NetzfundstückeNerdkrams
Nütz­li­che Hel­fer­lein: Rea­da­bili­ty und Insta­pa­per

Was am Inter­net ja auch eher unbe­frie­di­gend ist, ist der Hang zur Über­la­dung. In so einem Brow­ser ist ja Platz, also nutzt man ihn auch voll aus und quetscht den eigent­li­chen Text in eine dün­ne Spal­te, damit mehr Platz für Metain­hal­te, „ähn­li­che Arti­kel“ und der­glei­chen bleibt. Die opti­sche Tren­nung der Berei­che ist dann manch­mal so schlecht gelun­gen, dass man zum Bei­spiel schon die Kom­men­ta­re liest und es gar nicht merkt.

Eben­falls ver­brei­tet ist die Ange­wohn­heit, schwer les­ba­re oder zu klei­ne Schrif­ten ein­zu­set­zen. Func­tion fol­lows form. „Seht nur, wie schön unse­re Sei­te ist!“ – „Und was steht dort?“ – „SEHT NUR, WIE SCHÖN SIE IST!“

Das sind natür­lich Pro­ble­me, die man mit einem RSS-Leser nicht hat, aber viel­leicht möch­te sich nicht jeder nur für zwei oder drei regel­mä­ßig besuch­te Web­sites mit RSS beschäf­ti­gen müs­sen und ruft die­se Sei­ten lie­ber aus sei­ner Lese­zei­chen­lei­ste her­aus auf (oder macht sie gar nicht erst zu). Ein­fa­che Abhil­fe: Rea­da­bili­ty (der Dienst, nicht die Ree­der-Funk­ti­on).

Rea­da­bili­ty hat ver­schie­de­ne Funk­tio­nen, unter ande­rem – nach Anmel­dung – eine „Lese­li­ste“ (ähn­lich Pocket), so dass man sich inter­es­san­te Arti­kel vor­mer­ken kann, um sie spä­ter zu lesen, und natür­lich ste­hen auch apps für Android und iOS sowie eine Erwei­te­rung für Fire­fox und so wei­ter zur Ver­fü­gung, beson­de­re Beach­tung ver­dient aber die Funk­ti­on zur bes­se­ren Les­bar­keit von Arti­keln.

Die ist am Ein­fach­sten als „Book­mar­klet“ (als Lese­zei­chen eben) zugäng­lich, dafür zie­he man die­sen Ver­weis in sei­ne Lese­zei­chen­lei­ste, sofern vor­han­den (wenn nicht, soll­tet ihr den Brow­ser wech­seln; Aus­nah­men: text­ba­sier­te Brow­ser machen Arti­kel sowie­so von Haus aus les­bar). Sel­bi­ger Ver­weis sen­det die im aktu­el­len Tab/Fenster geöff­ne­te Web­sei­te an Rea­da­bili­ty. Das funk­tio­niert erstaun­lich gut, in eini­gen Mona­ten der regel­mä­ßi­gen Nut­zung habe ich nur ein ein­zi­ges Blog gese­hen, in dem Rea­da­bili­ty statt der Kom­men­ta­re den eigent­li­chen Arti­kel­text ent­fernt hat.

Readability vorher Readability nachher

In der (ein­klapp­ba­ren) Sei­ten­lei­ste hat der geneig­te Benut­zer Zugriff auf die Dar­stel­lungs­op­tio­nen (ande­re Schrift­grö­ße, ande­re Schrift­art, ande­rer Sei­ten­rand, ande­rer Hin­ter­grund) und auf die „Lese­li­ste“, letz­te­re natür­lich bevor­zugt nach Anmel­dung.

Wenn jeman­dem das Aus­se­hen der von Rea­da­bili­ty „les­bar“ gemach­ten Arti­kel trotz der Optio­nen nicht gefällt, gel­ten die genann­ten Vor­zü­ge im Übri­gen auch für Insta­pa­per, eine medi­al hoch­ge­lob­te Rea­da­bili­ty-Alter­na­ti­ve mit ähn­li­cher Funk­tio­na­li­tät, aller­dings anschei­nend ohne die Mög­lich­keit einer Nut­zung ohne vor­he­ri­ge Regi­strie­rung. Gete­stet habe ich den Dienst aber nicht.


Nach­trag vom 22. Juni 2018: Mir wur­de zuge­tra­gen, dass Rea­da­bili­ty in Kür­ze geschlos­sen wird. Mitt­ler­wei­le haben Web­brow­ser aller­dings meist eine eige­ne Lese­funk­ti­on, womit sich die­ser Arti­kel erle­digt hät­te.

Persönliches
2014:

Die­ser Arti­kel ist Teil 3 von 15 der Serie Neu­jahr

Ich wür­de an die­ser Stel­le allen Lesern ein fro­hes neu­es Jahr wün­schen, aber wir wis­sen alle, dass es das nicht wird. Die Revo­lu­ti­on der neti­zens redu­ziert sich auf Blogs, Peti­tio­nen und Tschunk­or­gi­en in Ham­burg; sich die Welt, die einem über den Kopf wächst, schön­zu­trin­ken ist aller­dings ein pro­ba­tes Mit­tel, um zu ver­ges­sen.

Gute Vor­sät­ze? Anfan­gen zu rau­chen viel­leicht, dann (er-)lebt man den Käse nicht mehr ganz so nach­hal­tig. Sich vor­neh­men, erfolg­rei­cher zu lie­ben als 2013 (bzw. bes­ser nicht), und es dann ja sowie­so wie­der nicht schaf­fen. (Guter Vor­satz für 2014: Sei­ne Lebens­zie­le nicht mehr an einen Kalen­der bin­den.)

Es wird auch in die­sem neu­en Jahr wei­te­re „NSA-Skan­da­le“ geben, wei­te­re kon­ta­mi­nier­te Dien­ste, Gerä­te und Staa­ten. Die „jun­gen Pira­ten“ sind da kei­ne gro­ße Hil­fe, die Alt­pi­ra­ten schlie­ßen sich der­weil der Online­re­vo­lu­ti­on an. Den Still­stand hat der Wäh­ler so gewollt, aber der Bör­se geht es bes­ser.

Gro­ßer Bru­der, du bist immer da!
Zlat­ko & Jür­gen

Rake­te, Rake­te. Drau­ßen wird gera­de geknallt wie im Krieg. Mein Groß­va­ter ver­lässt an Sil­ve­ster geschlos­se­ne Räu­me nicht mehr, trau­ma­ti­siert vom 2. Welt­krieg, nur dass damals wenig­stens noch klar war, wo der Feind sitzt. 2014 läuft im nun­mehr drei­ßig­jäh­ri­gen Pri­vat­fern­se­hen wie­der eine Fuß­ball­mei­ster­schaft, da sitzt der Feind zumin­dest süd­lich von uns. Kein Wun­der ist von „Tor­schüs­sen“ die Rede.

The Beat­les – Revo­lu­ti­on (Sub­ti­tu­la­do al Espa­ñol)

You tell me it’s the insti­tu­ti­on – well, you know
you’d bet­ter free your mind instead

Prost Neu­jahr.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Deutsch­lands schön­ste Unfall­bil­der

Man kann die­ser Mel­dung momen­tan ja ohne­hin nur schwer ent­ge­hen: Micha­el Schu­ma­cher hat­te einen Ski­un­fall.

Die jetzt eigent­lich fäl­li­gen Wit­ze mit „Boxen­stopp“, „Kinn­ha­ken“ und Hirn­schä­den über­las­se ich Twit­ter (wahr­schein­lich wur­den dort alle, die mir gera­de spon­tan ein­fal­len, sowie­so bereits gemacht), es wäre auch stil­los. De pae­ne mor­tuis nihil nisi bene außer Hit­ler halt.

Der media­le Umgang mit dem Vor­fall aller­dings lässt mich zwei­feln, ob es nicht inzwi­schen die Pie­tät ist, mit der man noch Auf­se­hen erre­gen kann:

Die schlimm­sten Unfäl­le des sie­ben­fa­chen Welt­mei­sters zum Durch­klicken.

Pop­corn!

Montagsmusik
Toco­tro­nic – Sag alles ab

Es lässt zumin­dest hof­fen, wenn Jugend­li­che es aus eige­ner Kraft schaf­fen, sich von Sucht­mit­teln zu befrei­en, die ihr Leben zer­stö­ren. Zum Bei­spiel Face­book.

Als ich es mei­nen Kol­le­gen mit­ge­teilt habe, waren die regel­recht schockiert. Die mei­sten konn­ten es gar nicht glau­ben. Die ersten Tage war es dann auch wirk­lich schwer, die Ver­lockung war gross, das Pro­fil wie­der zu akti­vie­ren. Doch ich blieb stark.

Dar­auf erst mal ’ne Dosis Rock.

Toco­tro­nic – Sag alles ab

Reiß‘ dei­ne Fes­seln doch ent­zwei und lass‘ das Dreck­schwein mal zu Hau­se!
Die Zeit der Schmer­zen ist vor­bei, die Kar­rie­re macht mal Pau­se!

Guten Mor­gen!

MusikNetzfundstücke
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: „Nein, die ande­re Frei­heit.“

Zu der media­len Wahr­neh­mung der selt­sa­men Musik­grup­pe „Frei.Wild“ hat­te ich mich ja bereits abfal­lend geäu­ßert, damals noch ohne gro­ße Kennt­nis von der tat­säch­lich gespiel­ten Musik. Über mei­ne Ver­wandt­schaft kam ich mitt­ler­wei­le mit sel­bi­ger in Kon­takt und kann zumin­dest ver­ste­hen, wie­so sie pola­ri­siert; auf mich wirkt das Dar­ge­bo­te­ne schlicht lai­en­haft. Nun hat sich jüngst her­aus­ge­stellt, dass auch die­se Musi­ker eini­ge „Fan­shirts“ („Band­pul­lis“) feil­bie­ten, also Motiv­be­klei­dung für ihre Gut­fin­der.

Eines die­ser Shirts trägt außer dem Namen der Musik­grup­pe den Schrift­zug „Scheiß auf Gut­men­schen und Moral­apo­stel“, ein ande­res „Frei­heit“. Ein Shirt mit dem Motiv „Ehre“ oder ande­ren histo­risch bela­ste­ten Begrif­fen konn­te ich im „Online­shop“ der Band bei einer kur­zen Recher­che soeben nicht fin­den. Han­ning Voigts von der „Frank­fur­ter Rund­schau“ aber schon:

Und die Band­pul­lis so: „Frei­heit“, „Ehre“, „Scheiß auf Gut­men­schen“. Das ist nicht rechts­ra­di­kal?

Nö, Han­ning, isset unab­hän­gig von der Band selbst nicht, schon des­halb, weil ein „Ehre“-„Bandpulli“ augen­schein­lich nicht exi­stiert (wobei die Glei­chung „Ehre = rechts­ra­di­kal“ auch noch etwas ist, über das wir uns mal unter­hal­ten müss­ten). Zu den ande­ren bei­den „Band­pul­lis“ fällt mir aller­dings schon etwas mehr ein. Moment, ich muss nur kurz die Hand aus dem Gesicht bekom­men.

Erstens: Gut­mensch.

„Gut­mensch“ ist einer die­ser Begrif­fe, bei denen ich mir nicht ganz sicher bin, ob ihre Ver­wen­der über­haupt über ihre Bedeu­tung nach­ge­dacht haben. Der Duden jeden­falls kennt den Gut­men­schen als einen Men­schen, der sich in einer als unkri­tisch, über­trie­ben, nerv­tö­tend o. ä. emp­fun­de­nen Wei­se im Sin­ne der Poli­ti­cal Cor­rect­ness ver­hält, sich für die Poli­ti­cal Cor­rect­ness ein­setzt; einer wie der Bril­len­schlumpf zum Bei­spiel.

Ein „Gut­mensch“ ist also ein beson­ders nach­drück­li­ches Exem­plar eines Moral­apo­stels. Inter­es­san­ter­wei­se stört das Wort „Moral­apo­stel“ Han­ning Voigts anschei­nend nicht im Gering­sten. Frü­her muss­te man, um rechts­ra­di­kal zu sein, noch Aus­län­der has­sen, heu­te genügt es, sich nicht in die eige­ne Moral rein­re­den zu las­sen. Wen wundert’s da, dass die Medi­en ent­decken, dass laut Medi­en­be­rich­ten immer mehr Leu­te „dem Rechts­ra­di­ka­lis­mus“ nahe­ste­hen, wenn des­sen Defi­ni­ti­on aus Man­gel an Refle­xi­ons­ver­mö­gen immer wei­ter greift? Ein gesell­schaft­li­cher Kon­sens ist wün­schens­wert, Sit­ten­wäch­ter aber sind es nicht, denn die Defi­ni­ti­ons­macht über die­sen Kon­sens obliegt nicht Ein­zel­nen. (Anar­chie ist die Herr­schaft des Stär­ke­ren. Das hat schon mal nicht funk­tio­niert.)

Zwei­tens: Frei­heit.

Leu­te, die Shirts mit „Frei­heit“ drauf tra­gen, sind rechts­ra­di­kal. Ach nein, nicht ganz, Hen­ning Voigts fin­det Frei­heit ja auch duf­te, aber nur ande­re Frei­heit. Bedrückend: 57 Pro­zent der Deut­schen ist die Frei­heit beson­ders wich­tig. Wenn „Frei.Wild“ auf die Shirts also nicht „Frei­heit“, son­dern „Frei­heit (wie sie Han­ning Voigts meint)“ drucken lie­ßen, wäre alles in bester Ord­nung, neh­me ich an.

Wie genau er das meint und inwie­fern sich sei­ne Frei­heit von „Frei.Wild„s Frei­heit unter­schei­det, weiß ich lei­der nicht, was die Ent­schei­dung, ob ich jetzt die gute oder die schlech­te Frei­heit gut fin­de, allein in Herrn Voigts‘ Hän­de legt. Wie ärger­lich. Bis die­ses Pro­blem besei­tigt wur­de, wer­de ich also bis auf Wei­te­res jede Form der Frei­heit ableh­nen.

Wer möch­te schon für einen Rechts­ra­di­ka­len gehal­ten wer­den?

In den Nachrichten
Kurz notiert zum 30C3

In Ham­burg tref­fen sich momen­tan „Hacker“, Inter­es­sier­te und Jour­na­li­sten, um sich gegen­sei­tig davon zu berich­ten, dass sie das alles schon vor Jahr­zehn­ten geahnt hat­ten. Die Ein­füh­rungs­re­de stieß ins glei­che Horn; da man, jeder Ein­zel­ne im Saal, es ja schon immer gewusst habe, sei man, jeder Ein­zel­ne im Saal, Papst und „Teil der Lösung“.

Und die Jour­na­li­sten? Sie sit­zen da und stau­nen über die blin­ken­den Vor­hän­ge und all die ande­ren klei­nen Baste­lei­en, die man sich als Hob­by­bast­ler in sei­ner Frei­zeit aus Ver­gnü­gen halt mal so zusam­men­lö­tet, aus ihren Redak­tio­nen ken­nen sie das näm­lich nicht, da gibt’s nur den Gilb. „Die IT-Pro­fis“ (SPIEGEL ONLINE), denn ein sol­cher wird man offen­bar bereits mit­tels blo­ßer Anwe­sen­heit auf einem die­ser Kon­gres­se, suchen „Mit­tel gegen die Über­wa­chung durch Geheim­dien­ste“; sie „suchen“ also nach Tor und GnuPG/OpenPGP und son­sti­ger ver­schlüs­sel­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on, wie wirk­sam sie auch immer sein möge. Da müs­sen sie zwar nicht lan­ge suchen, was SPIEGEL ONLINE eigent­lich wis­sen soll­te, aber irgend­wie muss man’s sich ja schön­schrei­ben.

Pala­ver, Pala­ver. „Die Hacker“ haben sich vor lau­ter Begei­ste­rung die­ses Jahr sogar das Mot­to gespart. Ein Schau­lau­fen derer, die von Anfang an wuss­ten, dass ein offe­nes Netz nicht nur für bra­ve Hacker, son­dern auch für Arsch­lö­cher ein­seh­bar ist. SPIEGEL ONLINE applau­diert, noch ganz benom­men von der Saa­l­äs­the­tik: „Durch das gan­ze Gebäu­de zieht sich auf zwei Kilo­me­ter Län­ge gel­bes Pla­stik­rohr: Künst­ler und Hacker haben sich aus Staub­sauger­tei­len eine eige­ne Rohr­post gebaut.“ Saal betre­ten, Hacker sein. Wahl­wei­se: Künst­ler. So läuft das heut­zu­ta­ge.

Mon­tag ist der Spuk vor­bei. Die NSA wird immer noch da sein, SPIEGEL ONLINE aber schon beim näch­sten gro­ßen event. Viel­leicht irgend­was mit Kli­ma­er­wär­mung oder so, direkt schnei­en tut’s ja momen­tan eher nicht. Die gro­ße Offen­ba­rung wird auf dem 30C3 jeden­falls aus­blei­ben, voll­kom­men unab­hän­gig davon, ob Juli­an Assan­ge nun noch reden wird oder nicht.

Durch­hal­te­pa­ro­len; kein gutes Zei­chen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Wie sich die „Femen“ ein­mal von der katho­li­schen Kir­che trol­len lie­ßen

MeisnerfaceUnd da wir gera­de bei Spin­nern waren, läuft mir hier die neue­ste Pro­test­ak­ti­on der „Femen“ über den Ticker:

Eine erst seit Juni 2013 nicht mehr inhaf­tier­te „Femen“-Aktivistin nutz­te die Weih­nachts­fei­er im Köl­ner Dom für über­aus krea­ti­ven Pro­test, indem sie sich in der unhei­lig­sten aller Spra­chen „I am God“ – „ich bin Gott“ – auf die Brü­ste schrieb und vor dem Kar­di­nal (Meis­ner, das war der hier) fast nackt auf den Altar sprang. Mal abge­se­hen von der Offen­ba­rung, die die Bot­schaft, man hal­te sich in sei­ner Rol­le als kör­per­fi­xier­te Akti­vi­stin für einen Gott, mit sich bringt: Wie muss man sich die Pla­nung einer sol­chen Tat eigent­lich vor­stel­len? Nein, anders: Wie kommt man auf den Quatsch?

Pro­test gegen die katho­li­sche Kir­che kann ich ver­ste­hen, krea­ti­ven sol­chen fin­de ich nor­ma­ler­wei­se beson­ders löb­lich. Sich mit­ten in einer Mes­se aber selbst „nackt“ – mir scheint, für die Medi­en sei „nackt“ inzwi­schen iden­tisch mit „hat oben­rum nur Buch­sta­ben an“, was ich ins­be­son­de­re aus sprach­li­chen Grün­den als bedau­erns­wert emp­fin­de – zum Gott zu erklä­ren gehört nun eher nicht zu den Aktio­nen, die ich für einen wir­kungs­vol­len Pro­test hal­te.

Hat ja auch nur bedingt gehol­fen:

Einem Bericht des „Köl­ner Stadt­an­zei­ger“ zufol­ge seg­ne­te Meis­ner den Altar nach dem Vor­fall mit einem kur­zen Ritu­al neu ein und führ­te den Got­tes­dienst fort. (…) Am Ende des Got­tes­dien­stes schloss er die Akti­vi­stin in sein Gebet mit ein.

Die Iden­ti­tät des neu­en Got­tes kühl igno­rie­rend die Ent­wei­hung des Tem­pels auf­he­ben, wäh­rend die ver­wirr­te „Nack­te“ (SPIEGEL ONLINE) wie­der der welt­li­chen Macht über­ge­ben wird, die oben­drein nicht unge­scho­ren davon­kommt, son­dern für die auch noch vor dem Gott, gegen den sie antrat, um Gna­de gebe­ten wird; das zeugt von, par­don!, Eiern. So schwer’s mir auch fällt: Respekt!

Ich salu­tie­re den gelehr­ten Herrn!
Mephi­sto­phe­les, „Faust“, Kap. 6

NetzfundstückeIn den Nachrichten
KINDER IN GEFAHR!!1

Pas­send zur Weih­nacht las­se ich an die­ser Stel­le auch mal Ver­tre­ter des Chri­sten­tums zu Wort kom­men:

Ab dem ersten Schul­jahr sol­len Kin­der ler­nen, was Homo­se­xua­li­tät, Bise­xua­li­tät, Trans­se­xua­li­tät und „sexu­el­le Viel­falt“ sind. Kin­der sol­len damit kon­fron­tiert wer­den, um ihnen mög­lichst früh ein­zu­trich­tern, daß es so etwas wie eine „Sexu­el­le Viel­falt“ gibt. (…) Dage­gen müs­sen wir aktiv wer­den.

Und wie?

Die Bra­vo-Inter­net­sei­te geht weit über das zuläs­si­ge Maß von Auf­klä­rung hin­aus. (…) Dort wo ein Sex­part­ner nicht zur Hand ist, wird von BRAVO der Solo­sex, d.h. die Selbst­be­frie­di­gung, bebil­dert ein­ge­übt und zwar nach Jun­gen und Mäd­chen getrennt. Natür­lich für jeden ein­seh­bar. Wem Vagi­na und die zahl­lo­sen Penis­se noch nicht deut­lich genug sind, kann sie dank Soft­ware ver­grö­ßern, aus­drucken und als E‑Mail ver­sen­den. (…) Kann man sich an ver­ant­wort­li­cher Stel­le nicht vor­stel­len, daß ein Jun­ge sich an die­sen Dar­stel­lun­gen auf­geilt, davon nicht los­kommt, zum Dau­er­kon­su­ment und schließ­lich sex­süch­tig wird?

Jetzt mal rein hypo­the­tisch, ver­steht sich. Ich mei­ner­seits sage: Dan­ke für die Anlei­tung!


In wei­te­ren Nach­rich­ten:

Der Uno-Sicher­heits­rat hat beschlos­sen, die Zahl der Blau­helm-Sol­da­ten im Süd­su­dan deut­lich zu erhö­hen. Künf­tig wird die Unmiss-Trup­pe fast dop­pelt so groß sein wie bis­her.

Fro­hes Fest.

KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2013 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se

Die­ser Arti­kel ist Teil 12 von 29 der Serie Jah­res­rück­blick

Aber hal­lo, wer­te Leser und Musik­freun­de, da ist doch tat­säch­lich schon wie­der Ende Dezem­ber; Zeit also, wie zuletzt im Juni die musi­ka­li­schen Per­len aus dem gro­ßen Hau­fen an dies­jäh­ri­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen her­aus­zu­picken. Die Guten ins Töpf­chen, die Schlech­ten in die Ver­ges­sen­heit.

‘Musik 12/2013 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se’ wei­ter­le­sen »

In den Nachrichten
Mehr­wert für die Steu­er: Oppos opu­len­tes Oll-Inclu­si­ve-Paket.

Was haben wir nicht alle gelacht über die iPho­ne-Käu­fer, die gern mehr Geld für viel Blink­blink und wenig Funk­tio­nier­funk­tio­nier aus­ge­ge­ben haben! Das war aber noch zu einer Zeit, in der es außer Sony, Sam­sung und HTC kei­ne nen­nens­wer­ten Her­stel­ler von Android-Smart­phones gab.

Heu­te braucht auch der Android-Markt Diver­si­fi­ka­ti­on. Mehr, nur mehr! Und da ist’s natür­lich schwer, als Nach­züg­ler noch Fuß zu fas­sen.

Was hilft? Limi­tier­te Auf­la­gen! Schreib‘ eine will­kür­lich aus­ge­dach­te Men­gen­be­gren­zung auf ein Pro­dukt, und schon wird’s inter­es­sant. Das klappt bei Musik, das klappt bei Smart­phones. Da zahlt der Kun­de doch gern etwas mehr. Aber er bekommt ja auch mehr für sein Geld:

Außer­dem bekommt man eine schicke Hül­le und eini­ge Auf­kle­ber dazu, damit man sich auch von den ande­ren Model­len etwas abhe­ben kann.

Ich per­sön­lich kau­fe ja nichts mehr, was nicht min­de­stens Mur­meln und ’nen Schal beinhal­tet. So wird das nichts, Oppo!
Näch­stes Mal viel­leicht.

(mit Dank an L.!)

Netzfundstücke
Blog­ge­ri­as Requi­em

Dass „flat­ter“ nicht mehr blog­gen will, ist mir bereits mit gro­ßem Bedau­ern auf­ge­fal­len; geht die F.D.P., geht auch das Maga­zin für Markt­be­ru­hi­gung, so viel war sicher. Offen­bar ist die deut­sche „Polit­blog­ger­sze­ne“ aber grö­ßer als ange­nom­men; der Kiez­neu­ro­ti­ker spricht gar von einer „Polit­blog­ger­däm­me­rung“ ange­sichts der wohl nen­nens­wert zahl­rei­chen deutsch­spra­chi­gen Web­logs über „Poli­tik und so“, die im Lau­fe die­ses Jah­res aktiv befüllt zu wer­den schlicht­weg auf­ge­hört haben.

Er schreibt:

Die Gro­ße Koali­ti­on rollt an. Nahe­zu ohne Oppo­si­ti­on. Und eine Rei­he kri­ti­scher Blog­ger ver­liert die Stim­me. Es wird plötz­lich ganz merk­wür­dig still. Was ist das? Resi­gna­ti­on? Bie­der­mei­er? Der Rück­zug ins Pri­va­te? Gera­ni­en gie­ßen auf dem Bal­kon? Und die Vor­hän­ge zuzie­hen? Damit das Böse drau­ßen bleibt?

Das wei­ße Rau­schen der ewig Empör­ten ist ver­stummt? Ich habe mir die von Herrn Kiez­neu­ro­ti­ker ver­ab­schie­de­ten Blogs jetzt ein­mal ange­se­hen. Ja, „flat­ter“ fehlt schon jetzt, die klu­ge wirt­schafts- und gesell­schafts­po­li­ti­sche Stim­me vom Weges­rand war nicht die schlech­te­ste Quel­le für gei­sti­ge Erbau­ung. Aber der Rest? Der Spie­gel­fech­ter, der sich seit Jah­ren um eine kla­re poli­ti­sche Mei­nung her­um­be­wegt wie eine Kat­ze um eine fast tote Maus; die Schrott­pres­se, nur echt mit rotem Stern und Ver­lin­kun­gen namens „scharf Links“ und „World Socia­list Web Site“; das eben­so sozia­li­sti­sche Nar­ren­schiff; Die roten Schu­he, ange­nehm ame­ri­ka­kri­tisch, sonst aber ziem­lich belie­big. Kein Wun­der hab‘ ich die alle­samt bis­her kaum bemerkt.

Zart­ro­sa bis tief­ro­te lin­ke Spie­ßer, die wahr­schein­lich auch Falsch­par­ker mel­den oder Sei­ten­spie­gel abtre­ten, wenn sie schon zu alt sind, sie mit Far­be zu besprü­hen; wenn das die Blog­land­schaft ist, die gera­de „am Schrump­fen ist“, dann ist das ein Gesund­schrump­fen und wahr­lich nicht scha­de drum. Empö­rung allent­hal­ben, erho­be­ne Zei­ge­fin­ger und in Tex­te gegos­se­ne Paro­len. Brau­chen wir nicht. Gekämpft wer­den kann in die­sen Tagen nicht mit der Feder. Das Schwert ist die Ant­wort.

Kri­ti­sche Stim­men feh­len, aber lasst das nicht Gün­ter Grass hören. Der macht sonst auch noch ein Blog auf. Vom ener­gi­schen Tasten­drücken bekommt man höch­stens Sod­bren­nen, eine Gesell­schaft lässt sich aber eher sel­ten von einem Blog (wenn es nicht gera­de das BILD­blog ist) sagen, was sie gefäl­ligst zu den­ken hat. Zum Glück ist dies hier kein Blog.

Über­haupt: Was ist schon ein „Polit­blog“? Ist man „Polit­blog­ger“, wenn man zwi­schen vie­len ande­ren Bei­trä­gen gele­gent­lich auch mal die Gesell­schaft für unreif hält? Bin ich es, weil ich mit­un­ter so schlech­te Lau­ne habe, dass sich das in einem schrift­lich geäu­ßer­ten Wunsch zum gewalt­sa­men Staats­streich äußert? Ist es über­haupt nach die­ser laxen Defi­ni­ti­on mög­lich, ins Inter­net rein­zu­schrei­ben, ohne „Polit­blog­ger“ zu sein? – Wird man dann nicht auch in Bring­schuld ver­setzt, wenn man erst mal zum „Polit­blog­ger“ gewor­den ist? Mit Georg Schramm hat die­ser Tage einer der bis­sig­sten Kaba­ret­ti­sten die­ses Lan­des ange­kün­digt, doch lie­ber in Ren­te zu gehen als sich wei­ter­hin für Geld über Zustän­de auf­zu­re­gen, deren Dar­stel­lung der Zuschau­er als come­dy, als komö­di­an­ti­sches Werk abtut. Ich wie­der­ho­le mich: Im Fern­seh­saal, da sit­zen sie und lachen und klat­schen und gehen nach Hau­se mit dem guten Gefühl, sich wenig­stens gut amü­siert zu haben. „End­lich sagt’s mal einer!“, und damit zurück zur Tages­ord­nung. Und genau so läuft es mit den „Polit­blogs“.

Der Aus­weg? Nicht erwar­ten, dass man etwas ändern kann. Schlech­te Lau­ne, die sich anstaut, führt in ande­ren Län­dern dazu, dass Autos, Häu­ser und Poli­zi­sten bren­nen; in Deutsch­land gibt es eine Online­pe­ti­ti­on. Auch gut, so wird wenig­stens nie­mand ver­letzt. Und ist es nun scha­de um die „deut­schen Polit­blogs“? Ich sage: Nö. Scha­de ist es nur um den Aus­druck von Mün­dig­keit ihrer Betrei­ber, die sich lie­ber in die Sprach­lo­sig­keit zurück­zie­hen, aber wer könn­te es ihnen ver­den­ken? Ach, und mir fehlt „Feyn­sinn“. Muss dafür erst der Libe­ra­lis­mus in den Bun­des­tag zurück­keh­ren? Schön wär’s ja.

Jeden­falls:

Es wird eine Finanz­bom­be hoch­ge­hen. Eine rich­ti­ge. Die man nicht mehr not­dürf­tig löschen kann. Und wenn es soweit ist, wird es schnell gehen.

Wenn das pas­siert, wenn es sich ent­zün­det, dann braucht es Stim­men, dann müs­sen sie wie­der schrei­ben, alle die, die jetzt auf­hö­ren, die sich vom Mehl­tau erdrückt füh­len noch bevor er sich nie­der­ge­las­sen hat, die sich ver­lie­ren in Sati­re, in Peti­tio­nen, in Ver­zweif­lung, in selbst­re­fe­ren­zi­el­le Lite­ra­tur.

Ja, dann braucht es Maga­zi­ne für Markt­be­ru­hi­gung, „kri­ti­sche Stim­men“, die dann sagen: Seht ihr, das pas­siert, wenn man die Fal­schen wählt. Und die Leser wer­den sich im Kreis um die „kri­ti­schen Stim­men“ ver­sam­meln, joh­len und klat­schen. „End­lich sagt’s mal einer!“

Aber das fehlt mir irgend­wie gera­de kein biss­chen.


Nach­trag von irgend­wann kurz nach Mit­ter­nacht: „Feyn­sinn“ wird aus groß­ar­ti­gen Grün­den fort­ge­setzt. Ich bin erfreut.

Musik
Hirn­lo­se Funk­ti­ons­mu­sik

Süf­fi­sant kom­men­tier­te der „Nacht­wäch­ter“ den Unter­schied zwi­schen Musik­ge­nuss und Musik­be­schal­lung:

Ich kann die­se ver­kack­ten „Par­ties“ nicht mehr ertra­gen, deren Ver­an­stal­ter ver­su­chen, ein poli­ti­sches Anlie­gen zu trans­por­tie­ren, aber in Wirk­lich­keit nur für mas­sen­haft Bier, Schnaps, Kiff­ecken und hirn­lo­se Funk­ti­ons­mu­sik sor­gen. Wenn sie wenig­stens im Ver­lau­fe einer sol­chen Nacht nur für zehn Minu­ten die Fra­ge in den Raum wür­fen, was es denn eigent­lich zu fei­ern gibt!

Wo’a Recht hat, hat’a Recht, und – das Poli­ti­sche jetzt ein­fach mal bei­sei­te gescho­ben – ich fin­de den Term der hirn­lo­sen Funk­ti­ons­mu­sik tat­säch­lich tref­fend.

Was darf sich Mit­mensch Musik­freund dar­un­ter vor­stel­len? „Pop“ ist die fal­sche Ant­wort, Pop ist zwar meist hirn­los, erfüllt aber auch außer Gewinn­ge­ne­rie­rung kei­ne Funk­ti­on. Nun, par­tytaug­li­che Musik dient in der Regel nicht dem Trans­port wei­ser Wei­sen. Musik aus der Fla­sche dem Com­pu­ter, die immer irgend­wie ähn­lich klingt (dazu unten mehr), soll nicht den Geist, son­dern die Kör­per­funk­tio­nen anre­gen; ver­mut­lich den Brech­reiz.

Ich bin ja, unglück­lich zustan­de gekom­me­ne sozia­le Kon­tak­te tra­gen die Schuld, durch­aus bewan­dert in der Welt sol­cher Klän­ge. Bevor ich einen Musik­ge­schmack hat­te, gefiel mir so man­ches auch aus ihr; vie­le mei­ner ersten CDs stamm­ten von „Künst­lern“ namens DJ Ton­ka, DJ Mot­te und der­glei­chen. DJ Bobo moch­te ich aber damals schon nicht beson­ders. Eben­so besit­ze ich bis heu­te eine Kopie des „Flat Beats“ von Mr. Oizo, der schon im vor­letz­ten Jahr­zehnt den all­seits als inno­va­ti­ver Musik­stil geprie­se­nen Dub­step vor­weg­nahm. In Deutsch­land nicht ver­füg­bar.

Dub­step, das konn­te ich als jemand, der Dis­ko­the­ken nor­ma­ler­wei­se nicht mal von außen sehen will, bis­lang in Erfah­rung brin­gen, ist all­ge­mein ein her­aus­ra­gen­des Bei­spiel für Musik, deren ein­zi­ger Zweck das Funk­tio­nie­ren ist:

DJing und EDM (Elec­tro­nic Dance Music) heißt für mich: Wie schnell kön­nen wir neue Musik raus­brin­gen? Und wie schnell kön­nen wir sie den Leu­ten zei­gen? (…) Wenn es elek­tro­nisch ist, wenn du zu tan­zen kannst – es könn­te alles sein in Zukunft.
Skrillex

Neben die­ser EDM hat vor allem auch EBM, „elek­tro­ni­sche Kör­per­mu­sik“, eine gewis­se Bekannt­heit erlangt. Dazu gehö­ren Staub­kind eben­so wie zumin­dest Nacht­mahr und Com­bi­christ:

Com­bi­christ – I Want Your Blood (Live on Mania TV)

Der Stil trägt sei­nen Namen zumin­dest mit Recht. Funk­ti­ons­mu­sik. Die Kon­su­men­ten hören sie ent­we­der, weil sie nicht gefragt wur­den, oder, weil sie sich Bewe­gung erhof­fen, die sie ohne sie nicht mit genü­gend Über­zeu­gung bekä­men. Zap­peln macht mehr Spaß, wenn ande­re mitz­ap­peln. Nur wem?

Dabei unter­schei­det sich die Funk­ti­ons­mu­sik EDM/EBM inso­fern von der Nicht­funk­ti­ons­mu­sik Pop, als letz­te­re außer Hin­ter­grund­rau­schen kei­ne unmit­tel­ba­re Funk­ti­on auf den Hörer aus­übt. War­um sich Men­schen, die Musik machen kön­nen, selbst in die­se Rol­le zwän­gen, ist mir nicht ganz klar. Wird wohl das Geld sein. Gibt es auch Aus­nah­men? Natür­lich: Den Jazz. Da soll kei­ner tan­zen, den zahl­lo­sen Jazz­tanz­grup­pen sei’s trotz­dem ver­zie­hen. Dann sit­zen die Mäd­chen wenig­stens nicht den gan­zen Tag nur doof vor ihrem iPad rum, son­dern hören gute Musik; obwohl Miles Davis natür­lich auch nur lang­wei­li­ges Getrö­te gemacht hat. (Wei­te­re Aus­nah­me: Avant­gar­de­mu­sik. „Musik um der Musik Wil­len“, nicht, um irgend­je­man­dem etwas zu bewei­sen. Aber die ver­steht wie­der kei­ner.)

Ich weiß nicht, ob es schon posi­ti­ve wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se über die Fra­ge gibt, ob Funk­ti­ons­mu­sik blöd oder wenig­stens ramm­dö­sig macht. Ange­hörs der Dis­kus­si­ons­kul­tur zwi­schen Hörern die­ser Art von Beschal­lung ist ein Zusam­men­hang jeden­falls nicht aus­zu­schlie­ßen.

Zum Glück habe ich Kopf­hö­rer, die ich nicht nur als Acces­soire um den Hals tra­ge.


Inter­es­san­tes Kon­zept auch:

Acme has a very simp­le mou­se inter­face, the first but­ton sel­ects text, the second but­ton sel­ects text, and the third but­ton also sel­ects text.

Kann man sich mer­ken.

Sonstiges
Jim, Lukas und die Cri­ti­cal Whiten­ess

Die jüng­ste Fol­ge der scheuß­li­chen Schund­sen­dung „Wet­ten, dass…?“, so weiß das Inter­net zu berich­ten, beinhal­te­te als wie üblich lah­me „Stadt­wet­te“, dass es nicht gelin­gen wür­de, eine Min­dest­an­zahl an Ein­woh­nern, die sich frei­wil­lig als Jim Knopf und Loko­mo­tiv­füh­rer Lukas ver­klei­den wür­den, bis zum Ende der Sen­dung ins Stu­dio zu bekom­men. Das wur­de natür­lich zur all­ge­mei­nen Unter­ra­schung bra­vou­rös trotz­dem geschafft. Blöd: Jim Knopf ist eine dun­kel­häu­ti­ge Figur.

Und so wur­den in alter Tra­di­ti­on Gesich­ter bemalt, damit klar sein möge, wer Lukas ist und wer nicht. Nach­dem es aber zumin­dest seit eini­gen Jah­ren weit­ge­hend ver­pönt ist, Men­schen eine hel­le Haut­far­be auf­zu­drän­gen (und Micha­el Jack­son war ja nun wirk­lich auch kein schö­ner Mann), ist es jetzt offen­bar auch uner­wünscht, wenn sich edle Wei­ße frei­wil­lig zum N‑Wort machen: „(…) das elen­di­ge #Blackfacing hat einen Shits­torm Delu­xe ver­dient.“ Es darf nicht sein, dass jemand von unse­ren Gebüh­ren – keif, zeter, schäum – sei­ne Haut­far­be für’s Fern­se­hen ver­dun­kelt. (Zur Erin­ne­rung für die­je­ni­gen, die das Buch nie gele­sen und die Auf­füh­rung nie gese­hen haben: Jim Knopf ist der Held der Geschich­te. Nein, ich muss­te das auch gera­de nach­le­sen.)

Klar kann man sich zum Spaß das Gesicht anma­len. Das Pro­blem dabei: Man kann das wie­der abma­chen. Dun­kel­häu­ti­ge haben da kei­ne Wahl.
@KatiKuersch

Man kann sich zum Spaß das Gesicht aber nicht nur „schwarz“, son­dern auch „weiß“ anma­len – wer es denn mag, kann das auch ver­ewi­gen las­sen. Dass sich am „Trend“ der Haut­auf­hel­lung – der geneig­te Leser möge nur ein­mal die Gesichts­creme­ab­tei­lung einer aus­rei­chend gro­ßen Dro­ge­rie auf­merk­sam zur Kennt­nis neh­men – nie­mand so nach­drück­lich stört wie an einer lah­men Unter­hal­tungs­sen­dung, passt trotz­dem gut ins Bild: Das Schön­heits­ide­al der abso­lu­ten Bleich­heit, wie sie schon im 18. Jahr­hun­dert in Frank­reich als ein sol­ches galt, ist unum­stöß­lich. (Nerds sind halt sexy.) Men­schen, die sich die Haut in Sola­ri­en rösten las­sen, machen also gleich meh­re­re Din­ge auf ein­mal ver­kehrt.

Ich fin­de es ein wenig scha­de, dass die mei­sten der­je­ni­gen, die die anson­sten voll­kom­men belang­lo­se „Stadt­wet­te“ mit irgend­wel­chen wir­ren Begrün­dun­gen als voll kacke beschimp­fen und mit Schaum vor dem Mund wüten­de E‑Mails an das ZDF – selbst­ver­ständ­lich unter Pseud­onym – ver­fas­sen, nur ein Kon­tra, nicht aber ein Pro geäu­ßert haben. Was wäre ihnen denn lie­ber gewe­sen als ein bemal­ter Jim Knopf – kein Jim Knopf? Zwei Lukas­se? Bloß kei­nen Dun­kel­häu­ti­gen dar­stel­len!

Seit dem 11. Jahr­hun­dert hält sich (ent­ge­gen anders lau­ten­den älte­ren Quel­len) übri­gens das Gerücht, einer der drei Wei­sen (Cas­par, Mel­chi­or und Bal­tha­sar) sei dun­kel­häu­tig gewe­sen, was sich auch auf die Tra­di­ti­on des Stern­sin­gens aus­ge­wirkt hat; einer der drei füh­ren­den Stern­sin­ger wird meist eben­falls geschwärzt, sofern er’s nicht sowie­so schon ist. Ein all­jähr­li­ches Bekla­gen die­ses Brauchs bleibt selt­sa­mer­wei­se noch aus.

Die selek­ti­ve Wahr­neh­mung der kri­ti­schen Wei­ßen ist nicht die beste, wie mir scheint.