In den NachrichtenNerdkrams
Medi­en­kri­tik LXXXV: Linux als Ana­chro­nis­mus

Man soll­te ja mei­nen, dass der hei­se-Ver­lag – die c’t gibt es immer­hin seit 1983 – ein paar Fach­kräf­te beschäf­tigt, die einen Com­pu­ter nicht nur aus Wer­be­pro­spek­ten ken­nen, und in sei­ner Nach­rich­ten­re­dak­ti­on des­halb nicht unbe­dingt den Prak­ti­kan­ten, die sonst Kaf­fee kochen und den Redak­ti­ons­gar­ten har­ken, die eige­ne Open-Source-Spar­te anver­traut.

Um so bedrücken­der ist natür­lich die­se Mel­dung:

Unix-System PC-BSD 10.0 bringt moder­ne Linux-Desk­tops mit

Ja, PC-BSD 10.0 wur­de ver­öf­fent­licht, und es ist (anders als Linux) tat­säch­lich ein Unix-System und tut nicht nur so. Da endet mei­ne Zustim­mung zur Über­schrift aber auch schon.

Dass die „moder­nen Linux-Desk­tops“ – gemeint sind unter ande­rem Cin­na­mon und Gno­me 3 – Kon­zep­te umset­zen, die es schon vie­le Jah­re vor einem „Linux-Desk­top“ gab, ist womög­lich nicht ziel­füh­ren­de Erb­sen­zäh­le­rei. Die Begriffs­kom­bi­na­ti­on „moder­ner Linux-Desk­top“ ist trotz­dem inter­es­sant: Bedeu­tet das, dass moder­ne Desk­tops alle­samt Impor­te aus Linux sind? CDE zum Bei­spiel (das die ersten Ver­sio­nen von Xfce inspi­rier­te) war jah­re­lang Stan­dard­desk­top in der Unix-Welt (ist aller­dings noch nicht in Free­BS­D/PC-BSD ent­hal­ten); von ein­fa­chen Fen­ster­ver­wal­tern wie twm, des­sen erste Ver­si­on 1987 – vier Jah­re vor Linux FREAX 0.0.1 – her­aus­kam, reden wir lie­ber gar nicht erst. Die mei­sten Desk­tops wie Enligh­ten­ment und Xfce sind Desk­tops für „unixo­ide Syste­me“ oder schlicht „für X“, also für das Gra­fik­sy­stem, das Linux aus der Unix­welt geschenkt bekam.

PC-BSD 10.0 bringt also kei­ne „Linux-Desk­tops“ mit, son­dern weit­ge­hend platt­form­un­ab­hän­gi­ge Desk­top­um­ge­bun­gen. So weit zur Über­schrift.

Aber Thor­sten „thl“ Leem­huis hat offen­sicht­lich nicht nur von Linux, son­dern auch von BSD kei­ne Ahnung. Im Text folgt näm­lich fol­gen­der Schen­kel­klop­fer:

PC-BSD ist wie Dra­gon­Fly BSD ein Able­ger von Free­BSD, der wohl popu­lär­sten Aus­ga­be der frei­en Unix-Syste­me, die auf der frei­en Unix-Ver­si­on 4.4BSDLite2   beru­hen.

Knapp dane­ben: 4.4BSD-Lite2 wur­de als letz­te offi­zi­el­le BSD-Ver­si­on erst 1995 ver­öf­fent­licht, als Free­BSD und Net­BSD schon seit etwa zwei Jah­ren exi­stier­ten. Free­BSD und Net­BSD waren zunächst Fort­füh­run­gen des wegen Zeit­man­gels nur lang­sam wei­ter­ent­wickel­ten, jedoch auf 4.3BSD-Net/2 basie­ren­den 386BSD-Pro­jekts; erst 1994, als mit 4.4BSD-Lite die erste voll­stän­dig von lizenz­pflich­ti­gem AT&T‑Quellcode befrei­te BSD-Ver­si­on ver­öf­fent­licht wur­de, änder­te sich das.

Rich­tig ist, dass sowohl Dra­gon­Fly BSD als auch PC-BSD Able­ger von Free­BSD sind. Falsch ist die impli­zi­te Gleich­set­zung. Wäh­rend PC-BSD eine um ein paar gra­fi­sche Spie­le­rei­en erwei­ter­te Dis­tri­bu­ti­on von Free­BSD ist (das Instal­la­ti­ons­pro­gramm von PC-BSD 10.0 kann auf Wunsch auch ein „nack­tes“ Free­BSD 10.0 instal­lie­ren), ist Dra­gon­Fly BSD ein völ­lig neu­es System, das ursprüng­lich auf Free­BSD 4.8 basiert und inzwi­schen aller­lei Erwei­te­run­gen erhal­ten hat, so dass man die Ähn­lich­kei­ten (etwa ein ähn­li­ches Ports­sy­stem) qua­si mit der Lupe suchen muss, wenn man nicht gera­de beim hei­se-Ver­lag „arbei­tet“.

KDE läuft übri­gens auch unter Win­dows.

(via Eli­as)

KaufbefehleMusikkritik
The Tiger Lil­lies – Eit­her Or

The Tiger Lillies - Either OrAus der Welt der Poli­tik zurück zur Musik. Noch so ein Album, das 2013 ver­ges­sen hat, bei mir vor­stel­lig zu wer­den, ist übri­gens „Eit­her Or“ des bri­ti­schen Tri­os The Tiger Lil­lies, des­sen älte­res Stück „Kil­ler“ ich hier im Okto­ber emp­fahl. Ich habe ja spä­te­stens seit dem Debüt­al­bum der Sto­len Babies ein offe­nes Ohr für Kaba­rett-Zir­kus­mu­sik mit düste­rem Flair und wer­de hier kei­nes­falls ent­täuscht.

Prä­gend für die Musik der Tiger Lil­lies sind Beset­zung und Kon­zept. Auf der Web­site ist zu lesen: The Tiger Lil­lies bie­ten jeder ein­zel­nen Beschrei­bung die Stirn und han­deln inner­halb ihrer eige­nen exzen­tri­schen Defi­ni­tio­nen. Also gilt es zu para­phra­sie­ren.

Front­mann und Grün­der Mar­tyn Jac­ques gibt bei den Tiger Lil­lies mit Mas­ke und Akkor­de­on (manch­mal auch Uku­le­le oder Kla­vier) den trau­ri­gen Clown, der, umrahmt von Adri­an Stout (Bass, Sin­gen­de Säge, The­re­min) und Mike Picke­ring (Schlag­zeug, Per­kus­si­on), im Fal­sett skur­ri­le Tex­te zum Besten gibt:

She licks my cock, it’s kind of sad
as an actress I spo­se she’s bad
Sail­or

Nein, leich­te Fami­li­en­un­ter­hal­tung möge der geneig­te Leser bit­te woan­ders suchen. Aber dar­um geht es auch nicht. The Tiger Lil­lies wol­len ihrem Publi­kum kei­nen ruhi­gen Abend berei­ten, sie wol­len es des­ori­en­tie­ren und for­dern, schockie­ren und dadurch amü­sie­ren. Das gelingt ihnen vor­treff­lich.

Dabei ist das lite­ra­ri­sche Niveau durch­aus hoch. Waren unter den bis­he­ri­gen Alben der Tiger Lil­lies neben einer Oper („Die Webe­ri­schen“) auch Adap­tio­nen des „Struw­wel­pe­ters“ und der Wer­ke Edward Goreys, stell­te dies­mal die däni­sche Phi­lo­so­phie die Muse dar: Bereits der Titel des Albums ist ein Zitat des Zwei­tei­lers „Ent­we­der – Oder“ von Søren Kier­ke­gaard, die Tex­te sind über­wie­gend vom letz­ten Kapi­tel in „Ent­we­der“ inspi­riert. Dass The Tiger Lil­lies im Gegen­satz zu Kier­ke­gaard dem Chri­sten­tum in der Öffent­lich­keit eher kri­tisch gegen­über­ste­hen, weiß dem Rezen­sen­ten ein Schmun­zeln zu ent­locken.

God almigh­ty you are king
pis­sing hail­s­to­nes on me fling
No Sen­se

Kurt Weills Brecht-Inter­pre­ta­tio­nen sei­en, so geben es die Musi­ker an, wich­ti­ge Ein­flüs­se für ihre Musik gewe­sen. In der Tat ver­sprüht auch „Eit­her Or“ den Charme klas­si­scher Chan­sons, ohne dabei alt­backen zu wir­ken. Alte Ideen müs­sen nicht immer lang­wei­lig sein.

„Gut­ter“ by The Tiger Lil­lies – LIVE at Prin­ci­pal Club

Ist ja auch mal nicht schlecht.


Der­weil ist SPIEGEL ONLINE völ­lig außer sich:

Kanz­le­rin Mer­kel hält im Bun­des­tag eine Regie­rungs­er­klä­rung – im Sit­zen. Das hat’s noch nie zuvor gege­ben.

Davon wer­den wir noch unse­ren Groß­nef­fen erzäh­len!

PolitikIn den NachrichtenNerdkrams
Lecker grü­ne Schwei­ne

Auf Daten­schutz bedach­te Andro­id­nut­zer haben es die­ser Tage ja wirk­lich nicht leicht. Erst ver­sag­te „Black­pho­ne“ beim Ver­such, Android auf eine ver­trau­ens­wür­di­ge­re Basis zu stel­len, und jetzt das:

Spie­le, Kar­ten-Apps und sozia­le Netz­wer­ke: Die Geheim­dien­ste NSA und GCHQ spä­hen über Smart­phone-Apps die Daten der Nut­zer aus. Über Anwen­dun­gen wie „Angry Birds“ sam­meln sie Alter und Auf­ent­halts­ort der Spie­ler – und sexu­el­le Prä­fe­ren­zen.

Dass vie­le aktu­el­le Andro­id­ver­sio­nen – gera­de auch sol­che, die nicht von den Smart­phone­her­stel­lern selbst stam­men – mit dem Pri­va­cy Guard eine Mög­lich­keit bereit­stel­len, jeden­falls die Stand­orter­fas­sung zu unter­bin­den, ist womög­lich erwäh­nens­wert. Ich kann dem von „SPIEGEL ONLINE“ gefloch­te­nen Kon­text aber nicht ganz fol­gen:

„Angry Birds“ zu hacken ist ein logi­scher Schritt. Wer mit schwar­zen explo­si­ven Vögeln in Bom­ben­form übt, sprengt spä­ter viel­leicht gan­ze Klein­städ­te in die Luft. Inter­es­sant ist aller­dings die Fra­ge, inwie­fern Anwen­dun­gen wie „Angry Birds“ Aus­kunft über die sexu­el­len Prä­fe­ren­zen ertei­len.

Ande­rer­seits will ich das wahr­schein­lich auch gar nicht so genau wis­sen.


In wei­te­ren Nach­rich­ten: Der Ver­such der „Grü­nen“, das basis­de­mo­kra­ti­sche Kon­zept der Pira­ten­par­tei zu kopie­ren, dürf­te als geschei­tert betrach­tet wer­den.

PolitikIn den Nachrichten
Vol­le Droh­nung: Alles Gute kommt von oben!

Arti­kel 2 des Ver­trags über die abschlie­ßen­de Rege­lung in Bezug auf Deutsch­land vom 12. Sep­tem­ber 1990 („Zwei-plus-Vier-Ver­trag“):

Die Regie­run­gen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik bekräf­ti­gen ihre Erklä­run­gen, daß von deut­schem Boden nur Frie­den aus­ge­hen wird. Nach der Ver­fas­sung des ver­ein­ten Deutsch­land sind Hand­lun­gen, die geeig­net sind und in der Absicht vor­ge­nom­men wer­den, das fried­li­che Zusam­men­le­ben der Völ­ker zu stö­ren, ins­be­son­de­re die Füh­rung eines Angriffs­krie­ges vor­zu­be­rei­ten, ver­fas­sungs­wid­rig und straf­bar.

§ 80 StGB:

Wer einen Angriffs­krieg (…), an dem die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land betei­ligt sein soll, vor­be­rei­tet und dadurch die Gefahr eines Krie­ges für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land her­bei­führt, wird mit lebens­lan­ger Frei­heits­stra­fe oder mit Frei­heits­stra­fe nicht unter zehn Jah­ren bestraft.

N24.de, 30. Okto­ber 2013:

Das Ober­kom­man­do des US-Mili­tärs für Afri­ka (AFRICOM) wur­de 2007/2008 in Stutt­gart neu ein­ge­rich­tet. (…) Im rhein­land-pfäl­zi­schen Ram­stein (…) befin­det sich eine Flug­leit­zen­tra­le mit bis zu 650 Mit­ar­bei­tern, die auch den afri­ka­ni­schen Luft­raum über­wa­chen.

Die Ein­hei­ten in Stutt­gart und Ram­stein sind nach eige­nen Anga­ben für Luft­ope­ra­tio­nen „in drei Kon­ti­nen­ten“ und in „105 unab­hän­gi­gen Staa­ten mit mehr als einem Vier­tel der Welt­be­völ­ke­rung“ ver­ant­wort­lich.

New York Times, 26. Janu­ar 2014:

A mis­sile suspec­ted to have been fired by a dro­ne kil­led a mem­ber of the mili­tant group Shabab on Sun­day, a rebel com­man­der said, bla­ming the United Sta­tes for the strike. (…) Two Ame­ri­can mili­ta­ry offi­ci­als con­firm­ed that the­re was a mis­sile strike against a seni­or Shabab lea­der in Soma­lia.

CDUCSU.de, 2. Sep­tem­ber 2013, zu einem ganz ande­ren The­ma:

Deutsch­land steht vor der Wahl, ob es zu den Feh­lern der Ver­gan­gen­heit zurück­keh­ren will oder ob wir unser Land gemein­sam wei­ter vor­an­brin­gen, schreibt Vol­ker Kau­der in sei­nem Bericht. (…) Das deut­sche Bei­spiel beflü­gelt unse­re euro­päi­schen Freun­de und Nach­barn und trägt dazu bei, dass es in Euro­pa nach lan­ger Zeit end­lich wie­der auf­wärts geht.

Poli­tik. Schlimm, das. Haupt­sa­che, Laris­sa bleibt im Dschun­gel­camp. Dreht ein­fach den Fern­se­her lau­ter.

Es ist alles in Ord­nung.

PolitikSonstiges
Medi­en­kri­tik in aller Kür­ze: Der Strö­be­le, der Korn­blum, der Rei­chelt und der Jauch.

Bis vor weni­gen Minu­ten saßen im „Ersten“ diver­se gei­sti­ge Licht­ge­stal­ten, dar­un­ter BILD-„Chefreporter“ Juli­an Rei­chelt, der ehe­ma­li­ge US-ame­ri­ka­ni­sche Bot­schaf­ter John Korn­blum und der schwam­mi­ge Inzest­be­für­wor­ter Hans-Chri­sti­an Strö­be­le von der ehe­ma­li­gen Frie­dens­par­tei „Bünd­nis 90/Die Grü­nen“ bei Gün­ther Jauch her­um und tausch­ten sich dar­über aus, ob die NSA jetzt irgend­et­was falsch gemacht habe oder nicht. Auf Twit­ter wird beju­belt, wie ele­gant das Team USA (Rei­chelt und Korn­blum) argu­men­ta­tiv zer­legt wur­de, natür­lich ins­be­son­de­re von der schö­nen Pira­tin Mari­na Weis­band, wie etwa @nadnoennas befin­det:

„Und wenn wir gar nichts davon hät­ten, wir soll­ten es tun, weil es rich­tig ist.“ @afelia sagt, wofür es sich zu kämp­fen lohnt. #jauch

Ja, die Deut­schen kämp­fen; was man eben so Kampf nennt. Deut­sche ohne tat­säch­li­che poli­ti­sche Ent­schei­dungs­ge­walt unter­hal­ten sich im Fern­se­hen mit US-Ame­ri­ka­nern ohne Ent­schei­dungs­ge­walt über das Han­deln von Insti­tu­tio­nen, die von einem Sen­der namens „Das Erste“ viel­leicht noch nichts gehört haben. So, Frau Weis­band, kämpft’s sich eben leicht.

Im Anschluss an das Wort­ge­fecht sen­det „Das Erste“ jetzt ein Inter­view mit Edward Snow­den, Berie­se­lung für die Men­ge. Nach die­sem Fern­seh­abend gehen alle Betei­lig­ten zu Bett, mor­gen reden sie dann wie­der über irgend­wel­che Dschun­gel­sen­dun­gen und das Wet­ter. Ja, es lohnt sich zu kämp­fen. Und war­um ver­sau­ert ihr vor dem Fern­se­her?

Der Mann mit der Müt­ze geht nach Haus‘
und uns’­re Ach­tung nimmt er mit und unse­ren Applaus.
Udo Jür­gens: Der Mann mit der Müt­ze

PolitikIn den Nachrichten
Ein Spaß für die gan­ze Fami­lie!

Kin­der­por­no­gra­fie: Ganz schlech­te Idee. Frau von der Ley­en, die sich – wenn schon sonst mit nicht vie­lem – zumin­dest mit Kin­dern aus­kennt, fin­det das auch, ihren Spitz­na­men „Zen­sur­su­la“ hat sie sich immer­hin hart erkämpft.

Dass sie jetzt in ihrem neu­en Mini­ste­ri­um („Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ste­ri­um“, obwohl „Aus­wär­ti­ges Amt“ natür­lich auch pas­sen wür­de) nicht mehr für Fami­li­en oder Arbeit­neh­mer, son­dern für bewaff­ne­te Söld­ner so tun soll, als wür­de sie etwas tun, scheint ihr nicht so recht zu gefal­len; also wan­delt sie statt­des­sen das Ver­tei­di­gungs- in ein kom­bi­nier­tes Arbeits- und Fami­li­en­mi­ni­ste­ri­um um:

Mein Ziel ist es, die Bun­des­wehr zu einem der attrak­tiv­sten Arbeit­ge­ber in Deutsch­land zu machen. [Die Trup­pe muss] Dienst- und Fami­li­en­zei­ten bes­ser auf­ein­an­der abstim­men.
Ursu­la von der Ley­en, Anfang Janu­ar 2014

Für Fami­li­en mit bei­na­he erwach­se­nen Kin­dern wur­de bereits vor Beginn ihrer Amts­zeit vor­ge­sorgt:

Allein im Jahr 2013 wur­den 1032 17-Jäh­ri­ge ein­ge­stellt. (…) „Sie wer­den an der Waf­fe aus­ge­bil­det, aber nicht an der Waf­fe ein­ge­setzt“, sag­te ein Mini­ste­ri­ums­spre­cher.

Damit sie schon mal auf den Ernst des Lebens vor­be­rei­tet sind, neh­me ich an:

Es gehe dar­um, Jugend­li­che für den frei­wil­li­gen Dienst als Sol­da­tin (sic! wegen der Frau­en­quo­te, neh­me ich an. A.d.V.) oder Sol­dat zu wer­ben, die sich in der Berufs­fin­dungs­pha­se befän­den.

So als Jugend­li­cher muss man ja was haben für spä­ter. Ahnung vom Leu­te­tot­schie­ßen oder ein Jodel­di­plom zum Bei­spiel, bei­des ist bei der Arbeits­platz­su­che ver­mut­lich ähn­lich hilf­reich. (Ande­rer­seits: Mit dem Ein­stieg in das Sol­da­ten­tum ist die Wahr­schein­lich­keit, dass man sich noch mal irgend­wo bewer­ben muss, schnell mit dem Neu­ein­stei­ger zusam­men in alle Win­de zer­streut.)

Las­sen sich Rutsch­au­tos eigent­lich zu effi­zi­en­ten Pan­zern umrü­sten?

NetzfundstückeFotografie
Heda, De Beu­ke­l­aer, olle Kex­fa­brik!

Ich bin ja wirk­lich fas­zi­niert von der sprach­li­chen Gewitzt­heit, mit­hil­fe derer ihr eure Pro­duk­te (zum Bei­spiel „Kex“) benennt, aber das Geld, das ihr Leu­ten zur Ver­fü­gung stellt, die sich blö­de Mar­ken­na­men aus­den­ken, fehlt halt jetzt euren Gra­fi­kern.

Kex

Ein Plus­punkt zwar für die für eure Stamm­kund­schaft sicher­lich unge­mein hilf­rei­che Bedie­nungs­an­lei­tung, aber dass da unten rechts nicht „Scheiß-But­ter­keks“ steht, glau­be ich euch bei­lei­be nicht.

(Bild via @frank_eckert)


Ihr wollt das mit der „Stamm­kund­schaft“ genau­er erklärt haben? Nun, ich mei­de ja Fern­seh­sen­dun­gen (und Räu­me), in denen Mar­kus Lanz und/oder Sahra Wagen­knecht auf­tritt, prin­zi­pi­ell, aber laut Inter­net tra­fen bei­de unlängst im Fern­se­hen auf­ein­an­der.

Weil die Leu­te, die vom vie­len Fern­se­hen schon so doof gewor­den sind, dass sie den Aus­knopf nicht mehr fin­den, das Dar­ge­bo­te­ne nicht ertra­gen woll­ten, for­dern sie jetzt in einer Peti­ti­on – der deut­sche­sten aller Revo­lu­ti­ons­for­men – die Abset­zung Herrn Lanz‘. Die Peti­ti­on hat momen­tan über 130.000 „Unter­stüt­zer“. Zum Ver­gleich: Die medi­al dis­ku­tier­te Peti­ti­on gegen die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung kommt auf nicht ein­mal 32.500 von ihnen.

Tja.

Und so zer­brö­selt der Keks nun mal.
Bruce Nolan, c/o „Bruce All­mäch­tig“

Persönliches
Spaß im ÖPNV (3): Uff!

In Regio­nal­bah­nen sit­ze ich gern auf der Sei­te, die vom Hal­te­punkt am Wei­te­sten ent­fernt ist, weil die furcht­bar stö­ren­den Zug­ge­räu­sche (und der Luft‑, hehe, ‑zug) von geschlos­se­nen Türen wenig­stens gering­fü­gig gedämpft wer­den; wohl wis­send, dass die Jugend bis ins hohe Alter hin­ein es zwar immer schafft, die­se Türen auf-, aber nicht zuzuma­chen (viel­leicht mögen sie auch ein­fach nur die Fahrt­ge­räu­sche, dann bit­te ich die Betref­fen­den an die­ser Stel­le um Ver­zei­hung dafür, dass ich ihnen immer wie­der den Genuss ver­der­be), ver­zich­te ich gern auf einen all­zu hoch­fre­quen­tiert besuch­ten Sitz­platz.

Nicht min­der unan­ge­nehm ist die Ange­wohn­heit von jun­gen zumeist weib­li­chen Pas­sa­gie­ren, an ver­trau­li­chen Gesprä­chen mit der Sitz­nach­ba­rin sämt­li­che ande­ren Mit­fah­rer teil­ha­ben zu las­sen, ob die­se das nun wol­len oder nicht. Ein Licht­blick sind eben­sol­che Pas­sa­gie­re, die das ähn­lich sehen; so etwa eine sol­che, die sich heu­te gemein­sam mit ihrem Beglei­ter einen Platz such­te und mit den Wor­ten „hät­ten wir uns vor die Tür gesetzt, hät­ten wir uns die gan­ze Zeit irgend­wel­che Lebens­ge­schich­ten anhö­ren müs­sen“ in mein Abteil gestürmt kam. Leu­te, die sich mein Abteil aus­su­chen, weil sie es gern ruhi­ger hät­ten, weiß ich sehr wohl zu schät­zen. Dass es dann mit der Ruhe aber vor­bei war, weil die eige­nen, nun, Lebens­ge­schich­ten dann doch noch erzählt wer­den muss­ten, ist eine aller­dings wenig über­ra­schen­de Wen­dung.

Auch der Beglei­ter war aller­dings nicht ohne; zwar sprach er nicht viel (er kam ja kaum zu Wort), aller­dings begann sein Ein­stand im Abteil mit geräusch­vol­lem Set­zen. „Uff!“ Kon­fron­tiert mit den Sit­zen im Zug war der agi­le Etwa­zwan­zig­jäh­ri­ge plötz­lich merk­lich geal­tert und ließ sich auf einen der Sit­ze fal­len, was ihm hör­ba­re Anstren­gung berei­te­te. Die Jugend von heu­te: So aus­ge­brannt, dass selbst Sit­zen gera­de­zu unmensch­li­chen Kraft­auf­wan­des bedarf. Dan­ke, SPD!

Ent­ge­gen dem Trend in aktu­el­len Dis­kus­sio­nen auf Twit­ter ist in Zügen von irgend­wel­chen Dschun­geln übri­gens nicht die Rede. Der durch­schnitt­li­che Pro­mi­nen­ten­an­teil in Zügen ist aller­dings bedeu­tend höher als in irgend­wel­chen „Camps“, denn in ihnen sehe ich gele­gent­lich Men­schen, die ich nicht nur ken­ne, weil sie einen enorm dum­men und daher ein­präg­sa­men Namen tra­gen. (Trai­ning für wah­re Über­le­bens­künst­ler: Ohne Kopf­hö­rer mit­tags Nah­ver­kehrs­zü­ge benut­zen.)

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Plei­ten, Pech und Pan­nen­sta­ti­stik: Welt­knall vom 20. Janu­ar 2014

Die Droh­nen­sa­che ist noch längst nicht aus­dis­ku­tiert, da hat Ama­zon schon wie­der neue Plä­ne: Womög­lich wer­den dem­nächst Pake­te schon gelie­fert, die man noch gar nicht bestellt hat. Ange­sichts mei­ner Ama­zon­emp­feh­lun­gen macht mir das ein biss­chen Sor­ge.


OHMEINGOTTOHMEINGOTTOHMEINGOOOOOOTT:

Der Auto­mo­bil­club hat Betrug beim Auto­preis Gel­ber Engel zuge­ge­ben. (…) Die Zahl der abge­ge­ben (sic! A.d.V.) Stim­men für den Publi­kums­preis Lieb­lings­au­to sei geschönt wor­den, nicht aber die Rei­hen­fol­ge der Ergeb­nis­se[.]

„Publi­kums­preis Lieb­lings­au­to“. Deutsch­land in 27 Buch­sta­ben.


Die „Wis­sen­schafts­re­dak­ti­on“ von „SPIEGEL ONLINE“ ver­sucht es der­weil mit Qua­li­täts­jour­na­lis­mus (bin ich eigent­lich der Ein­zi­ge, der „Roset­ta“ für einen unglück­lich gewähl­ten Namen für eine Son­de hält?):

„Roset­ta“ ist auf dem Weg zum 1969 ent­deck­ten Kome­ten Tschur­ju­mow-Gera­si­men­ko. Wer den Namen zu sper­rig fin­det, kann gern auch „Tschu­ri“ sagen.

Jö, Chri­stoph „Chri­si Sei­di“ Seid­ler, sper­rig fin­de ich auch Ihren Humor, aber den muss ich ja hin­ter­her auch nicht weg­räu­men.


Apro­pos Sprach­feh­ler; Lui­se „F.“ Pusch, Sprach­wis­sen­schaft­le­rin, Autorin und pro­mi­nen­te Mit­be­grün­de­rin der femi­ni­sti­schen Lin­gu­istik in Deutsch­land, hat mal wie­der ein Buch geschrie­ben, ange­sichts des­sen Caro­li­ne Fet­scher (wie­der­um „ZEIT ONLINE“) bei­na­he ins Inter­net rei­neja­ku­liert:

Genuss­voll knackt die Kri­ti­ke­rin alte Sprach­nüs­se und prä­sen­tiert deren brü­chi­gen Inhalt. (…) War­um, sti­chelt Pusch, ken­nen wir eine „Kanz­ler­gat­tin“ aber kei­nen „Kanz­le­rin­nen­gat­ten“?

Nun, viel­leicht, weil „wir“ (also die Frau­en Pusch und Fet­scher) weder Cice­ro noch Süddeutsche.de (11. Sep­tem­ber 2007) noch Stern.de noch die Säch­si­sche Zei­tung (15. Okto­ber 2005) noch FAZ.net (22. Sep­tem­ber 2013) noch die Ber­li­ner Mor­gen­post (14. Juli 2006) lesen. Es muss lang­wei­lig zuge­hen am Pusch’schen Früh­stücks­tisch.


Und weil wir gera­de bei Wirr­köp­fen waren, noch eine lusti­ge Anek­do­te: Wisst ihr, wer so gut wie plei­te ist? Rich­tig: Die Hum­boldt-Uni­ver­si­tät. Das war die hier.

PolitikIn den Nachrichten
Ver­nunft statt F.D.P.!

Letz­te Woche fand in Bonn ein Par­tei­tag der F.D.P. statt. Ober­frei­de­mo­krat Chri­sti­an Lind­ner habe dort, so lässt’s die „FAZ“ ver­lau­ten, mit­ge­teilt, man kön­ne „stolz sein“ auf „das Erreich­te, auf die Schul­den­brem­se, die Euro-Ret­tungs­po­li­tik“. Gera­de letz­te­re hat bekannt­lich wun­der­bar funk­tio­niert. Kon­se­quent hat man sich wie schon 2009 die Kanz­le­rin für Euro­pa aus­ge­spro­chen:

Für sei­ne Zukunft braucht Euro­pa weder Skep­sis, (sic! A.d.V.) noch Roman­tik. Euro­pa braucht mehr Rea­lis­mus und Bür­ger­nä­he, um Zukunft zu haben.

Euro­pa brau­che den Libe­ra­lis­mus die F.D.P. – und zwar für wel­che Posi­ti­on? Das hat Chri­sti­an Lind­ner schon im Novem­ber erklärt:

Die FDP als Par­tei von wirt­schaft­li­cher Ver­nunft (…) wird aber gebraucht. (…) Es ist bedau­er­lich, dass wir unser markt­wirt­schaft­li­ches Pro­fil nicht schon im Wahl­kampf an einem gro­ßen The­ma geschärft haben.

Von Libe­ra­lis­mus ist schon gar nicht mehr die Rede. Mehr Euro­pa, mehr Markt­wirt­schaft!

Wenn schon nicht in Deutsch­land, dann wenig­stens in Euro­pa, wo der Euro her­kommt. Unheil rich­tet man eben am Besten an der Wur­zel an.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Naam – The Bal­lad of the Star­child Vol. 1

Naam - The Ballad of the Starchild Vol. 1Eine durch­aus hörens­wer­te Mix­tur aus Fuzz­gi­tar­ren, Hall­ge­sang und Elek­trof­ricke­lei­en bie­ten Naam aus New York dem Hörer auf „The Bal­lad of the Star­child Vol. 1“, einem EP mit 5 Stücken drauf, erschie­nen bereits 2012. Auf Äußer­lich­kei­ten geben die New Yor­ker nicht viel, „naam“ ist ein Lehn­wort aus dem Sans­krit und bedeu­tet auf Thai etwa „Name“. War­um auch nicht?

Es sind die inne­ren Wer­te, die zäh­len, und an denen man­gelt es wahr­lich nicht. Ja, natür­lich fischt man in bekann­ten Gewäs­sern, das Cover­bild (hier rechts im Bild) deutet’s schon an. Pink Floyd und Colour Haze. Hard Rock und Stoner Rock. Kleckern und klot­zen. Is‘ schließ­lich New York, Mann. Hyp­no­tisch, trei­bend. Aus­nah­me: „Sen­try of Ski­es“, die kur­ze musi­ka­li­sche Ruhe­pau­se. Sehr will­kom­men, man wird ja auch nicht jün­ger.

NAAM // STARCHILD

Wenn Naam nicht den glei­chen Feh­ler machen wie ande­re her­aus­ra­gen­de Musik­grup­pen und sich jetzt ein­fach auf­lö­sen, wird es hof­fent­lich auch eine „Bal­lad of the Star­child Vol. 2“ geben. Das fän­de ich sicher gut.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
„U can’t touch this!“

Puh, hm, tja:

Gay sex is not a crime in Rus­sia, so gay peo­p­le can “feel calm, at ease, but lea­ve child­ren in peace, plea­se,” Putin said at a mee­ting with Olym­pic vol­un­teers in the moun­tain vil­la­ge of Kras­na­ya Polya­na, the base out­side Sochi for Olym­pic snow sports.

Im Gegen­satz zu lästi­gen Demon­stran­ten haben Schwu­le also anläss­lich der kom­men­den Olym­pi­schen Win­ter­spie­le im rus­si­schen Sot­schi nichts zu befürch­ten, so lan­ge sie nur die Kin­der nicht sexu­ell behel­li­gen. Dass exklu­siv Schwu­le dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den, ist befremd­lich; rus­si­sche Homo­se­xu­el­le schei­nen ent­we­der über­durch­schnitt­lich häu­fig pädo­phil zu sein oder Prä­si­dent Putin – das ist die wahr­schein­li­che­re Ver­mu­tung – kennt sich mit dem Unter­schied zwi­schen Homo­se­xua­li­tät und Pädo­phi­lie nicht aus.

Nein, nein, von klei­nen Kin­dern hat man die Fin­ger zu las­sen, wenn man schwul ist.

Anson­sten halt nicht.

Don't putin

Bei Zuwi­der­hand­lung droht Prä­si­den­ten­amt nicht unter drei Jah­ren.

(via @AliCologne)


Übri­gens: Das mit den Demon­stra­tio­nen für Netz­neu­tra­li­tät war ja bis­her nur bedingt erfolg­reich. The Joy of Tech zeigt, wie’s rich­tig geht.