PolitikSonstigesNetzfundstückeIn den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 4. März 2016

Das Recht auf Waf­fen­be­sitz sei ein essen­zi­el­ler Bestand­teil der Frei­heit jedes US-Ame­ri­ka­ners, heißt es aus ein­schlä­gi­gen Krei­sen. Ich ver­tre­te ja schon seit län­ge­rer Zeit die Mei­nung, dass Waf­fen­be­sitz Doof­heit gleich­zei­tig vor­aus­setzt und för­dert. Beweis­stück G:

Ein Mann aus dem US-Bun­des­staat Washing­ton woll­te ein paar Fotos mit Waf­fe von sich machen. Beim letz­ten Sel­fie schoss er sich ver­se­hent­lich in den Kopf.

Mit etwas mehr Bil­dung wäre das viel­leicht nicht pas­siert; oder mit mehr Schlaf:

Ein 16-Jäh­ri­ger hat im US-Bun­des­staat Ten­nes­see mehr­fach auf sei­ne Fami­lie geschos­sen, als er von sei­ner Mut­ter geweckt wur­de. Der Grund: Er war sau­er, weil er nicht auf­ste­hen und in die Schu­le gehen woll­te.

:irre:

(unter ande­rem via Schwerdt­fe­gr)


Ihr habt eine Voll­mei­se und wollt sie euch ver­sil­bern las­sen, aber die Gen­der-Stu­dies-Stu­di­en­gän­ge sind lei­der schon voll? Kei­ne Panik – es gibt nun auch einen Bache­lor­stu­di­en­gang für vega­ne Ernäh­rung mit­samt dazu pas­sen­der Stif­tungs­pro­fes­sur, damit aus euch doch noch was wer­den kann.


Zur Cau­sa Vol­ker Beck – nach­dem selbst Hanf­pflan­zen­be­sit­zer Cem Özd­emir des­sen Dro­gen­kon­sum als eines Grü­nen unwür­dig beschrieb, was nach der Pädo­phi­lie­ge­schich­te zumin­dest eine ziem­lich nied­ri­ge Mess­lat­te ist – sei allen­falls noch die „taz“ in fal­schem Kon­text zitiert: Wo die Grü­nen regie­ren, ist es mit ihrer Moral nicht weit her.


Wenn es doch nur eine Scha­le für das Inne­re von Oran­gen gäbe! (All­er­gi­ker­war­nung: Ver­weis geht zu Goog­le+.)

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Ter­mi­nal Func­tion – Mea­su­ring the Abstract

Terminal Function - Measuring the AbstractWie geil ist das denn?

Aus Grün­den, die für mich selbst gera­de nicht offen­sicht­lich sind, fand ich auf mei­nem digi­ta­len Musik­wühl­tisch kürz­lich das Album „Mea­su­ring the Abstract“ einer Band namens Ter­mi­nal Func­tion. Das klingt jetzt nach Elek­tro­kä­se, es ist aber – ja, was eigent­lich?

Fest steht zumin­dest, dass es sich um fünf Her­ren aus Schwe­den han­delt, deren aktu­el­les Album „Clock­work Sky“ 2015 ver­öf­fent­licht wur­de und das auf Amazon.de mit­un­ter von Leu­ten gekauft wird, die auch die Band Ani­mals as Lea­ders schät­zen, was nicht nur musi­ka­lisch eine span­nen­de Refe­renz ist. „Mea­su­ring the Abstract“ ist aller­dings das Debüt­al­bum, 2008 ver­öf­fent­licht, und ich mag es.

Das Dar­ge­bo­te­ne erin­nert an Bands wie Tes­ser­acT und Mes­hug­gah, laut Eigen­be­schrei­bung – dort gibt es das Album übri­gens als Kom­plett­stream – waren aber auch Dream Thea­ter ein Vor­bild. Die Plat­ten­fir­ma eti­ket­tiert flei­ßig mit Pseu­do­gen­res wie „Extre­me Bru­tal Death Metal“, und hört man nicht so genau hin, wenn Front­mann Vic­tor Lars­son hei­ser gegen das wah­re Instru­men­tal­ge­wit­ter anschreit, dann mag man das für tref­fend hal­ten; ich selbst wür­de aber selbst dann Psy­che­de­lic-Math­co­re-Postdjent bevor­zu­gen, denn das hier ist mehr, weit mehr als nur Brül­len, Grunz und Röcheln.

In den acht Stücken, die zwi­schen 1 und 7 Minu­ten lang sind, gibt es mehr Takt- und Stim­mungs­wech­sel als in der Poli­tik der F.D.P.; über­haupt: immer wie­der Mes­hug­gah (gleich­falls aus Schwe­den; alter Schwe­de!). Hier wird nicht nur gebret­tert, hier bleibt auch Platz für ein wenig Chor­ge­sang:

Ter­mi­nal Func­tion – Room 101

Ein Album zum Abhot­ten. (Sagt man das noch, „abhot­ten“?)

Yeah, sozu­sa­gen.

PolitikMir wird geschlecht
Was du wis­sen soll­test, so lan­ge du das Gesetz nicht kennst

(Vor­be­mer­kung: Ich hat­te fol­gen­de Kri­tik zuvor bereits auf ande­rem Weg ange­bracht, lei­der blieb sie unbe­ant­wor­tet. Ich gehe also von Vor­satz aus.)

Da wir gera­de bei Par­tei­en waren: Im Janu­ar 2016 wit­zel­te Katha­ri­na Nocun, noch vor nicht all­zu lan­ger Zeit Reprä­sen­tan­tin der Pira­ten­par­tei Deutsch­land, seit­dem aber in doch reich­lich schrä­ge Krei­se („Cam­pact“) gera­ten, unter der Über­schrift „Was Du wis­sen soll­test, bevor Du die AfD wählst“ und der Prä­mis­se, dass „oft argu­men­tiert“ wer­de, Kri­tik an der AfD wer­de „durch die ‚Lügen­pres­se‘ gesteu­ert“ (ebd.), gestützt von gro­ßem media­lem Bei­fall (u.a. Huf­fing­ton Post) neben eini­gen zwei­fel­los rich­ti­gen Beob­ach­tun­gen zum Kon­ser­va­ti­vis­mus der anson­sten besten­falls tra­gi­ko­mi­schen baden-würt­tem­ber­gi­schen „Alter­na­ti­ve für Deutsch­land“ auch über deren ver­meint­li­che Para­noia, dass männ­li­che Bewer­ber auf eine Stel­le als Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te (sic!) auf­grund ihres Geschlech­tes dis­kri­mi­niert wür­den.

Ein Blick ins Gesetz – die Pira­ten­par­tei rät seit jeher zum Selbst­nach­schla­gen – hät­te viel­leicht Schlim­me­res ver­hin­dert: § 4,2 des dor­ti­gen Lan­des­hoch­schul­ge­set­zes schreibt vor, dass die (sic!) Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te nebst Stell­ver­tre­te­rin­nen „aus dem Kreis des an der Hoch­schu­le haupt­be­ruf­lich täti­gen“, Obacht!, „weib­li­chen wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nals“ zu stam­men habe.

Im para­noia­re­si­sten­ten Nord­rhein-West­fa­len, des­sen Hoch­schul- (§ 24 HG) und Lan­des­gleich­stel­lungs­ge­setz (§ 15,3 LGG) ähn­li­che Vor­schrif­ten beinhal­ten, wird der Land­tag über­mor­gen einen Antrag der offen­sicht­lich para­no­iden F.D.P.-Fraktion behan­deln, der zum Ziel hat, die lan­des­wei­ten Richt­li­ni­en den bestehen­den gesell­schaft­li­chen Struk­tu­ren anzu­pas­sen und die Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau statt die blo­ße Gleich­stel­lung der Frau zur Maxi­me zu machen. Hof­fent­lich wer­den Psych­ia­ter anwe­send sein.

Ohne Lügen­pres­se­aus­weis geh ich Kar­ne­val nicht aus dem Haus.
@kattascha

In den NachrichtenWirtschaft
Fach­kräf­te­be­zah­lungs­man­gel

Auf WELT.de (möch­te auf­grund des Lei­stungs­schutz­rechts hier nicht ver­linkt wer­den) ist seit heu­te neben aller­lei wei­te­ren Geschich­ten auch die­se zu lesen:

Deutsch­land ist immer stär­ker auf Zuwan­de­rer ange­wie­sen, um sei­ne wach­sen­de Fach­kräf­te­lücke zu schlie­ßen. (…) Dies zeigt eine Stu­die des arbeit­ge­ber­na­hen Insti­tuts der deut­schen Wirt­schaft (IW). IW-Direk­tor Micha­el Hüt­her for­dert des­halb ein Punk­te­sy­stem nach kana­di­schem Vor­bild, damit gut qua­li­fi­zier­te Arbeits­mi­gran­ten unbü­ro­kra­ti­scher als bis­her nach Deutsch­land kom­men kön­nen.

Dabei liegt im Inter­es­se der deut­schen Wirt­schaft (lies: von Arbeit­ge­bern) oft pri­mär die Gewinn­ma­xi­mie­rung: „Hun­dert­tau­sen­de Aka­de­mi­ker arbei­ten zu Nied­rig­löh­nen“ („WELT am Sonn­tag“, 2014). Gut aus­ge­bil­de­te ein­hei­mi­sche Fach­kräf­te sind sich ihres Wer­tes auf dem Arbeits­markt oft bewusst und sind nicht bereit, sich unter Wert zu ver­kau­fen.

Ist ja alles nicht so schlimm: Arbeits­lo­sen­zahl steigt im Janu­ar weni­ger als üblich, irgend­wann ist halt jeder Markt mal gesät­tigt; „danach gab es zum Jah­res­be­ginn so vie­le freie Stel­len wie nie zuvor“ (aus dem glei­chen Arti­kel), was merk­wür­dig anmu­tet, bedenkt man, dass es für immer mehr freie Stel­len auch immer mehr Ent­las­sun­gen zu geben scheint.

Oder Men­schen, die gar nicht erst ein­ge­stellt wer­den. Es gab laut „taz“ vor einem Jahr etwa 2,4 Pro­zent arbeits­lo­se Aka­de­mi­ker in Deutsch­land, bereits berei­nigt um die Zahl derer, die Prak­ti­ka, Volon­ta­ria­te und ähn­li­che Umwe­ge beschrei­ten, um nicht auf der Stra­ße zu sit­zen. Dabei tra­ge der ach so sozia­le Min­dest­lohn nicht unbe­dingt zu einer Bes­se­rung bei:

[E]in Absol­vent darf ab 2015 nur noch unter bestimm­ten Bedin­gun­gen ein Prak­ti­kum absol­vie­ren, näm­lich dann, wenn es der berufs­qua­li­fi­zie­ren­den Wei­ter­bil­dung dient, die bis dahin noch nicht abge­schlos­sen sein darf.

Und so kommt es, dass ich einen Anruf einer renom­mier­ten Tages­zei­tung aus dem hes­si­schen Raum erhal­te, die mir ver­si­chern, mein Fall sei ein­ge­hend bera­ten wor­den, aber man müs­se mir mit­tei­len, mein Prak­ti­kums­ver­trag, abge­schlos­sen für 2015, wer­de auf­ge­löst.

Der hie­si­ge Arbeits­markt lei­det nicht unter einem „Fach­kräf­te­man­gel“, der sich nur mit oft schlecht aus­ge­bil­de­ten, aber dafür gün­sti­gen aus­län­di­schen Arbei­tern mil­dern lie­ße. Er lei­det an wirt­schaft­li­chen Erwä­gun­gen (lies: am Geiz) derer, die ihn bekla­gen.

Und, wie immer, an der SPD.

PolitikIn den NachrichtenPiratenparteiMontagsmusik
Jane Get­ter Pre­mo­ni­ti­on – Sur­pri­sed // Tor­ten­po­li­ti­ker

Alles schläft, Eulchen wachtHur­ra, ein Schalt­mon­tag! Nichts, was wir heu­te tun, wird Kon­se­quen­zen haben; um so wich­ti­ger ist es, den Tag so zu begin­nen, wie es kaum rich­ti­ger sein könn­te, satt und zu zweit näm­lich. Roman­tisch und doof wie Käuz­chen und Mond.

Selbst­ver­liebt­heit über­las­sen wir also getrost denen, die sie ver­die­nen. Donald Trump zum Bei­spiel gehe es – huch! – nur um Donald Trump, lässt Mar­tin Klingst Leser von „ZEIT ONLINE“ wis­sen, schreibt aber lei­der nicht dran, was trotz des Über­an­ge­bots an medi­al ver­wert­ba­rer hei­ßer Luft, die offen­sicht­lich raus muss, einen Nicht-US-Ame­ri­ka­ner außer blo­ßer Lust am Non­sens eigent­lich an die­ser Wahl inter­es­sie­ren soll­te. Als hät­te das Inland nicht genug Ärger!

Ande­rer­seits ist die Kin­di­sie­rung der Poli­tik auch hier ein Pro­blem: Bea­trix von Storch mit einer Tor­te bewor­fen, haha, „getor­tet“, roflol, sozu­sa­gen; das Netz sitzt des­we­gen seit gestern im Stuhl­kreis und klatscht jauch­zend, denn so etwas ist gut für den poli­ti­schen Dis­kurs: Die Frau wähl‘ ich nicht, die hat Tor­te im Gesicht. Hat die nicht auch irgend­was mit Aus­län­dern gesagt? Haha, Tor­te! Die Pira­ten­par­tei als ein­sti­ges Sinn­bild des poli­ti­schen Hedo­nis­mus hat ihre Tor­tig­keit der­weil vor­über­ge­hend aus­ge­setzt und das sei, so heißt es aus ihren Rei­hen, wahl­wei­se schlecht oder gut für sie. Viel­leicht lässt sich das mit einer Kuchen­schlacht bei­le­gen.

Was wir nun aber erst ein­mal bei­le­gen, ist die Erin­ne­rung dar­an, dass das Wochen­en­de vor­über ist. Den­ken wir an etwas Schö­nes, den­ken wir an Musik.

Jane Get­ter Pre­mo­ni­ti­on fea­turing Corey Glover „Sur­pri­sed“ Live at the Iri­di­um

Guten Mor­gen.

MusikIn den Nachrichten
Zur Ein­wei­hung von Möbel­häu­sern braucht man kein Abitur

Die­je­ni­gen, die, wie ich, aus Medi­en­kom­pe­tenz­grün­den Fern­seh­groß­ereig­nis­se samt und son­ders zu mei­den pfle­gen und des­we­gen sel­ten recht­zei­tig zur Stel­le sind, um deren Abstim­mun­gen über­haupt mit­zu­be­kom­men, sei­en an die­ser Stel­le gewarnt: In – rela­tiv zum gemach­ten Auf­he­bens – weni­gen Wochen wird die „deut­sche Björk“ („STERN“), ein der­zeit noch sieb­zehn­jäh­ri­ges Aller­welts­mäd­chen mit einem furcht­ba­ren Vor­na­men, von dem die „Han­no­ver­sche All­ge­mei­ne Zei­tung“ noch im Dezem­ber 2015 annahm, es wür­de auf eine Teil­nah­me an dem Wett­streit ver­zich­ten, nach einem Ach­tungs­er­folg in der eben­so über­flüs­si­gen Fremd­scham­s­en­dung „The Voice of Ger­ma­ny“ in Stock­holm mit, wie es sich für Ger­ma­ny eben so gehört, wei­te­rem eng­lisch­spra­chi­gem Dudel­pop ver­su­chen, anläss­lich des dies­jäh­ri­gen schreck­lich bedeut­sa­men „Euro­vi­si­on Song Con­tests“ Deutsch­land wie­der ein­mal zu einer Sie­ger­na­ti­on zu machen.

Inwie­fern „ganz Deutsch­land“ sich dar­über nun freu­en soll­te oder nicht, möch­te ich hier eigent­lich nicht wei­ter dis­ku­tie­ren, weil ich mich wohl nur wie­der­hol­te; allein sah ich heu­te im loka­len Quatsch­blatt ein para­phra­sier­tes Gespräch mit dem Lei­ter der Schu­le der desi­gnier­ten Ent­täu­schen­den, denn natür­lich ist ein sol­cher Schul­lei­ter gera­de­zu als Kory­phäe zu begrei­fen, wenn man etwas über eine Per­son her­aus­fin­den möch­te, der also brav sol­ches sprach:

[Sie] kön­ne sel­ber ent­schei­den, ob sie sich wei­ter­hin beur­lau­ben las­sen wol­le, sag­te der Schul­lei­ter. Alter­na­tiv kön­ne sie, wann immer mög­lich, im Unter­richt erschei­nen und ver­su­chen, das Abitur zu bestehen.

Natür­lich gibt es Gegen­bei­spie­le, der Front­mann von Scoo­ter etwa – die Kir­schen sind nicht wich­tig – hat­te einst sogar ein Stu­di­um begon­nen. Aber was genau neh­men oft ganz gut aus­ge­bil­de­te Flücht­lin­ge die­sem Land eigent­lich weg?

In den NachrichtenComputer
Dif­fe­ren­zier­te Reak­tio­nen

2014:

Bei Face­book haben auch Nut­zer aus Deutsch­land nun 60 Mög­lich­kei­ten, Anga­ben zu ihrem Geschlecht zu machen – zum Bei­spiel „geschlechts­los“, „inter­se­xu­ell“ oder „gen­der­que­er“. (…) „Für vie­le ist es extrem wich­tig, ihre Iden­ti­tät dar­zu­stel­len“, erklärt Face­book-Spre­che­rin Tina Kulow die neue Funk­ti­on in einem „Welt“-Interview.

2016:

Ab sofort kön­nen [Face­book-]User nicht nur ihre Zustim­mung, son­dern auch Zunei­gung, Erstau­nen, Belu­sti­gung, Trau­er oder Wut zu den Posts ihrer Freun­de per Maus­klick aus­drücken.

Denn wer hat schon mehr als sechs Emo­tio­nen?

In den NachrichtenComputer
Hacker, Cracker, Bau­ern­fän­ger: Mein Freund, der Baum.

Eine schnel­le Recher­che in mei­nen eige­nen Archi­ven ergab, dass ich bereits 2010 den „Bun­des­tro­ja­ner“ für unpri­ma hielt; der dann aber auch bald ver­schwand, was mich seit­dem immer wie­der rhe­to­risch fra­gen ließ, was eigent­lich die für ihn Ver­ant­wort­li­chen heu­te machen.

Inzwi­schen weiß ich es: Er ist wie­der da, und wie durch einen merk­wür­di­gen Zufall erschien gleich­zei­tig auch Ger­hart Baum (F.D.P.; fragt mal eure Eltern) wie­der im kol­lek­ti­ven Bewusst­sein, um sei­ne Mei­nung dazu kund­zu­tun:

Der Staat wird ja hier zum Hacker. Das ist das Pro­blem.

Das „Pro­blem“ sehe ich per­sön­lich nicht dar­in, dass der Staat „zum Hacker“ wird. Hacker tun nie­man­dem etwas, Hacker geben sich mit Fer­tig­soft­ware auch eher ungern ab. Hacker gehen krea­tiv mit Tech­nik um, um der Gesell­schaft im Best­fall nütz­lich zu sein. Ein Staat, der aus alten Pan­zern digi­tal beleucht­ba­re Whis­key­re­ga­le zim­mer­te, wäre ein Staat, der zum „Hacker“ wird. Ein Staat, der Tro­ja­ner ein­setzt, wie es zu mei­ner Zeit pick­li­ge Fünf­zehn­jäh­ri­ge getan haben, um damit aus blo­ßer Freu­de am Destruk­ti­ven Scha­den anzu­rich­ten, ist wie auch jeder ande­re Staat, der irgend­wel­che Vor­keh­run­gen trifft, um zu ver­hin­dern, dass sei­ne Ein­woh­ner Geheim­nis­se vor ihm zu haben ver­su­chen, kein Hacker, son­dern ein Unrechts­staat.

Hacker sind die­je­ni­gen Men­schen, an denen es nun ist, ihrer­seits Abwehr­maß­nah­men zu ent­wickeln.

Wei­ter im Text:

Hat er eine eige­ne Hacker-Tech­no­lo­gie, oder kauft er sie von Kri­mi­nel­len, um Sicher­heits­lücken aus­zu­nut­zen, oder for­dert er sogar Unter­neh­men auf, wie jetzt Apple unter Druck ist, die­se Hin­ter­tü­ren zu offen­ba­ren, die dann aller­dings nicht nur dem Staat offen ste­hen, son­dern auch ande­ren, zum Bei­spiel Kri­mi­nel­len.

Oh, so eine (vor­aus­ge­setzt: funk­ti­ons­tüch­ti­ge) Über­wa­chungs­soft­ware ermög­licht es auch „zum Bei­spiel“ Kri­mi­nel­len, mein Recht auf Daten­schutz und Pri­vat­sphä­re zu miss­ach­ten? Jetzt mal rein aus Jux: Wem denn sonst?

Wer nun annimmt, dass Ger­hart Baum eigent­lich gar nicht ver­stan­den hat, was so ein Tro­ja­ner mit Bür­ger­rech­ten zu tun hat: Doch, das hat er. Er gibt sogar einen guten Rat­schlag:

Ich möch­te genau wis­sen, dass mit die­sem Tro­ja­ner kein Miss­brauch getrie­ben wer­den kann, und das ist mein Grund­recht auf Gewähr­lei­stung und Ver­trau­lich­keit der Inte­gri­tät infor­ma­ti­ons­tech­ni­scher Syste­me. (…) Ich, der Bür­ger, muss mich dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass die Tech­nik ein­wand­frei funk­tio­niert und nicht gegen mich arbei­tet.

Will hei­ßen: Ger­hart Baum als Bür­ger möch­te von einer Soft­ware, die ein­zig dem Zweck dient, sei­ne Grund­rech­te ein­zu­schrän­ken, die Sicher­heit haben, dass sie nicht gegen ihn arbei­tet.

Den Herrn soll­te man tun­lichst genau im Auge behal­ten, wie mir scheint.

In den NachrichtenMontagsmusikComputerMir wird geschlechtPolitik
Jet­h­ro Tull – Bou­rée

MontagskauzMon­tag. Nein, Moment: Mon­tag! Welch famo­ser Kon­trast ein ver­reg­ne­ter Mon­tag doch ist, wenn man das Wochen­en­de statt­des­sen zu zweit ver­brach­te! Die­ses Unter­an­ge­bot an Sonn­ta­gen, übri­gens, gilt es vom frei­en Markt bald­mög­lichst zu kor­ri­gie­ren.

Apro­pos Sonn­tag: Auf dem Bun­des­par­tei­tag der Pira­ten­par­tei Deutsch­land, der gestern ende­te, hat­te ein Orga­ni­sa­tor der AG Sin­gle­Malt einen Antrag ein­ge­reicht, der prompt ange­nom­men wur­de: Die Par­tei­pro­gram­me sol­len künf­tig geschlech­ter­sen­si­ble Spra­che berück­sich­ti­gen. Scha­de, dass der gute Ruf von Whis­key dar­un­ter lei­den muss, denn nüch­tern kommt hof­fent­lich nie­mand auf so eine beknack­te Idee. Und die Netz­po­li­tik? Nun ja: Über 5.000 Men­schen in Deutsch­land sind stünd­lich so doof, dass sie alles anklicken, was wie eine Datei aus­sieht. „hei­se online“ rät zu mehr Sicher­heits­up­dates, ich rate unver­än­dert zu einem Pflicht­füh­rer­schein für das Inter­net.

Kei­ne Sor­ge, es gibt Schüss­ler­sal­ze gegen Leicht­gläu­big­keit. Wenn es schon ander­wei­tig an Sicher­heits­maß­nah­men gegen Idio­tie man­gelt: Jeb Bush, weder klü­ge­rer noch talen­tier­te­rer ehe­mals poten­zi­el­ler Nach­fol­ger des Nach­fol­gers von Geor­ge W. Bush, twit­ter­te vor nicht all­zu lan­ger Zeit ein Sym­bol­bild für Ame­ri­ka, nament­lich eine Waf­fe mit sei­nem Namen dar­auf, denn wenn so ein Ame­ri­ka­ner etwas wäh­len kann, was tötet, dann macht er das auch, wes­halb die dor­ti­ge „Cos­mo­po­li­tan“ ihren Lese­rin­nen nicht etwa dazu rät, von Waf­fen­trä­gern fern­zu­blei­ben, son­dern sich nur auf sol­che ein­zu­las­sen, die einen Waf­fen­schein besit­zen. Die meu­cheln nicht, die wol­len nur spie­len.

Die deut­sche „JOY“ indes – die mit Emma Wat­son vor­ne drauf – stellt fest: „Fell-Kla­mot­ten machen Män­ner ver­rückt!“ (Sei­te 52). Ob ich mich über eine Frau mit Plüsch­pan­tof­feln nicht eher köst­lich amü­sier­te als dadurch ver­rückt zu wer­den, möch­te ich nicht klar beur­tei­len kön­nen, beschrän­ke mich somit auf die Fest­stel­lung, dass ich Infor­ma­tio­nen über die Män­ner total stier („kann je nach Kon­text ent­we­der super­gut oder super­blö­de bedeu­ten“, Sei­te 49) fin­de.

Eben­falls total stier: Jet­h­ro Tull.

Jet­h­ro Tull – Bou­rée, TV Broad­cast 1999 HD

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Kula Shaker – K 2.0

Kula Shaker - K 2.0Ein Jahr kann anschei­nend gar nicht so jung sein, dass es nicht schon musi­ka­lisch zu begei­stern wüss­te. Nach dem etwas mau­en Anfang des Jah­res 2016 mit dem schnarch­lang­wei­li­gen Ster­nen­al­bum des gro­tes­ken Pop­stars David Bowie kommt aktu­ell aus, immer­hin, Groß­bri­tan­ni­en etwas Abwechs­lung ins Heim, nament­lich das neue Album „K 2.0“ des Quar­tetts Kula Shaker.

Man möge sich nicht täu­schen las­sen: Die angeb­li­che Magie des Buch­sta­ben „K“, die die Band­ge­schich­te seit der frü­hen Umbe­nen­nung in „The Kays“ beglei­tet, mag in die­sen Titel ein­ge­flos­sen sein, eine blo­ße Fort­set­zung oder gar Neu­ein­spie­lung des nun­mehr zwan­zig­jäh­ri­gen Debüt­al­bums „K“ aber ist hier nicht erfolgt. Das wäre auch zu ein­fach. Alte Stär­ken aber blei­ben bestehen.

Mit „Infi­ni­te Sun“ eröff­nen indi­sche Klän­ge wie einst bei den Beat­les das Album, ein Chor singt india­ni­sche Wei­sen und neu­heid­ni­sches Lied­gut: We are one in the infi­ni­te sun / fly like an eagle // She chan­ges ever­ything she tou­ch­es / and ever­ything she tou­ch­es chan­ges. Eso­te­risch? Nein. Abge­dreht? Natür­lich!

Die Beat­les, apro­pos, sind hier ohne­hin all­ge­gen­wär­tig, viel­leicht auch, weil Cris­pian Mills mit­un­ter gesang­lich nicht all­zu weit von John Len­non ent­fernt ist. Von Ein­tö­nig­keit aus­zu­ge­hen täte Kula Shaker trotz­dem Unrecht: Auf „K 2.0“ ste­hen Psy­che­de­lic Rock („Infi­ni­te Sun“), Funk­rock („Get Right Get Rea­dy“), Coun­try („Death Of Demo­cra­cy“, trotz­dem ganz in Ord­nung) und der bei­na­he unver­meid­li­che Brit­pop („Moun­tain Lif­ter“) har­mo­nisch neben­ein­an­der wie sonst nur weni­ges.

Kula Shaker – Infi­ni­te Sun

Jetzt bloß nicht nach­las­sen, 2016.

In den NachrichtenMontagsmusik
Mase­r­a­ti – Mono­liths

Nicht im Bild: KäuzchenWelch ein Mon­tag, welch ein Fest. Valen­tin hieß Karl und mehr möch­te man nicht wis­sen müs­sen. Zu zweit ist Tri­stesse fast aus­zu­hal­ten und Ver­liebt­heit sowie­so.

Das Fern­se­hen aber nur schwer­lich. Laut den Nach­rich­ten, die ja gele­gent­lich ihre eige­ne Meta­ebe­ne bil­den, dis­ku­tier­ten kürz­lich diver­se Berufs­schwät­zer bei einer Frau Anne Will – von mei­nen Gebühren!!1 – eben­dort über die Fra­ge, ob Groß­mäch­te mora­lisch han­del­ten. Ganz schön viel Sen­de­zeit für ein ein­fa­ches „Nö, lol“. Ande­rer­seits scheint anläss­lich der dor­ti­gen Kämp­fe zwi­schen Sym­pa­thi­san­ten der Leu­te mit pri­ma Bom­ben („dem Westen“) und Sym­pa­thi­san­ten der Leu­te mit weni­ger pri­ma Bom­ben („den Rus­sen“) manch­mal nicht völ­lig klar, wer nun eigent­lich für das Gute demon­striert.

Frü­her hat­te das, was man­cher unter einer Demon­stra­ti­on ver­ste­hen mag, wenig­stens noch einen klang­vol­len Namen, heu­te heißt eine sol­che, wie jüngst in Augs­burg, zum Bei­spiel Amo­re statt Peng Peng. Glotz glotz, nix kapier. Sack­hüp­fen gegen Rechts. Soll­te sich bis dahin noch ein halb­wegs Erwach­se­ner unter den Anwe­sen­den befun­den haben, so hat man danach ver­mut­lich nie wie­der etwas von ihm gehört.

Von wem man übri­gens aller­dings wirk­lich mal wie­der mehr hören soll­te, sind Mase­r­a­ti. Fan­gen wir doch gleich heu­te damit an.

Mase­r­a­ti – Mono­liths (Live on KEXP)

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Huiiiiiii!

Kühe machen „muuuuuuuuh“, Enten machen „naaaaaaak“, Pin­gui­ne machen „quäääääk“.

Und Ster­ne?

Rich­tig, „SPIEGEL“ (7/2016):

SPIEGEL 7-2016

Brummmm!

(Abt.: „Was kennt ihr für Stern­bil­der?“ – „Gro­ßer Bär!“ – „Per­fekt!“)

In den NachrichtenNerdkramsWirtschaft
Tweet­wachs­tum / Schrö­din­gers Boolean

Und dann war da noch Twit­ter.

Das dama­li­ge Neben­pro­dukt einer eigent­lich ganz ande­ren Soft­ware, das 2006 als eine Art „SMS fürs Web“ ent­wickelt wur­de, fand mit sei­nem simp­len Kon­zept sehr schnell Abneh­mer, also Nut­zer; dies wohl auch, weil es ein eini­ger­ma­ßen eigen­stän­di­ges Ziel ver­folg­te und nicht ver­such­te, ein bes­se­res MySpace, Stu­diVZ, Fri­end­ster oder mitt­ler­wei­le Face­book zu sein. Offe­ne APIs sorg­ten für eine unge­ahn­te Viel­zahl an „alter­na­ti­ven“ Twit­ter­cli­ents (zum Bei­spiel für mei­nen), das Echt­zeit­mo­dell ließ Twit­ter mit­un­ter zu einem wich­ti­ge­ren Nach­rich­ten­por­tal wer­den als Nach­rich­ten­por­ta­le selbst.

Ärger­lich am „Wachs­tum“ eines sol­chen Dien­stes aber sind, von den Fol­gen für poten­zi­el­le Kon­kur­renz wie GNU Social – Kennt ihr nicht? Seht ihr! – ein­mal abge­se­hen, für ihn selbst zwei Fak­to­ren: Zum Einen ist expo­nen­zi­el­ler Zuwachs an Benut­zern irgend­wann unrea­li­stisch bis unmög­lich, was ein Pro­blem ist, das sich Twit­ter immer­hin mit den Her­stel­lern von Mobil­te­le­fo­nen teilt, es hat eben kaum ein Mensch mehr als nur zwei Ohren; zum Ande­ren kann ein Unter­neh­men mit sol­chem Per­so­nal und sol­cher tech­ni­scher Infra­struk­tur nicht belie­big lan­ge damit rech­nen, dass man von gut­gläu­bi­gen Inve­sto­ren leben kann. Gera­de, wenn man wie Twit­ter ohne ein funk­tio­nie­ren­des Geschäfts­mo­dell den Bör­sen­gang wagt, wird die Lage mit der Zeit sel­ten ent­spann­ter.

Nun hät­te Twit­ter ein­fach den logi­schen Schritt voll­zie­hen und bezahl­te Kon­ten ein­füh­ren kön­nen, die dann zum Bei­spiel ani­mier­te Ava­tare oder son­sti­ge für die mei­sten Men­schen völ­lig ega­le Extras als Beloh­nung bekom­men hät­ten. Statt­des­sen hat man sich bei Twit­ter ange­se­hen, was (erster Feh­ler) der Markt­füh­rer Face­book so anders macht als man selbst, und (zwei­ter Feh­ler) beschlos­sen, dass eini­ges dort genau das ist, was Twit­ter, das über­haupt nicht ver­sucht hat­te, ein „sozia­les Netz­werk“ zu sein, drin­gend brau­che. Anstup­sen war es bedau­er­li­cher­wei­se nicht.

Twit­ter bekam also ein neu­es Aus­se­hen, geschwät­zi­ge­re Benut­zer­pro­fi­le, die Mög­lich­keit, sich in Direkt­nach­rich­ten ohne die übli­che Begren­zung auf 140 Zei­chen aus­zu­drücken, und nun end­lich auch die Funk­ti­on, kein Echt­zeit­me­di­um mehr zu sein: Man kann Tweets jetzt nach Rele­vanz sor­tie­ren, wohl­ge­merkt: nach der von Twit­ter geschätz­ten Rele­vanz, was unge­fähr „je mehr Leu­te einem Benut­zer fol­gen, desto rele­van­ter ist sein Ser­mon“ bedeu­tet. Dass die­se Opti­on nicht nur abschalt­bar, son­dern auch stan­dard­mä­ßig deak­ti­viert ist, sich für bestehen­de Nut­zer also bis auf Wei­te­res nichts ändert, mil­der­te die Pro­test­wel­le kaum ab. Wie­der ein­mal ist Twit­ter „end­gül­tig“ gestor­ben, wie­der ein­mal wer­den obsku­re Alter­na­ti­ven als die künf­ti­ge Hei­mat ganz Twit­ters ange­prie­sen; begin­nend mit näch­ster Woche wer­den die­se Alter­na­ti­ven dann alle­samt wie­der Staub anset­zen, weil ein Nichtt­wit­ter eben kei­nen Spaß macht, wenn man dort ganz allein lustig ist.

Wor­auf ich aber eigent­lich hin­aus woll­te: Die Nut­zer­zahl von Twit­ter sta­gniert, und das hat durch­aus Grün­de, die nichts damit zu tun haben, dass Twit­ter­nut­zer eigent­lich lie­ber bei Face­book wären.

War­um führt Twit­ter nicht end­lich auch Glücks­nüs­se ein? :motz:


Apro­pos :motz::

Com­pu­ter sind pri­ma, weil sie binär funk­tio­nie­ren und es nur rich­tig und falsch gibt, rich­tig?

Falsch!

Ein Pro­gramm hat, grob zusam­men­ge­fasst, zwei mög­li­che Zustän­de beim Been­den, näm­lich true (alles hat funk­tio­niert) oder fal­se (irgend­was lief beim Aus­füh­ren schief), dabei ent­spricht der Rück­ga­be­wert 0 oder „gar nichts“ in der Regel true und jede grö­ße­re Zahl fal­se. Das true-Pro­gramm (true.c) aus dem GNU-Pro­jekt – das ist das, mit dem sich Linux­nut­zer angeb­lich her­um­är­gern müs­sen – lässt das aber offen:

#ifndef EXIT_STATUS
# define EXIT_STATUS EXIT_SUCCESS
#endif

#if EXIT_STATUS == EXIT_SUCCESS
# define PROGRAM_NAME "true"
#else
# define PROGRAM_NAME "false"
#endif

// ...

return EXIT_STATUS;

true ist unter han­dels­üb­li­chem Linux also ent­we­der true oder fal­se, das ist Defi­ni­ti­ons­sa­che. :mrgreen: Dass für eine der­ar­ti­ge Auf­ga­be 80 Zei­len nötig sind, erklärt sich über­wie­gend dar­aus, dass ja Ver­si­ons- und Hil­fe­aus­ga­ben nötig sind, falls der Benut­zer mal nicht weiß, wel­che Ver­si­on von „gib 0 zurück“ er nun eigent­lich ver­wen­det.

Falls sich das mal ändert oder so.

(teil­wei­se via @ixception)

In den Nachrichten
Christ­li­che Papp­na­sen (Nach­trag): Nous som­mes le car­na­val!

Erin­nert sich noch jemand an das wit­zi­ge Komi­ker­duo „Erkan und Ste­fan“, das vor nicht beson­ders lan­ger Zeit – also vor unge­fähr 34 Jugend­spra­chen – die so genann­te „Kanak-Sprak“ zum wit­zi­gen Stil­mit­tel erhob und damit durch­aus ver­gleichs­wei­se erfolg­reich war?

Erkan und Ste­fan – Respek­ti­ve Beru­fe – Tür­ste­her

Flo­ri­an „Ste­fan“ Sim­beck macht inzwi­schen etwas Seriö­se­res, er regt sich zum Bei­spiel im Web über Kar­ne­vals­wa­gen auf:

Der Faschings­um­zug im ober­baye­ri­schen Stein­kir­chen beschäf­tigt nun auch die Ermitt­lungs­be­hör­den in Ober­bay­ern: Sie ermit­teln wegen des Ver­dachts der Volks­ver­het­zung. Bei dem Umzug fuhr auch ein als Pan­zer deko­rier­ter Wagen mit den Auf­schrif­ten „Ilm­ta­ler Asyl­ab­wehr“ und „Asyl­pa­ket III“.

Die Bot­schaft hin­ter dem Wagen wie auch hin­ter vie­len ähn­li­chen – Mario Six­tus, der vom Char­lie­s­ein nichts hält, ver­teil­te erstaun­lich wenig wort­reich Inflek­ti­ve dar­über – ist offen­sicht­lich eine Sati­re auf die gegen­wär­ti­ge Ent­wick­lung hin zu einer restrik­ti­ve­ren Asyl­po­li­tik. Das hät­te Mario Six­tus und den Ermitt­lungs­be­hör­den natür­lich mal jemand sagen kön­nen, dass Kar­ne­vals­um­zü­ge oft­mals bis­si­ge Kri­tik an der Poli­tik des Lan­des the­ma­ti­sie­ren und nicht nur allen­falls für sehr betrun­ke­ne Men­schen gera­de noch mittel­lu­sti­ge Furz­witz­fei­ern sind. Was Sati­re davor schützt, zum Instru­ment irgend­ei­ner Herr­schaft zu wer­den, ist ja gera­de ihr puber­tär-anar­chi­sti­scher Geist, der über alles sei­ne Wit­ze rei­ßen will. Ein ande­res Medi­um emp­fiehlt schei­niro­nisch die Ein­rich­tung eines Sati­re­mi­ni­ste­ri­ums, um erlaub­te (also sol­che, an der sich nie­mand stößt) von uner­laub­ter Sati­re zu tren­nen, was es immer­hin von der Ägi­de des bis­her letz­ten Reichs­pro­pa­gan­da­mi­ni­sters („Der poli­ti­sche Witz wird aus­ge­rot­tet“, Febru­ar 1939) unter­schei­det, der das offen­sicht­lich auch nicht beson­ders iro­nisch gemeint hat.

Nein, vom Ter­ro­ris­mus las­sen „wir“ – der Westen – uns die Spä­ße nicht ver­bie­ten. Wir brin­gen die Spä­ße schon vor­her in Sicher­heit.