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Real und die Klopapierkäuferzielgruppenanalyse

Als datenschutzinteressierter und technikaffiner Mensch traut man sich vor lauter Furcht kaum noch ein kurzes Schläfchen zu halten. Kaum hat man die Diskussion über ein Verbot von Sicherheitssoftware in Gänze aufgenommen und seine gegenwärtig eingesetzten Sicherheitsvorkehrungen auf etwaige Konsequenzen überprüft, braut sich vor der Haustür schon das nächste Unglück zusammen:

Der Supermarktbetreiber Real lässt die Gesichter von Kunden analysieren, die Bildschirme mit Werbung im Kassenbereich anschauen. (…) Die Erkennung der Personen erfolge komplett anonym, das System erkennt lediglich etwa einen Mann von rund 45 Jahren.

Das Ziel dieser Kontrolle sei nicht etwa Terrorabwehr, was immerhin angenehm ungewöhnlich ist, sondern eine bessere Anpassung der eingeblendeten Werbefilme an denjenigen, der sie sehe, lässt der Supermarktbetreiber unwidersprochen seinen Sprecher ausrichten.

Nun war das Erkennen von persönlichen Wünschen anhand einer ungefähren demografischen Einordnung noch nie besonders einfach, was gerade Männer klischeemäßig bestätigen können sollten, und auch in vorliegendem Fall erscheint mir das Erfassen von Gesichtern als unzureichend für den Zweck, passende Werbung einzublenden. Wie sieht denn jemand aus, der total gerne Werbung im Supermarkt ansieht und nicht einfach genervt an ihr vorüberschlendert? Besser noch: Ich zum Beispiel sehe am liebsten (sofern dies ein Kriterium ist) Werbung, die möglichst dämlich ist, käme aber nie auf die Idee, auf dieser Grundlage eine Kaufentscheidung zu treffen. Werbung für Damenbinden zum Beispiel ist oft grandios absurd, jedoch verdient in absehbarer Zukunft kein Hersteller dieser Produkte etwas an mir. Kauft eine Frau von etwa 23 Jahren, die gerade an der Kasse steht und aus unklarem Grund auf den Spionagebildschirm schaut, qua Gesicht lieber Tampons oder Katzenfutter?

Hauptsache, man hat ein Video; diese Argumentation zumindest teilt der Supermarktbetreiber Real mit einigen Unternehmen, deren Kunde ich dann allerdings doch lieber nicht sein möchte.


Da wir gerade sowieso auf „SPIEGEL ONLINE“ waren, vielleicht noch dies: Das Ärgerliche an der Berichterstattung über Donald Trump sind nach wie vor die journalistischen Standards, die ihr zugrunde liegen. Seht her, ein Schreibfehler! ROFL!

Senfecke:

  1. Tja,

    diese Schnaps-Idee kommt halt von echten Werbe-„Profis“, deren Behauptungen eh zu 99% nicht auf mich zutreffen und höchstwahrscheinlich auch auf 99% der restlichen Bevölkerung nicht zutreffen.

    Aber irgendwie müssen sich diese unnützen Fresser halt auch verkaufen :D

    Liebe Grüße
    Ralf

  2. Pingback: Hirnfick 2.0 » Kurz verlinkt: Real kann nicht, wenn jemand zuguckt.

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