In den NachrichtenNerdkramsPiratenpartei
Die Pira­ten Frei­burg im Kampf gegen objek­ti­ve Erwä­gun­gen

Wohin es führt, wenn die Abwä­gung vor­geb­lich frei­er gegen pro­prie­tä­re Soft­ware von Poli­ti­kern anstel­le von EDV-Fach­leu­ten über­nom­men wird, ist die­ser Tage am Bei­spiel der Frei­bur­ger Pira­ten­par­tei zu sehen. In Frei­burg näm­lich wur­de jüngst vom Gemein­de­rat beschlos­sen, dass das ein­ge­setz­te OpenOffice.org in der Stadt­ver­wal­tung wie­der durch das zuvor instal­lier­te Micro­soft Office, aller­dings in einer neu­en Ver­si­on, ersetzt wer­den soll.

Das war kei­ne ein­stim­mi­ge Ent­schei­dung:

Mit 25 zu 20 Stim­men beschlos­sen CDU, SPD, Freie Wäh­ler und zwei Mit­glie­der der Grü­nen heu­te die Rück­kehr zu Micro­soft.

Die voll­stän­di­gen Begrün­dun­gen für die Abkehr sind mir nicht bekannt, die SPD hat sich aber eine recht ori­gi­nel­le aus­ge­dacht:

Die SPD begrün­de­te zum Ent­set­zen anwe­sen­der Sach­ver­stän­di­ger ihre Ent­schei­dung mit Bei­trä­gen aus dem in IT-Krei­sen als legen­där unsach­lich bekann­ten Hei­se-Forum.

Das ist an sich noch nicht schlimm.

Schlimm fin­de ich hin­ge­gen das Bohei, das die Frei­bur­ger Pira­ten nun um die­se For­ma­lie machen. Direkt­kan­di­dat André Mar­tens gibt hier­zu dies zu Pro­to­koll:

Nun ent­steht der Ein­druck, die ein­ge­setz­te Open Source Soft­ware (sic!) sei nicht gleich­wer­tig, was defi­ni­tiv falsch ist.

Das stimmt, denn im Gegen­satz zu Micro­soft Office wird OpenOffice.org gegen­wär­tig kaum bis gar nicht mehr wei­ter ent­wickelt, da das Gros der Ent­wick­ler zum Libre­Of­fice-Pro­jekt abge­wan­dert ist. Lie­ber freie und schein­to­te als pro­prie­tä­re und aktiv gepfleg­te Soft­ware also soll in der Stadt­ver­wal­tung ein­ge­setzt wer­den. Ja, so sieht das aus mit dem Fort­schritt.

Der­sel­be André Mar­tens hat­te auch vor einer Woche noch vor Micro­soft Office gewarnt:

„Unab­hän­gig von der Kosten­sei­te ist das Set­zen auf offe­ne Datei­for­ma­te auch ein Garant für die dau­er­haft mög­li­che Archi­vie­rung von Doku­men­ten. Der Aus­tausch von Daten ist beim pro­prie­tä­ren Micro­soft-For­mat sogar zwi­schen ver­schie­de­nen Ver­sio­nen der Micro­soft Office-Pro­duk­te mit Pro­ble­men behaf­tet. Eine wirk­li­che Zukunfts­si­cher­heit ist damit nicht gege­ben“, so Mar­tens wei­ter.

…, wäh­rend das Pro­blem, dass zum Bei­spiel Libre­Of­fice 3.6 gele­gent­lich in kom­ple­xe­ren Open­Do­cu­ment-Datei­en, die mit Libre­Of­fice 3.5 gespei­chert wur­den, das Lay­out zer­stört, natür­lich nicht gegen Zukunfts­si­cher­heit spricht.

Die Archi­vie­rung von Doku­men­ten der öffent­li­chen Ver­wal­tung, die in Baden-Würt­tem­berg gesetz­lich vor­ge­schrie­ben ist, wäre mit dem ISO-zer­ti­fi­zier­ten Open­Do­cu­ment-Stan­dard wesent­lich sinn­vol­ler umzu­set­zen als mit dem pro­prie­tä­ren Micro­soft-For­mat.

Das „pro­prie­tä­re“ Office-Open-XML-For­mat, das Micro­soft Office seit „Ver­si­on“ 2007 stan­dard­mä­ßig nutzt, ist seit 2008 eben­falls ISO-zer­ti­fi­ziert. Aber war­um soll­te man sich mit sol­chen Fein­hei­ten her­um­schla­gen, wenn es um die gute Sache geht?

Put­zig, die­se Pira­ten Frei­burg.

Senfecke:

  1. Das […] Office-Open-XML-For­mat, das Micro­soft Office […] nutzt, ist […] ISO-zer­ti­fi­ziert.

    Soweit so kor­rekt. Es ist aber noch ein klei­ner Unter­schied, ob ein For­mat mit (afair) 8000 A4-Sei­ten vol­ler Bull­shit-bin­go beschrie­ben wird, oder sich wie bei OO/-ODF auf die Funktionen/Relationen beschränkt.
    Gut, das hat der geschätz­te Herr Pirat SO nicht gesagt (und gemeint schon gar nicht, sonst wäre er nicht in der Par­tei), aber der Voll­stän­dig­keit hal­ber … wis­sen­schon

    • … was an dem Umstand, dass es sich nicht um ein „pro­prie­tä­res For­mat“ han­delt und die Frei­bur­ger Pira­ten somit gezielt Des­in­for­ma­ti­on ver­brei­ten, um ein totes Pro­jekt zu för­dern, nichts ändert.

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