NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Kurz verlinkt CXXVIII: Von Institutionen und Piraten

Ah, endlich passiert mal wieder was in Deutsch­land. Ich hat­te schon ange­fan­gen, mich zu lang­weilen. Es gibt mächtig Zoff in der Medi­en­land­schaft.

Die Pirat­en zum Beispiel — ich selb­st tre­ffe auf Parteita­gen eigentlich über­wiegend fried­fer­tige, har­moniewil­lige Gestal­ten — lassen Johannes Pon­ad­er endlich mal in Ruhe und schießen sich stattdessen wieder ein­mal auf die Recht­en ein. Dass sie dabei die ein­sti­gen Ide­ale (Achtung, unge­wollt nautis­che Meta­pher fol­gt!) über Bord wer­fen wie einst die ehe­mals paz­i­fistis­chen Grü­nen, inter­essiert sie dabei nur wenig:

Befind­en sich die Pirat­en auf einen weg in die total­itäre Ecke?

Das ist nur ein­er der Gründe, wieso ich trotz (oder eben wegen) mein­er Mit­glied­schaft hoffe, dass die Piraten­partei bis auf Weit­eres keinen Einzug in den Bun­destag schaf­fen wird: Wenn schon intern die größten Schrei­hälse die Mei­n­ung­shoheit an sich reißen, ist es dann wirk­lich rat­sam, deren Bühne auch noch auf Bun­de­sebene auszuweit­en? Daran ändert auch eine FlauschCon nichts:

Unflauschiges Ende der #flauschcon: Boden und Wände ruiniert, Möbel gestohlen, explodierende Kosten, Rechtsstre­it

Pirat­en sind eben auch nur Men­schen.


Mit Wat­te­bäuschchen bew­er­fen sich der­weil auch Mit­glieder der deutschsprachi­gen Wikipedia und Autoren des lib­eralen Mag­a­zins “eigen­tüm­lich frei”:

Was für ein Pro­fil muss ein Wikipedia-Autor haben? Er erzeugt kein Wis­sen, er sam­melt es. Er durch­bricht keine For­men, er füllt sie. Er stellt keine Kat­e­gorien in Frage, er ord­net sie. Er for­muliert nicht präg­nant, son­dern er zitiert präg­nante For­mulierun­gen. Er steigt in der Benutzer­hier­ar­chie nicht durch Wag­nis und Tabubruch auf, son­dern durch Fleiß und Wohlver­hal­ten. (…) Ein Wesen aus der zweit­en Dimen­sion find­et das Gerede von der „Kugel“ auch äußerst dubios.

Den Spruch werde ich beizeit­en mal klauen.


Apro­pos “Men­schen, die die Welt um sich herum nicht ver­ste­hen”: Der “Stern” — so etwas wie eine Kreuzung aus BILD und SPIEGEL — macht ger­ade das mit dem Urhe­ber­rechts­getrolle und lässt die F.D.P. verk­la­gen, weil diese im Sinne der “Trans­parenz” (das Wort haben sie ver­mut­lich von den Pirat­en gel­ernt) einen Fra­genkat­a­log über zweifel­hafte Geschäfte von parteina­hen Fir­men, den man ihr seit­ens des “Sterns” zugeschickt hat­te, mit­samt den Antworten ins Inter­net gestellt hat.

Die Begrün­dung mit dem Urhe­ber­recht greift aber zu kurz:

Nehmen wir an, Herr Tillack hat durch Recherche her­aus­ge­fun­den, dass in meinem Keller eine Leiche sein soll. Wenn er mich, jour­nal­is­tisch kor­rekt, mit diesem Vor­wurf kon­fron­tiert, habe ich natür­lich die Möglichkeit, schnell noch in die Offen­sive zu gehen und selb­st der Öffentlichkeit in meinen eige­nen Worten mitzuteilen, dass da eine Leiche in meinem Keller ist, um der Enthül­lung die Wucht zu nehmen und als erstes die Deu­tung­shoheit zu haben.

Das mag für einen Jour­nal­is­ten ärg­er­lich und frus­tri­erend sein, aber das ist so.

Ob die Papierzeitungsin­dus­trie ihren Nieder­gang (jüng­stes Opfer des bösen, bösen Inter­nets ist die Frank­furter Rund­schau) aufhal­ten kann, wenn sie Aller­welts­floskeln als geistiges Eigen­tum zu ver­sil­bern ver­sucht, weiß ich nicht. Aber es ist mir auch egal — der “Stern” ist mir als Leser ein­fach zu boule­vardesk.


Vielle­icht würde einiges davon nicht geschehen, wenn die alten Insti­tu­tio­nen sich endlich der neuen gesellschaftlichen Real­ität anpassen wür­den. Stattdessen erwarten sie von der gesellschaftlichen Real­ität etwas Ent­ge­genkom­men. Das kann nicht funk­tion­ieren.

Der schnelle gesellschaftliche Wan­del hat eine Insti­tu­tio­nenkrise verur­sacht, die in der dig­i­tal­en Welt am deut­lich­sten zu beobacht­en ist.

Ich empfehle — völ­lig unab­hängig davon, dass er von Sascha Lobo geschrieben wurde — ver­link­ten Artikel in Gänze zu lesen.


Einen noch, da wir oben bei Urhe­ber­rechts­getrolle waren: Die Leute von Sam­sung holen sich dann mal die Prozesskosten von Apple zurück, indem sie die Prozes­soren — und somit einige Apple-Geräte — teur­er machen. Tja.