In den NachrichtenNerdkrams
Kurz ver­linkt CXLVIII: Erklärbärjournalismus

Seba­sti­an Hei­ser von der „taz“ schrieb im Februar:

Ich sehe ja mei­ne Auf­ga­be und mei­ne beson­de­re Dienst­lei­stung als Jour­na­list gera­de dar­in, alles so weit wie mög­lich zu ver­ein­fa­chen, damit es ver­ständ­li­cher wird.

Er betrach­tet sich also als einen Erklär­bä­ren, der wie sonst nur die „Com­pu­ter-BILD“ Lesern auch ein­fa­che Din­ge noch ein­fa­cher ver­ständ­lich macht („sprich: Wörd“).

Ein aktu­el­les Bei­spiel für die­sen Erklär­bär­jour­na­lis­mus gefäl­lig? Gestern ließ das Unter­neh­men Ever­no­te sei­ne Benut­zer per Blog­ar­ti­kel (und wenig spä­ter per Aktua­li­sie­rung der Soft­ware) wis­sen, dass irgend­wo im System offen­bar eine Lücke auf­ge­tre­ten sei, über die es kurz­zei­tig noch Unbe­kann­ten mög­lich gewe­sen sei, „Zugriff auf Benut­ze­r­in­for­ma­tio­nen wie Benut­zer­na­men, E‑Mail Adres­sen (sic!) und den (sic!) ver­schlüs­sel­ten Pass­wör­tern“ zu erhalten.

In ande­ren Wor­ten (Golem.de): Es wur­den Benut­zer­da­ten kopiert.

In wie­der­um ande­ren Wor­ten (SPIEGEL ONLINE): Es wur­den Pass­wör­ter gestoh­len. Ist halt Quatsch. Wenn ich etwas steh­le, hat der ursprüng­li­che Besit­zer es nicht mehr. Wenn ich etwas kopie­re, hat er es immer noch. Ich bit­te die SPIE­GEL-ONLINE-Ver­ant­wort­li­chen, an die­ser Stel­le ein­mal nach­zu­se­hen, ob in irgend­wel­chen Arti­keln Sät­ze feh­len, die ich hier in älte­ren Bei­trä­gen zitiert habe, denn dafür bin ich genau so vor­ge­gan­gen: Ich habe die ursprüng­li­chen Daten kopiert. (Nach aktu­el­lem Stand der Geset­zes­ent­wick­lung ist das zwar bald böse ille­gal, aber immer noch kein Diebstahl.)

Kom­men­ta­tor „Micha­el K“ schrieb übri­gens unter Seba­sti­an Hei­sers ein­gangs erwähn­ten Beitrag:

Wenn Sie das Gefühl haben, nur zwi­schen “kom­pli­ziert” und “falsch” wäh­len zu kön­nen, dann ver­ste­hen Sie Ihre Auf­ga­be nicht.

Da scheint Seba­sti­an Hei­ser immer­hin nicht allein zu sein.