In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik (extern) in Kür­ze: „Zeigt ja Zahl, misst ja Qualität.“

Es mag über­ra­schen: Manch­mal gucken sogar Jour­na­lis­ten nicht so genau hin. Kon­zer­tier­te Anony­mous-Akti­on oder getroll­tes Troll­trol­len? Zivi­lis­tin oder zer­fetz­te Selbst­mord­at­ten­tä­te­rin? Die sehen ja auch alle gleich aus:

Die angeb­li­che Selbst­mord­at­ten­tä­te­rin von Saint-Denis lebt ahnungs­los in Marokko

Vor­her ging natür­lich ein, sagen wir, unvor­teil­haf­tes Wan­nen­fo­to von ihr durch die Medi­en, natür­lich nackich. Die Bot­schaft kommt an: Wir, der Wes­ten, sind nicht prü­de; wir, der Wes­ten, mögen Nip­pel. Wir sind hier frei und ihr, die Ter­ro­ris­ten, nicht. Frei von Beson­nen­heit, möch­te man da hin­zu­fü­gen, nicht aber frei von ver­que­ren Welt­bil­dern. Natür­lich sind die Guten aber immer die­je­ni­gen, die das Rich­ti­ge beju­beln, wie’s das Stim­mungs­ba­ro­me­ter auf der Web­site eines bekann­ten deut­schen Drecks­blatts dem Ver­neh­men nach gut wider­spie­gelt: Hier stirbt ein Roh­ling! Lachen, Wei­nen, Wut, Trauer?

Was das Rich­ti­ge ist, wird mit den Füßen abge­stimmt. Wo ein Aas ist, da sam­meln sich die Gei­er. Zumin­dest, so lan­ge sie sehen kön­nen, wo die ande­ren Gei­er sind:

Drü­ben beim frat­zen­buch gibts noch zäh­ler in den so genann­ten “but­tons”, die in wirk­lich­keit trä­cking-wan­zen sind, die die­se gan­zen idjo­ten in ihre web­seits rein­bau­en. Zeigt ja zahl, misst ja kwalität!

Bekloppt, alle bekloppt.

In den NachrichtenComputer
I got a han­go­ver, whoa.

Erre­gung über Leu­te, die Kunst­wer­ke und Kon­zer­te nur noch zu besu­chen schei­nen, um sich selbst dort zu foto­gra­fie­ren, ist eigent­lich auch mal wie­der ange­mes­sen; auf die Gene­ra­ti­on derer, die auf Kon­zer­ten allein des­halb klat­schen, um sich selbst dafür zu beglück­wün­schen, das jewei­li­ge Lied zutref­fend erkannt zu haben, folgt offen­bar jene, deren Hin­ein­ge­bo­re­ne das digi­ta­le Spie­gel­bild zum Zen­tral­ge­stirn des kul­tu­rel­len Kos­mos‘ erklärt haben. Für die vir­tu­el­le Ewig­keit kon­ser­viert wird heu­te der Moment der eige­nen Zufrie­den­heit völ­lig ohne Ein­fan­gen des Moments selbst. Ob sie wohl auch auf Lesun­gen leicht neben dem Takt der Ver­se mitklatschen?

Dies nur, da mir unlängst eine Orches­ter­ver­si­on des Stra­ßen­fe­gers „Ghost­bus­ters“ begeg­ne­te und das sich sonst­wie klas­sisch gebär­den­de Publi­kum schief mit­klatsch­te. Wenigs­tens sang es nur auf Zuruf einen Teil des Tex­tes. Eigent­lich aber lehnt sich mein „Kultur“-Realismus heu­te gegen die App namens Han­no­ver Han­go­ver auf:

Auf Par­tys ent­ste­hen manch­mal Bil­der, die man lie­ber nicht im Netz sehen möch­te. Mit der „Han­go­ve­r­App“ kann man sich schüt­zen, ver­spricht der Her­stel­ler. Sie zeigt die Auf­nah­men nur, wenn alle Betei­lig­ten zusammenkommen.

Das is‘ ja wie bei Snap­chat, der Rub­bel­app für Katho­li­ken, nur gering­fü­gig anders: Man könn­te selbst­ver­ständ­lich dar­auf ver­zich­ten, über von Unbe­kann­ten betrie­be­ne eben­so unbe­kann­te Ser­ver in einem unbe­kann­ten Land vor gar nicht all­zu lan­ger Zeit sel­fies von den eige­nen Fort­pflan­zungs­or­ga­nen mit­ein­an­der aus­zu­tau­schen, aber für irgend­was müs­sen die­se hip­pen neu­en Medi­en ja da sein, und wofür, wenn nicht als Ama­teur­por­no­quel­le? Gibt’s ja im Inter­net sonst viel zu wenig. – Ab und zu schüt­tet Snap­chat auch in guter, alter Kom­mu­nis­ten­ma­nier sei­ne Benut­zer­da­ten­bank aus, damit wie­der Platz ist für neu­es Fleisch. Sieht ja kei­ner. Ist ja alles gleich gelöscht.

Und so ist das mit Fei­er­fo­tos eben auch: Wer davon aus­geht, dass man just in die­sem Moment umge­ben ist von Leu­ten, die kei­nes­wegs ver­ant­wor­tungs­vol­ler und zurech­nungs­fä­hi­ger sind als man selbst, und man sowie­so schon davon aus­geht, dass das, was man hier und jetzt zu foto­gra­fie­ren beab­sich­tigt, die Öffent­lich­keit bes­ser nicht zu Gesicht bekom­men soll­te, der lässt sei­ne Taschen­knip­se doch ein­fach mal in der Tasche und lebt im Augen­blick. Nichts ist schlim­mer als ein Moment, den man nur durch den Sucher erlebt hat. Aber was soll’s, es ist ja Platz, der Digi­tal­film ver­gisst nicht. Alles sam­meln, es sehen ja sowie­so nur die­je­ni­gen, die auch selbst dabei sind und das mit dem Sucher auch nicht ver­stan­den haben. Eines Tages kann man sich dann mit den Ande­ren, die den Moment auch ver­passt haben, zusam­men­set­zen und sich gemein­sam angu­cken, was man hät­te erle­ben kön­nen, wenn man nicht so beschäf­tigt damit gewe­sen wäre, Erin­ne­run­gen zu ver­bild­li­chen, weil man sich sicher war, dass sie am nächs­ten Tag ohne­hin all­mäh­lich verblassten.

Das Leben als Pro­jek­ti­on, als sei es nur im Hoch­glanz etwas wert.

Du hast den Farb­film ver­ges­sen, mein Michael /
Nun glaubt uns kein Mensch, wie schön’s hier wa-a-ar.
Nina Hagen


Real-Life-Hack des Tages: Erhal­ten Sie hier Ihren Gratisfalken!

NetzfundstückeNerdkramsMontagsmusik
Faust (live) // Total ver­chromt / Ampeln für Anfänger

Huh?Man soll den Mon­tag nicht vor dem nächs­ten Mon­tag loben. Nicht alles ist ent­behr­lich. Manch­mal sind Men­schen ja auch furcht­bar dumm. Sogar in Metropolen:

Die Signal­far­be “Gelb” wird in Deutsch­land für Fuß­gän­ger­am­peln in aller Regel nicht genutzt. Aus­nah­me hier­bei ist die Stadt Düs­sel­dorf, die über “Rot-Gelb-Grün”-Signale für Fuß­gän­ger ver­fügt. Eini­ge Men­schen sind irri­tiert über die­se Gelb­pha­se, wes­halb die Stadt Düs­sel­dorf eine acht­sei­ti­ge Bro­schü­re ver­teil­te. The­ma war: So gehen Sie in Düs­sel­dorf über die Straße.

Natür­lich ist die­se Bro­schü­re in ziem­lich leich­ter Spra­che ver­fasst. Wer schon von einer drei­far­big leuch­ten­den Ampel über­for­dert ist, dem mutet man lie­ber auch kei­ne kom­pli­zier­ten Sät­ze zu. Viel­leicht hät­te es aber auch ein Bil­der­buch getan.

Was es übri­gens kei­nes­falls tut, ist Chro­mi­um, der Brow­ser, auf dem Goog­le Chro­me, Vival­di, Ope­ra und sicher noch vie­le wei­te­re basie­ren. Die­ser Tage stell­te sich her­aus, dass all die­se Brow­ser nicht nur ein Hin­ter­tür­chen (Vor­sicht: Link auf Goog­le Plus) besit­zen, das es ermög­licht, Zwangs­er­wei­te­run­gen mit vol­len Zugriffs­rech­ten zu instal­lie­ren, son­dern auch einen defek­ten Zufalls­zah­len­ge­ne­ra­tor hat. „Der Brow­ser ist wei­ter­hin ein ver­wir­ren­der und gefähr­li­cher Ort“ (ebd.), aber man muss ja mit der Zeit gehen. Sicher­heit ist so 2010.

Pop­mu­sik zum Glück auch.

Kläng, din­gel­ding.

Faust live at Fes­ti­val BBmix 2014

Guten Mor­gen.

Spaß mit Spam
Kannst eine Uhr wie in den Films haben

Eine Uhr wie in den Films hat mir gera­de noch gefehlt. Zum Glück erhielt ich heu­te eine Mail von „Lie­se“, die Abhil­fe ver­sprach. Offen­sicht­lich han­del­te es sich um eine HTML-Mail, irgend­ein extern ein­ge­bun­de­nes Bild soll­te nach­ge­la­den wer­den; aber ich bin ja bekannt­lich nicht völ­lig bescheuert.

Der Rein­text ist aber auch super.

Jeder will sie von mir kaufen

Und dann bekom­me gera­de ich die­ses unfass­ba­re Ange­bot? Es gesche­hen Wunder!

Cool: Mit der Uhr mailen »

Pri­ma! Außer­dem: Mit dem Tele­fon Bücher lesen. Die­se neue Zeit ist erschre­ckend, nicht?

Kannst eine Uhr wie in den Films haben

Hof­fent­lich wie in guten Films, nicht wie in Comicfilms.

Hier a b*melden

Was? Wovon? Wofür? War nicht „anmel­den“ gemeint? Und seit wann wird die Mel­dung gegen­dert? Ich bin irritiert.

Aber noch mal zur Uhr:

Super, zeigt sogar die Uhrzeiten…

(sic!)

Äh.

Muss ich haben! :bravo:

PolitikNetzfundstückeIn den NachrichtenMir wird geschlechtMusik
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 19. Novem­ber 2015

Pünkt­lich zum heu­ti­gen inter­na­tio­na­len Män­ner­tag habe ich mir die töd­li­che Män­ner­er­käl­tung zuge­zo­gen. Mei­ne ver­blei­ben­de Lebens­zeit ist daher wahr­schein­lich kurz. Bevor ich also abtre­te und der Nach­welt ein CDU-regier­tes Deutsch­land hin­ter­las­se, kann ich ein paar Nach­rich­ten der letz­ten Tage trotz­dem nicht unkom­men­tiert las­sen. Es gibt Schlimmeres.

Netz­po­li­tik zum Bei­spiel mag „tot“ sein, aber sinn­los ist sie bei Wei­tem nicht: Ein US-Geheim­dienst­ler fin­det, an Ter­ro­ris­mus sei­en allein Daten­schüt­zer schuld. Zum Glück haben wir in Deutsch­land ein paar Par­tei­en, die sich trotz­dem um eine lebens­wer­te Gesell­schaft küm­mern, zum Bei­spiel die „Grü­nen“, die end­lich eine Mög­lich­keit gefun­den haben, ihrem image als Par­tei der Waf­fen­nar­ren und erho­be­nen Zei­ge­fin­ger eine neue Form der Bekloppt­heit zu geben:

„Um sicher­zu­stel­len, dass alle Men­schen glei­cher­ma­ßen genannt und dadurch mit­ge­dacht wer­den, wird in unse­ren Beschlüs­sen ab jetzt der Gen­der-Star benutzt“, begrün­det der Bun­des­vor­stand sei­nen Vorstoß.

Bezie­hungs­wei­se eben der*die Bundesvorstand*in. Ich fin­de es übri­gens durch­aus ange­nehm bis­sig, bei der Sprach­ver­hun­zung dem Patri­ar­chat wei­ter­hin den Kern eines Wor­tes und den Frau­en das über­flüs­si­ge, aber immer­hin letz­te Wort („*in“) zu überlassen.

Da wir gera­de bei Par­tei­en sind: Laut „SPIEGEL ONLINE“ sei die AfD der­zeit die dritt­stärks­te Kraft im Bun­des­tag. Wie prak­tisch, dann muss man nicht mehr wäh­len gehen, wenn der Wahl­aus­gang Jah­re zuvor rück­wir­kend per Umfra­ge fest­ge­legt wird. Hun­de, wollt ihr ewig leben? Man­che jeden­falls nicht: Das Netz ist gespal­ten. Was wir jetzt brau­chen, sind mehr trau­ri­ge Men­schen mit Zet­teln, mehr Flag­gen­ava­tare auf Twit­ter und mehr Ton­nen­boys (m/w).

Apro­pos Ton­nen­boys bzw. och nei, du: Xavier Naidoo („Wo sind unse­re Füh­rer, wo sind sie jetzt?“, aus: „Wo sind sie jetzt?“), der wohl bekann­tes­te Gefan­ge­ne der Deutsch­land GmbH, darf 2016 im „Euro­vi­si­on Song Con­test“ für die­ses schwer gebeu­tel­te Land „sin­gen“. Nun könn­te man ein­wer­fen, dass es ja ein Län­der- und kein Musi­ker­wett­streit sei, und dann hört man sich ein­mal die dort auf­ge­führ­ten aus­tausch­ba­ren eng­lisch­spra­chi­gen Mit­klatsch­schla­ger der ver­gan­ge­nen Jah­re an und zieht sei­nen Ein­wand zurück. Sei­en wir doch ehr­lich und geben zu, dass wir uns min­des­tens seit dem Jahr nach Nico­le Ohnen­ach­na­mens erschre­ckend erfolg­rei­chem „Ein biss­chen Frie­den“ nicht mehr mit den Auf­trit­ten iden­ti­fi­zie­ren kön­nen und mit der Musik noch viel weni­ger. Dass aus Deutsch­land nicht viel gute Musik kommt, mag stim­men; dass aber der „Euro­vi­si­on Song Con­test“ ein medi­al auf­ge­bla­se­ner Schla­ger­wett­streit und kein ernst zu neh­men­des künst­le­risch bemer­kens­wer­tes Musikfes­ti­val ist und Xavier Naidoo mit sei­nem melo­disch und text­lich bes­ten­falls nur belang­lo­sen Gejam­mer nicht ein­mal der lach­haf­tes­te mög­li­che Ver­tre­ter Deutsch­lands ist, wird vor lau­ter Poli­ti­sie­rung viel zu sehr verdrängt.

„Lei­ke Set­te­leit“ war auch nicht des­halb ein Erfolg, weil es so gut zu Deutsch­land pas­sen würde.

Gute Bes­se­rung uns allen.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Mono für Alle! – Gentrification

UuaaaahEs ist Mon­tag. Ein Blick nach links und lächeln. Zumin­dest war es dies­mal kein Traum. Das Käuz­chen schweigt und genießt, das Leben kann beginnen.

All­mäh­lich ver­daut man dann auch, was letz­te Woche außer den erneu­ten Anschlä­gen in Frank­reich, unse­rem Nach­bar­land mit schar­fer Vor­rats­da­ten­spei­che­rung zur effi­zi­en­ten Gewalt­prä­ven­ti­on, mit­samt drin­gend erfor­der­li­chen Belang­lo­sig­kei­ten noch geschah. End­lich wur­de wie­der jemand getö­tet, damit das Töten auf­hört. Der unbe­waff­ne­te neun­jäh­ri­ge Autist hin­ge­gen, der unlängst von der US-ame­ri­ka­ni­schen Poli­zei erschos­sen wur­de, war gar nicht bedroh­lich. Hopp­la! Aber sol­che Feh­ler kön­nen ja mal pas­sie­ren in die­ser ver­roh­ten Gesell­schaft, die nach der Über­win­dung von Lese­sucht, die im 19. Jahr­hun­dert unser Mit­ein­an­der gefähr­de­te, und Fern­se­hen, das im 20. Jahr­hun­dert unser Mit­ein­an­der gefähr­de­te, inzwi­schen durch Smom­bie­fi­zie­rung gefähr­det wird. Das Jugend­wort des Jah­res erkennt man ja nor­ma­ler­wei­se dar­an, dass es nie­mand benutzt.

Unver­zeih­lich ist es hin­ge­gen, wenn auf Mül­ler­milch eine Dun­kel­häu­ti­ge prangt. Allein der Name schon – „Scho­ko“! Das heißt doch jetzt Far­bi­go­la­de. Gegen einen mus­ku­lö­sen dun­kel­häu­ti­gen Musi­ker hät­te man aber wahr­schein­lich nichts gehabt. Die wer­den ja nicht dis­kri­mi­niert dadurch.

Man weiß schon gar nicht mehr, was man noch zei­gen soll. Men­schen jeden­falls nicht.

Dann eben Elektrodingsbums.

G‑e~n*T‑r-i^f.i.K.@.t#i+0N — [mono für alle]

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Grün­lich Grau – Nie­ders­tes Gewänz

Niederstes GewänzGewänz. Was zur Höl­le ist Gewänz?

Fest steht, dass in den 1990-er Jah­ren eine Band des Namens „Nie­ders­tes Gewänz“ wirk­te. Offen­bar geht die­se Wort­krea­ti­on zurück auf ein Zitat aus dem 1993 ver­öf­fent­lich­ten Film „Doc Sny­der hält die Welt in Atem“ von – wem auch sonst? – Hel­ge Schnei­der. Ist doch albern. Woher „Grün­lich Grau“, der Name der im Fol­gen­den gemein­ten Musik­grup­pe, stammt, konn­te ich aller­dings nicht ein­deu­tig herausfinden.

Wor­um geht es? Nun, Grün­lich Grau machen im posi­ti­ven Sin­ne beklopp­te Musik. Auf dem Album „Nie­ders­tes Gewänz“ schrei­ten „Kal­le“, „Han­nes“, „Kranz“ und „Frie­der“ schleu­nig durch die Sti­le, vom 70er-Polit­rock („Bun­ker“) über Tech­no („Space­sur­fer“) bis zu wirrs­tem RIO („294: Der Geschmack der Vor­rich­tung“) ist alles dabei. Die Spra­che der (weni­gen) Tex­te ist mal Fran­zö­sisch, mal Eng­lisch und mal Deutsch; das ist, wie der geneig­te Musik­freund spä­tes­tens seit Eclip­se Sol-Air weiß, kei­nes­wegs ver­wir­rend, son­dern wun­der­bar pas­send. An Humor man­gelt es der Band ohne­hin nicht: Der Text von „Bun­ker“ zum Bei­spiel, so behauptet’s die Pres­se­infor­ma­ti­on, stam­me von Hans Sprung­feld.

Auf Bandcamp.com und per eMu­le kann man sich das gan­ze ver­damm­te Ding her­un­ter­la­den, bei ers­te­rer Mög­lich­keit auf Wunsch auch gegen eine Spen­de in belie­bi­ger Höhe. Ich lege dies nahe.

MontagsmusikPiratenpartei
Jakob – Blind Them With Science

Remember, rememberEin flau­sch­lo­ser Mon­tag, der davor war irgend­wie schö­ner. Teu­fel, geht das immer schnell. Es wird Grip­pe­ze­it, und auch die Pira­ten­par­tei hat­te sich da was ein­ge­fan­gen: Flo­ri­an „d1etpunk“ Bokor ist mil­de kei­fend aus­ge­tre­ten, wie gewohnt noch im Geze­ter mit „will­kom­men drau­ßen“ von denen begrüßt, die es für einen Erfolg hal­ten, poli­tisch geschei­tert zu sein. Die­ser Flo­ri­an Bokor war auch jener, wel­cher im Janu­ar 2014 anläss­lich eines Bun­des­par­tei­tags frem­de Flag­gen his­sen ließ, das Pira­ten­schiff also gleich­sam kampf­los vor ver­sam­mel­ter Mann­schaft den See­roi­bern, die nicht mehr ein­te als der Klas­sen­kampf gegen das Böse, über­gab.

Viel­leicht hät­te er sich vor­her wenigs­tens ein wenig mit „sei­ner“ Par­tei beschäf­ti­gen sol­len, denn das, was ihm fehl­te, war nie weg. Für ein Bekennt­nis zu den immer glei­chen Wer­ten aber gibt es viel­leicht ein­fach zu wenig Applaus von den Will­kom­men­drau­ßens. Rum und Ähren. Evi­denz­ba­sier­tes poli­ti­sches Geschick ist so 2009.

Klopp lernt das Verb „to lose“, über­schrieb man bei der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“ einen Arti­kel über ein ver­lo­re­nes Fuß­ball­spiel von Jür­gen Klopps neu­em Ver­ein, dem FC Liver­pool, und mög­li­cher­wei­se brin­ge ich dem zustän­di­gen Redak­teur jetzt auch mal ein neu­es Verb bei, näm­lich „to face­palm“, und möch­te das zur wei­te­ren Inter­pre­ta­ti­on ein­fach ein­mal hier her­um­lie­gen las­sen. Ande­re Leu­te las­sen Schlim­me­res her­um­lie­gen, zum Bei­spiel lässt ein Herr Coll­ins die Kunst­fi­gur „Phil Coll­ins“ her­um­lie­gen, wäh­rend er befürch­tet, jetzt doch noch cool zu wer­den. Immer­hin scheint er trotz­dem sei­ne Musik zu ken­nen: „Es sind nicht nur Kri­ti­ker, denen man­che mei­ner all­ge­gen­wär­ti­gen Best­sel­ler längst aus dem Hals her­aus­hän­gen!“ Radio­sen­der aller­dings krie­gen offen­sicht­lich nicht genug davon. Hof­fent­lich bringt bald jemand ein drit­tes Lied raus.

Oder es spie­len ein­fach mehr Radio­sen­der was Anstän­di­ges. Ich hät­te da einen Vorschlag.

Jakob – Blind Them With Sci­ence live@Bleach (Brigh­ton, UK 24-04-2015)

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt: Christ­li­che Sterbehilfe

War­um muss man für Ster­be­hil­fe eigent­lich in die Schweiz fah­ren? Ach so, rich­tig – weil der­sel­ben CDU, die ein Recht auf den Export schwe­rer Waf­fen in Kriegs­ge­bie­te wort­reich ein­for­dert, christ­li­che Wer­te wich­tig sind:

Auch wenn der christ­li­che Glau­be Men­schen Hoff­nung gibt, haben vie­le Angst vor einem lan­gen Ster­be­pro­zess oder vor Schmer­zen. CDU-Gene­ral­se­kre­tär Peter Tau­ber beton­te in Ber­lin: „Es darf kein Geschäft mit dem Tod geben. Künf­tig steht die geschäfts­mä­ßi­ge Bei­hil­fe zur Selbst­tö­tung unter Strafe.“

Geschäfts­mä­ßi­ge Bei­hil­fe zur Tötung Drit­ter hin­ge­gen kur­belt die Wirt­schaft an. Auf­schwung, wissenschon.

Nerdkrams
Mit feed43 gegen Webmüll

(Vor­be­mer­kung: Es folgt nach län­ge­rer Zeit ein wei­te­rer lang­wei­li­ger Text über Com­pu­ter­kram, der eigent­lich nur den Zweck erfüllt, die über­fäl­li­ge Musik­rück­schau zu pro­kras­ti­nie­ren. Wie ärgerlich.)

Vor eini­gen Jah­ren hoff­te ich, dass die Mut­ma­ßung, das RSS-For­mat sei nicht mehr zeit­ge­mäß, bis auf Wei­te­res nicht zutref­fen wür­de. Ich begin­ne zu fürch­ten, dass ich da viel­leicht zu opti­mis­tisch war.

Denn: Web­müll ver­stopft das Netz. Man ruft Web­sites auf und bekommt eine Men­ge zu sehen, nur der eigent­li­che Inhalt wird immer bes­ser ver­steckt. Hier, eine Wer­be­flä­che! Hier, 34 wei­te­re Schlag­zei­len zu ganz ande­ren The­men! Abon­nier‘ uns doch! Und guck‘ mal, wie schön unse­re sozia­len wid­gets leuch­ten! – Das Web als Infor­ma­ti­ons­me­di­um ver­sagt, weil sei­ne Gestal­ter versagen.

Selbst, wenn man sich von wer­be­träch­ti­gen Quatsch­sei­ten wie taz.de und „SPIEGEL ONLINE“ fern­hält, wird es zuse­hends schwie­ri­ger, sich effi­zi­ent zu infor­mie­ren, weil RSS als ein­heit­li­cher Stan­dard sich trotz­dem nicht so recht durch­zu­set­zen vermag.

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PolitikIn den Nachrichten
Schmal­hans des Tages: Ange­la Mer­kel, CDU.

Die­ser Arti­kel ist Teil 12 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Was hat­ten wir denn lan­ge nicht? Ach, rich­tig – einen Poli­ti­ker, der Unsinn erzählt. Und wo sonst soll­te er sit­zen als in der CDU/CSU?

Dabei hat­te die­se unhei­li­ge Uni­on ja durch­aus begon­nen, sich dem Neu­land zu öff­nen. Wie­so sonst soll­te ein CSU-Minis­ter auf Bundes‑, ein CDU-Poli­ti­ker auf euro­päi­scher Ebe­ne für das Inter­net zustän­dig sein? Und auch Ange­la Mer­kel, sonst nicht unbe­dingt für eine Mei­nung bekannt, besann sich laut Pres­se bereits im Mai 2014 dar­auf, dass es mitt­ler­wei­le Men­schen auch im Tele­kom-Deutsch­land gibt, die vom Inter­net leben müssen:

Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel hat sich für ein­heit­li­che euro­päi­sche Regeln im Urhe­ber­recht, beim Daten­schutz und für den Breit­band­aus­bau stark gemacht.

So weit, so beängs­ti­gend. Zum Glück hat­te sich dies­be­züg­lich, wie gewohnt, sehr lan­ge nichts getan, so dass man getrost ver­ges­sen konn­te, dass so etwas über­haupt ein­mal zur Spra­che gekom­men war. ‘Schmal­hans des Tages: Ange­la Mer­kel, CDU.’ weiterlesen »

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusikComputer
Hoof­foot (live)

Kalt draußenDas Inter­net freut sich: Die Web­site des größ­ten deut­schen Tot­holz­ver­schwen­ders sperrt nun Leu­te aus, die ihren Rech­ner gern vor Kri­mi­nel­len schüt­zen möch­ten. Aller­dings sind sie sogar dafür zu doof, denn die mobi­le Web­site (soll hei­ßen: die, die man sieht, wenn man ver­se­hent­lich mit einem smart­phone drauf­geht) lässt sich von Adguard zumin­dest unter Android nicht am Funk­tio­nie­ren hin­dern. Damit kann ja auch kei­ner rechnen.

In der Tür­kei steigt der­weil ’ne Fei­er: Dem Erdoğan sei­ne Par­tei hat die abso­lu­te Mehr­heit zurück­er­obert, und wer bei Erobe­run­gen an Kreuz­zü­ge und blu­ti­ge Gemet­zel denkt, hat damit ange­sichts der dor­ti­gen Kur­den­schlach­te­rei ver­mut­lich nicht Unrecht. Die OSZE beklag­te den mit Gewalt geführ­ten Wahl­kampf, was die Bun­des­re­gie­rung natür­lich bren­nend inter­es­siert: „Regie­rungs­spre­cher Stef­fen Sei­bert begrüß­te am Mon­tag den fried­li­chen Ver­lauf der Wahl“, man will ja den Groß­kun­den nicht ver­lie­ren: Kur­den nut­zen deut­sche Waf­fen gegen den IS, wäh­rend die Tür­kei ihrer­seits (über die NATO mili­tä­ri­scher Ver­bün­de­ter Deutsch­lands) Kur­den bom­bar­diert. Frie­den schaf­fen, ihr Affen.

Apro­pos Affen: Apple lässt CCC-Apps auf Apple TV nicht zu, weil man im CCC natur­ge­mäß auch App­les Betriebs­sys­te­me tech­nisch ana­ly­siert. Viel­leicht soll­te der CCC auf dem anste­hen­den 32. Con­gress im Gegen­zug Apple-Gerä­te vom Gelän­de verbannen.

Man könn­te ja auch ganz ande­re Din­ge tun, zum Bei­spiel Hoof­foot hören.

Hoof­foot – Burg Herz­berg Fes­ti­val 2015

Guten Mor­gen (n.V.).

SonstigesIn den Nachrichten
Kurz notiert zu Eck­art von Hirsch­hau­sens Kreuzzug

„Der Kaba­ret­tist Eck­art von Hirsch­hau­sen und die CDU-Poli­ti­ke­rin Julia Klöck­ner sind von der befrei­en­den Kraft der Reli­gi­on über­zeugt.“ So etwas liest man doch gern, dann weiß man wenigs­tens, mit wem man es zu tun hat. Ent­stan­den ist die­ser Satz für das „christ­li­che Medi­en­ma­ga­zin“ „pro“. Die Über­schrift? Was Ärz­te und Pati­en­ten von Luther ler­nen kön­nen.

Und zwar was?

So stellt der aus­ge­bil­de­te Arzt von Hirsch­hau­sen fest, dass vie­le ein­sa­me Men­schen mit einer „pseu­do­re­li­giö­sen Erwar­tungs­hal­tung“ ins War­te­zim­mer des Arz­tes kämen. Sie haben den „Wunsch nach Gese­hen­wer­den, Berührt­wer­den im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes, nach Erlö­sung, nach Gnade“.

Gehen gläu­bi­ge Chris­ten eigent­lich zum Arzt, wenn Gott doch will, dass alles so kommt, wie es kommt? Kei­ne Zeit, dar­über nach­zu­den­ken, der nächs­te Kra­cher lässt nicht auf sich warten:

„Luther hat den Anstoß dafür gege­ben, dass man sich die hei­len­den Kräf­te der Bil­dung klar­ge­macht hat“.

Ein evan­ge­li­scher Kaba­ret­tist, der in einer reli­giö­sen Publi­ka­ti­on die Bil­dung lobt und spä­ter die katho­li­sche Kir­che dar­um benei­det, dass sie „vie­le Ritua­le“ habe, „da habe sei­ne Kir­che das Kind mit dem Bade aus­ge­schüt­tet“, macht mir ja doch eher Mut als Hoff­nung. Aber eigent­lich brau­chen wir Reli­gi­on ja gar nicht, son­dern, so ver­merk­te von Hirsch­hau­sen abschlie­ßend, „jeman­den wie Jesus“:

Wenn wir in Deutsch­land beob­ach­ten, wie Arm und Reich aus­ein­an­der­drif­ten, wie vie­le Leu­te sich von der Gesell­schaft aus­ge­schlos­sen füh­len – dann braucht es jemand, der uns an Jesus erinnert!

Jesus hät­te sicher­lich etwas gegen die­se Sche­re zwi­schen Arm und Reich getan, denn „[e]r ging gezielt auf die Men­schen zu, ohne nach dem Sta­tus zu fra­gen“, um sie dann, das erwähnt von Hirsch­hau­sen nicht, für ihren Sta­tus trotz­dem zu verurteilen:

Eher geht ein Kamel durch ein Nadel­öhr, als dass ein Rei­cher in das Reich Got­tes gelangt.
Mar­kus 10,25

Eck­art von Hirsch­hau­sen dürf­te es also schwer haben, von jeman­dem wie Jesus als einer der Sei­nen akzep­tiert zu wer­den; ins­be­son­de­re, wenn er sein Leben auch ansons­ten ganz in Ord­nung findet:

So jemand zu mir kommt und haßt nicht sei­nen Vater, Mut­ter, Weib, Kin­der, Brü­der, Schwes­tern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jün­ger sein.
Lukas 14,26

Die Men­schen, um deren Gesell­schaft Jesus sich bemüh­te, waren also kei­nes­wegs Gestal­ten wie Julia Klöck­ner und Eck­art von Hirsch­hau­sen, son­dern vom Leben gebeu­tel­te, von der Fami­lie ent­frem­de­te, zutiefst depres­si­ve Arme. Was er mit ihnen vor­hat­te, geht aus der Bibel nicht ein­deu­tig her­vor, ich habe da aller­dings so eine Ahnung:

Ich bin nicht gekom­men, um Frie­den zu brin­gen, son­dern das Schwert!
Mat­thä­us 10,34

Pre­digt Herr von Hirsch­hau­sen eigent­lich wäh­rend sei­ner Auf­trit­te oder redet er wäh­rend­des­sen nur Stuss? Hat sich der Ver­fas­sungs­schutz schon mal genau­er damit befasst?

„Jemand wie Jesus“ wür­de sich ver­mut­lich im Gra­be umdrehen.


Wuss­tet ihr übri­gens schon, dass man jetzt auch so genann­te „Home­pages“ haben kann?

PolitikIn den NachrichtenComputer
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 30. Okto­ber 2015 (außer mir jetzt)

Nein, was hat man sich auf Twit­ter nicht wie­der hämisch amü­siert:

Horst See­ho­fer erwägt angeb­lich den Abzug sei­ner Minis­ter aus der Koali­ti­on, soll­te die Kanz­le­rin ihre Flücht­lings­po­li­tik nicht revidieren.

Wo da denn, haha­ha, die Dro­hung sei und dass man sich viel­mehr dar­auf freue, dass das end­lich pas­sie­re. So eine unglaub­li­che Geschichts­ver­ges­sen­heit ist sogar im Inter­net sel­ten, denn was macht man mit einem Kabi­nett, in dem noch Minis­ter feh­len? Man füllt es auf. 2013 war eine gewis­se Ursu­la von der Ley­en als „Super­mi­nis­te­rin“ – also talent­freie Zustän­di­ge für meh­re­re Res­sorts – im Gespräch. Ich glau­be, damit kann man ziem­lich gut drohen.


Apro­pos doof: Mit der jüngst für schwam­mig erklär­ten Netz­neu­tra­li­tät bie­ten sich für den Spo­ti­fy-Wer­be­ver­ein Tele­kom offen­bar inter­es­san­te neue Möglichkeiten.

Tele­kom-Chef Tim Hött­ges hat eine Idee, wie man den vom EU-Par­la­ment abge­nick­ten Kom­pro­miss zur Netz­neu­tra­li­tät mit Leben fül­len kann: Start­ups, die ihre Diens­te auf dem welt­wei­ten Netz anbie­ten, betei­li­gen dafür die Netz­be­trei­ber an ihren Umsät­zen. „Ein paar Pro­zent“, schreibt Hött­ges im Tele­kom-Blog, sei­en „ein fai­rer Bei­trag für die Nut­zung der Infrastruktur“.

Ich schla­ge vor, dass die Tele­kom im Gegen­zug auch eine fai­re Ent­schä­di­gung zahlt, wenn die Infra­struk­tur wie­der mal jedes Dienst­an­bie­ten verunmöglicht.