In den Nachrichten
Immer die alte Leier

Stellt euch vor, ihr seid 80 Jahre alt, habt euer Leben lang SPD gewählt, sitzt jetzt aber (alters­be­dingt) eigent­lich auch ganz gern mal nur zu Hause, ob im Eigen- oder im Seniorenheim, her­um und habt eure Ruhe, und plötz­lich klin­gelt es an der Tür und drau­ßen ste­hen sie­ben hei­mi­sche SPD-Mitglieder mit einem Leierkastenwagen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Darius - Leap of Faith // Pillerspieldebatte

MontagslächelnEs ist Montag. Jüngst erfuhr ich, dass es ein austra­li­sches Projekt gibt, das die Nachfolge von Geocities anzu­tre­ten imstan­de ist: Es heißt Vistaserv und bie­tet einen Homepage-Baukasten mit­samt ent­an­ti­alia­sten Schriftarten an. Ich fin­de das sowohl wit­zig als auch gru­se­lig und emp­feh­le eine Zurkenntnisnahme.

Gestern fand der „inter­na­tio­na­le Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie“ statt. Dieselben Menschen, die im Parlament der Ansicht sind, wir alle müss­ten ganz­tags online wie off­line über­wacht wer­den, damit wir nichts anstel­len, haben die Chance genutzt, in „sozia­len Medien“ etwas über Freiheitsrechte und deren unbe­ding­te Wichtigkeit zu erzäh­len. Ich wünsch­te, SPD und Grüne wür­den end­lich damit auf­hö­ren, mich davon abzu­hal­ten, mich mal wie­der mit den Verfehlungen ande­rer poli­ti­scher Protagonisten beschäf­ti­gen zu kön­nen. - Apropos Überwachung: Nutzer eines Mailprogramms für Applesysteme konn­ten neu­lich ver­se­hent­lich Mails ande­rer Benutzer sehen. Aber natür­lich muss­te da unbe­dingt mehr cloud rein. Es ist ja auch völ­li­ger Blödsinn, ein Mailprogramm zu benut­zen, das nicht all sei­ne Benutzer in einer ein­zi­gen Datenbank zusam­men­führt. Wie, das sei kei­ne gute Idee? Das ist die Zukunft, Sie ewig­gest­ri­ger Opa!

Apropos ewig­gest­rig: Die bescheu­er­te „taz“ pam­phle­tet, zur Frage, „ob Kunst gesell­schaft­li­che Diversität abbil­den und etwa in Kunstwerken repro­du­zier­te Geschlechterrollen hin­ter­fra­gen muss“, möge es „ver­schie­de­ne Haltungen geben“. Das stimmt: Die eine Haltung ist die der Kunstfreiheit, die ande­re ist die, die Kunst selek­tiv als ent­ar­tet beschreibt. Ein star­ker Mann wird abge­bil­det oder gar eine Frau mit Kind? Raus damit aus den Museen und vor allem aus den ver­damm­ten Onlinespielen! Killerspieldebatte? Hat hier jemand Killerspieldebatte gesagt? Und wo lie­gen eigent­lich die Grenzen der Journalismusfreiheit?

Da wir gera­de bei „taz.de“ sind: Heute schon jeman­den aus den Google-Suchergebnissen gefegt? Warum nicht? Endlich wäre mehr Platz für etwas schö­nes, zum Beispiel für Pandabären.

Und für Musik.

Darius - Leap of Faith (offi­cial video)

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Flaggen kauf‘ ich am lieb­sten im Darknet.

„Was den Kommunismus aus­zeich­net, ist (…) die Abschaffung des bür­ger­li­chen Eigentums.“
– Karl Marx und Friedrich Engels: Manifest der kom­mu­ni­sti­schen Partei


Zu Eigentum zählt das Bürgerliche Gesetzbuch grund­sätz­lich eine „Sache“, mit der ein Eigentümer „nach Belieben ver­fah­ren und ande­re von jeder Einwirkung aus­schlie­ßen“ kann, sofern ande­re Gesetze das jewei­li­ge Verfahren nicht unter­bin­den. So waren bis­her zum Beispiel Tiere zwar recht­lich Möbelstücken gleich­ge­stellt, erfreu­ten sich aber zusätz­lich ein­schrän­ken­den Tierschutzgesetzen. In ein noch leben­des Tier zum Beispiel Whiskyflaschen rein­zu­stel­len ist daher in der Regel untersagt. 

Dinge, die, auch wenn sie dem eige­nen Besitz ange­hö­ren, nie­mals Teil des eige­nen Eigentums sind, habe ich in der Vergangenheit gele­gent­lich beschrie­ben: Irgendwelcher Streamingkram zum Beispiel ver­schafft mir den Besitz von Serienepisoden oder Musikalben, kei­nes­wegs gehen die­se dann aber in mein Eigentum über. Die Server gehö­ren ja nicht mir. § 90a StGB zählt dazu über­dies Hoheitszeichen des ver­meint­lich libe­ra­len Staates Deutschland: So dür­fen zum Beispiel Flagge und Hymne nicht ver­un­glimpft wer­den. Dass Verunglimpfung wie­der mal nach einem die­ser Begriffe klingt, deren Auslegung einer vor­ran­gig finan­zi­ell ori­en­tier­ten Berufsgemeinschaft in der Vergangenheit gro­ße Eichenschränke vol­ler lang­wei­li­ger Bücher zu unin­ter­es­san­ten Themen in blö­den Städten finan­ziert hat, ist mal wie­der typisch. (Andererseits: So ist immer­hin kein Phil-Collins-Cover zu erwar­ten. Glück gehabt!) 

Jüngst dazu stieß der Entwurf für einen $ 90c StGB, der gegen den Willen von AfD, FDP und Linken und bei gewohn­ter Ignoranz Enthaltung der Grünen im Bundestag durch­kam und besagt, dass ähn­li­che Verbote künf­tig auch für Staatssymbole ande­rer Staaten sowie für die des feuch­ten Traums neu­zeit­li­cher Supranationalisten, der Europäischen Union, gel­ten sol­len. Es könn­te ein Zufall sein, dass die­ser Gesetzentwurf gera­de jetzt, da, glaubt man den Medien, der Zusammenhalt in der Eurozone von lästi­gen Verfassungswidrigkeiten gestört wird, die ver­meint­li­che Bedeutung der Europäischen Union her­vor­he­ben soll; muss es aber nicht. 

Zwar soll zu mei­nem Bedauern schie­fes Singen nicht als Verunglimpfung zäh­len, aber posi­tiv abzu­ge­win­nen lie­ße die­sem Gesetz der Aspekt, dass es mög­li­cher­wei­se bereits eine Verunglimpfung ist, wenn eine durch­weg als unsym­pa­thisch erkenn­ba­re Gruppe (etwa all­zu Konservative mit einer Deutschland- oder blö­de Haare Tragende mit einer Israelflagge) pro­te­stie­rend ein sol­ches Abzeichen zeigt. An den mei­sten Demonstrationen stört mich per­sön­lich ja der Missbrauch des anschei­nend immer zweit­ran­gi­gen Demonstrationsthemas als Gelegenheit für Parteisoldaten, mit Fahnen zu wedeln, die einem dann im Bestfall nur blö­de ins Gesicht hän­gen. - Andererseits obliegt die höchst­ju­ri­sti­sche Einschätzung des­sen, was einen Staat ver­un­glimpft und was nicht, neu­er­dings einem Befürworter anlass­lo­ser Überwachung aller Bürger, was die Vermutung nahe­legt, dass die Definition künf­tig etwas wei­ter gefasst wer­den dürf­te. Die durch­weg abscheu­li­che Politik gewis­ser Parteien, die ver­meint­lich für den Staat spre­chen, fällt dann jeden­falls wahr­schein­lich nicht mehr darunter. 

Aber wenn man nun zum Beispiel einen Schrebergarten (oder ein Fanhäuslein für irgend­ei­ne schwach­sin­ni­ge Sportart, zum Beispiel Fußball) besitzt und auf die­sem gern irgend­ei­ne Flagge irgend­ei­nes Landes wehen las­sen möch­te, über ihren anschlie­ßen­den Verbleib aber nicht voll­um­fäng­lich selbst ent­schei­den darf, weil das letz­te Wort dazu der Staat spre­chen darf: Ist eine Deutschlandflagge dann recht­lich eine Staatsanleihe?

NetzfundstückePolitik
Grenzenlos in Österreich

Verstörende Nachrichten von der „tages­schau“: Der bis­he­ri­ge Norden von Österreich wird wie­der eingemeindet!

Wien kün­dig­te an, die Grenzen zu Deutschland Mitte Juni zu öffnen.

Und noch mal:

Aus Wien wie­der­um ver­lau­te­te, die Grenzen soll­ten am 15. Juni wie­der voll­stän­dig geöff­net werden.

Kaum sind mal alle abge­lenkt (Corona/Bundesliga/Kindertagesstätten), schon geht das mit der Gebietserweiterung wie­der los.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Parahelio - Surge Evelia, Surge

Parahelio - Surge Evelia, SurgeLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Von Musik aus Peru berich­te ich sel­ten. Klar: Niemand mag Panflöter. Keineswegs pan­flö­tend aber gehen Parahelio aus Lima zu Werke, mit deren 2019 (und 2020 auch als phy­si­scher Tonträger) erschie­ne­nem Album Surge Evelia, Surge (Bandcamp, TIDAL; Amazon.de führt es zur­zeit nur als Zubehör und hat es nicht auf Lager) sie, glaubt man dem Internet, La Rinconada, der höchst­ge­le­ge­nen Stadt der Welt mit ange­schlos­se­ner Goldmine und ent­spre­chen­der Ausbeutung, ein Denkmal setzten.

Dass die­ses Denkmal, dem Gegenstand der Betrachtung ent­spre­chend, ein melan­cho­li­sches ist, tut den Einwohnern zwar nicht gut, der Musik hin­ge­gen sehr. (Darf man so etwas schrei­ben? Ich habe es jeden­falls gera­de getan.) Instrumentaler Postrock muss nicht immer bret­tern, instru­men­ta­ler Postrock kann auch mal drückend schwe­ben. Das klingt dann etwa so:

Parahelio - Surge Evelia, Surge [Full Album]

Es ist selt­sam, dass trau­ri­ge Anlässe oft zu schö­ner Musik füh­ren. Es liegt mir fern, dar­aus eine Empfehlung abzu­lei­ten, die über eine Empfehlung die­ses Albums hin­aus­geht, das ich hier­mit dann jetzt aus­drück­lich emp­foh­len haben möchte.

Es möge sei­ne Wirkung entfalten.

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz ange­merkt zu abrech­nen­den Coronaeltern

Es ist ja eine durch­aus wit­zi­ge Idee, die da gera­de durch die sozia­len Medien getra­gen wird und besagt, dass berufs­tä­ti­ge Eltern, die jetzt vom Staat dazu gezwun­gen wer­den, sich selbst mal mit ihrem Nachwuchs zu beschäf­ti­gen, die­se Zeit die­sem Staat in Rechnung stel­len soll­ten, wozu, wie in min­de­stens einem Tweet zu lesen war, neben der Aufsichts- auch die Lehrtätigkeit gehö­re, denn Kinder bekä­men ja trotz nicht statt­fin­den­den Unterrichts Hausaufgaben von den Lehrern (müss­ten dann nicht eigent­lich die Kinder statt der Eltern, deren Aufgabe deren Ausführung kei­nes­wegs ist, dafür eine Rechnung aus­stel­len?), aber wäre es nicht wesent­lich nach­hal­ti­ger und somit sinn­vol­ler, den Staat dazu anzu­hal­ten, dafür Sorge zu tra­gen, dass nicht jeder Berufstätige, der gar kei­ne Zeit dafür auf­brin­gen kann, sich um sei­nen Nachwuchs zu küm­mern, und eigent­lich recht froh dar­über ist, wenn es jeman­den gibt, der ihm die­se Belastung tags­über vom Hals hält, ein Kind bekom­men muss?

In den NachrichtenPolitik
Nachtrag zum Mieterschutz in Krisenzeiten

Wikipedia:

Als Normenkontrolle bezeich­net man die Überprüfung von Rechtsnormen dar­auf­hin, ob sie mit höher­ran­gi­gem Recht ver­ein­bar sind. 

„Legal Tribune Online“:

Bundestagsabgeordnete von CDU/CSU und FDP haben einen Normenkontrollantrag gegen den Berliner Mietendeckel beim Bundesverfassungsgericht ein­ge­reicht. Das Land set­ze sich über den Bundesgesetzgeber hinweg. 

Pressestelle der „Linken“:

Wohnen ist ein Grundrecht, das hier offen­sicht­lich von CDU und FDP Abgeordneten mit Füßen getre­ten wird. (…) Deshalb pro­te­stie­ren wir kom­men­den Freitag, den 15. Mai, vor dem Konrad-Adenauer-Haus. Wir wer­den deut­lich machen, dass wir das der CDU und FDP nicht durch­ge­hen lassen. 

Die wer­den schon sehen, was sie davon haben, ein Gesetz der „Linken“ rechts­staat­lich über­prü­fen zu las­sen. Auf sie mit Gepfeif! Es geht hier immer­hin um ein Grundrecht!

Ich wie­der­ho­le mich ungern: Es gibt kei­nen Anlass zu der Vermutung, das häu­fi­ge Auftreten von Bürgerkriegen in „lin­ken“ Regimes sei ein bedau­er­li­cher Zufall. 

In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 11. Mai 2020

In einem lesens­wer­ten Artikel über die feh­len­de Entwicklungskohärenz von Linux fast eben­so lesens­wer­tes Zitat:

Unsere Aufgabe ist es, dass Menschen ver­ste­hen, dass die­se Revolution die der Open-Source-Software ist und es über­haupt nicht um Linux geht. Linux ist allen­falls das Aushängeschild die­ser Bewegung.

(Mies über­setzt von mir.)

Das ist jetzt etwas mehr als zwan­zig Jahre her und die Aufgabe kann man - mit Blick auf Blogs und ver­meint­li­che Fachzeitschriften („SPIEGEL“) - als geschei­tert anse­hen. Hat die Open-Source-Gemeinschaft denn bis heu­te noch kein zwei­tes Programm rausgebracht?


Medial auf­ge­bla­se­ner EDV-Schwachsinn auch in der Hardwarewelt: Überraschend stellt sich her­aus, dass, wenn man ein Notebook einer ande­ren Person zum Basteln über­lässt, die­ses Notebook anschlie­ßend mög­li­cher­wei­se ein uner­war­te­tes Verhalten auf­weist. Jemand soll­te die­ses Jemandemüberlassen drin­gend mal verbieten.


Andrea Nahles gibt dem­nächst Post und Telefon auf die Fresse. Typisch neo­li­be­ra­le SPD: Immer nur auf gut bezahl­te Posten aus!


Großartiger Text: Psychogramm einer Privilegiencheckerin.

Lena weiß jetzt, was in der Gesellschaft schiefläuft.

Deswegen kennt sich Lena auch rich­tig gut mit Politik aus. „Liberale sind eigent­lich Faschisten“, weiß sie etwa, „weil neu­lich hat doch ein FDPler das Gleiche get­wee­tet wie ein AfDler“. (…) „Der Kapitalismus ist an allem schuld“, resü­miert Lena stolz, wäh­rend sie mit dem neu­em MacBook den Kroatien-Urlaub auf EasyJet bucht.

Hihi.

In den NachrichtenMontagsmusik
Motor!k - Static // Minigolf statt Geisterball

Federn müsste man haben. Dann fallen die roten Augen nicht so auf.Es ist Montag. Kompliziert wird die Situation mit den Mitmenschen, wenn ein erschrocken Angesehener eine beru­hi­gen­de Wirkung bei Umstehenden erzielt, wenn er sei­nen soeben durch­leb­ten Husten als Raucherhusten iden­ti­fi­ziert. Das sei ja nicht so schlimm, pflich­ten ihm auch die Umstehenden bei. Wo genau ist die Gesellschaft falsch abge­bo­gen und war­um erset­zen wir sie nicht ein­fach durch Pandabären?

Eine gute Nachricht zum Wochenbeginn: Der Fußball hat sich end­lich von sei­nen Zuschauern eman­zi­piert. Das ist ein Schritt in die rich­ti­ge Richtung, die kon­se­quent wei­ter ver­folgt wer­den soll­te, etwa bei der Berichterstattung über ihn. Über Minigolf spricht doch auch fast niemand.

Kommen wir zur Politik: Die neu­en Umfragen sind da! CDU und CSU lie­gen bei 40 Prozent, die­je­ni­gen Parteien aber, deren Inhalte sich dar­in erschöp­fen, den Großteil der eige­nen Wähler fort­wäh­rend wahl­wei­se wegen ihres Besitzes oder ihrer Ideale zu beschimp­fen, wur­den wei­ter verzwergt. Ursache. Wirkung. Es sei jetzt wich­ti­ger denn je, irgend­wem Geld weg­zu­neh­men, fasel­ten sie erst letz­te Woche. Einfach ein Grundeinkommen auf Corona drauf­schmei­ßen, dann sind alle Probleme gelöst. 15 Prozent sind noch 14 zu viel.

Apropos: Hurra, die Monarchie im Westen bleibt zukunfts­ge­wandt! Warum eigent­lich ist das eine Nachricht und war­um eigent­lich ist das so? Die Zukunft kei­nes Landes soll­te der Monarchie gehö­ren. Lieber regie­ren las­sen tät‘ ich mich von: Musik.

Guten Morgen.

NerdkramsNetzfundstückePolitik
Inzwischen in der voll­di­gi­ta­li­sier­ten EU

EU-Parlamentarier kom­men end­lich in den Genuss einer neu­en Abstimmsoftware, die nicht nur Manipulation selbst­ver­ständ­lich aus­schließt, son­dern über­dies den neue­sten gra­fi­schen Trends form­schön aske­tisch entsagt.

Abstimmsoftware

Manipulation aus­ge­schlos­sen? Ja:

Sicherheit sei kein Thema, sagen sie, denn zur Abstimmung sei außer­dem eine E-Mail mit ein­ge­scann­ter Unterschrift erforderlich…

Mir ist wirk­lich unklar, wie so etwas wie Artikel 17 in die­ser EU nur pas­sie­ren konnte.