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Was wir aus WannaCry lernen können

Eine von der NSA programmierte Schadsoftware für seit längerer Zeit nicht aktualisierte Installationen von Microsoft Windows legt seit ein paar Stunden weltweit mitunter lebenswichtige Infrastruktur lahm. Wie sich das für eine anständige Sicherheitslücke heute gehört, hat sie mit „WannaCry“ natürlich sofort einen griffigen Namen und vermutlich auch ein Logo, eine Website und ein trendiges Shirtdesign bekommen.

Daraus könnte man jetzt – wie es in den einschlägigen Foren natürlich bereits der Fall ist – folgern, dass erstens das alles mit einem System, das nicht von Microsoft stammt, nie passiert wäre, als läge das Problem nicht in der mangelnden Wartung vorhandener Systeme begründet und ließe sich mit einem Wechsel auf ein anderes nicht gewartetes System lösen, dass zweitens dringend die Cyberwehr etwas gegen den Iwan, denn dieser wird vermutlich schnell als vermeintlicher Schuldiger ausgemacht werden, unternehmen sollte und dass drittens dieses Vernetzen aller möglichen Geräte eine furchtbare Idee ist, was zumindest völlig richtig ist.

Die entscheidende Erkenntnis aber lautet (außer natürlich, dass ein Mensch, der keine Sicherheitsupdates durchführt, jedes Recht, einen Computer zu administrieren, auf Lebenszeit verlieren sollte und dass Virenscanner ausschließlich dem Geldbeutel ihrer Verkäufer von Nutzen sind):

Die Vereinigten Staaten, übrigens durchaus auch bereits die guten Vereinigten Staaten mit dem guten Präsidenten Barack Obama, leisteten und leisten sich eine Terrorzelle, die, staatlich gefördert, gezielt Schadsoftware schreibt, die lebenskritische Infrastruktur schwächen kann. Dabei wird nicht, etwa durch eine landesweit verfügbare Fehlerkorrektur, Vorsorge dafür getragen, dass wenigstens die eigenen Bürger nicht zu Schaden kommen, und wie zum Hohn nennt sich diese Terrorzelle dann auch noch die Agentur für nationale Sicherheit, als habe ein Krankenhausvirus einen Nutzen für das weitere Wohlergehen der Nation; anders ausgedrückt: Staatliche Einrichtungen der USA gefährden jetzt gerade in diesem Moment die Gesundheit europäischer Zivilisten.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie die Reaktion der Weltöffentlichkeit wohl ausfiele, wäre die Schadsoftware stattdessen syrischen oder jemenitischen Ursprungs; einen konsequent und objektiv geführten Krieg gegen den Terror inklusive Amtsenthebung und jahrelanger Wegsperrung nebst ausgiebiger Folter der Verantwortlichen habe ich mir allerdings, Humanismus hin oder her, selten so sehnlich herbeigewünscht wie heute.

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  1. PINGBACK: Hirnfick 2.0 » Kurz verlinkt: Was die Bahn wiederum aus WannaCry nicht gelernt hat

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