PolitikIn den NachrichtenMontagsmusikMir wird geschlecht
Krobak — Broken // Diktatoren mit Bärten, Frauen mit Nägeln

Frühling, oh nein.Es ist Mon­tag, ein Tag, von dem eine Ent­frem­dung lohnenswert­er scheint als von anderen Din­gen des Lebens. Es wird Früh­ling, die Hor­mone treiben Unfug und das Draußen­sein wird so auch ästhetisch wieder zur Qual. Wohl dem, der drin sein kann und sich wun­dern.

Keineswegs drin ist EU-Beitrittskan­di­dat Türkei, dessen Häuptlings ständi­ge Präsi­den­ten­schnap­pat­mung dazu führte, dass die dort Ver­fol­gten auch hierzu­lande nicht mehr gern gese­hen sind: Das Innen­min­is­teri­um bekämpft auch weit­er­hin die Geg­n­er des Islamis­chen Staates, auf dass der Friede zwis­chen Deutsch­land und der Türkei auch weit­er­hin nicht in Frage ste­hen möge. Richtig machen es unsere west­lichen Nach­barn, die sich tra­di­tionell nur sehr ungern von einem bär­ti­gen Dik­ta­tor auf den Tulpen­nasen herum­tanzen lassen. Nach der anste­hen­den Wahl in den Nieder­lan­den, der der Recht­spop­ulis­mus nun wohl gelassen ent­ge­gen blick­en kann, wird es dann wieder allerorten von den Däch­ern trompe­ten, die Nazis seien zu beliebt gewor­den. Wohl dem, der Ursache und Wirkung nicht der Wirtschaft zuliebe ver­wech­selt.

Von der Weltöf­fentlichkeit zum Glück weit­ge­hend unbe­merkt wurde aus dem Kreise der­er Twit­ter­frauen, deren bish­erige Lebensleis­tung (in erster Lin­ie näm­lich diverse Twit­ter-Hash­tags) auf dem Geld ander­er Leute errichtet wurde und die sich medi­al bis­lang vor allem mit gemein­samem Nieder­brüllen der­er, die bess­er sind als sie, her­vor­ge­tan haben, das “Fem­i­nis­tis­che Net­zw­erk” gegrün­det. Inter­es­sant am Logo des “Fem­i­nis­tis­chen Net­zw­erks” finde ich, dass es drei stil­isierte Hände von benag­el­lack­ten und vor allem dün­nen Frauen zeigt. Sind dicke Frauen ohne Nag­el­lack (oder gar, buäh!, fem­i­nis­tis­che Män­ner) in Fem­i­nis­tenkreisen unbe­liebt? Ich finde das ziem­lich unter­drück­end von den beteiligten Frauen, die damit zweifel­sohne dem Patri­ar­chat in die Hände spie­len.

Min­destens genau so unan­genehm übri­gens: Ohrwürmer von erschreck­end okay­er Pop­musik, die man eigentlich gar nicht mögen dürfte. Schnell ein Gegen­mit­tel!

Krobak — Bro­ken (offi­cial video)

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Ertüchtigungsarmband für untenrum

Dieser Artikel ist Teil 3 von 15 der Serie Mehr Inter­net in alles!

Wo musste denn bish­er noch unbe­d­ingt mehr Inter­net rein? Richtig; gegen die nur allzu men­schliche Angst, es kön­nten im täglichen Leben zu wenig Dat­en, die der Wirtschaft und dem Staat wertvolle Erken­nt­nisse liefern kön­nen, anfall­en, gibt es bald ein weit­eres, zurzeit in der “Test­phase” (wie wird man da eigentlich Tester?) befind­lich­es Hil­f­s­mit­tel:

Es han­delt sich um einen Ring, der über Ihren lang­weili­gen funk­tionalen Latexfre­und passt und Ihnen wertvolle Ein­blicke gibt, die Sie gele­gentlich in einem Gespräch mit Ihren Fre­un­den, Ihrer Fam­i­lie und Ihren Nach­barn fall­en lassen kön­nen. (…) Neben der Mes­sung von Druck­geschwindigkeit und all­ge­meinem Tem­po ver­rät Ihnen das i.Con, wie viele Kalo­rien Sie ver­braucht haben, welche Posi­tio­nen Ihnen Freude bere­it­eten und wie oft Sie Sex hat­ten.

Und ich hielt Trep­pen­steig­wet­tbe­werbe von Freizeit­fit­ten schon für bescheuert. :irre:

(via @internetofshit)

In den NachrichtenNerdkrams
Überraschende Erkenntnisse aus Vault 7

Es gibt wieder ein­mal einen neuen Spi­onage­fall, den einen Spi­onageskan­dal zu nen­nen sich allen­falls diejeni­gen Medi­en und ‑kon­sumenten trauen, deren Blauäugigkeit diese Spi­onage über­haupt erst ermöglicht: Rus­sis­che Hack­er Infor­man­ten unklar­er Herkun­ft haben der Enthül­lungsplat­tform Wik­iLeaks geheime Doku­mente zugesteckt, die den US-amerikanis­chen Aus­lands­ge­heim­di­enst CIA über­raschen­der­weise auf eine mit der, auf der die NSA in der öffentlichen Wahrnehmung ger­ade ste­ht, ver­gle­ich­bare Stufe heben bzw. senken.

‘Über­raschende Erken­nt­nisse aus Vault 7’ weit­er­lesen »

In den NachrichtenNerdkrams
Reklame, verlegerisch bestätigtes Bollwerk des guten Linksseins

Wisst ihr, warum ihr die sog. “Schuld” daran tragt, dass Don­ald Trump der amtierende Präsi­dent der Vere­inigten Staat­en wurde?

Weil ihr Wer­bung block­iert. Denn nur durch das Anguck­en von Wer­bung ist die rechte Gefahr noch zu bändi­gen. Doch, wirk­lich!

Und Reklame sei immer­hin eine wertvolle Ergänzung der jour­nal­is­tis­chen Qual­ität­serzeug­nisse:

“Anzeigen sind Nachricht­en — es sind inhaltliche Infor­ma­tio­nen im Kern­bere­ich der Presse­frei­heit.” Unab­hängig von der Qual­ität ihres Beitrages hät­ten “die Annon­cen einen informations‑, mei­n­ungs- und bil­dungs­fördern­den Ein­fluss auf den Leser hin­sichtlich des jew­eili­gen Sachge­bi­etes”.

So weit ist es schon gekom­men mit dem Jour­nal­is­mus, dass er bunter Schad­soft­ware inhaltliche Qual­ität auf wenig­stens eigen­em Stan­dard bescheinigt. Wer­bung guck­en gegen Trump.

Mir gehen allmäh­lich die Emo­tion­saus­drücke aus.


Nach­trag vom 8. März 2017, bzw.: Die Tro­jan­er, die Sie sich möglicher­weise wegen unser­er Lügen ein­fan­gen, sind Ihr Prob­lem, nicht unseres.

In den NachrichtenWirtschaft
Traumberuf Arbeitsloser

Was die gegen­wär­tige Licht­gestalt der Hartz-IV‑, Agen­da-2010- und Angriff­skrieg-im-Koso­vo-Partei SPD, die seit lächer­lichen 19 Jahren mit nur vier Jahren Unter­brechung das Arbeitsmin­is­teri­um (“für Arbeit und Soziales”, so die offizielle Beze­ich­nung) beset­zt, übri­gens son­st so fordert: Eine Weit­er­bil­dung zum Langzeitar­beit­slosen. :D

Schulz will längeres Arbeitslosengeld - Laut seinem Plan sollen sich Arbeitslose dafür weiterbilden lassen

Denn, Wort­spiel ein­mal bei­seite gelassen, die Bilanz aus 19 Jahren SPD-Regierung lautet eben auch und vor allem Fachkräfte­man­gel — den Fachkräften man­gelt es an Arbeit und damit an Geld. Dank eines flo­ri­eren­den Niedriglohnsek­tors und der prak­tis­chen Ein­rich­tung “Hartz IV”, dank der­er man selb­st jene, denen es über Jahre hin­weg an fast allem man­gelt, nicht mehr als bitteschön in Lohn und Brot zu ver­set­zende Arme berück­sichti­gen muss, kann eine Partei, die dieselbe soziale Gerechtigkeit, die sie beina­he jahrzehn­te­lang sys­tem­a­tisch abgeschafft hat, alle Wahl­jahre wieder propagiert, in den ein­schlägi­gen Umfra­gen große Erfolge bei denen erzie­len, die sich eine Verän­derung — Haupt­sache, mal ’n ander­er Kan­zler — erhof­fen, ohne dass diese Jeni­gen auch nur eine vage Vorstel­lung davon haben, dass das poli­tis­che Kli­ma, das sie zu Aus­ge­gren­zten gemacht hat, von jenen drei Parteien gedüngt und gegossen wurde, die auch dieses Jahr wieder von Auf­bruch, Zukun­ft und Sozial­sys­tem quatschen, näm­lich von der Regierung aus SPD und Grü­nen ein­er- und der Regierung aus CDU, CSU und SPD ander­er­seits.

Dass, wer aus Überzeu­gung statt aus tak­tis­chen Grün­den wählt, seine Stimme qua­si ver­schenkt, ist ein Märchen, dessen Aus­gang die Entrech­tungsparteien längst per­fek­tion­iert haben und an dem sie auch in ein­er Zeit, in der eine gle­ich­wie poli­tisch ein­far­bige Partei der Unzufriede­nen sich in die Land­tage face­booken lässt, fes­thal­ten, denn es hat sich — Schulz! Schulz! — als wirk­same Waffe gegen bewegte Graswurzelei bewährt.

Ver­mut­lich, damit der Russe nicht gewin­nt.

In den NachrichtenMontagsmusik
Godspeed You! Black Emperor — Moya

Es ist Mon­tag; was für ein grauen­voller Tag, was für ein grauen­voller Start in eine Woche, deren Zufrieden­stel­lung so von vorn­here­in zum Scheit­ern verurteilt scheint, weil selb­st der Son­ntag nur so lange erfreulich schien, bis man verse­hentlich aufwachte. So wird das nichts mit der Weltherrschaft und/oder der Rück­kehr der Zweisamkeit; geht das nicht auch vom Bett aus?

Apro­pos Weltherrschaft: Für die “taz” hat die ein­stige Beschrif­tungs­beauf­tragte der Berlin­er Piraten­partei, Anne Helm, ihre poli­tis­che Qual­i­fika­tion ein­mal zusam­menge­fasst, näm­lich ihr Geschlecht: “Auch als Frau fühlt sie sich bei den Linken bess­er aufge­hoben als in der män­ner­do­minierten Piraten­partei”, na, mehr muss man nicht kön­nen bei den Linken. Selb­stver­ständlich wird net­zpoli­tis­che Exper­tise auch auf poli­tis­ch­er Ebene weit­er­hin gebraucht, und das auch, so lange Medi­en wie “SPIEGEL ONLINE” bei For­mulierun­gen wie “bei Stadtver­wal­tung und Inter­net­nutzern”, als seien dies zwei einan­der auss­chließende Grup­pen, kein Knoten im Kopf platzt. Ich schreibe ja auch nicht “Jour­nal­is­ten und Leute vom ‘SPIEGEL’ ”; obwohl das allmäh­lich doch angemessen zu erscheinen begin­nt.

Der­selbe “SPIEGEL” allerd­ings, dessen Onlineredak­tion sich solche Texte aus­denkt und sich dafür nicht ein­mal zu schä­men scheint:

Der US-Präsi­dent will den Vertei­di­gung­shaushalt um 54 Mil­liar­den Dol­lar (…) erhöhen. (…) Er fügte hinzu: “Wir müssen wieder Kriege gewin­nen.”

Genau so habe ich mir “Vertei­di­gung” ja immer vorgestellt; und der inländis­che Vertei­di­gungse­tat, der im Inland kaum Anwen­dung find­et, dürfte allen­falls in absoluten Zahlen weniger furcht­bar sein. Vertei­digt wird sich meist gegen die, die sich wehren. Warum man im offiziellen Duk­tus dann nicht gle­ich vom “Friedense­tat” spricht, wenn es ohne­hin nur um die größt­mögliche Ver­ach­tung der Betrof­fe­nen geht, ist mir nicht klar.

Klar ist aber: Es ist Mon­tag. Ein Mon­tag sollte nicht nur damit begin­nen, sich aufzure­gen, son­dern auch und vor allem mit etwas Musik.

God­speed You! Black Emper­or Live at The Metrop­o­lis — Moya (Gorec­ki) — Par La Bande

Guten Mor­gen.

Politik
Skandalös: Buchhandlung verkauft Bücher!

Im Feb­ru­ar 2017 erre­ichte die berühmte deutsche Demon­stra­tionskul­tur ein neues Hoch: Als der total lustige Autor Deniz Yücel in türkisches Gewahrsam (ich erwäh­nte es bere­its) gekom­men war, ergrif­f­en seine sol­i­darischen Mit­bürg­er die Ini­tia­tive und hupten gegen Erdoğan:

Um gegen die Inhaftierung Yücels zu protestieren, fan­den bere­its Autoko­r­sos in Berlin und in Yücels Heima­tort, dem hes­sis­chen Flör­sheim, statt. (…) Gefahren und gehupt wird ab 16.30 Uhr – je lauter, desto bess­er.

Mehr noch: Um es dem türkischen Präsi­den­ten mal so richtig zu zeigen, riefen und rufen promi­nente Twit­ter­er wie Mario Six­tus ihr Pub­likum dazu auf, ein Buch von Deniz Yücel auf Ama­zon zu kaufen (selb­stver­ständlich als elek­tro­n­is­ches Buch, denn die Bedi­enung eines papier­nen Buch­es ist nicht mehr als all­ge­mein bekan­nt vorauszuset­zen), auf dass er der meistverkaufte Autor in Gefan­gen­schaft des ganzen Jahres wer­den möge. Nimm dies, Erdoğan!

Woran die twit­ternde Meute hier­bei keineswegs gedacht zu haben scheint, ist, dass Ama­zon keines­falls ein link­er Szeneladen für Anhänger von Deniz Yücel, Marx, Engels und Camus ist, son­dern auch Büch­er von Autoren wie Udo Ulfkotte und Ger­hard Wis­news­ki verkauft, die ja nun nicht ger­ade im Ruf ste­hen, sich irgend­wie links zu posi­tion­ieren, wobei ins­beson­dere let­zteres Buch es gegen­wär­tig sog­ar in die Liste der “SPIEGEL”-best­seller, also der Leseempfehlun­gen eines ver­meintlich ser­iösen Nachricht­en­magazins, geschafft hat, was Ama­zon sog­ar als zusät­zlichen Kau­fan­reiz geson­dert kennze­ich­net. Anders gesagt: Net­zw­erk­er wie Mario Six­tus machen dadurch, dass sie zum Kauf auf Ama­zon aufrufen, nach­drück­liche Wer­bung für die Büch­er rechter Autoren. Das ist ziem­lich unver­ant­wortlich.

Das sei jet­zt aber über­trieben, sagt ihr, weil es nun mal die Auf­gabe ein­er Buch­hand­lung sei, weit­ge­hend wer­tungs­frei Büch­er zu verkaufen?

Ver­gan­gene Woche ent­deck­te eine — laut ihrem eige­nen Pro­fil — fem­i­nis­tis­che, sozial­is­tis­che Twit­ter­nutzerin in ein­er Ulmer Buch­hand­lung (denn was kön­nte sozial­is­tis­ch­er sein als eine Buch­hand­lung?), dass dort auch Büch­er von Hans Her­bert von Arn­im, Thi­lo Sar­razin und Udo Ulfkotte aus­gestellt waren, bewor­ben mit einem Plakat des aktuellen best­sellers Her­rn von Arn­ims (beim link­er­seits unverdächti­gen Buch­händler Ama­zon derzeit “Best­seller Nr. 1 in Krim­i­nal­ität in Wirtschaft & Poli­tik”). In den fol­gen­den Kreis­chsturm rei­ht­en sich wie üblich zahlre­iche Nutzer ein, deren Bedürf­nis, jemals eine Ulmer Buch­hand­lung zu betreten, bis­lang ohne­hin noch nicht beson­ders groß war, und teil­ten der Buch­hand­lung teils tele­fonisch, teils schriftlich mit, was sie davon hiel­ten, dass sie bei Kun­den beliebte Büch­er auch dort hät­ten kaufen kön­nen, wenn sie das denn gewollt hät­ten. In der Rei­he der­er, die ihren Unmut darüber, dass eine Buch­hand­lung ein bre­ites Sor­ti­ment aufwies, lakonisch in einen Com­put­er rein­tippten, lässt sich jeden­falls auch — ihr ahnt es — ein gewiss­er Mario Six­tus find­en. Offen­sichtlich gibt es gute und schlechte Naz­ibuch­lä­den in der Welt der Alph­ablog­ger, offen­sichtlich ist ein Verkauf von bösen Büch­ern allein laden­be­zo­gen ein Empörungs­grund. Ich sollte vielle­icht mal nach ein­er Liste fra­gen.

Unklar bleibt der kon­struk­tive Gegen­vorschlag. Kön­nte die Ulmer Buch­hand­lung ihren Leu­mund rein­waschen, verkaufte sie böse Büch­er nur mehr als E‑Books oder würde umgekehrt auch Ama­zon der Ver­damm­nis über­schrieben, hörte es nicht als­bald auf, Best­seller als Best­seller zu beze­ich­nen? Wer bes­timmt abschließend über die Mark­twirtschaft im Buch­han­del — ist es Twit­ter?

Und warum beschle­icht mich eigentlich das Gefühl, dass dieser Diskurs auf einem Kurz­textmedi­um nicht unbe­d­ingt gut aufge­hoben ist?

WENN das Inter­net sich wirk­lich zum Medi­um der Entwed­er-Oder-Posi­tion entwick­eln sollte, (…) DANN WÄRE ES GENAU NICHT das Medi­um der Aufk­lärung, des Diskurs­es, der Akzep­tanz und des gesellschaftlichen Fortschritts.
Mario Six­tus, 3. Jan­u­ar 2017

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Owls Are Not — isnot

Kann ich euch zwis­chen­durch für ein wenig bemerkenswerte Musik begeis­tern?

Ha, was für eine Frage, deshalb seid ihr ja hier. Was hal­tet ihr von Eulen? Ihr mögt Eulen? Dann geduldet euch noch ein wenig, denn hier geht es um eine Band, die sich jeden Zusam­men­hang mit Eulen ver­bit­tet, näm­lich um “Owls Are Not”, eine dreiköp­fige Musik­gruppe aus Polen. Polen ken­nt man son­st als Heimat von nicht ganz unin­ter­es­san­ten Vertretern des aus­laden­den Pro­gres­sive Rocks wie SBB und River­side, Owls Are Not aber sind in ihrem Stil so eigen wie ihr Name, statt Gele­gen­heitswohlk­lang wird hier die Freude am Geräusch ger­adezu lustvoll aus­gelebt.

Auf “isnot”, ihrem derzeit vor­let­zten Stu­dioal­bum (es fol­gte im Jan­u­ar dieses Jahres das “Malaw­ian Crash Mix­tape 1”), gibt es Stücke namens “-” (davon gle­ich drei), “isnot a human”, “isnot a dog” und ver­gle­ich­bare zu hören, die im Wesentlichen höchst ver­störende Geräuschcol­la­gen, angere­ichert mit Bass, Elek­tron­ik und Schlagzeug sowie weit­er­er Sprach­beiga­be, aus mancher­lei Quelle sind, sur­re­al in ihrer Beschaf­fen­heit und von easy lis­ten­ing angenehm weit ent­fer­nt.

Selb­stver­ständlich hat all das auch eine Botschaft; so erzählt “arc de tri­om­phe” etwa, glaubt man der offiziellen Beschrei­bung, die Geschichte ein­er apoka­lyp­tis­chen Welt, das eröff­nende “la prison” indes berichtet von einem bek­lem­menden Gefühl des Einges­per­rt­seins durch einen Über­fluss an Infor­ma­tio­nen. Fol­gerichtig wirkt die schiere bre­ite Geräuschmasse, die das Album maßge­blich dominiert, auf unvor­bere­it­ete Ohren wie etwa die meinen zunächst etwas befremdlich, sie über­rollt den Hör­er mit Größe und Dichte. Ich bin mir noch nicht ganz sich­er, aber ich meine hier Über­ra­gen­des auszu­machen.

Während ich also noch ein wenig darüber sin­niere, was es genau ist, das mich an “isnot” in ger­adezu nen­nenswert pos­i­tivem Maße beein­druckt, empfehle ich für Stream und Kauf das gewohnte Bandcamp.com. Möge es auch euch einen Dienst erweisen.

PolitikIn den Nachrichten
Grüne Agendaverdreher

Neues aus der Rei­he “Die Grü­nen waren schon immer gegen (Sache), haben sich aber auf­grund par­la­men­tarisch­er Zwänge anders entsch­ieden”:

Die Spitzenkan­di­datin der Grü­nen, Katrin Göring-Eckardt will schon 2003 für einen Min­dest­lohn gekämpft haben. (…) Die Dop­pel­spitze im Par­la­ment warb stattdessen voller Überzeu­gung für die Agen­da 2010. Sie begründe „ein neues Ver­ständ­nis von Gerechtigkeit und das richtige Ver­hält­nis von Sol­i­dar­ität und Frei­heit, von Eigen­ver­ant­wor­tung und Gemeinsinn“, schrieb Göring-Eckardt im Mai 2003.

Die größte Hoff­nung für SPD und Grüne ist das kurze Gedächt­nis ihrer Wäh­ler.

In den NachrichtenMontagsmusikMir wird geschlecht
Boris — Pink

Ausschlafen statt Karneval!Es ist Mon­tag, Rosen­mon­tag noch dazu. In voraus­sichtlich drei Tagen sind die Jeck­en und die Nar­ren wieder brave Bie­der­män­ner, bis dahin jedoch erduldet Mit­men­sch Ratio­nal still lei­dend, dass die Illu­sion, die Nar­retei beschränke sich auf den Bere­ich zwis­chen Mainz und Köln, nicht allzu lange anhielt. Uff-tata. Sich min­destens ein­mal im Jahr so richtig zum Affen zu machen scheint vie­len Men­schen sehr wichtig zu sein. Kön­nen die nicht stattdessen in die Poli­tik gehen oder so? — Aus­ge­lassen­heit war dur­chaus schon mal leichter. Was fehlt: Gewohntes. Ver­dammte Men­schlichkeit. Wird sich nie durch­set­zen.

Apro­pos Poli­tik: Laut Kom­men­ta­toren auf tagesspiegel.de ste­he ich auf ein­er ide­ol­o­gis­chen Stufe mit Cicero (dort schreibt u.a. Kai Diek­mann) und irgendwelchen Män­nerrechts­blogs. Das ehrt mich ein­er­seits, irri­tiert mich ander­er­seits jedoch. Ich habe mir die kru­den Vorschläge der Fem­i­nis­ten (man erlaube mir eine Pauschal­isierung zu dra­matur­gis­chen Zweck­en) ja keineswegs aus­gedacht, um damit irgend­was zu beweisen, das kön­nen die schon ganz allein; sei es nun die steile These, Arbeit­nehmer müssten irgendwen “repräsen­tieren”, sei es nun das große Ganze, wenn Fem­i­nis­mus und poli­tis­che Kor­rek­theit sich gemein­sam in Real­satire üben, wenn etwa die ein­schlägig bekan­nte Amadeu-Anto­nio-Stiftung fremde (US-amerikanis­che) Kul­tur dazu miss­braucht, die Adap­tion fremd­kul­tureller Bräuche anzuprangern. Ich habe mir das wirk­lich nicht aus­ge­sucht, ich nehme es, die Hand fest an der Stirn, ein­fach nicht ganz kom­men­tar­los zur Ken­nt­nis.

Und son­st so? Die Han­nover­an­er Hip­ster­bude “t3n”, die offen fordert, man möge doch bitte auf ihrer Web­site essen­zielle Sicher­heitsmech­a­nis­men des Browsers (zum Beispiel die Wer­be­block­ade) abschal­ten, kon­sta­tiert, dass die Ret­tung des dezen­tralen Net­zes drin­gend notwendig sei, also eine Rückbesin­nung auf ein Web (ich mag jet­zt nicht schon wieder den Unter­schied zwis­chen “dem Netz” und “dem Web” erk­lären müssen) ohne all­ge­gen­wär­tige Großkonz­erne wie Google; nicht ohne allein auf der Seite, auf der diese Forderung zu find­en ist, laut Mes­sung ganze zehn Scripts und son­stige Ver­fol­ger von Dou­bleclick, Google, Face­book und so weit­er einzu­binden. Die Autoren von “t3n” sind Teil des Prob­lems, dessen Lösung sie fordern. Ich hätte da ja einen Vorschlag, wie sie das Netz bess­er machen kön­nten, aber ich fürchte, dieser bliebe unge­hört.

Was hinge­gen drin­gend gehört wer­den sollte: Musik.

Boris — “Pink” — MTV Iggy Live

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenNerdkrams
Das Internet kaputtgesunden mit Sitte und Anstand

Unter dem, nun, Kün­stler­na­men “Jig­saw” — zu Deutsch “Puz­zle” — erprobte in der “Saw”-Filmreihe ein offen­bar sadis­tis­ch­er Täter eine Serie reich­lich unkon­ven­tioneller Tötungsarten. “Jig­saw” ist außer­dem der Name der Erfind­er­gruppe (“Think Tank”, zu Deutsch “Denkpanz­er”) ein­er neuen Zen­sur­soft­ware der all­seits beliebten Hip­piekom­mune Google. “SPIEGEL ONLINE” berichtet:

Belei­di­gun­gen machen viele Diskus­sio­nen im Netz unge­nießbar. Eine Google-Tochter will jet­zt die Lösung gefun­den haben: Eine selb­stler­nende Soft­ware soll das Gift aus Kom­men­tarspal­ten saugen.

Ich habe ja die vage Ver­mu­tung, dass Artike­lau­tor Fabi­an Rein­bold — das war, langjährige Leser mögen sich ungern erin­nern, der hier — “das Netz”, “das Web” und “das Inter­net” nicht so recht voneinan­der unter­schei­den kann, aber gut, ist ja auch nur das Ressort “Net­zwelt” auf “SPIEGEL ONLINE” und nichts, wofür man irgend­was wis­sen müsste, um da zu schreiben. Passender­weise ist der Artikel ein­sortiert unter “Net­zwelt -> Web -> Inter­net”, denn bekan­ntlich ist das Inter­net im Web drin und nicht ander­srum. Ein dreifach Hoch dem Qual­ität­sjour­nal­is­mus.

Worum geht es? Um Anstand natür­lich:

Trolle vertreiben Ander­s­denk­ende, töten damit die Diskus­sion. (…) Jig­saws Lösung: Eine selb­stler­nende Soft­ware namens “Per­spec­tive” soll die Pöbeleien automa­tisch erken­nen und aus­sortieren. (…) Jig­saw-Leit­er Jared Cohen verkauft sein Pro­jekt mit dem Satz: “Wir wollen ein gesün­deres Inter­net.”

(Her­vorhe­bung von mir.)

“Ander­s­denk­ende”, für die Guten ein beliebter Kampf­be­griff, um ihre ethis­chen Geg­n­er zu kat­a­l­o­gisieren und stig­ma­tisieren, sollen also nicht mehr von “Trollen” — basierend auf dem Kra­keel der Masse, denn wie schon auf Twit­ter sind die, die am lautesten “der da ist böse” brüllen, immer die, die Recht haben bekom­men — an ein­er friedlichen und vor allem ungestörten Diskus­sion (vul­go “Fil­terblase”) gehin­dert wer­den, was erfahrungs­gemäß dann unge­fähr so aussieht, dass die rück­sicht­slos­es­ten Besuch­er eines Kom­men­tar­bere­ichs diejeni­gen sind, die entschei­den, worüber disku­tiert wer­den darf:

Gespeist wurde seine Daten­bank mit Beiträ­gen aus der “New York Times”-Kommentarspalte und aus Wikipedia-Diskus­sio­nen, die noch von Men­schen als unanständig gebrand­markt wur­den. (…) Das Pro­gramm soll jeden Kom­men­tar mit einem Giftwert von 0 bis 100 kennze­ich­nen — und diese automa­tis­che Einord­nung soll Medi­en, die Per­spec­tive ein­set­zen, ent­las­ten.

(Her­vorhe­bung erneut von mir.)

Über Anstand disku­tiert man nicht, nein, nein; den unpu­ri­tanis­chen Auswüch­sen dieser Diskus­sion­sunkul­tur möge als­bald Ein­halt geboten wer­den. Die reden da über Sex vor der Ehe, pfui! — Je nach­dem, welch­er Partei Stammwäh­ler man fragt, dürfte die Def­i­n­i­tion von “Anstand” eine sein, über die sich untere­inan­der pop­corn­würdigst gestrit­ten wer­den kann.

Nun ist das Web (“Netz”, F. Rein­bold) und mit ihm die Gara­gen­kl­itsche Google keineswegs deshalb so groß gewor­den, weil sich Men­schen gern dort aufhal­ten, wo man sie an der unmod­erierten Äußerung pro­vokan­ter (wo nicht jus­tiziabler, was hier aus­drück­lich aus­geschlossen wer­den darf), dem Zeit­geist wider­sprechen­der Behaup­tun­gen hin­dert, son­dern deshalb, weil ihnen das “Inter­net” eine Plat­tform zum ungezügel­ten Aus­tausch gewährte, den wed­er Ochs’ Schäu­ble noch Eselin von der Leyen zu begren­zen ver­mocht­en. Die US-amerikanis­che Vorstel­lung von “giftiger Sprache” (die US-Amerikan­er sind das­jenige Volk, welch­es gegen die Todesstrafe, Mordinstru­mente in jedem Haushalt und Last­wa­gen fahrende Kinder nichts einzuwen­den hat, aber umge­hend wütende Zuschauer­mails ver­fasst, wenn jemand im Fernse­hen vom Saugen spricht) würde ich in all mein­er Naiv­ität jeden­falls keines­falls zur Maxime erhoben sehen wollen, auch und ger­ade nicht unter den gegebe­nen Umstän­den, dass die für meine Entwürdi­gung derzeit zuständi­ge Bun­desregierung im Kampf gegen unhöflich­es Miteinan­der im “Inter­net” gemein­same Sache mit “Schniep­tröten” (N. Her­mann, ander­er Zusam­men­hang) wie Julia Schramm, die gegen ein paar klare Worte noch nie etwas einzuwen­den hat­te, macht.

Gewöhn­lich sind es die Vergnü­gun­gen, in denen die guten Sit­ten zu Fall kom­men.
Lü Buwei

PolitikIn den Nachrichten
Der Unterschied zwischen dem Irak und Deutschland

Was passiert, wenn ein deutsch­er Sol­dat Kriegsver­brechen bege­ht:

Georg Klein ist bei der Bun­deswehr vom Oberst zum Brigade­gen­er­al aufgestiegen — Klein war 2009 befehlshaben­der Offizier beim Luftan­griff nahe Kun­duz mit vie­len Toten.

Was passiert, wenn ein irakisch­er Sol­dat Kriegsver­brechen bege­ht:

In Berlin hat am Mittwoch der Prozess gegen einen mut­maßlichen Kriegsver­brech­er aus dem Irak begonnen.

Wär’ das auch mal gek­lärt.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Moulettes — Behemooth

Käuzchen müde, Käuzchen schlafenEs ist Mon­tag, so schmerzhaft wie es nur ein Mon­tag sein kann. Der Postein­gang sym­pa­thisiert mit diesem Hin­weis, man mit sich selb­st allerd­ings keineswegs. Mon­tage soll­ten — ich wieder­hole mich — anders begin­nen, pelziger und san­fter irgend­wie. Aber Arbeit ist ja auch ganz schön.

Weniger schön: Deniz Yücel (früher bei der linkspop­ulis­tis­chen “taz”, heute bei der recht­spop­ulis­tis­chen “Welt”) befind­et sich wegen Mit­glied­schaft in ein­er ter­ror­is­tis­chen Vere­ini­gung in türkischem Polizeige­wahrsam. Ich halte das für über­trieben. So schlimm ist die “Welt” gar nicht, ist ja nicht die ARD.

Deutsch­land lässt sich der­weil den hart ergaunerten Wel­trang abnehmen: Bei Waf­fen­ex­porten sind wir nur noch Fün­fter. Oben in der Topliste: Der Iwan und der Trump. Bes­timmt lässt sich daraus ein klar­er Beleg machen, dass Waf­fen­ex­porte pfui sind, wenn es die Bösen machen. Also die, nicht wir. Unsere Waf­fen tun keinem was, die wollen nur spie­len.

Was sie lei­der nicht spie­len: Musik. Lassen wir das also jemand anderen tun.

Moulettes — Behe­mooth — Live Stu­dio Ver­sion

Guten Mor­gen.