments mit soge­nann­ten Non-Books bestücken zu wol­len; Nicht­bü­chern also, die man so nennt, weil es kei­ne Bücher sind. „Soge­nann­te Non-Books“ fin­de ich aber noch ein biss­chen schö­ner, weil es neben­bei den Sprach­ver­fall kri­ti­siert, wofür ich den unbe­kann­ten F.A.Z.-Autor an die­ser Stel­le ein­mal herz­lichst vir­tu­ell drücken möch­te.

Nun lese ich öfter Zeit­schrif­ten und sogar Tages­zei­tun­gen als Bücher, weil mir dann Zeit für wich­ti­ge­re Din­ge (zum Bei­spiel Musik) feh­len wür­de. Das lässt mich aller­dings nicht die offen­sicht­li­chen Par­al­le­len zwi­schen Musik­da­tei­en und elek­tro­ni­schen „Büchern“ über­se­hen. (Sie­he hier­zu mei­ne im Mai 2011 geäu­ßer­te Kri­tik an letz­te­ren.) Tat­säch­lich haben Bücher vie­le Eigen­schaf­ten, die kein „E‑Book“ jemals haben wird. Abge­se­hen von dem Gefühl und dem Geruch beim Lesen eines papier­nen Buches sieht es auch im Bücher­re­gal bes­ser aus als eine SD-Kar­te oder ein USB-Stick – ganz gleich, wie viel Platz die­se ein­spa­ren wür­den. Ein elek­tro­ni­sches „Buch“ fühlt sich falsch an.

Dies hät­te man natür­lich erwäh­nen kön­nen. Hat man aber nicht. Statt­des­sen:

Mit [dem] Erfolg [von E‑Book-Autoren] kam auch der Wunsch nach Aner­ken­nung im alten System – ganz so, als hät­te das Buch noch immer Eigen­schaf­ten, auf die nie­mand ver­zich­ten will: als Auto­ri­tät, als eine (sic!) Medi­um der Ver­tie­fung, als ein revo­lu­tio­nä­rer Akt.

Ja, die hat es; und ich bedau­re den unbe­kann­ten Autor dafür, dass er sie nicht erkennt oder zu benen­nen ver­mag.

Ich wür­de übri­gens nie­mals mein Besteck bei Tha­lia kau­fen. Ihr etwa?