In den Nachrichten
Kurz ver­linkt CLII: Skan­dal: H&M‑Mitarbeiter kauft bei H&M!

OHMEINGOTTOHMEINGOTTOHMEINGOTT:

Wiki­pe­dia: BP-Mit­ar­bei­ter schreibt am BP-Ein­trag mit

Der Vor­wurf ist gar Furcht erre­gend: Ein Mit­ar­bei­ter des Unter­neh­mens BP, der sich sub­til mit­tels des Benut­zer­na­mens „Arturo at BP“ tarnt, um sei­ne Fir­men­zu­ge­hö­rig­keit pri­ma zu ver­schlei­ern, hat Ände­rungs­vor­schlä­ge ein­ge­bracht, die dann nach Abstim­mung ande­rer Benut­zer von sel­bi­gen ein­ge­pflegt wur­den.

Anders­wo hie­ße das ja „Pri­mär­quel­le“, in der Wiki­pe­dia ist es ver­pönt, weil die Mög­lich­keit besteht, dass sub­jek­ti­ve Aus­sa­gen Ein­zug in einen Arti­kel fin­den. Als Ergeb­nis wird nun dar­über dis­ku­tiert, die eiser­ne Wiki­pe­dia-Regel „Igno­rie­re alle Regeln!“ um eine For­mu­lie­rung zu erwei­tern, die unge­fähr so lau­ten soll: „Igno­rie­re alle Regeln, es sei denn, es besteht ein Inter­es­sens­kon­flikt zwi­schen dei­ner Per­son und dem zu ändern­den Arti­kel, dann mach‘ dich bes­ser vom Acker, du doo­fer Hei­ni!“.

Zum Glück habe ich als Mann noch nie ver­sucht, den Wiki­pe­dia-Arti­kel zu „Mann“ – oder gar den zu „Femi­nis­mus“ – zu ändern. Eine lebens­lan­ge Sper­re wäre das Min­de­ste!

PolitikFotografie
Rot-Grün (Sym­bol­bild)

German Zukunft

„Über­haupt hat der Fort­schritt das an sich, dass er viel grö­ßer aus­schaut als er wirk­lich ist.“
– Johann Nepo­muk Nestroy

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CLI: Wer hat uns ver­ra­ten?

Ihr habt es sicher schon gele­sen: Die Ableh­nung des Lei­stungs­schmutz­rechts wird im Bun­des­rat wohl kei­ne Mehr­heit fin­den. Dass Peer Stein­brück anläss­lich der CeBIT 2013 noch zu Pro­to­koll gab, er den­ke, die SPD sei gut bera­ten, die­ses Lei­stungs­schmutz­ge­setz im Bun­des­rat zu kip­pen, ist Schnee von gestern. Es gilt statt­des­sen, was die Pres­se­ab­tei­lung ver­fügt:

Das Gesetz ist im Bun­des­rat ledig­lich ein Ein­spruchs­ge­setz und kann daher ange­sichts der noch bestehen­den Mehr­heits­ver­hält­nis­se im Bun­des­tag jetzt nicht auf­ge­hal­ten wer­den. Es gibt des­halb kei­ne Aus­sich­ten auf ein erfolg­rei­ches Ver­mitt­lungs­ver­fah­ren. Die erfor­der­li­che neue Mehr­heit dafür kann mit der Bun­des­tags­wahl am 22. Sep­tem­ber her­bei­ge­führt wer­den.

In ande­ren Wor­ten: Natür­lich könn­te die SPD dage­gen stim­men, aber da sie im Bun­des­tag noch nicht die Mehr­heit hat, möch­te sie das nicht. Wer das ändern möch­te, soll doch bit­te zur näch­sten Bun­des­tags­wahl die SPD wäh­len, dann wird sie das CDU-Lei­stungs­schmutz­recht, dem sie selbst zuge­stimmt hat, gern wie­der abschaf­fen und statt­des­sen ein SPD-Lei­stungs­schmutz­recht durch­win­ken:

Ein neu­es, taug­li­ches Gesetz wird zu den ersten Maß­nah­men einer neu­en rot-grü­nen Regie­rung gehö­ren. Das Ziel muss sein, einen fai­ren Aus­gleich zu fin­den zwi­schen den Schöp­fern der Inhal­te – also Jour­na­li­sten oder Künst­lern -, den berech­tig­ten Inter­es­sen der Ver­la­ge und den eben­so berech­tig­ten Inter­es­sen der neu­en digi­ta­len Dien­ste sowie den Ansprü­chen der Inter­net-User auf Infor­ma­ti­ons­frei­heit.

Und die Pira­ten­par­tei? Nun, sie schreibt der­weil Pres­se­mit­tei­lun­gen über Trink­was­ser und Frau­en­rech­te.

Frü­her hat man so was ja noch mit Fackeln und Heu­ga­beln gelöst. Gute, alte Zeit.

NerdkramsNetzfundstücke
Ver­füh­re­risch schlech­tes Web­de­sign

Aus Ver­se­hen habe ich über die­sen Bei­trag zum zehn­jäh­ri­gen „Geburts­tag“ von Word­Press die Web­site von Moni­ka Thon-Soun, nach eige­nen Anga­ben „Fach­frau & Autorin“ in Word­Press-Din­gen mit „Bera­tung & Humor“, gefun­den. In der Tat fin­de ich sie sehr lustig.

Bereits der initia­le Auf­ruf mit akti­vier­tem NoScript (lei­der in der heu­ti­gen Zeit unver­zicht­ba­re Erwei­te­rung zum Schutz vor nerv­tö­ten­den Ani­ma­tio­nen und unfreund­li­chen Zeit­ge­nos­sen) lässt mich schal­lend lachen: Frau Thon-Soun setzt auf Comic Sans. Comic Sans. Kann man als Web­de­si­gner machen, muss man nicht. Soll­te man viel­leicht auch nicht.

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Mit akti­vier­tem Java­Script wird die häss­li­che Comic Sans durch eine häss­li­che Schrift­art aus dem Inter­net ersetzt. Dem auf­merk­sa­men Betrach­ter ent­geht wahr­schein­lich nicht, dass die Viel­zahl an Schrif­ten nicht nur nicht son­der­lich zur gra­fi­schen Aus­ge­wo­gen­heit bei­trägt, son­dern dass eini­ge Schrift­ar­ten auch ziem­lich kaputt aus­se­hen. Aber ich habe kei­ne Ahnung, ich bin ja kei­ne Fach­frau.

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Bereits auf die­ser Start­sei­te erklärt Frau Thon-Soun, was sie unter „moder­nem Web­de­sign“ („Web­De­sign“, ebd.) ver­steht:

moder­nes Web­De­sign (…)

» ist nie per­fekt und nie fer­tig – aus­bau­fä­hig
» bie­tet Text­ge­stal­tung – lese­freund­lich

„Aus­bau­fä­hi­ge Text­ge­stal­tung“. Hübsch zusam­men­ge­fasst. Und sie selbst kommt die­sen eige­nen For­de­run­gen wie nach? Nun, auch das erfährt der geneig­te Besu­cher:

der Web­De­si­gner in mir…

» Web­stan­dards
» CSS3 und HTML5 genau­so wie XHTML strict
(…)
» ihre Kun­den ver­füh­ren

Ein kur­zes Lacher­chen (ja, Humor hat’se) über das mit dem Ver­füh­ren und dann zurück zur Sache.

Web­stan­dards und CSS3 will Frau Thon-Soun also beherr­schen. Das ist für den Besu­cher viel­leicht nicht ganz so lustig, die Feh­ler­kon­so­le von Fire­fox bekommt aber schon fast kei­ne Luft mehr vor Lachen. Da ste­hen dann so Zei­len wie:

War­nung: Dekla­ra­ti­on erwar­tet, aber ‚*‘ gefun­den. Über­sprun­gen bis zur näch­sten Dekla­ra­ti­on
Quell­da­tei: http://www.webdesign-in.de/wp-content/themes/mts-webdesign-12/style.css
Zei­le: 332

Der Code in besag­ter Zei­le: .wp_page_numbers ul{display: inline-block; *dis­play: inline; *zoom: 1;width:100%;}. Was immer das machen soll, direkt irgend­wel­che Stan­dards erfüllt es nun nicht unbe­dingt. Das glei­che pas­siert Frau Thon-Soun noch an ver­schie­de­nen ande­ren Stel­len.

Gut, einen Feh­ler ver­zeiht man schnell, auch, wenn er mehr­mals gemacht wird. (Aus Feh­lern zu ler­nen ist nicht ver­pflich­tend, auch dann nicht, wenn man irgend­was mit Web­de­sign macht.) Fire­fox ver­zeiht aber weni­ger leicht als der Mensch. Die­sen Feh­ler eben­falls:

War­nung: Feh­ler beim Ver­ar­bei­ten des Wer­tes für ‚bor­der-radi­us‘. Dekla­ra­ti­on igno­riert.
Quell­da­tei: http://www.webdesign-in.de/wp-content/themes/mts-webdesign-12/style.css
Zei­le: 183

Frau Thon-Soun schreibt dort border-radius:none. Kann man machen, ist halt falsch. In eine ähn­li­che Kate­go­rie fal­len Feh­ler wie die­ser:

War­nung: Far­be erwar­tet, aber ’non­eim­portant‘ gefun­den. Feh­ler beim Ver­ar­bei­ten des Wer­tes für ‚bor­der‘. Dekla­ra­ti­on igno­riert.
Quell­da­tei: http://www.webdesign-in.de/wp-content/themes/mts-webdesign-12/style.css
Zei­le: 551

War­nung: Far­be erwar­tet, aber ’non­eim­portant‘ gefun­den. Feh­ler beim Ver­ar­bei­ten des Wer­tes für ‚bor­der‘. Dekla­ra­ti­on igno­riert.
Quell­da­tei: http://www.webdesign-in.de/wp-content/themes/mts-webdesign-12/style.css
Zei­le: 552

Zwei­fels­oh­ne: non­eim­portant ist kei­ne Farb­an­ga­be. Gemeint war viel­leicht: border:none !important; – aber Frau Thon-Soun macht was mit die­sem Web­de­sign, die macht sol­che Feh­ler nicht. Und schon gar nicht mehr­fach.

Sie ist halt Pro­fi. Wenn sie was ver­siebt, dann wenig­stens rich­tig:

War­nung: Iden­ti­fi­ka­tor für Pseu­do­klas­se oder Pseu­do­ele­ment erwar­tet, aber ‘ ‘ gefun­den. Regel­satz wegen ungül­ti­gem Selek­tor igno­riert.
Quell­da­tei: http://www.webdesign-in.de/wp-content/themes/mts-webdesign-12/style.css
Zei­le: 734

War­nung: Uner­war­te­tes Datei­ende beim Suchen nach Abschlie­ßen­de } eines ungül­ti­gen Regel­sat­zes.
Quell­da­tei: http://www.webdesign-in.de/wp-content/themes/mts-webdesign-12/style.css
Zei­le: 736

(Für die grau­en­vol­le Gram­ma­tik in Fire­fox-Feh­ler­mel­dun­gen kann sie zumin­dest wahr­schein­lich nichts.)

Die zahl­lo­sen „War­nun­gen“ auf­grund von Prä­fix-CSS-Anga­ben (etwa -moz-bor­der-radi­us) möch­te ich hier gar nicht wei­ter aus­ein­an­der­neh­men, obi­ge Bei­spie­le soll­ten genü­gen.

Frau Thon-Soun hat ihrer Web­site den Sei­ten­ti­tel „pro­fes­sio­nal Web­De­sign bar­rie­re­frei“ gege­ben. Ja, doch, Humor hat sie.


Nach­trag: In den Kom­men­ta­ren zu ein­gangs erwähn­tem Bei­trag wirft mir Frau Thon-Soun vor, mich hin­ter even­tu­el­ler Sati­re zu ver­stecken. Ich tei­le die­se Auf­fas­sung nicht.

SonstigesIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CL: Säku­la­ris­mus wann anders.

Art. 137 Abs. 1 der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung (wei­ter­hin gül­tig gemäß Art. 140 GG):

Es besteht kei­ne Staats­kir­che.

SPIEGEL ONLINE zur Amts­ein­füh­rung von Papst Franz (unge­fähr jetzt gera­de):

Unter den Besu­chern auf dem Peters­platz waren vie­le Pil­ger, aber auch Dele­ga­tio­nen aus 132 Län­dern, Staats- und Regie­rungs­chefs, Poli­ti­ker, Reli­gi­ons­füh­rer. Dar­un­ter waren Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (evan­ge­lisch, A.d.V.), Bun­des­rats­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann und Bun­des­tags­prä­si­dent Nor­bert Lam­mert, US-Vize­prä­si­dent Joe Biden und Argen­ti­ni­ens Prä­si­den­tin Cri­sti­na Kirch­ner.

Merkt ihr selbst?

In den NachrichtenNerdkrams
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: ZEIT ONLINE und sein Res­sort Ana­log

Zum Ende vom Goog­le Rea­der hat auch Kai Bier­mann, sei­nes Zei­chens Redak­teur im „Res­sort Digi­tal“ für das frag­wür­di­ge Online­blatt „ZEIT ONLINE“, auch was geschrie­ben. Was bedeu­tet das Ende die­ses RSS-Dien­stes? Tja, ganz ein­fach:

Nun ver­brei­tet allein Face­book News – und das ist nicht offen.

Nach­rich­ten gibt es nun nur noch per Face­book, schreibt Kai Bier­mann. Natür­lich: Gin­ge es nach den gro­ßen Zei­tungs­ver­la­gen (die ZEIT gehört aller­dings mei­nes Wis­sens nicht zu den akti­ven Unter­stüt­zern des Lei­stungs­schutz­rechts), ist das Inter­net sowie­so kei­ne vali­de Quel­le, um sich zu infor­mie­ren. Dort wird ja nur raub­ko­piert.

Wir ler­nen: Wer Nach­rich­ten online lesen will, muss sich jetzt bei Face­book anmel­den. News­Blur, Tiny Tiny RSS, Feed­ly und (nicht zuletzt) die „Live-Lese­zei­chen“ von Fire­fox gibt es nicht. Bil­der wie die­ses sind gefälscht:

FeedDemon

Dan­ke, Kai Bier­mann, für die­sen Ein­blick in Ihr „Res­sort Digi­tal“. Dar­auf wäre ich ohne Sie nie gekom­men.

(via Alarm­knopf, dort aus­führ­li­cher nach­zu­le­sen)

Piratenpartei
#öko­ga­te

Im vori­gen Dezem­ber schrieb ich:

Sagt mir, Pira­ten: War­um soll­te man uns wäh­len? Weil wir uns so toll für Umwelt und Bil­dung ein­set­zen und weil wir irgend­was mit sozi­al im Pro­gramm haben?

Anti-Atom­strom-Akti­vi­stin Kine Haas­ler, bekannt gewor­den durch aller­lei wir­re Wahl­kampf­ak­tio­nen, hat nun unter gro­ßem Tam­tam ihren Aus­tritt bekannt­ge­ge­ben. Ihre Begrün­dung: Sie sei Akti­vi­stin und kei­ne Poli­ti­ke­rin. Ja, das stimmt so.

Vie­le Wäh­ler haben ihre Stim­me bei der Land­tags­wahl 2013 in Nie­der­sach­sen nur des­halb nicht der Pira­ten­par­tei gege­ben, weil es ihr an einem kla­ren Pro­fil man­gel­te. In den Wahl­kampf wur­de mit Ener­gie- und Bil­dungs­po­li­tik gezo­gen – nichts, was die Grü­nen oder die Lin­ke nicht schon seit lan­gem selbst ver­tre­ten wür­den. Das Pro­blem der Pira­ten­par­tei waren nie­mals die „inner­par­tei­li­chen Strei­te­rei­en“, denn die gibt es selbst in der alles ande­re als trans­pa­ren­ten CDU („Ich kann dei­ne Fres­se nicht mehr sehen“, „Ich kann den Scheiß nicht mehr hören“, „Du machst mit dei­ner Schei­ße alle Leu­te ver­rückt“ – so weit bekannt). Das Pro­blem der Pira­ten­par­tei waren und sind die Akti­vi­sten, die aus den unter­schied­lich­sten Strö­mun­gen stam­men.

Zwei­fel­los wur­de die Pira­ten­par­tei selbst von Akti­vi­sten für frei­en Datei­tausch gegrün­det. Das ist kein Grund, wei­te­re Akti­vis­men hin­zu­zu­fü­gen, denn es ver­wäs­sert ihre Zie­le. Der Aus­tritt Kine Haas­lers, obschon bejam­mert als „Zei­chen für den Unter­gang“, da mit ihr auch ein akti­ves Mit­glied die Par­tei ver­lässt, setzt ein kla­res Zei­chen: In der Pira­ten­par­tei ver­wur­zel­te Akti­vi­sten für „grü­ne“ The­men sehen sich mitt­ler­wei­le außer­stan­de, ihre Zie­le als Pirat zu erstrei­ten.

Die Behaup­tung, mit der Pira­ten­par­tei gin­ge es berg­ab, kann nun nicht mehr unwi­der­spro­chen hin­ge­nom­men wer­den. Tat­säch­lich hat das Abschnei­den bei der nie­der­säch­si­schen Land­tags­wahl nun zur Fol­ge, dass sich das Pro­fil der Par­tei end­lich wie­der schärft, da die­je­ni­gen, die voll­mun­dig „wir brau­chen ein Voll­pro­gramm und auf jede noch so dum­me Fra­ge eine Ant­wort“ skan­dier­ten, ganz klein­laut gewor­den sind. Schwarm­in­tel­li­genz funk­tio­niert manch­mal eben doch.

Viel­leicht über­le­ge ich mir das mit der Bun­des­tags­wahl ja doch noch mal.

In den NachrichtenNerdkrams
Goog­le, der Kun­den­fres­ser

Dies­mal hat Goog­le sei­ne Kun­den unter­schätzt. In wel­chem Zusam­men­hang? Tja, am 1. Juli wird beim Goog­le Rea­der der Stecker gezo­gen. Der Goog­le Rea­der war jah­re­lang ein ver­brei­te­ter RSS-Leser (sie­he auch), der irgend­wann so erfolg­reich wur­de, dass eine Viel­zahl an Desk­top-RSS-Lesern (etwa RSSOwl) und Online­dien­sten (etwa das lei­der ziem­lich scheuß­lich zu bedie­nen­de Feed­ly) ihn als Syn­chro­ni­sa­ti­ons­quel­le ver­wen­de­ten.

Goo­gles Begrün­dung für den Schritt belu­stigt mich: Man wol­le zum Einen sei­ne Ener­gie in weni­ger Pro­duk­te stecken müs­sen (selbst fah­ren­de Auto­mo­bi­le, elek­tro­ni­sche Bril­len und ein sozia­les Netz­werk für Bra­si­lia­ner haben offen­kun­dig Prio­ri­tät; nach mei­nem Kennt­nis­stand hat jedoch seit Jah­ren nie­mand mehr an Goog­le Rea­der Ent­wick­lungs­ar­beit betrie­ben), zum Ande­ren nut­ze ohne­hin nie­mand mehr RSS. Bereits weni­ge Minu­ten nach der Ankün­di­gung waren die Ser­ver von Feed­ly, News­Blur und der selbst zu hosten­den Alter­na­ti­ve Tiny Tiny RSS mit einem Viel­fa­chen der gewohn­ten Ser­ver­last nur noch schwer bis gar nicht zu errei­chen. Der Ansturm der Nie­man­de war offen­bar gewal­tig.

Für vie­le auf den Goog­le Rea­der auf­bau­en­de RSS-Leser sieht die Zukunft auch nicht rosig aus. Feed­De­mon wird ein­ge­stellt, RSSOwl wird zumin­dest nicht mehr syn­chro­ni­sie­ren kön­nen. Die diver­sen „gRea­der“- und ähn­lich­na­mi­gen apps unter Android wer­den ver­mut­lich auch kein lan­ges Leben mehr vor sich haben. Zumin­dest Feed­ly hat bereits ange­kün­digt, recht­zei­tig ein dem Goog­le Rea­der ähn­li­ches API zur Ver­fü­gung zu stel­len, das Ent­wick­lern sol­cher Pro­gram­me eine ein­fa­che Migra­ti­on (wahr­schein­lich: ein­fach URI ändern und läuft wie­der) ermög­li­chen wird. Ich ver­mu­te, wei­te­re Anbie­ter wer­den fol­gen. Für den ein­fa­chen Anwen­der, der kei­ne Syn­chro­ni­sa­ti­on benö­tigt, wird sich ohne­hin wahr­schein­lich nicht viel ändern.

Die­se Ent­wick­lung ist erneut ein Beleg dafür, dass es eine fata­le Fehl­ent­schei­dung sein kann und meist sein wird, sei­ne digi­ta­le Exi­stenz in die Hän­de eines ein­zi­gen Anbie­ters zu legen – das Funk­tio­nie­ren des eige­nen work­flows liegt dann allein in sei­nem Ermes­sen. Alter­na­ti­ven gibt es zuhauf. Selbst, wer dar­auf ange­wie­sen ist, sei­ne RSS-Feeds auf meh­re­ren Gerä­ten ver­fol­gen zu kön­nen, kann zu Feed­ly oder News­Blur grei­fen. Emp­feh­lens­wert ist es aber aus genann­tem Grund, auf dem eige­nen Ser­ver oder eige­nen Web­space Tiny Tiny RSS oder das recht hüb­sche, jedoch nicht kosten­lo­se Fever zu instal­lie­ren. Das ist ziem­lich ein­fach, das bekom­me sogar ich hin. Der Vor­teil: Man wird kei­ne unan­ge­neh­men Über­ra­schun­gen erle­ben. Gute (also über­sicht­li­che und eini­ger­ma­ßen kom­for­ta­ble) Cli­ents für mobi­le Gerä­te gibt es mei­nes Wis­sens für jeden der genann­ten Dien­ste.

War­um Goog­le noch an Goog­le Mail fest­hält? E‑Mail ist in Zei­ten „sozia­ler Netz­wer­ke“ doch längst so gut wie tot. Aber dann wis­sen wir ja jetzt schon, wel­cher Dienst beim näch­sten Goog­le-Früh­jahrs­putz aus­sor­tiert wird. Sol­len die Leu­te doch zu Goog­le+ wech­seln, sagt Goog­le, denn über Goog­le+ kann man sicher­lich auch das eine oder ande­re Blog lesen; natür­lich nicht ansatz­wei­se so kom­for­ta­bel und über­sicht­lich wie mit einem brauch­ba­ren RSS-Leser, aber das ist nun mal die Zukunft. Und nie­mand braucht mehr etwas ande­res.

Viel­leicht braucht aber auch ein­fach nie­mand Goog­le. Das könn­te sich all­mäh­lich her­um­ge­spro­chen haben.

In den NachrichtenWirtschaft
Eiderd­aus: Es ist ein Papst!

Nach­dem die Öffent­lich-Recht­li­chen den gest­ri­gen Tag damit ver­brach­ten, die 26 Pro­zent Katho­li­ken in Deutsch­land von öffent­li­chen Gel­dern voll­um­fäng­lich zu bespa­ßen, indem immer wie­der Bil­der von Schorn­stei­nen und ver­schie­den­far­bi­gem Rauch ein­ge­blen­det wur­den (däm­lich genug), fiel die Über­ra­schung eher nüch­tern aus: Es ist erneut ein alter männ­li­cher Katho­lik gewor­den.

Anhän­ger des deut­schen (nun ja, bay­ri­schen) Pap­stes Bene­dikt XVI., die ange­sichts sei­nes argen­ti­ni­schen Nach­fol­gers eher skep­tisch waren, kön­nen beru­higt sein: Nichts wird sich ändern.

Und die Mil­lio­nen, die begei­stert auf dem Peters­platz fro­ren und auf wei­ßen Rauch war­te­ten, sie alle sind längst ver­lo­ren für die rei­ne Ver­nunft. Ach, Men­schen. Sie sind so vor­her­seh­bar.


In wei­te­ren Nach­rich­ten: Für die Steu­er­zah­ler war die Ret­tung der Com­merz­bank ein Desa­ster, wie es heißt; das hat ja vor­her nie­mand ahnen kön­nen!

War­um die­se Mel­dung gestern kaum Auf­se­hen erregt hat? Nun, der Anteil an Steu­er­zah­lern in Deutsch­land ist zwar deut­lich grö­ßer als der der Katho­li­ken, aber an der Spit­ze der Com­merz­bank steht eben kein alter Mann in Frau­en­klei­dern, son­dern ein gewöhn­li­cher Ban­kier. Den mag doch kei­ner im Fern­se­hen sehen.

Ach, Men­schen.

PolitikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: SPIEGEL ONLINE, die SPD und der Neo­li­be­ra­lis­mus

SPIEGEL ONLINE haut mal wie­der so rich­tig auf die Kacke:

War­um die Agen­da 2010 eine unver­stan­de­ne Reform ist

Man bekommt spon­tan Mit­leid! Und die Demon­stran­ten …

Die Geg­ner gab es von Anfang an. Bis heu­te demon­strie­ren sie mon­tags in Frei­burg, Bre­men oder Eisen­hüt­ten­stadt gegen eine Reform, die aus ihrer Sicht vor allem eines gebracht hat: einen „rück­sichts­lo­sen Sozi­al­kahl­schlag“.

… sind sicher­lich alle­samt nur zu kurz­sich­tig, um die Vor­tei­le der Agen­da 2010 zu erken­nen. Da haben ande­re einen bes­se­ren Durch­blick:

Doch in jüng­ster Zeit zei­gen sich vor allem die Freun­de der Agen­da 2010. Zu ihnen gehört (…) [d]er Chef des US-Kon­zerns Gene­ral Elec­tric, der sag­te: „Wir müs­sen mehr wie Deutsch­land wer­den.“

Dass ein Arbeit­ge­ber es gut fin­det, wenn die Löh­ne ange­nehm nied­rig blei­ben und auch mas­sen­haft Ent­las­se­ne nur teil­wei­se als arbeits­los gel­ten, ist doch ein siche­res Zei­chen dafür, dass alles rich­tig gemacht wur­de.

Ist das noch sozi­al­de­mo­kra­tisch? Aber sicher!

Und neu­er­dings auch Schrö­ders Par­tei­freun­de. „Wir kön­nen sehr stolz auf die Agen­da 2010 sein“, sag­te SPD-Chef Sig­mar Gabri­el im Inter­view mit SPIEGEL ONLINE.

Ja, das habt ihr gut gemacht.

Der Ger­hard Schrö­der war übri­gens nicht sehr lan­ge Kanz­ler. Aber das habt ihr sicher nur ver­ges­sen.

KaufbefehleMusikkritikMontagsmusik
Umphrey’s McGee – In The Pup­pet Kit­chen

Die US-ame­ri­ka­ni­sche Musik­grup­pe Umphrey’s McGee ver­öf­fent­lich­te ihr erstes Album bereits 2002, trotz­dem gehen sie in der gro­ßen Wel­le der „irgend­wie so Rock­bands“ selbst nach dem euro­päi­schen Durch­bruch mit dem Album „Anchor Drops“ (2005) ein wenig unter. Das ist scha­de, denn abwechs­lungs­rei­che Rock­mu­sik abseits der Pro­gres­si­ve-Rock-Pfa­de sucht man­cher Musik­freund dann doch ver­ge­bens. Was das hier ist? Beat und Funk und Jazz und AOR und Pop und Melo­dic Rock und was auch immer man eben gera­de so fin­den mag. Der Lau­ne kommt’s ent­ge­gen.

„In The Pup­pet Kit­chen“ (video)

And there’s no argu­ment
for wasting time much bet­ter spent
com­pla­cent­ly repla­cing a melo­dy with smo­ke.

Guten Mor­gen.

Persönliches
Regen.

Und die­ser Regen, der an die Schei­ben klopft und (geräusch­lich dafür sorgt, dass man drin­gend aufs Klo muss, und) den Schnee immer­hin ver­drängt, der sich nach eini­gen Son­nen­ta­gen über­ra­schend aus dem Urlaub zurück­mel­de­te, denn eine alte Bau­ern­re­gel besagt, es gibt stets sie­ben Win­ter zwi­schen Som­mer und Som­mer, und das ist dann jetzt der sieb­te gewe­sen, die­ser Regen also lässt Ver­ges­se­nes wie­der auf­le­ben wie ein Déjà-vu oder doch eher ein Mene­te­kel, denn man­ches war nicht grund­los ver­ges­sen: Man stand ja irgend­wann schon mal knut­schend und/oder bedrückt (im Rhein­land sagt man nicht umsonst bedröp­pelt) im Regen und ver­bin­det mit dem Regen nicht vor allem ’ne Erkäl­tung.

Regen bedeu­tet Son­nen­schein, aber eben auch erst spä­ter, und bis dahin steht man am lee­ren Bahn­hof und (friert und) war­tet und/oder knutscht, je nach­dem. Mei­stens ist’s Oder.

Zufrie­den­heits­sta­tus: Satt (wie in: ~ sein – sie­he auch: es ~ haben); bezie­hungs­wei­se: Sehn-Sucht.

„I can’t stand the rain against my win­dow, brin­ging back sweet memo­ries.“
– Tina Tur­ner

In den Nachrichten
Meh­dorn wird Welt­frau­en­tag.

Aktu­ell in den deut­schen Twit­ter-Trends laut Trendsmap.com:
Der Welt­frau­en­tag, Frau­en­tag oder wie auch immer man ihn nen­nen möch­te.

Twitter-Trends Trendsmap

Aktu­ell in den deut­schen Twit­ter-Trends laut WhatTheTrend.com:
Der Welt­frau­en­tag. Und Germany’s Next Top­mo­del.

Twitter-Trends WhatTheTrend

Mario Barths ohne­hin bereits recht vor­her­seh­ba­re Wit­ze wer­den gera­de von euch selbst unter­bo­ten, Mädels. Wei­ter so.

Der Welt­män­ner­tag fin­det übri­gens wie jedes Jahr am 3. Novem­ber statt. Fro­hes Fest!

MusikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CXLIX: „Immer mit­ten in die Fres­se rein!“

(Vor­be­mer­kung: Die Musik­grup­pe Frei.Wild ist mir nur nament­lich bekannt, ich fin­de die mei­sten gegen­wär­ti­gen Deutschrock­grup­pen unta­len­tiert bis belang­los und habe daher bis­her dar­auf ver­zich­tet, mich aber­mals davon zu über­zeu­gen.)

Der­zeit wird außer Johan­nes Pon­ader, über den man auf SPIEGEL ONLINE, dem renom­mier­ten Des­in­for­ma­ti­ons­ma­ga­zin zur Pira­ten­par­tei, die­ser Tage wie­der aller­lei nicht Ver­lin­kens­wer­tes berich­tet, auch eine ande­re Sau durchs Dorf getrie­ben, näm­lich die Rock­band „Frei.Wild“:

Die Rechts­rocker von Frei.Wild sind für einen Echo nomi­niert. Für Kraft­klub ein Grund abzu­sa­gen. Auch Die Ärz­te fin­den das „poli­tisch frag­wür­dig“. (…) Die Ärz­te las­sen sich durch Frei.Wild den Echo nicht ver­der­ben.

Frei.Wild waren bereits vor eini­gen Wochen in die Schlag­zei­len gera­ten, als das zumin­dest musi­ka­lisch beach­tens­wer­te Musik­ma­ga­zin „Visi­ons“ sei­ne För­de­rung eines Festi­vals absag­te:

Mit Frei.Wild hat das With Full Force eine Band bestä­tigt, die sich mit natio­na­li­sti­schen Ten­den­zen in der Mit­te der Gesell­schaft posi­tio­niert. VISIONS will das nicht unter­stüt­zen und zieht sich des­halb aus der Prä­sen­ta­ti­on des Festi­vals zurück.

Als einer der Bele­ge für nicht unter­stüt­zens­wer­tes Ver­hal­ten sei­tens Frei.Wilds wird dort ein Lied­text ange­führt:

Das Video zum Song „Halt die Schnau­ze“ von 2008 zeigt eine wei­te­re Sei­te der Band, die wir in einem hohen Maße ableh­nen. Dort heißt es: „Du hast mich provoziert/ Nichts als Hass geschürt/ Und mich nichts als schikaniert/ Jede Mei­nung ignoriert/ Es war dir scheißegal/ Ganz im Gegenteil/ Pro­vo­ka­ti­on total/ Und feu­rig fatal/ Ich sag’s dir ein aller­letz­tes Mal/ Halt die Schnau­ze!“ (…) Hau die um, die dich pro­vo­zie­ren, und tritt rein, wenn sie am Boden lie­gen. Ab wann Gewalt zum pro­ba­ten Mit­tel wird, ist dabei nur noch abhän­gig von der Län­ge der Zünd­schnur des Pro­vo­zier­ten.

Die von SPIEGEL ONLINE als posi­ti­ves Bei­spiel genann­ten Ärz­te – im Hau­se „Visi­ons“ viel­fach geschätzt – ver­öf­fent­lich­ten 1995 das Album „Pla­net Punk“, deren „Schun­der-Song“ auf­grund des gro­ßen Erfolgs mit einer Gol­de­nen Schall­plat­te aus­ge­zeich­net wur­de. In die­sem Lied heißt es:

Jetzt liegst Du vor mir und wir sind ganz allein,
und ich schla­ge wei­ter auf Dich ein.
Das tut gut. Das muß­te ein­fach mal sein.
Immer mit­ten in die Fres­se rein!

Glei­cher Inhalt, ande­rer Kon­text (bzw. eben jeweils gar kei­ner). Gewalt ist ein pro­ba­tes Mit­tel, wenn’s Die Ärz­te besin­gen; oder wenn der Iro­nie­de­tek­tor der „Visi­ons“ halt gera­de mal nicht defekt ist.

„Halt die Fres­se! Red‘ kein‘ Stuss, wenn du nicht musst! Mein Gott, wen juckt’s? Hey, Schnau­ze!“
– Die Fan­ta­sti­schen Vier: Schnau­ze