Nerdkrams
systemd: Linux und die Mono­kul­tur

Nach­dem Open­BSD-Ent­wick­ler bereits im August 2013 das Jahr-2038-Pro­blem – der klas­si­sche 32-bit­ti­ge UNIX-timestamp wird am 19. Janu­ar 2038 über­lau­fen – gelöst haben, legt ein Jahr spä­ter auch das nicht gera­de für sei­ne Inno­va­ti­ons­kraft bekann­te Linux nach, für das es dann auch irgend­wann – viel­leicht noch die­ses Jahr – eine Lösung geben soll. Beein­druckend.

Aber um Ent­wick­lungs­ge­schwin­dig­keit geht es im Land der Soft­ware­frei­heit eben nicht, son­dern vor­ran­gig dar­um, nicht Win­dows zu sein. Als Linux­nut­zer sei man mün­dig und frei, und wenn was nicht pas­se, kön­ne man ja gehen.

Nun hat Linux aber eini­ge weni­ge Men­schen unter sei­nen Unter­stüt­zern, die den Feh­ler machen, nur das Beste für alle Linux­nut­zer errei­chen zu wol­len. Zu die­sen Men­schen zählt Lenn­art Poet­te­ring, der maß­geb­lich die Ent­wick­lung von Pul­se­Au­dio – eine Sound-Midd­le­wa­re, die sich im Ver­gleich mit ALSA dadurch aus­zeich­net, dass sie nicht funk­tio­niert – vor­an­ge­trie­ben hat und nun im Auf­trag sei­nes Arbeit­ge­bers Red Hat eine tol­le neue Idee umge­setzt hat, die eben­falls nicht funk­tio­niert: systemd.

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PolitikIn den Nachrichten
Bums­re­bel­len

Die Ärz­te, 2001:

Ficken, ficken, ficken / gegen das System!
Ficken, ficken, ficken / ihr könnt nicht über­le’m!

„Sozi­al­par­tei“ SPD, 2014:

„Men­schen­un­wür­di­ge Geschäfts­mo­del­le wie Flat­rate-Sex und Gang­bang-Par­tys wer­den ver­bo­ten“, erklär­te [Fami­li­en­mi­ni­ste­rin Manue­la] Schwe­sig.

Wer sich erwi­schen lässt, ist wahr­schein­lich, nun, gefickt, wenn nicht gar: am Arsch.

(Abt.: Niveau für Fort­ge­lau­fe­ne.)

In den Nachrichten
„O Cap­tain! My Cap­tain!“: Trau­er­flor auf Küchen­mö­beln aller­or­ten

Die bri­ti­schen Anar­cho­ko­mi­ker Mon­ty Python haben Ende Juli die­ses Jah­res nach etwa 45 Jah­ren der gele­gent­li­chen Zusam­men­ar­beit und einem letz­ten gro­ßen Auf­tritt in Lon­don die end­gül­ti­ge Auf­lö­sung der Trup­pe bekannt­ge­ge­ben. Damit endet ein Kapi­tel der glo­ba­len Humor­ge­schich­te, das wohl noch so man­che Gene­ra­ti­on posi­tiv beein­flus­sen wird.

Lum­ber jack song

Viel mehr media­les Auf­se­hen aller­dings erreg­te der vor­gest­ri­ge Tod des Schau­spie­lers Rob­bie Robin Wil­liams, der sich, wie’s die Medi­en berich­ten, mit einem Sex­spiel­zeug selbst erstickt hat. Seit vor­ge­stern nun wird rege aus sei­nen Fil­men zitiert, von „Peter Pan“ über „Mrs. Doubt­fi­re“ bis hin zum unver­meid­li­chen „Club der toten Dich­ter“, der nicht nur auf Twit­ter die Grund­la­ge für welt­wei­te Trau­er­ze­re­mo­nien bil­det, die sich bis ins öffent­lich-recht­li­che Fern­se­hen aus­deh­nen:

Mit einer unge­wöhn­li­chen Akti­on hat „Tagesthemen“-Moderatorin Caren Mios­ga das Lebens­werk des gestor­be­nen Schau­spie­lers Robin Wil­liams gewür­digt. Wäh­rend ihrer Sen­dung am Diens­tag­abend stieg sie auf ihren Mode­ra­to­ren­tisch und erin­ner­te so an den „Club der toten Dich­ter“, einen der bekann­te­sten Fil­me des Hol­ly­wood-Stars.

Wie’s eben auf Twit­ter auch üblich war und ist, den Film auf sein alt­be­kann­tes Mot­to „car­pe diem“ ein­zu­damp­fen, weil 140 Zei­chen einem eben die Aus­drucks­mög­lich­kei­ten beschnei­den: Macht etwas aus eurem Leben! Macht etwas Unge­wöhn­li­ches! Macht genau das, was auch im Film vor­kommt! Und so stei­gen sie auf die Tische und rezi­tie­ren aus Walt Whit­mans immer glei­chem Gedicht den immer glei­chen Halb­satz, den auch Robin Wil­liams (für weit­aus mehr Geld) rezi­tiert hat: „O Cap­tain! My Cap­tain!“. Car­pe diem, pflücke den Tag. Schlie­ße dich an. Hebe dich nicht ab aus der Men­ge derer, die indi­vi­du­ell das Glei­che tun.

Und natür­lich wett­ei­fern Deutsch­lands Fern­seh­sen­der dar­um, wer aus dem Able­ben mit den mei­sten Robin-Wil­liams-Fil­men die höch­sten Quo­ten zie­hen kann, und ich freue mich dann doch ein biss­chen dar­über, dass Robin Wil­liams haupt­säch­lich Schau­spie­ler und kein Musi­ker war, denn dem Fern­se­hen ent­kommt unser­eins viel leich­ter als dem Radio, aus dem nach Micha­el Jack­sons Tod qua­si Dau­er­ge­kiek­se erscholl.

Die Besin­nung auf Horaz‘ „car­pe diem“ ist, dies sei noch ange­merkt, kei­nes­falls eine schlech­te Idee, so lan­ge es nicht bei blo­ßer Sym­bo­lik bleibt. Seid unan­ge­passt in allem, was ihr tut. Mon­ty Python hat­ten es lan­ge vor Robin Wil­liams erkannt:

Ihr seid alle Indi­vi­du­en

Aber auf die hört natür­lich mal wie­der nie­mand.


Skan­da­lös: Frau fand But­ters­wa­stika auf unge­sun­dem Fraß und ver­lor sofort den Appe­tit auf sel­bi­gen. Der Umkehr­schluss ist wahr­schein­lich nicht zuläs­sig.

Montagsmusik
Bob Dylan – It’s Alright, Ma (I’m Only Blee­ding)

Guckt nur zufällig so: Ein Käuzchen.Wie schön! Es ist Mon­tag! Erdoğan wird Prä­si­dent. Mit denen kön­nen sie’s ja machen.

Nein, ein Mon­tag ist guter Tag, um beschwingt zu sein. End­lich raus aus dem Wochen­en­de und rein in den blü­hen­den Büro­all­tag!

War­um nicht mal ein wenig beschwin­gen­de Folk­mu­sik zum Mor­gen­kaf­fee?

Old lady jud­ges watch peo­p­le in pairs
Limi­t­ed in sex, they dare
To push fake morals, insult and sta­re
While money does­n’t talk, it swears
Obscen­i­ty, who real­ly cares, pro­pa­gan­da, all is pho­ny.

Guten Mor­gen!

In den NachrichtenPiratenpartei
Basis­en­t­scheid off­line?

Beo (Symbolbild)Ach, Medi­en.

Vor bei­na­he genau vier Jah­ren schrieb ich:

LQFB jeden­falls ist bereits in sei­nem aktu­el­len Zustand nicht weni­ger als eine Reform der Demo­kra­tie.

Bei „LQFB“ (Liquid Feed­back) han­delt es sich, kurz gesagt, um eine seit Jah­ren im Test­be­trieb lau­fen­de Platt­form, auf der Mit­glie­der der Pira­ten­par­tei über Anträ­ge abstim­men kön­nen. Ursprüng­lich hat­te sich die Pira­ten­par­tei Deutsch­land zum Ziel gesetzt, auf die­se oder eine ande­re Wei­se mal unter dem Begriff „BEO“ („Basis­en­t­scheid online“), mal unter dem Begriff „SMV“ („stän­di­ge Mit­glie­der­ver­samm­lung“) eine ein­fach zugäng­li­che Alter­na­ti­ve zu den mehr­mals jähr­lich an mit­un­ter nicht für jeden Teil­neh­mer ein­fach zu errei­chen­den Orten statt­fin­den­den Par­tei­ta­gen ein­rich­ten zu kön­nen. Netz­par­tei, ihr wisst schon.

Die­ses Liquid Feed­back hat aber im Lau­fe der Zeit – abge­se­hen von der mise­ra­blen Betei­li­gung, ein stän­di­ger Inter­net­zu­gang wird für eine Mit­glied­schaft in der Par­tei auch nicht vor­aus­ge­setzt – eini­ge erheb­li­che Nach­tei­le erhal­ten, sei­en es Dele­ga­tio­nen, also die Kon­zen­tra­ti­on vie­ler Stim­men auf eini­ge weni­ge Mit­glie­der, sei es die aus­blei­ben­de Berei­ni­gung der Benut­zer­da­ten­bank bei Aus­tritt oder aus­blei­ben­der Bei­trags­zah­lung. Gegen­wär­tig ist LQFB also eigent­lich nicht für ver­bind­li­che Mehr­heits­ab­stim­mun­gen inner­halb der Par­tei zu gebrau­chen.

Da aber die Basis­de­mo­kra­tie in der Pira­ten­par­tei eine wich­ti­ge Rol­le spielt, hat der Bun­des­vor­stand sich nun vor­läu­fig auf eine ande­re Metho­de zur Umset­zung des „Basis­en­t­scheids online“ geei­nigt:

Es gebe kei­ne Soft­ware, mit der eine ver­bind­li­che Mit­glie­der­be­fra­gung online abge­wickelt wer­den kön­ne. Außer­dem sei­en sol­che IT-Syste­me anfäl­lig für Mani­pu­la­tio­nen. „Des­we­gen wer­den wir den ersten Basis­en­t­scheid jetzt wohl ganz kon­ven­tio­nell, ganz her­kömm­lich auf Papier durch­füh­ren“, sag­te [der Bun­des­vor­sit­zen­de Ste­fan] Kör­ner.

Damit ist zwar noch kein „Basis­en­t­scheid online“ umge­setzt, aber zumin­dest ist es so jedem stimm­be­rech­tig­ten Mit­glied mög­lich, ohne kosten- und zeit­in­ten­si­ve Anrei­se zu einem Par­tei­tag über Anträ­ge abzu­stim­men; zudem ist die Miss­brauchs­ge­fahr gering, denn Brief­post erreicht sel­ten nicht erwünsch­te Emp­fän­ger.

Aber was gab das nicht für ein tol­les Bohei! Haha, die­se Pira­ten. Post! Off­line! Igitt! – Und so ist Twit­ter seit Stun­den vol­ler Läste­rei­en über die­ses Vor­ge­hen. Dabei sind sich man­che der Dis­ku­tan­ten auch für bescheu­er­te Ver­glei­che nicht zu scha­de:

Mit die­ser „Es muss 100% sicher sein“-Attitüde der #Pira­ten hät­ten wir weder Inter­net noch elek­tri­schen Strom oder gar Kat­zen­klos.

Von hun­dert­pro­zen­ti­ger Sicher­heit war nie die Rede, und auch Abstim­mun­gen per Post – Brief­wahl qua­si – sind nicht vor Miss­brauch geschützt, aber im Ver­gleich zur gegen­wär­ti­gen Alter­na­ti­ve noch immer die bes­se­re Wahl. Mit einem Kat­zen­klo wür­de ich aller­dings tat­säch­lich gern irgend­wo bei­na­he sicher abstim­men kön­nen. Wo genau geht das?

Der­art pri­va­te Din­ge wie eine Wahl nur des­halb ins Inter­net zu ver­la­gern, weil’s hip ist, ist, gelin­de gesagt, eine Schei­ßidee, so lan­ge nicht gewähr­lei­stet wer­den kann, dass die genann­ten Pro­ble­me eines sol­chen Wahl­sy­stems nicht beho­ben wer­den kön­nen. Post-pri­va­cy ist in der Poli­tik eben nicht egal.

Macht doch auch mal ein biss­chen Urlaub vom Inter­net!
Felix von Leit­ner

In den NachrichtenWirtschaft
„We are the 41 %!“

SPIEGEL ONLINE, 4. August 2014:

Die SPD und Tei­le der Uni­on for­dern den Abbau heim­li­cher Steu­er­erhö­hun­gen – doch Kanz­le­rin Mer­kel weist sol­che Plä­ne zurück: Die Kon­so­li­die­rung des Haus­hal­tes habe Vor­rang vor der Abschaf­fung der kal­ten Pro­gres­si­on. (…) Die kal­te Pro­gres­si­on führt dazu, dass sich Arbeit­neh­mer bei Lohn­er­hö­hun­gen, die nur die Infla­ti­on aus­glei­chen, weni­ger lei­sten kön­nen als zuvor, weil sie gleich­zei­tig in einen höhe­ren Steu­er­ta­rif rut­schen.

SPIEGEL ONLINE, 8. August 2014:

Die Gro­ße Koali­ti­on unter Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel ist so beliebt wie nie: 59 Pro­zent der Befrag­ten im ARD-Deutsch­land­trend sind mit der Regie­rung zufrie­den.

O_o

Mög­li­cher­wei­se befragt man für den ARD-Deutsch­land­trend aus­schließ­lich Rent­ner, denen es ohne­hin wurscht ist, und Ver­tre­ter des geho­be­nen Mit­tel­stands, die sich mit den Sor­gen der Arbeit­neh­mer nur im Wahl­jahr her­um­schla­gen müs­sen, anders kann ich mir das nicht sinn­voll erklä­ren. Die ehe­ma­li­ge Welt­kriegs- und Arbei­ter­par­tei SPD jeden­falls macht als Teil die­ser Regie­rungs­ko­ali­ti­on einen eher schwäch­li­chen Ein­druck, aber das ken­nen wir ja bereits von ihr. Kei­ne Sau braucht mehr die F.D.P.

Ich jeden­falls, „ARD-Deutsch­land­trend“, gehö­re zu den unzäh­li­gen Pro­zent, die kein „Befrag­ter“ sein dür­fen; ande­rer­seits wäre mei­ne Mei­nung zur „Arbeit“ der Regie­rung womög­lich nur wenig zitier­fä­hig. Ich bin die 41 Pro­zent, und vie­le ande­re sind es auch. 41 Pro­zent ent­spre­che laut SPIEGEL ONLINE unge­fähr dem vir­tu­el­len Wahl­er­geb­nis der CDU/CSU laut aktu­el­ler „Sonn­tags­fra­ge“ („Steh‘ ich auf oder bleib‘ ich im Bett?“). Bei 41 Pro­zent scheint es sich also um eine über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit der Bür­ger zu han­deln.

Ich bin nicht nur „nicht zufrie­den“, ich bin sogar höchst unzu­frie­den. Wut, Bür­ger. Anders­wo ent­ste­hen so Revo­lu­tio­nen. Die SED erfuhr ihrer­zeit auch eine gro­ße „Zustim­mung“; die hat aber auch die Steu­ern nicht erhöht. Viel­leicht wäre sie sonst noch an der Macht.

Und die Regie­rung schaut nur zu.
Die Ärz­te: Regie­rung

NetzfundstückeIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Kurz ver­linkt: Der Iwan, die Mina und das Gewalt­mo­no­pol

Nie wie­der Krieg! Naja, mili­tä­ri­sche Gewalt gegen den Rus­sen ist natür­lich ein Aus­weg. Si vis pacem: para bel­lum. Kein Fuß­breit den Russ­land­ver­ste­hern. Das hei­li­ge römi­sche Reich darf nie­mals unter­ge­hen, jeden­falls nicht kampf­los. Das wäre doch ent­ge­gen jeder Tra­di­ti­on.


Was macht eigent­lich die Mina („mehr kaf­fee als lat­te“, Twit­ter) heu­te so? Rich­tig: Sie hält sich für einen fünf Jah­re jün­ge­ren Mann und beschimpft des­we­gen Sascha Pal­len­berg als einen Sexi­sten, dem ihre Fol­lower infol­ge­des­sen die Bei­ne bre­chen und auf den Kopf koten wol­len.

[W]enn (…) Frau­en mer­ken, dass sie – obwohl sie so star­ke Mädels sind – auch Teil der Unter­drückung sind, egal ob gewollt oder nicht; dann ist das unan­ge­nehm und erzeugt eine kogni­ti­ve Dis­so­nanz.
Yas­mi­na Banaszc­zuk (sel­bi­ge)


Ach ja. Nie wie­der Krieg? Dann wer­den ja Res­sour­cen frei. Und auch im Fuß­ball soll das Poli­zei­auf­ge­bot gekürzt wer­den, damit die ramm­dö­si­gen Joh­ler nach dem Spiel unge­stört ein­an­der eins auf die Glocke geben kön­nen. Aber das war ja bis­her viel zu wenig effi­zi­ent, die natür­li­che Selek­ti­on schei­tert hier offen­sicht­lich, denn es schei­nen nicht weni­ger Betei­lig­te zu wer­den. Da hilft nur eins:

Der Staat hat im öffent­li­chen Raum das Gewalt­mo­no­pol. (…) Sol­len wir uns jetzt Was­ser­wer­fer und Waf­fen kau­fen und viel­leicht von Schuss­waf­fen Gebrauch machen?

Ich bit­te dar­um.

Tor!

NetzfundstückeMontagsmusik
Osmi Dan – Gal­va­ni­ze

Jeder, den ich ken­ne, hat ein gebro­che­nes Herz. So steht’s über einem her­aus­ra­gen­den Text, den ich vor ein paar Stun­den fand. Ethisch zu sein ist egal. Ein guter Mensch zu sein ist egal. Was zählt, wer ihr seid, so lan­ge ihr die Pop­stars kennt? Seid Wer­be­trä­ger, kon­su­miert, ver­liert euch im Gedrän­ge.

Mehr Tech­nik ist nicht mehr Ant­wort. Der Aus­weg seid ihr. Drückt auf den Knopf, bevor es zu spät ist.

28. Osmi Dan – Gal­va­ni­ze (The Che­mical Brot­hers cover)

And the music sucks. Dear God, the music sucks.

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Gen­res sind soo 90er: Boris – Noi­se

Boris - NoiseBei „Boris“ denkt man­cher viel­leicht an Russ­land, manch ande­rer an Ten­nis. Die japa­ni­sche For­ma­ti­on, die sich eben­falls Boris nennt, hat mit „Noi­se“ aller­dings eines der bemer­kens­wer­te­sten Musikal­ben des Jah­res 2014 ver­öf­fent­licht. Auf dem Cover­bild seht ihr einen Stuhl. Setzt euch erst mal hin!

Nun ist ein neu­es Boris-Album kei­ne Über­ra­schung, immer­hin erscheint ein sol­ches seit der Band­grün­dung 1996 bei­na­he jähr­lich. Abnut­zungs­er­schei­nun­gen aber sind den drei Musi­kern fremd, sie blei­ben krea­tiv. Was wird gespielt? „Dro­ne Metal“ und „Pro­gres­si­ve Rock“ ste­hen im Inter­net als Eti­ket­ten dran, und Eti­ket­ten sind, wie der geneig­te Leser weiß, nur Fei­gen­blät­ter.

Laut Pres­se ist’s mit Gen­res auch nicht getan:

[Noi­se] ver­stärkt Boris‘ end­lo­ses Stre­ben nach musi­ka­li­schen Extre­men und lässt zugleich aggres­si­ven, inten­si­ven Rock in neue Gebie­te vor­drin­gen. Die Band ver­mengt hier mei­ster­haft Sludge-Rock, Bla­sen bil­den­den Crust­punk, schim­mern­den Shoe­ga­ze, episch don­nern­den Doom, psy­che­de­li­sche Melo­dien und so ziem­lich alles, was sie je gemacht haben.

Dabei beginnt „Melo­dy“ noch behut­sam mit lei­ser Gitar­re und Syn­the­si­zer, wenig spä­ter aber bricht der rock los, es gibt Elek­tro­nik und Indie und ordent­lich Bass:

Boris – Melo­dy

Boris pre­schen nach vorn. Mit Pro­gres­si­ve Rock, wie man ihn sich vor­stellt, hat das nicht viel zu tun, und das ist nicht schlimm. Im fol­gen­den „Vanil­la“ win­ken die guten alten Mars Vol­ta aus der Mot­ten­ki­ste und brin­gen eine Ladung Metal mit. Wer es lie­ber behä­big und rhyth­misch mag, der kommt in „Ghost of Romance“ und in „Hea­vy Rain“, des­sen Anfang ich irgend­wo­her – Red Hot Chi­li Pep­pers? – zu ken­nen glau­be.

Was kann da noch kom­men? Japa­ni­scher Gitar­ren­pop! „Tai­yo no baka“. Ich ver­ste­he kein Wort. Ver­hall­ter Gesang aus allen Rich­tun­gen, dazu trei­ben­de Gitar­re und ein Die Ärz­te wür­di­ger Surf­rock-Refrain. Eiderd­aus.

Boris – 太陽のバカ (Tai­yo no Baka)

Ande­re Bands wür­den mit so etwas ein Album begin­nen oder been­den, Boris sind aber nicht ande­re Bands. Wenn ihr eine Band wärt und hin­ter einem drei­ein­halb­mi­nü­ti­gen Poprock­lied noch Platz auf dem Album hät­tet, was wür­det ihr noch in die track­list auf­neh­men wol­len?

Rich­tig: Einen „Longtrack“. Ein lan­ges Stück eben. „Angel“, 18:41 Minu­ten lang, ist allein ein über­zeu­gen­der Grund, „Noi­se“ wert­zu­schät­zen. Behä­bi­ger Post­rock, Shoe­ga­ze, sucht euch was aus. Der Musik­freund sitzt mit Kopf­hö­rern und geschlos­se­nen Augen davor und nickt mit dem Beat. Ver­glei­che? dear john let­ter fal­len mir ein, auch God­speed You! Black Emper­or und Mog­wai. Gesang ist Neben­sa­che.

Boris – „Angel“

Moment, war nicht von Dro­ne Metal die Rede? Der kommt im Anschluss: „Quick­sil­ver“, noch mal 9:50 Minu­ten lang, lebt sechs­ein­halb Minu­ten lang vom Häm­mern des Schlag­zeugs und dem Krei­schen von Sän­ger und Gitar­re; die dann all­mäh­lich aus­klingt und dro­nes weicht. Sunn O))) sei­en nahe, heißt es, aber auf so etwas ist bei Boris kein Ver­lass. Gen­res? Kon­stan­ten? Wofür?

Wo der arme Saturn-Mit­ar­bei­ter die­ses Album ein­sor­tie­ren wird, ist also wahr­schein­lich allein dem Zufall über­las­sen. Schnel­ler wer­det ihr woan­ders fün­dig: „Noi­se“ könnt ihr strea­men oder kau­fen; wenn ihr Bandcamp.com aus irgend­wel­chen Grün­den mei­den wollt, gibt’s das Album auch auf Amazon.de. Gefällt mir.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Face­book / Was wirk­lich zählt

Über die Mel­dung selbst wun­de­re ich mich ja schon gar nicht mehr:

Facebook

Es wur­de nie­mand ver­letzt, Twit­ter stand ja als Auf­fang­becken bereit.

Aller­dings:

Vie­le Nut­zer beklag­ten sich bei Twit­ter über den Aus­fall – und über die all­zu kar­ge Gestal­tung der Feh­ler­sei­te.

So ein Mist! Auf der Feh­ler­sei­te seh‘ ich nicht mal mei­ne Glücks­nüs­se! – Erstaun­lich, dass die Nut­zer Twit­ter gefun­den haben. Ande­rer­seits war wahr­schein­lich Goog­le noch erreich­bar.

Dafür prang­te unten auf der Feh­ler­sei­te (Screen­shot: sie­he SPIEGEL ONLINE) ein ©-Zei­chen. Damit sie nie­mand unbe­fugt kopiert, neh­me ich an.

In den NachrichtenPolitik
Kurz notiert zu Isra­el

Natür­lich ist es auch wenig ange­nehm, wenn zwei benach­bar­te Staa­ten (momen­tan steht’s 1327 zu 59 für Isra­el, das blö­der­wei­se auf Foul­spiel setzt) gegen­sei­tig mili­tä­risch von der Land­kar­te zu til­gen ver­su­chen, ins­be­son­de­re dann nicht, wenn einer der bei­den Staa­ten Schüt­zen­hil­fe bekommt: USA ver­ur­tei­len Angriff auf Schul­ge­bäu­de in Gaza (30. Juli 2014), USA stel­len Isra­el wei­te­re Muni­ti­on zur Ver­fü­gung (31. Juli 2014). Viel­leicht haben sie beim ersten Mal nicht alles erwischt.

Bei so viel Für­sor­ge sei­tens unse­rer US-ame­ri­ka­ni­schen „Freun­de“ (Joa­chim „Zu den Waf­fen!“ Gauck) müs­sen „wir“ (ebd.) uns ja eigent­lich nicht mehr dar­um küm­mern. SPIEGEL ONLINE indes, 23. Juli 2014:

„Wir hier in Deutsch­land freu­en uns dar­über, dass in die­sem Land Nach­kom­men der Men­schen woh­nen, die ande­re Deut­sche vom Erd­bo­den ver­til­gen woll­ten“, sag­te Gauck.

Den Satz muss man gege­be­nen­falls zwei­mal lesen. „Ande­re Deut­sche“ ist hier das Sub­jekt, neh­me ich an. Aber zum Glück ist die Zeit, in der ein gan­zes Volk ver­tilgt wer­den sei, längst vor­bei:

„Sie müs­sen ster­ben und ihre Häu­ser soll­ten zer­stört wer­den, damit sie kei­ne wei­te­ren Ter­ro­ri­sten gebä­ren kön­nen“ sag­te Shaked (Aye­let Shaked, Mit­glied des israe­li­schen Par­la­ments, A.d.V.). „Sie alle sind unse­re Fein­de und ihr Blut soll­te an unse­ren Hän­den kle­ben. Dies gilt auch für die Müt­ter der toten Ter­ro­ri­sten.“

Die „Zivil­ge­sell­schaft“ (tagesspiegel.de, 23. Juli 2014) soll­te wirk­lich net­ter zu Isra­el sein.

Wie die Anderen
Wie die Ande­ren (4): Herz­li­chen Glück­wunsch, es ist ein Honk

(Vor­be­mer­kung: Dies ist der vier­te Teil mei­ner losen Rei­he „Wie die Ande­ren“, dies­mal inspi­riert und geneh­migt vom kiez­neu­ro­ti­ker.)

Herzlichen Glückwunsch

Manch­mal lat­sche ich in mei­ner Frei­zeit irgend­wo­hin. Gewäs­ser, Geschäf­te, Gemü­se. Beim Lat­schen blei­be ich manch­mal ste­hen, zum Bei­spiel vor Whis­key­re­ga­len. Manch­mal kau­fe ich auch was davon und trin­ke es dann. Bush­mills, Dal­mo­re, Nik­ka. Haupt­sa­che kein Bil­lig­fu­sel. Passt gut in die Haus­bar und auf Gela­ge. Mit Stil, aber nicht zu nobel. Damit kom­me ich durch. Damit darf ich mit­spie­len und muss nicht den Scheiß trin­ken, den sie vor­hal­ten. Den Jame­son, Jim Beam, John­ny Depp und wie die alle hei­ßen. Mit der Extra­por­ti­on Kot­ze. Höch­stens fuff­zehn Euro und ein Kater bis nach Mos­kau. So viel kann ich gar nicht nach­spü­len, dass das zu schmecken beginnt. Mit zwölf ist’s egal, mit zwölf ist man cool. Irgend­wann spä­ter kriegt man Geschmack.

Rein ins Inter­net. Blogs lesen. Schreibt ein Rant­blog­ger über Whis­ky. Ver­rückt. Gutes The­ma, guter Blog­ger.

Bis jetzt.

Geht schon schei­ße los. „Ich lat­sche an man­chen Wochen­en­den mit einer halb aus­ge­sof­fe­nen Whis­ky­fla­sche irgend­wo­hin.“

Whis­ky sau­fen. Kann man machen. Man kann auch mit ’nem Bug­at­ti ein­kau­fen fah­ren. Bei ALDI gibt’s Sauf­whis­ky für ’nen Fün­fer, schmeckt nach Bat­te­rie­säu­re. Ist halt Ver­schwen­dung. Man kann sich auch ’n Ei an die Schie­ne tackern. Oder nachts in Ham­burg Bus fah­ren. Prost.

Quatscht der Typ wei­ter. Über Par­tys. Auf den Par­tys, auf denen er sich rum­treibt, gibt’s Jäger­mei­ster, Apfel­korn. Sau­er­kirsch­wod­ka. Erklärt man­ches.

Kon­se­quenz? Par­ty mei­den. Oder halt Whis­ky per­ver­tie­ren. Kost‘ ja nix. Immer noch zu viel. Son­sti­ge Hob­bys? Mit halb­lee­ren Bow­mo­re-Fla­schen Nüs­se kau­fen. Er muss den Mist ja irgend­wie run­ter­krie­gen. Geht mit Waren zur Tan­ke und ist empört, wenn die Frau dort sie für frisch geklaut hält.

„Was ist das Haupt-Ein­stel­lungs­kri­te­ri­um von Tank­stel­len? Dass man ohne Hil­fe das Klo fin­det, damit man den Job ohne Erwach­se­nen­win­deln machen kann?“

Tan­ken­frau­en. Sind so blöd. Ken­nen nicht mal ihr Sor­ti­ment. Oder Jame­son. Oder Bow­mo­re. Haha.

Pre­ka­ri­at. Honk. Glück­wunsch.

ProjekteNerdkrams
Frisch gebacken: eMu­le beba v3.00 beta / Open­Down­loa­d² v4.0.0

Auf­merk­sa­me Leser wis­sen, dass ich, wenn ich mich nicht gera­de auf- oder abre­ge, gele­gent­lich auch mal Din­ge pro­gram­mie­re.

Dass ich mei­ne Fire­fox- und Sea­M­on­key-Erwei­te­rung Open­Down­loa­d² auf den neue­sten Stand brin­ge, war dabei über­fäl­lig, denn die bis­lang aktu­el­le Ver­si­on 3.5.1 funk­tio­niert unter Fire­fox ab 31 nicht mehr rich­tig. Ver­si­on 4, die neben­bei aus Ver­se­hen das Pro­blem behebt, dass alles Aus­zu­füh­ren­de stets ein zwei­tes Mal her­un­ter­ge­la­den wur­de, lud ich also zwecks Tests in den „Ent­wick­ler­ka­nal“ hoch; inter­es­sier­te Nut­zer hät­ten also ledig­lich auf der Mozil­la-Web­site nach unten blät­tern müs­sen, um sie zu fin­den. Offen­sicht­lich ist der typi­sche Fire­fox­nut­zer aber nicht in der Lage, das Erwei­te­rungs­por­tal in Gän­ze zu erfas­sen, denn ich erhielt den­noch eini­ge nega­ti­ve Bewer­tun­gen und E‑Mails mit der Auf­for­de­rung, doch end­lich eine neue Ver­si­on bereit­zu­stel­len. Zumin­dest ver­schwan­den die mei­sten die­ser Bewer­tun­gen nach einem freund­li­chen Hin­weis auf die Test­ver­si­on recht schnell.

Aller­dings habe ich nur wenig Lust dar­auf, mich fort­wäh­rend mit der­lei Kin­ker­litz­chen befas­sen zu müs­sen; seit ein paar Stun­den ist die zwei­te Test­ver­si­on nach nur kur­zer Test­pha­se als fina­le Ver­si­on 4.0.0 ver­füg­bar. End­lich Ruhe.


Apro­pos „end­lich“: Auch die Ent­wick­lung von eMu­le geht wei­ter. Der Code der kom­men­den Ver­si­on 0.50b ist seit eini­gen Mona­ten öffent­lich und bringt bereits jetzt manch nütz­li­che Ver­bes­se­rung, dar­un­ter ein moder­nes Upload­sy­stem, mit sich. Da die aktu­el­le „sta­bi­le“ Ver­si­on von eMu­le beba auch schon über ein Jahr alt ist, ist dies eine gute Gele­gen­heit, die neue Code­ba­sis ein­mal aus­zu­pro­bie­ren: Eine Vor­ab­ver­si­on von beba 3.00 gibt es hier.

An ein paar Eigen­ent­wick­lun­gen, etwa einer ver­bes­ser­ten Pro­xy­an­zei­ge, arbei­te ich noch, eine Liste der bereits ein­ge­bau­ten neu­en Funk­tio­nen ist im ent­hal­te­nen chan­ge­log zu fin­den. Ein bekann­tes Pro­blem, das mir lei­der zu spät auf­ge­fal­len ist: Ich habe ver­se­hent­lich zwei Sym­bo­le im Such­me­tho­den­feld ver­tauscht, das wird bis zur fina­len Ver­si­on noch kor­ri­giert. Anson­sten wün­sche ich vor­erst viel Ver­gnü­gen damit.

PiratenparteiMir wird geschlecht
Pira­ten­leaks, 29. Juli 2014

Im August 2013 ver­öf­fent­lich­te ich an die­ser Stel­le Infor­ma­tio­nen über eine unter Ande­rem von Tho­mas Gaul ver­ant­wor­te­te Mai­ling­li­ste der Pira­ten­par­tei Nie­der­sach­sen, die der „Pres­se­ko­or­di­na­ti­on der Lan­des­ver­bän­de“ die­nen soll­te, auf die aber nicht jeder Pres­se­spre­cher Zugriff bekam. Was bei Vor­stands­li­sten, wo womög­lich inter­ne Daten aus­ge­tauscht wer­den, noch Sinn ergibt, ist in Pres­se­din­gen allen­falls absurd.

Da bei­de Sei­ten sich im Recht sahen, wur­den mit Arne Hat­ten­dorf und Ste­fan „Sekor“ Kör­ner, mit­hin Kan­di­dat für die Nach­fol­ge Bernd Schlö­mers sowie Thor­sten Wirths als Bun­des­vor­sit­zen­der und, wie man so liest, regel­mä­ßi­ger Akteur in Tho­mas Gauls Bekann­ten­kreis, zwei eigens hier­zu beru­fe­ne Schlich­ter dar­um gebe­ten, sich das Archiv der Mai­ling­li­ste ein­mal vor­zu­neh­men, um zu prü­fen, ob nun eigent­lich irgend­wel­che Klün­ge­lei­en betrie­ben wur­den oder nicht.

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