Nerdkrams
Perfect PRISM Privacy

Momen­tan kann man im ganzen Land auf so genan­nten “Kryp­topar­tys” erfahren, wie man Mails und Sofort­nachricht­en (ich set­ze dafür unter Win­dows auf The Bat! mit GnuPG sowie Miran­da NG mit MirOTR-Plu­g­in, unter anderen Sys­te­men gibt es andere Meth­o­d­en) einiger­maßen abhör­sich­er aus­tauschen kann, auch wenn man nichts zu ver­ber­gen hat.

Abge­se­hen davon, dass diese Ver­schlüs­selun­gen nur die Symp­tome, nicht aber die Ursachen bekämpfen, bleibt das haupt­säch­liche Prob­lem ungelöst, näm­lich die Daten­sam­mel­wut der Staat­en. Auch die SPD mit ihrem Ruf nach Vor­rats­daten­spe­icherung will eigentlich nichts anderes als die anlass­lose Überwachung aller Vorgänge, die ihr im Inter­net durch­führt, mit anschließen­der Auf­be­wahrung der Aufze­ich­nun­gen. Es kön­nte ja sein, dass ihr mal Amok lauft oder so. (Viel mehr bleibt einem verzweifel­ten Bürg­er dieser Tage auch kaum mehr übrig.)

Eine doofe Eigen­schaft von TCP/IP, die ihr auch mit Ver­schlüs­selung nicht weg­bekommt, ist, dass ihr iden­ti­fizier­bar seid, der Dank gebührt eur­er IP-Adresse. Zwar gibt es eine Vielzahl an freien Prox­y­servern über­all auf der Welt, mit­tels der­er ihr “anonym” sein kön­nt, aber wer garantiert euch, dass diese Prox­y­serv­er nicht alles, was ihr tut, pro­tokol­lieren? Auch das Tor-Net­zw­erk, also die Umleitung “eures Inter­nets” über drei unab­hängige Router, wird gele­gentlich emp­fohlen, ist aber prinzip­iell kom­pro­mit­tier­bar (ein Angreifer muss nur min­destens auf zwei der drei Router zugreifen kön­nen, was einem Geheim­di­enst ver­mut­lich nicht schw­er fällt) und oben­drein aus ver­ständlichen Grün­den wirk­lich sehr, sehr langsam.

Und dann gibt es da noch VPNs.

VPNs (Vir­tu­al Pri­vate Net­works, “virtuelle pri­vate Net­ze”) funk­tion­ieren ähn­lich wie Prox­y­serv­er, sind aber etwas kom­plex­er (die Wikipedia weiß mehr). Auch die Hack­er­gruppe LulzSec ver­wen­dete ein VPN, um ihre Angriffe durchzuführen und online zu kom­mu­nizieren, was die Iden­ti­fizierung der Mit­glieder schw­er machte (diese gelang, wie man weiß, nur dank eines plaud­ern­den Mit­glieds der Gruppe). Zwar kosten VPN-Zugänge meist Geld (und zwar einiges), dafür sind die bere­it­gestell­ten Funk­tio­nen vielfältig. Ich mache das mal am Beispiel von Per­fect Pri­va­cy, da ich diesen Dienst seit Jahren selb­st benutze. Es gibt neben Per­fect Pri­va­cy auch weit­ere Anbi­eter, jedoch sind die Alter­na­tiv­en gele­gentlich gefährlich: Der Dienst “Hide My Ass” etwa zeich­net Verbindungs­dat­en auf. Im Zweifel gilt: Informiert euch vorher über den Dienst, der euch inter­essiert, damit ihr keine böse Über­raschung erlebt.

Per­fect Pri­va­cy funk­tion­iert so: Im Zen­trum ste­ht natür­lich der VPN-Zugang. Das geht mit der VPN-Soft­ware Open­VPN, die für alle nen­nenswerten Betrieb­ssys­teme ver­füg­bar ist. Dieser Zugang funk­tion­iert fol­gen­der­maßen: Der Benutzer startet das Pro­gramm, gibt seine Zugangs­dat­en ein (das kann übri­gens auch automa­tisiert wer­den), und schon ist er im Netz. Zur Auswahl ste­hen diverse Serv­er (beina­he) über­all auf der Welt, von Erfurt bis Tel Aviv. Alles, was ihr von nun an im Inter­net treibt, wird über den aus­gewählten Serv­er geleit­et; alles, was euer Inter­ne­tan­bi­eter (sowie jemand, der dort mitli­est) sieht, ist es, dass zwis­chen euch und diesem Serv­er irgendwelch­er Daten­verkehr stat­tfind­et. Blöd: Das funk­tion­iert nicht mit E‑Mail (außer — momen­tan — auf dem “Cyber­jaya”- sowie dem “Cairo”-Server); das ist aber ein­leuch­t­end: Ein anonymer E‑Mail-Ver­sand würde die Spamquote deut­lich erhöhen. Auch möglich ist der Auf­bau eines lokalen SSH-Tun­nels (das ist so was hier) mit­tels “Per­fect Pri­va­cy SSH”.

Die flex­i­bel­ste ange­botene Meth­ode ist jedoch die Nutzung als Proxy (SOCKS5 und HTTP wer­den unter­stützt). Das ermöglicht es, nur einzelne Pro­gramme über Per­fect Pri­va­cy zu routen. Empfehlenswert ist es etwa, den Proxy in der Tauschbörse eur­er Wahl einzu­tra­gen:

Perfect Privacy in eMule

Mit Fire­fox und der Erweiterung FoxyProxy Stan­dard ist es sog­ar möglich, nur einzelne Web­sites über Per­fect Pri­va­cy zu routen. Ihr wollt, dass YouTube euch für einen US-Amerikan­er oder für einen Lux­em­burg­er hält? Kein Prob­lem! — Euren Mail­client kön­nt ihr dann über “Cyber­jaya” oder “Cairo” routen, dann klappt auch das mit der Ver­schlüs­selung wieder.

Und die Sicher­heit? Nun ja, ger­ade der Serv­er in Erfurt wird natür­lich des Öfteren beschlagnahmt. Da Per­fect Pri­va­cy aber kein­er­lei Kun­den­dat­en spe­ichert, wed­er also wis­sen möchte, wer ihr seid (auch die Bezahlung ist anonym möglich), noch eure Verbindungs­dat­en irgend­wie aufze­ich­net, ist dies stets ergeb­nis­los geblieben.

Ihr habt die Wahl. Ver­säumt sie nicht.

PolitikIn den NachrichtenNerdkramsMir wird geschlecht
Kurz verlinkt CLXXVI: Schlagzeilen vom 24. Juli 2013

Guter Anfang: Anträge der NPD wer­den aus Prinzip abgelehnt, unab­hängig von deren Inhalt. Warum klappt das mit der CDU nicht auch?


Ach, CDU, die anderen sind auch nicht bess­er, sagt ihr? Stimmt: Sig­mar Gabriel von der Vor­rats­dat­en-SPD zeigt mal wieder mit dem Fin­ger auf andere, nur nicht auf die Schuldigen. Klar, es ist Wahlkampf, da sind Worthülsen zum The­ma Totalüberwachung unver­mei­d­bar, nicht?


Aber die Deutschen wollen es ja auch nicht anders. SwiftKey (Android-Tas­tatur) syn­chro­nisiert das Getippe jet­zt mit der cloud. Prak­tisch, jet­zt muss man nicht mehr Face­book, Google, Apple und Microsoft um Koop­er­a­tion bit­ten, son­dern kann die getippten Texte noch während der Eingabe auswerten. Außer­dem toll: SwiftKey kann nun “Trend­ing Phras­es” herun­ter­laden, das heißt, rel­e­vante Ereignisse des Tages (etwa das mit dem königlichen Nach­wuchs) sind automa­tisch “bekan­nte Begriffe”. Hui.


Königlich­er Nach­wuchs? Ach so, der neue Thron­fol­ger ist wieder nur ein Junge. Frech­heit, find­en Fem­i­nistin­nen. Muss William wohl noch mal ran.

“Wir alle wer­den ver­rückt geboren. Manche bleiben es.”
– Samuel Beck­ett, Warten auf Godot

PersönlichesLyrik
Passiv leben

Was lässt euch eigentlich glauben, dass ihr wisst, was es heißt, am Leben zu sein, wenn ihr die Welt um euch herum ein­fach geschehen lasst?

Schaut den Men­schen ins Gesicht, die euch jeden Tag begeg­nen. Sie sind grau. Sie sind leer. Sie sind ihre eige­nen Schat­ten.

Liebt ihr oder werdet ihr geliebt?

Lebt ihr oder werdet ihr gelebt?

Sonstiges
“Hilfe, die Medien verblöden uns!”

Na, klebtet ihr heute auch alle vor dem Fernse­her, um zu wis­sen, ob das Kind der einen Englän­derin da alle Glied­maßen an der richti­gen Stelle trägt? Ich ver­folge das jet­zt nicht aktiv, aber ich bin mir ziem­lich sich­er, es ist ein Men­sch.

Dafür zahlt man doch gern Gebühren, nicht? Natür­lich ist diese Art der Berichter­stat­tung jet­zt kein leuch­t­en­des Beispiel für Qual­ität­sjour­nal­is­mus, denn zu den Pflicht­en eines Jour­nal­is­ten, dessen hehre Auf­gabe die Recherche zum Schutz der Bürg­er vor Lügen sein sollte, gehört das Schüren von Emo­tio­nen wahrlich nicht. Eine kleine Gruppe von Men­schen, die ver­sucht, mit­tels rhetorisch­er Kniffe die Emo­tio­nen der Bürg­er eines Lan­des in die gewün­schte Rich­tung zu lenken (“OH-MEIN-GOTT-ES-IST-EIN-KIND-DAS-IST-SO-EIN-FREUDIGES-EREIGNIS”), unter­schei­det näm­lich genau was von ein­er kleinen Gruppe Pop­ulis­ten (wie damals den ollen Goebbels, nur ohne das mit dem Krieg)? Tja nun, nicht viel.

Dies sollte ein Bürg­er aber eigentlich wis­sen, so lange er noch mündig und im Vollbe­sitz sein­er geisti­gen Kräfte ist. Zwar kann nie­mand dazu gezwun­gen wer­den, sich ein Bild darüber zu ver­schaf­fen, was in der Welt um ihn herum geschieht, aber einem jeden Men­schen sollte diese Möglichkeit unbenom­men bleiben. Boule­vardme­di­en soll­ten niemals die haupt­säch­liche Infor­ma­tion­squelle für einen Men­schen sein (wohl aber meinethal­ben Unter­hal­tungsquelle).

In einem Forum fand ich dieser Tage diese fol­glich erschreck­ende Hal­tung:

Wenn die Medi­en­land­schaft aber keine intelek­tuellen (sic) Meßlat­ten mehr anbi­etet bzw. auf nachts um 2 ver­legt, weil die Wer­be­huren nach Quote bezahlen und die Men­schen im Fernse­hen nur noch gegen­seit­ige Mis­sach­tung, “Kastisierung” und Demü­ti­gung erleben und auch in ihrem Umfeld keine anderen Maßstäbe mehr find­en bzw. jeglich­er Ver­such dann auch noch zunichte gemacht wird (Bil­dung ist uncool, Mob­bing), dann kann es für den Einzel­nen extrem schw­er sein, sein möglich­es Poten­tial auszuschöpfen.

Kurz gesagt: “Ich würde mich ja bilden, aber im Fernse­hen kommt ger­ade nur Hirn­brei”.

Die Medi­en informieren über das, was die meis­ten Men­schen inter­essiert. Nach­wuchs von irgendwelchen Briten, hin­ter einem Ball her­laufende oder im Kreis fahrende Deutsche, gele­gentlich auch mal “zu Hülf’, wir wer­den alle überwacht”, dann aber ohne Lösungsvorschläge, son­dern als Stim­mungsan­reiz. Hier, die Welt um euch herum ist kaputt, aber guckt euch doch mal das süße Kind an.

Ger­ade in einem Wahl­jahr zeigt sich die hässliche Fratze des Jour­nal­is­mus’: Kle­in­ste ver­meintliche Prob­leme der Parteien — nicht natür­lich der Partei, die im Auf­sicht­srat des jew­eili­gen Senders einen gewis­sen Ein­fluss zu nehmen ver­mag, denn so vorauss­chauend ist Mit­men­sch Jour­nal­ist dann doch noch — wer­den aufge­bauscht, Tenor: Guckt mal, die kann man doch niemals wählen! Wahlempfehlun­gen auszus­prechen ist aber nicht die Auf­gabe eines Jour­nal­is­ten, und ein Jour­nal­ist, der solch­es ver­sucht, sollte unehren­haft ent­lassen wer­den und kün­ftig zu ehrlich­er Arbeit ver­don­nert wer­den. Jour­nal­is­ten, die Edward Snow­den für seinen Mut preisen (was eben­falls nichts ist, was ein Jour­nal­ist tun sollte), soll­ten diesen Mut zumeist erst ein­mal selb­st besitzen.

Ach, wenn es doch nur unab­hängige Medi­en gäbe! Wenn doch nur jemand eine tech­nis­che Vor­rich­tung ersänne, mith­il­fe der­er jed­er Men­sch auf poli­tis­che und gesellschaftliche Missstände hin­weisen kann, ohne Jour­nal­ist zu sein! — Oh, die gibt es schon? Hm. Hier, guckt euch doch mal das süße Kind an.

“Auf RTL kommt nur Mist, darum kann ich mich nicht informieren.”

Lasst euch ein­pökeln.

MusikKaufbefehle
Electric Moon — Lunatics

Electric Moon - LunaticsDerzeit rotiert in meinem Musik­spiel­er das Album “Lunatics” des deutschen Kraut-/Space­rock­trios Elec­tric Moon, deren Gitar­rist und Organ­ist Sula Bas­sana sich auch als Solokün­stler inzwis­chen einen recht bekan­nten Namen gemacht hat. Ich möchte es wärm­stens empfehlen.

Es begin­nt mit “Gefährliche Plan­eten­girls”, einem long­track (vier der fünf Stücke auf dem Album über­schre­it­en die Elf-Minuten-Marke), der trotz des Namens instru­men­tal ist. Gesun­gen wird auf dem Album nur spär­lich, aber darauf kommt es nicht an — Pink Floyds “Set the Con­trols for the Heart of the Sun” lebt ja auch vor allem vom Instru­men­tal­spiel. Über­haupt ist dieses Stück ein her­vor­ra­gen­der Ver­gle­ich, “Lunatics” klingt wie ein würdi­ger Nach­fol­ger des Stücks in Alben­länge.

Elec­tric Moon — Gefährliche Plan­eten­girls

Gesang kommt zuerst in “Hotel Hell” — im Orig­i­nal, so weit mir bekan­nt, von den Ani­mals — zum Ein­satz. Primär singt Bassistin “Komet Lulu”, hier links im Bild, und das nicht mal schlecht. (Allerd­ings finde ich auch, dass der Orig­i­nal­in­ter­pret Eric Bur­don nicht son­der­lich gut singt. Ich finde ihn eher lang­weilig.)

Elec­tric Moon — Hotel Hell

Mit dem Dreiundzwanzig­minüter “Moon Love” gibt es dann noch mal einen würdi­gen Abschluss im Stil von Pink Floyds “Care­ful With That Axe, Eugene” (zu Deutsch etwa: “Sei vor­sichtig mit dem Deodor­ant, Eugen!”), der aber auch Ken­nern (und Mögern) von Gong und den alten Hawk­wind gefall­en sollte. Im Vorder­grund ste­ht wuchtiger Bass, “Komet Lulu” flüstert dazu bedrohlich vor sich hin. Es gibt sog­ar einen Refrain:

Moon Love.
Moon Love.
Moon Love.
(…)

“Sog­ar” trifft’s übri­gens ganz gut. Elec­tric Moon machen primär Space­rock. Das Stro­phe-Refrain-Stro­phe-Refrain-Refrain-Ende-Schema wird von ihnen erfreulicher­weise ignori­ert. Radio­hör­er, denen alles über drei Minuten schon unnatür­lich lange vorkommt, wer­den her­zlich dazu ein­ge­laden, lieber was anderes zu hören. Ihnen wird einiges ent­ge­hen. Auch die Wieder­hol­ung wird hier zele­bri­ert: Das Grund­muster der Stücke bilden wiederkehrende Rhyth­mus­muster, über die dann gele­gentlich eine erup­tive Gitarre gelegt wird. Das liest sich monot­o­n­er als es eigentlich ist, es passiert eigentlich ständig etwas.

Ger­ade das abschließende “Moon Love” ist ein musikalis­ch­er Orgas­mus, sich allmäh­lich auf­bäu­mend und dann gle­ich­sam explodierend. Die richtige Musik ist, ich wieder­hole mich sich­er noch des Öfteren, Sex für den Kopf, nur bess­er.

“Lunatics” ist ein gutes Album. Ich bitte es zur Ken­nt­nis zu nehmen.
Gern geschehen.

In den Nachrichten
Kurz verlinkt CLXXV: “Zu genial für die Deutsche Bahn”

Woa­ha­ha­ha:

Mit “Call a Bike” hat­te die Bahn den öffentlichen Nahverkehr um eine geniale Idee bere­ichert. (…) Vor eini­gen Wochen hat die Deutsche Bahn offen­bar gemerkt, wie genial das Sys­tem ist. Und dann wohl beschlossen, dass dies nicht zu ihr passt.

So ungern ich auch Jour­nal­is­ten für irgend­was lobe: Frank Stock­er gehört hier­mit meine vorzüglich­ste Hochachtung.

MusikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CLXXIV: Legal oder Angebot?

sueddeutsche.de berichtete gestern:

Es wird kaum noch ille­gal kopiert — weil es Alter­na­tiv­en gibt. (…) In Skan­di­navien ver­bre­it­eten sich rel­a­tiv früh Dien­ste wie Spo­ti­fy oder Net­flix , die den ein­fachen, legalen Zugang zu Musik und Fil­men ermöglichen. Dabei kauft der Nutzer nicht mehr einzelne Songs, son­dern erwirbt durch eine pauschale Zahlung Zugang zu mehr als 20 Mil­lio­nen Liedern. So ver­lieren die ille­galen oder hal­ble­galen Möglichkeit­en des Net­zes ihre Attrak­tiv­ität.

sueddeutsche.de berichtete am Dien­stag über Spo­ti­fy:

Grup­pen wie Led Zep­pelin und AC/DC haben ihr Reper­toire bis heute nicht freigegeben, diverse kleinere Kün­stler ver­ließen den Dienst nach einiger Zeit frus­tri­ert.

Ich schrieb im August 2012 zum gle­ichen The­ma:

Aber wer Vielfalt will, der kann ja auch ein­fach ins Inter­net guck­en.

Ich finde den ille­galen Dateitausch jeden­falls nicht trotz, son­dern wegen Spo­ti­fy immer noch inter­es­sant. Dass Medi­en­jour­nal­is­ten einen nicht allzu bre­it gefächerten Musikgeschmack haben und zufrieden mit dem sind, was man ihnen hin­wirft, ist ein wenig trau­rig zu sehen, aber sicher­lich nicht repräsen­ta­tiv. Ich empfehle Mel­dun­gen wie die ein­gangs erwäh­nte jeden­falls weiträu­mig zu umfahren.

PolitikIn den NachrichtenPiratenparteiWirtschaft
Die Lage der Nation (Stand: 19. Juli 2013)

(Vorbe­merkung: Ich würde mir niemals anmaßen, sach­liche und aus­ge­wo­gene Berichter­stat­tung über poli­tis­che Vorgänge, die mich als Wäh­ler mas­siv mis­sacht­en, auszuüben. Auch jet­zt nicht.)

Ach was: Das deutsche PRISM ist wahrschein­lich doch das­selbe wie das US-amerikanis­che PRISM. Das Kan­zler­amt (CDU) wider­spricht dieser Darstel­lung, das Vertei­di­gungsmin­is­teri­um (CDU) bekräftigt sie. In anderen Län­dern hätte man eine Regierung, deren Organe sich gegen­seit­ig auf Kosten der Wäh­ler belü­gen, ver­mut­lich bere­its unsan­ft entsorgt. Ob die Frage, ob es zwei oder nur ein PRISM gibt, mith­il­fe dessen deutsche Bürg­er kon­tinuier­lich ihre Pri­vat­sphäre zugun­sten irgendwelch­er Sicher­heit ein­büßen, über­haupt die entschei­dende ist, gilt es beizeit­en zu prüfen.

(Ein kurz­er Real­itätsab­gle­ich: 41 Prozent der deutschen Wäh­ler wür­den momen­tan CDU/CSU wählen. Ein Staat, der euch das lästige Denken erspart, klingt doch ein­ladend, oder?)

Und es bleibt nicht bei PRISM. Da kommt noch viel mehr. Und wir wollen wahrschein­lich gar nicht wis­sen, was das gekostet hat. Detroit ist näm­lich pleite. Haben wir eigentlich schon mal eine ganze Stadt gerettet? Gibt es dort eine Bank?

Man sollte meinen, zumin­d­est der Piraten­partei käme die poli­tis­che Entwick­lung zugute. Und tat­säch­lich erwacht sie aus dem Stand­by­modus und grün­det, agil wie eh und je, erst mal eine AG Rev­o­lu­tion. Vor weni­gen Jahren wollte die Piraten­partei noch das Sys­tem reformieren, jet­zt prokras­tiniert sie das in Arbeits­grup­pen. Natür­lich wäre es vielle­icht auch für einen Wahler­folg im Sep­tem­ber lohnenswert, bei seinen Leis­ten zu bleiben und mit einem klaren Pro­fil zu punk­ten, aber es gibt andere Prob­leme zu lösen, Neon­azis und Flaschenpfand­kürzung und so. Die Regierung kri­tisieren kann man später auch noch.

Das mit PRISM, sagt der Innen­min­is­ter, ist ja auch nicht so schlimm. Wir soll­ten stattdessen froh darüber sein, denn es räumt uns das Super­grun­drecht der Sicher­heit ein. Wir bekom­men mehr Rechte und beschw­eren uns auch noch darüber, wir undankbares Volk.

Es gibt da übri­gens noch so ein Super-Grun­drecht, fest ver­ankert im Grundge­setz:

(3) Die Geset­zge­bung ist an die ver­fas­sungsmäßige Ord­nung, die vol­lziehende Gewalt und die Recht­sprechung sind an Gesetz und Recht gebun­den.

(4) Gegen jeden, der es untern­immt, diese Ord­nung zu beseit­i­gen, haben alle Deutschen das Recht zum Wider­stand, wenn andere Abhil­fe nicht möglich ist.

Ich wäre dann jet­zt so weit.

Netzfundstücke
Trink ’ne Coke mit alles und scharf.

Apro­pos “bescheuerte Werbe­maß­nah­men”: Großes Auf­se­hen erregt zurzeit die merk­würdi­ge Wer­beak­tion “Trink ’ne Coke mit…”. Auf coke.de (bewusst nicht ver­linkt) kann man also einen beliebi­gen Namen eingeben und bekommt im Aus­tausch gegen ein paar Euro virtuellen Geldes eine Liefer­ung damit bedruck­ter Zucker­brause­flaschen und/oder (offen­bar) ‑Dosen. Einen beliebi­gen? So ein­fach will man es dem Stre­ich­fre­und nicht machen.

Dass Namen wie “Hitler”, “Ulrike Mein­hof”, “Mao Zedong” und “Goebbels” in manchen Schreib­weisen nicht erwün­scht (und damit möglich) sind, ist selb­sterk­lärend, auch “… mit dein­er Mud­der” funk­tion­iert nicht (im Gegen­satz übri­gens zu “dein­er Mut­ter” — damit fällt das Geschenk zum Mud­dertag wohl aus). Die nahe liegen­den Begriffe “Zuck­er”, “Säure” und “Gift” sind eben­so uner­wün­scht wie “Rat­ten”, Karies”, “Krebs” und “Syphilis”. Das ges­pan­nte Netz ist aber löchrig, wie es sich für ein gutes Netz gehört — mit “Salz”, “Trip­per”, “Läusen”, “Katzen”, “Schup­pen” und “Knoblauch” dürft ihr eure coke also gern bestellen.

Auch Konkur­renz fürchtet man: Mit Pep­si, Fritzko­la und Dr. Pep­per ist keine coke zu bestellen, jedoch mit den eige­nen Pro­duk­ten Sprite, Fan­ta und 7‑up (“Sev­en Up”). Zahlen sind nicht möglich, Twit­ter­nutzer müssen also auf ihre “Coke mit <3” verzicht­en. Offen­bar sind zumin­d­est Pro­duk­te erlaubt, für die es keine hau­seige­nen Alter­na­tiv­en gibt, etwa Sel­ters, Brokkoli, Sel­l­erie und Rosenkohl. Eine Coca-Cola-Alter­na­tive zu Bären­saft scheint es allerd­ings zu geben, denn auch “Coke mit Bären­saft” kann man nicht bestellen.

Eben­so ist es übri­gens nicht möglich, ’ne “Coke mit Min­er­al­wass­er” zu bestellen, denn bei ass schlägt der inte­gri­erte Wort­fil­ter wieder zu. Der ist aus irgendwelchen Grün­den öffentlich ver­füg­bar und bringt mir Wörter (etwa “falkial­ki” und “sloven”) und Namen (etwa Burkhard Gar­weg) bei, die ich bish­er noch nicht kan­nte und die mich tat­säch­lich zur Bil­dung durch Recherche ani­mierten. Doof halt, wenn ein poten­zieller Kunde so heißt.

Offen­bar dur­chaus nicht nur erwün­scht, son­dern aus­drück­lich emp­fohlen wer­den gram­matikalis­che Fehlschläge wie “… mit deinem Held” und “… mit deinem Prinz”, das belegt das Foto des Tages am 16. Juli 2013. Trink ’ne Coke mit Pein­lichkeit. Wahrschein­lich ist es unnötig zu erwäh­nen, dass auch das möglich ist.

Darauf einen Whiskey — ohne Coke. Kann ich näm­lich nicht bestellen.

(via herzmeis­ter der wel­ten)


In weit­eren Nachricht­en und apro­pos Twit­ter: Papst Franz sagt, wer ihm auf Twit­ter fol­gt, der wird von seinen Sün­den befre­it. Dafür mache ich nicht mein schönes Twit­ter schmutzig. Ich gebe nur zu bedenken, dass let­ztes Mal, als irgend­je­mand im großen Stil Ablass verkaufte, ein damit unzufrieden­er Mönch spon­tan die evan­ge­lis­che Kirche grün­dete. Nicht, dass mich per­sön­lich eine weit­ere christliche Split­terkirche stören würde!

Netzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Mit Bezahlschranken gegen Werbeeinnahmen

Als der Axel-Springer-Ver­lag (nicht mit dem weit weniger ekel­haften Springer-Ver­lag zu ver­wech­seln) einige Inhalte von BILD.de als “BILD­plus” kostenpflichtig zugänglich machte, war ich noch erle­ichtert darüber und frohlock­te, dass nun also BILD selb­st dazu beiträgt, dass die bre­ite Masse nicht ohne zusät­zliche Hür­den weit­er verblödet.

Andere Ver­lage ziehen nun aber nach:

Bis­lang hat man sich bei Zeit Online immer sehr zurück­hal­tend in Bezug auf zahlungspflichtige Online-Inhalte gegeben, nun ist es aber fix. (…) Derzeit seien bei Zeit Online die wichtig­ste Ein­nah­me­quelle die Wer­beer­löse, allerd­ings müsse man kün­ftig so viele Ein­nah­me­quellen wie möglich auf­machen, so Ess­er.

Eine Bezahlschranke vor ein­er Web­site bedeutet automa­tisch weniger Besuch­er, somit weniger Ein­nah­men durch einge­blendete Wer­bung. Es wer­den also mehr Ein­nah­me­quellen aufgemacht, damit weniger Leser mehr zahlen. Aha. — Anders gesagt: ZEIT ONLINE soll (wie schon BILD.de) zum Elitemedi­um wer­den, das nur noch denen voll­ständig offen ste­ht, die es sich leis­ten kön­nen.

Spreu und Weizen. Und damit sind nicht die Leser gemeint.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CLXXIII: Hierarchie als Feind der Demokratie

Ger­ade auch vor dem Hin­ter­grund der aktuellen poli­tis­chen Entwick­lun­gen sollte man sich gele­gentlich dann doch mal wieder fra­gen, worin eigentlich die Ursache sel­biger liegt.

flat­ter hat da eine Idee:

Das Elend aller autoritären Herrschaft, da tun sich Plu­tokratie, Faschis­mus und Staatssozial­is­mus gar nichts, ist die Hier­ar­chie, die Befehls­kette von oben nach unten. Eine demokratis­che Gesellschaft funk­tion­iert ander­sherum[.]

Dass Selb­stver­ständlichkeit­en sep­a­rat erwäh­nt wer­den müssen, lässt mich nicht vom Konzept des aufgek­lärten, mod­er­nen Bürg­ers überzeugt sein, fürchte ich.

In den Nachrichten
Kurz gefragt (2): Omid Nouripour!

Herr Nouripour, MdB im Auf­trag der Grü­nen,

wie Sie da Ihr Welt­bild via WELT ONLINE kon­se­quent vor­leben, ist sich­er vor­bildlich, aber ich hätte da ein paar Fra­gen:

Bushi­do ist ein Aufmerk­samkeitspar­a­sit. Das beste Mit­tel dage­gen ist: Ignori­eren!

Frage: Warum reden Sie dann darüber?

Irgend­wann wird dem let­zten Fan auf­fall­en, dass dieser Typ ein Glaub­würdigkeit­sprob­lems (sic! A.d.V.) hat.

Frage: Sie sind Poli­tik­er der “Grü­nen” (das waren die mit dem Krieg), richtig?

Ich war nie Oberli­ga, aber bess­er als Bushi­do kann ich bis heute noch rap­pen.

Frage: Sollte man Sie, Herr Nouripour, jet­zt eigentlich auch ignori­eren?

Nur so inter­esse­hal­ber jet­zt.

MusikNetzfundstücke
“Deine” Musik und meine Musik

Wenn ich in die Bib­lio­thek gehe und mir ein Buch auslei­he, das ich gegen eine geringe Gebühr lesen und kopieren, aber nicht im Orig­i­nal behal­ten darf, ist es dann mein Buch?

Wenn ich in die Videothek gehe und mir eine DVD auslei­he, die ich gegen eine geringe Gebühr lesen und kopieren, aber nicht im Orig­i­nal behal­ten darf, ist es dann meine DVD?

Wenn ich in eine Dis­cothek gehe und mir eine Plat­te anhöre, die von einem DJ gegen eine geringe Gebühr gespielt wird, ist es dann meine Plat­te?

Wenn ich auf Spo­ti­fy (“Deine Musik über­all”), WiMP (“… deine Musik immer dabei”) oder andere Musik­stream­ing­seit­en gehe und ein Lied abspiele, das ich gegen eine geringe Gebühr hören und kopieren, aber nicht im Orig­i­nal behal­ten darf, ist es dann meine Musik?

Schöne, neue, besit­zlose Welt.


Mal was anderes: Gestern hat­te @schwarzblond auf Twit­ter, Her­rn Urbach nicht unähn­lich, bekan­nt gegeben, sie werde aus der Piraten­partei aus­treten, sofern ein Mit­glied des Bun­desvor­stands nicht unverzüglich sein Lob für einen anderen Pirat­en, der sich ihrer Mei­n­ung nach falsch ver­hal­ten hat­te, zurück­nehme. Ich empfehle solchen Vor­fällen übri­gens stets mit Gle­ichgültigkeit zu begeg­nen. Wer seine Mit­glied­schaft in einem nahezu beliebi­gen Vere­in davon abhängig macht, ob ein anderes Mit­glied den eige­nen Wün­schen entspricht oder nicht, der ist in diesem Vere­in tat­säch­lich falsch und sollte nicht am Gehen gehin­dert wer­den. Gerücht­en zufolge ist Frau @schwarzblond übri­gens immer noch da.