In den NachrichtenMusik
Der “Echo” schallt zurück.

Der see­len­lose Fernsehkasper Jan Böh­mer­mann, dessen Gel­tungs­drang in ein­er besseren Welt als valid­er Grund für die Befreiung vom Rund­funkbeitrag gälte, hat vor ein paar Tagen etwas gesagt, was so nach­drück­lich wirk­te, dass es auch in meinen Nachricht­en­lis­ten auf­tauchte:

Böh­mer­mann hat­te kurz vor der Gala in sein­er Sendung “Neo Mag­a­zin Royale” von “see­len­los­er Kom­merzkacke” gesprochen, die der Echo immer wieder ehre.

Den zuge­höri­gen Sendungsauss­chnitt, in dem unter anderem die öster­re­ichis­che Sän­gerin Christi­na Stürmer “dem deutschen Pop” zugerech­net wurde, was über Jan Böh­mer­mann nun auch wieder mehr aus­sagt als über Christi­na Stürmer oder “den deutschen Pop”, fügte man bei “SPIEGEL ONLINE” dem Artikel bei, was erfreulich ist, denn man bekommt ja son­st über­haupt nichts mehr mit von Jan Böh­mer­mann.

Echopreisträger “Campino” (“Die Toten Hosen”, nach eigen­er Aus­sage “Punk, so lange John­ny Thun­ders lebt”, was also etwa 1991 endete), bekan­nt gewor­den durch Trin­klieder und bekan­nt geblieben durch Gitar­ren­schlager, trug dazu fol­gen­des uncooles Zeit­geist­ge­plap­per vor:

“Lieber uncool sein als ein cooles Arschloch, das sich nicht kon­struk­tiv ein­brin­gen kann.” Er sprach auch von “Böh­mer­mannschem Zeit­geist­ge­plap­per”.

Das Cool­sein der Toten Hosen endete nach meinem Dafürhal­ten unge­fähr mit der Veröf­fentlichung des Weltschmerzal­bums “Unsterblich”, was ihm also zumin­d­est genug Übung einge­bracht haben dürfte, um aus Erfahrung zu sprechen.

Das Prob­lem am “Echo” ist aber nicht, dass er ein kom­merziell ori­en­tiert­er Musikpreis, unter dem Applaus von Dum­men vergeben von Kap­i­tal­is­ten an Uncoole, ist, das Prob­lem ist, dass kom­merzieller Erfolg nur schreck­lich­er Musik beschieden ist. Eine Hit­pa­rade, deren Hit­garan­ten über­wiegend gle­ich ausse­hen und sich musikalisch wie inhaltlich auch noch gle­ich anhören, ist keine Hit­pa­rade, son­dern lang­weilig; wed­er Parade noch Hits. Dass diese Hit­musik überdies sich nicht nen­nenswert von dem unter­schei­det, was die Großel­tern nach dem Krieg zur Beruhi­gung hörten, näm­lich irgendwelche Liebeschan­sons (“Schlager”), ver­lei­ht Musikpreisen wie dem “Echo” zwar eine gewisse Beständigkeit, lässt mich aber am Dasein­szweck dieser Preise zweifeln.

Sicher­lich ist in der Musik sozusagen alles schon ein­mal da gewe­sen, neu sind allen­falls Effek­te und Instru­mente, und sicher­lich wird es immer wieder eine Gen­er­a­tion von jun­gen Men­schen geben, die den aber­tausend­sten Neuauf­guss von Nicole, Udo Jür­gens oder, wenn’s denn sein muss, Annett Louisan für ihr Ding, Aus­druck ihres lang­weili­gen Hip­pielebens­ge­fühls und sonst­wie preisverdächtig hal­ten; sicher­lich kann man es sich dann aber auch sparen, jahrzehn­te­lang ganze Bild­schirm­seit­en mit ein­er Berichter­stat­tung darüber zu füllen, wie der diesjährige Tim Bendzko heißt, oder darüber, wie furcht­bar lang­weilig und aus­tauschbar die dort aus­geze­ich­neten Melo­di­en eigentlich sind, weshalb ich dies nun zumin­d­est mein­er­seits abbrechen möchte, nicht ohne zuvor kon­sta­tiert zu haben: Qual­ität zeich­net sich dadurch aus, dass sie nicht ver­standen wird.

Wer die Masse bewe­gen möchte, der sollte eben zunächst seine Klasse aufgeben.

Senfecke:

  1. Preisträgerin­nen wie Ina Müller und Andrea Berg sind eine Belei­di­gung meines Intellekt, sofern es die Sparte anspruchsvolle Unter­hal­tung bet­rifft. Bei­de sind mir neben ihrer Tal­ent­be­freiung einen Touch zu pro­l­lig.

    • Ich schätze, allein die Ken­nt­nis ihres Schaf­fens zeugt von fehler­hafter Medi­enkom­pe­tenz. Aber das schließt mich ein.

      Fein raus ist man, wenn man bei diesen Preisen die meis­ten Namen über­haupt noch nie gehört hat. BRA­VO-Ottos sind dies­bezüglich eine Wohltat.

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