In den NachrichtenFotografie
Hmm, Gift.

Aktuell bren­nt es in ein­er Lager­halle ein­er Fab­rik in Lud­wigshafen. (Auf Face­book gefällt das bere­its fast zwei­hun­dert Men­schen; ich nehme an, es han­delt sich über­wiegend um Mannheimer — Mannheim und Lud­wigshafen verbindet seit der Grün­dung der BASF eine innige Feind­schaft ähn­lich der von Köln und Düs­sel­dorf.)

Benach­barte Wohn­häuser wur­den evakuiert. Anwohn­er sollen Türen und Fen­ster geschlossen hal­ten sowie Kli­ma-Anla­gen auss­chal­ten. Die Feuer­wehren von Lud­wigshafen und Mannheim sind im Ein­satz.

Das heißt, der Rauch wird als nicht son­der­lich gesund­heits­fre­undlich bekan­nt gemacht.

Aber im schö­nen Lud­wigshafen passiert eben nie etwas Aufre­gen­des, und so schert man sich dann auch nicht um das biss­chen Gift:

Großbrand in Ludwigshafen

Charles Dar­win wäre bestürzt.

(mit Dank an S.!)

PersönlichesLyrik
Sie. (Fragment 7)

“Sag, warum bist du ver­schlossen, wenn du weißt, was du ver­misst?”
– EAV: Es tut weh und es tut gut (Bäng, Bäng)


… Er hat­te nie an Wun­der geglaubt, seit er sich zurück­erin­nern kon­nte.

Warum ger­ade jet­zt? Immer­hin hat­te er sich schon oft genug den Kopf gestoßen beim Ver­such, ihre Gun­st zu gewin­nen, und jedes Mal wartete er, bis die Wunde ver­heilt war, und nahm erneut Anlauf. Immer wieder jedoch hat­te er selb­st das Tor in ihr Herz ver­schlossen und kon­nte es doch nicht ver­hin­dern, dass Wider­sach­er den Moment nutzten. Ihm blieb nichts übrig als taten­los zuzuse­hen, wie andere das beka­men, was er sich am meis­ten wün­schte.

Und doch kamen sie immer wieder zusam­men, und das Spiel begann von neuem. Wie Katzen schlichen sie umeinan­der, stets wis­send, dass die Krallen nur ver­steckt sind; und er brachte sie oft dazu, ihre Krallen an ihm zu wet­zen. Und doch kon­nte und wollte er das niemals aufgeben. Er hat­te niemals für jeman­den so viel emp­fun­den, und obwohl er jedes Mal ver­suchte, seine Wun­den von anderen Katzen leck­en zu lassen, blieb sie die Kon­stante, der Ruhe­p­ol in seinem Leben.

Warum aus­gerech­net sie ihm so viel bedeute, wollte sie nicht nur ein­mal wis­sen. Er wusste es nicht. War es möglich, Gefüh­le zu erk­lären? — Er hat­te in seinem ganzen bish­eri­gen Leben erst zweimal jeman­dem seine Liebe ges­tanden. Eine dieser Jemande war längst fort, sie jedoch war auch Jahre später noch da. Sie hat­te ihn verza­ubert, seit er sie zum ersten Mal gese­hen hat­te. Zwar hat­te er sich lange geweigert, es sich einzugeste­hen, aber let­ztlich schien doch, gemessen an ihr, jede andere Frau in seinem Leben wie ein jäm­mer­lich­er und von Anfang an zum Scheit­ern verurteil­ter Ver­such, sie zu erset­zen. Das war ihm nie gelun­gen.

Sie hat­te ihm gewährt, worum er seit Jahren gefle­ht hat­te. Das Tor stand offen, vielle­icht zum let­zten Mal. Dies­mal schlug er es nicht zu, er schritt hin­durch; und wen­ngle­ich er sich jahre­lang immer wieder in Gedanken aus­ge­malt hat­te, dass ihm schon das Bewusst­sein, dass er wahrhaftig bei ihr sein kon­nte, den Atem nehmen würde, durch­lebte er die fol­gen­den Tage wie durch Nebel. Trotz­dem warf alles, was geschehen war, mehr Fra­gen auf als es beant­wortete. Wie in Trance hörte er sich selb­st “ich liebe dich” sagen, als sie Abschied voneinan­der nah­men. Sollte es nochmals Jahre dauern?

Müh­sam richtete er sich auf, tastete neben sich und spürte, dass er allein in seinem eige­nen Bett aufgewacht war. Der Traum, der seit Jahren wie ein Echo immer wieder in seinem Kopf wider­hallte, war vorüber. Oder fing er ger­ade erst an? Er wusste noch nicht, wohin dieser Weg führen würde, aber er war sich sich­er, er würde ihn niemals wieder ver­lassen. …


“Liebe, Liebe, Liebelei; mor­gen ist sie vielle­icht vor­bei.”
– Tony Hol­i­day: Tanze Sam­ba mit mir

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt CLXIX: Eine Frist für die Frist!

Google gefällt das:

Seit Monat­en dro­hen europäis­che Daten­schützer mit Sank­tio­nen — doch bish­er hat Google nichts an der Samm­lung sein­er Nutzer­dat­en verän­dert. Nun gibt es erneut eine Frist, das Super-Pro­fil an europäis­ches Recht anzu­passen.

“Und wenn’s wieder nicht klappt, dann eben mit der näch­sten.”
– Haus­marke: Mäd­chen No. 1

PolitikIn den Nachrichten
Stuttgart raus aus der EU!

Die öffentliche Mei­n­ung neigt nicht zur Beson­nen­heit. Als bekan­nt wurde, dass in Istan­bul — die Hin­ter­gründe set­ze ich ein­fach mal als bekan­nt voraus — Demon­stran­ten nicht mehr nur abgewehrt, son­dern aktiv ange­grif­f­en wur­den, formierten sich im Inter­net sofort virtuelle Sprechchöre: Die Türkei darf nicht in die EU rein, weil man so was näm­lich als EU-Land nicht macht, also auf Demon­stran­ten schießen und der­gle­ichen. Na gut, in Stuttgart ist das vielle­icht erlaubt, aber doch nicht in der EU! (Ich nehme an, ihr merkt selb­st, wo das Prob­lem liegt.)

Szenen­wech­sel. Vor fünf Jahren gab Clau­dia Roth in einem Inter­view bekan­nt: “Türkei ist für mich zweite Heimat. Ich mache seit zwanzig Jahren Türkeipoli­tik (…).” Und so ist es auch nur wenig erstaunlich, dass sich die Grüne auch in eher unruhi­gen Zeit­en in der Türkei aufhält (“[i]hr Gesicht ist Roth rot und geschwollen” — im Bun­destag kom­men­tiert das auch nie­mand) und hin­ter­her lamen­tiert:

“Das fühlt sich an, als würde man vergiftet”, berichtet Roth. “In einem großen Fest­saal in dem Hotel war eine Art Lazarett, da waren viele Ärzte und viele Ver­let­zte.” Es sei klar gewe­sen, dass es sich um eine Ambu­lanz han­dele. Den­noch habe die Polizei weit­er Trä­nen­gas ver­sprüht. “In ein­er Kriegssi­t­u­a­tion wäre das ein Kriegsver­brechen”, sagte Roth N24.

Ach, in der Türkei herrscht kein Krieg. Stimmt ja! Die Bun­deszen­trale für poli­tis­che Bil­dung definiert Krieg so:

Krieg beze­ich­net einen organ­isierten, mit Waf­fen gewalt­sam aus­ge­tra­ge­nen Kon­flikt zwis­chen Staat­en bzw. zwis­chen sozialen Grup­pen der Bevölkerung eines Staates (…).

Stimmt; ist kein Krieg, die Demon­stran­ten haben ja keine Waf­fen.

Und jet­zt stellt euch vor, Clau­dia Roth wäre Bun­desmin­is­terin. Beängsti­gend, nicht?

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CLXVII: Hauptsache, Fernsehen geht.

Man sollte meinen, in Griechen­land (das war das Land mit den Finanzprob­le­men aus den Nachricht­en, habt ihr vielle­icht mit­bekom­men) gäbe es ern­sthafte Prob­leme und Auf­stände. Und tat­säch­lich schwelt dort der Zorn der Wut­bürg­er und eskaliert gele­gentlich:

Die Wut war groß, jet­zt gibt Griechen­lands Regierungschef Sama­ras ein biss­chen nach. Der geschlossene Staatssender ERT soll zumin­d­est wieder Nachricht­en­pro­gramme senden.

Der Staat ist pleite, die Jugen­dar­beit­slosigkeit erre­icht unan­genehme Werte; aber Haupt­sache, die Glotze läuft. So muss das sein.

Und das eigentlich Erschreck­ende ist: Auch in Deutsch­land würde es nicht kom­plett anders ver­laufen. Gebt dem Pöbel bil­lige Unter­hal­tung und er wird schweigen. Die Welt ist reif, sie will gepflückt wer­den.

Fotografie
Ampelmann.

Ihr habt euch diese Woche noch nicht für das Tun ander­er Leute geschämt? Dann wird es Zeit.

Ein heißer Anwärter auf den Fremd­schäm­grund der Woche ist dieses possier­liche Ampelmän­nchen, das mir heute in einem großen Elek­tron­ikfach­markt auffiel:

Ampelmann

Der Text unten auf der Ver­pack­ung lautet “Inklu­sive Ampel­mann Song! Inklu­sive Ampel­mann Video!” — bei­des selb­stver­ständlich ohne Binde­strich.

Ampel­mann-Lied und ‑Video. Natür­lich.

In den NachrichtenNerdkrams
“Und plötzlich merkt ihr, dass man sich an einem Messer ja verletzen kann.”

Vielle­icht hätte man es ja wis­sen kön­nen. Schon 2011 erkan­nten auch eher langsame Medi­en wie SPIEGEL ONLINE, dass Richard Stall­man Recht hat, wenn er schreibt, dass die cloud vor allem Enteig­nung bedeutet.

Wer seine Dat­en, wie öffentlich und belan­g­los sie auch sein mögen, auf einen frem­den Serv­er hochlädt, der gibt damit die Herrschaft über diese Dat­en ab. Wie kann ein Nutzer der cloud prüfen, was der Server­be­treiber mit den Dat­en anstellt? Aber es ist doch so prak­tisch, sein dig­i­tales Leben auf Google und Face­book — nicht nur bei frem­den Anbi­etern, son­dern auch in einem frem­den Land — zu verteilen, man hat ja nichts zu ver­ber­gen.

Und trotz­dem muss erst PRISM, ein Überwachungsszenario, das von Geheim­di­en­sten schon seit Jahren — von der Öffentlichkeit nicht weit­er zur Ken­nt­nis genom­men und für Hirnge­spin­ste von Aluhüten, also Daten­schützern, gehal­ten — auch im Inland prak­tiziert wird, daherkom­men, bis deutsche Blog­ger aus allen Wolken (eben aus der cloud) fall­en:

Lange war sich die Net­zwirtschaft einig: Dat­en und Rechen­prozesse sind in der Cloud am besten aufge­hoben. Doch im Lichte der US-Inter­netüberwachung erscheint das Konzept plöt­zlich wie eine ziem­lich dumme Idee.

Was die Wirtschaft sagt, wird schon stim­men. Natür­lich kann man es auch über­leben, wenn man rus­sis­ches Roulette spielt. Dass erst jemand auf die eine Kugel im Lauf hin­weisen muss, bevor die Mit­spiel­er merken, dass da irgen­det­was gefährlich sein kön­nte, ist allerd­ings ein biss­chen beden­klich. Wie unfass­bar naiv seid ihr eigentlich, ihr Mar­tin Weigerts und ihr Net­zwirtschaftler dieses Lan­des, dass ihr glaubt, der lächel­nde Mann im Anzug mit dem Geld­kof­fer, dem ihr zufäl­lig an der Bushal­testelle begeg­net, sei ver­trauenswürdig genug, dass ihr ihm eure Pass­wörter und euer Leben anver­trauen kön­nt, falls ihr bei­des mal ver­loren haben soll­tet?

Ihr werdet euch noch wün­schen, wir wären para­noid gewe­sen.

Netzfundstücke
Kurz verlinkt CLXVI: “Warum haben Sie sich dafür entschieden, Ausländer zu sein?”

Supi-Fragestel­lung übri­gens, “Deutsch­land­s­tiftung Inte­gra­tion”, die ihr da habt, wenn sich jemand bei euch für euer Stipen­di­en­pro­gramm “Geh’ deinen Weg” bewer­ben möchte:

Erzählen Sie uns bitte kurz (150 Wörter), warum Sie einen Migra­tionsh­in­ter­grund haben.

“Na ja, ich wurde im Aus­land geboren und meine Fam­i­lie auch” scheint als Anforderung nicht zu genü­gen. Vielle­icht wird eine Antwort wie diese, diese, diese oder diese erwartet.

Ich habe einen Migra­tionsh­in­ter­grund, weil ich mir das so aus­ge­sucht habe. Er macht mich exo­tisch und somit inter­es­sant für Arbeit­ge­ber.

rotfl

(via @KatiKuersch)

Fotografie
“Was für ein Theater!”

Die The­ater­schaus­piel­er in der nieder­säch­sis­chen Qua­si­metro­pole Wolfen­büt­tel haben ihren Wil­helm Tell genau studiert: Selb­stver­ständlich ver­sucht die Titelfig­ur in der Schlüs­sel­szene seinem Sohn einen Apfel in den Kopf zu schießen.

Was für ein Theater!

Klas­sis­che Schul­bil­dung braucht eben auch nie­mand mehr.

Montagsmusik
Ian Anderson — Locomotive Breath

Natür­lich kön­nte das Leben auch ein­fach mal so funk­tion­ieren, wie man sich das vorgestellt hat. Ein Haus mit Garten und Frau und ein­skom­manochwas Kindern wäre vielle­icht zu viel des Guten, so weit wollen wir ja dann auch nicht gehen, aber dieses große Stopp­schild da gefällt schon ästhetisch nicht.

Das Wort “Weltschmerz” ist ein deutsch­er Exportschlager, und es nähme mich nicht Wun­der, würde man uns darum auch noch benei­den. Ziegen­mist.

Ian Ander­son. Loco­mo­tive Breath live in Mála­ga 08.02.2013 HD 1080

Old Char­lie stole the han­dle,
and the train, it won’t stop going,
no way to slow down

Mor­gen.

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt CLXV: Steuergelder bei der Arbeit

Offen­sichtlich genügt es der F.D.P. nicht mehr, im Kampf gegen Steuer­erhöhun­gen auf bloße Worte zu set­zen. Jet­zt müssen Tat­en her:

In weni­gen Tagen läuft in den Kinos der deutschen Lan­deshaupt­städte ein Spot der FDP-Frak­tion an. Die Lib­eralen wollen darin ihre poli­tis­chen Errun­gen­schaften loben. Das Geld für den Spot stammt nach Infor­ma­tio­nen des SPIEGEL aus öffentlichen Kassen.

Seht ihr, ohne Steuer­erhöhun­gen wird es so etwas bald nicht mehr geben!