Eigenartige Forderungen werden da an das grauenvolle “Musiker”-Duo Kool Savas und Xavier Naidoo herangetragen. Für diejenigen unter meinen Lesern, die es geschafft haben, ihr Leben lang beiden Künstlern zu entfliehen, fasse ich beider Schaffen einmal kurz zusammen:
Bei Kool Savas handelt es sich um einen Rapper, der sich selbst als “König des Rap” bezeichnet, vegetarisch lebt, Projekte zur Jugendförderung unterstützt und auch sonst sein anscheinend Möglichstes tut, um bei Töchtern aus gutem Hause gut anzukommen. Xavier Naidoo ist sozusagen sein Soulpop-Gegenstück, bekannt geworden mit gottesfürchtigem Zeigefingerschwingen und schrecklichen Liedern wie “Nicht von dieser Welt”, “Wo willst du hin?” (mit der grammatikalisch falschen Textstelle “… denn es macht jetzt keinen Sinn …”) und “Dieser Weg”.
Irgendein übler Zwischenfall hat beide Solisten dazu veranlasst, ein gemeinsames Album namens “Gespaltene Persönlichkeit” aufzunehmen; ein Name, der wirklich total gut passt. Noch besser wäre allerdings “Nur mit der Gabel auf dem Teller zu kratzen ist schöner” gewesen; nun, eventuell wird ja das zweite Album so heißen.
Dabei sorgte doch bereits das Debüt für einigen Trubel. Zwei Monate nach Veröffentlichung — hat vermutlich so lange gedauert, sich das Geld für das Album zusammenzubetteln — stellte die Linksjugend (“eine unbabhängige [sic!] Jugendorganisation der Partei Die Linken” [sic!], meinrap.de, so unabhängig dann eben doch nicht) wegen “Homophobie und Gewaltverherrlichung” Strafanzeige gegen die beiden “Künstler”. Der Grund ist das letzte Stück auf dem Album, in dem es unter anderem in bekannt kulturell anspruchsvollem Duktus heißt:
Ich schneide euch jetzt mal die Arme und die Beine ab und dann fick ich euch in’n Arsch, so wie ihr’s mit den Kleinen macht. (…) Warum liebst du keine Möse? Weil jeder Mensch doch aus einer ist.
Wo sind unsere Helfer? Unsere starken Männer? Wo sind unsere Führer? Wo sind sie jetzt?
Der Vorwurf der Homophobie ist insofern schon mal von vornherein entkräftigt, denn die Ankündigung, eine Person ungenannten Geschlechts in’n Arsch zu ficken, zeugt vom Gegenteil. Daran ändert auch die rhetorische Frage “Warum liebst du keine Möse?” nichts, die allerdings an dieser Stelle deplatziert wirkt: Natürlich lieben manche Kinderschänder auch Mösen, sonst würden sie sich ja lediglich an Knaben vergehen.
Das mit der Gewaltverherrlichung hat die zuständige Staatsanwaltschaft jetzt auch mal verworfen:
Die Behörde sieht jedoch weder den Vorwurf der Volksverhetzung gerechtfertigt, (sic!) noch einen Aufruf zur Gewalt. „Zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für die Begehung von Straftaten“ lägen nicht vor, hieß es am Donnerstag.
Naiv, sagt ihr? Nein, naiv ist, was der drollige Herr Naidoo zur Causa zu sagen hat:
Auch der Satz „Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“, ruft Kritik hervor. Naidoo erklärte, der Ruf gelte natürlich „unseren aktuellen Führern“, also den Verantwortlichen in Politik, Medien und bei den Ermittlungsbehörden. „Es ist mir unverständlich, wie man das falsch interpretieren kann.“
Ich bin davon überzeugt, dass die NPD sich das auch manchmal fragt.
Aber zurück zum Anfang, nämlich zu den eigenartigen Forderungen: Klaus Jetz, der Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland, gab zu Protokoll, die beiden “Musiker” müssten den Song zurücknehmen. So wenig ich auch von schlechter “Musik” halte, so affig finde ich das prinzipiell doch. Ein wie auch immer geartetes Lied kann man ebenso wenig “zurücknehmen” wie bereits erfolgte Taten oder getätigte Aussagen. Wer heute etwas zurücknimmt, kann morgen genau so gut die Rücknahme zurücknehmen. Das wäre feige.
Viele Menschen haben viel Dummes gesagt und getan, von religiöser Verfolgung bis zu Weltkriegen. Könnten sie es zurücknehmen, wäre die Welt vielleicht eine andere, aber wahrscheinlich keine bessere. Die Nachhaltigkeit des eigenen Tuns würde verpuffen. Und das wäre alles andere als wünschenswert.
Sich von sich selbst zu distanzieren ist kein Zeichen von wahrer Größe, sondern von, nun, gespaltener Persönlichkeit. Vielleicht ist diese Forderung in diesem einen Fall doch nur die logische Konsequenz.
Die Linksjugend hat den Herren Savas und Naidoo übrigens einen großen Gefallen getan: Ohne ihre Anzeige hätten viele Leute das gemeinsame Schaffen nicht einmal bemerkt. Das wäre wirklich schön gewesen.


“[…]ein gemeinsames Album namens „Gespaltene Persönlichkeit“[…]”
“Sich von sich selbst zu distanzieren ist kein Zeichen von wahrer Größe, sondern von gespaltener Persönlichkeit.”
RIECHT HIER SONST NOCH JEMAND EINEN PLAN?
Oh, verdammt! Das ist mir ganz entgangen.
Werde das dann mal umformulieren müssen.
Hallo (Absichtlich unter diesem Beitrag)
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Guten Tag, Frau Vogelfuß. ;-)
Ich protestiere energisch gegen diesen Aufruf.
:oops: na gut
Brav. (Das war einfach.)