PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
System of a Down – B.Y.O.B. // Zu den Waf­fen!

KriegseuleEin Mon­tag­mor­gen fern­ab vom längst gewohn­ten Bei­sam­men­sein zählt zu den grö­ße­ren Ärger­nis­sen des Kalen­ders. Ande­rer­seits: End­lich mal Moti­va­ti­on, etwas zu bewe­gen (im Zwei­fel: sich). Sehn­sucht, du Lie­bes­teu­fel. Mit einem Tee­löf­fel Zucker ist Schwer­mut manch­mal erträg­li­cher, aber die Rezes­si­on, Sie ver­ste­hen?

Wahr­schein­lich nicht, denn die Nach­rich­ten sind schon wei­ter­ge­zo­gen. Plei­te sind immer noch alle, aber es stört kei­nen mehr. (Was macht eigent­lich der Bun­des­tro­ja­ner?) Es ist ja auch nach Köln – im „Post­co­lo­gnia­lis­mus“, wit­zelt man auf Twit­ter in ermü­den­der Häu­fig­keit – nicht alles furcht­bar, wenn man nicht gera­de in Ber­lin wohnt, denn end­lich funk­tio­nie­ren auch deut­sche Behör­den wie­der. Doch, wirk­lich!

BND und NSA set­zen jetzt ihre gemein­sa­me Arbeit fort.

Die NSA zeig­te sich immer­hin ent­ge­gen­kom­mend: Sie begrün­det nun, war­um sie bestimm­te Begrif­fe mit­le­sen möch­te. Ach so, hat man da beim BND gesagt, na, wenn die NSA begrün­den kann, war­um sie zum Bei­spiel jede Nach­richt mit­le­sen möch­te, in der „Emil“ steht, dann wird das schon sei­ne Rich­tig­keit haben. Die wis­sen schon, was rich­tig ist. Die Tele­kom wür­de doch nicht ein­fach ihren Ruf ver­spie­len.

BND und NSA set­zen jetzt ihre gemein­sa­me Arbeit fort. Wer hat da „Russ­land“ geru­fen? Ja, gegen den Klas­sen­feind müs­sen wir doch zusam­men­hal­ten, der über­fällt ein­fach ande­re Län­der und hat ein komi­sches Ver­ständ­nis von Men­schen­rech­ten, ganz anders als der Westen. Die USA schau­en der­weil mal an der Gren­ze zu Nord­ko­rea vor­bei. Ein paar Frie­dens­bom­ber zu Diplo­ma­tie­zwecken, wei­ter nichts. Es ist, das sei gesagt, all­mäh­lich etwas schwie­rig, noch ein fried­fer­ti­ger Mensch zu sein, dem Waf­fen­ge­walt zuwi­der ist.

BND und NSA set­zen jetzt ihre gemein­sa­me Arbeit fort. Gegen jeden, der es unter­nimmt, die­se Ord­nung zu besei­ti­gen, haben alle Deut­schen das Recht zum Wider­stand, wenn ande­re Abhil­fe nicht mög­lich ist. Je dése­spé­rais. Habt ihr auch alle schon „Ich bin gegen Über­wa­chung!“ in euren Twit­ter­ava­tar geschrie­ben? Die Mum­ble-Demon­stra­ti­on fin­det wie immer um sech­zehn Uhr statt. Es gibt Schnitt­chen.

Kei­ne Fra­gen. Alles wird gut. Ein biss­chen Lärm weht den Unmut sicher­lich hin­weg.

System Of A Down – B.Y.O.B (MTV EMA Music Awards 2005)

Scha­de. Hat nicht gehol­fen.

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenNerdkrams
Medi­en­kri­tik XCIV: Wie Den­nis Schirr­ma­cher ein­mal SSL nicht ver­stand

Manch­mal, wenn bei „hei­se online“ kei­nem Redak­teur mehr etwas zu irgend­wel­chen Kino­sei­fen­opern ein­fällt (sie­he hier, hier, hier u.a.), wagt einer von ihnen den gera­de­zu fre­chen Vor­schlag zu machen, man kön­ne ja statt­des­sen etwas über die­se komi­sche Tech­nik, von der gera­de alle reden, berich­ten; hppt, Inter­nett und wie das alles heißt. Dann kommt ein lusti­ger Arti­kel wie die­ser hier her­aus, des­sen Autor Den­nis Schirr­ma­cher („Medi­en­wis­sen­schaft­ler“, zuvor bei der auch nicht viel bes­se­ren Zeit­schrift „AUDIO TEST“ als Chef­re­dak­teur beschäf­tigt) schon in der Ein­lei­tung von einem Publi­kum aus­geht, das eigent­lich auch viel lie­ber etwas über irgend­wel­che Fil­me lesen wür­de:

HTTPS-Web­sei­ten wecken Ver­trau­en.

Da auch die­se Web­prä­senz hier, auf der ihr die­sen Text lesen könnt, via https aus­ge­lie­fert wird (und damit wahr­schein­lich eine „HTTPS-Web­sei­te“ ist), bedeu­tet das, ihr könnt mir ver­trau­en. Ich habe mir näm­lich ein Zer­ti­fi­kat instal­liert, mit dem ich nach­ge­wie­sen habe, dass ich Schreib­rech­te auf dem Web­ser­ver habe, und das dafür sorgt, dass die Über­tra­gung man­cher Daten zwi­schen euch und mei­ner Web­prä­senz ver­schlüs­selt wird. Damit wei­se ich weder nach, dass ich kei­ne bös­wil­li­ge Soft­ware auf eurem Rech­ner instal­lie­ren möch­te (na – Java­Script noch akti­viert?), noch, dass ich iden­tisch mit dem Kas­per im Impres­sum bin.

Modern world

Aber in eurem Brow­ser ist mög­li­cher­wei­se ein Schloss vor der Adres­se zu sehen. Des­we­gen könnt ihr mir ver­trau­en.

Doch auch Online-Gau­ner kön­nen sich oft über Umwe­ge ver­trau­ens­wür­di­ge Zer­ti­fi­ka­te aus­stel­len.

Und zwar, indem sie für ihre Gau­ner­web­site ein Zer­ti­fi­kat bean­tra­gen. Könnt ihr ver­trau­en, ist ein Schloss dran.

Nun haben Kri­mi­nel­le das erste Let’s‑Encrypt-Zertifikat genutzt, um Ver­trau­ens­wür­dig­keit vor­zu­gau­keln.

Was Den­nis Schirr­ma­cher hier „vor­gau­kelt“, möch­te ich gar nicht wei­ter bewer­ten, aber offen­bar stellt es für zumin­dest ihn eine berich­tens­wer­te Neu­ig­keit dar, dass eine Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le (CAcert, Start­S­SL, Let’s Encrypt, …) gar nicht wis­sen möch­te, was der Emp­fän­ger mit dem Zer­ti­fi­kat vor­hat, so lan­ge sei­ne Anfra­ge vali­de ist. Ob die Kri­mi­nel­len damit „Ver­trau­ens­wür­dig­keit vor­gau­keln“ wol­len, weiß ich nicht, aber wenn sie über ein aus­rei­chend viel tech­ni­sches Wis­sen ver­fü­gen, um sturz­frei eine Web­site ein­zu­rich­ten, dann ist davon aus­zu­ge­hen, dass das Unsinn ist.

Online-Gau­ner waren in der Lage, sich eine Sub­do­main für eine legi­ti­me Domain ein­zu­rich­ten und dafür erfolg­reich ein Let’s‑Encrypt-Zertifikat zu bean­tra­gen, warnt Trend Micro.

„Online-Gau­ner“ – puh, wenig­stens ist noch nicht von „Cyber-Gau­nern“ die Rede – haben also die DNS-Ein­trä­ge für eine „legi­ti­me Domain“ (wie genau sieht denn eine „ille­gi­ti­me Domain“ aus?) ändern und für die unter ihrer Kon­trol­le ste­hen­de neue Sub­do­main ein Zer­ti­fi­kat bean­tra­gen kön­nen, da die Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le grund­sätz­lich davon aus­geht, dass dir eine Domain, die du ver­wal­test, auch gehö­ren darf. Die eigent­li­che Mel­dung dar­an ist, dass eine Domain offen­sicht­lich teil­wei­se mit vol­len Rech­ten geka­pert wer­den konn­te. Das pas­siert nicht über­mä­ßig sel­ten, hat aber mit Zer­ti­fi­ka­ten erst ein­mal nicht beson­ders viel zu tun. Das ist Den­nis Schirr­ma­cher aber ver­mut­lich (zu Recht) nicht inter­es­sant genug, eben weil es recht häu­fig pas­siert, und so glaubt er einen ganz ande­ren Skan­dal gefun­den zu haben: Let’s Encrypt ver­teilt wie bis­her auch CAcert und Start­S­SL kosten­los Zer­ti­fi­ka­te an Leu­te, denen eine Domain zu gehö­ren scheint. Kreisch!

Das Anle­gen einer Sub­do­main ist nicht ohne wei­te­res mög­lich. Denk­bar wäre, dass die Online-Gau­ner auf irgend­ei­nem Weg an die Zugangs­da­ten für die Domain-Ver­wal­tung gekom­men sind.

Ja, denk­bar ist sicher­lich rich­tig, höchst­wahr­schein­lich bis bei­na­he als gesi­chert anzu­se­hen ist für einen anstän­di­gen Redak­teur von „hei­se online“, der sich mit der Mate­rie, über die er berich­ten soll, nicht so recht aus­zu­ken­nen scheint, eben zu spe­zi­fisch. Unter der Über­schrift „CA als Fil­ter für gefähr­li­che Inhal­te?“ – Spoi­ler: nein – fin­det er dafür schließ­lich doch noch einen Schul­di­gen dar­an, dass Kri­mi­nel­le sich ein­fach irgend­wel­che Domains aneig­nen kön­nen:

Let’s Encrypt sieht den Auf­ga­ben­be­reich einer CA nicht dar­in, Inhal­te zu fil­tern.

Das ist aber ganz schön nach­läs­sig von Let’s Encrypt, dass sie als Zer­ti­fi­kats­stel­le nicht dar­auf ach­ten, dass auf der zer­ti­fi­zier­ten Web­site kein Übel pas­siert. Man stel­le sich vor, die Zulas­sungs­stel­le wür­de bei der Ver­ga­be von Kenn­zei­chen nicht dafür Sor­ge tra­gen, dass der Fahr­zeug­hal­ter kein Übles im Schil­de führt!

Was macht man nun eigent­lich als ein­fa­cher Web­sur­fer mit der Infor­ma­ti­on, dass ein grü­nes Schloss in der Adress­lei­ste des Brow­sers zu Den­nis Schirr­ma­chers Über­ra­schung gar nicht bedeu­tet, dass da kei­ne Kri­mi­nel­len unter­wegs sind? Die Lösung steht da eigent­lich nur impli­zit:

Die Sub­do­main soll auf einen Ser­ver ver­wei­sen, der unter Kon­trol­le der Kri­mi­nel­len steht und Wer­bung mit Schad­code ver­teilt.

Das wesent­li­che Pro­blem mit dem Geschil­der­ten ist also weder, dass „Online-Gau­ner“ eine Sub­do­main ein­ge­rich­tet haben, noch, dass eine fie­se Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le ein­fach Domains vali­diert, sobald man nach­weist, dass man sie admi­ni­strie­ren kann; das wesent­li­che Pro­blem ist es, dass schäd­li­che Wer­be­ban­ner von die­ser zer­ti­fi­zier­ten Domain aus­ge­lie­fert wer­den. Dage­gen indes gibt es wirk­sa­me Abhil­fe: Ein­fach einen Wer­be­blocker wie Adguard oder uBlock instal­lie­ren. Natür­lich ist in Den­nis Schirr­ma­chers Arti­kel davon aller­dings kei­ne Rede, denn „hei­se online“ will ja auch von irgend­was leben.

Der Arti­kel auf „hei­se online“ ist übri­gens nicht über https abruf­bar. Was das wohl bedeu­tet?

PolitikIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Typisch Clau­dia Roth

Die Mode­za­rin der ehe­ma­li­gen Frie­dens­par­tei „Die Grü­nen“ hat in ihrem denk­frei­en Raum eine ein­fa­che Ant­wort auf das all­ge­gen­wär­ti­ge War­um zu den sil­ve­st­ri­gen Über­grif­fen einer afri­ka­ni­schen Ban­de gegen­über Frau­en in Köln gefun­den:

„Es ist doch nicht so, dass wir jetzt sagen kön­nen, das ist typisch Nord­afri­ka, das ist typisch Flücht­ling“, sag­te Roth im WDR. „Hier geht es um Män­ner­ge­walt und hier geht es um den Ver­such, eine Situa­ti­on – Sil­ve­ster­nacht – aus­zu­nut­zen, als wäre das ein rechts­frei­er Raum.“ (…) Man dür­fe aber nicht ver­su­chen, die Vor­fäl­le zu miss­brau­chen, um Stim­mung gegen Flücht­lin­ge zu machen.

Wir ler­nen zwei­er­lei. Erstens: Eine Sil­ve­ster­nacht ist über­ra­schen­der­wei­se kein rechts­frei­er Raum. Genau genom­men ist sie über­haupt kein Raum. Zwei­tens: Es ist nicht typisch Nord­afri­ka, wenn Nord­afri­ka­ner sexu­ell über­grif­fig wür­den. Da dür­fe man jetzt nicht pau­scha­li­sie­ren und von „Nord­afri­ka­ner­ge­walt“ spre­chen, als wären alle Nord­afri­ka­ner Gewalt­tä­ter. Natür­lich ist das aber typisch Mann. Nur ein patri­ar­cha­li­scher Sexist oder Jour­na­list wür­de die­sen offen­sicht­li­chen Umstand bestrei­ten.

Es ist aber auch nicht so, dass wir jetzt sagen kön­nen, das ist typisch „Die Grü­nen“, das ist typisch Frau. Hier geht es um Clau­dia Roth und hier geht es um den Ver­such, eine Situa­ti­on – Vor­fäl­le in der Sil­ve­ster­nacht – aus­zu­nut­zen, als wäre das eine Wer­be­flä­che. Man darf jetzt auch nicht ver­su­chen, die­se Mel­dung zu miss­brau­chen, um Stim­mung gegen die Grü­nen zu machen.

Die sind bestimmt gar nicht alle so doof.

In den NachrichtenMontagsmusikMir wird geschlecht
The Del­ta Saints – Hea­vy Ham­mer

Guten MorgenEs ist Mon­tag. Hur­ra!

Und das Jahr beginnt schon schön: Free­BSD ist kein Spiel­platz für Knall­köp­f­in­nen mehr. Sol­len die sich doch wei­ter mit Linus Tor­valds beschäf­ti­gen. – Es war indes, glaubt man der Pres­se, sel­ten so über­ra­schend wie heu­te, dass wir alle über­haupt noch leben, um den Wochen­tag und den Femi­nis­mus doof zu fin­den: „Mün­chen ent­geht IS-Anschlag“ titel­te das loka­le Quatsch­blatt am Wochen­en­de, was eigent­lich auch nur „ein nicht völ­lig aus­ge­schlos­se­ner Anschlag hat wie üblich nicht statt­ge­fun­den“ bedeu­tet. Die links dane­ben ste­hen­de, sicht­bar klei­ner beti­tel­te Mel­dung, eine Frau schwe­be nach einem Tref­fer durch eine Sil­ve­ster­ra­ke­te in Lebens­ge­fahr, fin­det mut­maß­lich kaum Beach­tung durch die Leser­schaft. Die Frau hat ja auch Glück gehabt, es hät­te ein Ter­ro­rist und nicht nur eine harm­lo­se Rake­te sein kön­nen.

Die Koali­ti­on aus SPD und CDU/CSU, die vor weni­gen Wochen noch neue Pan­zer­lie­fe­rungs­ver­trä­ge mit den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten geneh­migt hat, ist der­weil außer sich: Im Nach­bar­land wer­den ja Leu­te getö­tet! Wie bar­ba­risch, die­se Miss­ach­tung des Rechts auf Leben. Noch ein paar Sturm­ge­weh­re dazu?

Fein, dass wir noch leben. So kön­nen wir gemein­sam sein und schwel­gen.

Guten Mor­gen.

Persönliches
Honig im Kopf: Bumm­zisch, Neu­jahr 2016!

Die­ser Arti­kel ist Teil 5 von 15 der Serie Neu­jahr

Laut, teu­er und sinn­los, so muss Sil­ve­ster sein. Die Deut­schen freu­en sich nicht lei­se, wenn der Kalen­der ihnen das schon mal gestat­tet, sie wol­len laut und deut­lich jedem, der es noch nicht wuss­te, zei­gen: Seht her, wir sind doof. Von 2014 gelernt: Die im Dezem­ber Ver­stor­be­nen, ins­be­son­de­re die Son­der­lin­ge, bekom­men in den Föje­tongs die ihnen zuste­hen­de Auf­merk­sam­keit, obwohl Jah­res­rück­blicke zusam­men mit den Scho­ko­weih­nachts­män­nern schon im Okto­ber qua­si durch waren. Sind ihre Namen wirk­lich wich­tig?

Die „Stif­tung für Zukunfts­fra­gen“ ermit­tel­te vor ein paar Tagen, dass über die Hälf­te der Befrag­ten im Jahr 2015 „angst­voll in die Zukunft“ blick­te, dabei gibt es in der Gegen­wart doch genug zu bekla­gen. 2015 haben wir ver­lo­ren, unse­re Frei­heit und unser Mit­ein­an­der. Die­ser Weg wird kein lei- ein­fa­cher sein. Anders, nicht schlech­ter!

Man­ches war ja doch ganz schön. Mehr davon, nur ein biss­chen mehr. Ein Leben vol­ler Wochen­en­den mit ihr und Musik und über­dies und vor allem ohne die Abers wäre wahr­schein­lich wun­der­voll. Adler müss­te man sein und weni­ger doof. 2015 war eben auch: Behä­bi­ges Erken­nen, was wich­tig ist.

Schon seit Wochen wer­den gute Vor­sät­ze ange­kün­digt, als wol­le man sich gegen­sei­tig in der Zahl sei­ner Laster über­trump­fen; nur, wer weiß, dass er sich falsch ver­hält, kann den guten Vor­satz fas­sen, die­sen Feh­ler nicht zu wie­der­ho­len, und spart sich dann doch lie­ber das kom­pli­zier­te Nach­den­ken dar­über, war­um er nicht vor dem Sil­ve­ster­abend damit begin­nen kann. Und so sitzt man am Ende doch wie­der umge­ben vom Fun­ken­re­gen, in dem so vie­les ver­pufft, irgend­wo im Halb­dunk­len und macht, was man ja irgend­wie zuver­läs­sig am besten kann: man ver­misst. Sil­ve­ster­ein­sam­keit ist schö­ner, wenn man sie nicht tei­len muss.

Hal­lo, 2016. Du wirst es schwer haben.

In den Nachrichten
Kei­ne Rake­ten.

Die­se Nach­richt zum dies­jäh­ri­gen Sil­ve­ster schlägt ein wie eine Bom­be: Kei­ne Rake­ten in Brüs­sel. Die­se Ter­ro­ri­sten neh­men uns auch noch das letz­te biss­chen, wor­an wir noch Spaß haben; selbst den Ein­tausch von Geld gegen Din­ge, die man anzün­det und ihnen dann beim Explo­die­ren zuguckt, wol­len sie uns jetzt verleiden!!1!

Zum Glück blei­ben Rake­ten, mit denen man Zivi­li­sten spren­gen kann, wei­ter­hin ver­nünf­ti­ger­wei­se erlaubt. Alles Ande­re wäre ja auch wirk­lich dumm von uns.

In den NachrichtenMontagsmusik
Lou Reed & Metal­li­ca – The View

HackereuleHach ja, der 32c3. Gestern wur­de er offi­zi­ell eröff­net, die „Key­note“ hat­te aber mit Hacker­tum nicht viel zu tun: Man müss­te doch, man soll­te mal. Wohl dem, der Durch­hal­te­pa­ro­len grund­sätz­lich nicht ernst neh­men kann. Ach, Min­der­hei­ten – von wegen „Gen­der Pay Gap“: Anson­sten iden­ti­sche Pro­duk­te kosten mehr, wenn sie rosa sind. Auf Twit­ter spe­ku­lier­ten Frau­en dar­über, ob sie des­halb dumm oder naiv sei­en; dabei ist das Pro­blem, dass Leu­te über­teu­er­ten Unsinn kau­fen, kein geschlecht­li­ches, son­dern ein allen­falls kalen­da­ri­sches. Für gesell­schaft­lich erwünsch­ten Quark wie Weih­nachts­ein­käu­fe ste­hen sie da schon mal sechs Stun­den im Stau. Der mün­di­ge Mensch will lei­den.

Apro­pos Lei­den: Es ist Mon­tag; nicht irgend­ein Mon­tag, son­dern ein Mon­tag, der zeigt, dass es auch anders geht. Mit­un­ter fehlt zur Per­fek­ti­on nur ihre war­me Gebor­gen­heit inmit­ten des hek­ti­schen Durch­ein­an­ders. Ich kann das nur emp­feh­len. Wohl dem, der die bes­se­re Hälf­te ist.

Und wohl dem, der den Mon­tag mit etwas Mit­ein­an­der und her­nach mit etwas Rock­mu­sik beginnt.

Lou Reed & Metal­li­ca – The View live

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2015 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se

Die­ser Arti­kel ist Teil 15 von 29 der Serie Jah­res­rück­blick

Die bis­her schön­ste Nach­richt des Jah­res 2015 war es, dass Phil Coll­ins nie wie­der ein Lied kom­po­nie­ren möch­te. Das ist viel­leicht in der gewal­ti­gen Nach­rich­ten­men­ge völ­lig unter­ge­gan­gen; vor nicht all­zu lan­ger Zeit berich­te­te Ste­fan Nig­ge­mei­er in der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“ davon, dass Claus Kle­ber anläss­lich sei­ner Hono­rar­pro­fes­sur beklag­te, dass die Jugend zu einem bedeu­ten­den Teil Nach­rich­ten nur noch häpp­chen­wei­se statt in voll­stän­di­ger Dar­bie­tungs­form zur Kennt­nis neh­me; im sel­ben Arti­kel war davon die Rede, dass es Nach­rich­ten also so gehe wie Musik. Offen­sicht­lich ist die Jugend über die Schön­heit aktu­el­ler musi­ka­li­scher Klein­ode gar nicht mehr infor­miert (das liegt bestimmt an den zu kurz zusam­men­ge­fass­ten Nach­rich­ten). Höch­ste Zeit also, dass wir uns wie­der ein­mal mit der pri­ma­sten Musik des Jah­res 2015 befas­sen.

‘Musik 12/2015 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se’ wei­ter­le­sen »

In den Nachrichten
Stolz und Vor­ur­teil

„Ich bin froh über alles, was ich erreicht habe.“

Das, so sug­ge­riert das Bou­le­vard­me­di­um „SPIEGEL ONLINE“, ist das hap­py end einer merk­wür­di­gen Geschich­te:

Zwei Minu­ten lang durf­te sich Ari­ad­na Gut­iérrez als Miss Uni­ver­se füh­len. Dann merk­te der Mode­ra­tor, dass er die Fal­sche zur Schön­heits­kö­ni­gin gekürt hat­te.

Es ist ver­mut­lich gleich dop­pelt ernied­ri­gend, erst dafür, nicht man selbst zu sein, einen über­flüs­si­gen Wett­be­werb zu gewin­nen und dann auch noch zu erfah­ren, dass das ein Irr­tum war. So ein Fina­le der „Schön­heits­kö­ni­gin­nen“ erreicht man ja übli­cher­wei­se nicht durch Aus­strah­lung, sozia­le oder all­ge­mei­ne Intel­li­genz oder wenig­stens gutes Aus­se­hen; was übri­gens auch erklärt, war­um ich noch nicht nomi­niert wor­den bin.

„Ich bin froh über alles, was ich erreicht habe.“

Mei­nen aller­herz­lich­sten Glück­wunsch. Lei­stungs­trä­ger sind ja immer will­kom­men.

MontagsmusikIn den Nachrichten
echo­lyn – Mei

PlüschEs ist Mon­tag, es ist selt­sam schwer­mü­tig. Die Woche vor dem Fest ist tra­di­tio­nell nicht die leich­te­ste für Men­schen, die gern ihre Ruhe haben. Dank Vehe­menz steht zumin­dest der Last-Christ­mas-Zäh­ler noch auf Null, eine Ände­rung bleibt unge­wünscht. Trotz­dem: Sehn­sucht. Man möch­te eigent­lich gar nicht dar­an den­ken, schon, weil Mon­tag ist und man nicht da ist, wo man eigent­lich sein woll­te und ver­mut­lich soll­te.

Die nahe Welt als Gan­zes ist ver­rückt. Glau­bens­krie­ge sind schei­ße. Außer gegen die! Von die­ser Dis­ney­sch­mon­zet­te im Kino, deren Kennt­nis ich für kei­ne kul­tu­rel­le Berei­che­rung hiel­te, und der gar schreck­li­chen Mit­tei­lung, dass Ste­fan Raab nicht mehr den Clown gibt, ein­mal abge­se­hen kennt sie momen­tan nur noch ein gro­ßes The­ma: Was soll der FC Bay­ern Mün­chen nur ohne sei­nen Trai­ner machen? Na ja, viel­leicht einen ande­ren Trai­ner enga­gie­ren und wei­ter­ma­chen, aber genüss­li­ches Aus­wal­zen ist ja auch mal schön. Seit ein paar Tagen ist die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung vor­erst in Kraft, die­se Web­site hat damit end­lich mal ein dau­er­haf­tes Archiv und ein paar wei­te­re Leser bekom­men und die mei­sten Bür­ger inter­es­sie­ren sich offen­sicht­lich nicht beson­ders dafür. Brot und Spie­le, Freun­de, Brot und Spie­le. – Ande­rer­seits ist das image der SPD als Arbei­ter­par­tei damit zumin­dest nicht beschä­digt wor­den. Arbei­ter wur­den ja noch nie beson­ders gut behan­delt.

Ein­fach mal mit den Leu­ten zu reden ist ver­mut­lich auch zu viel ver­langt. Ande­re wagen die­sen Schritt: Ein­fach mal einen Amok­läu­fer fra­gen, was der Unsinn eigent­lich soll. Es ist, so kann man’s zusam­men­fas­sen, nicht hilf­reich, gei­stes­krank zu sein, wenn man nicht gera­de eine poli­ti­sche Kar­rie­re anstrebt.

Den­ken wir doch lie­ber an etwas Schö­nes. Den­ken wir an das, was wir brau­chen, an das, was wir wol­len, und an das, was uns fehlt.

Und den­ken wir über­dies an echo­lyn.

echo­lyn – „Mei“ Live 2003 With Orche­stra (50 Minu­te Long Prog Epic)

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenComputerMir wird geschlecht
Drei­mal kurz ver­linkt: Ster­ne, Logik und Ver­bo­te

Mor­gen tritt die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung end­lich in Kraft; still und heim­lich trat auch etwas ande­res in Kraft, näm­lich die über­ra­schen­de Erkennt­nis, dass der Bun­des­nach­rich­ten­dienst Ille­ga­les tat, als er Spio­na­ge betrieb. Wer hät­te das ahnen kön­nen?

Was haben bei­de Mel­dun­gen gemein­sam? Rich­tig, bei­de Mel­dun­gen waren kei­ne Sekun­de lang „Top­mel­dung“ auf dem „IT-News“-Portal „hei­se online“ (Beschrei­bung von eben­dort). Statt­des­sen ist seit gestern eine viel bri­san­te­re Mel­dung oben an der Sei­te ange­pinnt:

Disney

Ein neu­er Dis­ney-Film kommt raus. Ist ja auch recht inter­es­sant.


Ist Logik männ­lich? Ist der weib­li­che Man­gel an Inter­es­se an den „knall­har­ten“ phi­lo­so­phi­schen Dis­zi­pli­nen for­mel­ler Logik und Seman­tik sym­pto­ma­tisch für eine Unge­rech­tig­keit, die mit dem Geschlecht zu tun hat? (…) In einer Fol­ge von Stu­di­en der Logik histo­ri­scher Figu­ren (…) ergrün­det [die Autorin, A.d.V.] die wech­sel­sei­ti­gen Bezie­hun­gen zwi­schen logi­scher Inno­va­ti­on und unter­drücken­den Sprach­stra­te­gien und zeigt, dass Logik kei­ne tran­szen­den­te Wahr­heit ist, son­dern eine abstrak­te Form der Spra­che, die von Män­nern gespro­chen wird[.]

Kein Witz.


Wenig­stens läuft nicht alles schief: Feh­ler wer­den ver­bo­ten! Jeden­falls bei­na­he:

Micha­el Waid­ner vom Fraun­ho­fer-Insti­tut für Siche­re Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie (SIT) emp­fahl, bei der Cyber­si­cher­heit all­ge­mein anzu­set­zen. „Je siche­rer ein Pro­dukt ist, desto schwe­rer ist es auch, in die­ses ein­zu­drin­gen und Nut­zer zu über­wa­chen“, beton­te er. (…) Der Wis­sen­schaft­ler plä­dier­te dafür, „Exploits radi­kal als Cyber­crime zu ver­bie­ten“.

Ein siche­re­res System ist siche­rer als ein weni­ger siche­res, und wer in ein System „ein­bricht“, der soll­te das nicht dür­fen. :)

Zum Glück haben wir Exper­ten.

Politik
Die Lösung

War­um muss jeder Bür­ger nach­wei­sen, dass er die gei­sti­ge und mora­li­sche Rei­fe besitzt, um mit einem Auto mor­gens Bröt­chen kau­fen zu fah­ren, aber nie­mand unter Beweis stel­len, dass er auch nur die gering­sten Anfor­de­run­gen erfüllt, um als ver­ant­wor­tungs­be­wuss­tes Wesen akzep­tiert zu wer­den, bevor er durch Stimm­ab­ga­be über das Leben sei­ner Mit­bür­ger rich­ten darf?

Wäh­ler­füh­rer­schei­ne. Das wär’s.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Goril­laz – Feel Good Inc.

Echt jetzEin Mon­tag und kein Blick zurück. Nicht jede Lücke lässt sich fül­len. Damals, als das Ide­al noch sieg­te; damals, als es uns noch scher­te. Wie ret­ten wir denn jetzt die Welt?

Tüdelüt, die Nach­rich­ten. Die, wie man sie bis­wei­len bezeich­net, „CDU-Rebel­len“ – ich sehe sie schon vor mir, die­se ver­rück­ten Punks – scheu­en den Macht­kampf, berich­tet „ZEIT ONLINE“. Einig Volk wol­len wir sein. Der Saar­brücker Umwelt­de­zer­nent der­weil unter­stützt die For­de­rung nach Poli­zei­uni­for­men aus fai­rem Han­del, weil grün immer gut ist. Knüp­pel dazu? Es ist auch nicht leicht, poli­tisch kor­rekt zu sein. Es geht ja immer nur um’s Geschäft. Hotel­zim­mer stor­nie­ren gegen Rechts!

Nei-ei-ein, nicht ablen­ken las­sen. Die Welt ist grau. Dezem­ber. Ich habe die­ses Jahr noch kaum ein Weih­nachts­lied als sol­ches wahr­ge­nom­men und schnei­en tut’s auch nicht. Irgend­was ist faul. Die SPD hat sich nach „hit­zi­ger“ „Dis­kus­si­on“ mehr­heit­lich für noch mehr Ver­rat ent­schie­den (wie breit die­se Mehr­heit gewe­sen sein muss, ver­mag ich mir bei aller Feier­er­fah­rung gar nicht aus­zu­ma­len).

Nicht immer ist das Ziel, was erreich­bar scheint.

(Betrübt schlur­fend ab.)

Guten Mor­gen.