Netzwerkdurchsetzungsgesetz: Das große Löschen kann beginnen.
201∞ // Atrorum – Menschsein
Es ist Montag, aber. In ungezählten Fernsehern laufen die immer gleichen drei Sketch- und Oldiesendungen, um Frustrierte zu beruhigen. Es ist ja alles gut, es ist ja alles wie 2017 und das ist auch schon das Problem.
Die weniger Bedachten lassen seit Tagen Sprengstoff detonieren, erstmals merklich, aber unwesentlich medial gestört, denn es könnte ja Feinstaub entstehen. Die Empörung über das Richtige aus den falschen Gründen hat Methode. Nichts erreicht, nichts gewonnen. Bleigießen, verkündete neulich „bento“, sei ein Spiel, das überraschend viel Blei enthalte. Unnütze Sorgen sind menschlich.
Mit jeder Rakete verpufft ein neuer Traum. Es ist keine Glanzleistung des entwickelten Menschen, dass er in seinen einsamsten Momenten am wenigsten vergessen kann. Wohin, glaubst du, verrinnen deine Tage? Mit einem „leichten Schwips“, schlug der „bento“-Autor vor, solle man einen Blick „in die Zukunft“ werfen. So viel, dass sie rosig aussieht, kann man allerdings kaum trinken. Der erste Gedanke des neuen Jahres ist der letzte des alten: ob es nämlich nicht besser gewesen wäre, wäre es nicht schon vor Jahren irgendwie anders gelaufen. Zeit heilt nicht mal einen Schnupfen. Irgendwo ergreift gerade jemand jemandes Hand. Wer könnte es ihnen verübeln?
Es ist Montag, aber man hat gar keine Lust auf Musik, auf die man morgen noch stolz sein kann.
Prost Neujahr.
Liegengebliebenes vom 29. Dezember 2017
Schlechte Nachrichten: Das Ausschalten von Computern hilft dank Intel nicht mehr dagegen, dass sie angegriffen werden.
Eine lesenswerte Jahresrückschau gab es neben der meinen tatsächlich: Menschen haben sich verschiedene Dinge in den Hintern geschoben.
Aus der Liste hässlicher Textanfänge: „Raffaela hat eigentlich schon alles, was eine Influencerin braucht. Einen roten Hosenanzug, buntes Make-up, einen Zwergspitz namens Moses.“
Edward Snowden lässt die Marktdurchdringung von Wohnzimmerwanzen wie Amazon Echo und Google Home nicht kalt und er zieht die einzig logische Konsequenz: Vor ein paar Tagen stellte er seine eigene Wanze fürs Smartphone vor. Es war ja nicht alles schlecht in der NSA.
Kurz verlinkt: „Halt! Algorithmenkontrolle!“
Es forderte Markus Beckedahl, Gründer und Lautsprecher des schrägen Personalityblogs „Netzpolitik.org“ und qualifizierter Maasversteher, auf dem zur Genüge kommentierten „Congress“:
Netzaktivist Markus Beckedahl hat vor Risiken im Umgang mit Algorithmen gewarnt und eine bessere Kontrolle der Künstlichen Intelligenz gefordert. (…) „Es ist ein weites Feld: Gesundheitsalgorithmen muss man anders regulieren als Facebook-Algorithmen“, erklärte der Blogger.
Diese vorgeschriebenen Handlungsabläufe (lat. „Algorithmen“) sollte wirklich mal jemand in den Griff bekommen. Die geraten sonst noch außer Rand und Band!
Nachtrag zum #34c3: Fünfzehntausend Sailor Moons verstoßen gegen die Hackerethik.
Auf Twitter wurde ich nach meinem Ablästern über den derzeit voll abgehenden „Congress“, von dem Außenstehende vor allem mitbekommen, dass Teilnehmer viele Bilder von bunten Lichtern auf Twitter hochladen, als wäre meine Vermutung, die meisten Besucher kämen nur dorthin, um sich bunte Lichter anzugucken, weil ihr Verständnis von Technik bei solchen bunten Lichtern bereits endet, gar nicht allzu abwegig gewesen, verschiedenfach anklagend gefragt, wieso ich „Bengel“ (ebd.) mir denn die Behauptung erlaube, dass die Anwesenden gar keine Hacker seien, und ich „Opa“ solle doch bitte „das Maul halten“ (ebenfalls ebd.), als seien die Linuxkasper mit den MacBooks heutzutage die neuen Hacker und die alten Hacker seien keine mehr.
Zur Definition von „Hacken“ sollte ich, wurde mir entgegengeschleudert, doch bitte mal im Duden nachgucken, aber das war nicht sehr ergiebig, weshalb ich mich im weiteren Verlauf wieder auf die Folklore stützte. Was einen Hacker zufolge dieser Folklore vor allem ausmacht, ist neben dem kreativen Umgang mit Technik – Sozialarbeiter, ich wiederhole mich, sind eben keine Hacker – auch und gerade das Befolgen der Hackerethik, in der laut offizieller Verlautbarung des Chaos Computer Clubs unter anderem dies steht:
Beurteile einen Hacker nach dem, was er tut, und nicht nach üblichen Kriterien wie Aussehen, Alter, Herkunft, Spezies, Geschlecht oder gesellschaftliche Stellung.
Dies ist, wie regelmäßige Leser meiner Ausführungen zum „Congress“ genervt erkennen sollten, eine verquaste Ausdrucksweise für Meritokratie: Kannste was, dann biste was, alle weiteren Eigenschaften deiner Person sind deine Privatangelegenheit. So weit, so prima. Nun hat sich gestern ein großartiger Troll auf Twitter dahingehend geäußert, dass mit ihm „die Identitären“, die lambdatragenden Buhmänner irrationaler „Linker“, auf dem „Congress“ zugegen seien. Hei, da war die Stimmung am Sieden: Die Genossen vor Ort mögen eine gute Jagd haben und die Nazis wegklatschen. „Hacker“, kommunizierte man mir gegenüber, hätten sich ja schon immer gegen Mörder und Pack gestellt, was geschichtlich natürlich fragwürdig, im gegebenen Kontext allerdings auch eine Antwort auf eine überhaupt nicht gestellte Frage ist, denn der geistige Sprung von „sympathisiert mit Identitären“ zu „bringt Leute um“ ist doch schon einer, für den man ein ziemlich schiefes Weltbild haben muss. Hacker hatten schon immer ein schiefes Weltbild.
Ich habe keine Ahnung, was diejenigen, die nun gaulandesque zum Wegklatschen von jemandem aufrufen, dessen einziges Vergehen es sein soll, ihre politischen Werte nicht zu teilen, nun zu sein glauben – mit der Hackerethik jedenfalls kollidieren sie in einem wichtigen Punkt: Werte tut man nicht, Werte hat man. Ein vernünftiger „Congress“ würde Verstöße gegen die Hackerethik mit einem Hausverbot ahnden, aber einen vernünftigen „Congress“ sucht man vergebens.
Was zu beweisen war.
Nachtrag vom 30. Dezember 2017: Warum sind „Hacker“ auf einem „Congress“ eigentlich immer so sehr von bunten Lichtern begeistert? Na, wegen der Kopfschmerzen natürlich.
Musik 12/2017 – Favoriten und Analyse
Ein seltsames Jahr 2017 ist fast zu Ende und hat in seiner zweiten Jahreshälfte noch schnell ein paar einflussreiche Musiker, darunter die Hälfte von Can (Jaki Liebezeit und Holger Czukay), John Abercrombie, Walter Becker und Charles Manson, den jeweils nächsten Tag nicht mehr erleben lassen. Zum Glück wachsen immer wieder neue Musiker nach, die sich auf alte Tugenden besinnen. Von einigen von ihnen soll heute anlässlich des zweiten Teils der besten Musikalben 2017 die Rede sein.
Da der erste Teil merklich kürzer als üblich geraten war, blieb für den zweiten natürlich eine Menge Musik übrig. Vorzeitig befasst hatte ich mich seit Juli bereits mit den aktuellen Alben von Ex Eye, OHHMS, Hundredth, Reflections in Cosmo, Igorrr, L’Effondras und The Narcotic Daffodils. Dennoch war das Jahr noch produktiv genug für eine lange Liste an noch unausgesprochenen Empfehlungen.
‘Musik 12/2017 – Favoriten und Analyse’ weiterlesen »
Cosmic Triggers – Quant Um
Es ist Montag. Fast wäre er unbemerkt geblieben, aber merkwürdig schmeckender Kaffee ist normalerweise ein sicheres Zeichen dafür, dass man lieber auf den Kalender gucken sollte, um sich sogleich daran zu erinnern, wie es war, als man noch glücklich war. Oh, du fröhliche. Kein Pandabär unter dem Baum.
Was ist Frosch? Mindestens: ein Erkennungszeichen „der Rechten“, denn Pauschalisierung erleichtert das angenehm entspannende Unverständnis. Die Gegenseite stolzierte am vergangenen Mittwoch durch ausgerechnet Deggendorf und beschwerte sich dort darüber, wie man hier in Deutschland behandelt würde. Was, Arbeitslose? Nein, es waren natürlich Flüchtlinge. Arbeitslose haben vor lauter Sanktionen gar keine Zeit zum Demonstrieren und kein Geld zur Anreise, aber es heißt natürlich auch nicht „Arbeitslose welcome“, denn dann wäre der Schritt nicht weit, die rechtspopulistische „große Koalition“ statt des willkommenen Prügelknaben AfD als Unheil auszumachen, und das würde ja bedeuten, dass „die Rechten“ nicht allzu falsch liegen. Darf nicht sein, weil es nicht sein darf. Der Deutsche an sich symbolprotestiert eben gerne gegen die Wirkung der Ursache.
Selbst die christlichen Kirchen lassen verlauten, sie teilten nicht die Weltanschauungen der AfD. Verständlich: In der AfD sind vermutlich zu viele Frauen in hohen Ämtern. Die Kunstfigur Jan Fleischhauer fragt inzwischen in einer ausnahmsweise lesenswerten Kolumne auf „SPIEGEL ONLINE“, ob die „Sozialdemokraten“ an Angstneurosen litten, die sie dazu verleiteten, an Regierungsbildungen in beide Richtungen nur kriechend teilzunehmen. – Andere Störungen machen reich, nicht arm: Ein Eisteeproduzent hatte plötzlich den dreifachen Börsenwert, nachdem er „Blockchain“ als Namensbestandteil adaptiert hatte. Lecker Geldgier.
In eigener Sache: Am vergangenen Wochenende habe ich aus Versehen eine neue Version meiner furchtbaren Blogsoftware einer nichts ahnenden Weltöffentlichkeit um die Ohren gehauen. Masochisten wird ein Ausprobieren empfohlen. Freunde der schönen Künste hingegen sollten die Woche stattdessen mit Musik beginnen.
Guten Morgen.
Familienspaß mit „ZEIT ONLINE“
Ah, die Weihnachtsfeiertage – für viele Menschen traditionell ein Ärgernis, denn wer nicht überzeugend genug seine Kritik an falscher Besinnlichkeit äußert, der sieht sich bald in einen Sitzkreis aus Verwandten versetzt, mit denen man über irgendetwas reden soll.
Es fehlt ein geeignetes Gesprächsthema? „ZEIT ONLINE“ hilft gern aus:
Keine Debatte war 2017 so grundsätzlich wie die über Sexismus. Zum Jahresabschluss zehn Positionen aus der ZEIT-ONLINE-Redaktion als Gesprächsgrundlage für Familienfeiern
Frohes Fest.
UEFIs Rache
Stimmt schon, ist viel besser als Windows:
Unter bestimmten Umständen zerstört die Desktop-Ausgabe des aktuellen Ubuntu 17.10 das Bios vor allem (aber nicht nur) von Lenovo-Rechnern. (…) Auf den genannten Rechnern zerstört Ubuntu 17.10 Desktop die Firmware derart, dass sich dessen Einstellungen nicht mehr speichern lassen.
Dass Tim Schürmann ein BIOS („Bios“) nicht von einem EFI unterscheiden kann: Geschenkt, ist halt „Golem.de“. Nun ist allerdings einer der großen Vorteile eines BIOS („Bios“) gegenüber einem EFI, dass es nicht einfach programmierbar und erweiterbar ist. Ich verstehe schon: Heutige Computernutzer wollen ihre Startparameter mit der Maus zusammenklicken können, mit einem BIOS geht das halt nicht so gut.
Muss wirklich jeder einen Computer benutzen dürfen?
Die ironische Ausbeutung von Kindern durch Starbuckslinke
Es hat die „linke“ Bloggeria wieder einmal einen Anlass gefunden, sich über Szenefremde lustig zu machen:
Ein Polizist, der als Zeuge aussagte, erinnerte sich an die linken Protestierenden bei der Neonazi-Kundgebung: „Und dann riefen die ihren Schlachtruf!“ (…) Und der Polizist so: „Ich kann kein Spanisch, ‚Barista, Barista antifascista‘ oder so.“
(Wortlaut aus dem qualitätsjournalistischen Original übernommen.)
Das ist jetzt, „nach G20“, da Antikapitalismus wieder an schlechtem Ruf gewinnt, natürlich eine amüsante Anekdote für all jene Berliner Trendlinke, die über Formen der Kritik an kapitalistischer Ausbeutung am liebsten mit ihrem MacBook bei einer veganen Starbucks-Himbeer-Latte – hehe, „Latte“ – sinnieren; dernmaßen amüsant gar, dass schleunigst Shirts bedruckt wurden, die die beiden wichtigsten Errungenschaften der Zivilgesellschaft vereinigen; Kapitalismus und Kinderarbeit.
Dass niemand zu fragen scheint, was auf dem Weg vom Baumwollfeld zum bedruckten und gelieferten Shirt so alles passiert, ist wenig verwunderlich. Über den fehlenden Veganismus der lebensnotwendigen Appleprodukte diskutieren Salonlinke ja traditionell auch eher ungern. Ohne Kinderarbeit ist Kaffee selbst jedoch undenkbar: Kleine Hände pflücken besser.
Schönes neues Logo haben die „Linken“ da. Da schmeckt der Klassenkampf gleich noch bitterer.
„Und darum zünd ich dein Radio an.“
Das Jahr endet für US-Amerikaner bitter:
[Mariah Careys] Weihnachts-Evergreen „All I Want for Christmas Is You“ feiert sein Comeback in den Top Ten der USA – 23 Jahre nach seiner Veröffentlichung.
So amüsant ich es auch finde, dass konsumorientierte Kaufhäuser das gar grausige Gejammer, in dem es textlich immerhin darum geht, dass man eben keine teuren Geschenke kaufen soll, alljährlich für eine geeignete Begleitung des beabsichtigten Kaufrauschs halten: Das Schlimmste an Weihnachtsliedern sind und bleiben die Weihnachtslieder.
Und darum hack ich (hack ich) dein Radio klein.
Kein Sex ohne Antrag, keine Ehe mit Genehmigung.
Welche konkreten Folgen hatte eigentlich die unsägliche „Me-Too“-Kampagne außer ein bisschen Pressequälerei? Nun, hierzulande nicht besonders viele, der noch amtierenden Bundesregierung liegt anscheinend noch ihr Einsatz für das „Team Gina-Lisa“ schwer im Magen; im ehemals liberalen Schweden jedoch dreht die natürlich rot-grüne Koalition ein wenig durch:
Dies ist ein historischer Gesetzesvorschlag, der immer die Zustimmung beider Sexualpartner einfordert. Er regelt das, was eigentlich selbstverständlich ist, dass Sex freiwillig sein sollte. Ist er es nicht, dann ist er strafbar.
Dass es zielführend wäre, wenn der Partner freiwillig mitmacht, steht für vernünftige Menschen außer Frage, ungeklärt ist aber, wie im Zweifel die Beweisführung verlaufen soll: Müssen in schwedischen Discotheken künftig Notare vor den Toiletten bereitstehen oder genügt es, die Anbahnungsgespräche in Bild und Ton aufzuzeichnen? – Aus den Reihen der schwedischen „Grünen“ wurde zur Unterfütterung des Vorhabens abermals die Behauptung angeführt, es sei Frauen – anderen Menschen anscheinend nicht – mitunter erst Tage später klar, dass sie trotz anfangs andersartiger Kommunikation eigentlich gar keinen Geschlechtsverkehr haben wollten. Zu erkennen, dass das dem Prinzip, man solle sich gefälligst vorher bezüglich möglichen Fickens einigen, grundlegend widerspricht, ist eine geistige Transferleistung, die zu erbringen von „Grünen“ auch in Schweden vermutlich zu viel verlangt wäre.
In der „Berliner Zeitung“ schrieb Filmwissenschaftlerin (u.a.) Regine Sylvester im November dieses Jahres:
Ich frage mich, welche sexuellen Praktiken durch eine „ausgeklügelte Vereinbarung“ ihr Feuer behalten.
Spaß am Sex ist Unterdrückung!
„Flüchtlinge willkommen“ des Tages: „Mit den neuen geflüchteten Menschen aus arabischen Ländern wird die Tradition der Zwangsverheiratung auch bei uns Alltag werden.“
Kurz notiert zu sächsischen Panzern
In einer Gesellschaft, deren einzig wahrnehmbare Kritik daran, dass eine föderale Polizei sich mal eben ein paar neue Panzer besorgt, darin besteht, dass ihr die Sitzbezüge nicht gefallen (obwohl die Kombination aus antifaschistischer Fraktur und deutscher Eiche sehr angenehm ironisch wirkt), möchte man ja auch nicht unbedingt leben müssen.
Grumbling Fur (abermals) – The Ballad of Roy Batty // Spendensammler außer Atem
Es ist Montag. Vor der Tür hausieren abermals etliche Spendensammler, die ihr eigenes Wohlergehen für den größten Zweck der aus menschlich rationaler Sicht ekligen „Weihnachtszeit“ halten, obwohl doch längst jeder weiß, dass, wer das dringende Bedürfnis verspürt, Geld zu verschenken, dieses viel lieber in die Rettung von Pandabären, Vögeln mit ulkigem Namen und so Computerkrams investieren sollte; obwohl es mir eher merkwürdig erscheint, anzunehmen, gerade in einer Zeit des besinnungslosen Geschenkekaufs sitze das Geld bei Passanten lockerer als sonst.
Trotz des Wochentags (Montag!) gibt es gute Nachrichten: Die NSA saugt gar nicht grund- und ziellos Daten ab, heißt es, denn die längst legendäre Spioniererei habe sowohl Grund als auch Ziel. Dann ist ja alles in bester Ordnung. Keineswegs in Ordnung ist die Gesundheit von Radsportlern: Anscheinend ist Asthma keine ausreichende Beeinträchtigung, um sich von doch recht fordernder körperlicher Betätigung zurückzuziehen. Wenn ich Atemprobleme habe, gehe ich ja auch immer erst zum Ausdauersport.
Immer mal was Neues von Firefox: Mit etwas Pech zeigt es Websites auch mal absichtlich falsch an, weil es Reklame für die – zugegebenermaßen – recht sehenswerte Serie „Mr. Robot“ herunterlädt, ohne vorher nachzufragen. Es soll ja niemand behaupten, dass es Mozilla an Kreativität mangele. Wer auf dem Laufenden bleiben will, der filtert das Web sowieso via RSS vor, das erspart Enttäuschungen.
Apropos Enttäuschungen: Im Fernsehen und in Zeitungen wird schon wieder das Jahr gerückblickt, als sei ab sofort nichts mehr los. Dabei ist es nicht unwahrscheinlich, dass noch in diesem Monat manch gute Musik erscheint oder ein guter Mensch stirbt. Ersteres wäre allerdings wünschenswerter. Vielleicht kommt sie schneller, wenn man sie anlockt? Versuchen wir es doch mal!
Guten Morgen.
Kurzkritik: Grumbling Fur – Furfour
Irgendwann im Jahr 2011 taten sich in London Alexander Tucker und Daniel O’Sullivan, der ansonsten Bands wie Ulver, Guapo, Mothlite und Sunn O))) angehört, zusammen, um gemeinsam etwas aufzunehmen, was sie selbst als „psychedelischen Pop“ bezeichnen, aber eigentlich gar kein Pop ist. Als Grumbling Fur veröffentlichten sie bisher in verschiedener Besetzung vier Studioalben, deren aktuelles von 2016 treffend „Furfour“ (Bandcamp.com, Amazon.de) heißt. Als Gastmusiker haben sie diesmal Isobel Sollenberger (Bardo Pond) und Charles Bullen (This Heat) gewinnen können, um ein weiteres Stück hörenswerter Einmaligkeit zu schaffen.
Es scheint, als habe jeder beteiligte Musiker die Gelegenheit genutzt, die Musik seiner Stammband in das Produkt einfließen zu lassen: Schleppender Postrock („Suneaters“) und effektbereicherter Psychedelic Rock sorgen für die notwendige meditative Stimmung, die sich wie auch die ungezählten Instrumente selbst angenehm verdichtet.
Etikettierung und Schubladisierung sind hier, wie so oft, fehl am Platz: Beatlesque Harmonien („Golden Simon“), instrumentaler Shoegaze („Molten Familiar“) und Gänsehaut erzeugender 80er-New-Wave mit einer perfekten Dosis gezielten Violineneinsatzes („Silent Plans/Black Egg“) ergeben ein großes Ganzes, das mit jedem Hören noch an Wärme gewinnt.
So lange es draußen kalt ist, heizt „Furfour“ von innen. Ich bin höchst erfreut und bitte um Nachschlag.










