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Kurz­kri­tik: Jane’s Addic­tion – Nothing’s Shocking

Jane's Addiction - Nothing's ShockingDas Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat unlängst fest­ge­stellt, dass „Sam­pling“ ein stil­prä­gen­des Ele­ment im Hip-Hop sei. Damit ist auf höch­ster Ebe­ne ent­schie­den wor­den, dass von künst­le­risch wert­vol­len, krea­tiv gepräg­ten Inhal­ten dort kei­ne Rede sein kann. Wie anders ist’s doch in der Rock­mu­sik!

Den 1980er Jah­ren haf­tet nichts­de­sto­trotz nicht völ­lig anlass­los (Phil Coll­ins) das Eti­kett des Jahr­zehnts an, über des­sen sound­track man lie­ber schockiert den schall­dich­ten Man­tel des Schwei­gens wer­fen soll­te. Kei­nes­wegs schockie­rend aber ist das all­mäh­li­che Ende der musi­ka­li­schen Grau­sam­kei­ten gegen Ende die­ser Schreckens­de­ka­de. Dazu zählt neben den längst zu den Klas­si­kern zu rech­nen­den Groß­ta­ten „Doo­litt­le“ und „Blood Sugar Sex Magick“ auch das 1988 erschie­ne­ne Album „Nothing’s Shocking“ der aus­ge­rech­net US-ame­ri­ka­ni­schen Rock­band Jane’s Addic­tion, mit­hin ihr erstes Stu­dio­al­bum, dem im Vor­jahr bereits ein Live­al­bum vor­aus­ge­gan­gen war.

Das Titel­bild des Albums erzählt eine ganz eige­ne Geschich­te: Zwei schwarz-wei­ße nack­te Frau­en mit gro­tes­ken Brü­sten und bren­nen­den Haa­ren schau­en spöt­tisch lächelnd auf den Betrach­ter her­ab. War das 1988, mit­hin: über ein hal­bes Jahr­hun­dert nach dem gol­de­nen Zeit­al­ter, noch schockie­rend? Nun ja, in Nord­ame­ri­ka, wo noch heu­te ein sehr eige­nes Ver­hält­nis zur Prü­de­rie gepflegt wird, mög­li­cher­wei­se schon, aber anson­sten trifft’s die Fest­stel­lung, hier sei nichts Schockie­ren­des ent­hal­ten, schon ganz gut; viel­mehr wird hier, Jah­re vor der Grün­dung der sti­li­stisch ähn­li­chen, aber ungleich bekann­te­ren Rage Against The Machi­ne, sozu­sa­gen neben­bei der Alter­na­ti­ve Rock mit­er­fun­den.

Die obli­ga­to­ri­sche Beat­les-Refe­renz („Jane Says“) soll­te kei­nes­wegs als Blau­pau­se für das gan­ze Album miss­ver­stan­den wer­den – das fetzt. (Sagt man das noch, „fetzt“?)

Seit eini­gen Jah­ren sind Jane’s Addic­tion wie­der ver­eint. Das scheint nicht die schlech­te­ste Neu­ig­keit die­ses Jahr­hun­derts zu sein.

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