PolitikIn den Nachrichten
Ern­ste Beden­ken

Apro­pos Krieg (kal­ter); wisst ihr, wer sich über mili­tä­ri­sche Inter­ven­tio­nen in Syri­en ärgert? Rich­tig: die USA.

In Syri­en habe sich, berich­tet man auf aus­ge­rech­net „SPIEGEL ONLINE“, Fol­gen­des zuge­tra­gen:

Russ­land hat in der Nähe der syrisch-ira­ki­schen Gren­ze Rebel­len attackiert. Doch bei den Luft­an­grif­fen der Kampf­flug­zeu­ge in der Nähe des Ortes Al-Tanf wur­den offen­bar Ver­bün­de­te der USA bom­bar­diert.

Es wird also wie­der ein­mal Angst vor dem Iwan und des­sen Bewaff­nung geschürt, damit auch ja nie­mand auf die Idee kom­me, die mora­li­sche Abgren­zung sei künst­lich und medi­en­ge­macht. Da wird auf Men­schen („Rebel­len“, was in der Spra­che des „SPIE­GELs“ offen­sicht­lich „nicht ganz so lebens­wer­te Men­schen“ bedeu­tet) geschos­sen und es flie­gen Bom­ben auf sie, was ja grund­sätz­lich anschei­nend nie­man­den der dort Sta­tio­nier­ten aus dem Westen wirk­lich stört.

Was machen die Ame­ri­ka­ner eigent­lich in der Nähe der syrisch-ira­ki­schen Gren­ze? Na, das Glei­che, was sie schon zwecks mili­tä­ri­schen Auf­baus von Sad­dam Hus­sein und Osa­ma bin Laden gemacht haben, bevor ihre Zög­lin­ge ihnen plötz­lich untreu wur­den:

Flug­zeu­ge hät­ten in der Regi­on am Don­ners­tag Kämp­fer der Neu­en Syri­schen Armee beschos­sen, die von den USA und ihren Ver­bün­de­ten in Jor­da­ni­en aus­ge­bil­det wer­den.

Ach so: „Die USA und ihre Ver­bün­de­ten“ – offen­sicht­lich nicht Russ­land – bil­den Ter­ro­ri­sten („Mili­zen“) aus, um in einem frem­den Land ande­re Ter­ro­ri­sten („Mili­zen“) zu bekämp­fen, und fin­den es nun unan­ge­mes­sen, dass im Ziel­ge­biet geschos­sen wird? Nein, natür­lich nicht:

Ein Pen­ta­gon­spre­cher erklär­te, das Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ste­ri­um wis­se von Berich­ten über Angrif­fe auf mode­ra­te Oppo­si­tio­nel­le. (…) „Soll­te die­se Akti­on tat­säch­lich von den Rus­sen aus­ge­führt wor­den sein, dann hät­ten wir ern­ste Beden­ken“, sag­te er.

Kei­ner­lei ern­ste Beden­ken hat das US-ame­ri­ka­ni­sche Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ste­ri­um beim Aus­bil­den von Ter­ro­ri­sten und bei der Ein­mi­schung in frem­de Innen­po­li­tik, ins­be­son­de­re dann nicht, wenn die USA die Fol­gen (u.a. Flücht­lings­an­sturm in Euro­pa, unzäh­li­ge zivi­le Kol­la­te­ral­schä­den und so wei­ter) nicht selbst tra­gen müs­sen. Ern­ste Beden­ken gibt es aller­dings, wenn sich her­aus­stel­len soll­te, dass ein Land, das sei­tens des Westens mit aller­lei Falsch­mel­dun­gen als Aggres­sor sti­li­siert wird, beim Mit­mor­den ver­se­hent­lich auch mal die fal­schen Ter­ro­ri­sten trifft. Ich habe ja ern­ste Beden­ken wegen ganz ande­rer Aspek­te die­ses Vor­ge­hens, aber ich bin auch ein ent­schie­de­ner Geg­ner von mili­tä­ri­scher Inter­ven­ti­on in irgend­wel­chen Län­dern und soll­te mich des­we­gen aus der Außen­po­li­tik mal gepflegt raus­hal­ten. Was weiß ich schon von der Not­wen­dig­keit des Meu­chelns?

Nicht ein­mal zwei Stun­den vor oben zitier­ter Mel­dung erschien gleich­falls auf „SPIEGEL ONLINE“ die Ankün­di­gung, dass US-ame­ri­ka­ni­sche „Diplo­ma­ten“ den direk­ten Ein­satz des US-Mili­tärs gegen die Regie­rung von Syri­ens Prä­si­dent Baschar al-Assad for­dern. Wenn denen doch nur jemand gesagt hät­te, wie gefähr­lich so ein Krieg ist!

Wer sich in Gefahr begibt, der kommt dar­in um, und ein starr­köp­fi­ger Mensch nimmt zuletzt ein schlim­mes Ende.
Sirach 3,27

In den NachrichtenComputerPolitik
Cyber­be­waff­ne­ter Cyber­kon­flikt!

Hur­ra, na end­lich:

Die Nato hat den Cyber­raum zu einem eigen­stän­di­gen Ope­ra­ti­ons­ge­biet erklärt. Angrif­fe über Daten­net­ze wer­den nun wie sol­che durch Land‑, See- oder Luft­streit­kräf­te behan­delt, sag­te Gene­ral­se­kre­tär Jens Stol­ten­berg.

Einer­seits wür­de ich das Zwangs­de­mo­kra­ti­sie­ren (bekannt­lich in der Regel ein recht destruk­ti­ver Pro­zess) von E‑Mail-Spam­mern begrü­ßen, ande­rer­seits bedeu­tet das im Wesent­li­chen: Die NATO hat dem Inter­net den Krieg erklärt. Wie schnell lan­det man doch auf der fal­schen Sei­te, denn wel­cher Cyber­krie­ger kämpft schon mit offe­nem Visier?

Euer Brow­ser? In den Hän­den der Fal­schen eine gefähr­li­che Waf­fe. Laut dem Hacker­pa­ra­gra­phen macht euch ein ein­fa­cher Ping schon ter­ror­ver­däch­tig, künf­tig wohl auch mit Fol­gen. Passt lie­ber auf, wo ihr hin­klickt, hier ist alles ver­min­tes Gelän­de. Kei­ne Sor­ge aber, wenn mor­gen die Cyber­wehr vor eurer Tür steht: Die schie­ßen bekannt­lich immer dane­ben.

(via Schwerdt­fe­gr)

Sonstiges
Medi­en­kri­tik C: Erschrecken­de Schock­fo­tos: Bezie­hung ohne Kin­der? Lass stecken.

Wenn die Jes­si­ca-Alba-Dich­te auf dem Titel­bild von Frau­en­ma­ga­zi­nen abnimmt, bedeu­tet das nicht auto­ma­tisch mehr Viel­falt: Uni­so­no berich­ten die aktu­el­len Aus­ga­ben von „Cos­mo­po­li­tan“ und „mys­elf“, bei­des merk­wür­di­ge Heft­chen für die Frau über Nor­ma­lir­re, über ein schier unglaub­li­ches Phä­no­men, das die „Cos­mo­po­li­tan“ nur halb­her­zig hin­ter Schlüpf­rig­kei­ten ver­steckt:

Cosmopolitan - Lass stecken!

Des Rät­sels Lösung ist übri­gens: Cun­ni­lin­gus. Man sol­le als Frau doch den Vibra­tor oder eine Hand bevor­zu­gen, denn so ein Mann habe es, sta­ti­stisch gese­hen, nicht drauf. Moritz Pon­ta­ni (!) fragt in der­sel­ben Aus­ga­be der „Cos­mo­po­li­tan“:

Alle reden dar­über, dass wir es bald mit Robo­tern, Ava­ta­ren und Blue­tooth-gesteu­er­ten Dil­dos trei­ben. Was ist da dran?

Womit Moritz Pon­ta­ni (!) es so treibt und inwie­fern ein Dil­do da invol­viert ist, habe ich mich lie­ber nicht getraut nach­zu­le­sen. Ich woll­te auch eigent­lich auf etwas ganz ande­res hin­aus, näm­lich auf eine Fra­ge, die das Titel­blatt der „mys­elf“ („Wir machen Frau­en stark“), in der die Kolum­ni­stin Con­stan­ze Kleis (57) bezeich­nen­der fragt, ob man „den Mann“ nach zwan­zig Jah­ren Ehe „immer noch“ lie­ben „müs­se“, glei­cher­ma­ßen the­ma­ti­siert wie die schlim­me „Cos­mo­po­li­tan“:

„Wie wir ein Paar blie­ben, obwohl wir kein Kind beka­men“

Bezie­hungs­wei­se („Cos­mo­po­li­tan“) eben:

Eine erfüll­te Bezie­hung füh­ren, auch ohne Kin­der – das wür­den die­se bei­den Paa­re sofort unter­schrei­ben.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wann das klas­si­sche Bild von einer Bezie­hung ihren Sinn ver­lo­ren hat, aber es mag man­ches erklä­ren.

Abschlie­ßend wagen wir noch einen kur­zen Blick in die gleich­falls aktu­el­le „OK!“ (Titel­the­ma: „Schlim­mer Unfall!“, Titel­bild: Sarah Lom­bar­di; sagen wir es mal so: ja, das trifft es), die groß­spu­rig warnt:

Schock-Fotos

Pah, uns gestähl­te Manns­bil­der weiß so leicht nichts zu erschrec-

Kreisch

Wah! 8O

PolitikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Non scho­lae sed mori­an­do dis­cunt.

Auf „SPIEGEL ONLINE“, des­sen Social-Media-„Team“ mitt­ler­wei­le eine der­ar­ti­ge Enthir­nung vor­zu­wei­sen hat, dass es ihm gera­de­zu wie eine post­re­vo­lu­tio­nä­re Frei­heit erscheint, wenn im schlim­men Groß­bri­tan­ni­en Schul­uni­for­men nicht etwa abge­schafft, wie es sich für moder­ne und auf­ge­klär­te Staa­ten inzwi­schen erfreu­li­cher­wei­se geziemt, son­dern geschlechts­neu­tra­li­siert wer­den, wun­dert sich Mat­thi­as Gebau­er heu­te:

Mit einem Tag der offe­nen Tür woll­te die Bun­des­wehr am Wochen­en­de für mehr Akzep­tanz in der Öffent­lich­keit wer­ben. Doch dann lie­ßen Sol­da­ten klei­ne Kin­der an Geweh­ren han­tie­ren.

Was hat der denn gedacht, wofür Mit­glie­der eines staat­lich geför­der­ten Waf­fen­trä­ger­hau­fens an einer Schu­le wer­ben soll­ten – für den Mathe­ma­tik­un­ter­richt?

Im Übri­gen bin ich der Mei­nung, dass die Bun­des­wehr abge­schafft gehört.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
The Dan­dy War­hols – Vale­rie Yum

Hunger!Es ist end­lich wie­der Mon­tag, der Schlen­dri­an hat ein Ende, und man hat es doch noch gut, ande­re müs­sen heu­cheln für Geld, nich­wahr; und aus­nahms­wei­se viel mehr als nach dem Sinn des Gan­zen fragt man sich heu­te mal, wie­so immer von „frei­er Bil­dung“ die Rede ist, wenn man doch kaum etwas ande­res tut als Lehr­geld zu zah­len und das, was der Staat „För­de­rung“ nennt, nicht viel mehr ist als eine Leih­ga­be zu restrik­ti­ven Kon­di­tio­nen. Die Dumm­ge­blie­be­nen haben leich­tes Fei­ern in die­sen Tagen. Denen fehlt nichts in dem, was sie für ein Leben hal­ten. Nicht ein­mal sie.

Genug davon. Penis! Na, alle wach? Dann habe ich gleich noch einen zwei­ten Kra­cher: Ich hät­te fast der Grü­nen Jugend zuge­stimmt. – Aber eben auch nur fast: Wäh­rend ich die eini­ger­ma­ßen feste Posi­ti­on (All­er­gi­ker­war­nung: Gen­de­rei) über das sau­blö­de EM-Gebrüll durch­aus tei­le, ist die Ein­schrän­kung auf inlän­di­sche Fah­nen eher merk­wür­dig. Wie pri­ma wäre es doch, hiel­te nie­mand auf der Welt sei­ne Natio­na­li­tät für beschrei­ens­wert! Ande­rer­seits möch­te die Grü­ne Jugend ja sicher­lich ihren Mut­ter­ver­ein, die Angriffs­kriegs­par­tei „Die Grü­nen“, nicht all­zu sehr ver­är­gern, die gegen bestimm­te Flag­gen durch­aus nichts ein­zu­wen­den hat, ukrai­ni­sche Haken­kreuz­flag­gen zum Bei­spiel möch­ten sie nie­man­dem neh­men, so lan­ge es gegen den Iwan geht. Für die gute Sache ist jeder Ver­bün­de­te rechts recht.

Ein Blick nach Düs­sel­dorf: Flücht­lings­heim brennt nach Streit über reli­giö­se Essens­vor­schrif­ten. Wenn sich jetzt noch her­aus­stellt, dass Vega­ner betei­ligt waren, haben wir genug Kli­schees bei­sam­men.

Ach, apro­pos Schland. Was für eine furcht­ba­re Zeit.

the dan­dy war­hols vale­rie yum

I just don’t care no more, I got vali­um. Hilft ja alles nichts.

Guten Mor­gen.

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 10. Juni 2016

Wisst ihr, was unbe­dingt mehr WLAN braucht? Auto­alarm­an­la­gen! Freu­en wir uns also schon heu­te auf die ersten Stra­ßen-Bot­net­ze aus selbst fah­ren­den Autos.


Gute Nach­rich­ten für den Bil­dungs­stand­ort Ber­lin: Die Eng­lisch­klau­sur kann man zumin­dest auf dem Niveau der Berufs­bil­dungs­rei­fe bestehen, ohne ein Wort Eng­lisch zu kön­nen. Für Gen­der Stu­dies reicht’s wahr­schein­lich.


Klop­fer hat sich mit dem Galak­ti­schen Gesund­heits­rat beschäf­tigt. :irre:


Alles, was in der Demo­kra­tie schief­läuft, in einem Satz:

Offen­bar als Zei­chen der Unter­stüt­zung war auch Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel im Par­la­ment.

Wenn sogar die Kanz­le­rin mal an der Demo­kra­tie teil­nimmt, dann ist die Kacke aber echt am Dampfen!!1!


Ihr habt Cyber­feu­er zu Hau­se? Kei­ne Angst: Die Cyber­feu­er­wehr kommt!

Persönliches
Kurz ange­merkt zur dies­jäh­ri­gen Euro­pa­mei­ster­schaft im Män­ner­fuß­ball

Bei allem Zynis­mus, den ich bei The­men wie die­sem zur Schau zu stel­len pfle­ge: Mein Wunsch nach früh­zei­ti­gem – hihi – Aus­schei­den der Mann­schaft, die unse­re Fuß­ball­freun­de zum Sieg grö­len zu wol­len schei­nen, hat nicht im Gering­sten etwas damit zu tun, dass ich deren hob­by nicht tei­le. Ich tei­le auch das hob­by des Musik­ma­chens nicht und wün­sche eini­gen mei­ner favo­ri­sier­ten Musi­ker den­noch noch eine lan­ge wei­te­re Kar­rie­re. Mein Wunsch hat viel­mehr mit die­ser Rege­lung zu tun:

Die Ord­nungs­äm­ter wägen (…) für jeden Ein­zel­fall zwi­schen dem beson­de­ren öffent­li­chen Inter­es­se an den Fuß­ball­spie­len und dem Schutz der Nacht­ru­he ab.

Die Frei­zeit­ge­stal­tung einer bedau­er­li­cher­wei­se viel zu lau­ten Min­der­heit bekommt somit einen recht­li­chen Son­der­sta­tus, der es die­ser Min­der­heit erlaubt, ent­ge­gen jedem Anstands­ge­bot Unbe­tei­lig­ten nach Her­zens­lust – im Rah­men der Geset­ze und son­sti­gen Ver­ord­nun­gen abzüg­lich des Gröl­ver­bots – aus Frust (Spiel ver­lo­ren), Freu­de (Spiel gewon­nen) oder son­sti­ger Stim­mung (Alko­hol) in ihrem per­sön­li­chen Lebens­be­reich (nicht schall­dich­te Woh­nung) auch zur Schla­fens­zeit auf die Ner­ven zu gehen. Wenn das alle machen wür­den! Stun­den­lan­ge Auto­kor­sos mit Hup­kon­zer­ten nach gewon­ne­nen Schach­tur­nie­ren. Viel­stim­mi­ge „Poooooooost!“-Chöre aus betrun­ke­nen Keh­len auf nahe­zu allen inlän­di­schen Fern­seh­ka­nä­len bei Erschei­nen einer neu­en Son­der­brief­mar­ke. Däm­li­ches Glocken­ge­bim­mel im gan­zen Ort, weil das hei­li­ge Buch einer klei­nen Grup­pe sek­tie­ren­der Spin­ner vor­schreibt, dass sie bit­te­schön jetzt ihrem Herrn für die Ermor­dung sei­nes Soh­nes dan­ken sol­len. Moment, ent­schul­digt – ich bin in der Zei­le ver­rutscht.

Mir wur­de mit­ge­teilt, es sei aso­zi­al von mir, den Sports­freun­den den aus­ge­leb­ten Spaß an ihrem gemein­sa­men Inter­es­se nicht zu gön­nen. Aber das ist nicht wahr, eine sol­che Freu­de gön­ne ich jedem. Was ich aber nicht jedem gön­ne, ist es, mir mit sei­nem Nischen­in­ter­es­se nach­hal­tig die Ruhe zu neh­men. Ich fin­de Fuß­ball min­de­stens über­flüs­sig, das macht mich aber noch nicht aso­zi­al; sobald ich mich einer grö­ße­ren Men­schen­grup­pe anschlie­ße und mit die­ser gemein­sam mit der Stra­ßen­bahn fah­re, beim Zustei­gen von Fuß­ball­fans „Fuß­ball ist schei­ße“ brül­le und dazu völ­lig takt­fremd klat­sche, wäh­rend einer aus der Grup­pe ihnen vor die Füße kotzt, dann kön­nen wir über das mit der Aso­zia­li­tät gern noch ein­mal spre­chen.

Das hob­by der mei­sten Men­schen ist mir egal. Mei­net­we­gen kön­nen sie, bei aller Tier­lie­be, in ihrer Frei­zeit Schwei­nen die Haut abzie­hen und eine Sex­pup­pe dar­aus nähen. Ich kann nur ganz gut dar­auf ver­zich­ten, dass sie nachts vor mei­nem Fen­ster laut und schief „Sex mit Schwei­ne­haut, scha­lal­a­la­la!“ sin­gen. Nicht, weil ich sexu­el­le Merk­wür­dig­kei­ten aus kon­ser­va­ti­ven Erwä­gun­gen her­aus doof fän­de, son­dern, weil ich es für eine Tugend hal­te, ab und zu auch mal die Fres­se zu hal­ten, und Men­schen, die die­se ihnen feh­len­de Tugend über­kom­pen­sie­ren, nicht zu den mir lieb­sten zäh­len.

Der Fuß­ball, die Ver­bän­de, die Mann­schaf­ten und die Mei­ster­schaft an sich sind mir herz­lich egal. Es ist die Aura an mensch­li­cher Debi­li­tät, die sie umgibt, die sich ohne merk­li­che Ein­bu­ßen an Lebens­qua­li­tät ent­beh­ren lie­ße.

Freut euch lei­se, ihr Pflau­men.

In den NachrichtenWirtschaftMontagsmusik
Pure Rea­son Revo­lu­ti­on – The Bright Ambassa­dors of Mor­ning // Bedin­gungs­lo­se Grund­auf­re­gung

Was fehltEs ist, juch­hei!, Mon­tag; damit sind es nur noch fünf Tage bis zum Wochen­en­de, was noch ein wenig schö­ner wäre, wäre sie auch da. Ein Käuz­chen nickt ver­ständ­nis­voll.

Weni­ger Ver­ständ­nis weckt wie üblich die Wirt­schaft: Das Schwei­zer Volk hat sich am Wochen­en­de über­wie­gend gegen ein bedin­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men ent­schie­den, bei der „ZEIT“, die ihren Lesern offen­bar extra erklä­ren muss, dass ein Gan­zes 100 Pro­zent sind („ent­schie­den sich 78 Pro­zent der Teil­neh­mer (…) dage­gen. 22 Pro­zent stimm­ten dem­nach dafür“, das gibt ein Fleiß­bi­en­chen im Klas­sen­buch), und in ande­ren Medi­en bis hin zum vir­tu­el­len Box­sack Twit­ter ist man natür­lich weit­ge­hend fas­sungs­los dar­über, dass das kom­mu­ni­sti­sche Ide­al sich noch nicht mal in der Schweiz durch­set­zen kann, obwohl doch die Schweiz in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten stets ein ver­läss­li­cher Part­ner oder so bei der Durch­set­zung der ein­zig rich­ti­gen Poli­tik war. Aus den Rei­hen der SPD wird die Schweiz für die Volks­ent­schei­dung beklatscht, was in mir durch­aus Zwei­fel rei­fen lässt, ob mei­ne Skep­sis bezüg­lich eines „bedin­gungs­lo­sen“ (sprich: lei­stungs­lo­sen) Grund­ein­kom­mens nicht viel­leicht doch vor­ei­lig ist. Was die SPD gut fin­det, ist meist gar nicht so gut.

Der Ruf nach einem „bedin­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­men“ ist ver­ständ­lich, aber kurz­sich­tig: Wird der Gegen­wert des Sat­zes „ich habe kein Geld“ von (wie bis­lang) 0 auf, sagen wir mal, 800 Euro ange­ho­ben, besitzt also jeder plötz­lich ein­fach so 800 Euro, so ver­liert das Geld rela­tiv dazu an Wert. Ein Bei­spiel: Im Novem­ber 1923 betrug das Brief­por­to 10 Mil­li­ar­den Mark, weil Geld wegen sei­ner über­mä­ßi­gen Her­stel­lung qua­si nichts mehr wert war, was letzt­lich zu Hit­ler und ein paar sehr unan­ge­neh­men Zwi­schen­fäl­len führ­te. Ein über­trie­be­ner Ver­gleich, sagt ihr? Viel­leicht habt ihr damit sogar Recht. Wenn’s kei­ner weiß, kann kei­ner jubeln.

Woher, apro­pos, kommt es eigent­lich, dass Nach­rich­ten­ar­ti­kel über Kin­der­por­no­gra­fie über­durch­schnitt­lich oft mit einem Mac­Book bebil­dert wer­den? Ted Unangst geht von einem Zusam­men­hang aus.

Kapell­mei­ster, kapell­mei­ste­re!

Pure Rea­son Revo­lu­ti­on- Bright Ambassa­dors Of Mor­ning

Guten Mor­gen.

Nerdkrams
Der Tor fällt nicht weit vom Appel­baum

Alter Hut: Knall­bun­te Web­sites mit eige­ner Domain und Logo für Sicher­heits­lücken in Soft­ware.
Das neue gro­ße Ding: Knall­bun­te Web­sites mit eige­ner Domain (ob da wohl noch ein Logo kommt?) für pri­va­te Feh­den unter Open-Source-Ent­wick­lern. Das muss die­ser Geist des Open Source sein, von dem immer die Rede ist.

Wor­um es geht? Ein mitt­ler­wei­le ehe­ma­li­ges, aller­dings recht enga­gier­tes Mit­glied der Tor-Kern­ent­wick­ler­grup­pe hat blö­der­wei­se einen Nach­na­men, der recht weit vorn im Alpha­bet steht, wes­halb es sei­ne Team­kol­le­gen natür­lich ganz beson­ders stört, wenn er, um nie­man­des Arbeit wich­ti­ger erschei­nen zu las­sen als die eines Ande­ren, bei der Ver­schrift­li­chung um eine alpha­be­ti­sche Rei­hen­fol­ge der Ver­ant­wort­li­chen bit­tet. „Der da hat einen Namen, der vor mei­nem erschei­nen wür­de, das belä­stigt mich!“

Ach, nein – eigent­lich geht es ja tat­säch­lich um Belä­sti­gung. Bei Tor scheint Homo- oder wenig­stens Bise­xua­li­tät ein wich­ti­ges The­ma zu sein, was auch schon die ein­zig nen­nens­wer­te Erkennt­nis aus dem gan­zen Bohei ist; ein Rosen­krieg zwi­schen Men­schen, die ver­gli­chen damit, dass sie sich auf­füh­ren wie eine Hor­de puber­tie­ren­der Teen­ager, zuvor offen­sicht­lich für erschreckend erwach­sen gehal­ten wur­den.

Ein Opfer des Beschul­dig­ten gibt etwa zu Pro­to­koll:

I did­n’t know until very recent­ly that non­con­sen­su­al sex, by a fri­end, is rape. It is for this rea­son that I am wri­ting this account.

Mit ande­ren Wor­ten: Eigent­lich hielt das Opfer einen offen­bar sexu­ell moti­vier­ten Zwi­schen­fall für nicht son­der­lich schlimm oder auch nur bedeut­sam, bis jemand ihm mit­teil­te, dass es unan­ge­mes­sen sei, sich dar­über nicht zu vie­le Gedan­ken zu machen. Wer Kom­pro­mat sucht, ist über jeden, den er dazu über­re­den kann, glück­lich.

Das Gros der Erfah­rungs­be­rich­te aller­dings befasst sich damit, dass der Täter unge­fragt in klei­nem Kreis über die Sexua­li­tät der Opfer sprach; dar­über bekla­gen sich Letz­te­re auf der Web­site, indem sie selbst dar­über und über die sei­ne spre­chen, und zwar in einem weit grö­ße­ren Rah­men als es zuvor je gesche­hen wäre. Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Schnell, schieß mir ins Gesicht!

(via @andreasdotorg)

Spaß mit Spam
Du musst check this out

Wun­der­schön ist schon der Betreff der obsku­ren Spam­mail, die mir ein gewis­ser „Alec“ heu­te ins Post­fach spül­te:

Hal­lo,

Haben Sie über die binä­re Tra­ding-Soft­ware gehört, die MEGA MONEY
Gewin­ne und Dre­hen der Finanz­welt auf den Kopf erzeugt?

Äh.

Letz­te Woche Tom Men­d­a­co öffent­lich bekannt, dass er $ 2,747.50 in
nur einem ein­zi­gen Han­del mit der Soft­ware gemacht.

  Den­ken Sie für eine zwei­te, was Sie mit $ 2,747.50 tun wür­de!

Für wen bit­te? :-?

Und selbst wenn Sie nicht Men­de­co sein kann, ich den­ke, Sie ziem­lich
glück­lich sein wür­de eine zusätz­li­che tau­send Dol­lar pro Tag zu
gene­rie­ren.

[==>Link (
http://tracking.binarypromos.com/aff_c?offer_id=(ID retu­schiert, A.d.V.) )]

Gene­rie­rung von Geld, klin­gen serious. Ich aber Geld mit Arbeit. Nicht bin stu­pid.

Das Beste an der Soft­ware ist, dass es für Dum­mies ein­fach ist.

So’n Spam­mer, der offen­bar sogar für Soft­ware für Dum­mies zu blöd zu sein scheint, denn sonst hät­te er das Spam­men nicht nötig, ist jetzt viel­leicht nicht unbe­dingt eine gute Instanz zur Emp­feh­lung.

Sie kön­nen Geld jede Minu­te jede Stun­de jeden Tag machen, indem Sie
ein­fach ‚up „oder“ down „auf der Grund­la­ge der Graph-Muster und
Rich­tung Trends, die Sie sehen! Jeder kann das.

Das geht up. Jeder kann das! Des­we­gen wird auch jeder immer so reich vom Angucken von Gra­phen und vom Gene­rie­ren von Geld. MEGA MONEY!

Sie müs­sen mehr Erfolgs­ge­schich­ten CHECK OUT. Die­ses Zeug ist
ver­rückt. Guck mal

Das, aller­dings, glau­be ich auch. Viel­leicht soll­te „Alec“ – die Mail ist mit „Ali­ce“ unter­schrie­ben – von „dem Zeug“ bes­ser die Fin­ger las­sen.

:irre:

Sonstiges
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 1. Juni 2016

Das, „ZEIT ONLINE“, ver­steh‘ ich übri­gens nicht:

Wäh­rend eines Dorf­fe­stes im säch­si­schen Colm­nitz sind eini­ge Teil­neh­mer eines Fest­um­zugs am Sonn­tag als Wehr­machts­sol­da­ten ver­klei­det gewe­sen. Sie prä­sen­tier­ten an ihren Kostü­men Haken­kreu­ze und ande­re natio­nal­so­zia­li­sti­sche Abzei­chen. (…) Offi­zi­ell gefei­ert wur­den laut Ver­an­stal­tungs­hin­weis des Ver­eins indes (…) 110 Jah­re Ras­se­ge­flü­gel­zucht­ver­ein Colm­nitz, 110 Jah­re Ras­se­ka­nin­chen­züch­ter­ver­ein.

Ras­segeflü­gel und Ras­sekanin­chen – das kann kein Zufall sein!


„SPIEGEL ONLINE“ und die Nach-Schrö­der-SPD freu­ten sich jüngst über die ver­meint­lich gesun­ke­nen Arbeits­lo­sen­zah­len. flat­ter resü­miert

Wir haben also fast vier­ein­halb Mil­lio­nen Hart­zer im Arbeits­markt bei 2,66 Mil­lio­nen „Arbeits­lo­sen“. Wachs­tum! Wohl­stand! Voll­be­schäf­ti­gung!

Die maß­geb­lich für Armut und sozia­le Käl­te ver­ant­wort­li­che SPD, deren kru­de Vor­stel­lung von einer fai­ren Arbeits­welt sie selbst nie­mals tref­fen wird, denn kein SPD-Groß­kop­fer­ter wird nach der Abwahl aus dem Bun­des­tag 2017 ernst­haf­te finan­zi­el­le Sor­gen haben (Pen­si­on und Bera­ter­ver­trä­gen sei’s zynisch gedankt), rech­net wie gewohnt als Fol­ge ihrer wider­li­chen „Sozi­al­po­li­tik“ Ver­arm­te (Zwangs­ver­ren­tete, Hartz-IV-Abhän­gi­ge u.dgl.) aus ihrer eige­nen Sta­ti­stik her­aus. Zum Glück haben wir den Qua­li­täts­jour­na­lis­mus, der nüch­tern und unauf­ge­regt dar­über berich­tet.


Wor­über sich die SPD sonst so freut: „Wenn schon 20 Pro­zent, dann stol­ze 20 Pro­zent“, sag­te der Bun­des­wirt­schafts­mi­ni­ster. Viel­leicht gibt es hin­ter­her eine Teil­nah­meur­kun­de und einen Trost­preis.


Der Mai war mal wie­der ein Monat der töd­li­chen Ter­ror­an­schlä­ge. Ihr habt nichts davon mit­be­kom­men? Das war ja auch nicht hier, das war im Irak – das ist da, wo der Westen vor ein paar Jah­ren schwer bewaff­net „den Frie­den“ instal­liert hat.


Das Land­ge­richt Köln hat her­aus­ge­fun­den, dass man SMS-Nach­rich­ten nach­träg­lich löschen kann. Wenn sie in dem Tem­po wei­ter­ma­chen, soll­ten wir in spä­te­stens elf Jah­ren all­mäh­lich Vor­sicht im Umgang mit die­sem „Inter­net“ wal­ten las­sen. Viel­leicht aber auch noch etwas spä­ter:

Die Fra­gen, die das BMWi im Rah­men des Grün­buch-Pro­zes­ses beant­wor­ten will, lau­ten zum Bei­spiel „Was bedeu­tet es über­haupt, wenn nicht mehr nur phy­si­sche Pro­duk­te, son­dern auch Daten zum zen­tra­len Wirt­schafts­fak­tor wer­den?“ und iro­ni­scher­wei­se sogar „Wie stel­len wir eine schnel­le­re regu­la­to­ri­sche Reak­ti­ons­zeit her, die mit der Schnel­lig­keit digi­ta­ler Ent­wick­lun­gen Schritt hält?“.

Das Fax mit einem ersten Ent­wurf ist sicher­lich bereits unter­wegs.


Posi­ti­ve Nach­rich­ten aus der EU: Unse­re Flag­gen sind sicher.

MusikkritikKaufbefehle
Kurz­kri­tik: Jane’s Addic­tion – Nothing’s Shocking

Jane's Addiction - Nothing's ShockingDas Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat unlängst fest­ge­stellt, dass „Sam­pling“ ein stil­prä­gen­des Ele­ment im Hip-Hop sei. Damit ist auf höch­ster Ebe­ne ent­schie­den wor­den, dass von künst­le­risch wert­vol­len, krea­tiv gepräg­ten Inhal­ten dort kei­ne Rede sein kann. Wie anders ist’s doch in der Rock­mu­sik!

Den 1980er Jah­ren haf­tet nichts­de­sto­trotz nicht völ­lig anlass­los (Phil Coll­ins) das Eti­kett des Jahr­zehnts an, über des­sen sound­track man lie­ber schockiert den schall­dich­ten Man­tel des Schwei­gens wer­fen soll­te. Kei­nes­wegs schockie­rend aber ist das all­mäh­li­che Ende der musi­ka­li­schen Grau­sam­kei­ten gegen Ende die­ser Schreckens­de­ka­de. Dazu zählt neben den längst zu den Klas­si­kern zu rech­nen­den Groß­ta­ten „Doo­litt­le“ und „Blood Sugar Sex Magick“ auch das 1988 erschie­ne­ne Album „Nothing’s Shocking“ der aus­ge­rech­net US-ame­ri­ka­ni­schen Rock­band Jane’s Addic­tion, mit­hin ihr erstes Stu­dio­al­bum, dem im Vor­jahr bereits ein Live­al­bum vor­aus­ge­gan­gen war.

Das Titel­bild des Albums erzählt eine ganz eige­ne Geschich­te: Zwei schwarz-wei­ße nack­te Frau­en mit gro­tes­ken Brü­sten und bren­nen­den Haa­ren schau­en spöt­tisch lächelnd auf den Betrach­ter her­ab. War das 1988, mit­hin: über ein hal­bes Jahr­hun­dert nach dem gol­de­nen Zeit­al­ter, noch schockie­rend? Nun ja, in Nord­ame­ri­ka, wo noch heu­te ein sehr eige­nes Ver­hält­nis zur Prü­de­rie gepflegt wird, mög­li­cher­wei­se schon, aber anson­sten trifft’s die Fest­stel­lung, hier sei nichts Schockie­ren­des ent­hal­ten, schon ganz gut; viel­mehr wird hier, Jah­re vor der Grün­dung der sti­li­stisch ähn­li­chen, aber ungleich bekann­te­ren Rage Against The Machi­ne, sozu­sa­gen neben­bei der Alter­na­ti­ve Rock mit­er­fun­den.

Die obli­ga­to­ri­sche Beat­les-Refe­renz („Jane Says“) soll­te kei­nes­wegs als Blau­pau­se für das gan­ze Album miss­ver­stan­den wer­den – das fetzt. (Sagt man das noch, „fetzt“?)

Seit eini­gen Jah­ren sind Jane’s Addic­tion wie­der ver­eint. Das scheint nicht die schlech­te­ste Neu­ig­keit die­ses Jahr­hun­derts zu sein.

PersönlichesPolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Anek­do­ten – Shoo­ting Star // Der Gau­land und die Leu­te

Montag, hicksEs ist Mon­tag; ein Mon­tag, der die aus­ge­las­se­ne Fröh­lich­keit, die den Sonn­abend ein­läu­te­te, nur min­der zu beein­träch­ti­gen ver­mag. Ist das nicht wun­der­voll? („Nein, ist es nicht!“, ruft eine gesichts­lo­se Stim­me, wohl wis­send, wie anders doch ein Mon­tag sein kann, wenn nur der Sonn­tag ein gemein­sa­mer war. „Ach“, ruft man der Stim­me zu, „du hast ja Recht.“) Viel­leicht wer­de ich auch all­mäh­lich ein biss­chen sen­ti­men­tal.

Klin­ge­ling, tüdeldüt, die Nach­rich­ten, frisch aus dem sich abzeich­nen­den Som­mer­loch. 105’5 Spre­e­ra­dio, Chri­sti­an Teevs („SPIEGEL ONLINE“), Armin Laschet und Bernd Riex­in­ger erklä­ren es uni­so­no wahl­wei­se für Ras­sis­mus oder Frem­den­feind­lich­keit, dass der nun nicht unbe­dingt für klu­ge gesell­schaft­li­che Ana­ly­sen bekann­te Alex­an­der Gau­land („AfD-Vize“, denn mehr als zwei Sil­ben pro Wort­teil, etwa in „stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der“ oder wenig­stens das immer noch sack­blö­de, aber wenig­stens erträg­lich sinn­haf­te „Vize­vor­stand“, möch­te der Jour­na­lis­mus sei­nen Lesern lie­ber nicht mehr zumu­ten) angeb­lich sug­ge­rier­te, „die Leu­te“ stän­den einer mög­li­chen Nach­bar­schaft zu Jérô­me Boa­t­eng (Fuß­ball­spie­ler, deut­sche Natio­nal­mann­schaft) eher kri­tisch gegen­über, ver­säu­men es dabei jedoch, dem Publi­kum zu erklä­ren, wel­cher Ras­se oder Frem­de die­ser denn ange­hö­re, denn die Vor­aus­set­zung für Ras­sen- oder Frem­den­feind­lich­keit ist zunächst ein­mal deren Vor­han­den­sein.

Sig­mar Gabri­el, desi­gnier­ter Insol­venz­ver­wal­ter der SPD, sprach immer noch, aber anders falsch von „Deut­schen­feind­lich­keit“. Die Mehr­heit der Befrag­ten ist sich also einig, dass die postu­lier­te Fest­stel­lung Alex­an­der Gau­lands, man (hier: „die Leu­te“) wol­le Jérô­me Boa­t­eng kei­nes­falls als Nach­barn wis­sen, so gar nicht gehe, unklar bleibt es dem Anschein nach aber, woge­gen sie nun im Kon­sens eigent­lich genau ver­stößt. Ich zum Bei­spiel gehe noch einen Schritt wei­ter und möch­te kei­nes­falls neben irgend­ei­nem Fuß­ball­spie­ler woh­nen, denn aus Inter­views mit Fuß­ball­spie­lern weiß ich, dass sie zu halb­wegs ver­nünf­ti­gen Gesprä­chen samt und son­ders nicht fähig schei­nen. Viel­leicht soll­te man auch ein­fach die lästi­ge Ange­wohn­heit, jedem Hans­wurst zu jeder denk­ba­ren Gele­gen­heit ohne tages­po­li­tisch rele­van­ten Anlass ein Mikro­fon unter die Nase zu hal­ten, ein­mal kri­tisch zur Dis­kus­si­on stel­len.

Gibt es auch noch gute Nach­rich­ten? Aber ja: Käpt’n Offen­sicht­lich hat her­aus­ge­fun­den, dass Kame­ra­über­wa­chung kei­ne Straf­ta­ten ver­hin­dert. Wenn das doch nur jemand geahnt hät­te!

Musik, zwei, drei, vier.

Anek­do­ten – Shoo­ting Star (Until All The Ghosts Are Gone 2015)

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Tor­ten­po­li­ti­ker (2): Die haben Bär­te, die haben Bär­te.

Im Febru­ar die­ses Jah­res bewarf ein Beklopp­ter Bea­trix von Storch mit einer Tor­te, um damit irgend­was aus­zu­drücken, wobei unklar bleibt, was das wohl sein moch­te, sind Tor­ten­wür­fe doch seit Jah­ren kein beson­ders revo­lu­tio­nä­rer Akt mehr: „Bill Gates mit Tor­te bewor­fen“ (Dai­ly News, Febru­ar 1998), jeder Mensch braucht halt ein Hob­by, aller­dings waren so man­che, die heu­te bei jedem clow­nes­quen Tor­ten­wurf gegen den jewei­li­gen Klas­sen­feind joh­len, 1998 noch nicht ein­mal gebo­ren. Die Poche­ri­sie­rung der Poli­tik ist zumin­dest tra­di­ti­ons­reich.

Der um frü­he­re Pöbel­pi­ra­ten („DIE LINKE AUFMISCHEN!!11!“, ich berich­te­te) berei­cher­ten und damit vor­aus­sicht­lich dem­nächst implo­die­ren­den „Lin­ken“, die in aus­ge­rech­net Mag­de­burg in Ruhe zu tagen ver­such­te, scheint die­ser äuße­re Klas­sen­feind abhan­den gekom­men zu sein, aber an Clowns man­gelt es ihnen kei­nes­wegs:

Ein unbe­kann­ter Mann war in die Tagungs­hal­le auf dem Mes­se­ge­län­de der Stadt gestürmt, war bis zur ersten Rei­he vor­ge­drun­gen und hat­te der Lin­ken-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Sahra Wagen­knecht eine Scho­ko­la­den­tor­te ins Gesicht gewor­fen. Dabei rief er unver­ständ­li­che Paro­len.

Das hat Frau Wagen­knecht jetzt davon! Poli­ti­sche Bot­schaf­ten sind seit 2005 ja auch irrele­vant, die Tor­te zählt. Aus den Rei­hen der lin­ken ehe­ma­li­gen Pöbel­pi­ra­ten tön­te es bereits Anfang der Woche unter einer Kapu­ze her­vor, „jetzt“ sei „Sahra dran“, denn gemein­hin für intel­li­gent gehal­te­ne Poli­ti­ker jed­wel­chen Geschlechts will man in gewis­sen Krei­sen nicht in den eige­nen Rei­hen wis­sen, kon­tra­stie­ren sie das eige­ne Brett vor dem Kopf doch mit jedem Wort. Links­sein war schon immer das Pri­vi­leg des nied­ri­gen Bil­dungs­stan­des, lin­ke Par­tei­en in der Geschich­te schon immer die Par­tei­en der ein­fa­chen Arbei­ter und Bau­ern. „Links­sein den Dum­men!“ wäre übri­gens auch eine her­vor­ra­gend skan­dier­ba­re Paro­le.

Bedau­er­lich ist nur, dass es sich bei der Betor­te­ten wie schon bei Frau von Storch um eben eine Frau han­delt, was die lin­ke Maxi­me von der Unan­tast­bar­keit der Weib­lich­keit womög­lich bei­na­he ins Wan­ken gebracht hät­te, was auch den wäh­rend sei­ner Rede unsanft unter­bro­che­nen Par­tei­vor­sit­zen­den beweg­te:

Riex­in­ger ergriff nach der Rede­pau­se sofort Par­tei für Wagen­knecht. Gewalt gegen Frau­en sei nicht zu tole­rie­ren, sag­te er.

Ob Gewalt zu tole­rie­ren ist, scheint bei Lin­ken also maß­geb­lich davon abzu­hän­gen, gegen wen sie aus­ge­übt wird. Bernd Riex­in­ger bekam aller­dings prä­ven­tiv Schüt­zen­hil­fe aus den Rei­hen der Koso­vo­par­tei: Gewalt sei kein Mit­tel der poli­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung, gab der glei­che Poli­ti­ker auf Twit­ter zu ver­ste­hen, der noch im Novem­ber 2015 beim „Deutsch­land­funk“ gut­ten­berg­te, es gebe „bestimm­te Aus­nah­me­si­tua­tio­nen, wo man mit ande­ren Mit­teln nicht vor­an­kommt und wo der bewaff­ne­te Kon­flikt“, Quatsch, „der Krieg das letz­te Mit­tel ist“. All­mäh­lich gerät man als anti­deut­scher Lin­ker offen­sicht­lich in eine Situa­ti­on, in der man selbst von den Mit­klas­sen­kämp­fern ver­meint­lich rechts über­holt wird; was letzt­end­lich, wenn sich auch die Par­tei „Die Lin­ke“ letzt­end­lich als ledig­lich für ein bil­lig abzu­grei­fen­des Pöst­chen geeig­net her­aus­ge­stellt hat, was den mensch­li­chen Fähn­chen im Wind, die sich für wer­weiß­wie fort­schritt­lich hal­ten, zum Teil wahr­schein­lich durch­aus genü­gen mag (der Kampf gegen das Schwei­ne­sy­stem will ja schließ­lich vom Schwei­ne­sy­stem anstän­dig bezahlt wer­den), alter­na­tiv­los zur „Über­win­dung“ der Par­tei­en – selbst die MLPD wird, Auf­schrei!, von einem alten wei­ßen Mann gelei­tet – füh­ren wird.

Es wird Tor­te geben.

Die­ser lin­ke Radi­ka­lis­mus ist genau die­je­ni­ge Hal­tung, der über­haupt kei­ne poli­ti­sche Akti­on mehr ent­spricht. Er steht links nicht von die­ser oder jener Rich­tung, son­dern ganz ein­fach links vom Mög­li­chen über­haupt. Denn er hat ja von vorn­her­ein nichts ande­res im Auge als in nega­ti­vi­sti­scher Ruhe sich selbst zu genie­ßen.
Wal­ter Ben­ja­min