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Anek­do­ten – Shoo­ting Star // Der Gau­land und die Leu­te

Montag, hicksEs ist Mon­tag; ein Mon­tag, der die aus­ge­las­se­ne Fröh­lich­keit, die den Sonn­abend ein­läu­te­te, nur min­der zu beein­träch­ti­gen ver­mag. Ist das nicht wun­der­voll? („Nein, ist es nicht!“, ruft eine gesichts­lo­se Stim­me, wohl wis­send, wie anders doch ein Mon­tag sein kann, wenn nur der Sonn­tag ein gemein­sa­mer war. „Ach“, ruft man der Stim­me zu, „du hast ja Recht.“) Viel­leicht wer­de ich auch all­mäh­lich ein biss­chen sen­ti­men­tal.

Klin­ge­ling, tüdeldüt, die Nach­rich­ten, frisch aus dem sich abzeich­nen­den Som­mer­loch. 105’5 Spre­e­ra­dio, Chri­sti­an Teevs („SPIEGEL ONLINE“), Armin Laschet und Bernd Riex­in­ger erklä­ren es uni­so­no wahl­wei­se für Ras­sis­mus oder Frem­den­feind­lich­keit, dass der nun nicht unbe­dingt für klu­ge gesell­schaft­li­che Ana­ly­sen bekann­te Alex­an­der Gau­land („AfD-Vize“, denn mehr als zwei Sil­ben pro Wort­teil, etwa in „stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der“ oder wenig­stens das immer noch sack­blö­de, aber wenig­stens erträg­lich sinn­haf­te „Vize­vor­stand“, möch­te der Jour­na­lis­mus sei­nen Lesern lie­ber nicht mehr zumu­ten) angeb­lich sug­ge­rier­te, „die Leu­te“ stän­den einer mög­li­chen Nach­bar­schaft zu Jérô­me Boa­t­eng (Fuß­ball­spie­ler, deut­sche Natio­nal­mann­schaft) eher kri­tisch gegen­über, ver­säu­men es dabei jedoch, dem Publi­kum zu erklä­ren, wel­cher Ras­se oder Frem­de die­ser denn ange­hö­re, denn die Vor­aus­set­zung für Ras­sen- oder Frem­den­feind­lich­keit ist zunächst ein­mal deren Vor­han­den­sein.

Sig­mar Gabri­el, desi­gnier­ter Insol­venz­ver­wal­ter der SPD, sprach immer noch, aber anders falsch von „Deut­schen­feind­lich­keit“. Die Mehr­heit der Befrag­ten ist sich also einig, dass die postu­lier­te Fest­stel­lung Alex­an­der Gau­lands, man (hier: „die Leu­te“) wol­le Jérô­me Boa­t­eng kei­nes­falls als Nach­barn wis­sen, so gar nicht gehe, unklar bleibt es dem Anschein nach aber, woge­gen sie nun im Kon­sens eigent­lich genau ver­stößt. Ich zum Bei­spiel gehe noch einen Schritt wei­ter und möch­te kei­nes­falls neben irgend­ei­nem Fuß­ball­spie­ler woh­nen, denn aus Inter­views mit Fuß­ball­spie­lern weiß ich, dass sie zu halb­wegs ver­nünf­ti­gen Gesprä­chen samt und son­ders nicht fähig schei­nen. Viel­leicht soll­te man auch ein­fach die lästi­ge Ange­wohn­heit, jedem Hans­wurst zu jeder denk­ba­ren Gele­gen­heit ohne tages­po­li­tisch rele­van­ten Anlass ein Mikro­fon unter die Nase zu hal­ten, ein­mal kri­tisch zur Dis­kus­si­on stel­len.

Gibt es auch noch gute Nach­rich­ten? Aber ja: Käpt’n Offen­sicht­lich hat her­aus­ge­fun­den, dass Kame­ra­über­wa­chung kei­ne Straf­ta­ten ver­hin­dert. Wenn das doch nur jemand geahnt hät­te!

Musik, zwei, drei, vier.

Anek­do­ten – Shoo­ting Star (Until All The Ghosts Are Gone 2015)

Guten Mor­gen.