MusikkritikKaufbefehle
Kurzkritik: Free Salamander Exhibit — Undestroyed

Etwas — wenn auch nicht viel — ern­ster als let­ztes Mal geht es bei Free Sala­man­der Exhib­it zu.

Die Musik­gruppe Sleep­y­time Goril­la Muse­um, 1999 aus Idiot Flesh her­vorge­gan­gen und bis 2011 aktiv, war eine höchst selt­same Com­bo, deren Stil sich vielle­icht am ehesten als Exper­i­men­tal­met­al mit Dada-Ein­fluss beschreiben lässt, wom­it sie zeitweise (cf. u.a. Sebkha-Chott und uneX­pect) nicht allein waren. Unter den zahlre­ichen Abkömm­lin­gen von Sleep­y­time Goril­la Muse­um fällt die Band Free Sala­man­der Exhib­it nicht nur durch einen recht ähn­lichen Namen (der Weg zur Sala­man­der­ausstel­lung vom Goril­la­mu­se­um ist kein weit­er), son­dern ins­beson­dere auch durch eine hohe Übere­in­stim­mung der per­son­ellen Beset­zung — lei­der gegen­wär­tig ohne Car­la Kihlst­edt — auf, so dass ich es ein­fach mal wage, Free Sala­man­der Exhib­it als jüng­ste Qua­si-Reunion von Sleep­y­time Goril­la Muse­um zu benen­nen.

Im Jahr 2016 erschien nun also das Album “Unde­stroyed”. Wir sind noch nicht zer­stört. Passt, denn zer­stören tun sie lieber selb­st.

Free Sala­man­der Exhib­it — Time Mas­ter

“Unde­stroyed” — wenn auch bei Weit­em nicht so durchgek­nallt wie frühere Alben aus dem Ban­dum­feld — wird beherrscht von vielfälti­gen Rhyth­men, stilis­tisch bewegt man sich zwis­chen Math­rock und Met­al mit dem alt­bekan­nten Growl­ing, aber auch Can­ter­bury ist dem Quin­tett nicht fremd, wie “The Keep” her­aus­ra­gend beweist:

Derzeit befind­et sich die Band mit illus­tren Zeitgenossen wie Cheer-Acci­dent auf ein­er aus­gedehn­ten Tournee, es geht also hof­fentlich noch weit­er. “Unde­stroyed” ist jeden­falls ein willkommenes Leben­sze­ichen ein­er reformierten Band, deren Fortbe­stand unbe­d­ingt wün­schenswert ist.

NetzfundstückeComputer
Telekom: Die Industrie von morgen mit dem Internetzugang von gestern.

Auf Twit­ter machte vor ein paar Tagen die begeis­ternde Frage der Mobilsparte der Telekom die Runde, was man mit un-fass-baren vier Giga­byte Über­tra­gungsvol­u­men per Monat denn so alles anfan­gen würde. Eine beliebte Antwort lautete, dass man mit vier Giga­byte ger­ade so die Strecke bis nach Däne­mark schaf­fen kön­nte, eines unser­er Nach­bar­län­der, in denen das mobile Inter­net (allein der Begriff schon!) eher weniger von Drosselun­gen und Vol­u­men­tar­ifen betrof­fen ist, glaubt man den ein­schlägi­gen Sta­tis­tiken und Bericht­en.

Im Fes­t­netz allerd­ings macht sie kaum eine bessere Fig­ur. Als dom­i­nan­ter Anbi­eter in Deutsch­land, einem Land mit einem eigentlich nur von zwei Konz­er­nen dominierten Markt für fes­t­net­zbasierte Inter­ne­tan­schlüsse, sieht die derzeit­ige nicht rein wirtschaftliche Erfol­gssta­tis­tik der Telekom so mau aus wie ihre Aktienkurse: Laut einem Aka­mai-Bericht (wer es tabel­lar­isch mag und Fließ­text doof find­et, der möge direkt ab Seite 34 nach dieser Aus­drucks­form Auss­chau hal­ten) aus dem Vor­jahr — seit­dem hat sich daran ver­mut­lich eher wenig getan — liegt Deutsch­land hin­sichtlich der durch­schnit­tlichen Über­tra­gungs­geschwindigkeit über IPv4 auf dem 26. Platz, hin­sichtlich der Max­i­malgeschwindigkeit sog­ar nur auf Platz 43 — jew­eils immer­hin noch vor Öster­re­ich. Auf dem glob­al­isierten Welt­markt spielt Deutsch­land, “Indus­trie 4.0” und son­stige Bonus­felder für’s Bull­shit­bin­go (was genau war denn dann die “Indus­trie 1.0”?) hin oder her, auch deshalb kaum eine Rolle, denn:

Ein Maschi­nen­bauer ohne super­schnelle Daten­leitung wird halt die Maschi­nen sein­er Abnehmer nicht online warten kön­nen. (…) [D]ie Telekom ver­ste­ht unter dem „Anschluss der Zukun­ft“ keine erhöhte Geschwindigkeit – son­dern eine sig­nifikant NIEDRIGERE. (…) Stück für Stück zeigt sich, dass die Deutsche Telekom in ihrem aktuellen Vorge­hen ein Kreb­s­geschwür im Hirn des Wirtschafts­stan­dortes Deutsch­land darstellt.

Und die sind die tech­nisch Ver­ant­wortlichen für die deutsche cloud (weil: ist ja alles sicher­er, wenn BND statt NSA am Knoten hängt). Nicht, dass ich es nicht guthieße, würde die totale Ver­net­zung sich deshalb noch etwas langsamer fort­be­we­gen als in anderen Län­dern, und nicht, dass ich irgen­deinen Vier­null­blödsinn für einen imma­nen­ten Bestandteil mod­er­nen Zusam­men­lebens hielte, aber eine gewisse Öff­nung des Net­z­mark­tes auch hin­sichtlich der Finanzierung kleiner­er Unternehmen kön­nte doch manch­es deut­lich inter­es­san­ter machen.

Hal­lo Zukun­ft!
Telekom, ca. 2006

In den Nachrichten
Liegengebliebenes vom 24. Mai 2017

Ver­bi­etet Wass­er, es ist — laut “SPIEGEL ONLINE” — die “neue Waffe des IS”!


“Lin­ux ist sich­er” des Tages: Sicher­heit­slücke von WannaCry’schem Aus­maß in aktuellen Sam­ba-Ver­sio­nen.


Na, auch evan­ge­lisch-lutherisch? Warum nicht gle­ich in die NPD?


Wirtschaft­snachricht­en (1): Jed­er zweite Deutsche sieht sich als “beson­ders wohlhabend”. Dann ist ja alles in bester Ord­nung.


Wirtschaft­snachricht­en (2): Die “Wirtschaftswoche” ist entset­zt, weil die Börse nicht, wie gewün­scht, deut­lichen Miss­mut über irgendwelche Spren­gun­gen in Konz­erthallen erken­nen lässt. Als Resul­tat bleibt immer­hin zu ver­melden, dass Men­schen, die ein Konz­ert von Ari­ana Grande besuchen und dabei aus irgendwelchen Grün­den getötet wer­den, keine nen­nenswerte Wirtschafts­macht sind.

NetzfundstückeMontagsmusik
Grusom — The Journey

Wieder nur Eulen im SPIEGEL.Es ist Mon­tag. Zwar zu nass, aber wenig­stens auch zu warm. Dem Ziel, endlich anzukom­men, wurde aber­mals nicht näher gekom­men, über­raschen­der­weise löst Untätigkeit Prob­leme eher sel­ten. Die Forschung indes find­et immer wieder einen neuen Sinn im Leben. Dieser Tage wur­den Forschungsergeb­nisse pub­lik, die das Laden ein­er Bat­terie mit Lebensen­ergie für wahrschein­lich eracht­en. Eine wan­del­nde Ladesta­tion zu sein ist ja auch irgend­wie ein Sinn, auch, wenn es bei vie­len poten­ziellen Anwen­dern eben an der Lebensen­ergie fehlen wird. Die Zukun­ft wird wun­der­bar.

Kurz die Kotze abwis­chen und weit­er im Text. — Der olle “SPIEGEL”, der den Unter­schied zwis­chen ein­er Debat­te und einem Duell nicht mal im Ansatz ver­standen hat, titelt diese Woche falsch: “Wie Hack­er die Welt attack­ieren. Wie wir uns schützen kön­nen.” Die Antwort darauf lautet zum Beispiel nicht: indem man Hack­er, die längst den let­zten Schutzwall zwis­chen über­grif­fi­gen Geheim­di­en­sten und Regierung auf der einen sowie uns auf der anderen Seite bilden, zum Prob­lem erk­lärt; aber Ahnung von dem, worüber man da ger­ade zu schreiben ver­sucht, ist beim “SPIEGEL” sel­ten ein Anlass zur Beförderung.

Völ­lig furcht­bar auch: Die schlimm­sten Dinge, die man im Web kaufen kann, als täglich aktu­al­isiert­er Blog.

Ziem­lich gut hinge­gen: Musik.

GRUSOM — The Jour­ney (Offi­cial Video)

Guten Mor­gen.

Nerdkrams
Tippen statt Wischen: Android und der T‑UI-Launcher.

Wenn es einen guten Grund gibt, Android irgend­wie pri­ma zu find­en, dann ist die Anpass­barkeit sicher­lich ein­er, der in die engere Auswahl kommt. Die Myr­i­aden an konkur­ri­eren­den apps für beina­he alles sind längst nicht mehr zu bezwin­gen.

Das trifft auch und ger­ade auf die Welt der “Launch­er” zu, der Start­bild­schirme und Pro­grammwäh­ler; hier konkur­ri­eren die Stan­dar­d­an­wen­dung von Android, die vorin­stal­lierten Alter­na­tiv­en ver­schieden­er Smart­phone­hersteller (HTCs “Sense”, Sam­sungs “Touch­Wiz”, Huaweis “Emo­tionUI” und so weit­er) und teil­weise über Jahre hin­weg gepflegte, oft auf dem Pro­grammwäh­ler von Android oder dessen Fork “Tre­buchet” (Cyanogen­Mod) basierende Anwen­dun­gen wie Nova Launch­er, Apex Launch­er, Action Launch­er oder der von mir in let­zter Zeit immer pos­i­tiv­er aufgenommene und aktuell haupt­säch­lich genutzte Arrow Launch­er von aus­gerech­net Microsoft darum, den weit­er­hin stetig wach­senden Kreis der poten­ziellen Kun­den von sich zu überzeu­gen.

‘Tip­pen statt Wis­chen: Android und der T‑UI-Launch­er.’ weit­er­lesen »

NetzfundstückeComputer
comcrypto: Mit Scriptzwang und Googlewanzen gegen Überwachung?

Die Star­tup­szene in Deutsch­land ist eine flo­ri­erende. Die Geschäftsmod­elle sind oft vol­lkom­men absurd und scheit­ern erfreulich schnell, andere fußen auf realen Bedürfnis­sen und füllen ihre jew­eilige Nis­che oft auf her­aus­ra­gende Weise.

Und dann wäre da noch com­cryp­to.

com­cryp­to — laut Eigenbeschrei­bung im Seit­en­ti­tel zuständig für “Authen­tiz­ität und Ver­schlüs­selung im Infor­ma­tion­saus­tausch” — ist eine seit 2016 in irgendwelchen Reg­is­tern ste­hende Chem­nitzer GmbH, die unter anderem auf der diesjähri­gen CeBIT in Han­nover zu Gast war, um ihre Dien­ste anzupreisen. Das tut sie zum Beispiel wie fol­gt:

Beispiele wie das Spi­onage­pro­gramm PRISM oder zunehmende Schadens­fälle durch E‑Mail-Fälschun­gen sind Beleg für die zunehmende Ver­let­zlichkeit unseres pri­vat­en und geschäftlichen Nachricht­e­naus­tausches.

Und:

Von com­cryp­to entwick­elte Lösun­gen entsprechen höch­sten Anforderun­gen.

Und:

Kom­mu­nika­tion benötigt Ver­trauen. Wir ermöglichen es.

Dass die eigene Web­site ohne einen tech­nis­chen Anlass mit deak­tiviertem JavaScript prak­tisch unbe­di­en­bar (schlim­mer noch: unles­bar) ist, dass man den Her­ren von com­cryp­to also erst ein­mal ohne erkennbaren Grund das Aus­führen von beliebigem Code auf dem eige­nen Rech­n­er erlauben muss, um über­haupt in den Genuss der Heilsver­sprechen zu kom­men, kön­nte allerd­ings ein Zeichen dafür sein, dass das junge Unternehmen seine Ziel­gruppe maß­los unter­schätzt.

comcrypto - Kein JS, keine Infos!

Und wenn man com­cryp­to dann mal ver­traut und nicht weit­er nach­fragt und am besten auch nicht ans Ende der sehr, sehr lan­gen Seite scrollt, wird man auch niemals den Daten­schutzhin­weis — blass­blau auf hell­blau — ausklap­pen und fol­gende Infor­ma­tion nicht ein­mal zur Ken­nt­nis nehmen:

Diese Web­site benutzt Google Ana­lyt­ics, einen Web­analyse­di­enst der Google Inc. (”Google”).

Eine Web­site, so heißt es, sei heutzu­tage das Aushängeschild eines Unternehmens, das etwas auf sich hält. Was der Umstand, dass sicher­heits­be­wusste Inter­essen­ten dieses Schild in den meis­ten Fällen nicht ein­mal lesen kön­nen, ohne gle­ich bei Google vorstel­lig wer­den zu müssen, über das Unternehmen aus­sagt, möge die Entschei­dung der Einzel­nen bleiben.

Ich würde unter diesem Schild jeden­falls ohne Helm nicht ein­mal ent­langge­hen wollen.

PolitikIn den Nachrichten
Schmalhans des Tages: Thomas de Maizière, CDU.

Dieser Artikel ist Teil 14 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Die Regierungskoali­tion aus CDU/CSU und SPD gedenkt, medi­al belegt, noch vor der näch­sten Bun­destagswahl — obwohl abzuse­hen ist, dass auch weit­er­hin der Großteil der Wäh­ler gar nicht erst auf die Idee käme, dem frei­heits­feindlichen Treiben der dreis­ten Drei per Abstim­mung zugun­sten ein­er anderen Partei Ein­halt zu gebi­eten — am BVer­fG vor­bei den Ein­satz von Schad­soft­ware gegen die eige­nen Bürg­er zum Gebot zu erk­lären, indem sie ein­fach ins Geset­zbuch rein­schreiben, dass sie das dür­fen.

Der Rechtsstaat wolle es so, sagte der amts­be­d­ingt fach­lich gän­zlich desin­ter­essierte Min­is­ter des Inneren, Thomas de Maiz­ière, im Stuh­lkreis der­er, die sich selb­st dafür, dass sie es schaf­fen, halb­wegs fehler­frei Word­Press zu instal­lieren, zur Koryphäe in Medi­en­poli­tik ernan­nten, näm­lich auf der nun­mehr ver­gan­genen “re:publica”-Konferenz:

Der Staat kann dem Min­is­ter zufolge nicht akzep­tieren, “wenn es eine Ende-zu-Ende-Ver­schlüs­selung in einem Mes­sen­ger­di­enst gibt, dass deswe­gen, weil es eine Ende-zu-Ende-Ver­schlüs­selung gibt, automa­tisch rechtsstaatliche Befug­nisse des Staates zur Strafver­fol­gung in diesem Dienst tech­nisch aus­geschlossen sind. (…)”

Der Staat also finde es unvorteil­haft, wenn die Bürg­er auch mal unbeobachtet über Pri­vates reden möcht­en, und in let­zter Kon­se­quenz erstaunt es mich, dass das Zuk­leben von Briefum­schlä­gen über­haupt noch legal ist. Sprechend indes ist der Ter­mi­nus von den “rechtsstaatlichen Befug­nis­sen”, der hier eine angenehmer klin­gende For­mulierung für “Befug­nisse und Rechte des Staates” zu sein scheint, was zwar ähn­lich klingt, aber nicht ähn­lich bedeutet.

Rechtsstaatlichkeit bedeutet laut Klaus Stern (zitiert in u.a. Wikipedia), dass “die Ausübung staatlich­er Macht nur auf der Grund­lage der Ver­fas­sung und von formell und materiell ver­fas­sungsmäßig erlasse­nen Geset­zen mit dem Ziel der Gewährleis­tung von Men­schen­würde, Frei­heit, Gerechtigkeit und Rechtssicher­heit zuläs­sig” sei, meint mithin also einen Staat, dessen Maxime vor allem Men­schen- und Bürg­er­rechte sind, wozu einige Jahrzehnte nach “Auf­machen, Gestapo!” tat­säch­lich auch zumin­d­est grundle­gen­der Lib­er­al­is­mus im Sinne der Unver­let­zlichkeit pri­vater Lebens­bere­iche gehören sollte, was in ein­er voll­ge­cy­berten Zeit wie der unseren sich let­ztlich vielfach auf das Dig­i­tale reduzieren lassen kann, sind Com­put­er doch heute Fotoal­bum, Tage­buch und Briefkas­ten zugle­ich.

Unter rechtsstaatlichen Voraus­set­zun­gen haben die Com­put­er fremder Leute für den Staat ergo nicht weniger unberührbar zu sein als ein Ehe­bett: So lange dort nicht ger­ade ein Mord im Entste­hen begrif­f­en ist, hat dort kein noch so eifriger Geset­zeshüter etwas ver­loren.

Lei­der hütet der Staat Geset­ze, die ihm selb­st nicht von Vorteil sind, eher ungern, hält aber um so mehr von seinen eige­nen Befug­nis­sen, was eben bedeutet:

Daher halte er Quellen-TKÜ und Online-Durch­suchung “unter rechtsstaatlichen Voraus­set­zun­gen für zwin­gend geboten”.

Geboten wäre im Übri­gen auch eine Rev­o­lu­tion oder zumin­d­est eine grundle­gende Reform des Wahlsys­tems, um die weit­ere Unter­wan­derung des men­schlichen Miteinan­ders seit­ens eines über­grif­fi­gen Staates zu ver­mei­den; aber auf mich hört ja kein­er.

Ich hab’ den nicht gewählt.

MusikPolitikNetzfundstückeIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Liegengebliebenes vom 17. Mai 2017

Ich bin mir nicht sich­er, ab welch­er Schwere der Verge­hen ein­er Regierung gemäß Art. 20 Abs. 4 GG ein Wider­stand geleis­tet wer­den darf, aber ich bin dur­chaus gewil­lt, diese Option gegen die schlimme SPD zumin­d­est in Erwä­gung zu ziehen: Has­s­min­is­ter Heiko Maas würde gern das offen­sichtlich ver­fas­sungswidrige Net­zw­erk­durch­set­zungs­ge­setz noch diese Woche beschließen lassen. Der Rechtsstaat, das sind die anderen.


“Lin­ux ist sich­er” des Tages: Über eine der unzäh­li­gen Sicher­heit­slück­en in Ubun­tu — mein Mitleid mit seinen oft verächtlich auf Win­dows hin­ab­blick­enden Nutzern hält sich in sehr engen Gren­zen — war es möglich, den stören­den Anmeldezwang, um auf die Dateien eines anderen Benutzers zuzu­greifen, ein­fach zu umge­hen.

(via Schw­erdt­fe­gr)


Eine erschreck­ende Ver­mu­tung, die alles, was wir bish­er über Musik zu wis­sen mein­ten, in Frage stellt: Wer­den Texte in der Pop­musik immer repet­i­tiv­er?


Wenn Blinde über Far­ben reden, wer­den sie irgend­wann Com­put­er­jour­nal­ist bei der Tagess­chau:

IP-Adressen sind aus dem Inter­net nicht mehr wegzu­denken.

Siehe auch:

Ja wahrlich, tele­fonieren ohne Tele­fon­num­mern, das gibt es prak­tisch nicht mehr. Selb­st die Postzustel­lung ohne Anschrift gehört der Ver­gan­gen­heit an.

Wir leben in erstaunlichen Zeit­en.


Hihi:

Auf dem Fuß­bo­den bleibt die ominöse Buch­staben­folge “FCK ARN” zurück. Nach einigem Gerät­sel lässt sich das wohl nur als hastiger Beginn der Worte “FICKT ARNE HOFFMANN” inter­pretieren, was immer­hin mal eine fem­i­nis­tis­che Forderung wäre, der ich zus­tim­men kann, auch wenn ich bish­er nicht auf den Gedanken kam, sie auf Trot­toirs zu sprühen. War der ganze Pick-up-Kram also doch zu etwas gut …

:lachtot:

In den NachrichtenComputer
Was die Bahn wiederum aus WannaCry nicht gelernt hat

Die Deutsche Bahn zieht aus dem jüng­sten Prob­lem mit der NSA-Schad­soft­ware beina­he die richti­gen Schlüsse:

Zug­fahren ohne klas­sis­che Fahrkarte: Die Deutsche Bahn plant, das dig­i­tale Tick­et­ing einzuführen.

Schad­soft­ware sei kein The­ma:

Es gebe schon seit län­gerem ein Cyber-Secu­ri­ty-Team sowie Sys­teme zur Früherken­nung.

Diese Sys­teme scheinen auf der bah­neige­nen Infra­struk­tur bedauer­licher­weise nicht instal­liert wor­den zu sein. Aber fürchtet euch nicht, als­bald ist auch der let­zte Dorf­bahn­hof vor Schad­soft­ware gefeit:

“Wir bauen die Videoüberwachung an unseren Bahn­höfen mas­siv aus”, sagte Lutz. “Bis Ende 2017 wer­den wir zusät­zlich zu dem bere­its geplanten Etat weit­ere zehn Mil­lio­nen Euro investieren, um mehr als 1000 Bahn­höfe mit 7000 zusät­zlichen Kam­eras auszus­tat­ten.”

Da traut sich dann kein Virus mehr hin. :ja:

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Farflung — Endless Drifting Wreck

In der Ferne leiser Donnerhall.Es ist Mon­tag. Die Wäh­ler­schar Nor­drhein-West­falens hat sich wieder ein­mal Unsinn zusam­mengewählt, was lustig ist, so lange man dort nicht wohnen muss. Lustig auf jeden Fall: In Brasilien wer­den Frauen mit zu großem Gesäß nun von der Wahl zur Miss Bum­Bum aus­geschlossen.

Zur Musik, denn Musik ist, was das alles wesentlich erträglich­er gestal­tet: Auf­grund aktueller Vorkomm­nisse soll die Bun­deswehr ein neues Lieder­buch bekom­men. Möglicher­weise wären hier die eingängi­gen Weisen von Frau Fis­ch­er und Her­rn Petry zwecks Abschreck­ung etwaiger Feinde eine lohnenswerte Ergänzung.

Apro­pos: Am ver­gan­genen Woch­enende fand offen­bar das alljährliche Wettsin­gen der europäis­chen Inter­pre­ten belan­glos­er anglo­phon­er Schlager­musik statt. Auch in diesem Jahr bitte ich davon Abstand zu nehmen, mir irgen­det­was über den deutschen Beitrag (es gab doch einen deutschen Beitrag?) mitzuteilen. Das Leben ist zu kurz für einen schlecht­en Musikgeschmack, auch, weil es ohne­hin bere­its zu viel Musik gibt, die es sich zu hören lohnte.

Vor allem an einem Mon­tag.

FARFLUNG • End­less Drift­ing Wreck • Rock­house, Salzburg, June 13th 2016

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Buckethead — Pike 244: Out Orbit

Machen wir zwis­chen­durch mal wieder etwas schönes, ziehen wir uns einen heißen Gitar­ren­porno rein!

Buck­et­head ist der Kün­stler­name eines US-amerikanis­chen Mul­ti­in­stru­men­tal­is­ten, der Ende der 1980-er Jahre beschloss, sein Gesicht hin­ter ein­er weißen Maske zu ver­ber­gen und einen Eimer von Ken­tucky Fried Chick­en auf seinen Kopf zu set­zen. Statt in die Psy­chi­a­trie gelangte er stattdessen zu Ruhm und (ver­mut­lich) Reich­tum, indem er teils mit zeit­genös­sis­chen Musik­ern, teils allein bis dato 264 Musikalben veröf­fentlichte, von denen seit 2011 alle bis auf eines als so genan­nte Pikes, wofür ich ger­ade im Wörter­buch nach­schla­gen müsste, in immer kürz­eren Abstän­den erscheinen und sel­ten 30 Minuten lang sind. “Out Orbit” von Jan­u­ar 2017 ist eines davon, es kommt auf fast 28 Minuten Laufzeit und ist das ins­ge­samt 274. Album unter dem Namen Buck­et­head. Da hat jemand Langeweile.

Der Musik­er mit dem Eimerkopf hält sich mit Gen­res nicht lange auf, bere­its das eröff­nende “Invis­i­ble Rail­road” quetscht in viere­in­halb Minuten mehr Gen­res als es irgend­wie vernün­ftig wäre. Thrash Met­al, Space­rock, Blues­rock, Pro­gres­sive Met­al und Indie-Rock geben einan­der die Klinke der Drehtür in die Hand.

“To Infin­i­ty and Beyond (ded­i­cat­ed to Craig Sager)” ist im Wesentlichen Hardrock mit Space­ef­fek­ten. Wom­it der Ende 2016 gestor­bene Sportre­porter Craig Sager diese Ehre ver­di­ent hat, weiß ich nicht. Noch inter­es­san­ter ist das vier­tel­stündi­ge Titel­stück, in dem Blues­rock, Jaz­zrock, Amer­i­cana und Space­rock einan­der abwech­seln, ohne dass dabei auch nur einen Takt lang der groove vom Anfang ver­loren gin­ge. Man schwinge das Tanzbein oder wenig­stens den Kopf.

Das abschließende, wiederum deut­lich kürzere “Assort­ments” run­det “Out Orbit” vortr­e­f­flich ab. Ins­ge­samt trägt das Album seinen Namen sicher­lich zu Recht, denn der omnipräsente Space­rock ist hier rot­er Faden und Haup­tak­teur zugle­ich; geeignet für all jene, die Gitar­ren spitze find­en und Gesang nicht für essen­ziell hal­ten.

Buck­et­heads Debü­tal­bum “Buck­et­head­land” gibt es auf Amazon.de derzeit für etwas über 500 Euro zu kaufen. Qual­ität kostet. “Out Orbit” hinge­gen gibt es auf des Kün­stlers Web­site für unter zehn Euro zum Strea­men und Herun­ter­laden. Es möge genutzt wer­den.

In den NachrichtenComputer
Was wir aus WannaCry lernen können

Eine von der NSA pro­gram­mierte Schad­soft­ware für seit län­ger­er Zeit nicht aktu­al­isierte Instal­la­tio­nen von Microsoft Win­dows legt seit ein paar Stun­den weltweit mitunter lebenswichtige Infra­struk­tur lahm. Wie sich das für eine anständi­ge Sicher­heit­slücke heute gehört, hat sie mit “Wan­naCry” natür­lich sofort einen grif­fi­gen Namen und ver­mut­lich auch ein Logo, eine Web­site und ein trendi­ges Shirt­de­sign bekom­men.

Daraus kön­nte man jet­zt — wie es in den ein­schlägi­gen Foren natür­lich bere­its der Fall ist — fol­gern, dass erstens das alles mit einem Sys­tem, das nicht von Microsoft stammt, nie passiert wäre, als läge das Prob­lem nicht in der man­gel­nden Wartung vorhan­den­er Sys­teme begrün­det und ließe sich mit einem Wech­sel auf ein anderes nicht gewartetes Sys­tem lösen, dass zweit­ens drin­gend die Cyber­wehr etwas gegen den Iwan, denn dieser wird ver­mut­lich schnell als ver­meintlich­er Schuldiger aus­gemacht wer­den, unternehmen sollte und dass drit­tens dieses Ver­net­zen aller möglichen Geräte eine furcht­bare Idee ist, was zumin­d­est völ­lig richtig ist.

Die entschei­dende Erken­nt­nis aber lautet (außer natür­lich, dass ein Men­sch, der keine Sicher­heit­sup­dates durch­führt, jedes Recht, einen Com­put­er zu admin­istri­eren, auf Leben­szeit ver­lieren sollte und dass Viren­scan­ner auss­chließlich dem Geld­beu­tel ihrer Verkäufer von Nutzen sind):

Die Vere­inigten Staat­en, übri­gens dur­chaus auch bere­its die guten Vere­inigten Staat­en mit dem guten Präsi­den­ten Barack Oba­ma, leis­teten und leis­ten sich eine Ter­rorzelle, die, staatlich gefördert, gezielt Schad­soft­ware schreibt, die leben­skri­tis­che Infra­struk­tur schwächen kann. Dabei wird nicht, etwa durch eine lan­desweit ver­füg­bare Fehlerko­r­rek­tur, Vor­sorge dafür getra­gen, dass wenig­stens die eige­nen Bürg­er nicht zu Schaden kom­men, und wie zum Hohn nen­nt sich diese Ter­rorzelle dann auch noch die Agen­tur für nationale Sicher­heit, als habe ein Kranken­hausvirus einen Nutzen für das weit­ere Woh­lerge­hen der Nation; anders aus­ge­drückt: Staatliche Ein­rich­tun­gen der USA gefährden jet­zt ger­ade in diesem Moment die Gesund­heit europäis­ch­er Zivilis­ten.

Ich bin mir nicht ganz sich­er, wie die Reak­tion der Weltöf­fentlichkeit wohl aus­fiele, wäre die Schad­soft­ware stattdessen syrischen oder jemeni­tis­chen Ursprungs; einen kon­se­quent und objek­tiv geführten Krieg gegen den Ter­ror inklu­sive Amt­sen­the­bung und jahre­langer Wegsper­rung neb­st aus­giebiger Folter der Ver­ant­wortlichen habe ich mir allerd­ings, Human­is­mus hin oder her, sel­ten so sehn­lich her­beigewün­scht wie heute.