PolitikIn den Nachrichten
Kurz notiert zu #le1212

Offen­sicht­lich demon­strie­ren heu­te sog. „Neo­na­zis“ in Leip­zig für oder gegen irgend­was, Genaue­res scheint sich der all­ge­mei­nen Bericht­erstat­tung zu ent­zie­hen. Natür­lich nennt man das dann nicht Demon­stra­ti­on, son­dern „Auf­marsch“, als blie­be das Wort „Demon­stra­ti­on“ denen vor­be­hal­ten, deren poli­ti­sche For­de­run­gen und Idea­le sich auf „wir sind gegen die“ beschrän­ken; dafür sind ihre Eltern 1968 nicht auf die Stra­ße gegan­gen, aber wer will schon sein wie sei­ne Eltern?

Man mag ja fast nicht zuschau­en:

Böl­ler und Stei­ne flie­gen Rich­tung Nazis

Die Nazis haben ja offen­sicht­lich die­se Pro­vo­ka­ti­on bewusst gesucht, immer­hin haben sie sich in anti­fa­schi­sti­sche Stadt­tei­le (ob die Stadt­tei­le das wis­sen?) bege­ben. Schuld trägt außer­dem natür­lich die Poli­zei, die die Demon­stran­ten an grö­ße­ren Schä­den zu hin­dern ver­sucht, ohne sie blie­be sicher­lich alles fried­lich.

Da sind Twit­ter­re­vo­lu­tio­nä­re ja bei­na­he noch harm­los:

Es kann vor­kom­men dass ich hier Gewalt gegen Faschi­sten aus­drück­lich befür­wor­te.
Sport frei.

Wenn’s für Denk­sport eben nicht reicht.

In den NachrichtenPolitik
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Von Türen und Toren

Die Medi­en haben sich gera­de von dem Schock erholt, dass es nun wie­der unschick ist, Frank­reich zu sein, schon krie­gen sie vor Begei­ste­rung den Mund nicht mehr zu: Der Papst hat eine Tür auf­ge­macht. Ich habe auch schon mal fei­er­lich eine Tür geöff­net, aber das hielt nie­mand für erwäh­nens­wert. Ich fin­de das etwas scha­de.

Schon etwas inter­es­san­ter viel­leicht ist aus­nahms­wei­se „SPIEGEL ONLINE“, wo man nicht nur einen wei­te­ren Gauck’schen Aus­bruch der Emo­tio­nen („Sie sehen mich hier eini­ger­ma­ßen bewegt“, ebd.) zu ver­mel­den weiß, son­dern auch weit Tie­fer­grün­di­ges:

Die Chef-Christ­de­mo­kra­ten mögen sich noch so bie­der geben, CDU-Funk­tio­nä­re hei­zen den Hass gegen Anders­den­ken­de und Flücht­lin­ge an. Und sie sit­zen in den Orts­bei­rä­ten, in den Kreis­ta­gen, miss­brau­chen die Demo­kra­tie für ihre Zwecke.

Hopp­la, ver­le­sen, das steht da gar nicht – natür­lich wird auf „SPIEGEL ONLINE“ der Unter­schied zwi­schen Regie­rungs- und Split­ter­par­tei­en berück­sich­tigt, es ging natür­lich um die NPD, die wie­der ein­mal ver­bo­ten wer­den soll, weil, wie jeder weiß, poli­tisch Radi­ka­le sofort auf­hö­ren, radi­kal zu sein, wenn man einen ihrer öffent­li­chen Ver­ei­ne auf­löst:

Der Staat darf Het­ze und Gewalt gegen Min­der­hei­ten nicht tole­rie­ren, son­dern muss eine Gren­ze set­zen.

Zur all­ge­mei­nen Erbau­ung ist das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als über­par­tei­li­ches Organ nicht der Staat, denn nur wenig wäre fata­ler als die unhei­li­ge Koali­ti­on aus CDU/CSU und SPD zu höch­sten Rich­tern über Recht und Unrecht ent­schei­den zu las­sen; aber wer auf „SPIEGEL ONLINE“ über Poli­tik schreibt, der braucht bekannt­lich nicht viel Wis­sen über sein Res­sort.

Die­ser hane­bü­che­ne Quatsch ist in sei­ner Gesamt­heit übri­gens eine Ant­wort auf den Kom­men­tar eines ande­ren Redak­teurs von „SPIEGEL ONLINE“, der da schrieb:

Wie wehr­haft muss der frei­heit­li­che Staat sich zei­gen? Gerät er in der Not in Gefahr, sei­ne eige­nen Wer­te – Frei­heit, Libe­ra­li­tät, Welt­of­fen­heit – aus Angst vor der unheim­li­chen Bedro­hung hint­an­zu­stel­len? (…)

Wäh­rend deut­sche Kampf­flug­zeu­ge an der Sei­te einer inter­na­tio­na­len Kriegs­ko­ali­ti­on über Syri­en krei­sen, Bom­ben und Rake­ten als letz­tes Mit­tel für den Schutz der frei­heit­li­chen Ord­nun­gen vor dem IS auf­bie­ten, sit­zen die deut­schen Ver­fas­sung­hü­ter (sic! A.d.V.) in ihrem Gehäu­se beim Glas­per­len­spiel.

Da machen sie wenig­stens nichts kaputt.

Nein, nein, kei­ne Tole­ranz der Into­le­ranz; Ver­bo­te lösen bekannt­lich Pro­ble­me, bekannt­lich ist mit dem Ver­bot der KPD vor über sech­zig Jah­ren auch jeder radi­ka­le Kom­mu­nis­mus aus Deutsch­land ver­trie­ben wor­den, mit dem Ver­bot des Ver­triebs von Soft­ware wie CloneCD jedes Musik­ko­pier­por­tal in der Ver­sen­kung ver­schwun­den. Viel­leicht soll­te jemand anre­gen, Straf­ta­ten all­ge­mein zu ver­bie­ten – jede Ter­ror­ge­fahr wäre damit zwei­fels­oh­ne aus der Welt geschafft.

Die ein­fach­sten Lösun­gen sind oft die besten.

In den NachrichtenMontagsmusik
The Dil­lin­ger Escape Plan – Milk Lizard

SchuuuhuuuuuiiiiiiMon­tag. Zusam­men auf­zu­wa­chen wäre noch etwas gran­dio­ser, wenn da nur nicht die­ses Ver­mis­sen danach wäre; aber wie könn­te man sei­nen Mon­tag anson­sten bes­ser begin­nen als mit Kaf­fee und zu zweit? Manch­mal: Dank­bar sein.

Ein jing­le spielt. Die Nach­rich­ten. Gre­at Schrott. Kann man sich eigent­lich auch tot­la­chen? Das wäre mal ein huma­ner Krieg. War­um nicht gleich Krieg gegen Nie­der­schlä­ge in Form von Regen am Wochen­en­de? Viel­leicht soll­te man Ter­ro­ris­mus ein­fach ver­bie­ten. Ande­rer­seits: Reli­gi­on ist Krieg.

Das ist alles so depri­mie­rend. Gucken wir ins Tier­reich. – Das kann man ja mal ver­wech­seln: „Ich dach­te, die Frau in mei­nem Bett sei ein rie­si­ger Pan­da.“ Die sehen sich aber auch immer alle so ähn­lich.

Es ist ja nicht alles schlecht. Es gibt jetzt Klo­pa­pier mit Leb­ku­chen­ge­stank. Dann muss man das Zeug nicht erst essen und spart einen Weg. Aber ich will nicht kla­gen. Seid besinn­lich, sonst…

The Dil­lin­ger Escape Plan – Milk Lizard – Live on Fearless Music

Guten Mor­gen.

Nerdkrams
Vir­tua­li­sie­rungs­wahn

(Vor­be­mer­kung: Ein Rant, kei­nes­wegs zur inhalt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung gedacht.)

Die Idio­kra­tie schrei­tet vor­an. Seit in der Linux­welt mit „Docker“ end­lich ein wer­be­taug­li­cher Name für das unter BSD schon längst nicht mehr bemer­kens­wer­te Kon­zept der vir­tu­el­len „Con­tai­ner“ gefun­den wur­de, hal­ten Ent­wick­ler es für rat­sam, den Benut­zern ihrer Pro­duk­te gar nicht mehr zumu­ten zu wol­len, halb­wegs zu wis­sen, was gera­de pas­siert. Die scheuß­li­che, pra­xis­un­taug­li­che Foren­soft­ware Dis­cour­se lie­ße sich wahr­schein­lich auch manu­ell instal­lie­ren, emp­foh­len wird aber eine Instal­la­ti­on „per Docker“. Bloß nicht zu viel nach­den­ken las­sen, das pas­siert alles auto­ma­tisch. Auto­ma­tisch ist gut. Noch etwas blö­der sind eigent­lich nur noch die Witz­bol­de von Let’s Encrypt, die für ihre pro­phe­zei­te Zukunft des SSL-Ver­schlüs­selns gern eine Python-VM, Docker und noch eini­ge Wun­der­lich­kei­ten hät­ten. Is‘ ja Open Source, kann­ste ja rein­gucken, also muss dich gar nicht inter­es­sie­ren, was da gera­de vor sich geht.

Wenn eine kon­zep­tio­nell nicht furcht­bar umfang­rei­che Soft­ware eine eige­ne Umge­bung braucht, um unter­stüt­zens­wert zu lau­fen, dann funk­tio­niert sie nicht. Ein Admi­ni­stra­tor, der sich dar­auf ver­lässt, dass ein System, das sich sozu­sa­gen mit Sack und Pack selbst instal­liert, schon kei­nen Unfug anrich­ten wird, soll­te nie­mals die Erlaub­nis bekom­men, ein Fir­men­netz­werk oder – noch schlim­mer – einen Web­ser­ver zu war­ten. Ein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Umgang mit dem Inter­net sieht anders aus.

Java­Script, das irgend­wel­che Sicher­heits­lücken aus­nutzt, lässt sich mitt­ler­wei­le in Bil­dern ver­stecken. Hat euer Brow­ser immer noch kein uMa­trix? Ach so, ich ver­ste­he: So viel klicken wol­len wir ja alle nicht. Kann ja nichts pas­sie­ren. Snow­den hat sei­ne Schul­dig­keit getan, Snow­den kann gehen. Die­se Web­site sagt, ihr sollt kryp­ti­sche, teil­wei­se ver­schlüs­sel­te Befeh­le in eure Kom­man­do­zei­le ein­ge­ben, wenn ihr SSL auf eurer Web­site ein­set­zen wollt. Wovor soll­te man sich auch Sor­gen machen? Ent­packt ein­fach die­sen Con­tai­ner, star­tet die­se vir­tu­el­le Umge­bung, lasst unse­re Soft­ware alles instal­lie­ren, was sie braucht. Ihr müsst nicht wis­sen, was der Rech­ner, für den ihr recht­lich ver­ant­wort­lich seid, gera­de eigent­lich rech­net. Wir wis­sen, was gut für euch ist. Is‘ ja Linux. Is‘ ja sicher.

Ich befür­wor­te übri­gens immer noch einen Pflicht­füh­rer­schein für Inter­net­nut­zer. Wer nach­weis­lich zu doof oder zu faul für wenig­stens ein Min­dest­maß an Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein in Netz­wer­ken ist, der soll­te das Recht auf Inter­net ver­wehrt bekom­men. Im Stra­ßen­ver­kehr funk­tio­niert das doch auch.

MusikNetzfundstücke
Zitat des Tages: Musik­s­mom­bies

Der­ma­ßen vie­le Aus­ru­fe­zei­chen, wie ich hier gern setz­te, ver­stie­ßen gegen jede Regel des guten Geschmacks, also set­ze ich kein ein­zi­ges:

Als eine Stun­de des Kon­zerts vor­über ist, den­ke ich, dass die Hirn­to­ten nun lang­sam genug Fotos vom immer­glei­chen Motiv (Kla­vier, Kla­vier­spie­ler, Sän­ger, mal sit­zend, mal ste­hend) geschos­sen haben müss­ten, aber weit gefehlt. Sie knip­sen immer neue Bil­der, die genau so aus­se­hen wie die 5.000, die sie in der letz­ten hal­ben Stun­de geschos­sen haben. Mit Blitz. Immer die­ser Blitz. Noch­mal: Was stimmt mit den Men­schen nicht? Der Saal ist dun­kel, es gibt atmo­sphö­ri­sche Musik und sie blit­zen. Das ist wie bei einer Beer­di­gung auf den Sarg schei­ßen. Das tut man ein­fach nicht und das weiß nor­ma­ler­wei­se auch jeder. Nur in Ber­lin wie­der nicht, hier wis­sen sie nichts.

Men­schen. Sie wer­den so schnell doof.

PolitikIn den Nachrichten
Was wir am besten kön­nen

Die Bun­des­re­gie­rung will bis zu 1200 Sol­da­ten in den Kampf gegen den IS schicken. (…) Es ist ein Kampf­ein­satz, den Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel und ihre Mini­ster pla­nen – mit Auf­klä­rungs­tor­na­dos, Luft­be­tan­kung und einer Fre­gat­te soll Frank­reich im Kampf gegen die Ter­ror­mi­liz „Isla­mi­scher Staat“ (IS) unter­stützt wer­den. (…) Kurz vor der Ent­schei­dung sag­te Außen­mi­ni­ster Frank-Wal­ter Stein­mei­er (SPD) der „Bild“-Zeitung: „Wir tun das, was mili­tä­risch gebraucht wird, wir am besten kön­nen und poli­tisch ver­ant­wor­ten kön­nen.“

Wenn wir Deut­schen eins kön­nen, dann ja wohl Krieg!

(per SPON)

In den NachrichtenMontagsmusik
JPL – Invi­si­ble Death

Keine EuleMon­tag. Auf­zu­wa­chen von Geräu­schen der besten aller Part­ne­rin­nen ver­mag man­ches zu erleich­tern, auch die Uhr­zeit. „Mist­wet­ter statt Kaf­fee“ ist das neue „Brot statt Böl­ler“. Das alte war auch doof.

Die Nach­rich­ten über­schla­gen sich der­weil: Gün­ther Jauch hört mit Mono­logsmo­de­ra­ti­on auf. Doch, echt! Dann muss man ja wie­der Fuß­ball gucken, wenn man nicht schla­fen kann. Wie anstren­gend ist das denn‽ – Ande­rer­seits könn­te es schlim­mer sein. Man könn­te mit Kind zur Arbeit gehen. Nix geben. Nix zei­gen. Ich mag eh kei­ne frem­den Babys.

Und es war, ist und wird noch mehr Advent, Kin­der wer­den umwor­ben und indok­tri­niert. Die Infan­ti­li­sie­rung und Indok­tri­na­ti­on mit dem spar­ent­flamm­ten Geist der Weih­nacht geht vor­an. Zum Glück zah­len wir Rund­funk­ge­büh­ren, sonst wäre das Fern­seh­pro­gramm die­ser Tage sicher­lich nicht beson­ders span­nend. Ab Ende Dezem­ber dürft ihr Men­schen wie­der offen has­sen. Das Christ­sein ist sowie­so ver­brannt, seit Chri­sten sich poli­ti­sie­ren.

Die Ein­schlä­ge kom­men näher. Nie­mand hält die Enten auf. Es wäre Zeit für die Jah­res­rück­schau, aber unser­eins ist ja faul und ein biss­chen erkäl­tet. Statt­des­sen also erst mal JPL. Eine gute Band, ein gutes Album (das aber anders heißt).

JPL Invi­si­ble death

Guten Tag.

Mir wird geschlechtIn den NachrichtenWirtschaftComputer
Drei­mal kurz zitiert: Win­dows 10, Wohl­fühlstu­den­ten, Kas­sen­klin­geln

Micro­softs krea­ti­ve Ver­sio­nie­rung:

This initi­al ship­ping ver­si­on of Win­dows 10 can also be iden­ti­fi­ed by a build num­ber, 10240. Whe­re the 10 stands for 10 and the 240 stands for abso­lut­e­ly not­hing. Actual­ly, the 10 doesn’t stand for 10 eit­her: That’s just the 10,240th time Micro­soft has built Win­dows. Except, of cour­se, that it isn’t.

:lachtot:


Gen­der­irr­sinn an der Yale Uni­ver­si­ty:

It is not about crea­ting an intellec­tu­al space! You under­stand that? It is about crea­ting a home here! You are not doing that!

Naja, auch in den USA brau­chen sie ja Leu­te, die spä­ter mal die Klos put­zen.


Der Tod ist ein Kas­sen­wart aus Deutsch­land:

Die Waf­fen, die vor zwei Wochen an die 130 Fran­zo­sen getö­tet haben, waren nun viel­leicht doch nicht, wie vor­mals behaup­tet, von hier. Das mel­de­ten die Nach­rich­ten in allen Kanä­len. Dass sie in Deutsch­land geor­dert wur­den, war halt doch nur ein Gerücht von bösen Zun­gen. (…) Wie­der ein wenig weni­ger Schuld auf den Schul­tern die­ses Lan­des.

Die Schuld, die Schuld tra­gen zum Glück immer die Ande­ren (i.e. Gabri­el, Sig­mar).

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik (extern) in Kür­ze: „Zeigt ja Zahl, misst ja Qua­li­tät.“

Es mag über­ra­schen: Manch­mal gucken sogar Jour­na­li­sten nicht so genau hin. Kon­zer­tier­te Anony­mous-Akti­on oder getroll­tes Troll­trol­len? Zivi­li­stin oder zer­fetz­te Selbst­mord­at­ten­tä­te­rin? Die sehen ja auch alle gleich aus:

Die angeb­li­che Selbst­mord­at­ten­tä­te­rin von Saint-Denis lebt ahnungs­los in Marok­ko

Vor­her ging natür­lich ein, sagen wir, unvor­teil­haf­tes Wan­nen­fo­to von ihr durch die Medi­en, natür­lich nackich. Die Bot­schaft kommt an: Wir, der Westen, sind nicht prü­de; wir, der Westen, mögen Nip­pel. Wir sind hier frei und ihr, die Ter­ro­ri­sten, nicht. Frei von Beson­nen­heit, möch­te man da hin­zu­fü­gen, nicht aber frei von ver­que­ren Welt­bil­dern. Natür­lich sind die Guten aber immer die­je­ni­gen, die das Rich­ti­ge beju­beln, wie’s das Stim­mungs­ba­ro­me­ter auf der Web­site eines bekann­ten deut­schen Drecks­blatts dem Ver­neh­men nach gut wider­spie­gelt: Hier stirbt ein Roh­ling! Lachen, Wei­nen, Wut, Trau­er?

Was das Rich­ti­ge ist, wird mit den Füßen abge­stimmt. Wo ein Aas ist, da sam­meln sich die Gei­er. Zumin­dest, so lan­ge sie sehen kön­nen, wo die ande­ren Gei­er sind:

Drü­ben beim frat­zen­buch gibts noch zäh­ler in den so genann­ten “but­tons”, die in wirk­lich­keit träcking-wan­zen sind, die die­se gan­zen idjo­ten in ihre web­seits rein­bau­en. Zeigt ja zahl, misst ja kwa­li­tät!

Bekloppt, alle bekloppt.

In den NachrichtenComputer
I got a han­go­ver, whoa.

Erre­gung über Leu­te, die Kunst­wer­ke und Kon­zer­te nur noch zu besu­chen schei­nen, um sich selbst dort zu foto­gra­fie­ren, ist eigent­lich auch mal wie­der ange­mes­sen; auf die Gene­ra­ti­on derer, die auf Kon­zer­ten allein des­halb klat­schen, um sich selbst dafür zu beglück­wün­schen, das jewei­li­ge Lied zutref­fend erkannt zu haben, folgt offen­bar jene, deren Hin­ein­ge­bo­re­ne das digi­ta­le Spie­gel­bild zum Zen­tral­ge­stirn des kul­tu­rel­len Kos­mos‘ erklärt haben. Für die vir­tu­el­le Ewig­keit kon­ser­viert wird heu­te der Moment der eige­nen Zufrie­den­heit völ­lig ohne Ein­fan­gen des Moments selbst. Ob sie wohl auch auf Lesun­gen leicht neben dem Takt der Ver­se mit­klat­schen?

Dies nur, da mir unlängst eine Orche­ster­ver­si­on des Stra­ßen­fe­gers „Ghost­bu­sters“ begeg­ne­te und das sich sonst­wie klas­sisch gebär­den­de Publi­kum schief mit­klatsch­te. Wenig­stens sang es nur auf Zuruf einen Teil des Tex­tes. Eigent­lich aber lehnt sich mein „Kultur“-Realismus heu­te gegen die App namens Han­no­ver Han­go­ver auf:

Auf Par­tys ent­ste­hen manch­mal Bil­der, die man lie­ber nicht im Netz sehen möch­te. Mit der „Han­go­ve­r­App“ kann man sich schüt­zen, ver­spricht der Her­stel­ler. Sie zeigt die Auf­nah­men nur, wenn alle Betei­lig­ten zusam­men­kom­men.

Das is‘ ja wie bei Snap­chat, der Rub­bel­app für Katho­li­ken, nur gering­fü­gig anders: Man könn­te selbst­ver­ständ­lich dar­auf ver­zich­ten, über von Unbe­kann­ten betrie­be­ne eben­so unbe­kann­te Ser­ver in einem unbe­kann­ten Land vor gar nicht all­zu lan­ger Zeit sel­fies von den eige­nen Fort­pflan­zungs­or­ga­nen mit­ein­an­der aus­zu­tau­schen, aber für irgend­was müs­sen die­se hip­pen neu­en Medi­en ja da sein, und wofür, wenn nicht als Ama­teur­por­no­quel­le? Gibt’s ja im Inter­net sonst viel zu wenig. – Ab und zu schüt­tet Snap­chat auch in guter, alter Kom­mu­ni­sten­ma­nier sei­ne Benut­zer­da­ten­bank aus, damit wie­der Platz ist für neu­es Fleisch. Sieht ja kei­ner. Ist ja alles gleich gelöscht.

Und so ist das mit Fei­er­fo­tos eben auch: Wer davon aus­geht, dass man just in die­sem Moment umge­ben ist von Leu­ten, die kei­nes­wegs ver­ant­wor­tungs­vol­ler und zurech­nungs­fä­hi­ger sind als man selbst, und man sowie­so schon davon aus­geht, dass das, was man hier und jetzt zu foto­gra­fie­ren beab­sich­tigt, die Öffent­lich­keit bes­ser nicht zu Gesicht bekom­men soll­te, der lässt sei­ne Taschen­knip­se doch ein­fach mal in der Tasche und lebt im Augen­blick. Nichts ist schlim­mer als ein Moment, den man nur durch den Sucher erlebt hat. Aber was soll’s, es ist ja Platz, der Digi­tal­film ver­gisst nicht. Alles sam­meln, es sehen ja sowie­so nur die­je­ni­gen, die auch selbst dabei sind und das mit dem Sucher auch nicht ver­stan­den haben. Eines Tages kann man sich dann mit den Ande­ren, die den Moment auch ver­passt haben, zusam­men­set­zen und sich gemein­sam angucken, was man hät­te erle­ben kön­nen, wenn man nicht so beschäf­tigt damit gewe­sen wäre, Erin­ne­run­gen zu ver­bild­li­chen, weil man sich sicher war, dass sie am näch­sten Tag ohne­hin all­mäh­lich ver­blass­ten.

Das Leben als Pro­jek­ti­on, als sei es nur im Hoch­glanz etwas wert.

Du hast den Farb­film ver­ges­sen, mein Micha­el /
Nun glaubt uns kein Mensch, wie schön’s hier wa-a-ar.
Nina Hagen


Real-Life-Hack des Tages: Erhal­ten Sie hier Ihren Gra­tis­fal­ken!

NetzfundstückeNerdkramsMontagsmusik
Faust (live) // Total ver­chromt / Ampeln für Anfän­ger

Huh?Man soll den Mon­tag nicht vor dem näch­sten Mon­tag loben. Nicht alles ist ent­behr­lich. Manch­mal sind Men­schen ja auch furcht­bar dumm. Sogar in Metro­po­len:

Die Signal­far­be “Gelb” wird in Deutsch­land für Fuß­gän­ger­am­peln in aller Regel nicht genutzt. Aus­nah­me hier­bei ist die Stadt Düs­sel­dorf, die über “Rot-Gelb-Grün”-Signale für Fuß­gän­ger ver­fügt. Eini­ge Men­schen sind irri­tiert über die­se Gelb­pha­se, wes­halb die Stadt Düs­sel­dorf eine acht­sei­ti­ge Bro­schü­re ver­teil­te. The­ma war: So gehen Sie in Düs­sel­dorf über die Stra­ße.

Natür­lich ist die­se Bro­schü­re in ziem­lich leich­ter Spra­che ver­fasst. Wer schon von einer drei­far­big leuch­ten­den Ampel über­for­dert ist, dem mutet man lie­ber auch kei­ne kom­pli­zier­ten Sät­ze zu. Viel­leicht hät­te es aber auch ein Bil­der­buch getan.

Was es übri­gens kei­nes­falls tut, ist Chro­mi­um, der Brow­ser, auf dem Goog­le Chro­me, Vival­di, Ope­ra und sicher noch vie­le wei­te­re basie­ren. Die­ser Tage stell­te sich her­aus, dass all die­se Brow­ser nicht nur ein Hin­ter­tür­chen (Vor­sicht: Link auf Goog­le Plus) besit­zen, das es ermög­licht, Zwangs­er­wei­te­run­gen mit vol­len Zugriffs­rech­ten zu instal­lie­ren, son­dern auch einen defek­ten Zufalls­zah­len­ge­ne­ra­tor hat. „Der Brow­ser ist wei­ter­hin ein ver­wir­ren­der und gefähr­li­cher Ort“ (ebd.), aber man muss ja mit der Zeit gehen. Sicher­heit ist so 2010.

Pop­mu­sik zum Glück auch.

Kläng, din­gel­ding.

Faust live at Festi­val BBmix 2014

Guten Mor­gen.

Spaß mit Spam
Kannst eine Uhr wie in den Films haben

Eine Uhr wie in den Films hat mir gera­de noch gefehlt. Zum Glück erhielt ich heu­te eine Mail von „Lie­se“, die Abhil­fe ver­sprach. Offen­sicht­lich han­del­te es sich um eine HTML-Mail, irgend­ein extern ein­ge­bun­de­nes Bild soll­te nach­ge­la­den wer­den; aber ich bin ja bekannt­lich nicht völ­lig bescheu­ert.

Der Rein­text ist aber auch super.

Jeder will sie von mir kau­fen

Und dann bekom­me gera­de ich die­ses unfass­ba­re Ange­bot? Es gesche­hen Wun­der!

Cool: Mit der Uhr mai­len »

Pri­ma! Außer­dem: Mit dem Tele­fon Bücher lesen. Die­se neue Zeit ist erschreckend, nicht?

Kannst eine Uhr wie in den Films haben

Hof­fent­lich wie in guten Films, nicht wie in Comic­films.

Hier a b*melden

Was? Wovon? Wofür? War nicht „anmel­den“ gemeint? Und seit wann wird die Mel­dung gegen­dert? Ich bin irri­tiert.

Aber noch mal zur Uhr:

Super, zeigt sogar die Uhr­zei­ten…

(sic!)

Äh.

Muss ich haben! :bravo:

Mir wird geschlechtMusikPolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 19. Novem­ber 2015

Pünkt­lich zum heu­ti­gen inter­na­tio­na­len Män­ner­tag habe ich mir die töd­li­che Män­ner­er­käl­tung zuge­zo­gen. Mei­ne ver­blei­ben­de Lebens­zeit ist daher wahr­schein­lich kurz. Bevor ich also abtre­te und der Nach­welt ein CDU-regier­tes Deutsch­land hin­ter­las­se, kann ich ein paar Nach­rich­ten der letz­ten Tage trotz­dem nicht unkom­men­tiert las­sen. Es gibt Schlim­me­res.

Netz­po­li­tik zum Bei­spiel mag „tot“ sein, aber sinn­los ist sie bei Wei­tem nicht: Ein US-Geheim­dienst­ler fin­det, an Ter­ro­ris­mus sei­en allein Daten­schüt­zer schuld. Zum Glück haben wir in Deutsch­land ein paar Par­tei­en, die sich trotz­dem um eine lebens­wer­te Gesell­schaft küm­mern, zum Bei­spiel die „Grü­nen“, die end­lich eine Mög­lich­keit gefun­den haben, ihrem image als Par­tei der Waf­fen­nar­ren und erho­be­nen Zei­ge­fin­ger eine neue Form der Bekloppt­heit zu geben:

„Um sicher­zu­stel­len, dass alle Men­schen glei­cher­ma­ßen genannt und dadurch mit­ge­dacht wer­den, wird in unse­ren Beschlüs­sen ab jetzt der Gen­der-Star benutzt“, begrün­det der Bun­des­vor­stand sei­nen Vor­stoß.

Bezie­hungs­wei­se eben der*die Bundesvorstand*in. Ich fin­de es übri­gens durch­aus ange­nehm bis­sig, bei der Sprach­ver­hun­zung dem Patri­ar­chat wei­ter­hin den Kern eines Wor­tes und den Frau­en das über­flüs­si­ge, aber immer­hin letz­te Wort („*in“) zu über­las­sen.

Da wir gera­de bei Par­tei­en sind: Laut „SPIEGEL ONLINE“ sei die AfD der­zeit die dritt­stärk­ste Kraft im Bun­des­tag. Wie prak­tisch, dann muss man nicht mehr wäh­len gehen, wenn der Wahl­aus­gang Jah­re zuvor rück­wir­kend per Umfra­ge fest­ge­legt wird. Hun­de, wollt ihr ewig leben? Man­che jeden­falls nicht: Das Netz ist gespal­ten. Was wir jetzt brau­chen, sind mehr trau­ri­ge Men­schen mit Zet­teln, mehr Flag­gen­ava­tare auf Twit­ter und mehr Ton­nen­boys (m/w).

Apro­pos Ton­nen­boys bzw. och nei, du: Xavier Naidoo („Wo sind unse­re Füh­rer, wo sind sie jetzt?“, aus: „Wo sind sie jetzt?“), der wohl bekann­te­ste Gefan­ge­ne der Deutsch­land GmbH, darf 2016 im „Euro­vi­si­on Song Con­test“ für die­ses schwer gebeu­tel­te Land „sin­gen“. Nun könn­te man ein­wer­fen, dass es ja ein Län­der- und kein Musi­ker­wett­streit sei, und dann hört man sich ein­mal die dort auf­ge­führ­ten aus­tausch­ba­ren eng­lisch­spra­chi­gen Mit­klatsch­schla­ger der ver­gan­ge­nen Jah­re an und zieht sei­nen Ein­wand zurück. Sei­en wir doch ehr­lich und geben zu, dass wir uns min­de­stens seit dem Jahr nach Nico­le Ohnen­ach­na­mens erschreckend erfolg­rei­chem „Ein biss­chen Frie­den“ nicht mehr mit den Auf­trit­ten iden­ti­fi­zie­ren kön­nen und mit der Musik noch viel weni­ger. Dass aus Deutsch­land nicht viel gute Musik kommt, mag stim­men; dass aber der „Euro­vi­si­on Song Con­test“ ein medi­al auf­ge­bla­se­ner Schla­ger­wett­streit und kein ernst zu neh­men­des künst­le­risch bemer­kens­wer­tes Musikfesti­val ist und Xavier Naidoo mit sei­nem melo­disch und text­lich besten­falls nur belang­lo­sen Gejam­mer nicht ein­mal der lach­haf­te­ste mög­li­che Ver­tre­ter Deutsch­lands ist, wird vor lau­ter Poli­ti­sie­rung viel zu sehr ver­drängt.

„Lei­ke Set­te­leit“ war auch nicht des­halb ein Erfolg, weil es so gut zu Deutsch­land pas­sen wür­de.

Gute Bes­se­rung uns allen.

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Mono für Alle! – Gen­tri­fi­ca­ti­on

UuaaaahEs ist Mon­tag. Ein Blick nach links und lächeln. Zumin­dest war es dies­mal kein Traum. Das Käuz­chen schweigt und genießt, das Leben kann begin­nen.

All­mäh­lich ver­daut man dann auch, was letz­te Woche außer den erneu­ten Anschlä­gen in Frank­reich, unse­rem Nach­bar­land mit schar­fer Vor­rats­da­ten­spei­che­rung zur effi­zi­en­ten Gewalt­prä­ven­ti­on, mit­samt drin­gend erfor­der­li­chen Belang­lo­sig­kei­ten noch geschah. End­lich wur­de wie­der jemand getö­tet, damit das Töten auf­hört. Der unbe­waff­ne­te neun­jäh­ri­ge Autist hin­ge­gen, der unlängst von der US-ame­ri­ka­ni­schen Poli­zei erschos­sen wur­de, war gar nicht bedroh­lich. Hopp­la! Aber sol­che Feh­ler kön­nen ja mal pas­sie­ren in die­ser ver­roh­ten Gesell­schaft, die nach der Über­win­dung von Lese­sucht, die im 19. Jahr­hun­dert unser Mit­ein­an­der gefähr­de­te, und Fern­se­hen, das im 20. Jahr­hun­dert unser Mit­ein­an­der gefähr­de­te, inzwi­schen durch Smom­bie­fi­zie­rung gefähr­det wird. Das Jugend­wort des Jah­res erkennt man ja nor­ma­ler­wei­se dar­an, dass es nie­mand benutzt.

Unver­zeih­lich ist es hin­ge­gen, wenn auf Mül­ler­milch eine Dun­kel­häu­ti­ge prangt. Allein der Name schon – „Scho­ko“! Das heißt doch jetzt Far­bi­go­la­de. Gegen einen mus­ku­lö­sen dun­kel­häu­ti­gen Musi­ker hät­te man aber wahr­schein­lich nichts gehabt. Die wer­den ja nicht dis­kri­mi­niert dadurch.

Man weiß schon gar nicht mehr, was man noch zei­gen soll. Men­schen jeden­falls nicht.

Dann eben Elek­tro­dings­bums.

G‑e~n*T‑r-i^f.i.K.@.t#i+0N — [mono für alle]

Guten Mor­gen.