In den NachrichtenMontagsmusikNetzfundstücke
Renaissance — Song of Scheherazade // Absurdes für die Wissenschaft

Montagsgefühl (ca.)Es ist Mon­tag. Die Krise hält uns fest in ihrem gieri­gen Griff. Das gelobte Land der Pas­ta Bologna, deren Akademik­er sich glück­lich schätzen kön­nen, wenig­stens noch irgend­wo eine freie Stelle als Tax­i­fahrer zu find­en, weil immer mehr schlecht aus­ge­bildete Leute mit immer weniger wertvollen Abschlüssen sich vor ehrlich­er Arbeit ver­steck­en (Fachkräfte­man­gel am Arsch), marschierte für die Wis­senschaft, ange­führt von Gen­der­spral­los, Wind­kraft­lob­by­is­ten und son­sti­gen Nieten, die es bis heute nicht zu Wis­sen schafften. Man hätte kochen kön­nen vor Scham und Gram, aber zu zweit wäre das doch deut­lich inter­es­san­ter gewe­sen; Mon­tagsme­lan­cholie, wie üblich wenig über­raschend.

Was für eine Über­raschung aber: Lädt man sich ein Pro­gramm mit einem verdächtig klin­gen­den Namen (“Sys­tem Update”) herunter, dann ist da vielle­icht Schad­soft­ware drin. Als wäre es ein Grafik­treiber oder eine “sichere” Schnittstelle in ein­er Googlean­wen­dung — völ­lig absurd!

Ein absur­des, aber den Schaden­fro­hen dur­chaus befriedi­gen­des Geschäftsmod­ell auch: Nespres­so für Saft. Als sei es irgend­wie erstrebenswert, Fil­terkaf­fee oder Frucht­saft durch irgendwelchen Kapsel- oder Tüten­quatsch zu erset­zen.

Sehr wohl erstrebenswert hinge­gen: Musik.

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz notiert zum Bundesparteitag der AfD in Köln

Wenn ein bre­ites Bünd­nis von Spin­nern aus viel­er­lei Gesellschaftss­chicht­en, darunter aus­gerech­net Abge­sandte der so genan­nten “Lib­eralen” und der ehe­mals ratio­nal­lib­eralen Piraten­partei, gemein­sam mit den örtlichen Vertretern der recht­spop­ulis­tis­chen Parteien CDU und SPD, deren gemein­same Bun­destags­frak­tion während­dessen auch weit­er­hin unbe­herrscht an der Beschränkung der Frei­heit­srechte jedes Indi­vidu­ums zugun­sten der Sicher­heit™ feilt, unter Mis­sach­tung nicht nur demokratisch notwendi­ger und oft auch selb­st aufer­legter moralis­ch­er und geset­zlich­er Regeln, son­dern auch und ger­ade jedes Grundw­ertes der Zivil­i­sa­tion — da ver­sucht man auch schon mal für die Frei­heit den Mit­men­schen eins mit der Hol­zlat­te überzuziehen und trifft dann zum Glück wenig­stens noch ein Bul­len­schwein — in diesem Land, das unter größter Anstren­gung und zum (östlichen) Teil jahrzehn­te­lang für ein freies und unge­hin­dertes Ver­samm­lungsrecht kämpfen musste, eine Ver­samm­lung ein­er Partei, auf deren Kon­to, im Gegen­satz zu ihrem eige­nen, bis­lang eben kein Inter­netüberwachungs­ge­setz, keine Steuer­erhöhung, keine dauernde Daten­er­fas­sung sog­ar beim Klopa­pierkauf, kein Krieg­sein­satz Deutsch­lands und keine immer weit­er steigende Armut­squote gehen, so nach­haltig stören zu müssen meint, dass offen­sichtlich nur noch Polizeis­chutz die kör­per­liche Unversehrtheit der Teil­nehmer weit­ge­hend sich­er­stellen kann, weil es nicht sein dürfe, dass ein paar andere, jedoch aus irgendwelchen Grün­den regierungsskep­tis­che Spin­ner ihrer­seits dieses Recht auf eine unge­hin­derte Ver­samm­lung wahrnehmen, um friedlich ein wenig miteinan­der über Unsinn, über dessen Inhalt man als aufgek­lärter Zeitgenosse zweifel­los nur noch den Kopf zu schüt­teln ver­mag, zu plaud­ern und anschließend wieder nach Hause zu fahren, dann hat dieses bre­ite Bünd­nis eine Partei wie die AfD und ihre Wahler­folge selb­st hart erkämpft und damit redlich ver­di­ent.

NetzfundstückeIn den NachrichtenComputer
Liegengebliebenes vom 21. April 2017

Es ste­ht nur Quatsch zur Wahl? Warum Nichtwählen kein “Zeichen set­zt”, son­dern auss­chließlich die Falschen stärkt, erk­lärt Fefe zitieren­der­weise.


Wie gut oder wie schade, dass Krieg entwed­er ziem­lich schwierig oder ziem­lich ein­fach ist: Die Bun­deswehr könne nur 30 bis 70 Prozent, also wahlweise fast alles oder fast nichts, nutzen, behaupten Kai Bier­mann und Julian Stahnke auf “ZEIT ONLINE”.


Nach dem abse­hbaren Tod von Fire­fox ist aus­gerech­net Googles Chrome-Brows­er das Gute? Weit gefehlt:

Der beliebteste Brows­er soll jet­zt mit einem Wer­be­block­er aus­ges­tat­tet wer­den. (…) Die eigene Wer­bung wird erlaubt, die von konkur­ri­eren­den Wer­benet­zw­erken block­iert. (…) Damit ist Google nicht bess­er als das, was mit AdBlock Plus seinen Anfang gemacht hat.


“Vor­rats­daten­spe­icherung und Aus­nah­mezu­s­tand wie in der Türkei machen das Land sicher­er” des Tages: Schießerei in Frankre­ich. Auf Twit­ter beten schon wieder alle. Das löst sicher­lich auch irgen­dein Prob­lem.


Ein Prob­lem mit den Medi­en ist ihr gegen­seit­iges Absprechen des Wahrheit­sanspruchs: Da wird in diesen grassieren­den “Fak­tenchecks” in steuer­fi­nanzierten Nachricht­ensendun­gen schon mal ganz unauf­fäl­lig ein Buch eines umstrit­te­nen Autors auf “Mein Kampf” gelegt, um das ganze Aus­maß der Bösar­tigkeit dieses Autors schlagkräftig zusam­men­z­u­fassen. Nicht lesen, ist min­destens Hitler drin.


Wenn die Presse­frei­heit auch Jetzt.de ermöglicht, war sie wahrschein­lich doch keine gute Idee.

PolitikIn den Nachrichten
Iwan des Tages: Si vis bellum, arce colloquium!

Ver­dammte Russen aber auch:

Sog­ar Chi­na wollte sich der Erk­lärung anschließen — doch Rus­s­land ließ sie platzen: Die Vetomacht hat im Uno-Sicher­heit­srat eine Verurteilung von Nord­ko­re­as jüng­stem Rake­ten­test block­iert. Rus­s­land bestand auf ein­er For­mulierung, die auch eine Bei­le­gung des Kon­flik­ts durch einen Dia­log vor­sieht. Dies war im let­zten Entwurf fal­l­en­ge­lassen wor­den.

Jet­zt wollen die nicht mal mehr anständig mil­itärisch eskalieren! :motz:

Der West­en sollte sich von diesen Hip­pies drin­gend fern­hal­ten, son­st greift das noch weit­er um sich. Nicht auszu­denken, wenn Diplo­matie bald ohne Präven­tions­bom­bardierung auskom­men muss.

(via Schw­erdt­fe­gr)

NetzfundstückeComputer
JUSOS Schleswig-Holstein: Planlos durch’s Neuland

In gewiss­er Hin­sicht beza­ubernd ist jeden­falls auch dieses Wer­be­plakat der “jun­gen” SPD (“JUSOS”) in Schleswig-Hol­stein, dem einzi­gen Bun­des­land, in dem die Piraten­partei noch was taugt:

Highspeed ist alle

Denn es wirft min­destens drei Fra­gen auf:

  1. Warum benötigt Torstens Kom­mu­nika­tion­spart­ner unbe­d­ingt High­speed, um auf Textnachricht­en zu antworten (was ja auch zu funk­tion­ieren scheint, zumal das Emp­fan­gen eben­so kein Prob­lem ist)?
  2. Wie soll Torstens Kom­mu­nika­tion­spart­ner die emp­foh­lene SPD-Web­site sin­nvoll aufrufen kön­nen, wenn die Band­bre­ite nicht ein­mal zur Tex­tkom­mu­nika­tion genügt?
  3. Wieso hat es die schleswig-hol­steinis­che SPD in den fünf Jahren ihrer derzeit andauern­den Lan­desregierung trotz gegen­teiliger Forderun­gen (an wen?) nicht geschafft, die Bre­it­band­ver­sorgung im Heimat­ge­bi­et von Torstens Kom­mu­nika­tion­spart­ner zu verbessern, und wie möchte sie das in der kom­menden Leg­is­laturpe­ri­ode ändern?

(via @Ziegelei)

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt: Ab Mai ist Töten ungesund

Eine wichtige Ankündi­gung aus unserem demokratis­chen Part­ner­land im wilden West­en:

Der Bun­desstaat [Arkansas, A.d.V.] will so viele Häftlinge in kurz­er Zeit hin­richt­en, weil Ende April die Halt­barkeit des Mit­tels Mida­zo­lam abläuft.

Denn wir wis­sen ja: Abge­laufenes kön­nte sich nachteilig auf die Gesund­heit auswirken. :ja:

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
SVIN — Maharaja // Demokraten, hüben wie drüben

OstereuleEs ist Mon­tag. Der Witz, kein­er jedoch gehe hin, ist genau so müde wie man selb­st; müde vom Welt­geschehen und nicht zulet­zt von der Erken­nt­nis, dass, was fehlt, fehlt. Allmäh­lich begin­nt man sich dem Nichts zu ergeben, aufmerk­sam beobachtet von Kauz und Mond, nick­end, doch schweigend.

Keineswegs nichts: Während in der Bürg­er­schaft kräftig gegen den Pop­ulis­mus gewet­tert wird, der irgen­deine Demokratie oder Frei­heit oder so gefährdet, unter­höhlt unser aller Lieblingsregierung, näm­lich die aus CDU/CSU und SPD, ein weit­eres Mal das ohne­hin schon brüchige Fun­da­ment der “Grun­drechte”. Das Briefge­heim­nis wird abgeschafft (sofern die Briefe elek­tro­n­isch sind). Die NSA guckt uns der­weil beim Bezahlen zu. Ob man sie wohl anrufen kann, wenn man seine IBAN vergessen hat?

Warum ich neulich emp­fahl, nur noch schlaue Men­schen wählen zu lassen, führt übri­gens aktuell die Türkei vor, deren Wäh­ler­schaft unter anderem mit ein­er Mehrheit der in Deutsch­land leben­den Türken — mit Prä­sidi­al­sys­te­men ken­nen wir uns aus — eine aus klas­sisch demokratis­ch­er Sicht eher frag­würdi­ge Ver­fas­sungsän­derung zu befür­worten scheint. Für die Schlauen unter den Wäh­lern, die die Pläne nicht ver­wirk­licht sehen möcht­en, aber hat sich der Präsi­dent schon etwas aus­gedacht: Erdoğan stellt Wiedere­in­führung der Todesstrafe in Aus­sicht, damit er endlich auf gle­ich­er Augen­höhe mit dem West­en ver­han­deln kann. Es ist das Wesen von solchen Siegen, dass sie, ob nun in Texas oder in der Türkei, mit dem Tod der Unter­lege­nen enden.

Und alles, was uns bleibt, ist Musik.

SVIN — Mahara­ja

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Moulettes — Constellations

Moulettes - ConstellationsDas englis­che Kam­mer­rock­quin­tett Moulettes ist regelmäßi­gen Lesern vielle­icht bere­its aus ein­er Mon­tagsmusik bekan­nt. Mit dem Album “Con­stel­la­tions” haben die Damen und Her­ren im Jahr 2014 mein­er beschei­de­nen wie selb­stre­dend objek­tiv­en Mei­n­ung nach ihr bish­eriges Meis­ter­w­erk vorgelegt.

Das einzi­gar­tige Klang­bild, das die Moulettes zeich­nen, wird auf “Con­stel­la­tions” per­fek­tion­iert: Chor­pas­sagen und Kam­mer­musik mit mancher­lei Holzin­stru­menten ste­hen neben beschwingtem Art- und sog­ar Postrock. Ein Musikin­stru­ment so zu benutzen, wie es ursprünglich ein­mal vorge­se­hen war, nimmt dem Ergeb­nis viel von sein­er Wirkung.

Moulettes — Lady Vengeance (Live in Paris)

Als Gast wirkt unter anderem der nicht gän­zlich unbekan­nte Bassist Her­bie Flow­ers (in “Land of the Mid­night Sun”) mit, völ­lig allein sind die Moulettes, die mit diesem Album Anisa Arslanag­ic als neues Mit­glied auf­nah­men und damit wieder eine Frauen­quote von 3:2 ver­melden mussten, also nicht. Diese Per­son­alie sollte indes nicht davon ablenken, dass mit dem Bassis­ten Jim Mor­ti­more ein ander­er bekan­nter Fam­i­lien­zweig längst zur Stammbe­set­zung gehört.

Moulettes — Con­stel­la­tions

“Con­stel­la­tions” ist zweifel­los ein Album, das — schon wieder diese schlimme Schublade — im pos­i­tiv­en Sinne Spaß macht. Für die ange­hen­den war­men Monate muss es ja nicht immer nur der neueste Som­mer­hit sein.

Möge die Freude nicht nur mein­er­seits bleiben.

Politik
Endlich hassfrei Leute vermöbeln dank Mario Sixtus

Mario Six­tus — das war der hier — teilte am ver­gan­genen Mittwoch fol­gende unbe­quellte Sta­tis­tik mit seinen Lesern auf Twit­ter:

Auf­fäl­lig dabei ist, dass “rechts” — bei “den Nazis” — eine Menge Has­skrim­i­nal­ität aufge­führt ist, “links” hinge­gen eine stat­tliche Anzahl an Ver­brechen bei der “Kon­fronta­tion gegen rechts”. Ist also davon auszuge­hen, dass ein einem “Nazi” gegenüber began­ge­nes Ver­brechen (aus Hass gegen “die Nazis”) nicht als Has­sver­brechen zu werten ist? In welche Kat­e­gorie fällt es, wenn jemand einen Flüchtling ganz ohne Hass, son­dern zum Beispiel aus Alko­holisierungs­grün­den ver­prügelt?

Offen­sichtlich jeden­falls beste­ht in Mario Six­tus’ Wun­der­welt ein moralis­ch­er Unter­schied nicht nur darin, welchen Anlass man für die Ini­ti­ierung von Gewal­tausübung zum Vor­wand nimmt, son­dern auch in der Iden­tität von Gewalt­täter und Gewal­topfer:

Es ist näm­lich ein Unter­schied, ob 1) ein Nazi einen Flüchtling ver­prügelt oder 2) ein Link­er einen Nazi.

Wie es eben auch ein Unter­schied ist, ob ich Mario Six­tus meinen linken oder meinen recht­en Mit­telfin­ger präsen­tiere, nur eben in der Sache nichts ändert. Wer Gewalt ausübt, der ist im Unrecht; dass mir jeman­des Nase, Haut­farbe, Reli­gion und/oder Parteim­it­glied­schaft miss­fällt, diskred­i­tiert im Höch­st­fall nur mich selb­st, dieses Miss­fall­en im Ver­prügeln dieses Jemands zu kanal­isieren set­zt mich im Übri­gen auch nicht auf eine höhere moralis­che Stufe.

Das Ver­prügeln von unlieb­samen Mit­men­schen zu rel­a­tivieren, indem man ver­sucht, jemand anderes Ver­prügeln als noch schlim­mer darzustellen, als sei “der da kommt aus einem doofen Land” eine noch schlechtere Ausrede als “der da hat eine doofe Weltan­schau­ung”, also die Welt der aggres­siv aus­geübten Gewalt in “schlimm” und “weniger schlimm” aufzuteilen — das verbindet die Linken und die Nazis so ein­ma­lig wie son­st nur wenig. Die da haben aber zehn Leute mehr grund­los ver­prügelt als wir, was eben nichts beweist außer: Gewalt ist das Mit­tel der­er, die geistig schwach sind und bleiben.


Apro­pos “geistig schwach”: Die Vere­inigten Staat­en haben die Oster­vor­bere­itun­gen genutzt, um eine neue Atom­bombe auszupro­bieren. Jesus hätte es so gewollt, schätze ich.

PersönlichesPolitik
Expertokratie als Ausweg aus der Maizière

Der derzeit noch als alter­na­tiv­los bewor­bene Weg der par­la­men­tarischen Demokratie, die ver­meintliche Inter­essensvertre­tung des Volkes durch eine Regierung mit eigen­er Agen­da, lässt sich inzwis­chen gesichert als gescheit­ert anse­hen. Keine Alter­na­tive ist in direk­ter Demokratie zu sehen, denn schon die par­la­men­tarische Demokratie scheit­ert daran, dass ger­ade diejeni­gen mit der ger­ing­sten poli­tis­chen Bil­dung Gebrauch von ihrem Wahlrecht machen.

In einem Staat, der für Studi­um und Aut­o­fahren eine Reifeprü­fung voraus­set­zt, sollte das Wählen, dessen Fol­gen noch weitaus schlim­mer als ein gle­ich­wie schw­er­er Autoun­fall sein kön­nen, erst recht einen Nach­weis über die aus­re­ichende geistige Reife zur Par­tizipa­tion voraus­set­zen. Daraus lassen sich fol­gende Ideen für eine lebenswerte Zukun­ft der Gesellschaft ableit­en:

  1. Das Wahlrecht sollte kein Grun­drecht bleiben, vielmehr sollte es denen offen­ste­hen, die eine wie auch immer geart­ete Befähi­gung zu pro­gres­sivem Denken aufweisen.
  2. Die gle­ichzeit­ige Mit­glied­schaft in ein­er religiösen Gemein­schaft und dem Wahlsys­tem des Lan­des muss aus­geschlossen bleiben, um die endlich notwendi­gen Anreize zur Tren­nung von Staat und Kirche zu schaf­fen und eine weit­ere Entsäku­lar­isierung der Poli­tik nach­haltig zu ver­hin­dern.
  3. Es muss engere Gren­zen für Parteipro­gramme geben. Eine Partei, die den dig­i­tal­en Wan­del pro­gram­ma­tisch ver­schläft, ist als nicht gegen­wart­stauglich einzustufen.
  4. Video- und Daten­trans­fer­überwachung sind im Weit­eren auss­chließlich in den Geschäft­sräu­men der Lan­des- und Bun­desregierun­gen ges­tat­tet.

Und dann warten wir ein­fach mal ab.

In den Nachrichten
Sicher vorm Herrn

Was uns die Reli­gion heute noch zu bieten hat: Grandiosen Witz.

Ein mehr als zwei Meter großer Phal­lus erregt in Öster­re­ich ein wenig Ärg­er. Die Penis-Skulp­tur im Garten eines Kun­st- und Immo­bilien­händlers in Traunkirchen ste­ht in Sichtweite eines Pil­ger­wegs, der zu Ostern stark fre­quen­tiert wird. (…) Vielmehr habe er als Ver­hül­lung ein großes Kon­dom in Auf­trag gegeben.

Der­weil darf der vor­ma­lige Herr der mod­er­nen Kreuz­züge, unter großem und plöt­zlichem Bedauern der Weltöf­fentlichkeit fort­ge­führt von seinem bis­lang nicht zum Friedens­fürsten ernan­nten Nach­fol­ger, noch im Früh­jahr zu den Zöglin­gen des Kreuz­zug­be­für­worters Mar­tin Luther sprechen, ver­mut­lich keines­falls auf eigene Kosten.

Wer im Jahr 2017 noch ein­er dieser christlichen Reli­gio­nen anhängt, der sollte ganz unverbindlich ein­mal auf seine weit­ere Mündigkeit über­prüft wer­den.

In den Nachrichten
Zwangsvollstreckter freier Wille

Auch mal schön:

Flug über­bucht — Unit­ed Air­lines lässt Pas­sagi­er aus Flugzeug zer­ren[.] (…) “Wir hat­ten nach Frei­willi­gen gesucht. Ein Pas­sagi­er hat­te sich jedoch dage­gen gesträubt, das Flugzeug frei­willig zu ver­lassen, so dass wir Sicher­heit­skräfte hinzuziehen mussten”, sagte Charles Hobart, ein Sprech­er der Air­line.

Gut so! Diesem unver­schämten Frei­willi­gen muss man Respekt ein­bläuen! :aufsmaul:

In den NachrichtenMontagsmusik
Sleep — Dragonaut

Hmpf.Oh, ein Mon­tag! Gle­ich mal dran verzweifeln, weil man, wäre man zwanzig Jahre jünger, jet­zt Ferien hätte und weil der Son­ntag so vieles ver­loren hat; und dann wird es auch noch warm und son­nig draußen, tra­di­tionell fol­gen nun die gewohn­ten drei Wochen som­merähn­lichen Zus­tands, in denen Drin­sein noch angenehmer sein wird als bish­er. Sel­ten wurde schlechter Geschmack so sehr gefürchtet.

Wovor sich son­st so gefürchtet wird: Die Männlichkeit des Inter­nets. Alles Patri­archen mit gewalti­gen Penis­sen hier, die Frauen die Erfind­ung des Inter­nets ver­bi­eten wollen, weil es das Inter­net blöder­weise schon gibt. Auf­schrei! — Was es im Inter­net im Übri­gen auch gibt, ist Schad­soft­ware. Wer immer noch glaubte, dass ihn irgendwelche Pro­gramme davor schützen, der verken­nt den Ernst der Lage: Ein paar Forsch­er von zwei nieder­säch­sis­chen Uni­ver­sitäten haben jüngst ein Forschungsergeb­nis präsen­tiert, demzu­folge klug pro­gram­mierte Schad­soft­ware den so genan­nten “Viren­scan­ner” dazu brin­gen kann, Schad­code über­haupt erst auszuführen. Manch­er Men­schen Vorstel­lung scheint das nicht für möglich zu hal­ten.

Andere haben sich dann auch mal vorgestellt: Nach der Ermor­dung einiger Men­schen in Syrien hat der boden­ständi­ge US-amerikanis­che Präsi­dent Don­ald Trump natür­lich auf Twit­ter den Beteiligten grat­uliert, weil sie die USA (“und die Welt”, D. Trump) so toll vertreten haben. Diejeni­gen, die mir früher beib­rin­gen woll­ten, wie man sein Land im Aus­land bevorzugt vertreten sollte, haben mir diesen Teil natür­lich ver­schwiegen. Frech­heit.

Ganz und gar nicht frech: Ein wenig Ston­er Rock.

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenMusik
Der “Echo” schallt zurück.

Der see­len­lose Fernsehkasper Jan Böh­mer­mann, dessen Gel­tungs­drang in ein­er besseren Welt als valid­er Grund für die Befreiung vom Rund­funkbeitrag gälte, hat vor ein paar Tagen etwas gesagt, was so nach­drück­lich wirk­te, dass es auch in meinen Nachricht­en­lis­ten auf­tauchte:

Böh­mer­mann hat­te kurz vor der Gala in sein­er Sendung “Neo Mag­a­zin Royale” von “see­len­los­er Kom­merzkacke” gesprochen, die der Echo immer wieder ehre.

Den zuge­höri­gen Sendungsauss­chnitt, in dem unter anderem die öster­re­ichis­che Sän­gerin Christi­na Stürmer “dem deutschen Pop” zugerech­net wurde, was über Jan Böh­mer­mann nun auch wieder mehr aus­sagt als über Christi­na Stürmer oder “den deutschen Pop”, fügte man bei “SPIEGEL ONLINE” dem Artikel bei, was erfreulich ist, denn man bekommt ja son­st über­haupt nichts mehr mit von Jan Böh­mer­mann.

Echopreisträger “Campino” (“Die Toten Hosen”, nach eigen­er Aus­sage “Punk, so lange John­ny Thun­ders lebt”, was also etwa 1991 endete), bekan­nt gewor­den durch Trin­klieder und bekan­nt geblieben durch Gitar­ren­schlager, trug dazu fol­gen­des uncooles Zeit­geist­ge­plap­per vor:

“Lieber uncool sein als ein cooles Arschloch, das sich nicht kon­struk­tiv ein­brin­gen kann.” Er sprach auch von “Böh­mer­mannschem Zeit­geist­ge­plap­per”.

Das Cool­sein der Toten Hosen endete nach meinem Dafürhal­ten unge­fähr mit der Veröf­fentlichung des Weltschmerzal­bums “Unsterblich”, was ihm also zumin­d­est genug Übung einge­bracht haben dürfte, um aus Erfahrung zu sprechen.

Das Prob­lem am “Echo” ist aber nicht, dass er ein kom­merziell ori­en­tiert­er Musikpreis, unter dem Applaus von Dum­men vergeben von Kap­i­tal­is­ten an Uncoole, ist, das Prob­lem ist, dass kom­merzieller Erfolg nur schreck­lich­er Musik beschieden ist. Eine Hit­pa­rade, deren Hit­garan­ten über­wiegend gle­ich ausse­hen und sich musikalisch wie inhaltlich auch noch gle­ich anhören, ist keine Hit­pa­rade, son­dern lang­weilig; wed­er Parade noch Hits. Dass diese Hit­musik überdies sich nicht nen­nenswert von dem unter­schei­det, was die Großel­tern nach dem Krieg zur Beruhi­gung hörten, näm­lich irgendwelche Liebeschan­sons (“Schlager”), ver­lei­ht Musikpreisen wie dem “Echo” zwar eine gewisse Beständigkeit, lässt mich aber am Dasein­szweck dieser Preise zweifeln.

Sicher­lich ist in der Musik sozusagen alles schon ein­mal da gewe­sen, neu sind allen­falls Effek­te und Instru­mente, und sicher­lich wird es immer wieder eine Gen­er­a­tion von jun­gen Men­schen geben, die den aber­tausend­sten Neuauf­guss von Nicole, Udo Jür­gens oder, wenn’s denn sein muss, Annett Louisan für ihr Ding, Aus­druck ihres lang­weili­gen Hip­pielebens­ge­fühls und sonst­wie preisverdächtig hal­ten; sicher­lich kann man es sich dann aber auch sparen, jahrzehn­te­lang ganze Bild­schirm­seit­en mit ein­er Berichter­stat­tung darüber zu füllen, wie der diesjährige Tim Bendzko heißt, oder darüber, wie furcht­bar lang­weilig und aus­tauschbar die dort aus­geze­ich­neten Melo­di­en eigentlich sind, weshalb ich dies nun zumin­d­est mein­er­seits abbrechen möchte, nicht ohne zuvor kon­sta­tiert zu haben: Qual­ität zeich­net sich dadurch aus, dass sie nicht ver­standen wird.

Wer die Masse bewe­gen möchte, der sollte eben zunächst seine Klasse aufgeben.

In den NachrichtenPolitik
Iwan des Tages: Eine kurze Zusammenfassung aktueller Vorgänge in Syrien

Es herrscht seit langer Zeit Krieg zwis­chen drei von unter­schiedlichen Wirtschaftsmächt­en aus­gerüsteten mil­itärischen Grup­pen, näm­lich der syrischen Regierung, ein­er religiösen Min­der­heit (“Rebellen”) und Kriegern der ehe­ma­li­gen Al-Qai­da-Gruppe “Islamis­ch­er Staat”. Auf syrisch­er Seite ste­ht der Iwan, weshalb die hiesige Gesellschaft sich darauf geeinigt hat, dass der “Islamis­che Staat” nicht so schlimm ist.

Am ver­gan­genen Dien­stag hat irgendw­er irgend­was mit Gift­gas gemacht, was, ver­glichen mit den herkömm­lichen Meth­o­d­en zum Meucheln von Men­schen, sicher­lich keine beson­ders humane ist, was dazu führt, dass erst­mals eine Empörung stat­tfand, die groß genug war, um einen Rake­te­nan­griff seit­ens der Vere­inigten Staat­en von Ameri­ka zu recht­fer­ti­gen. Der mil­itärisch bis­lang blass gebliebene Präsi­dent der USA teilte hierzu mit, dass die nationale Sicher­heit seines Lan­des ohne das Bom­bardieren eines anderen Lan­des nicht sichergestellt wer­den könne. Medi­en zeigen sich erle­ichtert.

Haupt­sache, der Russe gewin­nt nicht.