NerdkramsNetzfundstücke
“SPIEGEL ONLINE” weiß: Audiodateien haben häufig keine Bildsequenz.

Am Anfang, so ste­ht es geschrieben, war das Netz kalt und grau.

Neben Mail­box­en, BBSen, Gopher und dem Usenet etablierten sich allmäh­lich erste noch recht chat­lastige Vor­läufer des heuti­gen Webs, darunter Com­puServe, das heute zum dama­li­gen Konkur­renten AOL gehört. Die Com­put­er zur dama­li­gen Zeit kon­nten wie auch die Leitun­gen nur ver­gle­ich­sweise wenig zu einem “Mul­ti­me­dia-Erleb­nis”, wie das Anguck­en von Unsinn in heutiger Werbe­sprache heißt, beitra­gen, jedes Byte war wertvoll — ein Grund­satz, der heutzu­tage lei­der ein wenig in Vergessen­heit ger­at­en ist.

Um trotz­dem das eigene Netz ein wenig bunter machen zu kön­nen, ent­warf man bei Com­puServe Mitte der 1980-er Jahre das Grafik­for­mat GIF (Graph­ics Inter­change For­mat, also “Grafikaus­tauschfor­mat”), das mit der erst 1984 veröf­fentlicht­en LZW-Kom­pres­sion eine damals inno­v­a­tive Möglichkeit bot, auch über behäbige Leitun­gen recht ansehn­liche Bilder zu verteilen; diese, freilich, waren zwar auf 256 Far­ben beschränkt, was sowohl 1987 (GIF87a) als auch 1989 (GIF89a) eine Verbesserung gegenüber den vorheri­gen Graustufen­bildern darstellte und noch prob­lem­los aus­re­ichte, um auf gängi­gen Bild­schir­men nicht blöd auszuse­hen, besaßen jedoch Funk­tio­nen, die erst fast zehn Jahre später mit dem PNG-For­mat wieder ähn­lich pop­ulär wer­den soll­ten, näm­lich das Fes­tle­gen von Far­ben als “trans­par­ent” sowie ins­beson­dere das Zusam­men­fü­gen mehrerer Einzel­bilder zu ein­er Ani­ma­tion; eine GIF-Datei kann prak­tisch beliebig viele Teil­bilder, min­destens aber 0, enthal­ten.

Obwohl das LZW-Ver­fahren (und damit GIF) bis ins derzeit­ige Jahrtausend hinein patent­be­haftet war und wohl auch wegen der Dateigröße set­zte sich das anson­sten funk­tion­sre­ichere APNG (ani­miertes PNG) niemals durch, auch dann noch nicht, als die Leitun­gen immer schneller und die Com­put­er immer leis­tungs­fähiger wur­den. Während die begren­zte Far­ben­zahl GIF für ein­fache Grafiken mit der Zeit gegenüber den fort­geschrit­te­nen, mitunter sog­ar zu kleineren Dateien führen­den For­mat­en JFIF (“JPEG”) und PNG an Boden ver­lieren ließ, blieb es für ein­fache Ani­ma­tio­nen doch die erste Wahl, woran selb­st das Aufkom­men und Abebben von Flash sowie die Entwick­lung von HTML5 und Web­vide­o­for­mat­en nicht viel änderte. Das tanzende Kleinkind sym­bol­isiert das junge World Wide Web bis heute recht tre­f­fend.

Diese neuen Web­vide­o­for­mate kamen GIF sog­ar ent­ge­gen: Der beliebte Bilder­hoster Imgur bietet mit GIFV ein eigenes “For­mat” an, das hochge­ladene ani­mierte GIF-Dateien als MPEG-Video darstellt, wobei mitunter tat­säch­lich Spe­icher­platz ges­part wer­den kann. Im Jahr 2013 wurde mit Giphy gar eine eigene Daten­bank für ani­mierte GIF-Dateien ins Leben gerufen, die in “sozialen Net­zw­erken” auch auf Smart­phones einen neuen Ansturm auf witzige Ani­ma­tio­nen (lei­der nur noch sel­ten das gute alte Baustellen-GIF), inzwis­chen von stören­den Dateigrößen­hem­mungen befre­it, aus.

Wenn man all das nicht ver­standen hat, aber trotz­dem im Fach­magazin “SPIEGEL ONLINE” mit hal­b­garem Tech­nikwis­sen reüssieren möchte, klingt obige Erk­lärung stattdessen unge­fähr so:

Ein Gif, die Abkürzung ste­ht für Graph­ics Inter­change For­mat, ist ein meist extrem kurzes Video. Es zeigt in Dauer­schleife nur einige wenige Bilder, häu­fig ohne Ton.

Zumin­d­est der let­zte Teil des Satzes ist ziem­lich präzise. :-?

In den NachrichtenComputer
Wenn JavaScript Menschen zu Letzten macht

In einem inhaltlich dur­chaus lesenswerten Artikel über die von den tech­nisch Zuständi­gen maßge­blich mit­ig­nori­erte Inter­ne­tan­bindung auf dem Dorf (namentlich: Schlam­berg, Bay­ern) lässt Sophie Rohrmeier das Ehep­aar Hubert und Bir­git Hein­rich sich über die ver­füg­bare Net­zan­bindung beschw­eren:

Von 105.912 Per­so­n­en in Deutsch­land, die in dieser Woche den Test gemacht haben, lan­det Huberts Inter­ne­tan­schluss auf Platz 100.984. Bir­git Hubert fragt: “Wie kann das sein, in einem Land wie Deutsch­land?”

Ja, wie denn nun: Hubert? Bir­git? Hein­rich? Egal, darum soll es nicht gehen, son­dern darum, wie es sein könne, dass man “in einem Land wie Deutsch­land” (näm­lich Deutsch­land) in ein­er Ran­gliste der Schnell­sten weit unten ste­ht? In Deutsch­land sollte es keine Men­schen geben, die schneller in irgen­det­was sind als man selb­st, und zwar für nie­man­den!

Was für eine Inter­netleitung haben die Hubert-Hein­richs denn und was haben sie damit vor?

16.000 kbit schnell sollte das Netz sein – was ohne­hin nicht viel ist. Tat­säch­lich sind es jedoch nur 1.400 bis 1.800. (…) Wenn das Netz es zuließe, kön­nte [Bir­git H., A.d.V.] im Home­of­fice arbeit­en und so langsam wieder in den Beruf find­en.

Beina­he DSL 2000 (von sowas hät­ten wir früher ja nicht mal zu träu­men gewagt) sind zweifel­los nicht unbe­d­ingt eine für irgendwelchen Mul­ti­me­di­akram geeignete Geschwindigkeit, an dieser Stelle wider­spreche ich nicht. Inter­es­sant ist jedoch die Annahme, das Netz sei in der gegebe­nen Geschwindigkeit für “Home­of­fice” (E‑Mails lesen und versenden, im Web rum­sur­fen, Dateien auf irgendwelche Serv­er laden und so weit­er) nicht geeignet, denn das bedeutet, dass irgend­was im Web, wo die Leute heutzu­tage ihre E‑Mails, Doku­mente und so weit­er rum­liegen haben, weil ihnen nie­mand gesagt hat, dass es sin­nvollere Pro­tokolle als das HTTP dafür gibt, plöt­zlich langsamer gewor­den ist als früher, denn in den (teil­weise bis heute) aus­laufend­en Neun­zigern hat sich kaum jemand ern­sthaft beschw­ert, dass man mit sein­er gebün­del­ten ISDN- oder ähn­lichen Leitung gegenüber anderen Mark­t­teil­nehmern ern­sthaft benachteiligt sei, weil man im Gegen­satz zu diesen nicht schnell genug arbeit­en könne.

Kön­nte es wom­öglich daran liegen, dass die durch­schnit­tliche Web­site inzwis­chen über zwei Megabyte groß ist (das sind fast anderthalb Disket­ten), von diesen ominösen, für so etwas wie “Home­of­fice” im Jahr 2017 bedauer­licher­weise üblich scheinen­den “Weban­wen­dun­gen”, für die Web­brows­er von Arschlöch­ern als Ersatz für ein Betrieb­ssys­tem miss­braucht wer­den und die im Wesentlichen aus igno­rant großem — hat ja jed­er heute zig Megabit zu Hause — JavaScript beste­hen, müssen wir da gar nicht erst geson­dert anfan­gen? Kön­nte es daran liegen, dass dieser geballte JavaScript-Unfug längst vor allem sich selb­st dient und dass es insofern eine grauen­volle Idee ist, einen Web­brows­er statt ein­er auf den jew­eili­gen Anwen­dungs­fall opti­mierten Desk­topan­wen­dung zum Arbeit­en zu ver­wen­den?

Das Prob­lem mit dem Dig­i­tal­stan­dort Deutsch­land ist es nicht vor­rangig, dass die Inter­netverbindun­gen immer weniger für effizientes Arbeit­en tauglich wären, son­dern, dass für die Datenüber­tra­gung so instink­tiv wie fälschlich zu einem Pro­tokoll gegrif­f­en wird, das dafür nicht gedacht ist, um mit einem Pro­gramm, das dafür nicht gedacht ist, eine Web­site aufzu­rufen, die die Prob­leme, die das falsche Pro­gramm im falschen Pro­tokoll notwendi­ger­weise bei der Umset­zung bere­it­et, auf eine Weise, die dafür ungeeignet ist, zu umge­hen (“beheben”) ver­sucht.

Aber wer weiß 2017 schon noch so genau, was ein “Hyper­text” eigentlich sein soll?

NetzfundstückeMontagsmusik
Jimi Hendrix — Hey Joe // Freiheit ist auch das Recht, Unrecht zu haben.

Es ist Montag?!Es ist Mon­tag. Der Som­mer scheint vorüber, zumin­d­est herb­stet es sehr. Die Betrüb­nis, die sich ein­stellt, auf das Wet­ter zu schieben wäre nicht angemessen, denn ein Blick auf den Kalen­der offen­bart mehr. Men­schlichkeit ist eine Schwäche der Evo­lu­tion und sehr ärg­er­lich. Käuzchen­wort des Tages: Ungemach.

Gegen eine etwas andere Art von Ungemach will die staatlich finanzierte Aktion “Dop­pelEin­horn” (natür­lich unter Mis­sach­tung gel­tender Schreib­weisen) etwas tun, die, bebildert mit ein­er nicht mal iro­nisch inter­es­san­ten und respek­t­los duzen­den Comic­fig­ur, zum Beispiel sug­geriert, es gebe kein “Grun­drecht auf Scheiße­labern”, als sei nur von der Mei­n­ungs­frei­heit gedeckt, was erstens wahr ist und zweit­ens von nie­man­dem kri­tisiert wird, denn so ein Grun­drecht wäre keines. Nun ist es im besten Sinne fraglich, ab welchem Bek­lopptheits­grad Mei­n­ungs­frei­heit aus staatlich­er Sicht zum “Scheiße­labern” wird und ob es let­z­tendlich über­haupt zielführend ist, das Reden von Stuss unter Strafe stellen zu wollen, so lange nicht klar ist, wo die Gren­ze zwis­chen erlaubter Mei­n­ung und ille­galem Stuss liegt: Bei pos­i­tiv­en Rezen­sio­nen von Musik von Phil Collins oder erst bei der Leug­nung des Holo­causts — und warum?

Gute Nachricht­en der­weil: Wis­senschaft­sleug­nung ist jet­zt ein Freiburg­er Stu­di­en­fach. Sobald aus­gepen­delt wer­den kon­nte, welche Ster­nenkon­stel­la­tion daran schuld ist, wird es sicher­lich eine entsprechende Onlinedemon­stra­tion geben.

Bis dahin: Musik.

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Warum Informatik kein Programmierunterricht ist (Nachtrag)

Das größte ungelöste Prob­lem bei der von Kurzsichti­gen ange­trebten Verpflich­tung zum Pro­gram­mieren­ler­nen (denn das ist das, worauf der viel­stim­mige Ruf, “Infor­matik” möge doch bitte Grund­schul­fach und nicht bloß langjährige Aus­bil­dung oder gar Studi­um sein müssen, im Wesentlichen hin­aus­läuft; als würde auch nur ein einziges EDV-Netz, das nur von Pro­gram­mier­ern betreut wird, dauer­haft halb­wegs funk­tion­ieren!) ist im Übri­gen auch, dass es mehr Pro­gram­mier­er als Auf­gaben gibt. Sam Kriss schrieb zu der Utopie der Welt­frem­den:

Ihr Alter oder Ihre Eth­nie oder Ihr Geschlecht sind egal, sie gehören in das Zeital­ter der Objek­te. Ler­nen Sie ein­fach zu pro­gram­mieren und alles wird gut. Aber etwas fehlt: Was pro­gram­mieren? Um was zu tun? Und warum? (…) Kein Start­up leis­tet etwas neues oder inter­es­santes. Was nicht ver­wun­dern sollte: wie oft hat irgend­je­mand eine wirk­lich gute Idee? Was Sie bekom­men, ist nur Code, der herum­schwappt und schließlich in der Form von Apps und Fir­men erstar­rt, die nur existieren, um zu existieren. (…) Es gibt Star­tups, die Zehn­tausende für Namen und Logo aus­geben, bevor sie über­haupt ein Pro­dukt haben oder wis­sen, ob es irgendw­er haben wollen würde. Das nen­nt man Inno­va­tion, aber was es eigentlich repräsen­tiert, ist eine Kul­tur, die das ver­stüm­melte Geröll des Alten aufhäuft, um irgen­det­was neues zu schaf­fen, und eine mor­bide Wirtschaft­sor­d­nung, die in ihrer eige­nen über­flüs­si­gen Liq­uid­ität ertrinkt und wil­lens ist, in jede Blase zu investieren, die ihr begeg­net.

(Über­set­zung wie üblich von mir.)

Die lächer­liche Kat­ja Kip­ping von den lächer­lichen “Linken” hat sich beschw­ert, dass dieses Inter­net einem den ganzen ruhi­gen Feier­abend ver­saut. Vielle­icht sollte man bei solchem grobem Unfug anset­zen, wenn es um die Def­i­n­i­tion dessen geht, was jed­er Men­sch als EDV-Grund­bil­dung besitzen sollte — wenn es bei denen, die Geset­ze machen wollen, schon an der Ken­nt­nis vom Aus­knopf scheit­ert, wie soll dann ein staatlich geregel­ter Infor­matikun­ter­richt jemals mehr als per­spek­tivlose Pro­gram­mier­af­fen, über­bezahlte sprich­wörtliche Inder qua­si, her­vor­brin­gen?

(via jwz)

PolitikIn den Nachrichten
Berliner Kreuzritter

Thomas de Maiz­ière erk­lärt Berlin­er Steuerzahlern, warum auf ihr olles Ersatzs­tadtschloss aller Säku­lar­isierung zum Trotz ein Kreuz draufgek­lebt wer­den soll:

Wer das Kreuz ablehnt, müsste dann auch dafür sein, dass die Fas­sade mit Put­ten und Engeln ent­fer­nt wird. Auch das sind christliche Sym­bole.

Ich bin ja kein Berlin­er, aber meines Dafürhal­tens wäre das nicht etwa, wie Thomas de Maiz­ière es darzustellen ver­sucht, vol­lkom­men über­zo­gen, son­dern nur kon­se­quent. Gebäude, die über­wiegend reich­lich unchristliche Men­schen bezahlt haben, soll­ten nicht unge­fragt um des überkomme­nen Konzeptes des Chris­ten­tums — Katho­liken­pack, beschä­mendes! — Willen, das dem geisti­gen Fortschritt der Men­schheit bis­lang noch nicht beson­ders zuträglich war, zwecks Verzierung um ein antikes Folterin­stru­ment erweit­ert wer­den dür­fen.

Hätte ich in Berlin etwas zu sagen, würde ich noch weit­er gehen; an regte ich näm­lich nicht nur das Sichs­paren christlich­er Sym­bole an volk­seige­nen Neubaut­en, son­dern überdies das nachträgliche Ent­fer­nen von religiösen Ein­flüssen im weltlich-ratio­nalen Miteinan­der, wo immer dies ohne weit­eren finanziellen Aufwand möglich ist.

Mit den sich als “christlich” ver­ste­hen­den Parteien, in ein­er aufgek­lärten Gesellschaft, die funk­tion­ierte, schon the­ma­tisch eigentlich ohne Aus­sicht­en auf Gehör, würde ich anfan­gen wollen. Auch das “C” ist ein christlich­es Sym­bol, selb­st in sein­er heuti­gen Rolle als Feigen­blatt.

Die Welt verbessern wir nicht mit Beten.

In den NachrichtenNerdkrams
Linuxnutzer entsetzt: Von der NSA entwickelte Software ist überraschend unsicher!

Wikipedia (schon länger):

SELin­ux (…) ist eine Erweiterung des Lin­ux-Ker­nels (…). SELin­ux wird maßge­blich von der NSA und von dem Lin­ux-Dis­trib­u­tor Red Hat entwick­elt.

Nachricht­en (gestern):

Das sudo-Kom­man­do in Lin­ux-Dis­tri­b­u­tio­nen mit SELin­ux-Unter­stützung enthält eine kri­tis­che Schwach­stelle. Über diese kön­nen Anwen­der beliebige Dat­en auf dem Sys­tem über­schreiben und sich so mehr Rechte sich­ern, als ihnen eigentlich zuste­hen.

Die Ein­schläge kom­men näher.

PolitikIn den Nachrichten
Menschenrechtsextremistinnen

Die britis­che Pre­mier­min­is­terin schrieb gestern:

Sofern Men­schen­rechte uns bei der Bekämp­fung von Extrem­is­mus und Ter­ror­is­mus im Weg ste­hen, wer­den wir diese Rechte ändern, damit Briten sich­er leben kön­nen.

(Frei über­set­zt von mir.)

Dies ist offenkundig eine Reak­tion auf die jüng­sten Anschläge, zum Beispiel den in Man­ches­ter, zu dem sich der IS bekan­nt hat, der von Sau­di-Ara­bi­en mit Waf­fen aus­gerüstet wird, die wohl zu einem beträchtlichen Teil aus britis­chen Liefer­un­gen stam­men. Ja, Extrem­is­mus und Ter­ror­is­mus bekämpft man gern, indem man den Agi­ta­toren ein paar Waf­fen zur Ver­fü­gung stellt.

Die Bun­deszen­trale für poli­tis­che Bil­dung erk­lärt dazu:

Amtlich wer­den als Recht­sex­trem­is­mus (…) Bestre­bun­gen ver­standen, die sich gegen die (…) fun­da­men­tale Gle­ich­heit der Men­schen richt­en und die uni­verselle Gel­tung der Men­schen­rechte ablehnen.

Amtlich haben wir es bei There­sa May also mit ein­er Recht­sex­trem­istin zu tun, die im Begriff ist, die Rechte, die sie einem Tier oder einem Kühlschrank weltweit voraus hat, ein­schränken (“ändern”) zu wollen. Unklar bleibt, welchen Umgang mit solchen Extrem­istin­nen die britis­che Regierung kün­ftig rechtlich vorse­hen wird — Kerk­er oder Aus­liefer­ung in den Jemen?

Es bleibt span­nend.


In weit­eren Nachricht­en: Die Grü­nen wollen, dass im Online­han­del, der son­ntags meist unbe­set­zt ist, son­ntags nicht gear­beit­et wird.

Die Grü­nen woll­ten damit “den Son­ntag vertei­di­gen”.

Nehmt dies, ihr kaufwilli­gen Feinde des Son­ntags!

In den NachrichtenMontagsmusik
Valerinne — Solastalgia // Bitte nicht mehr muslimisch aussehen!

Es einfach mal wie diese Eule machen und sich schlafen setzen.Es ist Mon­tag. Weil in ein­er alten Erzäh­lung davon zu hören ist, dass zu Pfin­g­sten vor langer Zeit einige Men­schen plöt­zlich in frem­den Sprachen zu reden anfin­gen, wird heute trotz­dem nur wenig gear­beit­et. Das ist nur fol­gerichtig und sicher­lich auch sin­nvoll, denn son­st würde der Geset­zge­ber, dem Arbeit bekan­ntlich nicht völ­lig unwichtig ist, ja sicher­lich anders entschei­den, nicht wahr? — Wenn doch nur alles so leicht wäre!

Apro­pos Geset­ze: Die Welt ist beruhigt, in Lon­don wur­den die Bösen, wie es sich für einen Rechtsstaat gehört, zeit­nah gemeuchelt beziehungsweise “aus­geschal­tet”, wie es bei Lichtschal­tern und in der ein­schlägi­gen Berichter­stat­tung mit ihren Livet­ick­ern und News­blogs (was neben­bei die Frage aufwirft, was, wenn kein “News­blog”, die beteiligten Jour­nal­is­ten denn son­st so zu schreiben meinen) heißt. Über die Täter war schnell alles Notwendi­ge bekan­nt, denn gemäß den Nachricht­en (u.a. gestrige “Sat.1‑Nachrichten”) han­delte es sich um “mus­lim­isch ausse­hende” Män­ner, denn, wie ger­ade wir als Deutsche ja wis­sen, ist es zwar völ­lig unange­bracht, die Reli­gion eines Men­schen an seinem Ausse­hen zu erken­nen, aber bei den Moslems macht man da in der Ter­rorhys­terie schon mal eine Aus­nahme, denn die sehen ja alle gle­ich aus. Jemand sollte mal etwas gegen diese Bär­ti­gen unternehmen.

Aus der Welt der großen Über­raschun­gen: Wer seine Pass­wörter auf den Com­put­ern ander­er Men­schen (“Cloud”) ablegt, dem gehen sie auch mal ver­loren. Der unbe­dachte Umgang der Men­schen mit ihren Dat­en war irgend­wann ein­mal ein treiben­des The­ma für eine auf­strebende deutsche Partei, diese jedoch son­nte sich am Woch­enende lieber auf ein­er Sex­u­al­itätspa­rade. Ich wün­schte, es wür­den sich auch nur annäh­ernd so viele poli­tisch aktive Men­schen für ihre dig­i­tale Frei­heit wie für Sex­poli­tik inter­essieren, aber ich bin natür­lich auch ein biss­chen merk­würdig.

Eben­falls merk­würdig, klingt aber wenig­stens gut: Musik.

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Dicke Luft in Washington

(Vorbe­merkung: Eine Menge “SPIEGEL ONLINE” in meinen Quellen heute — Allergik­er mögen bitte geeignete Quellen selb­st find­en.)

Deutsch­land gedenkt seine Auto­bah­nen an pri­vate Inve­storen zu ver­scher­beln. Die Großar­tigkeit der Pri­vatisierung von Staat­seigen­tum, let­ztlich also die Abwehr eines Sozial­is­mus, für den nicht ein­mal Ost­deutsch­land noch überzeu­gend ste­hen kann, wurde mit Telekom und Deutsch­er Bahn ja bere­its aus­re­ichend erwiesen. Dass diese pri­vat­en Inve­storen ihr hineingesteck­tes Geld natür­lich auch gern wieder her­aus­holen wür­den, ste­ht bis auf Weit­eres außer Frage, und ich ahne für den weit­eren Fer­n­verkehr auf deutschen Straßen bis zum Beweis des Gegen­teils schlimme Fol­gen.

Zum Glück lenken Ter­rorhys­terie mit Sip­pen­haft ein­er- und “Kli­makiller Trump” (“SPIEGEL ONLINE”, 30. Mai 2017) ander­er­seits recht willkom­men davon ab, was da eigentlich ger­ade passiert; gut gefüllt sind die Nachricht­en mit Infor­ma­tio­nen zu irgendwelchen Poprock­festen und Fotos von Gewit­tern. Dieser rück­sicht­slose Präsi­dent kündigt ein sank­tions­freies und redun­dantes Abkom­men und deswe­gen wird unser Wet­ter schlecht!

Am Zer­stören der Umwelt näm­lich kann nur etwas geän­dert wer­den, indem der Kohlen­diox­i­dausstoß weltweit gesenkt wird, und während weit­ge­hend kohlen­diox­id­neu­trale Kernkraftwerke dieses Prob­lem ele­gant und nach­haltig lösen kön­nten, sind sie hierzu­lande im Gegen­satz zu eini­gen unser­er Nach­bar­län­der nach ener­gis­ch­er Ein­wirkung der Wind- und Sonnenen­ergielob­by doch eher ver­pönt. Kann ja explodieren, so’n Teil. Außer­dem ist es Atom­en­ergie nicht grün-veg­an genug und absichtlich nicht grün-veg­an zu sein ist rechts und Nazi. Wollen wir nicht. Wir, ander­er­seits, sind auch fein raus, denn für uns gilt das Abkom­men auch weit­er­hin, denn wir sind gute Men­schen. Natür­lich machen wir als gute Men­schen auch mal Fehler, denn das gehört zum Men­sch­sein dazu:

Bere­its vor zehn Jahren hat sich die Bun­desregierung das Ziel geset­zt, die Emis­sio­nen bis 2020 im Ver­gle­ich zu 1990 um 40 Prozent zu reduzieren. Damit wird sie krachend scheit­ern. Bis­lang sind es ger­ade ein­mal 28 Prozent.

Aber wir haben den anderen Teil­nehmer­staat­en des Abkom­mens ver­sprochen, dass wir es bess­er machen wollen wür­den, und nur das zählt. Denn son­st wäre es doch ger­adezu absurd, wenn aus­gerech­net wir den Ausstieg aus diesem Abkom­men als natur­feindlich verurteil­ten.

In den Nachrichten
Anständige Anwohner gegen den Pfandterrorismus

Es ist noch ungek­lärt, welche Art von Untat genau eines Tages unter die unsägliche und gemein­hin als ille­gal wahrgenommene Ausspähung des Lebens sämtlich­er Ein­wohn­er dieses gebeutel­ten Lan­des (“Vor­rats­daten­spe­icherung”) fall­en wird, nach­dem die Hürde gemäß aktuellen Medi­en­bericht­en beina­he wöchentlich gesenkt zu wer­den scheint.

Als sich­er darf gel­ten: Gegen diese Rent­ner, die braven Bürg­ern zwecks Auf­besserung der zum Leben kaum mehr aus­re­ichen­den Rente ein­fach den Müll klauen, muss endlich mal wer was tun!

Anwohn­er hat­ten beobachtet wie der 64 Jahre alte Mann und seine 65 Jahre alte Frau mit Hil­fe eines Grei­farms 18 Pfand­flaschen aus einem Con­tain­er geholt hat­ten. Sie ver­ständigten die Polizei.

Denn bei der ordentlichen Müll­tren­nung ist der Anwohn­er an sich peni­bel. Grün­glas in Grün­tonne, Braun­glas in Braun­tonne, Arme ins Armen­haus und nicht ans wertvolle Alt­glas. Geht ja mal gar nicht. Polizei! Schade, dass das mit dem Hän­de­ab­hack­en aus der Mode gekom­men ist, nicht wahr?

Es sollte mehr Park­plätze vor Fen­stern von so Anwohn­ern geben. Die wür­den sie erst ein­mal eine Weile beschäfti­gen.

In den Nachrichten
Real und die Klopapierkäuferzielgruppenanalyse

Als daten­schutz­in­ter­essiert­er und tech­nikaffin­er Men­sch traut man sich vor lauter Furcht kaum noch ein kurzes Schläfchen zu hal­ten. Kaum hat man die Diskus­sion über ein Ver­bot von Sicher­heitssoft­ware in Gänze aufgenom­men und seine gegen­wär­tig einge­set­zten Sicher­heitsvorkehrun­gen auf etwaige Kon­se­quen­zen über­prüft, braut sich vor der Haustür schon das näch­ste Unglück zusam­men:

Der Super­mark­t­be­treiber Real lässt die Gesichter von Kun­den analysieren, die Bild­schirme mit Wer­bung im Kassen­bere­ich anschauen. (…) Die Erken­nung der Per­so­n­en erfolge kom­plett anonym, das Sys­tem erken­nt lediglich etwa einen Mann von rund 45 Jahren.

Das Ziel dieser Kon­trolle sei nicht etwa Ter­rorab­wehr, was immer­hin angenehm ungewöhn­lich ist, son­dern eine bessere Anpas­sung der einge­blende­ten Wer­be­filme an den­jeni­gen, der sie sehe, lässt der Super­mark­t­be­treiber unwider­sprochen seinen Sprech­er aus­richt­en.

Nun war das Erken­nen von per­sön­lichen Wün­schen anhand ein­er unge­fähren demografis­chen Einord­nung noch nie beson­ders ein­fach, was ger­ade Män­ner klis­cheemäßig bestäti­gen kön­nen soll­ten, und auch in vor­liegen­dem Fall erscheint mir das Erfassen von Gesichtern als unzure­ichend für den Zweck, passende Wer­bung einzublenden. Wie sieht denn jemand aus, der total gerne Wer­bung im Super­markt ansieht und nicht ein­fach gen­ervt an ihr vorüber­schlen­dert? Bess­er noch: Ich zum Beispiel sehe am lieb­sten (sofern dies ein Kri­teri­um ist) Wer­bung, die möglichst däm­lich ist, käme aber nie auf die Idee, auf dieser Grund­lage eine Kaufentschei­dung zu tre­f­fen. Wer­bung für Damen­binden zum Beispiel ist oft grandios absurd, jedoch ver­di­ent in abse­hbar­er Zukun­ft kein Her­steller dieser Pro­duk­te etwas an mir. Kauft eine Frau von etwa 23 Jahren, die ger­ade an der Kasse ste­ht und aus unklarem Grund auf den Spi­onage­bild­schirm schaut, qua Gesicht lieber Tam­pons oder Katzen­fut­ter?

Haupt­sache, man hat ein Video; diese Argu­men­ta­tion zumin­d­est teilt der Super­mark­t­be­treiber Real mit eini­gen Unternehmen, deren Kunde ich dann allerd­ings doch lieber nicht sein möchte.


Da wir ger­ade sowieso auf “SPIEGEL ONLINE” waren, vielle­icht noch dies: Das Ärg­er­liche an der Berichter­stat­tung über Don­ald Trump sind nach wie vor die jour­nal­is­tis­chen Stan­dards, die ihr zugrunde liegen. Seht her, ein Schreibfehler! ROFL!

MusikIn den Nachrichten
Fußball und Kommerz

Am ver­gan­genen Woch­enende erhielt “Deutsch­lands größter Musik­star”, wie es heißt, näm­lich Helene Fis­ch­er, eine viel­stim­mige Rück­mel­dung hin­sichtlich seines Auftritts mit­ten in einem Fußball­spiel; von ein­er plöt­zlichen Kom­merzial­isierung des geliebten Brüll­balls ist die Rede, als wäre angesichts der Mil­lio­nenge­häl­ter von Fußball­funk­tionären und ‑spiel­ern der Auftritt ein­er sowieso schon längst quälend oft gehörten “Trällertrul­la” (Twit­ter über Helene Fis­ch­er) ein Symp­tom für ein uner­wartetes Umdenken, die diejeni­gen, die für jedes Spiel, dem sie direkt bei­wohnen, sozusagen ihren Wochen­lohn opfern, auf dass der Vere­in sich weit­ere Repräsen­tan­ten, die für diverse Mil­lio­nen Euro anderthalb Stun­den lang ein wenig herum­laufen, leis­ten kann, nicht mit­tra­gen wollen, denn Fußball ist bekan­ntlich weit davon ent­fer­nt, mehr mit Geld als mit sportlich­er Leis­tung etwas zu tun haben zu wollen.

Sollen sie halt Fußball essen.

In den NachrichtenMontagsmusik
sleepmakeswaves — Emergent // Danke, Donald!

Es wird warm. Auch das noch!Es ist Mon­tag. Ab schweifen Gedanken wie Pand­abären, vom Brück­en­tag hat­te man als anständi­ger Men­sch ja auch nicht viel außer den sicheren Hohn der­er, die ihn nutzten. Jede Ausrede ist willkom­men, um dem Wirtschafts­gedanken eine Pause zu verord­nen, jedoch keine genug, um sich noch zu schätzen zu wis­sen. Über den Wolken, nur eben: allein.

Keineswegs zu schätzen wis­sen auch die Leute unverän­dert den US-amerikanis­chen Präsi­den­ten Don­ald Trump, obwohl wir ihm vieles zu ver­danken haben. Vertreter der recht­spop­ulis­tis­chen SPD etwa erwä­gen seinetwe­gen eine Reduk­tion des “Aus­tauschs” (ebd.) mit dessen (D. Trumps) Geheim­di­en­sten, wom­it berechtigt als gesichert angenom­men wer­den kann, dass die Präsi­dentschaft Don­ald Trumps die allum­fassende glob­ale Überwachung zu unseren Gun­sten verän­dert. Sehen die Leute aber nicht und ver­ste­hen sie nicht.

Das kön­nte natür­lich an der Berichter­stat­tung liegen, deren Neu­tral­ität (ver­gle­iche hierzu ein­schlägige Nachricht­en­for­mate), bezo­gen auf das Staat­sober­haupt fremder Län­der, mitunter zu wün­schen übrig lässt. Ten­den­zjour­nal­is­mus ist eben kein Jour­nal­is­mus, auch wenn die Ansprüche sinken: Das ist wie aus ander­er Leute Mülleimer zu fressen. Es ist schw­er, noch etwas zu glauben, was man liest. Die medi­ale Totalver­sorgung ist getrieben vom Mit­teilungs­drang der Lautesten, mich selb­st ein­fach pro­vi­sorisch ein­mal eingeschlossen. Wenig­stens wollen sie selb­st dafür angemessen beschimpft wer­den.

Über jeden Zweifel erhaben bleibt jedoch: Musik.

sleep­makeswaves — Emer­gent | Audiotree Live

Guten Mor­gen.