PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXL: Das Inter­net war voll.

Zur SPD einer­seits und zu Frau Mei­ritz vom „SPIEGEL“ ande­rer­seits möch­te ich mich übri­gens nicht wei­ter äußern, behin­der­te Kin­der und Frau­en schubst man als anstän­di­ger Mensch nicht.

Statt­des­sen wäre das hier fast unbe­merkt an mir vor­bei­gerauscht: Der CDU-Bun­des­tags­frak­ti­ons­vi­ze­vor­sit­zen­de (tol­ler Titel übri­gens) Micha­el Fuchs hat bezüg­lich sei­ner frü­he­ren Beschäf­ti­gung bei einer irgend­wie mit dem bri­ti­schen Geheim­dienst ver­floch­te­nen Fir­ma gelo­gen, weil die ent­spre­chen­de Spal­te in der Excel­ta­bel­le zu klein war.

In den Excel­li­sten sei der kom­plet­te Name “Hak­luyt & Com­pa­ny” auf­grund von “Platz­grün­den” abge­kürzt wor­den. Feh­len­der Platz in einer Excel­li­ste – das klingt in etwa so schlüs­sig wie die Aus­sa­ge “das Inter­net ist voll”.

Jetzt ver­sucht Micha­el Fuchs, die­sen Umstand anwalt­lich zu ver­schlei­ern. Natür­lich – wer möch­te schon zuge­ben, dass er in der CDU ist nicht mal Text voll­stän­dig in eine Excel­ta­bel­le bekommt? Ich wüss­te aller­dings wirk­lich gern, auf wel­cher gesetz­li­chen Grund­la­ge der Anwalt argu­men­tiert hat. So weit ich weiß, ist Dumm­heit noch nicht straf­bar.

Scha­de eigent­lich.

(via Nacht­wäch­ter)

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXXXIX: Inner­par­tei­li­che Demo­kra­tie

Weil Demokratie nicht funktioniertIn Nie­der­sach­sen über­schla­gen sich die Ereig­nis­se kurz vor der anste­hen­den Land­tags­wahl gera­de­zu. Nun ist eine pro­mi­nen­te „Sozi­al­de­mo­kra­tin“ (merk­wür­di­ge, aber histo­risch begrün­de­te Eigen­be­zeich­nung von SPD-Mit­glie­dern) zur Links­par­tei gewech­selt, weil sie gegen Doris Schrö­der-Köpf, Pio­nie­rin der Pfer­de­wit­ze, ver­lo­ren hat. Dies aber wohl nicht ganz zu Recht:

Nach dem Votum der fünf Orts­ver­ei­ne hat­te Leu­sch­ner zwar mit 21 zu 19 Stim­men zunächst vorn gele­gen, die Dele­gier­ten hat­ten sich aber nicht an die­se Ent­schei­dung gebun­den gefühlt. Sie hat­ten Leu­sch­ner am Ende nur 14 Stim­men gege­ben.

(Falls noch jemand Grün­de brauch­te, war­um das Dele­gier­ten­sy­stem sel­ten eine gute Idee ist.)

Und was sagt der „Spit­zen­kan­di­dat“ der SPD zu die­sem Vor­fall? Ach, das sei doch alles nicht so schlimm. Demo­kra­tie sei auf Sozi­al­de­mo­kra­tisch eben nicht unbe­dingt das mit der Mehr­heit.

„Die Kan­di­da­ten­kür sei nach allen Regeln der inner­par­tei­li­chen Demo­kra­tie ver­lau­fen, sag­te dage­gen Weil. „Wer das nicht akzep­tiert, der hat ganz am Ende ein Pro­blem mit der Demo­kra­tie.“

„Inner­par­tei­li­che Demo­kra­tie“. Den Begriff soll­te man sich mer­ken.

NetzfundstückePersönlichesPolitik
Alles Käse, die Ästhe­se.

Dass das Schön­heits­emp­fin­den der Gesell­schaft sich in den letz­ten Jahr­zehn­ten nicht zum Bes­se­ren gewen­det hat, habe ich ja hier bereits des Öfte­ren the­ma­ti­siert. Zusam­men­fas­send sei wie­der­holt: Der momen­ta­nen modi­schen und ideel­len Ent­wick­lung von Schön­heits­idea­len kann ich nichts abge­win­nen. Ich bin ein visu­el­ler Mensch; ande­re mögen es ober­fläch­lich nen­nen.

Die mensch­li­che Spe­zi­es ist eine von jahr­tau­sen­de­al­ten Instink­ten getrie­be­ne. Ein brei­tes Becken bei Frau­en signa­li­siert die Fähig­keit, reich­hal­ti­gen Nach­wuchs zu gebä­ren, was erklä­ren könn­te, war­um Frau­en mit dicken Hin­tern zu den mei­s­t­umwor­be­nen gehö­ren. Ande­re Fak­to­ren? Der Geruch, die Bewe­gung, die Stim­me, der Intel­lekt. Ein even­tu­ell anschau­li­ches Bei­spiel ist Sabi­ne Leu­theu­sser-Schnar­ren­ber­ger. Ich habe nie­mals an Sabi­ne Leu­theu­sser-Schnar­ren­ber­ger gero­chen, sie nie gese­hen und nie gehört, mich nie mit ihr unter­hal­ten. Ich bin jedoch, wie bereits erwähnt, ein visu­el­ler Mensch, und da Frau Leu­theu­sser-Schnar­ren­ber­ger für jeden­falls mich optisch in kei­ner Wei­se anspre­chend ist, gehe ich fest davon aus, dass ich ihr, bäte sie mich um ein Ren­dez­vous, einen Korb gäbe. War­um gera­de Sabi­ne Leu­theu­sser-Schnar­ren­ber­ger? Geduld, das erklärt sich mög­li­cher­wei­se gleich von selbst.

Denn nicht nur ich bin ein visu­el­ler Mensch, die Viel­zahl der Män­ner scheint es zu sein. Wie sonst kön­nen sich Dut­zen­de Tit­ten­heft­chen seit Jah­ren, gar Jahr­zehn­ten auf dem hart – hehe, „hart“ – umkämpf­ten Markt hal­ten? Geruch, Bewe­gung, Stim­me, Intel­lekt der abge­bil­de­ten Per­so­nen sind nicht von Belang. Irgend­wo muss man die Mess­lat­te – hehe – ja anset­zen.

Bei Men­schen, die sich selbst zur Kli­en­tel besag­ter Heft­chen zäh­len, ist beim Betrach­ten der­sel­ben ledig­lich das Sehen von Belang, und das ändert sich auch nicht, wenn die­se Heft­chen irgend­was mit Poli­tik machen. Das Tit­ten­heft­chen „Play­boy“ etwa ließ jüngst ermit­teln, wel­che deut­sche Poli­ti­ke­rin auf die Umfra­ge­teil­neh­mer den größ­ten visu­el­len Reiz aus­übe. (Ohne die Ori­gi­nal­be­fra­gung zu ken­nen, neh­me ich an, dass die Fra­ge­stel­lung unge­fähr „Mit wel­cher deut­schen Poli­ti­ke­rin wür­den Sie am lieb­sten mal in die Kiste hüp­fen?“ lau­te­te.)

Nun kann mir nie­mand glaub­wür­dig erklä­ren, inwie­fern das die Wäh­ler­gunst nicht beein­flus­sen soll. Poli­tik­ver­dros­sen­heit in Hoch­glanz­bil­dern bleibt Poli­tik­ver­dros­sen­heit. Mei­ne per­sön­li­che Favo­ri­tin stand ver­mut­lich nicht zur Wahl und kommt nur aus die­sem Grund nicht ein­mal vor, die Rang­li­ste ist ent­spre­chend unauf­re­gend.

Die Vor­zei­ge-Pira­tin Mari­na Weis­band und Sahra Wagen­knecht von der Links­par­tei sind laut einer Umfra­ge die attrak­tiv­sten Poli­ti­ke­rin­nen Deutsch­lands.

„Vor­zei­ge-Pira­tin“, Schnick­schnack; die Pira­ten­par­tei zeigt nie­man­den vor, auch dann nicht, wenn die Pres­se nach einer reprä­sen­ta­ti­ven Pira­ten­frau fragt. (Es scheint ja immer noch die Vor­stel­lungs­kraft der Boulevard-„Journalisten“ zu über­stei­gen, wenn sie auf Par­tei­ta­gen der Pira­ten­par­tei eine Frau ohne männ­li­che Füh­rung sehen.) Bemer­kens­wert ist hier das Wort „attrak­tiv“, denn Attrak­ti­on ist nicht nur ein auf’s Visu­el­le bezo­ge­ne Begriff. Ob das die Teil­neh­mer wuss­ten?

Die übri­gen Resul­ta­te las­sen mich dar­an zwei­feln:

Nur drei Pro­zent der Befrag­ten nann­ten Ange­la Mer­kel (CDU) als „sexie­ste Pol­ti­ke­rin“ (sic!), Schluss­licht wur­de die Bun­des­vor­sit­zen­de der Grü­nen, Clau­dia Roth, mit nur einem Pro­zent Zustim­mung.

„Sexy“ näm­lich ist schon etwas ganz ande­res als „attrak­tiv“. Auf die Grund­be­deu­tung redu­ziert heißt der zitier­te Satz: Etwa 30 von ein­tau­send Män­nern wür­den von allen deut­schen Poli­ti­ke­rin­nen am lieb­sten eine Nacht mit Ange­la Mer­kel ver­brin­gen, etwa 10 mit Clau­dia Roth. (Das sind – mal kurz die Hand aus der Hose und mit­rech­nen – weni­ger als 30. Das möch­te ich nur noch mal beto­nen.)

Zwei­fels­oh­ne hat Ange­la Mer­kel von bei­den Schluss­lich­tern die ange­neh­me­re Stim­me. Mir per­sön­lich wür­de das aber nicht rei­chen.

Ich bin ein visu­el­ler Mensch. Ich fin­de Lind­say Lohan, Miley Cyrus, Scar­lett Johans­son und die ande­ren Schab­racken geschminkt zu künst­lich und unge­schminkt zu häss­lich. Ich fin­de die sexiest woman ali­ve – Mila Kunis – unge­fähr so anzie­hend wie einen Schup­pen­dra­chen­fisch. Trotz alle­dem stel­le ich kei­ne Rang­li­ste der attrak­tiv­sten Poli­ti­ker auf. Es ist mir voll­kom­men gleich­gül­tig, in wel­cher Par­tei eine hüb­sche Frau ist, wie es mir eben auch egal ist, ob eine Poli­ti­ke­rin, die viel Gutes und Wah­res sagt, gut aus­sieht oder nicht. Ich wer­de nie­mals die CDU wäh­len, obwohl Kri­sti­na Schrö­der es auf Platz 3 geschafft hat.

Und ich möch­te, das will ich hier­mit aus­drück­lich beto­nen, nicht mit Ange­la Mer­kel schla­fen.

In den Nachrichten
Die­se Wich­ser!

Frü­her, lan­ge vor „Twilight“ und „Har­ry Pot­ter“, spra­chen Prot­ago­ni­sten in Kin­der­bü­chern noch sturz­frei­es Deutsch. Pip­pi Lang­strumpf unter­hielt sich fröh­lich nicht etwa mit der Toch­ter des afro­ame­ri­ka­nisch­stäm­mi­gen Königs, son­dern mit der Neger­prin­zes­sin im Taka-Tuka-Land, und Kin­der, die ihre Schu­he nicht wich­sen woll­ten, beka­men eine gewichst.

Mit der Neger­kö­ni­gin ist es schon lan­ge vor­bei, der Thie­ne­mann-Ver­lag („Thie­ne­mann Ver­lag“, sau­doo­fer Name) arbei­tet nun oben­drein an einem Wichs­ver­bot:

Der Stutt­gar­ter Thie­ne­mann Ver­lag streicht das Wort „wich­sen“ aus den Kin­der­buch­klas­si­kern Otfried Preuß­lers. In einer Erklä­rung heißt es, dass Kin­der die­sen Begriff heu­te nicht mehr im Sinn von „put­zen“, „polie­ren“ ken­nen wür­den oder gar als Syn­onym für die Prü­gel­stra­fe. Frü­her aber sei­en Stie­fel „gewichst“ wor­den – und Kin­der wur­den „durch­ge­wichst“. In die­sem spe­zi­el­len Fall, so der Ver­lag, „erscheint es uns sinn­voll, dar­aus ‚ver­hau­en‘ zu machen.“

In jedem ande­ren Fall wird der Ver­lag künf­tig von „von der Pal­me wedeln“ spre­chen, neh­me ich an. Inter­es­san­te Schul­hof­ge­sprä­che sind denk­bar: „Gib uns dein Pau­sen­brot, oder du wirst gewichst!“ – Ach nein, Pau­sen­brot sagt man ja heu­te auch nicht mehr. Pau­sen­dö­ner viel­leicht.

Die für den Sprach­wan­del zustän­di­gen Mit­ar­bei­ter des Thie­ne­mann-Ver­lags („Thie­ne­mann Ver­lag“, noch­mals; ernst­haft‽) haben womög­lich selbst kei­ne Kin­der. Ich hof­fe dies instän­dig. Ein nor­ma­les Kind, das alters­mä­ßig der Grup­pe derer ange­hört, die die Kin­der­buch­klas­si­ker Otfried Preuß­lers (Thie­ne­mann-Ver­lag [„Thie­ne­mann Ver­lag“, kann doch nicht wahr sein] über sel­bi­ge) übli­cher­wei­se lesen, kennt das Wort „wich­sen“ nicht, weder als Prü­geln noch als Ona­nie­ren, sofern elter­li­che Auf­merk­sam­keit nicht fehl­te. Feh­len­de elter­li­che Auf­merk­sam­keit durch poli­tisch kor­rek­te – was an „wich­sen“ poli­tisch inkor­rekt ist, möge mir ein Klü­ge­rer erklä­ren – Spra­che kom­pen­sie­ren zu wol­len hal­te ich für wenig sinn­voll.

Klar ist aller­dings: Wenn die­se Sprach­ver­dre­her mir auf der Stra­ße begeg­nen, werd‘ ich auch mal wen durch­wich­sen.
Dann gibt’s a Fotzn!

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXXXVIII: Ein­mau­ern hätt‘ viel­leicht gehol­fen

Wofür wir mehr Über­wa­chung brau­chen? Na, um Ver­bre­chen zu ver­hin­dern!

Zum Bei­spiel die­ses:

Er soll ein sie­ben­jäh­ri­ges Mäd­chen miss­braucht haben, nur vier Mona­te nach dem Ende sei­ner Siche­rungs­ver­wah­rung. (…) Andre­as R. trug eine Fuß­fes­sel.

Natür­lich: Fuß­fes­seln tau­gen nix, Ver­ge­wal­ti­gen würd‘ auch funk­tio­nie­ren, wenn die Bei­ne kom­plett ab wären.

Viel­leicht hät­te man Herrn R. statt­des­sen eine Kame­ra an den Penis nähen sol­len. Oder gleich zehn davon. Viel hilft viel, sagt die Regie­rung.

Netzfundstücke
Schon TAZahlt?

Die Voll­pro­fis des Tages „arbei­ten“ bei der „tages­zei­tung“. Deren Web­auf­tritt taz.de wird von einer paywall umhüllt, das heißt, wer einen Arti­kel dort (etwa den hier) lesen möch­te, der wird zunächst ange­bet­telt. Löb­lich: Man kann’s weg­klicken.

Schon TAZahlt?

Wirk­lich doof nur, dass man über den Wert des Arti­kels kei­ne zuver­läs­si­gen Aus­sa­gen tref­fen kann, so lan­ge die paywall ihn qua­si unle­ser­lich macht. Ande­rer­seits: Der abge­bil­de­te Herr mit dem Shirt, des­sen Auf­druck an GEZ-Wer­bung erin­nert, ist viel­leicht ein noch bes­ser gewähl­tes Sinn­bild als ange­nom­men.

Wobei ich öffent­lich-recht­li­ches Fern­se­hen doch gele­gent­lich noch ein wenig bes­ser fin­de als die „taz“.

KaufbefehleMusikkritik
Of Mon­sters and Men – My Head Is an Ani­mal

Of Monsters and Men - My Head Is an AnimalUnd dann war da noch die islän­di­sche Musik­grup­pe „Of Mon­sters and Men“, derer Lied „Litt­le Talks“ heu­te ver­se­hent­lich mei­nen Weg kreuz­te. Es han­delt sich um ein Pop­stück, des­sen Text ich mag. Man möge mir nach­se­hen, dass es nicht vor­ran­gig um Mon­ster und Män­ner geht.

Though the truth may vary, this
ship will car­ry our
bodies safe to shore.

Zu dem Lied gehö­ren ein/e EP des Titels „Into the Woods“ sowie ein 2011 ver­öf­fent­lich­tes Album namens „My Head Is an Ani­mal“ („Mein Kopf is’n Viech“ oder so), das vol­ler so Pop­mu­sik ist. „Ürks, so Pop­mu­sik“ sagen nun die Hip­ster unter mei­nen Lesern. Wer­te Hip­ster, ich spa­re mir nun den offe­nen Brief und fas­se mich kurz: Ich mag euch. Aber ihr liegt falsch.

Of Mon­sters and Men – „Litt­le Talks“ (Live at WFUV)

Wahr ist, dass „My Head Is an Ani­mal“ nicht unbe­dingt für den anspruchs­vol­len Kon­su­men­ten taugt, der unbe­dingt immer und über­all avant­gar­de­s­que Beschal­lung benö­tigt. Wahr ist aber auch, dass das zu Hören­de qua­li­ta­tiv so man­ches schlägt, was sonst so in den Hit­pa­ra­den ist, weil irgend­wel­che Plat­ten­fir­men viel Geld hin­ein inve­stie­ren. (In Deutsch­land hat es zumin­dest für Platz 4 gereicht.)

Ver­glei­che: Arca­de Fire, Mum­ford & Sons. Mag ich bei­de nicht – Of Mon­sters and Men mag ich hin­ge­gen.
Und sei’s nur für „Litt­le Talks“.

Sonstiges
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Nicht ganz Dich­tung

In der heu­ti­gen Braun­schwei­ger Zei­tung ist ein „Leser­ge­dicht“ über den Schnee abge­druckt, des­sen eine Stro­phe inklu­si­ve Zei­len­um­brü­chen so geht:

Uner­war­tet

lässt er
totes Blatt-Braun
zum Farb­pri­mas
mutie­ren

Aber

ich sage es
nur ungern
aber in meh­re­re
Zei­len
zer­hack­te

Pro­sa

ist noch
kein Gedicht
und nicht mal
beson­ders gut
les­bar

auch

nicht
wenn man
ein­zel­ne Wör­ter
als Über­schrif­ten
abtrennt

son­dern

lässt den
Ver­fas­ser
wie einen seni­len
alten
Lang­wei­ler erschei­nen

Das soll­te man von Gün­ter Grass eigent­lich gelernt haben.

Politik
Mer­kel zeigt Flag­ge

Die Neu­jahrs­an­spra­che der Kanz­le­rin habe ich lei­der ver­passt. Ich möch­te mich daher nicht zum Inhalt der­sel­ben äußern, son­dern die­ses Bild – beson­ders das rech­te Drit­tel – für sich spre­chen las­sen.

New Year's speech Angela Merkel

(Mit Dank an L.!)

Persönliches
Zwei­tau­send­zwölf plus­mi­nus eins

Die­ser Arti­kel ist Teil 2 von 15 der Serie Neu­jahr

… und 2013 beginnt eigent­lich auch nicht anders als 2012, mit Sekt und Feu­er­werk und Bier und Tee und Bier und Feu­er­werk, mit Sekt in der Hand und Feu­er­werk im Her­zen und Bier im Kopf und Tee in der Bla­se und Bier im Bauch und Feu­er­werk vor der Tür, wo die Leu­te schnee­fremd ste­hen und off­line­chat­ten und rau­chen und tele­fo­nie­ren oder irgend­wie ver­su­chen, mit die­sem ver­damm­ten Tele­fon­netz­dings­bums klar­zu­kom­men, wäh­rend kilo­me­ter­weit ent­fernt der Com­pu­ter so tut, als wäre man zu Hau­se und wür­de Tex­te ins Inter­net rein­tun; es ist eben immer wie­der total über­ra­schend, wenn an Neu­jahr Leu­te jeman­den anru­fen wol­len.

Und in die­sem Moment der Geschwät­zig­keit dann die­ses Insich­ge­hen und Zurück­blicken und die­se gan­ze elen­de Herz­schei­ße, aber letz­tes Jahr um die­se Zeit ging’s auch nicht bes­ser. 2012 war ja auch ein mathe­ma­ti­sches Jahr, minus Klam­mer auf x Qua­drat plus hun­dert Klam­mer zu plus – min­de­stens – eine Mil­li­on x, mit­ten­drin fast über­trie­ben und nach unten stets offen, aber sonst 2012: Gewon­nen, genos­sen, ver­lo­ren, somit zumin­dest quitt mit sich selbst. 2012 plus eins ohne die Plus­eins von 2012 erle­ben, so bleibt’s kon­stant. Anru­fen wol­len, Num­mer wäh­len, abbre­chen, weg­stecken, schrei­en, aber mehr so innen­drin, um nicht das Bumm­zisch zu ver­pas­sen. „Mehr Flausch wagen!“ ist ja auch so ein Mot­to, für das ich sogar die CDU wäh­len wür­de, aber die macht das nicht.

Noch ein Bier auf den Schreck und noch mehr Feu­er­werk drau­ßen. Sicherin­nern ist, wenn man trotz­dem lacht, und Neu­jahr irgend­wie auch. Prost auf 2013.

Montagsmusik
Ico­na Pop – I Love It

Eine die­ser Pop­sen­sa­tio­nen von 2012, die an mir völ­lig vor­bei gegan­gen wären, wür­de ich nicht gele­gent­lich in Filia­len einer ursprüng­lich US-ame­ri­ka­ni­schen Ket­te von Schnell­re­stau­rants ein wenig Zeit ver­brin­gen, ist das schwe­di­sche Duo Ico­na Pop. Um wel­ches Gen­re es sich han­delt, möge der klu­ge Leser selbst erra­ten.

Und dann haben die zwei Sän­ge­rin­nen trotz des sau­mä­ßig bescheu­er­ten Tex­tes, den ich nicht zu zitie­ren wage, auch noch Melo­dien, die man tage­lang nicht aus dem Kopf bekommt. So ein Mist.

Guten Mor­gen. Genießt den Tag, so lan­ge ihr dies noch könnt.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXXXVII: „Nie­mand will zu den Ver­lie­rern gehö­ren.“

Mit der F.D.P. mag nie­mand mehr spie­len:

Der FDP lau­fen offen­bar die Mit­glie­der davon. 2013 wird die Par­tei erst­mals weni­ger Bei­trags­zah­ler haben als die Grü­nen. Das dürf­te so blei­ben, denn „nie­mand will zu den Ver­lie­rern gehö­ren“, so Par­tei­en­for­scher Oskar Nie­der­may­er.

Dies wird unter ande­rem auf die ver­än­der­ten Gesell­schafts­ver­hält­nis­se zurück­ge­führt:

Bis in die 1960er Jah­re hin­ein habe es noch sozia­le Milieus – zum Bei­spiel Arbei­ter oder Katho­li­ken – gege­ben.

Natür­lich – so etwas wie Arbei­ter gibt es heut­zu­ta­ge nicht mehr, es gibt nur noch Lei­stungs­trä­ger und, nun, die vie­len, vie­len ande­ren. Besten Dank auch, SPD.


Apro­pos SPD:

Stein­brück sagt schon mal an, dass das Kanz­ler­ge­halt zu nied­rig für ihn wäre.

Immer­hin sagt er’s vor­her!


Apro­pos Idio­ten:

Der Papst und sei­ne eng­sten Bera­ter soll­ten zum Tode ver­ur­teilt wer­den – sie sei­en für Mil­lio­nen von Aids-Toten ver­ant­wort­lich.

Natür­lich liegt’s allein an kirch­li­chen Vor­ga­ben, etwa der Ein­stel­lung zu Emp­fäng­nis ver­hü­ten­den Maß­nah­men, dass Mil­lio­nen Men­schen an AIDS erkran­ken und ster­ben. Das ist das Tol­le an der Reli­gi­on: Man kann ihr blind fol­gen und hin­ter­her, wenn alles schief­geht, die Schuld auf sie schie­ben. „Aber der gro­ße Schlumpf Papst hat gesagt…“. Das hat in Deutsch­land und Öster­reich – der Her­kunft des Urhe­bers die­ser For­de­rung – ja Tra­di­ti­on.