Netzfundstücke
Krie­ger des Lichts

Auf der CeBIT 2013 gibt es außer viel lee­rem Geschwätz übri­gens auch Pro­dukt­neu­hei­ten zu betrach­ten. Dazu zählt unter ande­rem „Chan­gers“. „Chan­gers?“ Ja, „Chan­gers“:

Über ein mobi­les, fle­xi­bles Solar­mo­dul, das kaum grö­ßer ist als ein DIN A4-Blatt und nur wenig mehr als 100 Gramm wiegt, kann der Nut­zer über­all auf der Welt sei­ne eige­ne Ener­gie erzeu­gen.

Natür­lich zum Patent ange­mel­det, denn dass etwa getDigital.de so ein Gerät bereits seit Jah­ren ziem­lich preis­wert ver­scher­belt, heißt ja nicht, dass es nicht trotz­dem eine total ori­gi­nel­le Idee sein kann. Noch ori­gi­nel­ler ist eigent­lich nur die Web­site, deren Sprach­aus­wahl­feld rechts oben momen­tan nur Eng­lisch anbie­tet. Trotz­dem dan­ke für den Ver­such. (Die Erzeu­gung von Ener­gie aus dem Nichts ist mit die­sem Gerät übri­gens höchst­wahr­schein­lich auch wei­ter­hin nicht mög­lich; ich neh­me an, gemeint war die Umwand­lung von Son­nen- in elek­tri­sche Ener­gie.)

Wor­um es geht, wird bereits auf der Start­sei­te deut­lich:

Plea­se meet our intel­li­gent and powerful solar char­ger, Kal­huoh­fum­mi and the super light and fle­xi­ble solar panel Maro­shi. Tog­e­ther they are known as the Chan­ger Star­ter Kit.

„Kal­huoh­fum­mi“. Hihi. Und: Soso, ein „Star­ter­kit“. Das heißt, man kann es upgraden, indem man ein­fach noch mehr Gerä­te mit einem blö­den Namen kauft. Oh. Mehr Bat­te­rien haben also auch mehr Ladung. Schön, dass wir dar­über gespro­chen haben.

Aber was ist das? Oh, eine Sei­te namens „Com­mu­ni­ty“! Dort tref­fen sich also die kurz­sich­ti­gen Öko­nar­ren und tau­schen getreu dem Mot­to „ich hab‘ den län­ge­ren (Strom­zäh­ler)“ ihre ver­meint­li­che Erspar­nis aus. Momen­tan haben die gesam­mel­ten Kräf­te etwa 86 Kilo­gramm Ener­gie erzeugt. Ja, im Hau­se Blacks­quared (Name der Her­stel­ler­fir­ma) misst man Ener­gie in Gewicht. So eine Waa­ge hät­te ich auch gern.

Changers - Energie in Kilogramm

Noch nicht voll­ends über­zeugt? Dann ab in den „Shop“! Den gibt es zwar auch auf Deutsch (als – ich wie­der­ho­le – Teil der eng­lisch­spra­chi­gen Web­site, auch den Pfad in der Adress­zei­le beach­ten!), aber war­um soll­te man als Web­ent­wick­ler auch so etwas wie die Sprach­ein­stel­lun­gen des Brow­sers nut­zen? Das wäre doch abwe­gig. Aber das ist nicht schlimm, der eng­lisch­spra­chi­ge „Shop“ ist bescheu­ert genug.

Ein ziem­lich guter Witz ist bereits oben auf der Sei­te zu fin­den: So ein „Star­ter­kit“ wird mal eben mit 149 Euro ver­an­schlagt. Der geneig­te Leser möge par­al­lel oben ver­link­te getDi­gi­tal-Pro­dukt­sei­te öff­nen und sich wun­dern. 2.200 mAh sind auch nicht wesent­lich mehr als 1.500. Aber viel­leicht sind im Preis die abzu­se­hen­den Patent­kla­gen von Apple bereits ent­hal­ten: Weiß, Pla­stik, abge­run­det, nur 1 Schalt­flä­che. Das ist heut­zu­ta­ge sehr gefähr­lich.

Dazu passt, dass man dane­ben mit diver­sen bereits errun­ge­nen Prei­sen wirbt: „Pro­duct Design Award 2012“, „Good Design“ (ah ja) sowie „Ger­man Design Award 2013“, letz­te­res erst als Anwär­ter. Für Inno­va­ti­ons­prei­se reicht es offen­bar nicht. Wie­der so eine Par­al­le­le zu Apple: Wenn’s nicht neu ist, machen wir’s wenig­stens hübsch und teu­er. Die Leu­te wer­den es lie­ben! Nicht umsonst wird unter „Fea­tures“ noch­mals mit dem erwor­be­nen „IF design award 2012“ in der Kate­go­rie „Lei­su­re and Life­style“, „Frei­zeit und Lebens­stil“, gewor­ben. In die­se Kate­go­rie fal­len auch Lava­lam­pen und Sudo­ku­hef­te, neh­me ich an.

Und was ist so alles im Lie­fer­um­fang ent­hal­ten? Kal­huoh­fum­mi, Maro­shi und Pikachu, diver­se Kabel sowie ein Poster namens „Wir sind das Volk!“ (genau so gut könn­te es natür­lich „zicke zacke Hüh­ner­kacke“ hei­ßen), auf dem angeb­lich erklärt wird, war­um die Ein­zel­tei­le so behäm­mer­te Namen tra­gen. Außer­dem ist dort, das ist in der Vor­schau gut zu sehen, der Wer­be­spruch „Stor­ming the Bastil­le.“ zu lesen. Wie wir aus dem Geschichts­un­ter­richt wis­sen, ende­te der Sturm auf die Bastil­le mit ziem­lich vie­len Ent­haup­tun­gen. Das wird lustig. – Apro­pos „unpas­sen­de Zita­te“: Unter „Expe­ri­ence“ (denn man ist ja kein ein­fa­cher Benut­zer eines Kal­huoh­fum­mi) lässt man Drit­te die Wer­be­trom­mel rüh­ren, zitiert etwa irgend­je­man­den aus dem Dis­co­very Chan­nel mit den Wor­ten „One Solar Chan­ger to Rule them All“, „ein Solar­la­de­ge­rät, sie alle zu knech­ten“. Da hat jemand den „Herrn der Rin­ge“ nicht zu Ende geguckt.

Sonst so? Ach ja: „Envi­ron­ment“. „Umwelt“ also. Dar­um geht es ja nor­ma­ler­wei­se, wenn man so ein Solar­teil an den Mann brin­gen will. Dass Her­stel­lung und Trans­port eines Kal­huoh­fum­mis wohl mehr Koh­len­stoff­di­oxid­aus­stoß ver­ur­sa­chen als das Pro­dukt wäh­rend sei­ner gesam­ten Lebens­dau­er ein­zu­spa­ren ver­mag, wird mei­ner­seits gnä­dig über­se­hen. Mit Apo­lo­ge­ten der Solar­ener­gie über den Umwelt­scha­den durch Solar­zel­len zu dis­ku­tie­ren ist in der Regel unge­fähr so aus­sichts­reich wie einem mili­tan­ten Vege­ta­ri­er die Vor­zü­ge des Fleisch­kon­sums schmack­haft zu machen. Unter „Umwelt“ fin­det sich übri­gens in der deut­schen Ver­si­on des „Shops“ auch ein wei­te­rer guter Grund, war­um man sie nicht benut­zen soll­te:

Wir neu­tra­li­sie­ren den Trans­port unse­rer Gerä­te.

(Her­vor­he­bung von denen.)

Das wür­de ich ja schon gern sehen.

Nun, zurück zum „Envi­ron­ment“. Was wird noch gebo­ten? Ah, der koh­len­stoff­freie Flug:

We fly car­bon neu­tral with Atmos­fair

Gut, um Koh­len­stoff geht es eigent­lich nicht, son­dern um Koh­len­stoff­di­oxid, aber das ist womög­lich über­zo­ge­ne Kri­tik. Was ist die­ses Atmos­fair genau? Atmos­fair – Eigen­schreib­wei­se „atmos­fair“ – neu­tra­li­siert nicht den Koh­len­stoff­di­oxid­aus­stoß eines Flug­zeugs, son­dern führt pro Flug einen ange­mes­se­nen Betrag an Kli­ma­schutz­pro­jek­te ab, also viel­leicht an Krom­ba­cher. Dass das den Flug nicht koh­len­stoff­di­oxid- und schon gar nicht koh­len­stoff­frei macht, ist aller­dings auch wie­der so etwas, was man in Gegen­wart von man­chen so genann­ten Kli­ma­schüt­zern viel­leicht nicht laut sagen soll­te, wenn man fried­li­ches Mit­ein­an­der bevor­zugt.

Aber von Fak­ten wol­len wir uns mal nicht unse­ren Lebens­stil rui­nie­ren las­sen. Wie for­dert doch die Start­sei­te an pro­mi­nen­ter Stel­le?

Beco­me a war­ri­or of the light

Den Krie­gern des Lichts gehen eben manch­mal nur Ener­gie­spar­lam­pen auf.

(Mit Dank an B.!)

PolitikIn den Nachrichten
Frau Mer­kel wan­delt behä­big.

Soso, Frau Mer­kel, deren Bun­des­re­gie­rung das Lei­stungs­schmutz­recht durch­ge­winkt hat, hat nun die CeBIT, die „welt­größ­te Com­pu­ter­mes­se“, eröff­net.

Auf der dies­jäh­ri­gen CeBIT, so war in der heu­ti­gen 20-Uhr-Tages­schau zu ver­neh­men, gebe es einen beson­de­ren Schwer­punkt:

Die CeBIT hat sich ein The­ma auf die Fah­nen geschrie­ben, das eigent­lich schon klei­ne Kin­der ler­nen soll­ten, und zwar das Tei­len. In der Welt der Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie geht es um das Tei­len von Daten und Wis­sen (…).

Gene­rell hat die Bun­des­kanz­le­rin auch nichts dage­gen; so fas­sen Redak­teu­re von „hei­se online“ zusam­men:

Mer­kel warb in ihrer Rede dafür, den rasan­ten Wan­del in der IT-Welt mit dem rich­ti­gen poli­ti­schen Rah­men zu stüt­zen, um glo­bal den Anschluss nicht zu ver­pas­sen.

Doof ist’s halt, wenn man Daten und Wis­sen mit jeman­dem tei­len möch­te, die schon einem ande­ren gehö­ren, denn dann ist der poli­ti­sche Rah­men schnell gesteckt. Immer­hin lei­stet die gegen­wär­ti­ge Bun­des­re­gie­rung mit der Dul­dung der „GEMA-Ver­mu­tung“ sogar dem Umstand Vor­schub, dass jedes Land der Welt per You­Tube frei­en Zugriff auf Musik­vi­de­os erhält, nur, hehe, das Inno­va­ti­ons­land Deutsch­land eben nicht:

Fast zwei Drit­tel der 1000 welt­weit belieb­te­sten Vide­os auf You­tube sind in Deutsch­land gesperrt und kön­nen wegen des anhal­ten­den Kon­flikts zwi­schen GEMA und You­tube hier­zu­lan­de nicht abge­ru­fen wer­den.

Fast hät­te ich oben „den rasan­ten Wan­del (…) zu stür­zen“ gele­sen. Ihr auch?

(via @goebelmasse)

Montagsmusik
Ste­ven Wil­son – Lumi­nol

Mon­tag? Zeit für etwas Musik.

Ste­ven Wil­son, allei­ni­ger Grün­der von Por­cupi­ne Tree (das waren die hier), hat sich für sein neu­es Solo­al­bum mit ein paar Jazz- und Retro-Prog-Musi­kern zusam­men­ge­tan. Das Ergeb­nis ist hörens­wert, zum Bei­spiel so:

Ste­ven Wil­son ‚Lumi­nol‘ Live In Mexi­co City (HD)

Here we all are born into a strugg­le
to come so far but end up retur­ning to dust.

In die­sem Sin­ne: Guten Mor­gen.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz ver­linkt CXLVIII: Erklär­bär­jour­na­lis­mus

Seba­sti­an Hei­ser von der „taz“ schrieb im Febru­ar:

Ich sehe ja mei­ne Auf­ga­be und mei­ne beson­de­re Dienst­lei­stung als Jour­na­list gera­de dar­in, alles so weit wie mög­lich zu ver­ein­fa­chen, damit es ver­ständ­li­cher wird.

Er betrach­tet sich also als einen Erklär­bä­ren, der wie sonst nur die „Com­pu­ter-BILD“ Lesern auch ein­fa­che Din­ge noch ein­fa­cher ver­ständ­lich macht („sprich: Wörd“).

Ein aktu­el­les Bei­spiel für die­sen Erklär­bär­jour­na­lis­mus gefäl­lig? Gestern ließ das Unter­neh­men Ever­no­te sei­ne Benut­zer per Blog­ar­ti­kel (und wenig spä­ter per Aktua­li­sie­rung der Soft­ware) wis­sen, dass irgend­wo im System offen­bar eine Lücke auf­ge­tre­ten sei, über die es kurz­zei­tig noch Unbe­kann­ten mög­lich gewe­sen sei, „Zugriff auf Benut­zer­in­for­ma­tio­nen wie Benut­zer­na­men, E‑Mail Adres­sen (sic!) und den (sic!) ver­schlüs­sel­ten Pass­wör­tern“ zu erhal­ten.

In ande­ren Wor­ten (Golem.de): Es wur­den Benut­zer­da­ten kopiert.

In wie­der­um ande­ren Wor­ten (SPIEGEL ONLINE): Es wur­den Pass­wör­ter gestoh­len. Ist halt Quatsch. Wenn ich etwas steh­le, hat der ursprüng­li­che Besit­zer es nicht mehr. Wenn ich etwas kopie­re, hat er es immer noch. Ich bit­te die SPIE­GEL-ONLINE-Ver­ant­wort­li­chen, an die­ser Stel­le ein­mal nach­zu­se­hen, ob in irgend­wel­chen Arti­keln Sät­ze feh­len, die ich hier in älte­ren Bei­trä­gen zitiert habe, denn dafür bin ich genau so vor­ge­gan­gen: Ich habe die ursprüng­li­chen Daten kopiert. (Nach aktu­el­lem Stand der Geset­zes­ent­wick­lung ist das zwar bald böse ille­gal, aber immer noch kein Dieb­stahl.)

Kom­men­ta­tor „Micha­el K“ schrieb übri­gens unter Seba­sti­an Hei­sers ein­gangs erwähn­ten Bei­trag:

Wenn Sie das Gefühl haben, nur zwi­schen “kom­pli­ziert” und “falsch” wäh­len zu kön­nen, dann ver­ste­hen Sie Ihre Auf­ga­be nicht.

Da scheint Seba­sti­an Hei­ser immer­hin nicht allein zu sein.

PolitikIn den Nachrichten
Lei­stungs­schmutz­recht

Zum Lei­stungs­schutz­recht sei von mei­ner Sei­te auf­grund der schier all­ge­gen­wär­ti­gen, über­wie­gend durch­dach­ten und lesens­wer­ten Tex­te ande­rer Ins­in­ter­net­schrei­ber zwecks Red­un­danz­ver­mei­dung nur noch so viel gesagt:

Wenn die Ver­la­ge – die in der Ver­wer­tungs­ket­te des Jour­na­lis­mus am wenig­sten krea­ti­ven Enti­tä­ten – der Mei­nung sind, wir, die wir gele­gent­lich den Feh­ler machen, ihrem gei­sti­gen Eigen­tum Auf­merk­sam­keit zu schen­ken und gar wer­bend aus ihm zu zitie­ren, sei­en Ent­eig­ner ihres rele­van­ten Schaf­fens und soll­ten dafür ordent­lich zur Rechen­schaft gezo­gen wer­den, ist es nur kon­se­quent, wenn wir sämt­li­che ver­blei­ben­den Tages­zei­tun­gen zum nächst­mög­li­chen Zeit­punkt kün­dig­ten und unse­re Infor­ma­tio­nen aus­schließ­lich aus frei­en, das Lei­stungs­schutz­recht ableh­nen­den Quel­len bezö­gen.

Wir wol­len es den Ver­la­gen ja nicht zumu­ten, mit Ver­bre­chern Geschäf­te zu machen, nicht wahr?

KaufbefehleMusikkritik
iamt­he­mor­ning – ~

iamthemorning - ~Aus den Län­dern des Ost­blocks dringt zu mei­nem Ohr nur sel­ten gute Musik her­über. Die Ukrai­ne kann gele­gent­lich mit hörens­wer­tem Pop auf­war­ten (Qar­pa), ín Polen ver­steift man sich auf Neo-Prog-Metal (SBB, River­si­de). Und Russ­land? 417.3 (das waren die hier), Zone Six, Pova­ro­vo und hau­fen­wei­se kli­schee­haf­te Volks­lie­der und ‑tän­ze. Und es gibt Bären in Russ­land, heißt es.

Dort gibt es außer­dem, wie mir ein Blick in mei­nen Nach­rich­ten­ticker ver­rät, iamt­he­mor­ning. iamt­he­mor­ning ist ein Oktett in der beein­drucken­den Kon­stel­la­ti­on Schlag­zeug, Gitar­re, Bass, Gesang, Vio­li­ne, Vio­la, Cel­lo und Kla­vier. Beein­druckend auch inso­fern, als die renom­mier­te Web­site Progarchives.com, sonst eher auf Schrä­ges und Bekann­tes spe­zia­li­siert, das iamt­he­mor­ning-Debüt „~“ auf Platz 2 der Top­mu­sikal­ben 2012 auf­führt, noch vor den Flower Kings und mei­nen letzt­jäh­ri­gen Favo­ri­ten Motor­psy­cho und Stå­le Stor­løk­ken. Gespielt wird „Cross­over Prog“, heißt es auf Progarchives.com. Nun, „Prog“ – Pro­gres­si­ve Rock – ist das hier tat­säch­lich nur, wenn man das mit den Gen­res nicht so genau nimmt. Aber dann ist es auch eigent­lich wurscht.

Also „~“. Es beginnt mit Mee­res­rau­schen. Die „inter­mis­si­on I“ – es gibt ins­ge­samt sie­ben davon, die die übri­gen elf Stücke zu einem gro­ßen Gan­zen zusam­men­kle­ben, ohne dass das auf­ge­setzt und gewollt wirkt – ist ein gelun­ge­ner Ein­stieg. Pink Floyd? Mar­ja­na Syom­ki­na, aus­schließ­lich als Gesangs­per­son auf­ge­führt, lässt ihre kla­re Stim­me sanft ertö­nen, das Muster wie­der­holt sich. (Wir ler­nen: Nicht alles, was sich wie­der­holt, muss Post­rock sein.) Meist schwe­ben die Instru­men­te dazu im Takt, gele­gent­lich (etwa in „would this be“) wagen sie einen Aus­bruch. „mon­sters“ wird domi­niert von aggres­si­ven Kla­vier­tö­nen, Frau Syom­ki­na erin­nert hier mit­un­ter an die scheuß­li­chen Sän­ge­rin­nen von Night­wish, Eis­blu­me und den ande­ren schlech­ten Mäd­chen-Emo-Müll­mu­sik­grup­pen. Zum Glück sind lau­te Töne bei iamt­he­mor­ning eher die Aus­nah­me, meist herrscht die Zurück­hal­tung.

Die­se Zurück­hal­tung ist es wahr­schein­lich, die die Magie von „~“ aus­macht. „~“ ist Musik zum letz­ten Tanz des Abends, zum Glas Wein vor dem Schla­fen­ge­hen, zum Blick auf’s Meer bei Nacht. Die Band­camp-Sei­te der Band gibt zu ver­ste­hen: „don’t let your soul be still for a moment“. Lasst eure See­le nicht für einen Moment still sein. „~“ ist ein ziem­lich bewe­gen­des Album. Wer könn­te da zuwi­der­han­deln?

„~“ ist zur­zeit hier zu hören, her­un­ter­zu­la­den und zu kau­fen. Es spricht nichts dage­gen, dass ihr dies zahl­reich tut.

PersönlichesFotografie
Bezie­hungs-wei­se

Denn eigent­lich ist das Leben nicht mehr als das Stre­ben nach Per­fek­ti­on, nach der größt­mög­li­chen Attrak­ti­vi­tät, der Kreis­lauf aus akti­vem und pas­si­ven Kon­sum, denn man ent­stand aus Kon­sum und wird eines Tages kon­su­miert wer­den, und auch in der kur­zen Zeit dazwi­schen ist man selbst die Ware, die zwar aktiv han­delt, aber eigent­lich doch nur nach dem Zwei­ten strebt, der han­deln lässt. Akti­vi­tät ist auch nur ein Aus­druck von Anbie­de­rung.

Und so ein Super­markt ist eigent­lich das idea­le Bio­top für die, die wan­deln, denn man braucht nicht nur Lebens­mit­tel, man ist es selbst, und wäre eben gern der Lebens­mit­tel-Punkt für einen ande­ren Ego­isten. Punkt.

Hier aufreißen

Machen wir uns nichts vor: Am Ende wer­den wir doch nur von einem, der das mit der Rei­fe blö­der­wei­se ver­stan­den hat und wegen sei­ner Rei­fe schon selbst nicht mehr bemerkt, über den Tisch gezo­gen. Der es dann immer­hin pas­send hat, Moment bit­te, jun­ger Mann, und man setzt die Ver­trock­nung im Duett fort. Dem Kon­sum kommt’s zugu­te.

Frü­her war vor allem mehr Spä­ter.

NetzfundstückeNerdkrams
Goog­le, der sor­gen­de Mono­po­list. Der will nur spie­len.

Erin­nert sich noch jemand an die diver­sen Mono­pol­kla­gen gegen Micro­soft? Micro­soft sei, so hieß es noch vor weni­gen Jah­ren, ein fie­ser Mono­po­list, weil es mit der Kom­bi­na­ti­on aus Win­dows und Office eine Markt beherr­schen­de Stel­lung ein­nimmt und oben­drein die Drei­stig­keit besitzt, sei­nem Betriebs­sy­stem einen Medi­en­spie­ler und einen Brow­ser bei­zu­fü­gen, und müs­se daher zer­schla­gen wer­den. Min­de­stens.

Ein Jahr­zehnt spä­ter spricht von Micro­soft kaum noch jemand, das Haupt­au­gen­merk liegt auf den Kon­tra­hen­ten Apple und Goog­le. Goog­le ist, das lässt uns Mar­tin Wei­gert heu­te in einem anson­sten eigent­lich lesens­wer­ten Text wis­sen, schlicht zu gut für die­se Welt:

Selbst­fah­ren­de Autos, die revo­lu­tio­nä­re Cyber­bril­le Goog­le Glass, eige­ne Laden­ge­schäf­te, Tablets und Smart­phones unter eige­ner Mar­ke, (…) ein geplan­ter Musik­strea­ming­ser­vice à la Spo­ti­fy, Goog­le Maps und natür­lich die Web­su­che sowie das Wer­be­ver­mark­tungs­ge­schäft gehö­ren zu den zahl­rei­chen Eck­pfei­lern des Unter­neh­mens – und in die­ser Auf­zäh­lung feh­len sogar noch eini­ge Tätig­keits­fel­der. In allen Seg­men­ten ist der Kon­zern aus Moun­tain View ein­zi­ger ernst­zu­neh­men­der Anbie­ter, Markt­füh­rer oder zumin­dest eine der trei­ben­den Kräf­te.

Nicht schlecht, Goog­le ist sogar „ein­zi­ger ernst­zu­neh­men­der Anbie­ter“ oder gar „Markt­füh­rer“ in einem Bereich, in dem es außer Pla­nung (Musik­strea­ming) noch nicht viel vor­zu­wei­sen hat und in dem es bereits zahl­rei­che eta­blier­te Anbie­ter gibt. Chuck „Goog­le“ Nor­ris: Markt­füh­rer in einem Markt, den es noch nicht mal betre­ten hat. Logisch.

Goog­le ist kein Mono­pol. Wer will, kann mit Bing oder Duck­Duck­Go suchen statt mit Goog­le, über Out­look oder Yahoo E‑Mails ver­schicken statt über Gmail, Vide­os bei Dai­ly­mo­ti­on hoch­la­den statt bei You­Tube und so wei­ter.

Ein Mono­pol ist kein Mono­pol, wenn es Alter­na­ti­ven gibt – gut, dass das damit abschlie­ßend geklärt ist. Kon­se­quent hat­te die SED in der DDR auch kein Mono­pol, es gab ja ande­re Par­tei­en. Die wur­den nur nicht gefragt. Nur für Micro­soft kommt die­se Infor­ma­ti­on zu spät. Ärger­lich, dass Mar­tin Wei­gert damals nicht pro­te­stiert zu haben scheint.

Aber das war ja auch nur Micro­soft und nicht Goog­le. Goog­le ist gut.

Das Beson­de­re an der Ent­wick­lung ist, dass Goog­le die­se Rol­le (als omni­prä­sen­ter Bestand­teil des täg­li­chen Lebens, A.d.V.) bis dato fast aus­nahms­los durch von den smar­te­sten Men­schen auf die­sem Pla­ne­ten geschaf­fe­ne, hoch­gra­dig qua­li­ta­ti­ve, lei­stungs­fä­hi­ge und für Mil­lio­nen Men­schen sehr attrak­ti­ve Pro­duk­te erreicht hat, nicht durch das (Aus)-Nutzen mono­po­li­sti­scher Struk­tu­ren.

Ja, Goog­le weiß, was Haus­frau­en wün­schen. Mir scheint, Mar­tin Wei­gert mag Goog­le sehr – immer­hin erwähnt er sol­ches an meh­re­ren Stel­len im Text. Dass er dann gegen Ende des Tex­tes doch noch kurz die Gefah­ren eines all­ge­gen­wär­ti­gen, zen­tra­len Kon­zerns, in des­sen Hand jeder Mensch auf ein­fach­ste Wei­se alle Daten über sein Leben legen kann, anspricht, scheint ihm bei­na­he in der See­le weh zu tun.

Der Unter­schied zwi­schen einem Mono­pol und einer Markt beherr­schen­den Stel­lung ist es nach mei­nem Sprach­emp­fin­den, dass ein Mono­po­list es Kon­kur­ren­ten schwer macht, mit den eige­nen Pro­duk­ten (etwa Betriebs­sy­ste­men) zu kon­kur­rie­ren. Dazu passt die­se Mel­dung:

Bis­her hat­ten Chrome­books nur bedingt Unter­stüt­zung für eine INstal­la­ti­on (sic!) alter­na­ti­ver Betriebs­sy­ste­me. Ein Haupt­grund dafür ist die Firm­ware der Gerä­te. Matthew Gar­ret hat­te bereits erwähnt, dass Goog­le bei den Chrome­books sehr restrik­tiv ist.

„Na gut“, denkt sich Mar­tin Wei­gert jetzt mög­li­cher­wei­se, „viel­leicht ist Goog­le ja doch ein Mono­po­list. Aber ein guter!“ – Fei­nes Goog­le bekommt sicher immer fei­nes Fres­si zu Hau­se bei Wei­gerts.

(Ja, das war jetzt etwas pole­misch.)

SonstigesPiratenpartei
Für mehr Respektanz!

Die Suche, nein, S(ehns)ucht nach Aner­ken­nung liegt in der Natur vie­ler den­ken­der (zumeist Rudel-)Tiere, und auch der Mensch ist davon nicht aus­ge­nom­men. Eine der meist­ver­brei­te­ten Aus­drucks­for­men die­ser Aner­ken­nung ist der Respekt. Der Duden, bekannt­lich sprach­ab­bil­den­des Werk, kennt zur­zeit drei wei­te Bedeu­tun­gen des Wor­tes „Respekt“, von denen uns Nicht-Schrift­set­zer nur zwei inter­es­sie­ren müss­ten:

  1. auf Aner­ken­nung, Bewun­de­rung beru­hen­de Ach­tung
  2. vor jeman­dem auf­grund sei­ner höhe­ren, über­ge­ord­ne­ten Stel­lung emp­fun­de­ne Scheu, die sich in dem Bemü­hen äußert, kein Miss­fal­len zu erre­gen

Wie ich nun dar­auf kom­me? Offen­bar wer­den auf der gegen­wär­tig noch andau­ern­den Bun­des­tags­auf­stel­lungs­ver­samm­lung des Pira­ten­lan­des­ver­ban­des Ber­lin außer Ja- und Nein-Stimm­zet­teln auch so genann­te „Respekt­kar­ten“ ver­teilt, die offen­bar kei­nen Wahl­zwecken die­nen, son­dern nur dar­um bit­ten, die Men­schen­wür­de zu ach­ten oder so.

Dumm nur: Das ist kein Respekt.

Die mei­sten Men­schen, die von „Respekt“ spre­chen, mei­nen damit „Furcht vor Kon­se­quen­zen“. Wer sei­ne Vor­ge­setz­ten respek­tiert, der will damit meist zum Aus­druck brin­gen, dass er ihren Anwei­sun­gen Fol­ge lei­stet – nicht aus Bewun­de­rung, son­dern, weil er sonst sehr schnell kei­ne Vor­ge­setz­ten mehr haben wird. Natür­lich ken­ne ich Aus­nah­men, also Vor­ge­setz­te, die tat­säch­lich Respek­ta­bles gelei­stet haben. Respekt auf­grund von Auto­ri­tät ist aber kei­ne Ach­tung, son­dern Scheu.

„Respekt muss man sich ver­die­nen“, so lau­tet eine Weis­heit. Man kann nicht zur Respekts­per­son gewählt oder beför­dert wer­den, dadurch wird man allen­falls zur Ehr­furchts­per­son. Die Sil­be „-furchts-“ ist hier übri­gens sehr wich­tig, denn sie hebt den Unter­schied zwi­schen den bei­den Begrif­fen her­vor. Es ist gefähr­lich und dumm, Ein­schüch­te­rung, Respekt (also „auf Aner­ken­nung, Bewun­de­rung beru­hen­de Ach­tung“) vor Men­schen und „Respekt“ vor Eigen­schaf­ten von Men­schen (etwa der Men­schen­wür­de) mit­ein­an­der in einen Topf zu wer­fen.

Es steht für mich außer Fra­ge, dass es wich­tig ist, jedem Men­schen sei­ne Menschen‑, jedem Bür­ger sei­ne Bür­ger­rech­te zuzu­ge­ste­hen, ob Ver­samm­lungs­frei­heit, Gerech­tig­keit bei der Suche eines Arbeits­plat­zes oder das Recht dar­auf, nicht ver­prü­gelt zu wer­den, nur weil man die fal­sche Haut­far­be, Welt­an­schau­ung oder Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit besitzt.

Bei den erwähn­ten „Respekt­kar­ten“ geht es dar­um, „ein Zei­chen für Tole­ranz“ zu set­zen. Nun, „Tole­ranz“ ist auch so ein Wort: Was man tole­riert, muss man noch lan­ge nicht akzep­tie­ren. Womög­lich ist es emp­feh­lens­wert, das Wort „Tole­ranz“ aus dem akti­ven Wort­schatz zu strei­chen, in fast jedem Fall – von der Mathe­ma­tik abge­se­hen – ist ein­zig „Akzep­tanz“ der pas­sen­de Begriff. Respekt gleich Tole­ranz gleich Akzep­tanz, bedeu­tet ja doch alles das­sel­be? Kei­nes­wegs!

Jedes Mit­glied einer moder­nen, auf­ge­klär­ten Gesell­schaft soll­te die Gleich­heit der Men­schen (seien’s nun Männ­chen, Weib­chen, Trans­se­xu­ell­chen, Men­schen unter­schied­li­cher Eth­ni­en, Ange­hö­ri­ge unter­schied­li­cher Reli­gio­nen, Ver­tre­ter unter­schied­li­cher Welt­an­schau­un­gen und sexu­el­ler Aus­rich­tun­gen, Lin­ke, Rech­te, ich) ver­ste­hen und akzep­tie­ren und sei­nen Teil dazu bei­tra­gen, dass sie durch­ge­setzt wird und bleibt. Man soll­te aber zwar jeden die­ser Men­schen glei­cher­ma­ßen ach­ten, jedoch soll­te man mit der Ver­ga­be des eige­nen Respekts nur spar­sam haus­hal­ten. Respekt für eine Per­son ist immer auch eine men­ta­le Unter­wür­fig­keit, und Unter­wür­fig­keit soll­te nie­mals von höhe­rer Stel­le erzwun­gen wer­den.

Men­schen sind Ego­isten, das soll­te nicht ver­ges­sen wer­den.

Jeman­den dafür zu „respek­tie­ren“, dass er zu einer gesell­schaft­li­chen Min­der­heit (Frau­en in Füh­rungs­po­si­tio­nen, Migran­ten, F.D.P.-Mitglieder) gehört, ist Käse. Es ist indes gut und rich­tig, ihn gege­be­nen­falls dafür zu respek­tie­ren, dass er trotz gesell­schaft­li­cher Dis­kri­mi­nie­rung (in jeden­falls zwei der genann­ten drei Fäl­le) eine star­ke Per­sön­lich­keit bewahrt und viel­leicht sogar Kar­rie­re macht. Die­sen Unter­schied gilt es zu ver­ste­hen. Wenn dies geschafft ist, steht dem Respekt nichts mehr im Wege. (Cinea­sten emp­feh­le ich an die­ser Stel­le den Film „Der Pate“.)

„Respek­tiert mei­ne Auto­ri­tä!“
– Eric Cart­man, „South Park“

Nerdkrams
Dash­Clock: Auf dass der Sperr­bild­schirm von Android end­lich einen Sinn erge­ben möge!

Eine der etwas selt­sa­me­ren Funk­tio­nen von Android ist die Anzei­ge des so genann­ten „Sperr­bild­schirms“ (oder lockscreens – scheuß­li­ches Wort). Legt man es kurz zur Sei­te und war­tet, bis der Bild­schirm aus­geht, wird das Gerät in der Regel „gesperrt“. Das bedeu­tet im Stan­dard­fall: Man sieht einen lang­wei­li­gen Bild­schirm mit ’ner Uhr und unten so einem Schie­be­ding, das man nur nach rechts schie­ben muss, um sein Smart­phone wie­der benut­zen zu kön­nen. Kei­ne rele­van­ten Infor­ma­tio­nen (außer „wie spät ist es denn?!“), obwohl auf dem Bild­schirm viel Platz dafür wäre. (Der Sicher­heit dient’s eh nicht: PIN-Ein­ga­be ist optio­nal.)

Android-Sperrbildschirm

Abhil­fe schafft das Wid­get „Dash­Clock“. Dash­Clock ist eine quell­of­fe­ne Android-app, die sich als alter­na­ti­ver Sperr­bild­schirm ver­wen­den lässt und die man als Erwei­te­rungs­ent­wick­ler um aller­lei Spie­le­rei­en erwei­tern kann. Unter Android 4.2 (AOSP-Ver­si­on, unter her­stel­ler­sei­tig ange­pass­ten Android-Ver­sio­nen könn­te sich das Vor­ge­hen ein wenig unter­schei­den) geht das fol­gen­der­ma­ßen:

Zunächst muss man nach erfolg­ter Instal­la­ti­on von Dash­Clock (etwa aus dem Play Store her­aus) den Sperr­bild­schirm auf­ru­fen (also den Bild­schirm aus- und wie­der ein­schal­ten) und ihn ganz nach links wischen (also den Bild­schirm „nach rechts ver­schie­ben“), bis die Sei­te, die nur ein „Plus“-Zeichen ent­hält, erscheint. Dies ist der Bear­bei­tungs­mo­dus. Die­ses Plus­zei­chen ist zu berüh­ren.

Android-Sperrbildschirm mit Pluszeichen

Eine alpha­be­tisch sor­tier­te Liste an ver­füg­ba­ren „Wid­gets“ soll­te erschei­nen, „Dash­Clock“ unter ihnen. Nach der Aus­wahl von Dash­Clock wird es mög­lich sein, die anzu­zei­gen­den Ele­men­te aus­zu­wäh­len und durch Zie­hen an eine geeig­ne­te Stel­le zu ver­schie­ben. Unten befin­det sich ein Feld mit der Beschrif­tung „Erwei­te­run­gen hin­zu­fü­gen“, über das etwa­ige instal­lier­te Erwei­te­run­gen (dazu unten mehr) zur Ver­fü­gung ste­hen.

DashClock-Einstellungen

Sind alle gewünsch­ten Infor­ma­tio­nen vor­han­den, kann das Ein­stel­lungs­me­nü per Druck auf das „Häk­chen“ oben links geschlos­sen wer­den. Noch immer im Bear­bei­tungs­mo­dus kann man nun noch­mals über­prü­fen, ob man nichts ver­ges­sen hat (natür­lich lässt sich alles auch spä­ter noch anpas­sen):

DashClock-Vorschau

Nun muss der neue Dash­Clock-Bild­schirm nur noch nach rechts ver­scho­ben (gedrückt hal­ten und zie­hen) wer­den, um an die Stel­le des bis­he­ri­gen Sperr­bild­schirms zu tre­ten, und die Ein­rich­tung ist erfolg­reich abge­schlos­sen:

Android-Sperrbildschirm mit DashClock

In mei­nem Bei­spiel habe ich außer den mit­ge­lie­fer­ten Anwen­dun­gen „Wet­ter“ (zu Demon­stra­ti­ons­zwecken) und „Datum/Uhrzeit“ auch den Twit­ter-Cli­ent Fal­con Pro ein­ge­bun­den, der seit eini­gen Tagen stan­dard­mä­ßig eine eige­ne Dash­Clock-Erwei­te­rung mit­bringt. Etli­che wei­te­re die­ser Erwei­te­run­gen, sogar für unge­le­se­ne Face­book- und Whats­App-Nach­rich­ten, den Bat­te­rie­la­de­stand und vie­le ande­re Anzei­ge­mög­lich­kei­ten, las­sen sich per Play Store instal­lie­ren, sie las­sen sich dann über den Einstellungs-„Knopf“ oben rechts im Sperr­bild­schirm (hier­für wie oben beschrie­ben wie­der in den Bear­bei­tungs­mo­dus wech­seln) hin­zu­fü­gen.

Zu beach­ten ist jedoch, dass jede Erwei­te­rung wie­der­um ein wenig Bat­te­rie­ka­pa­zi­tät benö­tigt. Man soll­te daher Auf­wand und Nut­zen in jedem Fall ein­zeln abwä­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Nie wie­der „Nie wie­der Krieg!“!

Apro­pos Afgha­ni­stan. Ein Rück­blick: Um das Jahr 1979 her­um rot­te­ten sich die ihren letz­ten gro­ßen Dro­gen­ab­sturz über­lebt haben­den Hip­pies aus der Frauen‑, Frie­dens- und Anti-Atom­kraft-Bewe­gung zu einer jun­gen, fri­schen Par­tei – zunächst son­sti­gen poli­ti­schen Ver­ei­ni­gung – zusam­men, die man­tra­ar­tig irgend­was von „Kein Strom aus Atom!“ und „Nie wie­der Krieg!“ vor sich hin­mur­mel­te. Die nach der deut­schen Ein­heit erziel­te Fusi­on mit dem ost­deut­schen Bünd­nis 90, das zum Teil aus Mit­glie­dern der Initia­ti­ve Frie­den und Men­schen­rech­te bestand, ver­schob die Prio­ri­tä­ten offen­sicht­lich nur gering­fü­gig. Dabei war die­se Zwei­ein­halb­the­men­par­tei so stur, dass man es irgend­wann nicht mehr aus­hielt und sie 1998 gar an der Bun­des­re­gie­rung teil­neh­men ließ, damit sie end­lich auf­hö­ren möge zu quen­geln. Noch Jah­re spä­ter ver­tei­dig­ten Orts­ver­bän­de der Grü­nen den Slo­gan „Nie wider Krieg, nie wider Faschis­mus“, und dass „nie wider“ so ziem­lich das Gegen­teil von „nie wie­der“ ist, ist den Ver­fas­sern wahr­schein­lich wohl bekannt.

Denn – ein Zeit­sprung in das Jahr 2013 – die heu­ti­gen Grü­nen sehen das mit dem Frie­den etwas gelas­se­ner; bereits im März 1999, nicht ein­mal ein Jahr nach der ent­schei­den­den Bun­des­tags­wahl, fand man vie­le Abers für sein Nie­mals:

Selbst in ihrem (…) „Mag­de­bur­ger Pro­gramm“ heißt es wört­lich: „Bünd­nis 90/Die Grü­nen tra­gen mili­tä­ri­sche Frie­dens­er­zwin­gung und Kampf­ein­sät­ze nicht mit.“ [Am 7. März 1999] faß­te die 13. Ordent­li­che Bun­des­de­le­gier­ten­kon­fe­renz in Erfurt einen Beschluß, in dem es heißt: „Bünd­nis 90/Die Grü­nen wen­den sich grund­sätz­lich gegen eine Nato-Selbst­man­da­tie­rung für Mili­tär­ein­sät­ze, damit das Gewalt­mo­no­pol der UNO nicht außer Kraft gesetzt wird.“ In Zukunft – soweit es für die Grü­nen eine gibt – soll­ten die Dele­gier­ten das Ver­falls­da­tum der­ar­ti­ger Grund­satz­ent­schei­dun­gen gleich mit­be­schlie­ßen.

Als der Bun­des­tag nur weni­ge Stun­den nach dem Angriff auf Ser­bi­en dar­über debat­tier­te, stell­te sich die Frak­ti­on der Grü­nen mit einer Aus­nah­me geschlos­sen hin­ter die Regie­rung. Chri­sti­an Strö­be­le, der als ein­zi­ger grü­ner Abge­ord­ne­ter die Din­ge beim Namen nann­te und der Regie­rung in einem erreg­ten Bei­trag vor­warf, sie füh­re einen Angriffs­krieg, stieß in der eige­nen Frak­ti­on auf Unver­ständ­nis und schar­fe Ableh­nung.

Die ehe­ma­li­ge Frie­dens­par­tei fin­det Kampf­ein­sät­ze unter bestimm­ten Bedin­gun­gen also ziem­lich in Ord­nung, wenn sie nur nicht all­zu lan­ge dau­ern oder wenig­stens vom Gewalt­mo­no­po­li­sten UNO ange­ord­net wer­den. Des­sen Befehls­ge­walt ist selbst­ver­ständ­lich bin­dend.

Nun gibt es im Volk aber blö­der­wei­se Leu­te, die bewaff­ne­te Kon­flik­te („Krieg“ ist ja ein Aus­druck, den es zu ver­mei­den gilt), zumal im fer­nen Aus­land, eher weni­ger gut fin­den und die betei­lig­ten Frie­dens­si­che­rer (das sind die mit den gepan­zer­ten Hub­schrau­bern, wis­sen­schon, zum Brun­nen­bau­en und so) nicht als Ret­ter eines bedroh­ten Vol­kes, son­dern als Mör­der bezeich­nen. Das ist ja auch ziem­lich respekt­los, Leu­te, die schwer bewaff­net ein frem­des Land über­fal­len, mit beab­sich­tig­ter Tötung von Men­schen in Ver­bin­dung zu brin­gen. (Juri­sten mögen mir ver­zei­hen, dass „Tötung“ und „Mord“ hier ein­mal gleich­ge­setzt wer­den; das Ergeb­nis ist das­sel­be – jeweils eine Lei­che liegt, bedingt durch mensch­li­chen Ein­fluss, tot in der Gegend her­um.)

Wenn schon ein deut­scher Bür­ger auf Geheiß der Koali­ti­on aus der SPD und den Grü­nen jah­re­lang den USA beim Töten zuguckt (denn ein deut­scher Sol­dat nutzt sei­ne Waf­fen ja nie­mals nicht zum Töten), dann sol­le er nach sei­ner even­tu­el­len Rück­kehr wenig­stens all­ge­mein gewür­digt wer­den, wie man das eben so mit Leu­ten, die schwer bewaff­net deut­sche Inter­es­sen im Aus­land ver­tre­ten, machen soll­te. Man könn­te die­se Rück­keh­rer „Vete­ra­nen“ nen­nen. Aber „Vete­ra­nen“ hat so einen üblen Nach­ge­schmack, denn die­sen Titel tra­gen bereits die Teil­neh­mer der grö­ße­ren Krie­ge im 20. Jahr­hun­dert, und in Afgha­ni­stan her­um­zu­schie­ßen ist viel ehren­vol­ler als in Polen her­um­zu­schie­ßen. Also muss nun ein bes­se­res Wort für einen Vete­ra­nen gefun­den wer­den; bevor­zugt eines, das die Gesell­schaft dazu anhält, sei­ne immensen Lei­stun­gen ange­mes­sen zu prei­sen.

Da es bis­her noch kei­nen Kon­sens zu geben scheint: Wie wäre es mit „Shoo­ting-Star“?

Gern gesche­hen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXLVII: Bei­na­he radi­kal.

Das Wort „radi­kal“ hat, sofern man aus­nahms­wei­se den Duden als defi­ni­ti­ons­fä­hi­ge Instanz ver­steht, im Deut­schen meh­re­re Bedeu­tun­gen:

    1. von Grund aus erfol­gend, ganz und gar; voll­stän­dig, gründ­lich
    2. mit Rück­sichts­lo­sig­keit und Här­te vor­ge­hend, durch­ge­führt o. Ä.
  1. eine extre­me poli­ti­sche, ideo­lo­gi­sche, welt­an­schau­li­che Rich­tung ver­tre­tend [und gegen die bestehen­de Ord­nung ankämp­fend]
  2. (Mathe­ma­tik) die Wur­zel betref­fend

Wenn also die USA einen „radi­ka­len Rück­zug“ aus Afgha­ni­stan ankün­di­gen, was, glaubt ihr, wird dann gesche­hen? Wer­den sich die in Afgha­ni­stan sta­tio­nier­ten Sol­da­ten mit Rück­sichts­lo­sig­keit und Här­te auf den Heim­weg machen, wer­den sie beim Rück­zug auch wei­ter­hin gegen die bestehen­de Ord­nung ankämp­fen oder mathe­ma­ti­sche Glei­chun­gen lösen? Weit gefehlt, natür­lich ist ledig­lich ein „voll­stän­di­ger, gründ­li­cher“ …

Weni­ger als 10.000 Mann sol­len nach Infor­ma­tio­nen von SPIEGEL ONLINE ab Ende 2014 am Hin­du­kusch sta­tio­niert blei­ben.

…, ich bit­te den ange­fan­ge­nen Satz aus dem Pro­to­koll zu strei­chen.

(Ande­rer­seits soll­ten wir alle froh sein, dass die USA das mit dem Radi­ka­lis­mus nicht so genau neh­men.)

PolitikIn den Nachrichten
Sig­mar Gabri­el hat kei­ne Wahl.

Und dann war da noch SPD-Mensch Sig­mar Gabri­el, der nach der bis­lang letz­ten Land­tags­wahl in sei­nem Hei­mat­land Nie­der­sach­sen total gespannt dar­auf war­te­te, wen sei­ne Par­tei – die als Wahl­sie­ger tra­di­tio­nell den neu­en Mini­ster­prä­si­den­ten des Lan­des stellt – wohl wäh­len wür­de: Ste­phan „inner­par­tei­li­che Demo­kra­tie“ Weil oder eben nicht.

Ich nahm an die­ser Wahl nicht teil, ich neh­me jedoch an, die zur Wahl ste­hen­den Optio­nen las­sen sich mit „Ste­phan Weil“ und „Ist mir egal“ gut zusam­men­fas­sen.

Und sie­he, wei­ßer Rauch stieg auf. Herr Gabri­el ver­mel­de­te über­schwäng­lich per Twit­ter:

Herz­li­chen Glück­wunsch an den neu­en nie­der­säch­si­schen Mini­ster­prä­si­den­ten der SPD, Ste­phan Weil, zu sei­ner Wahl! Im ersten Wahl­gang gewählt!

Er wirk­te ernst­haft über­rascht.